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Religion

Religion    

Ein Beitrag zur Thematik "Religion und Politische Bildung" der Jahrestagung 2019 der Interessensgemeinschaft Politische Bildung    

Günther Dichatschek

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Religion   
Ein Beitrag zur Thematik "Religion und Politische Bildung" der Jahrestagung 2019 der Interessensgemeinschaft Politische Bildung   
Vorbemerkung   
1 Religion und Politik in Österreich und Europa   
1.1 Zur Entwicklung des Konkordats in Österreich   
1.2 Religion und Interkulturalität   
1.3 Dialogfähigkeit   
1.4 Religionsfrieden im 21. Jahrhundert   
2 Religionsfreiheit als Grund- und Freiheitsrecht - Grenzen zu anderen Grundrechten   
2.1 Beziehungen von Politik und Religion   
2.2 Religion und Demokratie   
2.3 Religionsfreiheit   
2.4 Grenzen der Religionsfreiheit   
3 Religiosität vs. Gemeinschaften   
4 Länderbericht Österreich   
5 Unterrichtsbeispiel   
Literaturverzeichnis   
Reflexion   
IT-Autorenbeiträge   
Zum Autor   

Vorbemerkung    

Der Beitrag behandelt aus aktuellem Anlass das vielfältige Verhältnis von Religion und Politik.

Für die Politische Bildung bildet der Bereich Religion einen Aufgabenbereich, der die Rahmenbedingungen

  • für eine Ausübung religiöser Praxis und
  • Konfliktlösungen aus gesellschaftlichen Entwicklungen und Interessenslagen untersucht.
Zu beachten sind die Trennung von Religion und Staat in Europa und Aspekte einer Säkularisierung etwa im protestantischen Fundamentalismus in den USA und im Einfluss des Politischen Islams auf Institutionen.

  • Es geht demnach um einen Überblick über das Verhältnis von Religion und Politik in Österreich und Europa, die Religionsfreiheit als Grund- und Freiheitsrecht und deren Grenzen zu anderen Grundrechten wie Meinungs- und Pressefreiheit und im Recht auf Selbstbestimmung in einer Demokratie.
  • Zu beachten sind vielfältige Bewegungen des Politischen Islams. Auf diese Aspekte wird nicht eingegangen, hier fehlen dem Autor die notwendigen Kompetenzen. Verwiesen wird auf vorhandene Fachliteratur.
  • Ein Unterrichtsvorschlag behandelt die Fragestellungen im Unterricht und stellt den Kontext zur Lehrveranstaltung "Didakik der Politischen Bildung" her.
  • Zu beachten sind die Fachliteratur und Ergebnisse der Jahrestagung 2019 der Interessensgemeinschaft Politische Bildung/IGPB(vgl. http://www.igpb.at [12.11.2018]).

Ausgangspunkt der Überlegungen des Autors sind die

  • Absolvierung des Studiums der Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck,,
  • Absolvierung der Universitätslehrgänge Politische Bildung/ Universität Salzburg-Klagenfurt und Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg,
  • Absolvierung des Lehrganges Ökumene der Kardinal König-Akademie Wien,
  • Absolvierung des Internen Lehrganges für Hochschuldidaktik/ Universität Salzburg und
  • die Auseinandersetzung mit der Fachliteratur und den Beiträgen der Jahrestagung 2019.
1 Religion und Politik in Österreich und Europa    

Im Prinzip der Säkularität drückt sich heute das Selbstverständnis der Beziehung von Religion und Staat aus.

  • Dies zeigte sich mit der Aufklärung des 18. Jahrhunderts und der Abschaffung der Religion in der Französischen Revolution.
  • Auch das Revolutionsjahr 1848 entwickelte die angestrebten Ziele.
  • Rigoros wird das Prinzip in Frankreich in Form der Laizität umgesetzt(vgl. 1905 das Gesetz zur vollständigen Trennung von Kirche und Staat; "Loi Combes", 6.12.1905).
Bestimmend ist die Neutralität des Staates gegenüber der Religion, der Respektierung der inneren Autonomie der Religionsgemeinschaften. Ebenso schließt nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit dies einen Verzicht der religiösen Gruppierungen auf eine direkte politische Einflussnahme mit ein.

