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Agrarpolitik

Agrarpolitik    

Aspekte nationaler und internationaler Agrarpolitik sowie agrarindustrieller Bewirtschaftung im Kontext mit Politischer Bildung    

Günther Dichatschek

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Agrarpolitik   
Aspekte nationaler und internationaler Agrarpolitik sowie agrarindustrieller Bewirtschaftung im Kontext mit Politischer Bildung   
Einleitung   
1 Agrarpolitik in Österreich   
1.1 Sozioökonomische Rahmenbedingungen   
1.2 Phasen der Agrarpolitik   
1.3 Akteure und Veränderungen der Politikinhalte   
1.4 Reflexion   
2 Agrarindustrielle Bewirtschaftung und ihre Folgen   
3 Ernährungssicherung   
Literaturverzeichnis/Auswahl   
IT-Autorenbeiträge   
Zum Autor   

Einleitung    

Im Folgenden sollen zwei Aspekte die Agrarpolitik unter Gesichtspunkten einer Politischen Bildung vorgestellt werden.

  • Der Aspekt Agrarpolitik in Österreich umfasst
    • Rahmenbedingungen und Phasen,
    • Akteure und Veränderungen der Politikinhalte seit dem EU-Beitritt.
    • Eine persönliche Reflexion beleuchtet die österreichische Agrarpolitik.
  • Der zweite Aspekt in diesem Zusammenhang betrifft die Industralisierung der Landwirtschaft mit Profitstreben und dem Rationalisierungsdruck landwirtschaftlicher Strukturen, die Boden, Luft und Wasser schädigen.
    • Monokulturen und Pestizideinsatz führen, oft bzw. kaum beachtet, zum Rückgang der Artenvielfalt - insbesondere bei Insekten und Vögeln - und bilden Landschaften in Agrarwüsten.
    • Mitunter fehlt es an Wissen um solche Auswirkungen in einer agrarindustriellen Nutzung.
    • Der Beitrag versucht ökologische Aspekte im Kontext mit Politischer Bildung zu darzustellen. Die Folgen einer Landschaftsverarmung und Industrialisierung erfordern ein Umdenken in der Agrarpolitik im Interesse der Menschen und Umwelt.
  • Der dritte Aspekt der Ernährungssicherung ergibt einen wesentlichen Teil einer funktionierenden Agrarpolitik.
    • Es geht um die nationale und internationale Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung.
    • Als Problem stellt sich in weiten Teilen der Welt der Hunger dar.
Ausgangspunkt der Überlegungen des Autors sind

  • die Absolvierung des 10. Universitätslehrganges Politische Bildung/ Universität Salzburg-Klagenfurt(2008),
  • die Tätigkeit als Lehrbeauftragter im Fachbereich Geschichte/Lehramt/Didaktik der Politischen Bildung(ab 2016) und
  • die Tätigkeit als Lehrender in der Erwachsenenbildung im Bereich der Politischen Bildung
    • an den Volkshochschulen des Bundeslandes Salzburg (ab 2011) und
    • im Evangelischen Bildungswerk in Tirol(ab 2018).
    • Wesentlich ist die Auseinandersetzung mit der Fachliteratur(vgl. HOVORKA-HOPPICHLER 2006, WIRTSCHAFT HEUTE/BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG 2006, STIFTUNG ENTWICKLUNG UND FRIEDEN-INSTITUT FÜR ENTWICKLUNG UND FRIEDEN 2013, DOHRN 2018, für die Umsetzung in der Lehre DICHATSCHEK 2017).
1 Agrarpolitik in Österreich    

Im Folgenden wird auf die sozioökonomischen Rahmenbedingungen, die Phasen der Agrarpolitik und die damit verbundenen Veränderungen der Politikinhalte sowie eine Reflexion zur Agrarpolitik eingegangen.

1.1 Sozioökonomische Rahmenbedingungen    

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einem massiven Technisierungs- und Mechanisierungsschub. Es folgten deutliche Veränderungen der sozioökonomischen Rahmenbedingunge (vgl. HOVORKA-HOPPICHLER 2006, 701).

