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Wirtschaftserziehung

Wirtschaftserziehung    

Schulisch ökonomisch-politisches Lernen in Theorie, Praxis und Handlungsfeldern im Kontext mit Politischer Bildung    

Günther Dichatschek

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Wirtschaftserziehung   
Schulisch ökonomisch-politisches Lernen in Theorie, Praxis und Handlungsfeldern im Kontext mit Politischer Bildung   
Einleitung   
1 Begründung und Problembereiche ökonomisch-politischer Bildung   
2 Politische und ökonomische Lernprozesse   
3 Wirtschaftsdidaktische Grundansätze   
4 Reflexive Phase   
5 Ökonomisch-politisches Grundwissen/Einführung - Lernziele   
Ökonomisch-politisches Grundwissen/Didaktik   
Vorbemerkung   
Lernziel Einführung - Ökonomische Ideengeschichte   
Antike   
Mittelalter   
Merkantilismus   
Physiokraten   
Liberalismus   
Sozialismus   
Neoklassik   
Staat oder Markt   
Homo oeconomicus   
Fachdidaktische Hinweise/Einführung   
Lernziel 1 Soziale Marktwirtschaft - Planwirtschaft   
Soziale Marktwirtschaft   
Planwirtschaft   
Fachdidaktische Hinweise/LZ 1   
Lernziel 2 Märkte - Gesamtwirtschaft   
Marktformen   
Polypol   
Oligopol   
Monopol   
Produktionsfaktoren   
Angebot   
Nachfrage   
Preisbildung   
Mängel im Preismechanismus   
Wettbewerbsbeschränkungen   
Fusionen - Konzerne   
Kartelle   
Konjunktur - Konjunkturverlauf - Theorien   
Fachdidaktische Hinweise/LZ 2   
Lernziel 3 Geld - Währung   
Inflation   
Deflation   
Fachdidaktische Hinweise/LZ 3   
Lernziel 4 Arbeitslosigkeit - Beschäftigung   
Arbeitslosigkeit   
Beschäftigung   
Fachdidaktische Hinweise/LZ 4   
Lernziel 5 Wirtschaftswachstum   
Produktionsfaktoren   
Nachhaltigkeit   
Strukturwandel   
Wachstumsgrenzen   
Fachdidaktische Hinweise/LZ 5   
Lernziel 6 Sozialpolitik   
Fachdidaktische Hinweise/LZ 6   
Lernziel 7 Umweltpolitik   
Fachdidaktische Hinweise/LZ 7   
Lernziel 8 Finanzpolitik   
Steuerpolitik   
Geldpolitik   
Fachdidaktische Hinweise/LZ 8   
Lernziel 9 Globalisierung - Außenwirtschaft   
Globalisierung   
Multinationale Unternehmen   
Internationaler Kapitalverkehr   
Protektionismus   
Kinderarbeit   
Wettbewerbsfähigkeit   
Devisen - Wechselkurse   
Fachdidaktische Hinweise/LZ 9   
Lernziel 10 Weltwirtschaftsordnung   
Zoll- und Handelsabkommen   
Koordinierung von Wirtschafts-, Sozial-, nationaler und internationaler Politik - OECD   
Weltwirtschaftsgipfel   
Entwicklungsbanken   
Internationaler Währungsfonds   
Währungssystem von Bretton Woods   
Entwicklungsländer   
Schuldenkrise   
Wirtschaftsgemeinschaften   
Wirtschaftsblöcke   
Europäischer Binnenmarkt   
Europäisches Währungssystem - Währungsunion   
Fachdidaktische Hinweise/LZ 10   
Lernziel 11 Beispielhafte Lernziele/Auswahl   
Börse   
Aktien   
Festverzinsliche Wertpapiere   
Versicherungen   
Private Altersvorsorge   
Bankgeschäfte   
Arbeit und Ökonomie   
Literaturverzeichnis   
IT-Autorenbeiträge   

Einleitung    


Wirtschaft und ökonomische Lernprozesse im Kontext mit Politischer Bildung betreffen den zentralen Lebensbereich jeder Person und einer Gesellschaft.

Über den nationalen Bereich hinaus betreffen wirtschaftliche Prozesse politische und gesellschaftlich-soziale Rahmenbedingungen im Kontext mit pädagogischen Bemühungen.

Ein enger Kontext besteht zu globalem Lernen, bei dem ökonomisch-politische Elemente eine Rolle spielen.


Bezeichnend sind die Bemühungen, "Wirtschaftskunde" - aus der Sicht des Autors besser Wirtschaftserziehung und/oder ökonomisch-politisches Lernen - als Fach in den allgemein bildenden Schulen zu etablieren(dzt. in Österreich als Fach "Geographie und Wirtschaftskunde" in der Stundentafel der Sekundarstufe I und II sowie als "Sozial- und Wirtschaftskunde einschließlich Zeitgeschichte" in der Sekundarstufe II in der Polytechnischen Schule ausgewiesen/Stand 2013).

Der Beitrag geht vom persönlichen Interesse des Autors aus, wobei der 10. Universitätslehrgang Politische Bildung/Universität Salzburg - Klagenfurt/Modul 5 "Wirtschaft und Wirtschaftspolitik in Österreich"(2006-2008)wesentliche Impulse für die inhaltliche Auseinandersetzung vermittelte.

Als Zielsetzung wird ein besseres Verständnis von heutiger Ökonomie im Kontext mit Politischer Bildung in ihrer Komplexität angestrebt.

1 Begründung und Problembereiche ökonomisch-politischer Bildung    

Nach HEDTKE(2007, 335-336)ist das Verhältnis von politischer und ökonomischer Bildung in den letzten Jahren in Bewegung geraten.

Dies zeigt sich als Ökonomische Bildung in unterschiedlicher Form seit den neunziger Jahren in den allgemein bildenden Schulen.

  • Wirtschaft beeinflusst das private Leben, man benötigt ein Basiswissen.
  • Wirtschaft ist differenziert und höchst komplex.
  • Soziale Marktwirtschaft benötigt Verständnis und Gestaltungswillen von den Wirtschaftsbürgern.
  • Für die Wettbewerbsfähigkeit benötigt man im Zeitalter der Globalisierung ein fundiertes ökonomisches Wissen.
  • Die Bewältigung von Wirtschaftskrisen braucht mehr Selbständigkeit und Unternehmergeist.

Ökonomisches Lernen kommt in Fächern wie Geschichte-Sozialkunde-Politische Bildung, Geographie-Wirtschaftskunde, Politischer Bildung und Sozial- und Wirtschaftskunde einschließlich Zeitgeschichte (in der Polytechnischen Schule) sowie als Unterrichtsprinzip zu kurz. Diese integrativen Konzepte, auch in Beruforientierung in der Sekundarstufe I, gelten heute als gescheitert. Ökonomisches Lernen als Anhängsel trägt der Bedeutung der Lehr- und Lerninhalte von Ökonomie nicht Rechnung(vgl. HEDTKE 2007, 335-336).


Berufsbildende Schulen wie die berufsbildenden Pflichtschulen("Berufsschulen"), mittlere und höhere berufsbildende Schulen sind ausgewiesene Orte schulisch-ökonomischen Lernens.

In der außerschulischen Bildung

  • in der Fort- und Beruflichen Erwachsenen- bzw. Weiterbildung spielt ökonomisches Lernen eine wesentliche Rolle und vermittelt Qualifikationen und Kompetenzen.
  • In der Allgemeinen Erwachsenenbildung gibt es kaum erwachsenenpädagogische Aktivitäten im ökonomisch-politischen Lernen(vgl. den Autorenbeitrag http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Ökonomische Grundbildung in der Erwachsenen- bzw. Weiterbildung).
  • In der gewerkschaftlicher Bildung für Betriebsräte, Personalvertreter und Vertrauensleute haben ökonomisch-politische Lehrinhalte ihren Platz(vgl. BELABED-HINTERSEER 2013).
2 Politische und ökonomische Lernprozesse    

Bildungsziele beider Fachbereiche orientieren sich an Mündigkeit, Urteilsfähigkeit mit Legitimität und Effizienz, Handlungsfähigkeit und Partizipation(vgl. HEDTKE 2007, 337).

Gemeinsame Prinzipien sind die Teilnehmer-, Situations- und Problem- und Wissen(schafts)orientierung.

Bei der Situationsortientierung können durchaus gemeinsame oder unterschiedliche Aspekte vorkommen(vgl. Berufswahl - Parlamentswahl).

Lernfelder haben einen gemeinsamen Kern, etwa die Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, den Arbeitsmarkt, Politikbereiche wie Gesundheit, Renten und Umwelt, aber auch Handlungsfelder wie Arbeitsrecht, Erwerbsarbeit und Konsum zeigen Konsequenzen und Dimensionen der entsprechenden Handlungen auf(vgl. HEDTKE 2002).

Bei den Thematik greift die Fachdidaktik beider Bereiche fast identisch auf das gleiche Repertoire wie Fallstudien, Planspiele, Pro-Contra-Diskussion, Karrikatur, Rollenspiel und Szenarion sowie Interviews, Erkundungen, Expertengespräche und Internet(vgl. FRECH-KUHN-MASSING 2004).

3 Wirtschaftsdidaktische Grundansätze    

Angesprochen sind die Konzeptionen für ein ökonomisches Lernen: kategorial-wirtschaftspolitisch, handlungstheoretisch, institutionalistisch und lebenssituativ(vgl. HEDTKE 2007, 340-344).

Kategorial-wirtschaftspolitischer Ansatz

Ökonomische Bildung bestimmt das Verstehen der Marktwirtschaft und makroökonomischer sowie wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Ziel ist der mündige Wirtschaftsbürger.

Das Konzept beruht auf einer (wirtschafts-)politischen Perspektive.

Die Stoffauswahl bezieht sich auf Kosten und Nutzen, Knappheit, Arbeitsteilung, Organisation und Marktkoordination, Wirtschaftskreislauf, Interdependenz, Zielkonflikte, Wandel und Instabilität, Externalitäten und Ungleichheit, Staatseingriff, Interessenskonflikte, Wertbezug, Wirtschaftsordnung, Gestaltung und Legitimierung.

Verlangt wird wirtschaftspolitisches Denken mit ökonomischer, politischer und normativer Dimension mit Überschreiten der Grenzen von Ökonomie und Politik.

Handlungstheoretischer Ansatz

Der Ansatz erklärt Muster und Verkettungen von Handlungen, deren Folgen mit Rückführung auf Normen und Institutionen. Handelnde ändern ihr Verhalten, wenn sich Anreize oder Handlungsbedingungen ändern(Beispiel: Ein Umweltverhalten ändert sich, wenn Autofahren teuer und wenn die Alternative Bahnfahrt billiger wird).

Als Annahme gilt eigennütziges Verhalten, stabile Präferenzen und veränderliche Handlungsbedingungen(Restriktionen). Damit fällt die Beschränkung weder auf ökonomische Handlungen noch auf Wirtschaft, die Handlungsmuster sind etwa auf die Familie, Politik, Partnerschaft, Kultur und Bildung übertragbar.

Institutioneller Ansatz

Ökonomische Institutionentheorien fragen nach optimalen Institutionen, die gesellschaftlich und/oder politisch in die gewünschte Richtung steuern. Der politischen Wahl mit Folgerungen wird ein hoher Stellenwert beigemessen. So wird die Sozialen Marktwirtschaft in diesem Kontext didaktisch erschlossen(vgl. KRUBER 1997).

Dieser Ansatz steht Strömungen in der Didaktik der Politischen Bildung nahe, die ein politisches System als Ziel der Akzeptanzsicherung verfolgen(vgl. Themenbereiche wie die Rechtsordnung, Wirtschaftsverfassung, Interessenverbände, soziale Sicherung, Globalisierung, Weltwirtschaftsordnung und wirtschaftliche Integrationsprozesse).

Lebenssituativer Ansatz

Ökonomische Bildung soll die individuelle Gestaltung wirtschaftlich geprägter Lebenssituationen unterstützen, Emanzipation und Verantwortung im Kontext mit Partizipation verbessern, etwa die Einkommens- und Güterentstehung und ihre Verteilung.

4 Reflexive Phase    

Ökonomisch-politisches Lernen qualifiziert für

  • bessere Lebensbedingungen,
  • gesellschaftlich und politisch effizienteres Handeln und
  • ermöglicht bessere wechselseitige Kommunikation und Kooperationen.

Schulisch bedarf die Thematik in den allgemein bildenden Schulen einer fachlichen Kompetenz, wobei die integrativen Fachformen als gescheitert gelten.

Berufsbildende Schulformen gelten als klassische Orte ökonomischen Lernens.

Ein Defizit an Politischer Bildung ist anzumerken.


Außerschulisch gelten alle Formen der beruflichen Fort- und Weiterbildung als etabliert.

Die Frage nach der Weiterbildung der Lehrenden verbleibt

  • dem tertiären Bildungsbereich und
  • der Erwachsenenbildung der Sozialpartner im Wirtschaftsbereich(bfi, WIFI, LFI, ÖGB, Volkswirtschaftliche Gesellschaft) bzw. den Universitäten/Fachhochschulen.
Betroffen sind in den Konzeptionen Themenbereiche wie

  • der Arbeitsplatz und Arbeitsmarkt,
  • die Einkommens- und Güterverteilung,
  • die Partizipation,
  • Organisations- und Institutionsfragen,
  • der Kauf,
  • das Sparen und Versichern,
  • die Vermögensbildung,
  • das Steuerwesen und
  • die Nutzung öffentlicher Güter.
Ökonomisches Lernen bedarf und nützt interdiszipinäre Ansätze(vgl. KAMINSKI 2001/2002, 49-55 bzw. 60-68).

Das didaktisch-methodische Repertoire der Politischen Bildung ist gleichbedeutend für das ökonomische Lernen.