In Österreich erfolgte dies

  • 1781 mit dem "Toleranzpatent" von Joseph II., mit dem den Protestanten und Griechisch-Orthodoxen die Religionsausübung im private Raum gestattet wurde.
  • 1867 wurde im Staatsgrundgesetz Artikel 14 dies verfassungsrechtlich kodifiziert.
Aus historischen Gründen genießt das Christentum in Europa - in Österreich vor allem die Römisch-Katholische Kirche - eine privilegierte Stellung(vgl. KÖCHLER 2013, 5 mit dem Hinweis auf den Widerspruch zu jeweiligen Verfassungsgrundsätzen).

Zu verweisen ist auch auf ein Staatskirchentum etwa in Großbritannien und Dänemark und eine Theokratie im islamischen Iran.

1.1 Zur Entwicklung des Konkordats in Österreich    

Das Konkordat als völkerrechtlich verbindliches Abkommen zwischen dem Staat und Heiligen Stuhl weist auf die Situation der Römisch-Katholischen Kirche als politischer Akteur hin.

  • 1855 Konkordat mit Franz Joseph - privilegierte Stellung in Eherecht und Schulwesen
  • 1870 - einseitige Kündigung durch Österreich
  • 1874 - Aufhebung des Konkordats durch das "Katholikengesetz" - staatlicher Vorrang in Erziehung und Eherecht
  • 1933 - Versuch einer Einflussnahme über die Christlich-Soziale Partei unter Ignaz Seipel
    • Verbot politischer Tätigkeit katholischer Priester
    • Konkordat unter Dollfuss mit Bestimmungen bis heute
  • 1938-1945 - Aussetzung während der NS-Zeit
  • 1957 - Anerkennung des Konkordats durch die Republik Österreich - mehrfache Adaptierung in Verträgen mit dem Heiligen Stuhl in den sechziger Jahren(Einstellung bzw. Abberufung an staatlichen Einrichtungen, Stellungnahme ohne Vetorecht bei Bischofsernennungen)
1.2 Religion und Interkulturalität    

Neue multikulturelle Realitäten durch Migration und EU-Binnenwanderung stellen Grundsätze eines säkularen Staates in Frage bzw. werden missachtet.

  • Besonders gilt dies bei geäußerten Forderungen nach einer adaptierten Form des Islams.
  • Es fragt sich, ob religiöse Identität und damit wesentlicher Prinzipien einer Religion Angelegenheit des Staates und der Politik wären.
Zu beachten ist politische Instrumentalisierung.

  • Vorurteile werden geschürt, Fehlinformationen verbreitet.
  • Vor allem schüren unsachliche Debatten Ängste, etwa im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen in Frankreich 2012, und gefährden den Religionsfrieden. Mitunter kommt es zu Tabubrüchen.
1.3 Dialogfähigkeit    

Sorgen um eine christliche Identität Europas werden mitunter von Politikern_innen geäußert, die selbst am religiösen Leben kaum oder gar nicht beteiligt sind. In Österreich reagieren eher zögerlich die kirchlichen Gemeinschaften auf solche Tendenzen(Stand 2018).

Hilfreich sind Stellungnahmen zu einer Wichtigkeit des Dialogs zwischen den verschiedenen Religionen(vgl. den Aufgabenbereich des konfessionellen Religionsunterrichts, der jeweiligen Lehrer_innenbildung, kirchlicher Erwachsenenbildung und der Begleitung interkultureller Projekte im Berufsleben, in der Jugend- und Frauenarbeit, im Medienbereich und der Politischen Bildung).