  • Der Anstieg der Arbeitsproduktivität und die Unterstützung der Agrarpolitik durch einen Professionalisierungs- und Intensivierungsprozess führte von einer Unterversorgung zu einer Überschusssitution bei Nahrungsmitteln.
  • Gleichzeitig kam es zu einer Abwanderung bzw. Freisetzung von Arbeitskräften in der Landwirtschaft, zum Übergang von Haupterwerbs- zu Nebenerwerbsbetrieben.
  • In der Folge stiegen die Budgetkosten für die Förderung der Land- und Forstwirtschaft, der Verwertung der Überschüsse und der Agrarverwaltung.
  • Mit der Internationalisierung der Handelsvereinbarungen von GATT/WTO in den neunziger Jahren und dem EU-Beitritt 1995 veränderten sich die agrarpolitischen Rahmenbedingungen, es kam zu verstärkter Konkurrenz und einer Liberalisierung des Agrarmarktes.
Die Verarbeitungsindustrie befindet sich in einem Konzentrations- und Zentralisationsprozess. Der Lebensmittelhandel wird immer mehr konzentriert(vgl. Rewe Austria und Spar AG haben 2004 bereits einen Marktanteil von 71 Prozent).

Eine besondere Bedeutung hat die Berglandwirtschaft, in der 70 Prozent der kleinbetrieblichen Struktur als Bergland eingestuft sind. Ihr kommt die Sicherung des sensiblen Ökosystems und die Erhaltung und Gestaltung der Kulturlandschaft im alpinen Bereich zu.

1.2 Phasen der Agrarpolitik    

In den fünfziger Jahren begann die Veränderung der Landwirtschaft mit dem Rückgang der Selbstversorgerwirtschaft und einer Umformung zu einem produktiven Zulieferer für die Agrarindustrie(vgl. HOVORKA-HOPPICHLER 2006, 702-704).

Im Zeichen des Wiederaufbaus und einer wirtschaftlichen Stabilisierung verließen mehr als ein Drittel der unselbständigen Beschäftigten den Agrarsektor. Die erste Mechanisierungswelle und ein verbessertes Saatgut und gezielte Mineraldüngung bewirkten eine Verdoppelung der Arbeitsproduktivität. Unterstützt wurden diese Tendenzen durch einen Ausbau des Förderungsapparates.

Überschüsse erzeugten einen Angebotsdruck mit geringen Preiserhöhungen. Mittels einer Agrarstrukturpolitik förderte man die Schaffung entwicklungsfähiger Betriebe(vgl. die Politik des "Wachsens und Weichens"). Mit der Neuausrichtung der Leitideen der Agrarpolitik kamen technokratische Ideen auf, die Agrarökonomen vertraten.

Nach einer beschleunigten Strukturpolitik der ÖVP-Alleinregierung kam es unter Bruno Kreisky zu einer Neuorientierung der Agrar- und Förderpolitik in Form einer Differenzierung der Agrarförderung. Eingeführt wurde ein Bergbauernsonderprogramm mit einer Direktförderung der Bergbauernbetriebe, womit dem Strukturwandel gegengesteuert wurde. Nunmehr kamen Förderungen nicht nur den Großbetrieben vorrangig zugute. Ergänzt wurde die Maßnahme durch Neuerungen in der Sozial- und Familienpolitik (vgl. etwa die Einführung des Mutter-Kind-Passes, der Schulfreifahrt und die Gratisschulbuch-Aktion).

Neben der Bauerntumideologie und dem technokratischen Ansatz kam es in den siebziger Jahren zu einer funktionalistischen Agrartheorie. Das Bergbauernsonderprogramm enthielt auch die Erhaltung der Kulturlandschaft, der Mindestbesiedelung und Aufrechterhaltung der Infrastuktur sowie der Produktionsreserve in Krisenzeiten.

In der großen Koalition ergaben sich neue Ideen und Ansätze. Im "Manifest für eine ökosoziale Agrarpolitik" in Österreich" 1988 wurde auf die ökologische Funktion hingewiesen. Angestrebt wurde zudem der Beitritt Österreichs zum EG-Binnenmarkt. Ökosozial bedeutete eine Mischung von funktionalistischer Agrartheorie und Inhalten der Ökologiebewegung.