Bezeichnend ist das Fehlen einer Wirtschaftserziehung in der Basisliteratur von Schulpädagogik bzw. Erziehung, womit

  • einerseits ökonomisches Wissen in allgemein bildenden Schulen schul- bzw. wirtschaftspädagogisch vernachlässigt wird(vgl. HAAG-RAHM-APEL-SACHER 2013) und
  • andererseits die Bedeutung ökonomisch-politischer Bildung hervorzuheben ist(vgl. SANDFUCHS-MELZER-DÜHLMEIER-RAUSCH 2012).
Erfreulich ist die Beachtung "Interkultureller Kompetenz" in Form von interkultureller Erziehung und Bildung, wobei zunehmend im globalen Handeln' ökonomisch-politische Kompetenz einzufordern ist(vgl. beispielhaft SANDFUCHS-MELZER-DÜHLMEIR-RAUSCH 2012, 686-692; HAAG-RAHM-APEL-SACHER 2013, 388-406).


IT-Hinweis: http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Globales Lernen, Ökonomische Grundbildung in der Erwachsenen- bzw. Weiterbildung, Interkulturelle Kompetenz, Migration in Österreich und Vorberufliche Bildung
Pressehinweis: Salzburger Nachrichten, 9.12.2013, SEITE DREI

"Die Wirtschaft als große Unbekannte"

Filzmaier am Montag

Politologen wollen mehr politische Bildung. Den Ruf nach einer verbesserten Wirtschaftserziehung, das überlassen wir als Anliegen den Ökonomen. Was ja angesichts des jeweiligen Berufsnamens logisch ist. Doch muss man sich gegenseitig helfen.

Denn Wirtschaftswissenschafter wreden verblüfft sein, was der jüngste Wirtschaftsradar Steiermark - eine Unternehmerbefragung im Auftrag der Wirtschaftskammer - ergeben hat. Einerseits ist die klare Mehrheit mit dem System der sozialen Marktwirtschaft zufrieden. Na klar.

Doch bringen andererseits die Unternehmer drei Mal mehr soziale Absicherung als Wettbewerbsorientierung und Leistung damit in Verbindung. Letzteres tun nur fünf(!)Prozent. Mit anderen Worten: 95 Prozentaller Wirtschaftstreibenden assoziieren spontan nicht den durch Wettbewerb gekennzeichneten Markt, was der Unterschied zur zentralen Planwirtschaft des Realsozialismus ist.

Weitergedacht sieht die Sache so aus: Naturgemäß ist bei den Angestellten in der Privatwirtschaft der Wettbewerb weniger wichtig als unter den Firmenbesitzern, welche ja den Großteil des Gewinns erhalten. Beamte bis Pensionisten sind dem marktwirtschaftlichen Wettbewerbsgedanken noch ferner. Nach dieser Logik und den obigen Daten zu 96 bis 100 Prozent.

Die Idee der sozialen Marktwirtschaft von Alfred Müller-Armack, Nationalökonom mit NSDAP-Vergangenheit, sollte in den 50er-Jahren zwecks größtmöglichen Wohlstands die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines freien Marktes nutzen und unsoziale Auswirkungen eines zerstörerischen Wettbewerbs verhindern. Heute ist davon vor allem der Wunsch nach Sozialleistungen geblieben.

Je nach Ideologie und bevorzugtem Gesellschaftsmodell sowie auch Parteipräferenz kann man das gut oder schlecht finden. Die eigentliche Schockmeldung kommt erst jetzt: Bis zu zwei Drittel fällt schlicht gar nichts ein, wenn man konkret nach positiven oder negativen Aspekten der sozialen Marktwirtschaft fragt. Offensichtlich führt eine nahe dem Nullpunkt angesiedelte wirtschaftliche Bildung zu fast 66 Prozent Sprach- und Ratlosigkeit.

Es ist eine demokratiepolitische Gefahr, wenn sich von Wahlkampf bis Budget alles um Wirtschaftsthemen dreht und fast keiner eine Ahnung hat. Sollte sich daher die Koalitionsverhandler bald einigen und die Lehrergewerkschafter jemals einlenken, müsste man die zwei Zusatzstunden des Unterrichts dem Fach Wirtschaft widmen.

Peter Filzmaier ist Professor für Demokratiestudien und Politikforschung an der Donau-Universität Krems.


5 Ökonomisch-politisches Grundwissen/Einführung - Lernziele    

Im Folgenden soll ein Unterrichtsmodell der Allgemeinen Erwachsenenpädagogik mit dem didaktischen Aufbau und Lernzielen als Lehrganges/Kurs vorgestellt werden, wobei die zitierte Fachliteratur Grundlage für die inhaltliche Themenwahl bildet.

In einer allgemein-erwachsenenpädagogisch strukturierten ökonomísch-politischen Bildung bedarf es

  • eines Aufbaues mit fachdidaktischen Perspektiven,
  • wobei zehn Lernziele(LZ) mit unterschiedlicher Gewichtung angestrebt werden(vgl. ALTHAMMER-ANDERSEN-DETJEN-KRUBER 2007). Die beispielhaften Lernziele(Auswahl) berückschtigten besondere Interessen der Lernenden.

Einführung

Ökonomische Ideengeschichte


Ziele - Aufbau

LZ 1 - Wirtschaftsordnung: Soziale Marktwirtschaft - Planwirtschaft

LZ 2 - Märkte - Gesamtwirtschaft

LZ 3 - Geld - Währung

LZ 4 - Arbeitslosigkeit - Beschäftigung

LZ 5 - Wirtschaftswachstum

LZ 6 - Sozialpolitik

LZ 7 - Umweltpolitik

LZ 8 - Finanzpolitik

LZ 9 - Globalisierung - Außenwirtschaft

LZ 10 - Weltwirtschaftsordnung

LZ 11 - Beispielhafte Lernziele/Auswahl


Ökonomisch-politisches Grundwissen/Didaktik    

Im Folgenden werden beispielhaft die Lernziele didaktisiert, wobei wirtschaftspädagogische Grundsätze und die Didaktik der Politischen Bildung gelten(vgl. die Autorenbeiträge http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Politische Bildung - WIRTSCHAFT HEUTE, Bd. 499, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2006; ALTHAMMER-ANDERSEN-DETJEN-KRUBER 2007).

Vorbemerkung    

Die Themenfelder behandeln

  • bewusst indisziplinär Bereiche der Politischen Bildung, des Globalen Lernens, der Wirtschafgtspädagogik und
  • sind aufgeteilt in den Fachbereich und die Fachdidaktik.
Thematisch wird

  • mit einer "Ökonomischen Ideengeschichte" begonnen, die in ökonomisches Denken und Handeln einführen soll.
  • Als gängige "Wirtschaftsordnung" werden die Soziale Marktwirtschaft und die Planwirtschaft angesprochen.
  • "Märkte-Gesamtwirtschaft" gehören in diesen Zusammenhang.
  • "Geld-Währung" betreffen die Preisniveaustabilität, die für die monetäre Seite von Bedeutung in der Wirtschaftststruktur ist.
  • Die weiteren Themen "Arbeitslosigkeit-Beschäftigung" und "Wirtschaftswachstum" weisen auf die Beeinflussung durch Veränderungen von Rahmenbedingungen und eine gewisse Eigendynamik hin.
  • Verteilungsaspekte und Gerechtigkeitsfragen in der Ökonomie betrifft das Kapitel "Sozialpolitik".
  • "Umweltpolitik" ist ein Thema auch der Politischen Bildung mit nationalen und internationalen Folgewirkungen.
  • "Finanzpolitik" betrifft die Staatsfinanzen udn des Vier-Ebenen-Systems mit Gemeinde, Bundesländern, Bund und Europäischer Union.
  • Folgerichtig wendet sich eine ökonomische Grundbildung der "Außenwirtschaft" mit dem Kontext der gewachsenen "Globalisierung" und der "Weltwirtschaftsordnung" zu. "Global players" spielen zunehmend eine Rolle, wobei nationale ökonomische Steuerungsversuche an Bedeutung verlieren und die Ökonomie eine internationale und globale Perspektiven erhält.
Lernziel Einführung - Ökonomische Ideengeschichte    

Eine historische Betrachtung von Ökonomie weist auf die Entstehungszusammenhänge, gesellschaftliche Entwicklungen und ökonomische Theorien hin. Sich mit ihr auseinandertzusetzen bedeutet ein besseres Verständnis für heutige und zukünftige Wirtschaftsentwicklungen zu bekommen(vgl. WIRTSCHAFT HEUTE 2006, 12-17).

Antike    

Auf dem Hintergrund einer Agrargesellschaft, in der die Bürger der polis domieren, entsteht im europäischen Mittelmeer ein reger Fernhandel.

PLATON verwarf in der "politeai" das Gewinnstreben und spricht sich für das Gemeinwohl aus. ARISTOTELES unterscheidet zwischen Gebrauchswert mit seinem Nutzen und dem Tauschwert in Geld oder im Vergleich zu anderen Gütern. Zins wird abgelehnt.

Mittelalter    

Eine Grundherrschaft und die Bedeutung der Städte kennzeichnen diese Epoche. THOMAS VON AQUIN beschäftigt sich mit ökonomischen Fragen im Kontext mit der christlichen Lehre. Zu einem gerechten Preis gehört die Berücksichtigung der erforderlichen Arbeit. Die Zinsabneigung bleibt bestehen. Im kanonischen Kirchenrecht des Mittelalters wird ein kanonisches Zinsverbot verankert, in der Folge überlassen die Christen den Juden das Geschäft des Geldverleihs.

In der Reformation und mit JOHANNES CALVIN wird der Zins neu bewertet. Gerechtfertigt wird er, weil man mit Geld Land kaufen kann, das einen Ertrag abwirft. So wird die Ökonomie gefördert. Das Kapital erhält eine positive Bewertung. Damit erhält ein neuzeitliches Wirtschaftsleben eine Grundlage.

Merkantilismus    

Mit der bereits im Mittelalter begonnenen Arbeitsteilung und dem Handel mit Geldwirtschaft entstehen in der Folge in Europa absolutistische Staaten. Macht und Reichtum werden nun angestrebt.

Ökonomische Folgerungen ergeben sich, indem das Gewerbe gefördert wird, Überschüsse durch die Handelspolitik durch Einfurzölle erwirtschaftet werden, Gold und Silber angehäuft wird, eine Förderung des Zuzugs ermöglicht wird, billige Arbeitskräfte angeworben werden.

Spielarten des Merkantilismus sind in England der Bullionismus, in Frankreich der Colbertismus und in Deutschland der Kameralismus.

Physiokraten    

Die Herrschaft der Natur(Physiokratie) weist auf die Bedeutung der Landwirtschaft als einzigen Wert und seine Produktivität hin(FRANCOIS QUESNAY). Handwerk und Manufakturen verändern lediglich die Rohstoffe.

Liberalismus    

ADAM SMITH nahm eine Neubewertung ökonmischen Verhaltens vor. Der Einzelne fördert unbewusst die Marktwirtschaft mit dem Ziel eines Allgemeinwohls. Forderungen nach staatlichem Eingriff sind daher abzulehnen. Der Staat soll sich auf das Rechtssystem und öffentlicher Einrichtungen beschränken. Arbeitsteilung ist Voraussetzung für wirtschaftliche Wachstum.

DAVID RICARDO sieht in der Theorie der komperativen Kostenvorteile die Vorteilhaftigkeit eines Außenhandelns.

JEAN-BAPTISTE SAY begründet die "Qualitätstheorie" des Geldes damit, dass die Geldmenge die Preishöhe beeinflusst. Ein ständiges Güterüberangebot kann es nicht geben, weil jedes Angebot seine Nachfrage selbst schafft.

Sozialismus    

Die größte Bedeutung hat der theoretische Ansatz von KARL MARX, wonach in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung die Arbeiter durch die Kapitalisten ausgebeutet werden.

Marx fordert die proletarische Revolution. Die Abschaffung des Privateigentums ermöglicht einen Übergang zur Gesellschaft des Sozialismus, in der Folge zum Kommunismus und einer Welt ohne Ausbeutung und Grenzen(vgl. die Idee der Kibbuzim/Israel).

Der Sozialismus ist eine Gegenbewegung zu Marktauswüchsen.

Neoklassik    

In der "Lehre zum Grenznutzen" weist die Neoklassik auf den zusätzlichen Nutzen hin, den die letzte Einheit eines Gutes dem Einzelnen vermittelt. LÉON WALRAS leistet mit dem Theorieansatz einen Beitrag zur aktuellen Wirtschaftstheorie der Mikroökonomie.

Staat oder Markt    

Durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 und den Konsequenzen zeigte sich ein Mangel an den selbst überlassenen Märkten mit ihrer Ungleichgewichtigkeit auf den Arbeits- und Gütermarkt mit der Folge einer hohen Arbeitslosigkeit.

JOHN M. KEYNES(1936) meinte in seiner Theorie, dass nicht jedes Angebot eine Nachfrage erzeugt. Es bestehe durchaus die Möglichkeit, dass das Einkommen in Teilen gespart wird, also nicht in Investitionen oder Konsum fließt. Daraus ergebe sich die Notwendigkeit, dass der Staat und die Notenbank gegensteuern müsse, etwa in kreditfinanzierte staatliche Aufgabeprogamme("Multiplikatoreffekt").

Homo oeconomicus    

Zu Wirtschaftsmodellen bzw. Theorieansätzen gehört auch die Vorstellung eines entsprechenden Menschentyps. Eine realistische Betrachtung von Wirtschaftsmodellen verlangt auch ein realistisches Menschenbild. Idaltypische und idelogisch verklärte Vorstellungen ergeben keine realistische Einschätzungsmöglichkeit.

Der Homo oeconomicus ist in seiner Definierbarkeit nur auf wirtschaftliches Handeln bestimmt. Er entscheidet sich nur rational, seinen Zielen entsprechend, handelt zu seinem ökonomischen Vorteil, versucht eine Gewinnmaximierung und Erhöhung seines spersönlichen Nutzens mit einem vorgegebenen Ziel und wenig Aufwand. Er kennt alle Entscheidungsalternativen, Konsequenzen und hat alle Informationen(vgl. das strenge Menschenbild mit der Realität im Alltag von Wünschen, Unsicherheiten und Wahrscheinlichkeiten sowie die Wirkungen von Werbung).