Richtschnur einer Gesprächskultur und Dialogfähigkeit ist der Artikel 9(1) der "Europäischen Menschenrechtskonvention"(vgl. "Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten"; für Österreich BGBL Nr. 210/1958, BVG BGLB Nr. 59/1964, mit Folgegesetzen und Zusatzprotokollen).

1.4 Religionsfrieden im 21. Jahrhundert    

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts zeigt sich eine eigenartige Entwicklung

  • einerseits mit einer zunehmenden Marginalisierung der christlichen Religion und
  • andererseits mit einer politisch gesteuerten Behauptung christlicher Identität(vgl. für Österreich POLAK-SCHACHINGER 2011, 191-219).
Wesentlich erscheint für die Politische Bildung mit ihren Teilbereichen die (Heraus-)Forderung nach Interkultureller Kompetenz und einer Gesprächskultur (vgl. die IT-Autorenbeiträge http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Politische Bildung, Interkulturelle Kompetenz)..

Für Österreich gelten beispielgebend zur Sicherung des Religionsfriedens und damit zur politischen Stabilität die Aktivitäten

  • von Kardinal Franz König im interreligiösen Dialog und
  • die Bemühungen des "Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich", besonders mit dem "Sozialwort"(2003).
2 Religionsfreiheit als Grund- und Freiheitsrecht - Grenzen zu anderen Grundrechten    

Von Interesse ist die Rückkehr der Religion als politische Kraft. Kontrovers werden der Stellenwert von Religion für die Politik und religiöse Rechte diskutiert.

Die Auffassung, die christlich-abendländische Kultur - in Form der Religion - sei das Fundament einer europäischen Gesellschaft und der politischen Nation, wird durch Erosionsprozesse der organisierten Religion und religiösen Pluralismus in Frage gestellt.

  • Für Österreich ist der Rückgang der römisch-katholischen Bevölkerung von 87,4 Prozent 1971 auf knapp 71 Prozent 2001 und die Zunahme von Personen ohne religöses Bekenntnis von 4,3 Prozent 1971 auf 16 Prozent 2001 von Bedeutung.
  • Die Evangelischen Kirchen haben prozentuell den größten Mitgliederschwund aufzuweisen. Sie verkleinern sich von knapp 6 Prozent 1971 auf 4,7 Prozent 2001(vgl. den Rückgang um gut 20 Prozent).
  • Die Islamische Glaubensgemeinschaft hat den größten Zuwachs. Von 1971 bis 2011 hat sie sich um mehr als das Dreifach gesteigert.
  • Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und Austritten hat die Römisch-Katholische Kirche in den letzten Jahren ca. 800 000 Mitglieder verloren. Die Evangelischen Kirchen verloren rund ein Viertel im selben Zeitraum.
Die Entwicklung zeigt sich in den Debatten um

  • religiöse Werte und religiöse Symbole,
  • die Anerkennung bzw. das Verbot bestimmter Glaubensgemeinschaften,
  • Fragen der Religionsfreiheit und
  • Rechte Konfessionsloser und Atheisten.
2.1 Beziehungen von Politik und Religion    


Politik - Religion

Polity - organisierte Religion

Politics - religiöse Praktiken

Policy - religiöse Ideen


Polity - verfassungsgemäße Ordnung, strukturelle Ordnung

Politics - Politikgestaltung, Entscheidungsfindung, Partizipation

Policy - inhaltliche und materielle Dimension

Organisationsformen - organisierte Religion, etwa Organisationsformen/Kirchenrecht, sakrale Bauten, Ausbildung - Bildungs- und Forschungseinrichtungen

Religiöse Praktiken - interventionistische Praktiken(etwa Gebete, Opfer, Segnungen, Prozessionen, Pilgerreisen,. Wallfahrten und Rituale) - diskursive Praktiken(etwa Prozesse der Verständigung wie Diskurse) - abgeleitete Praktiken(außerreligiöse Alltagshandlungen religiös begründen; etwa Waffendienst, Abtreibung und Parteienpräferenz)

Religiöse Ideen - Glaubensvorstellungen, religiöses Wissen, Medien, politische Akteure

2.2 Religion und Demokratie    

Religion und Politik verändern ihre Beziehungen(dynamisches Modell).