1.3 Akteure und Veränderungen der Politikinhalte    

Mit der industriellen Umsetzung des Agrarsektors in Form der zunehmenden Bedeutung der Agrar- und Lebensmittelindustrie, dem Bankensektor zur Finanzierung und den Managementzentralen der Raiffeisen-Genossenschaften und Landwirtschaftskammern bildete sich in der Folge ein Dreiecksverhältnis des Genossenschaftswesens(Finanzierung-Kreditwesen), der Kammern(Sozialpartnerschaft) und des Bauernbundes(politische Vertretung).

In der Agrarpolitik spielen auch die Sozialpartner eine Rolle. ÖGB und Arbeiterkammer bestimmen im Konsumentenschutz, der Umwelt-, Sozial- und Regionalpolitik mit. Vereinzelt haben Umweltverbände einen Einfluss.

In den achtziger Jahren ist mit den "Grünen" ein neuer Akteur in der Agrarpolitik aufgetreten. Damit wurde zunehmend die ökosoziale Agrarpolitik in den politischen Diskurs aufgenommen.

Die EU-Agrarreform 2003 mit ihrer Umsetzung 2005 ergab ein Betriebsprämiensystem, deren Basis der Durchschnitt der Direktzahlungen aus der Marktordnung der Jahre 2000 bis 2002 ist. Die Förderung wird von der tatsächlichen Produktion des Betriebes entkoppelt. Dadurch wird ein marktkonformes Verhalten erwartet.

Knapp 30 Prozent der Betriebe werden von Frauen geleitet. Frauen stellen ungefähr 53 Prozent aller Familienarbeitskräfte, aber nur rund 14 Prozent der Kammerräte_innen. Es zeigt sich, dass die Bedeutung von Frauen in den landwirtschaftlichen Interessensvertretungen gering vertreten und geschlechterbezogene Ungleichheiten vorhanden sind.

Mit dem EU-Beitritt 1995 wurden bereits im Vorfeld die Agrarpolitik und das Fördersystem an die Gemeinsame Agrarpolitik(GAP) der EU angepasst. Vom WIFO wurde der Beitritt als schwierig eingestuft, wobei mit Preis- und Einkommenseinbußen zu rechnen ist, die Wettbewerbsfähigkeit erforderlich und Begleitmaßnahmen(Förderungen) benötigt werden. Mit dem Vollzug des EU-Beitritts kam es zu einer Neuverteilung der Kompetenzen und Kosten des Fördersystems zwischen EU, Bund und Ländern.

  • Die Agrarpolitik beruht im Marktbereich auf den EU-Marktordnungen, nationalen Quoten und Ausgleichszahlungen. Die Eckdaten wurden in den Beitrittsverhandlungen festgelegt, die Finanzierung kommt es aus dem EU-Budget.
  • In der Agrarstrukturpolitik gibt es einen größeren nationalen Spielraum. Zum Tragen kommt das agrarische Umweltprogramm ÖPUL und die Ausgleichszulagen für benachteiligte Gebiete.
  • Die Abfederung der negativen Folgen durch Fördermaßnahmen gelang. Die Abhängigkeit der Einkommen hat von agrarpolitischen Maßnahmen zugenommen.
  • Festzustellen ist eine Intensivierung des Wettbewerbs und die Bedeutung der Globalisierung.
  • Entscheidend wird künftig die Frage sein, ob die Agrarpolitik in eine allgemeine Politik zu integrieren sein wird. Dies betrifft besonders den ländlichen Raum. Es bedarf eines Ausgleichs mit anderen gesellschaftlichen Gruppen.
1.4 Reflexion    

Die Bedeutung der Landwirtschaft ist in den europäischen Industrieländern gering. Dennoch erfährt der primäre Wirtschaftssektor eine intensive Unterstützung in Österreich und der EU in Form von Subventionen und wird von der Konkurrenz der Weltmärkte abgeschottet(vgl. WIRTSCHAFT HEUTE 2006, 174).

Die Agrarpolitik wird wesentlich von der "Gemeinsamen Agrarpolitik/GAP" der EU bestimmt.