Fachdidaktische Hinweise/Einführung    

Didaktische Kategorien sind

  • soziale Ungleichheiten und externe Effekte,
  • Eingriffe des Staates,
  • wirtschaftliche Entwicklungen mit Interessen Einzelner oder/und sozialer Gruppierungen,
  • wirtschaftliche Entwicklungen mit Eingriffen in Werte wie Freiheit, soziale Gerechtigkeit und Sicherheit,
  • Institutionen wie Wirtschaftsordnung und ökonomische Prinzipien und
  • Verfassungen, die Gegenstand einer Politischen Bildung darstellen.

Leitfragen sind

  • die Bedeutsamkeit für Lernende,
  • die Einführung in ökonomisches Denken,
  • die Zusammenhänge von ökonomischen Wirkungen auf der Makro- und Mikroebene sowie
  • die Auseinandersetzung mit Erfordernissen und Zielen von Wirtschaftspolitik.
Lernziel 1 Soziale Marktwirtschaft - Planwirtschaft    

Beide Wirtschatsordnungen betreffen den europäischen Raum und weisen auf grundlegende wirtschaftstheoretische Modelle hin(vgl. WIRTSCHAFT HEUTE 2006, 28-31; ALTHAMMER-ANDFERSEN-DETJEN-KRUBER 2007, 44-92).

Soziale Marktwirtschaft    

Am Ende des Zweiten Weltkrieges entstand das Leitbild der Sozialen Marktwirtschaft. Väter der Marktwirtschaft waren die Ökonomen Walter Eucken und Alfred Müller-Armack.

Sozial - soziale Gerechtigkeit und Sicherheit

Marktwirtschaft - wirtschaftliche Freiheit

Grundziel - "So viel Freiheit wie möglich, so viel Zwang wie nötig."

Aufgabe - Verknüpfung von Markt und Wettbewerb auf dem Prinzip der Freiheit mit sozialem Ausgleich und Gerechtigkeit

Wirtschaftliche Freiheit - freie Entscheidung des Konsumenten über das Einkommen, Gewerbefeiheit-Berufsfreiheit-freie Eigentumsnutzung-freie Güterherstellung-Wettbewerbsfreiheit, Angebot und Nachfrage stimmen über Wirtschaftspläne ab

Soziale Verantwortung - Garantie bzw. Beschränkung/Verhinderung einer Gefährdung einer sozialen Gerechtigkeit und sozialen Sicherheit

Wirtschaftspolitik - Dämpfung von negativen Folgen wie Arbeitslosigkeit und Inflation, Einkommens- und Vermögensverteilung zugunsten einer leistungsschwächeren Bevölkerung("Umverteilung")

Instrumente - staatliche Aufgaben - Einkommens- und Vermögenssteuern, Sparprämien, Lohnpolitik der "Sozialpartnerschaft"(Arbeitgeber-Arbeitnehmer bzw. Tarifpartner), Ausbau eines sozialen Netzes wie Arbeitslosenversicherung, Familienbeihilfe, Wohngeld und Sozialhilfen

Kritikpunkte - regelmäßiges Überdenken des Subventionswesens("Übergangshilfen"), internationale Abhängigkeiten/etwa EU-Konjunkturschwankungen-Bankenkrise

Sinnbild der Sozialen Marktwirtschaft - Pferdewagen - Der Wettbewerb bringt die Pferde(Konsum) in Trab. Bei Gefahr bringt der Lenker(Wirtschaftspolitik) mithilfe der Zügel(Maßnahmen)die Pferde auf den richtigen Weg. Wenn die Bürger nicht mithalten können, werden Sitzplätze in der Kutsche bereitgestellt(Unterstützungsmaßnahmen).

Planwirtschaft    

Alle wirtschaftlichen Entscheidungen und Abläufe werden durch gesamtwirtschaftliche Pläne zentral gesteuert und überwacht.

Zentrale Planung - kein Privateigentum der Produktionsmittel, vielmehr Eigentum des Kollektivs bzw. der Gesellschaft/Staatseigentum - zentrale Wirtschaftsplanung durch den Staat(mittelfristig "Fünf Jahresplan", langfristig bis zu zehn Jahre) mit Plansoll für Produktion und Arbeitseinsatz - regionale und/oder sektorale Planungsziele

Problembereiche - mangelhafte Orientierung an privaten Bedürfnissen der Konsumenten(Unsicherheit der Bedarfseinschätzung/Beispiel DDR: Lieferzeiten von Autos/Trabant und Wartburg)), zentrale Fixierung von Preisen, Planungsfehler, unzureichende Anreize zu mehr Planerfüllung - oberstes Ziel ist die Planerfüllung(genügend Mengen an Gütern-definierte Eigenschaften-zugewiesene Arbeitskräfte und Materialien)

Planwirtschaftsmodelle - Beispiele: Sowjetunion-DDR-Kuba-VR China(graduelle marktwirtschaftliche Modelle)

Fachdidaktische Hinweise/LZ 1    

Kategorien von "Marktwirtschaft"-Privateigentum vs. "Zentralverwaltungswirtschaft"-Kollektiveigentum sind

  • Klassischer Liberalismus - Laisser faire-Wirtschaft(Marktanarchie, Nachtwächterstaat),
  • Ordoliberlalismus - staatlicher Ordnungsrahmen(Wettbewerbssicherung, öffentliche Güter,
  • Soziale Marktwirtschaft - soziale Veratwortung des Staates("Redistributionspolitik")
  • Gelenkte Marktwirtschaft - Marktwirtschaft mit staatlicher Globalsteuerung,
  • "Planification"(Frankreich) - Steuerung auf Branchenebene,
  • Freiheitlicher Sozialismus - Gemeinwirtschaft und Einfluss von Gremien auf Investitionen,
  • Marktsozialismus - Investitionsfreiheit für staatliche Betriebe,
  • "Prager Frühling"/Sozialismus - staatliche Planwirtschaft bis zur Branchenebene,
  • Neues ökonomisches System/DDR(1963-1970) - Dezentralisierung bei staatlicher Planerstellung,
  • Zentrale Planwirtschaft - Makrosteuerung, Komsum- udn Arbeitsplatzfreiheit,
  • Totale Kommandowirtschaft - vollständige Makro - und Mikrosteuerung.

Leitfragen sind

  • die Wirtschaftsordung als Politik im Staat(Mehrheitsverhältnisse, Staatsverfassungen) und
  • die Wirtschaftsordnung und politische Ordnung(Demokratieformen vs. Diktaturen).
Inselgeschichte - Entdeckung einer Insel, Siedlerversammlung erstellt Grundzüge einer Wirtschaftordnung: Mengenproduktion von Gütern, Eigentum des Landes und Preise für Güter und Dienstleistungen.

Lernziel 2 Märkte - Gesamtwirtschaft    

Märkte sind ökonomische Orte des Tausches. Angebot und Nachfrage treffen aufeinander. Eine räumliche Konzentation der Teilnehmer ist nicht erforderlich. Im Folgenden wird auf die Akteure und Folgerungen eingegangen(vgl. WIRTSCHAFT HEUTE 2006, 80, 82-89, 90-97, 100-106; ALTHAMMER-ANDERSEN-DETJEN-KRUBER 2007, 94-139).

Marktformen    

Marktformen sind Wochenmärkte, der Internet-Handel, Marktformen in Form von Einzelhandel und Großhandel. Alles was gekauft und verkauft werden kann, betrifft Marktformen bzw. Märkte.

Im vollkommenen(homogenen) Markt sind die Güter gleich bzw. ähnlich. Die ökonomische Wirklichkeit geht von unvollkommenden Märkten aus.

Größe und Anzahl der Anbieter und Konsumenten/Nachfrager bestimmen das Verhältnis zum Gesamtmarkt und die Vielzahl der Marktformen.

bei vielen Anbietern ergibt sich etwa der Übergang von Polypol zum Oligopol, also von vielen kleinen zu wenigen mittelgroßen Anbietern. Konkurrenz bedeutet ein Abgrenzungsmerkmal und erzeugt Beweglichkeit bei Preisänderungen, d.h. Absatzschwankungen je nach Preisgestaltung.

Polypol    

Viele Anbieter und Nachfrager ergeben eine Marktform, preispolitische Maßnahmen gelten nur für die Firma. Abwandernde bzw. gewonnene Kunden verteilen sich auf viele Anbieter.

Oligopol    

Wenige Anbieter konkurrieren um die Käuferschicht. Ein erheblicher Teil des Gesamtangebots wird von wenigen bestritten. Eine Konkurrenz ist spürbar. Die Marktstrategie(Marketing) muss daher die Nachfrager und die Konkurrenz beachten.

Die Qualität der Güter unterschiedet sich in einem homogenen oder heterogenen Oligopol. In der Praxis gibt es zumeist heterogene Oligopole(wenige Anbieter bieten austauschbare Produkte an/etwa Autos, Waschmittel).

Monopol    

Eine Firma besitzt als alleiniger Anbieter auf dem Markt mit vielen Nachfragern ein Monopol. Entsprechend ist die Preisgestaltung.

Mit der Einführung der Europäischen Union(EU) sind viele Monopole gefallen, damit gilt das Konkurrenzprinzip und die Preisgestaltung nach Angebot und Nachfrage.

Produktionsfaktoren    

Als Produktionsfaktoren zur Sicherstellung der Güterproduktion gelten

  • Arbeit in Form humaner(Arbeitskraft) und technischer Gegebenheiten(Maschinen, Elektronik),
  • Kapital in Form von Gewinnen, Lohn und Zins,
  • Boden in Form von Räumlichkeiten, Grundstücken und Bebauungsflächen sowie
  • Wissen und Fort- bzw. Weiterbildung("know how").
Angebot    

Das Angebot richtet sich zumeist danach, wie hoch der erzielbare Preis im Verhältnis zu den Produktionskosten ist. Je höher der Preis, desto eher bieten die Unternehmen von einem Gut an.

Die Funktion eines Angebots hängt davon ab,

  • wie hoch der Absatzpreis ist, auf den in der Regel kein Einfluss vorhanden ist. Arbeit und Kapital werden eingesetzt.
  • In der Regel müssen die Güter sofort verkauft werden, d.h. nicht gelagert werden. Die Kapazitäten können zumeist nicht erhöht werden.
  • Gewinne errechnet man als Verkaufserlös minus Produktionskosten. Übersteigt der Preis die zusätzlichen Einheiten einer Produktion, steigert die Firma ihre Gewinne und erhöht die Produktion. Umgekehrt kann man die Gewinne erhöhen, indem man die Produktion verringert.
Langfristig wired eien Firma nur Güter anbieten, wenn der Preis zumindest die Durchschnittskosten deckt.

Kurzfristig bietet die Firma an, wenn die verschiedenne Kostenanteile gedeckt sind.

Ursachen für Angebotsverschiebungen sind etwa

  • Preisänderungen der Produktionsfaktoren,
  • Produktionsgewinne durch technische Innovationen und
  • ein erhöhtes/weniger Angebot, damit der Anbieter zum jeweiligen Preis mehr/weniger verkaufen kann.
Nachfrage    

Über den Erwerbswunsch hinaus bedarf es einer finanziellen Kaufkraft, um eine Nachfrage in Gang zu setzen.

Die Haushaltsnachfrage hängt davon ab,

  • wie der Preis des Gutes und das Hauhaltseinkommen eine Rolle spielen,
  • wie die individuelle Nachfrage abgeleitet wird(Einkommen - Nutzen),
  • ob über die wesentlichen Güter hinaus mögliche Kombinationen("Güterbündel")den Verbrauchsplan des Haushalts beeinflussen.
Elastizitäten ergeben sich bei Gütern auf

  • deren Preise(Preiselastizität),
  • auf das Haushaltseinkommen(Einkommenselastizität: hohes Einkommen Kauf von Luxusartikel)) und
  • auf den Preis eines anderen Gutes(Kreuzpreis-Elastizität: Benzinpreis - Autoverkauf).
Nachfrageelastizitäten sind von Interesse bei Firmen/Unternehmungen, die wissen wollen, wie stark die Nachfrage reagiert, wenn sich der Preis der Güter ändert(elastische Nachfrage - unelastische Nachfrage).

Preisbildung    

Neben dem Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage beeinflusst der Marktpreis die Angebots- und Nachfragemengen.

In der Folge wird die Planung der Angebotsmengen je nach Preis vorgenommen(Beispiel: Wiener Wochenmärkte - zu Beginn des Marktes hohe Mengen mit höheren Preisen; gegen Ende geringe Mengen, die verderben, mit geringen Preise/"Schleuderpreise").

Je nach Marktform ergeben sich freie oder dynamische Preisbildungen(Übereinstimmung bzw. Ungleichgewichtungen von angebotenen und nachgefragten Mengen > "Schweinezyklus" (Spinngewebemodell/"Cobweb-Modell").

Einflussfaktoren auf die Preisgestaltung haben

  • Einkommen und Preise anderer Güter,
  • die Höhe von Löhnen und Zinsen und die
  • Elastizität der Nachfrage.
  • Neben einer Preis-Starrheit gibt es "Kampfpreise"(unterhalb der Selbstkosten) und "Reservationspreise"(zunächst höhere Preis für finanziell kräftige Kunden, in der Folge niedrigere Preise für alle Käuferschichten).
Mängel im Preismechanismus    

In der einfachen Wirtschaftswelt gibt se den Preismechanismus als Ausgleich von Angebot und Nachfrage, indem die gesellschaftlichen Ressourcen in eien optimale Verwendung gelenkt werden.

Ausnahmen weisen jedoch auf Mängel hin.