Offen bleibt die Frage, wie viel Religion benötigt die Demokratie und wie viel Politik benötigt die Religion.

Von Bedeutung ist der religiöse Pluralismus.

  • Er gehört zu den wichtigen demokratischen Prinzipien.
  • Zu unterscheiden ist zwischen "diversity"(soziale Dimension) und "policy"(inhaltliche Dimension).
Gesellschaftlicher Pluralismus wird als notwendige Voraussetzung für politische Konkurrenz und Demokratie angesehen.

2.3 Religionsfreiheit    

Garantiert und völkerrechtlich kodifiziert wird die Freiheit der Dimensionen von Religion - individuell(Recht auf Glauben), kollektiv(Religionsgemeinschaften, religiöse Handlungen)) und institutionell(Gründung von Institutionen, selbständige Regeln/Kirchenrecht, Ordnungen) - in den Dokumenten der UNO/UNO-Charta und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte/1948, dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte/1966 sowie dem EU-Vertrag von Lissabon/2001 und nationalen Verfassungen.

In Österreich wurde Religionsfreiheit

  • bereits im Staatsgrundgesetz 1867, im Staatsvertrag/Friedens- von St. Germain 1919 und im Bundesverfassungsgesetz(BVG) i.d.g.F. mit der Europäischen Menschenrechtskonvention, Artikel 9, Absatz 1, formuliert.
  • Negative Religionsfreiheit bedeutet, dass Personen das Recht haben, ihren Glauben geheim zu halten bzw. eine Glaubensgemeinschaft zu verlassen und/oder sich einer anderen Glaubensgemeinschaft anzuschließen. Ebenso gehört dazu keinen Zwang zu religiösen Praktiken, Handlungen und Feierlichkeiten auszuüben.
Die unterschiedlichen Aspekte betreffen demokratische Standards.

Es kann zu Konflikten mit anderen Freiheitsrechten, etwa dem Recht auf freie Meinungsäußerung, Selbstbestimmung und Versammlungsfreiheit kommen. Damit kommt es zur Abwägung staatlicher Institutionen und der Gesellschaft, konkurrierende Freiheitsrechte gegeneinander rechtlich abzustimmen.

2.4 Grenzen der Religionsfreiheit    

Von Interesse ist die Rechtsdefinition von Marci A. HAMILTON in kantischer Tradition, die die Kompatibilität der Freiheit des Einzelnen mit der Freiheit der anderen einfordert.

  • Diese besagt, dass die Ausübung religiöser Praktiken nicht anderen Personen bzw. dem Gemeinwohl schaden darf.
  • Entscheidend ist für die Frage, ob eine Einschränkung erforderlich ist oder nicht, also nicht die Tradition oder Mehrheitsmeinung.
  • Vielmehr geht es um religiöse Praktiken, die im Widerspruch zu demokratischen Grundsätzen stehen könnten. Es geht demnach um einen gleichberechtigten Ausgleich zwischen konkurrierenden Grundrechten.
Entscheidend ist also die Akzeptanz der interdependenten Beziehungen.

3 Religiosität vs. Gemeinschaften    

Der dritte und letzte Block der "Europäischen Wertestudie" der Universität Wien(2018) erhob eine Entkoppelung(Trennung) der Religiosität von Gemeinschaften.

  • Zwei Drittel der Österreicher_innen verstehen sich als religiöse Menschen. Die persönliche Religiosität entkoppelt sich(trennt sich) aber von den Religionsgemeinschaften.
  • Das religiöse Selbstverständnis ist unverändert hoch und stabil.
  • 63 Prozent bezeichnen sich als religiös. 29 Prozent geben an, keine religiöse Person zu sein und vier Prozent bezeichnen sich als überzeugte Atheisten.
  • Stabil bleibt die weltanschaulich-kognitive Dimension. 73 Prozent geben an, an Gott zu glauben(vgl. 1990 waren es 77 Prozent).
Die Kirchenmitgliedschaft wird kontinuierlich geringer.