  • Diese greift massiv in Marktprozesse ein und ist mit einem teilweise planwirtschaftlich ausgestatteten Verwaltungsaufwand verbunden.
  • Die GAP beruht auf zwei Grundelementen. Marktordnungen garantieren den Erzeugern Abnahmepreise. Einfuhrabgaben(Abschöpfungen) schützen Landwirte vor der Konkurrenz der Weltmärkte.
  • Die verursachte Überproduktion wird auf EU-Kosten eingelagert oder auf dem Niveau der Weltmarktpreise entsprechend subventioniert und in der Folge exportiert. Die entstandenen Kosten werden aus dem "Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft/EAGFL/Abtl. Garantie" getragen, der vom EU-Budget finanziert wird.
Die "Gemeinsame Agrarpolitik/GAP" ist der größte Ausgabenposten im EU-Budget(vgl. 2004 rund 45 Prozent des Gemeinschaftshaushaltes).

  • Im Rahmen der "Agenda 2000" für 2000-2006 beschlossenen Ausgaben entsprechen etwa dem jährlichen Sozialprodukt der Niederlande.
  • Volkswirtschaftlich bedeutet dies, dass die EU-Staaten die Landwirtschaft zusätzlich aus den nationalen Budgets subventionieren und außerdem tragen die Konsumenten erhebliche Lasten in Form von künstlich überhöhten Lebensmittelpreisen.
  • Außenwirtschaftlich bedeuten die Abschottung des europäischen Agrarmarktes und die subventionierten Exporte einen Widerspruch zu den von der Welthandelsorganisation(WTO) aufgestelltem Grundsatz des Freihandels. In den Entwicklungsländern entstehen von den EU-Exporten damit wirtschaftliche Schäden.
Argumente für die GAP sind

  • das Ziel der Selbstversorgung mit Lebensmitteln; allerdings ist auf die Überschüsse und die Abhängigkeit eines globalen Warenaustausches hinzuweisen,
  • das Anrecht auf ein sicheres und angemessene Einkommen der Landwirte; allerdings ist dies nicht für jeden einsichtig, weil in anderen Wirtschaftszweigen der Strukturwandel Einkommens- und Beschäftigungsverschiebungen mit sich bringt,
  • die offizielle Zielvorgabe der GAP die Begrenzung von Preisschwankungen der Lebensmittel; allerdings ist dies durch das überhöhte Preisniveau fragwürdig,
  • die regionalpolitische Bedeutung der Landwirtschaft und ihre ökologische Funktion in der Erhaltung der Landschaft; allerdings bleibt die Frage offen, ob sich die beiden Ziele nicht mit weniger Eingriffen in die Marktwirtschaft erreichen lassen.
Ein Reformdruck ergibt sich aus der Agenda 2000 und dem Reformplan 2003 mit einer Umschichtung der Subventionierung von Preisstützungen zu einer direkten Einkommensbeihilfe. Eine Verringerung der Subventionierungshöhe ist damit nicht verbunden. Festzustellen ist, dass die GAP ein Hindernis für die Integration der neuen EU-Mitglieder darstellt.

2 Agrarindustrielle Bewirtschaftung und ihre Folgen    

Susanne DOHRN(2018, 8-15) beklagt zurecht den Verlust der Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt, der von Menschenhand/Bauern geschaffen wurde, die das Land urbar machten und bearbeiteten. Als nach dem Zweiten Weltkrieg aus Bauern produzierende Landwirte wurden, änderte sich dies rasant. Aus Wiesen und Weiden wurden Intensivgrünland, aus Ackerland industriell bewirtschaftete Monokulturen. Hecken und Feldraine wurden beseitigt, man legte jede Senke und und Mulde trocken. Monokulturen sind nun krankheitsanfälliger, daher setzte man Insektizide, Herbizide und Fungizide ein. Aus Pflanzenschutzmitteln entstanden hoch industriell erzeugte Chemieprodukte, verbunden mit Nebeneffekten wie der Vernichtung der Nahrungsgrundlage der körner- und insektenfressenden Tiere(vgl. zum Rückgang der Vogelpopulation http://orf.at/stories/2431089/2431088/ [23.3.2018]). Dazu kam noch die stinkende, medikamentenverseuchte Gülle, die die Landschaft in eine gigantische Latrine verwandelte.

"Statt dem Treiben Einhalt zu gebieten, fördert die Politik den ganzen Wahnsinn mit Subventionen für Biogas noch zusätzlich. So wird die Landwirtschaft zur Totengräberin der biologischen Vielfalt, eine Entwicklung, die inzwischen sogar die Bodenlebewesen erfasst"(DOHRN 2018, 11). Nitrat aus der Gülle verseucht das Grundwasser, in den Urinproben der Menschen finden sich Rückstände von Glyphosat, das sich zum Streitobjekt von Politik und Wissenschaft herausbildet.