  • Einmal bei einem Marktversagen("externer Effekt/Externalität"), wenn eine Ungleichgewichtigkeit von betriebswirtschaftlichen und sozialen Kosten auftritt. Dies bedeutet in der Realität unkompensierte Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen auf unbeteiigte Marktteilnehmer, demnach Auswirkungen, für die niemand aufkommt bzw. einen Ausgleich erhält. Ökonomisch ist dies ein Marktversagen und kann staatliche Interventionen notwendig werden lassen. Beispiel ist etwa der Kohlebergbau mit Kosten der Gesellschaft(sozialen Kosten) durch eine Schädigung der Natur, Atemwegserkankungen der Anwohner und Gebäudeschäden durch Abgase. Diese Kosten werden im Gewinnansatz des Unternehmens nicht berücksichtigt. Entsprechend ist die Höhe des Marktpreis nicht den entsprechendne Grenzkosten. Die Allokation(Zuweisung) der Kosten ist verbesserungswürdig. Andererseits gilt als gegenläufiges Beispiel die Bienenenzucht eines Imkers. Die Bienen erhöhen den Ertrag der Obstanlagen bzw. Gärten, den zusätzlichen Nutzen als Gewinn erhält der Imker jedoch nicht(vgl. USA/Californien mit dem Nutzungsentgelt für Imker in Obstplantagen).
  • Externalitäten werden jedoch vom Staat in Form von Emissionsteuern(Umweltnutzung) bzw. Auflagen(Einbau von Abgasfiltern)als soziale Kosten eingehoben. Ein Beispiel staatlicher Regulierung ist auch der Patentschutz.
  • Im Fall von Informationsasymmetrien(Ungleichgewichtigkeiten von Informationen bei Käufern und Verkäufern) kommen Angebot und Nachfrage nicht zum Ausgleich(etwa bei Kreditvergaben von Banken).
Wettbewerbsbeschränkungen    

Der Markterfolg ist beim freien Leistungswettbewerb vom Verhalten der Konkurrenz abhängig.

  • Wettbewerbsbeschränkungen ergeben sich aus der Bedrohung durch den Wettbewerbsdruck.
  • Geringer werden die Beschränkungen bei hoher Wachstumsdynamik.
  • Innovative Unternehmen fühlen sich weniger bedroht.
  • Eine große Anzahl von Anbietern macht eine Wettbewrbsbeschränkung schwieriger.
Wettbewerbsbeschränkungen durch Vereinbarungen haben Unternehmen, die handelsrechtlich selbständig bleiben.

  • Unternehmen bei horizontale Absprachen verzichten freiwillig auf ihre Handelsfreiheit bzw. ihre Wettbewerbsmittel durch Verträge etwa bei Preisen, Qualität und Mengen(vgl. das Verbot in Deutschland von Kartellverträgen). Formlose Absprachen bzw. stillschweigende Anpassungen sind ebenfalls Mittel eines Verzichts.
  • Vertikale Absprachen sind vertragliche Veinbarungen zwischen Unternehmen auf verschiedenen Produktionstufen.
  • Ausschließlichkeitsbindungen verpflichten zu einem exklusiven Geschäftsverkehr wie etwa Gaststätten zum exklusiven Bierbezug von Brauereien.
  • Preisbindungen verpflichten zu festgelegten Preisen und unterbinden damit den Preiswettbewerb unter Händlern. Preisempfehlungen sind erlaubt.
Zu Wettbewerbsbehinderungen bzw. Wettbewerbsverdrängung gehören

  • Kampfpreise als Preisgestaltung zur Marktverdrängung,
  • Boykott als Mittel zur Ausschließung von Geschäftsbeziehungen,
  • Preisdiskriminierung, bei der Marktbeherrschende mit bestimmten Kunden niedrigere Abnahmepreise vereinbaren.
Diese Praktiken bzw. Strategien fallen unter das Diskriminierungsverbot.

Fusionen - Konzerne    

Als Konzentrationsstrategien und externes Unternehmenswachstum gelten

  • Fusionen als Verschmelzung von Unternehmen("Elefantenhochzeiten") und
  • Bildung von Konzernen(Verbund von rechtlich unabhängigen Unternehmen) als horizontale(gleicher Markt), vertikale(verschiedene Produktionstufen) und diagonale Konzerne bzw. Mischkonzerne(verschiedene Märkte).
Als Folgerungen einer Globalisierung der Märkte ergeben sich diese Unternehmensformen, die nicht nur national, auch weltweit konkurrieren(müssen).

Als Vorteile sieht man

  • die Erhöhung von Gewinnen,
  • verbesserte Rationalisierungseffekte in Produktion, Marketing und Service,
  • eine größere Marktmacht gegenüber Abnehmern, Lieferanten und Kreditgebern,
  • eine Verminderung von Risken durch Aufteilugn auf mehrere Partner,
  • ein verbessertes Know how mit gemeinsamer Entwicklung und Forschung,
  • eine Zeitersparnis durch gemeinsame Aktivitäten sowie
  • steuerliche Ersparnis.
Voraussetzung sind ähnliche Produkte, Produktionsstrukuren, derselbe Markt und eine ähnliche Unternehmenskultur der Witschaftspartner(vgl. "Diversity Management").

Internationale Kooperationen zeigen neben Wettbewerbsbeschränkungen auch Konzentrationsprozesse, die eine Marktbeherrschung ergeben(können)(vgl. Luftverkehrsgesellschaften).

Kartelle    

Vertragliche Verhaltensabstimmungen über Preise, Absatzmengen, Absatzgebiete und andere Konditionen von Unternehmungen ergeben ein Kartell.

Ziel von Zusammenschlüssen sind höhere Gewinne und ein abgestimmtes Verhalten. Eine homogene Markttransparenz mit bestimmten Produkten und Produktionsverfahren sowie rechtliche und faktische Marktschranken regelt den Zutritt für Anbieter.

Konventionalstrafen und Sanktionen sichern die Kartellvereinbarung bzw. die exklusiven Bezugs- und Absatzquellen.

Zulassungen von Kartellen werden dann ermöglicht, wenn

  • einheitliche Normen und Typen("Normen- und Typenkartelle") eingeführt werden,
  • eine einheitliche Anwendung allgemeiner Geschäfte und Zahlungsbedingungen geregelt werden(Konditionenkartell),
  • Kapazitäten für die Erzeugung und Verarbeitung dem Bedarf angepasst werden sollen("Strukturkrisenkartell"),
  • Spezialisierungen rationelle Vorgänge ermöglichen("Spezialisierungskartelle"),
  • Rationalisierungen wirtschaftliche Vorgänge zum Ziel haben("Rationalisierungskartelle") und
  • bei Bedarf eine Verbesserung von Entwicklungen, Verteilungen, Beschaffungen, Rücknahmen oder Entsorgung von Waren und/oder Dienstleistungen nicht anders erreicht wird("Erlaubniskartell").
Legalisierte Kartelle unterliegen einer Missbrauchsaufsicht(vgl. Marktbeherrschung, Preisgestaltung).

Konjunktur - Konjunkturverlauf - Theorien    

Konjunkturschwankungen sind unterschiedliche Verläufe eines gesamtwirtschaftlichen Produktionspotenzials und hängen von der internationalen Entwicklung besonders bei exportorientierten Ländern ab.

Der Konjunkturzyklus besitzt Auf- und Abschwungsphasen und umfasst in der Regel einen Zeitrahmen von drei bis acht Jahren.

Gemessen wird die Konjunktur eines Landes an den Wachstrumsraten des realen Bruttoinlandsprodukts(BIP). Als Rezession wird die negative Veränderungsrate, als Depression das Überschreiten eines negativ festgesetzten Schwellenwertes bezeichnet.

Joseph Alois Schumpeters Vier-Phasen-Schema dient zur Erklärung des Zyklusphänomens(Erholung/Aufschwung-Wiederbelebung-Expansion - Prosperität/Boom-Hochkunktur - Rezession/Abaschwung - Depression/Krise).


John M. Keynes Theorie geht von unausgelasteten Kapazitäten aus, die eine unfreiwillige Arbeitslosigkeit zur Folge haben. Die Ursachen seien kurzfristig starre Geldlöhne. Konjunkturschwankungen ergeben sich aus veränderten Einschätzungen künftiger Renditenentwicklungen. Nach dieser Sichtweise die Geldpolitik wirkunglos ist, bedarf es zusätzlicher staatlicher Nachfrage. Die Wirtschaft wird so über einen verstärkten Anpassungsaprozess zur Vollbeschäftigung geführt.

Stagflation als gleichzeitiges Auftreten von Inflation und Stagnation trat(trotzdem) in den siebziger Jahren auf.

Milton Friedman als Mitbegründer des Monetarismus betonte die Wirksamkeit der Geldpolitik gegenüber der Fiskalpolitik und betonte die privatwirtschaftlichen Erwartungen. In der Informationsasymetrie liegt die Erklärung. Unternehmen fragen bei steigenden Preisen nach mehr Arbeit nach. Die Arbeitnehmer sehen in höheren Geldlöhnen eine reale Einkommensverbesserung und bieten mehr Arbeit an. Wenn der Irrtum erkannt wird, spielt sich die Konjunktur wieder ein.

Fachdidaktische Hinweise/LZ 2    

Didaktische Kategorien sind

  • die Funktionsweisen von Märkten mit den unterschiedlichen Perspektiven und daraus sich ergebenden Kontoversen sowie
  • eine praxisorientierte Auseinandersetzung mit Problemstellungen und der Notwendigkeit von Realbegegnungen.

Als Leitfragen ergeben zwei mögliche Praxiskontakte.

  • Moderne Märkte haben Wahlmöglichkeiten. Eine Überprüfung von Warenqualität und Dienstleistungen ist schwer möglich. Kaufrisiken sind daher vorhanden. Expertengespräche und Konsumentenberatung sind daher Angebote.
  • Staatliche Rahmenbedingungen werden gerne als Handelsbeschränkungen ausgelegt. Ein Perspektivenwechsel - Konsument vs. Unternehmer - etwa im Gastgewerbe kann Gesetze und Verordnungen aus gesamtgesellschaftlicher Sicht reflektieren.
Zu beachten ist bei Realbegegnungen, wie bei jedem exemplarischen Lernen, eine Momentaufnahme von Realität. Das situativ Erlebte darf nicht immer verallgemeinert werden(vgl. den Wert von Nacherkundungen und Expertengesprächen).

Lernziel 3 Geld - Währung    

Geld gilt als allgemeines Zahlungsmittel und verkörpert ein Anrecht auf einen Sozialprodukt-Anteil und damit eine Verfügung über wirtschaftliche Güter(vgl. WIRTSCHAFT HEUTE 2006, 112-123; ALTHAMMER-ANDERSEN-DETJEN-KRUBER 2007, 142-187).

Geld ist Tauschmittel, Wertmesser und Recheneinheit bei Wertaufbewahrung und Wertübertragung.

  • Beim Übergang von Naturaltausch zur Geldwirtschaft war zunächst von Bedeutung, dass haltbare Waren als Zwischentauschgut eingesetzt wurden(Metalle, Muscheln, Salz).
  • Mit dem Handelsverkehr kam es zur Münzprägung, in der Folge zum Druck von Banknoten und schließlich zum Buchgeld.
  • Mit der Haltbarkeit und Wertbständigkeit kam es zur Wertaufbewahrung. Konvergenzkriterien wie eine niedrige Inflation erzeugen Vertrauen in eine Währung.
Durch die Prägung von Münzen und den Druck von Banknoten kommt es zu einem Münzgewinn, der in den Staatshaushalt fließt.

Geldersatzmittel wie Schecks und Wechsel ersetzen Bargeld und Buchgeld.

Das Ausgaberecht von Münzen und Banknoten besitzt die Nationalbank, beim Euro die Europäische Zentralbank(EZB).

Inflation    

Inflation ist der ständige Prozess einer Geldentwertung.

Die Minderung der Kaufkraft wird am Preisindex gemessen, die Erhöhung als Inflationsrate bezeichnet. Neben dem Warenkorb mit Sach- und Dienstleistungsgütern spielen landwirtschaftliche Produkte und gewerbliche Erzeugerpreise sowie Wohnpreise und Ein- und Ausfuhrpreise eine Rolle. In der Regel ändert sich der Warenkorb alle fünf Jahre.

In der EU konastruierte EUROSTAT als Statstikamt dfer EU einen harmonisierten Verbraucherpreisindex. Länderspezifsche Besonderheiten der Lebenshaltung sollten damit ausgeschalten werden, die Inflatiionsraten daher besser vergleichbar sein.

Eine schleichende Inflation ist kaum bemerkbar(unter 2 Prozent), eine trabende Inflation hat eine Teuerungsrate bis zu 10 Prozent, die galoppierende Inflation über 10 Prozent. Bei einer Hyperinflation sind Preissteigerungen über 50 Prozent vorhanden. Diese treten nach Kriegen und bei Bankkrisen(1923) auf.

Eine aufgestaute Inflation trat im Zweiten Weltkrieg auf, als die Staatsverschuldung sich ausweitete, die Preise zugleich kontrolliert wurden und die Güter rationiert wurden. Der Geldüberhang führte zu einem geringeren Tauschmittel, der Warentausch florierte bis zu einer Währungsreform(Einführung einer neuen Währung).

Als gefühlte Inflation wird die vom Verbraucher wahrgenommene Teuerung für Güter des täglichen Bedarfs bezeichnet(vgl. die nach der Einführung des EURO wahrgenommene Teuerung).

Als Ursache von Inflation gilt

  • heute ein zu starkes Wachstum der Geldmenge(monetäres Problem). Steigt die Geldmenge schneller als die gesamtwirtschaftliche Produktion, entstehen überschüssige Geldmengen, die inflationär wirken.
  • Im Keynesianismus wird dagegen festgehalten, dass die Nachfrage über das Angebot hinausgeht und Inflation erzeugt(Nachfrageüberhang).
  • Als Nachfragesog-Inflation wird die Entstehung eines Nachfrageüberschusses bezeichnet. Unternehmen begegnen der Güternachfrage mit Preissteigerungen, wenn kurzfristig die Möglichkeiten einer Ausweitung der Kapazitäten unmöglich ist.
  • Als Kostendruck-Inflation gelten steigende Kosten, die zu steigenden Preisen führen, etwa höhere Nominallöhne(Lohndruck-Inflation) mit dem Ansteigen von Steuern und Sozialabgaben.
  • Ein Sonderfall ist die importierte Inflation, die internationale Preisschwankungen auf das Preisnivau des Inlandes mit sich bringt(vgl. die Erdölkrise 1973 mit beträchtlichen Preissteigerungen oder die Stützung des Dollars als Leitwährung/Bretton-Woods-System).
Deflation    

Damit wird der Rückgang des allgemeinen Preisniveaus bezeichnet.

1929 und 1933 in Deutschland/Europa bzw. in der Ersten Republik in Österreich kam es zu einem starken Verfall der Verbraucherpreise. Die Arbeitslosigkeit stieg dramatisch an.