  • 2008 gehörten 73 Prozent der Römisch-Katholischen Kirche an, 2018 sind es 63 Prozent.
  • Vielfältig wird die Religiosität in Österreich durch den Zuwachs von orthodoxen und muslimischen Personen.
  • Die Zahl der Konfessionslosen wächst.
Die Religion verliert an Bedeutung.

  • Gaben 1990 römisch-katholische, evangelische und orthodoxe Christen zu 50 Prozent an, mindestens einmal im Monat den Gottesdienst zu besuchen, waren es 2018 36 Prozent.
  • Religion verliert kontinuierlich ihre Bedeutung als Praxis, die das Leben prägt.
  • Man beschäftigt sich vielmehr mit der Frage der Zustimmung des Glaubens an religiöse Vorstellungen und Lehren.

Projekt Wertestudie/ Universität Wien

https://www.werteforschung.at/projekte/europaeische-wertestudie/ (5.11.2018)

4 Länderbericht Österreich    

Österreich als katholisches Land hat eine vielfältige religiöse Landschaft mit 16 staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften(vgl. VOCELKA 2013). Die staatliche Anerkennung beinhaltet eine eigene Rechtspersönlichkeit mit dem Recht

  • des Schutzes und der Anerkennung der Amtsträger_innen,
  • eigener Rechtsnormen und rechtlich-organisatorischen Strukturen(etwa Verwaltung/Gremien, Kirchenrecht, Ordnungen, Feiertagsordnung),
  • eigener Bauten und Räumlichkeiten,
  • eigener religiöser Veranstaltungen und
  • eigener Bildungseinrichtungen von Kindergarten bis zu universitären Bildungseinrichtungen.
  • Die Einrichtung der Militärseelsorge, der Kranken- und Anstaltenseelsorge, der Hochschulgemeinden und des staatlich anerkannten Religionsunterrichts beinhaltet auch ökumenische Aspekte.
Interessante Konstrukte sind

  • das 2000-2003 erarbeitete " Sozialwort" des "Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich" mit Stellungnahmen zu allen Bereichen des politisch-sozialen Lebens(vgl. http://www.oekumene.at/dokumente [12.11.2018]),
  • die 2009 erfolgte staatliche Anerkennung der Zeugen Jehovas,
  • die 2013 erfolgte staatliche Anerkennung der "Freikirchen in Österreich"(vgl. https://www.freikirchen.at [12.11.2018]).
  • 2016 trat das neue Islamgesetz als Nachfolge des Gesetzes aus dem Jahre 1912 in Kraft.
2013 fand in Österreich ein Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien erfolglos statt.

5 Unterrichtsbeispiel    

Das folgende Unterrichtsbeispiel soll den Kontext zur "Didaktik der Politischen Bildung" herstellen und den Bezug zur Thematik Religionsfreiheit und Säkularität verdeutlichen(Stand 2018).


Alter ab 7. Schulstufe

Lehrplan Geschichte-Sozialkunde-Politische Bildung/GSP

  • Unterrichtsprinzipien - Politische Bildung und Interkulturelles Lernen
  • Sekundarstufe I - historische und politische Kompetenz an Hand eines konkreten Themas
  • Sekundarstufe II - Ursachen, Unterschiede und Funktionen von Religionen und Ideologien
Themenstellungen

  • Religionsfreiheit vs. Säkularität - Anwendung in Staaten(Trennung von Kirche und Staat, Staatskirchentum, Theokratie, Laizismus)
  • Konfliktbereiche - Kooperation
Annäherung an das Thema

  • Kirchenvolksbegehren 2013 zum Verhältnis Religion und Staat in Österreich
  • Rolle von Religion im Staat
Didaktische Hinweise

  • Erweiterung des Verständnisses für beide Begriffe
  • Gegenwartsbeispiele
Unterrichtsablauf