Es gehört zum Widerspruch einer solchen Entwicklung, dass etwa Randstreifen von Autobahnen ein Hort der Biodiversität sind. Dort wo nicht gedüngt und gespritzt wird, vermehren sich Pflanzen und Tiere, die man auf Wiesen und Feldern vergebens sucht.

Eine Diskussion im alpinen Raum läuft, wie man diese Landschaft sinnvoll ökonomisch und ökologisch verwerten kann. Es geht um die Bewirtschaftung der Almen(Landwirtschaft/Almwirtschaft), die Verwertung der produzierten Produkte(Tourismus)und eine Re-Naturierung durch Tiere, die vom Menschen vertrieben wurden(Ökologie/man denke etwa an den Wolf, Luhs und die Wildkatze). Dass die Interessenslage komplex und verschieden ist, versteht sich von selbst.

Die Frage nach den Veränderungen wird aktualisiert, wenn es um Berichte um Millionenausgaben für schutzwürdige Vögel(etwa die Großtrappe), Fische(etwa den Fischotter), die Wildkatze, Biber, Fisch- und Seeadler geht.

Es geht also um die intensive Landwirtschaft, um eine agrarindustrielle Bewirtschaftung, wie es im vorgehenden Kapitel dargestellt wird. Es geht aber auch um ökologische Aspekte und Landschaftserhaltung, um die Umwelt und ihre lebenserhaltenden Funktionen.

Im Folgenden soll auf den letzten Aspekt der Ernährungssicherung als Grundlage der Nahrungsmittelversorgung eingegangen werden.

3 Ernährungssicherung    

Die Agrarpreise erreichten 2011 neue Höchststände, die Zahl der Hungernden nahm ebenso zu. Das ökonomische Interesse an der Landwirtschaft steigt.

Anders ist die Entwicklung bei der Herausforderung von Hunger zu sehen.

  • Kaum verantwortlich sind die globalen Produktionsengpässe zu machen.
  • In Jahrzehnten globaler Überschussproduktion gelang keine Reduzierung des Hungers in der Welt.
  • Entscheidend ist die schwierige Einkommenssituation von benachteiligten Gruppen, überwiegend in ländlichen Regionen.
  • Diskriminierungen und Governance-Probleme auf nationaler Ebene sowie politische und menschenrechtliche Probleme erklären den Fortbestand des Hungerproblems. "Gleichzeitig gibt es eine Reihe von Indikatoren, die andeuten, dass die Zeiten globaler Überschussproduktion vorbei sein könnten"(vgl. STIFTUNG ENTWICKLUNG UND FRIEDEN-INSTITUT FÜR ENTWICKLUNG UND FRIEDEN 2013, 285).
Zu beachten ist ein zunehmendes Interesse an ländlicher Entwicklung.

  • Zu erkennen ist dies u.a. auch an der Welternährungskrise 2007/2008. Die Hungeraufstände 2008 erzeugten ein Problembewusstsein im politischen Denken.
  • Die hohen Agrarsubventionen der EU und der USA führten zu Auswirkungen auf die Agrarpreise in den Ländern des Südens und beeinflussten die Einkommenssituation vieler Bauernfamilien. Kritik an diesen Effekten führte dazu, dass die Subventionen letztlich zurückgegangen waren.
  • Die Finanzkrise 2008 brachte es mit sich, dass viel frei verfügbares Kapital den Agrarsektor beeinflusste. Dazu kam ein Investitionsschub bei der Nachfrage nach Land mit großflächigen Landkäufen(vgl. den Landnutzungswandel).
  • Das Hungerproblem wurde zudem auf dem G8-Gipfel in Italien 2008 mit neuen Finanzusagen aktualisiert.
  • 2009 beriet die FAO in Rom Schritte im Umgang mit der Welternährungskrise. Ein neues Koordinierungsgremium wurde geschaffen.
Bei der Nahrungsmittel-Sicherheit ergeben sich sechs Trends , die es darzustellen gilt.