Wenn Staatsausgaben veringert, Steuern erhöht und Gehälter gekürzt sowie die Geldmengen verknappt werden, wird das Risiko der Wirtschaftspolitik unterschätzt und eine Geld- und Fiskalpolitik führt in eine Deflation.

Folgen einer Deflation sind eine Reduzierung des Konsumverhaltens in Haushalten, mangelnde Flexibilität der Löhne(mit Lohnkürzungen), Bldung von Streikverhalten bzw. Arbeitskonflikten, in der Folge Anstieg der Reallöhne, was wiederum Arbeitsplatzverluste mit sich bringt. Gesellschaftspolitisch sind die Folgen Radikalisierungstendenzen(vgl. die Entwicklungen in der Weimarer Republik bzw. Ersten Republik).

Fachdidaktische Hinweise/LZ 3    

Didaktische Kategorien sind

  • der Beitrag von Geld und Währung zur Allgemeinbildung(Existenzsicherung des Einzelnen, Bedeutung für Unternehmen-Gesellschaft-Weltwirtschaft),
  • die Verwendung der Geldarten,
  • die Kenntnis von Inflation bzw. Deflation,
  • die Kenntnis von Geld- und Kreditschöpfung und
  • die Auswirkungen auf eine Persönlichkeitsentwicklung(Mündigkeit, Tüchtigkeit und Verantwortlichkeit).

Leitfragen sind

  • Geld als Einkommensquelle und die Verwendung(Handlungspieräume),
  • der Wirtschaftskreislauf,
  • die Preisbildung,
  • die unterschiedlichen Wirtschaftsakteure mit ihren Funktionen, Zielen und Interessen sowie Ergebnissen und
  • der Zahlungsverkehr(technische Möglichkeiten) mit Bankerkundungen(Fremdwährungen, Dienstleistungen).
Lernziel 4 Arbeitslosigkeit - Beschäftigung    

Arbeitslosigkeit kann sowohl auf freiwilliger Entscheidung als auch auf aktuellen Umständen beruhen. Der Zusammenhang mit Beschäftigung ist durch die Zahl der Erwerbspersonen gegeben(vgl. WIRTSCHAFT HEUTE 2006, 124-129; ALTHAMMER-ANDERSEN-DETJEN-KRUBER 2007, 238-280).

Unternehmen streben einen Abbau von Kosten an und sind bestrebt, Arbeit durch Kapital zu ersetzen(Rationalisierungsmaßnahmen/Automatisierung der Produktion durch technischen Fortschritt). Bestimmte Berufe werden nicht mehr benötigt, das Wissen veraltet schnell(geringe Halbwertzeit).

Arbeitslosigkeit    

Arbeitslosigkeit entsteht (auch) durch unzureichende berufliche Qualifikation. Abgeschlossene berufliche Qualifikationen erhöhen die Chance einer Wiederbeschäftigung(vgl. die Nostrifikationsproblematik bei Zuwanderern).

Kurzfristige Arbeitslosigkeit(friktionelle Arbeitslosigkeit) oder Sucharbeitslosigkeit kommt bei Saisonarbeit oder Berufswechsel vor.

Konjunkturelle Arbeitslosigkeit ist in der Regel auch kurzfristig und trifft zumeist gering qualifizierte Beschäftigte.

Strukturelle Arbeitslosigkeit entsteht durch einen (strukturellen)Wandel der Wirtschaft wie beim Bergbau, in der Landwirtschaft, Industrie und bei Dienstleistungen. Sehr häufig bedeutet dies Langzeitarbeitslosigkeit.

Beschäftigung    

Vermieden wird Arbeitslosigkeit durch neu entstehende Arbeitsfelder und/oder Arbeitszeitverkürzung(Kurzarbeit) mit einer Neuverteilung der Arbeit auf mehr Personen, wobei sich die Qualifikatíonsfrage stellt.

Staatliche Beschäftigungsmaßnahmen unterstützen eine Beschäftigungspolitik und sichern steuerliche und Sozialversicherungseinnahmen sowie einen persönlichen Reallohn(vgl. die Beschäftigungspolitik der USA nach dem Ersten Weltkrieg /"New Deal" und der Ersten und Zweiten Republik/Straßen- und Kraftwerksbau sowie Konjunkturpakete).

Zudem kann die räumliche Verteilung von Arbeit eine Rolle spielen, wenn die Arbeitsnachfrage regional vom Angebot abweicht.

Nicht zu unterschätzen sind die sozialen Folgen bei einem Einkommmensverlust und die damit notwendigen Umschulungsmaßnahmen, soziale Unterstützungssmaßnahmen und(wenig praktizierte) Privatinitiativen einer Teil-Beschäftigung.

Es zeigt sich, dass der Faktor Arbeit für die persönliche Identität von wesentlicher Bedeutung ist.

Bildungs-, sozial- und wirtschaftspolitisch sind Schulungs-, Sozial- und Beschäftigungsmaßnahmen wesentliche Bestandteile zur Erhaltung eines sozialen Friedens.

Fachdidaktische Hinweise/LZ 4    

Didaktische Kategorien sind

  • das Verhältnis von Wirtschaftswachstum und Arbeit,
  • der Wachstumsrückgang und Arbeitslosigkeit mit dem Ausbau von Wohlfahrtssystemen,
  • die Globalisierung mit der Verlagerung von Produktion bzw. Arbeit und Folgewirkungen und
  • das Wachstum und die Umwelt("nachhaltige Entwicklung").

Leitfragen sind

  • der Wert von Arbeit für den Einzelnen und die Gesellschaft,
  • das Verhältnis von Arbeit und Beruf,
  • die Entwicklungstendenzen von Arbeit bzw. Beschäftigung und
  • mögliche Arbeitsunterbrechungen mit Konsequenzen für den Einzelnen und die Gesellschaft.
Lernziel 5 Wirtschaftswachstum    

Der Einsatz der Produktionsfaktoren lässt Wirtschaftswachstum entstehen. Die Kombination wird als "Produktionsfunktion" bezeichnet(vgl. WIRTSCHAFT HEUTE 2006, 130-139; ALTHAMMER-ANDERSEN-DETJEN-KRUBER 2007, 190-235).

Produktionsfaktoren    

Gemessen wird die Produktionsfunktion in der Regel am Bruttoinlandsprodukt(BIP).

  • Das BIP zeigt die konjunkturelle Entwicklung auf.
  • Das Produktionspotenzial zeigt die langfristige Entwicklung der Wirtschaft an. Eine hypothetische Entwicklung ergibt sich, wenn alle Kapazitäten voll ausgelastet wären.
  • Das Pro-Kopf-Wachstum weist auf das Wachstum bzw. den Rückgang als Maßzahl hin.
Gründe eines Wachstums sind

  • das Wachstum der Bevölkerung bzw. der Zuwachs an Erwerbstätigen,
  • eine volkswirtschaftliche Ersparnis bzw. Nettoinvestitionen und
  • technischer Fortschritt/Innovationen.
  • Höherer Kapitalbestand führt in der Regel zu höherer Sparquote und höherem Wahcstum, kann aber auch zu einem höheren Kapitalverschleiß(Abschreibungen) führen.
Als Residuum wird der Rest zwischen den Faktoren Arbeit und Kapital als Nettoinvestitionen verstanden, der zum durchschnittlichen Wachstum führt. Dieser Rest wird dem technischen Fortschritt zugeschrieben, der arbeitsvermehrend auf das Pro-Kopf-Kapital wirken kann. Dabei werden die Investitionen erhöht, damit der Kapitalbestand gleichbleibend bleibt.

Technischer Fortschritt ergbt sich aus den Anstrengungen für

  • Forschung und Entwicklung - Innovationen für technische Verfahren und/oder Produkte sowie
  • Humankapital, definiert als wirtschagtlich vewretbare Fähigkeiten, Kenntnisse und Haltungen der Erwerbspersonen. Dieser Wert für ein Wirtschaftswachstum ergbt sich aus dem Qualifiklationsniveau der Erwerbspersonen, wird also wesentlich bestimmt von Aus-, Fort- und Weiterbildung.
Nachhaltigkeit    

Nachhaltigkeit bzw. nachhaltige Entwicklung ist ein globaler Entwicklungsprozess, der die Lebensverhältnisse und -chancen der heutigen Generation verbessert(Entwicklung) und gleichzeitig die der künftigen Generationen erhält(Umwelt).

Der Bericht "Unsere gemeinsame Zukunft" der Brundtland-Kommission(1987) betrifft die Umwelt- und Entwicklungsdiskussion und zeigt sich im Umweltprogramm der Vereinten Nationen und im ersten Bericht des Club of Rome("Grenzen des Wachstums").

Eine Umsetzung ergibt sich bei

  • der Festlegung von Quoten von erneuerbaren Ressourcen wie Fischbeständen,
  • bei der sparsameren Verwendung von Rohstoffen und der Erschließung von neuen Rohstoffquellen wie etwa beim Erdöl(Erdöl-Krise 1973/Drosselung der Förderung durch die OPEC-Staaten bzw. Erschließung neuer Quellen in der Nordsee) und
  • bei der Entwicklung von Alternativen wie nachwachsender Rohstoffe(etwa Raps) oder erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarenergie.
  • Als weiteren Ansatz sieht man die Wiederverwendung von Rohstoffen durch Recycling als Beitrag zur Verringerung der Energie- und Materialintensität.
'Globale Probleme müssen durch internationale Abkommen zur Nutzung von Gemeinschaftsgütern wie die Atmosphäre und die Ozeane geregelt werden.

  • 1992 wurde in Rio de Janeiro die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung ("Rio-Gipfel") abgehalten, die die Klimakonvention und die "Agenda 21" mit dem Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert benennt.
  • 1997 wurden auf der Kliamkonferenz vopn Kyoto für die Industrieländer verbindliche Mengenziele für die Emission von C02 festgelegt. Umweltlizenzen wurden für den Handel mit Emissionen anerkannt.
Eine Reduzierung des Weltbevölkerungswachstums, die Stärkung der Rolle von Frauen und Bildung sowie Gesundheitsvorsorge gehören ebenfalls zur Umsetzung der Rio-Beschlüsse("Lokale Agenda 21").

IT-Hinweis http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/brundtland_report_563.htm

Strukturwandel    

Die Volkswirtschaften verändern sich langfristig von land- und forstwirtschaftlich/agrarisch gepägten(primärerer Sektor) über Industriegesellschaften(sekundärerer Sektor) zu Dienstleistungs- und Informationsgesellschaften(tertiärer Sektor).

Das Wirtschaftswachstum als Bevölkerungs- und Beschäftigungswachstum, technischer Fortschritt und Nettoinvestitionen treibt einen strukturellen Wandel an. Staatliche Maßnahmen und eine Änderung der Verbrauchergewohnheiten sowie die Struktur der Güter verstärken diesen Prozess.

Innovationen führen zu neuen Arbeitsformen und Produkten. Der ständige Wettbewerb um Märkte und kostengünstige Verfahren weist auf einen Strukturwandel hin. Neue Produkte wreden billiger und den Bedürfnissen der Käufer angeboten(Beispiel: PC und Handy mit neuen Bereichen wie Unterhaltungs- und Medienfunktion sowie Telekommunikation).

Typisch für den Strukturwandel und die Wirtschaftspolitik sind Subventionsvergaben, die einen Strukturwandel verzögern bzw. beschleunigen(Bergbaugebiete/Kohle - Ausstieg aus der Atomenergie - alternative Energieträger).

Zunehmende Internationalsierung/Globalisierung erzeugt einen Strukturwandel, der

  • staatlich beeinflusst in eine politisch akzeptierte Richtung laufen kann oder
  • als staatlicher Rückzug durch Deregulierung, Privatisierung und starken Wettbewerb einen Strukturwandel ergibt.
Strukturwandel kann strukturelle Arbeitslosigkeit erzeugen, indem Berufe wegfallen und Qualifikationen veralten. Aufgabe einer zeitgemäßen Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik ist die verstärkte Qualifizierung der Arbeitnehmer. Die Unternehmen haben neue Konzepte zu entwickeln.

Räumliche Wirtschaftsentwicklungen ergeben sich aus den Veränderungen von Volkswirtschaften in verschiedenen Regionen.

  • Marktprozesse und staatliche Wirtschaftsförderung ergeben regionale Veränderungen.
  • Ballunggebiete bzw. Ballungszentren ergeben zumeist Konzentrationenen von Arbeitsplätzen.
  • Standortfaktoren wie Rohstoffe, Verkehrsflächen, Kommunikationszentren, pünstige Grundstücksflächen, Entsorgungseinrichtungen, Kundennähe, Arbeitskräftepotenzial, niedrige Steuern und Wirtschaftsförderungen sind Kriterien für eine Standortwahl.
  • In der Regel kommt es bei günstigen Standortfaktoren auch zur Ansiedelung von Weiterverarbeitungsunternehmen, wobei ein Umland wirtschaftlich hilfreich ist.
  • Strukturschwache Gebiete mit schlechter Infrastuktur verhindern Betriebsansiedelungen.
  • In einer Dienstleistugnsgesellschaft mit Infomations- und Kommunikationsmedien gilt im hohen Maß Standortungebundenheit.
  • Niedriglohnländer mit Steuervorteilen ziehen Unternehmensgründungen an.
  • Regionalpolitik mit Förderung durch die EU hilft Strukturschwächen abzubauen. Zu regionaler Infrastruktur gehören Straßen, Kanäle, Bahn- udnd Flugverbindungen, Bildungseinrichtungen und Forschungsstätten sowie Kulturangebote und Freizeiteinrichtungen.
Wachstumsgrenzen    

1972 erschien der Bericht des Clubs of Rome "Grenzen des Wachstums". Die zukünftige Entwicklung wurde pessimistisch gesehen(Endlichkeit von Rohstoffen, Schädigung der Umwelt, Verschlechterung der Lebensbedingungen).