  • Schritt 1 - Religionsfreiheit - gesetzliche/völkerrechtliche Grundlagen - Einzel- bzw. Partnerarbeit - Diskussion im Plenum
  • Schritt 2 - Säkularität - Verhältnis von Religionsgemeinschaften zum Staat/Gesetze-Interne Organisation-Kontexte
  • Schritt 3 - Religionsrechte vs. Grundrechte - Konfliktbereiche-Minderheiten/Diaspora-Gleichberechtigung von Mann und Frau
  • Schritt 4 - Zusammenfassung - Reflexionsphase
  • Schritt 5 - Dokumentation

Andere Unterrichtsbeispiele können etwa die Themenbereiche "Religiöse Vorstellungen ", "Religiöse Karikaturen" oder "Kirchenprivilegien" abdecken.

Zu überlegen sind fächerübergreifende Projekte im Rahmen von standortbezogener Schulentwicklung mit D, GW, GSP und Religion(vgl. BATTKE-FITZNER-ISAK-LOCHMANN 2002).

Literaturverzeichnis    

Angeführt sind jene Titel, die für den Beitrag verwendet und/oder direkt zitiert werden.


Battke A.-Fitzner Th.-Isak R.-Lochmann U.(2002): Schulentwicklung - Religion - Religionsunterricht. Profil und Chance von Religion in der Schule der Zukunft, Freiburg-Basel-Wien

Dichatschek G.(2017a): Didaktik der Politischen Bildung. Theorie, Praxis und Handlungsfelder der Fachdidaktik der Politischen Bildung, Saarbrücken

Dichatschek G.(2017b): Interkulturalität. Ein Beitrag zur Theorie, Bildung und Handlungsfeldern im Kontext von Interkultureller Öffnung und Politischer Bildung, Saarbrücken

Forum Politische Bildung(Hrsg.)(2013): Informationen zur Politischen Bildung Nr. 37/2013, Religion und Politik, Innsbruck-Wien-Bozen

Hempelmann B.-Hochholzer M.-Sinabell J.(Hrsg.)(2017): Heute glauben in Europa. Zwischen Religionsdistanz und Religionsfanatismus, EZW-TEXTE 247, Berlin

Holzbrecher A.(2005): Interkulturelles Lernen, in: Sander W.(Hrsg.): Handbuch politische Bildung, Schwalbach/Ts., 392-406

Köchler H.(2013): Das Verhältnis von Religion und Politik in Österreich und Europa. Die Idee des säkularen Staates, in: Informationen zur Politischen Bildung Nr. 37/2013, 5-17

Mecheril P.(2004): Einführung in die Migrationspädagogik, Weinheim-Basel

Neve de D.(2011): Grenzen der Religionsfreiheit, in: Loretan A.(Hrsg.): Religionsfreiheit im Kontext der Grundrechte, Zürich, 163-187

Polak R.-Schachinger Chr.(2011): Stabil in Veränderung: Konfessionsnahe Religiosität in Europa, in: Polak R.(Hrsg.): Zukunft. Werte. Europa. Die Europäische Wertestudie 1990-2010: Österreich im Vergleich, Wien-Köln-Weimar, 191-219

Sander W.(2008): Politik entdecken - Freiheit leben. Didaktische Grundlagen politischer Bildung(= Politik und Bildung Bd. 50), Schwalbach/Ts., 190-200

Vocelka K.(2013): Multikonfessionelles Österreich. Religionen in Geschichte und Gegenwart, Wien-Graz-Klagenfurt

Reflexion    

Für Österreich sind die Ergebnisse der Europäischen Wertestudie 2011/2018 der Universität Wien und die rechtliche Stellung der Religionsfreiheit im nationalen und internationalen Kontext von grundlegender Bedeutung.

Konkret erscheint dem Autor eine Absicherung des Kontinuums Taufunterricht-Religionsunterricht-Konfirmandenunterricht-Erwachsenenbildung unter religionspädagogischen Aspekten wesentlich zu sein. Hier sind Verbesserungsmöglichkeiten vorhanden.