  • Steigende Tendenz der Zahl der Hungernden seit Jahrzehnten,
  • langjährige Vernachlässigung ländlicher Räume,
  • vom Überschuss zur Knappheit,
  • Investitionen in Landwirtschaft und agrarische Rohstoffe bei steigenden Preisen,
  • Governance-Defizite auf nationaler Ebene und
  • Institutionenschwäche der globalen Governance.
Nationale und globale Aspekte gilt es vermehrt zu beachten und zu korrigieren, damit die Nahrungsmittelkette gewahrt bleibt.

  • Dazu gehört ohne Zweifel der Wassermangel auf der Welt. Immerhin ist die Hälfte der Weltbevölkerung davon betroffen.
  • Der UN-Weltwasserbericht 2018 verlangt ein nachhaltiges Wassermanagement > http://science.orf.at/stories/2901996 (19.3.2018)
Literaturverzeichnis/Auswahl    

Angeführt sind jene Titel, die für den Beitrag verwendet und /oder direkt zitiert werden.


Bosshard A.-Schläpfer F.-Jenny M.-Vision Landwirtschaft(Hrsg.)(2011): Weissbuch Landwirtschaft Schweiz, Bern-Stuttgart-Wien

Dichatschek G.(2017): Didaktik der Politischen Bildung. Theorie, Praxis und Handlungsfelder der Fachdidaktik der Politischen Bildung, Saarbrücken

Dohrn S.(2018): Das Ende der Natur. Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 10193, Bonn

Hovorka G.-Hoppichler J.(2006): Agrarpolitik, in: Dachs H.-Gerlich P.-Gottweis H.-Kramer H.-Lauber V.-Müller W.C.-Talos E.(Hrsg.): Politik in Österreich, Wien, 701-710

Stiftung Entwicklung und Frieden-Institut für Entwicklung und Frieden(2013): Globale Trends. Frieden-Entwicklung-Umwelt, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 1366, Bonn: Ernährungssicherung-Landnutzungswandel-Konflikte, 285-312

Wirtschaft heute(2006): Agrarpolitik - Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 499, Bonn, 174-175

IT-Autorenbeiträge    

Die IT-Beiträge dienen der Ergänzung der Thematik.


Netzwerk gegen Gewalt

http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index:

Politische Bildung

Lehre an der Hochschule

Lernkulturen der Allgemeinen Erwachsenenbildung

Klimawandel und Klimaschutz

Interessensgemeinschaft Politische Bildung

http://www.igpb.at > Publikationen

Weiterbildungsakademie Österreich

http://www.wba.or.at > Absolventen

Zum Autor    

Absolvent des Instituts für Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/Doktorat(1985), des 10. Universitätslehrganges Politische Bildung/ Universität Salzburg-Klagenfurt/Master(2008), der Weiterbildungsakademie Österreich/Wien/wba I und II/Diplome(2010), des 7. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg/Diplom(2012), der Personalentwicklung der Universitäten Wien/Zertifizierung(2010) und Salzburg/4. Interner Lehrgang für Hochschuldidaktik/Zertifizierung(2016), des Online-Kurses Digitale Werkzeuge für Erwachsenenbildner_innen/TU Graz-CONEDU-Bundesministerium für Bildung/Zertifizierung(2017), des Fernstudiums Erwachsenenbildung/EKD-Comenius Institut Münster/Zertifizierung(2018)

Lehrbeauftragter am Pädagogischen Institut des Landes Tirol/Lehramt Berufsorientierung(1994-2003), Lehrbeauftragter am Institut für Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft/ Universität Wien/Vorberufliche Bildung(1990-2011), Lehrbeauftragter im Fachbereich für Geschichte/Universität Salzburg/Lehramt "Geschichte-Sozialkunde-Politische Bildung"" - Didaktik der Politischen Bildung(ab 2015/2016)

Mitglied der Bildungskommission der Evangelischen Kirche in Österreich A. und H.B.(2000-2011), stv. Leiter des Evangelischen Bildungswerks in Tirol/EBiT(2004-2009, ab 2017), Kursleiter an den Salzburger Volkshochschulen Zell/See, Mittersill, Saalfelden und Stadt Salzburg(ab 2012)

Aufnahme in die Liste der sachverständigen Personen für Nationalen Qualifikationsrahmen/NQR/Koordinierungsstelle für den NQR/Wien(2016)


MAIL dichatschek (AT) kitz.net

 
© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 29. August 2018