  • Folgerungen waren die Einsicht in Umweltprobleme mit der Gründung von Umweltbewegungen.
  • Das Bestreben an Recycling und Wirtschaftskreisläufen gewann an Bedeutung.
  • Ein Umdenken begann bei den Phänomenen einer Klimaveränderung, dem Schutz von Fischbeständen, der Notwendigkeit von Solar- und Windenergie sowie ökologischen Innovationen wie etwa Katalysatoren bei Autos.
  • Die Diskussion um ein angemessenes Wachstum gilt, weil Umweltschutz neue Arbeitsplätze schaffen kann, neue Technologie und Produkte entstehen lässt und damit Arbeitslosigkeit mit seinen sozialen Folgen abgebaut werden kann.
  • Für Entwicklungsländer gilt der Faktor Bevölkerungswachstum zu beachten.
  • Treibhauseffekte mit dem Ausstoß von CO2 sind Gefahren, die 1992 die Klima-Rahmenkonvention in der Konferenz von Rio de Janeiro mit Folgekonferenzen in Kyoto und Buenos Aires ergaben(Reduzierung von Emissionen und Einführung von Lizenzen zum Ausstoß von Schadstoffen).
Fachdidaktische Hinweise/LZ 5    

Didaktische Kategorien sind

  • der Strukturwandel von Wirtschaft mit Folgerungen für die Gesellschaft(primärer, sekundärer und tertiärer Sektor),
  • die Konzeption der Europäischen Union(ausgewählte Staaten) und
  • das Wachstum und der Stukturwandel in Entwicklungsländer bzw. Schwellenländer.

Leitfragen sind

  • die Lebensverhältnisse in einer zukünftigen gewandelten und globalisierten Wirtschaftswelt(national/eigene Region, international/ausgewählte Region),
  • Neue Technologien und ihre Bedeutung für die Wirtschaft und
  • die Zukunft von Arbeit mit dem Bezug zur Berufswahlvorbereitung(Genderaspekte/Karrierenverläufe, Qualifkationanforderungen).
Lernziel 6 Sozialpolitik    

Eine Sozialpolitik hat als Aufgabe die Schaffung eines sozialen Netzwerks. Gesellschaften mit starkem Strukturwandel benötigen über die Familienabsicherung hinaus eine staatliche Sozialpolitik(vgl. WIRTSCHAFT HEUTE 2006, 194-195; ALTHAMMER-ANDERSEN-DETJEN-KRUBER 2007, 282-332).

Sozialpolitische Aufgaben sind

  • die Sicherung des Einkommens während der Lebenszeit, auch bei Erwerbsunfähigkeit wir Krankheiten oder Alte und
  • eine ausreichende Vorsorge zu ermöglichen wie bei Versicherungen zur privaten Vermögensbildung.
  • Der soziale Friede soll ebenfalls gesamtgesellschaftlich abgesichert werden, etwa bei Arbeitslosigkeit mit Umschulungen und Arbeitslosengeld.
Für den Staat bedeutet dies, in der Haushaltsplanung ein hohes Sozialbudget einrichten zu müssen. Dies geht über die reine staatliche soziale Absicherung hinaus bis in die Förderung privater Vermögensbildung, Wohnungspolitik und Bildungspolitik, die der Sozialpolitik ökonomisch zuzurechnen ist.

Umverteilungen bei außergewöhnlicher Belastung nimmt der Staat bei Behinderungen oder Armut vor.

Die Mitgliedschaft in der Sozialversicherung ist Pflicht, weil private Versicherungen eine soziale Sicherheit nicht entsprechend anbieten können und Umverteilungen nur durch den Staat durchgeführt werden können. Zudem gibt es eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung (vgl. auch die übernationalen Bestrebungen in der EU als "Sozialunion").

Kritisch sind die hohen Lohnnebenkosten am Gesamtlohn anzusehen, die mitunter auch als wichtiger Standortfaktor gelten.

Fachdidaktische Hinweise/LZ 6    

Didaktische Kategorien sind

  • die Sozialpolitik als Sicherung der Menschenwürde(Freiheit und Gleichheit, Zumutbarkeit, Gemeinwohl),
  • der Umgang mit Knappheit von Finanzmitteln im Verhältnis zu den sozialen Bedürfnissen von Menschen,
  • dem Eingriff des Staates in den Wirtschaftskreislauf mit Korrekturmöglichkeiten und
  • Interessens- und Zielkonflikte der Beteiligten(Verteilungspolitik, Sozialgesetzgebung/ASVG).

Leitfragen sind

  • die Sozialpolitik als Konfliktfeld mit ihren Problemlagen(Fallstudie-Expertengespräche, Erkundungen, Handlungvorschläge) und
  • Fallanalysen mit persönlichem Bezug(Familienbeihilfe, Arbeitslosenunterstützung, AMS-Progamme).
Lernziel 7 Umweltpolitik    

Umweltpolitik hat seit den siebziger Jahren Bedeutung erhalten, als es galt, die Vermeidung von Umweltschäden und Verbesserung der Umweltqualität zu erreichen. Ökologische Maßnahmen haben national und international in der Umweltpolitik Gewicht bekommen. Ökologie und Ökonomie sind feste Bestandteile ökonomischen Denkens und Handelns geworden(vgl. WIRTSCHAFT HEUTE 2006, 184-185; ALTHAMMER-ANDERSEN-DETJEN-KRUBER 2007, 334-378).

Umweltschäden sind Folgen externer Effekte,

  • die aus der Produktion von Gütern mit der Belastung der natürlichen Umwelt resultieren,
  • die öffentliche Güter wie die Luft und den Boden betreffen,
  • die ein Verursacherprinzip und Gemeinlastprinziop mit gesamtgesellschaftlichen Folgen betreffen.
Beim Verursacherprinzip gilt der Grundsatz, dass der Verursacher für den Schaden aufkommt. Im Gemeinlastprinzip trägt die Allgemeinheit die Kosten, etwa bei Lärmschutzwänden.

Das Coase-Theorem besagt, dass für die Eindämmung von Umweltschäden es gleichgültig ist, ob der Verschmutzer oder der Geschädigte die Eigentumsrechte erhält(vgl. die Notwendigkeit von Verhandlungen um Entschädigungen bzw. Verminderungen von Schadstoffbelastungen).

Bie der Pigou-Steuer wird der Umweltschutz-Steuersatz nach dem Verursacherprinzip so festgelegt, dass der Verursacher die Emissionen so vermindert, dass dass eine ökologisch vorteilhafte Produktion einsetzen kann. Grenznutzen und Grenzkosten sind bei der Emisssionsvermeidung identisch. Höhere Kosten werden an den Verbraucher weitergegeben. Da sich Umweltschäden kaum in Geldeinheiten beziffern lassen, werden zumeist Ersatzlösungen, also etwa in der Vorgabe von Grenzwerten oder dem Verbrauch von bestimmten Gütern, praktiziert. Verbote können ebenso ausgesprochen werden.

Handelbare Emissionsrechte können ebenso festgelegt werden. Zertifikate werden vom Staat erworben, die anschließend untereinander handelbar sind. Damit ereicht man einen Ausgleich der umweltbezogenen Grenzkosten zwischen den Verursachern.

Fachdidaktische Hinweise/LZ 7    

Didaktische Kategorien sind das Erreichen einer Urteils- und Handlungsfähigkeit

  • mit dem Begründen von ökonomischen Entscheidungen(privater Haushalt-Unternehmen-Staat),
  • mit dem Erklären von ökonomischen Systemzusammenhängen mit sozialen und ökologischen Nebenfolgen und
  • der Bewertung von Konflikten(Verteilungsgerechtigkeit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, gegewärtigen und zukünftigen Generationen, Perspektivenübernahme).

'Leitfragen sind

  • die ökonomische Verbraucherbildung(Konsumentenerziehung) mit der Bewertung von Einkaufsstätten und Konsumenteninformationen,
  • die Begründung eigener Kaufentscheidungen,
  • die Bedeutung von gesetzlichen und freiwilligen Warenkennzeichnungen,
  • die Aspekterkundung von Betrieben im Bezug auf betriebliche Umwelt- und Sozialpolitik und
  • die Kenntnis eines Produktionszyklus mit Forschung/Entwicklung-Rohstoffgewinnung-Herstellung-Vertrieb-Verbrauch-Entsorgung in Form von Verwertung und/oder Beseitigung.
  • Wesentlich ist, die Lernenden in die Rolle eines wirtschaftlichen Akteurs bzw. mündigen Wirtschaftsbürgers zu versetzen.
Lernziel 8 Finanzpolitik    

Über Steuern und öffentliche Abgaben wird die Gesamtwirtschaft beeinflusst. Unter Finanzpolitik(Fiskal- und Geldpolitik)wird die Nutzung steuerlicher und monetärer Bedingungen für wirtschaftspolitische Ziele verstanden(vgl. WIRTSCHAFT HEUTE 2006, 156-159; ALTHAMMER-ANDERSEN-DETJEN-KRUBER 2007, 380-430).

Steuerpolitik    

Zumeist wird der Begriff für die Nutzung des staatlichen Budgets(Haushalts)verstanden. Es geht um eien konjunkturelle Stabilisierung, wobei die Nachfrage durch kreditfinanzierte Staatsausgaben für eine Vollbeschäftigung ermöglicht wird.

Steuersätze sollen in der keyesianischen Sichtweise einen konjunkturellen Ansatz bilden. Entsprechend sollen Wirtschaftsbooms gedämpft und Rezessionen belebt werden.

Hilfreich können bei geringem Wirtschaftswachstum erhöhte Staatsausgaben sein. Durch Kredit fianzierte Staatsausgaben können für die Gesamtnachfrage eine Art Kettenreaktion ergeben, etwa eine Erhöhung des Sozialprodukts, in der Folge eine Steigerung der Konsumnachfrage mit einer Vermehrung der Einkommen, die wiederum die Komsumnachfrage steigern.

Wird der Zins für kreditfinanzierte Staatsausgaben erhöht, mindert dies private Investionen(vgl. die Zinssätze der Banken und Sparkassen). Zudem kann durchaus ein Staatsdefizit von heute eine Steuerbelastung von morgen werden. Der Konsum wird eingeschränkt, die Nachfrage bleibt aus.

Erfolg einer solchen Steuerpolitik gibt es nur, wenn ein niedriges Wirtschaftswachstum(mit Arbeitslosigkeit)auf Nachfragemangel beruht.

Geldpolitik    

Eine Geldversorgung beeinflusst das Preisnivau der Güter, die Zinsen und den Wechselkurs. Oberstes Ziel ist die Stabilisierung der Konjunktur.

In der Euro-Zone ist die Europäische Zentalbank(EZB) für die Geldpolitik zuständig(ohne politische Weisungen). Kontrolliert wird der Banknotenumlauf, nicht aber die Geldmenge insgesamt.

Durch den Zinssatz kommt es zu einer Veränderung des Geldangebots, damit zu einer Geldnachfrage.

Mit dem Leitsatz bestimmt die EBZ den Zinssatz am Geldmarkt. Überschüssige Geldmengen können beim Europäischen System der EZB verzinslich angelegt werden. Damit fällt der Marktzins nicht unter den Einlagezinssatz, weil es nicht lohnend wäre, Geld zu verleihen, sondern bei der EZB anzulegen.

Mindestreserven müssen Kreditinstitute auf Konten der EZB angelegt werden. Damit wird die Liquiditätsnachfrage beeinflusst.

Fachdidaktische Hinweise/LZ 8    

Didaktische Kategorien sind

  • die Anforderungen an eine nachhaltige Finanzpolitik,
  • die Entwicklung der Staatsverschuldung mit ihren Grenzen und die
  • die Generationengerechtigkeit.

Leitfragen sind

  • beispielhafte steuerpolitische Bezüge für den Einzelnen(Loh- und Einkommenssteuer/Abschreibmöglichkeuten) bzw. die Gesellschaft(Finanzausgleich, Subventionen, Transferleistungen),
  • Haushaltsplanungen von Gemeinden bzw. Vereinen und
  • Positionen von Parteien bzw. Sozialpartnern zur Steuerpolitik.
Lernziel 9 Globalisierung - Außenwirtschaft    

Globalisierung und die Aspekte der Außenwirtschaft weisen auf eine Internationalisierung der Wirtschaft hin, die einen weltweiten Abbau der Grenzen der Märkte voraussetzt und ökonomisch praktiziert(vgl. WIRTSCHAFT HEUTE 2006, 240-257; ALTMANN-ANDERSEN-DTEJEN-KRUBER 2007, 432-477).

Globalisierung    

Globalisierung betrifft neben der Ökonomie auch kulturelle, ethnische, ökologische und soziale Aspekte. Globales Lernen betrifft Elemente, die diese Bereiche umfasst und pädagogisch aufbereitet(vgl. die Autorenbeiträge http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Globales Lernen, Interkulturelle Kompetenz, Migration in Österreich 1 und 2).

Ökonomisch ist die Verlagerung von Produktionsstätten in Billiglohnländer umstritten, erzeugt sie doch Arbeitslosigkeit in den Industrieländern.

Dsa Bestreben von Unternehmen, Gewinne durch internationale Aktivitäten zu steigern, ist Ziel der ökonomischen Globalisierung. Dazu werden internationale Absatzmärkte und kostengünstige Vorleistungen und ausländische Arbeitskräfte eingesetzt. Die internationalen Konjunkturentwicklungen werden miteinander verbunden und ausgenützt.

Der Welthandel in den letzten Jahrzehnten rasant gestiegen, wobei der Handel rascher stieg als die Produktion. Ursache dafür ist

  • der Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen im Rahmen des "Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens"(GATT) und der "Welthandelsorganisation"(WTO) sowie
  • die Verbesserungen in der Informations- und Kommunikationstechniok(IT-Bereich) und
  • sinkende Transportkosten.
Die weltweit bedeutendste Dimension einer ökonomischen Globalisierung haben die Finanzmärkte. Wertpapiere werden weltweit an allen Börsen nahzu identisch gehandelt. Preisunterschiede werden durch ähnliche Infomationen durch Anbieter und Nachfrager/Makler genützt. Man kann davon ausgehen, dass die Güter- und Arbeitsmärkte weltweit nie diese Marktintegration erreichen werden, da die Transaktionskosten zu hoch und die Güter weniger standartisiert sind als die Wertpapiere.

Internationale Transaktion bzw. Integration auf Arbeitsmärkten verstärkt sich, ein virtueller Mitarbeiterstab gehört zu internationalen Unternehmen(vgl. die Lebenshaltungskosten in Industrie- und Schwellenländern).