Die Jahrestagung 2019 der ÖGPB widmet sich einer Thematik, die zunächst schulisch fächerübergreifend Politische Bildung ermöglicht und einen aktuellen Bezug aufweist.

Erwachsenenpädagogisch und in der Lehrer_ innenbildung ergeben sich daraus

  • Themenstellungen in der Allgemeinen Erwachsenenbildung, wobei Kirchlichen Bildungswerken in ihrem Bildungsauftrag eine besondere Bedeutung zukommt.
  • Wissen und Haltungsorientierung sind dem Autor durch die Absolvierung der Universitätslehrgänge Politische Bildung und Interkulturelle Kompetenz sowie den Lehrgang Ökumene der Kardinal König-Akademie Wien bedeutungsvoll geworden.
  • Zu beachten sind in der konfessionellen Religionslehrer_innen-Ausbildung die Themenbereiche Schulrecht/Religionsunterrichtsgesetz und Ökumene/Interkulturalität.
  • Für das Lehramt Geschichte-Sozialkunde-Politische Bildung/Fachdidaktik Politische Bildung ergibt sich die Thematik aus der Aktualität und fächerübergreifender Aspekte.
Kritisch anzumerken ist

  • die vermehrte Notwendigkeit interkultureller Lernkulturen, die mit einem Unterrichtsprinzip nicht abzudecken ist(vgl. HOLZBRECHER 2005, 392-406; DICHATSCHEK 2017b).
  • Der Kontext mit Politischer Bildung ist gegeben.
IT-Autorenbeiträge    

Die Autorenbeiträge dienen der Ergänzung der Thematik .


Netzwerk gegen Gewalt

http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index:

Politische Bildung

Interkulturelle Kompetenz

Lernfeld Politik

Globales Lernen

Religionspädagogik

Lehrerbildung

Migration in Österreich

Zum Autor    

APS-Lehramt - VS, HS und PL(1970, 1975, 1976); zertifizierter Schüler- und Schulentwicklungsberater(1975, 1999); Mitglied der Lehramtsprüfungskommission für die APS beim Landesschulrat für Tirol(1993-2002)

Absolvent des Instituts für Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/Doktorat(1985), des 1. Lehrganges Ökumene der Kardinal König-Akademie Wien/Zertifizierung(2007), des 10. Universitätslehrganges Politische Bildung/ Universität Salzburg-Klagenfurt/MSc(2008), der Weiterbildungsakademie Österreich/Wien/Diplome(2010), des 6. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg/Diplom(2012), des 4. Internen Lehrganges für Hochschuldidaktik/ Universität Salzburg/Zertifizierung(2016), des Online-Kurses "Digitale Werkzeuge für Erwachsenenbildner_innen"/ TU Graz-CONEDU-Werde Digital at.-Bundesministerium für Bildung, Wien/Zertifizierung(2017), des Fernstudiums Erwachsenenbildung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium - Comenius Institut Münster/Zertifizierung(2018)

Lehrbeauftragter am Institut für Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaften/ Universität Wien - Berufspädagogik-Vorberufliche Bildung(1990/1991-2010/2011), am Fachbereich Geschichte/Lehramt Geschichte-Sozialkunde-Politische Bildung/Didaktik der Politischen Bildung(ab 2015/2016); Kursleiter/Lehrender an den VHSn des Landes Salzburg Zell/See, Mittersill, Saalfelden und Stadt Salzburg(ab 2012), Mitglied der Bildungskommission der Evangelischen Kirche in Österreich(2000-2011), stv. Leiter des Evangelischen Bildungswerk in Tirol(2004-2009, ab 2017)

Aufnahme in die Liste der sachverständigen Personen für den Nationalen Qualifkationsrahmen/NQR/Wien(2016)


MAIL dichatschek (AT) kitz.net

 
© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 12. November 2018