Protektionistische Maßnahmen wollen solche Szenarien verhindern.

Neben Niedrigpreisen, besserem Service und größerer Produktpalette spielen im internationalen Standortwettbewerb

  • die Stabilität des politischen und sozialen Umfelds,
  • die Ausstattung der Infrastruktur,
  • die Leistungsfähigkeit der Verwaltung und
  • die Qualität der Bildungseinrichtungen für die Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer eine Rolle.
  • Dies weist auf eine äußerst komplexe Ausgangslage von Ländern und Regionen im Standortwettbewerb hin.
  • In der Ökonomie spielt zunehmend "Diversity Management" im Umgang mit Arbeitskräften und ihrem Umfeld eine Rolle.
Multinationale Unternehmen    

Solche Unternehmen produzieren Güter in verschiedenen Ländern. Mit Direktinvestitionen an ausländischen Firmen oder Gründungen von Zweigniederlassungen entstehen "Multis".

Transnationale Unternehmen gehen auf lokale Bedürfnisse in Produktion bzw. Produktgestaltung ein und sind zentral als globales Unternehmen organisiert. Man versucht, Marktanteile sich zu sichern, wenn das Produkt in die Reifephase eintritt. Die technologisch vereinfachte Produktion wird in die ausländischen Absatzmärkte verlegt.

Die Einführung des Unternehmens in die ausländische Ökonomie(Internalisierung)beruht auf der Abwägung zwischen den Transaktionskosten und den Kosten der Internalisierung. Zu einer Ausdehnung des Unternehmens kommt es, wenn die Internalisierungskosten geringer sind als die Transaktionskosten. Als Anreiz zu einer Internalisierung kommt es, wenn die Produktqualität und eine höhere Produkttechnologie steigen(damit auch die Transaktionskosten).

Strategische Allianzen richten sich gegen dritte Konkurrenten. Von Interesse sind sie für Vorteile in Forschung und Entwicklung, Minderung von Risiken und Änderungen von Konkurrenzsituationen.

Kontroverse Diskussionen ergeben sich bei der Wirkung auf die Beschäftigung. Im Stammland gehen Arbeitsplätze verloren, wenn Produktsanteile in Niedriglohnländer verlagert werden. Allerdings kommt es zur Sicherung von Arbeitsplätzen, wenn eine verbesserte Kostenstruktur den internationalen Wettbewerb stärkt und Märkte im In- und Ausland gesichert bzw. neu errichtet werden können.

Internationaler Kapitalverkehr    

Internationale Bewegungen von Kapital und Arbeit gehören zur globalen ökonomischen Verflechtung.

Kapitalbewegungen gehören zu einem(Nettokapital-)Export bzw. (-)Import. Insbesondere geht es

  • um internationale Kreditgeschäfte und Investitionen in Form von Direkt- und Portfolioinvestitionen.
  • Der internationale Kapitalverkehr von Regierungen oder Zentralbanken betrifft zumeist Marktinterventionen, Beteiligungen an internationalen Organisationen und Entwicklungshilfe.

Direktinvestitionen im Ausland bzw. ausländische Investitionen im Inland dienen der Gründung oder Beteiligung an Unternehmen, Produktionsstätten oder Niederlassungen("multinationalen Unternehmen"). Trotz der Hemmnisse bzw. kritischen Einstellung gegenüber solchen ökonomischen Verflechtungen werden aber zumeist Invstitionen in jenen Ländern getätigt, mit denen man enge Handelsbeziehungen pflegt. Dadurch ist nicht jede ausländische Investition gleichzusetzen mit einem Verlust an Arbeitsplätzen im Inland(vgl. den internationalen Handel in der IT-Branche)

Portfolioinvestitionen betreffen Investitionen mit internationalen Finanzpapieren(Risiko- und Rentenvergleichen). Sie dienen ausschließlich einer Gewinnerzielung.

Der internationale Kapitalverkehr erlaubt weltweit einen Einsatz von Kapital, der einer internationalen Arbeitsteilung und weltwirtschaftlichen Entwicklung dient.

Entwicklungsländer beschränken in Form von finanziellen Belastungen wegen des Abflusses von Kapital und/oder spekulativen Kapitalbewegungen den internationalen Kapitalverkehr mit steuerlichen Eingriffen, protektionistischen Genehmigungen und/oder Begrenzungen von Direktinvestitionen sowie der Einschränkung des Währungsaustausches(Konvertibilität).


Protektionismus    

Darunter versteht man die Maßnahmen von Handelshemmnissen, mi denen ein Staat bzw. die EU versucht, ausländische Anbieter zum Schutz des inländischen Marktes zu benachteiligen("strategische Handelspolitik"). Es gehört zum ökonomischen Erkenntnsstand heute, dass der Freihandel die Wohlfahrt aller Länder steigert.

Im Rahmen des "Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen(GATT)" werden die tarifären Handelshemmnisse abgebaut, protektionistische Maßnahmen nur in Ausnahmen geduldet.


Zölle gehören zu den tarifären Handelshemmnissen und bewirken eine Verteuerung von Importgütern(Schutz inländischer Produzenten). Als indirekte Steuer(wie die Mehrwertsteuer) gibt es einen Mengezoll(pro Stück( oder Wertzoll(auf einen Wert).

Der neue Protektionismus wird

  • in Form von Mengenbeschränkungen("Kontingenten")oder Selbstbeschränkungsabkommen praktiziert.
  • Subventionen stützen die inländischen Produkte(nicht die Preise für Konsumenten) und sind mitunter effizienter als Zölle.
  • Beim Dumping wird ein Produkt im Ausland unter den Produktionskosten im Inland angeboten. Zur Finanzierung der Differenz können höhere Verkaufspreise im Inland festgesetzt werden. Ziel ist häufig die Etablierung von Produkten auf ausländischen Märkten. Bei Erreichen dieses Ziels erhöhen sich die Preise. Mit Hilfe einer Abwertung der eigenen Währung kann man ebenfalls Absatzvorteile auf Exportmärkte erreichen("Valuta-Dumping"). Sozial- und Umweltdumping erreicht man, wenn niedrigere Exportpreise durch geringere Sozialleistungen bzw. Umweltauflagen in den Exportländern erreicht werden.
  • Im GATT("Kennedy-Runde" 1964-1967) wurden Regelungen zum Anti-Dumping fetgelegt. Ausnahmen sind etwa eine erhebliche Schädigung der inlandischen Produktion. In der "Uruguay-Runde"(1986-1989)gibt es genaue Regelungen(Ermäßigung bis zu 2 Prozent oder unbedeutende Importmengen mit Marktanteilen unter 3 Prozent).

Kinderarbeit    

Weltweite Kinderarbeit (arbeitende Kinder unter 15 Jahren) gehört zu den großen Problemfeldern der "Internationalen Arbeitsorganisation"(ILO) und verteilt sich insbesondere auf Asien/Pazifik, Lateinamerika/Karibik und den Mittleren Osten/Nordafrika.

Nach Berufsfeldern gibt es die meiste Kinderarbeit in der Landwirtschaft/Fischerei, Produktion, im Groß- und Einzelhandel, Restaurants und Hotels sowie in Sozialen und persönlichen Diensten.

Wettbewerbsfähigkeit    

Wettbewerbsfähigkeit wird durch niedrige Exportpreise erreicht, wobei die "Terms of Trade", die Standortfaktoren und/oder der reale Außenwert das Niveau der Exportpreise widergibt.

  • Die "Terms of Trade" als reales Austauscherhältnis einer Währung gelten als Indikator für eine internationale Wettbewerbsfähigkeit. Aufgezeigt wird, wie das Preisverhältnis von Export und Import im Wert einer bestimmten Währung sich ergibt. Damit ergibt sich das Verhältnis, wie viel ein Land exportieren muss, um Güter im gleichen Wert importieren zu müssen.
  • Ein weiterer wichtiger Indikator ist der reale Außenwert einer Währung. Wenn der Wechselkurs steigt, das Verhältnis zwischen in- und ausländischen Preisen gleich bleibt, steigt der reale Außenwert. Damit werden die Importgüter billiger, die Exportgüter naturgemäß teurer.
  • Die Standortfaktoren wie die Lohnstückkosten und Produktionsfaktoren, Forschungsaktivitäten/Innovationen und die Steuerpolitik beeinflussen ebenfalls die Wettbewerbsfähigkeit.
  • Auch die Handelsbilanz ist ein wichtiger Indikator. Zeigt sich ein Übershuss, also mehr Exporte als Importe, kann man von den Kapitalzuflüssen profitieren.
  • Direktinvstitionen im Ausland sind ebenfalls ein für Wettbewerbsfähigkeit.
  • Zur Exportpreissenkung dient auch die Abwertung der eigenen Währung. Der Internationale Währungsfonds(IWF) verhindert durch Kontrolle der Wechselkurspolitik solche Aktionen.
Innerhalb der Europäischen Währungsunion sind solche Aktionen im Rahmen einer Einheitswährung nicht möglich. Damit müssen die Mitgliedsländer ihre Produktionskosten senken und die Produktionsqualität verbessern, wenn man wettbewerbsfähig bleiben will.

Devisen - Wechselkurse    

Devisen sind ausländische Zahlungsmittel von Inländern, deren Wert auf dem Devisenmarkt duch Angebot und Nachfrage bestimmt wird.

Zumeist wird in Mengennotierung der Außenwert einer Währung augedrückt, d.h. der Außenwert etwa 1 Euros gegenüber 1 Dollar ist die Menge an US-Dollars, die man für 1 Euro erhält.

Eine Abwertung ist die Verminderung des Außenwerts. Umgekehrt ist die Aufwertung die Erhöhung des Außenwertes einer Währung.

Flexible Wechselkurse bestimmen sich durch Angebot und Nachfrage auf dem Devisenmarkt. Wenn das Angebot der inlandischen Währung größer ist als die Nachfrage, wertet die inländische Währung ab bzw. umgekehrt.

Die Kaufkaftparitätentheorie (Gustav Cassel) besagt, dass der Wechselkurs einer Währung deren Kaufkraft im Ausland im Vergleich zu ihrer Kaufkraft im Inland sich widerspiegelt. Entsprechend hängen die Wechselkursänderungen von den Preisunterschieden in beiden Ländern ab. Bei höheren Preisen im Inland kauft man im Ausland günstiger. Die Nachfrage für ausländische Währung steigt, die inländische Währung wertet ab.

Mögliche Ursachen von Wechselkursänderungen ergeben sich

  • aus den internationale Kapitalbewegungen, die aus Anlageentscheidungen wie etwa Geldvermögen, Wertpapieranlagen und ausländischen Anlagen bestehen können.
  • Die Rentabilität der einzelnen Portfolios entscheidet letztlich, etwa der Zinssatz und die Kosten eines Transfers.
Wechselkurssysteme in der Weltwirtschaft unterscheiden sich

  • aus einem System fixer Wechselkurse, die festgelegt und durch Zentralbanken gestützt in die Devisenmärkte einfließen. Der Goldstandard mit fixen Goldeinheiten und die Bindung an Einzelwährungen ergeben bestimmte Wechselkurse(vgl. das System von Bretton Woods als Festkurssystem und Bindung an den US-Dollar). Ebenso ergeben sich fixe Bindungen an einen Währungskorb(vgl. SZR, ECU).
  • Flexible Wechselkurse schwanken und ergeben sich aus Angebot und Nachfrage am Devisenmarkt("Floating"). Werchselkursanpassungen ergeben einen Ausgleich an Angebot und Nachfrage, es kommt in der Folge zu einem Ausgleich der Außenwirtschaft. Der Wechselkurs ist damit auch ein System zum Ausgleich der Leistungsbilanz.
  • Mischformen sind feste Systeme mit anpassungsfähigen Kursen und kontrollierten Floating(vgl. EWS I - Slowakei-Slowenien). In der Euro-Zone war dies bis 1998 die Ermittlung eines Leitkurses gegenüber einem Währungskorb, der aus Währungen der Teilnehmerstaaten bestand.
Fachdidaktische Hinweise/LZ 9    

Didaktische Kategorien sind

  • das Verständnis für ökonomische Aspekte einer Globalisierung mit Ursachen und Gründen eines Außenhandelns, den internationalen Kapitalverkehr,
  • die Konsequenzen für internationale Wirschaftsbeziehungen(Ordnungsrahmen/internationale Vertragswerke),
  • Wirkungen auf Staaten und Bevölkerungsgruppen(Nord-Süd-Konflikt, Armutsmigration, Rohstoffwettbewerb - Grenzen nationaler Politik, internationale Vernetzung)und
  • die Hauptakteure internationaler Wirtschaftspolitik und ihre Relativierung durch multinationale Unternehmen und NGOs.
  • Wechselkurse in ihrer Bedeutung für eine Finanzplanung im Ausland und am Besispiel des Euro als gemeinsamene Währung den Folgerungen in einer Währungsunion.

Leitlinien sind

  • die nationale Rolle von Globalisierung mit ökonomischen, politischen, technologischen und soziokulturellen Motiven,
  • die Gewinner und Verlierer in einer ökonomisch-politischen Globalisierung(Konzentationsprozesse, Entwicklungschancen, Strukturwandel) und
  • die Finanzplanung bei einem Auslandsaufenthalt bzw. für ein Unternehmen mit Exportchancen mit Vor- und Nachteilen von Wechselkursen bzw. gemeinsamer Währung.
  • die Globalisierung und die Europäische Union sowie
  • regionale Auswirkungen von Tendenzen einer Globalsiierung bzw. Internationalierung von Ökonomie in verschiedenen Branchen(Berufsfeldern).
Lernziel 10 Weltwirtschaftsordnung    

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges etablierten sich internationale Organisationen, auch als Sonderorgansationen der Vereinten Nationen(UNO), mit währungs- und entwicklungspolitischen Aufgaben. Deutlich zeigt sich eine Globalisierung der Wirtschaft.

Zudem entstanden Entwicklungsländer und Schwellenländer mit bestimmten ökonomischen Phänomenen, Armutselemente, Schuldenkrisen und Wirtschaftsblöcke(vgl. WIRTSCHAFT HEUTE 2006, 262-279; ALTHAMMER-ANDERSEN-DETJEN-KRUBER 2007, 480-516).

Zoll- und Handelsabkommen    

Ziel des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) ist die Senkung von Zöllen und der Abbau von Außenhandelsbeschränkungen zur Förderung des Welthandels. Durch die "Meistbegünstigung" müssen Zollvergünstigungen allen Landelspartnern gewährt werden. Gegensteitigkeit und Multilateralität sind Grundsätze des GATT.

Die Welthandelsorganisation (WTO) als Sonderorganisation der UNO regelt den internationalen Handel. Ziel ist die Ausweitung des Welthandels und die Bekämpfung des Protektionismus. Die ökonomischen Notwendigkeiten von Entwicklungsländern werden besonders berücksichtigt. Handelsstreitigkeiten werden nach einem vorgegebenen unparteiischen Streitschlichtungsverfahren mit zunächst verhandldungen zwioschen den Parteien, in der Filge einer Bildung eines Schiedsgerichts, der Möglichkeit einer Berufung, falls notwendig Gegen- bzw. Korrekturmaßnahmen abgewickelt.

Betrifft das GATT nur den Handel von Gütern, umfasst die WTO auch den Handel mit Dienstleistungen(GATS) und die Rechte an geistigem Eigentum(TRIPS).

Die Entwicklungsländer haben mit der Gruppe der 77 eine Vertretung ihrer Interessen in der Weltgemeinschaft. konkret ging es um die Umsetzung eines Rohstoffprogrammes, da die Entwicklungsländer stark vom Rohstoffexport abhängen. Mit der WTO wurde letztlich ein Welthandelssystem geschaffen, das einen besseren Marktzugang ermöglicht.

In der Konferenz der UNO für Handel und Entwicklung (UNCTAD) als ständiges Organ der UN-Generalversammlung zur Förderung der Entwicklung in Entwicklungsländern werden(nur)politische Leitlinien formuliert.

Koordinierung von Wirtschafts-, Sozial-, nationaler und internationaler Politik - OECD    

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat als Prinzipien die Marktwirtschaft und pluralistische Demokratie sowie die Beachtung der Menschenrechte.

Als Plattform zur Diskussion der Verbesserung der nationalen Wirtschafts- und Sozialpolitik sowie Koordinierung nationaler und internationaler Politik werden Kontakte auch zu Nicht-Mitgliedern und Entwicklungsländern gepflegt.

Gegenseitige Informationen laufen über das Internationale Sekretariat der OECD(Paris).

Vorläuferorganisation der OECD war die Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC).

In über 200 Ausschüssen bzw. Arbeitsgruppen läuft die praktische Arbeit, insbesondere im wirtschaftspolitischen Ausschuss, dem Prüfungsauschuss für Wirtschafts- und Entwicklungsfragen, dem Handelsausschuss und dem Ausschuss für Entwicklungshilfe. Der Rat ist das Entscheidungsorgan der OECD(Regierungsvertreter und EU-Vertreter).

Weltwirtschaftsgipfel    

Als informelle Institution der sieben führenden westlichen Industreländer(Fünfergruppe, G 5: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan. USA), Italien und Kanada(Siebenergruppe, G 7), Russland(G8) und des Präsidenten der EU-Kommission werden von den Staats- bzw. Regierungschefs Weltwirtschaftsprobleme beraten.

Globale Wirtschafts-, Entwicklungs- und Währungsfragen sind neben Sonderproblemen der Weltpolitik wie der Terrorismus, Drogen- und Waffenhandel, bewaffnete Konflikte und Umweltschutz Gegenstand von Beratungen.

Entwicklungsbanken    

Mit der Weltbank wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die erste internationale Bank geschaffen. Internationale Entwicklungsbanken, die Europäische Investitionsbank und zuletzt 1991 die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung wurden in der Folge gegründet.

Die Weltbankgruppe mit Sitz in Washington umfasst fünf Institutionen.

  • Die "Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung"(Weltbank/Bretton Woods) förderte zunächst nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau in Europa. In der Folge kam es zur Unterstützung der Entwicklungsländer. Langfristige Darlehen für Projekte in Verbindung mit Beratung werden an Regierungen vergeben.
  • Die "Internationale Finanz-Corporation"(IFC)unterstützt mit privatem Kapital Finanzierungen in technischen Projekten und das Management von Entwicklungsinvestitionen.
  • Die "Internationale Entwicklungsorganisation"(IDA) unterstützt besonders arme Entwicklungsländer mit langfristigen zinslosen Krediten.
  • Die "Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur"(MIGA) unterstützt ausländische Direktinvestitionen in Entwicklungsländern. Garantien werden für übernommen, damit es nicht zu politischen Ausfallsrisiken kommt(Transferbeschränkungen, Enteignungen).
  • Das "International Centre for Settlement of Investment Disputes"(ICSID) unterstützt die Schlichtung von Streitfällen von Regierungen und ausländischen Investoren.
Regionale Entwicklungsbanken mit ähnlichen Aufgabenbereichen sind die "Afrikanische Entwicklungsbank", "Asiatische Entwicklungsbank", "Interamerikanische Entwicklungsbank" und "Karibische Entwicklungsbank". Ähnlich der IFC gibt es die "Interamerikanische Investitionsgesellschaft".

Die Europäische Investitionsbank(Luxemburg) ist ein Kreditinstitut mit öffentlich-rechtlichem Status der EU und unterstützt Infrastrukturmaßnahmen und Beteiligungen an Fonds.

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung/"Osteuropabank"(EBRD/London)unterstützt den Umbau des Wirtschaftssystems der osteuropäischne Staaten und Nachfolgestaaten der Sowjetunion("Transformation"). Bedingungen für eine Vergabe von Krediten, Beteiligungskapital und Garantien sind eine Marktwirtschaft, Mehrparteiendemokratie und Pluralismus.

Internationaler Währungsfonds    

Ziele des Internationalen Währungsfonds/IWF(Sitz in Washington) sind die Förderung der internationalen Währungspolitik, des Welthandels und die Vergabe von Mitteln des Fonds an Mitgliedsländer bei Zahlungsbilanzproblemen.

Nach Erfüllung der Zahlungen an den Fonds gemäß der Quotierung kann jedes Mitgliedsland bei Zahlungsbilanzproblemen zur Erhöhung seiner Devisenbilanzprobleme(Devisenreserven) Kreditfazilitäten(Höhe der Finanzmittel) in Anspruch nehmen.

Die IWF-Kredite sind mit Auflagen verbunden, die eine Liberalisierung der Ökonomie betreffen wie etwa die Kürzung der Staatsausgaben und eine Anti-Inflationspolitik.

Kritisch ist zu vermerken, dass die Kredite eine kostenlose Versicherung für Banken und andere Investoren darstellen. Damit können riskante Anlageentscheidungen forciert werden. Mitunter führen dies Kredite dazu, dass die Gewinne den Investoren zukommen, die Verluste allerdings der Steuerzahler zu tragen hat.

Währungssystem von Bretton Woods    

Die "Internationale Währungs- und Finanzkonferenz der UNO" 1944 in Bretton Woods(New Hampshire/USA) errichtete

  • den IWF,
  • die Weltbank und
  • feste Wechselkurse zwischen den Teilnehmerstaaten.
Jedes IWF-Mitglied hatte seine Währung an Gold oder an den US-Dollar($) zu binden. Mit 35 $ war der US-Dollar selbst pro Unze an das Gold gebunden. Die Einlösepflicht des Dollars bestand in Gold(Golddevisenstandard).

In der Realität war der US-Dollar die Leitwährung, die Mitgliedsländer hatten sich an die US-Geldpolitik anzukoppeln. Weltweit bestimmte die US-Notenbank das Preisniveau der handelbaren Güter.

Dieses Währungsmanagement erschwerte den weltweiten Übergang zu voll konvertiblen Währungen.

1971 begann das Ende, als der US-Dollar drastisch aus steigendem Leistungsbilanzdefizit abgewertet wurde. 1973 brach das System zusammen, die Wechselkurse zum US-Dollar wurden freigegeben.

Entwicklungsländer    

Ein Entwicklungsland wird nach Entwicklungsindikatoren definiert, etwa

  • das Sozialprodukt pro Einwohner,
  • die Lebenserwartung,
  • die Kindersterblichkeit,
  • die Analphabetenquote,
  • das Bildungsniveau und
  • der Index der menschlichen Entwicklung.
Zudem gibt es unterschiedliche Einstufungen.

  • Die Weltbank unterscheidet zwischen Ländern mit niedrigem, mittlerem und hohem Einkommen.
  • Daneben gibt es Schwellenländer als Länder mit fortgschrittenem Entwicklungsstand, wenig entwickelte Ländern mit geringem Einkommen pro Kopf und geringem Entwicklungsstand sowie schwerwiegend betroffene Länder. Sie alle sind Länder, die wegen der Erdölkrise 1973 ökonomische Probleme bekamen.
Entwicklungspolitik hat zum Ziel eine Beschleunigung des ökonomischen Wachstums und damit des Lebensstandards dieser Länder("Dritte Welt").

Als Folge des Kolonialismus bildete sich eine dualistische Wirtschaftsstruktur mit

  • einem Sektor zur Selbstversorgung und
  • einem kleinen auf Nachfrage der Industrieländer abhängigen Exportsektor.
Nach der Grundbedürfnisstrategie des "Internationalen Arbeitsamtes der UNO"(Genf)kann erst eine Wirtschaft nachhaltig wachsen, wenn die Grundversorgung der Bevölkerung gesichert ist. Dies bedeutet

  • die Förderung der Landwirtschaft,
  • eiene Förderung der Infrastukturmaßnahmen und
  • Landreformen, um anhaltende Armut und Einkommensungleichhheiten zu minimieren.
  • Neben dem Export von traditionellen Gütern wie Agrarprodukten und mineralischen Rohstoffen müssen neue exportorientierte Wirtschaftszweige auf- und ausgebaut werden.
Entwicklungshilfe als wirtschaftlicher Aufbau und Zusammenarbeit bedeutet den Übertrag(Transfer) von Kapital und Wissen mit dem Ziel einer Vergünstigung. Notwendig ist Beratung, technische Hilfestellung, Handelshilfe mit der Möglichkeit einer Beteilgung am international Handel und in Notsituationen Nahrungshilfe und humanitäre Hilfestellungen.

Die UNO geht von dem Ziel aus, dass die Industrieländer 0,7 Prozent ihres BIPs an öffentlicher Entwicklungshilfe leisten sollen(vgl. Österreich 0,27 Prozent/2011; Norwegen mit 0,87 Prozent/Stand 2006).

Geleistet wird Entwicklungshilfe in Österreich von staatlichen Stellen, Privatorganisationen, Kirchen, NGOs und Organisationen entwicklungspolitischer Arbeit und Forschung.

Schuldenkrise    

Situativ bedeutet Schuldenkrise das Unvermögen einer Tilgung und Verzinsung der Auslandsschulden nachzukommen.

Bekannte Schuldenkrisen mit einem Totalunvermögen oder verspäteten Tilgungen von Bank- bzw. Anleiheverbindlichkeiten gab es 1982 in Mexiko und 1998 in Russland.

Dass eine gewisse Auslandsverschuldung auch hilfreich sein kann, zeigt sich bei Entwicklungs- bzw. Schwellenländern. Der Import von Auslandskapital kann nützlich sein, weil die Entwicklung des Landes damit gesteigert werden kann. Zudem gibt es den Anreiz, einen höheren Zinssatz zu verlangen("Risikoprämie").

Ursachen für Schuldenkrisen können

  • Fehlentwicklungen in Schuldenländern sein, weil das Kapital nur in den Konsum und nicht in Investitionen mit der Möglichkeit von Wirtschaftswachstum verwendet wird.
  • Mit dem Anstieg des Zinsniveaus und einer Aufwertung der Export-Währung verfallen die Preise der Exportgüter, womit der Schuldendienst steigt und die Einnahmen fallen.
  • Illiquidität als unzureichende Barmittel für kurzfristige Schulden erzeugt bei Kreditgebern Angst vor finanziellen Verlusten, damit auch bei langfristig guten Perspektiven eine mangelhafte Bereitschaft, auslaufende Kredite zu erneuern. Man spricht auch von einer "selbst erfüllten Prophezeiung".
Zur Verhinderung solcher Ursachen bedarf es neben der Absicherung durch Garantien internationaler Organisationen(Weltbank oder IWF) und Anreizen für Investitionen aber auch der Verhinderung von Fehlanreizen, damit es nicht zu unüberlegten und risikoreichen Kreditvergaben ohne Risikoanalyse und Beratung kommt.

Wirtschaftsgemeinschaften    

Ziel einer ökonomischen Wirtschaftsintegration in Form von Wirtschaftsgemeinschaften - als Freihandelszone, Zollunion, gemeinsamer Markt und/oder Wirtschaftsunion - ist eine ökonomische Weiterentwicklung und Erhöhung des Wohlstandes der Mitgliedsstaaten.

Die Freihandelszone ist der Zusammenschluss mehrerer Staaten(etwa der EFTA 1960) ,it dem Ziel, die Binnenzölle und Handelshemnisse abzuschaffen. Ein gemeinsamer Außenzolltarfif wird ncht eingehoben.

Die Zollunion ist ein gemeinsames einheitliches Zollgebiet mit einheitlichen Ein- und Ausfuhrzöllen mehrerer Staaten(etwa die EWG - "Römische Verträge" 1957). Neben der einheitliochen Zollpolitik kann es auch zu einer Umlenkung des Handels von billigeren Drittländern zu Mitgliedsländern kommen, die zwar höhere Produktionskosten ergeben, aber nicht mit mehr Zöllen belastet sind("Handelsumlenkung").

Das GATT erlaubt beide Formen.

Der gemeinsame Markt besitzt zudem einen freien Kapitalmarkt und Personenverkehr. Als "Binnenmarkt" mit einer Verschmelzung der Volkswirtschaften sind gemeinsame Wettbewerbsregeln, eine Harmonisierung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften sowie der Steuer- und Ausgabenpolitik notwendig.

Die Wirtschaftsunion geht über den gemeinsamen Markt hinaus, schafft eine supranationale Institution mit eigenen Kompetenzen - damit einen Abbau nationalen Rechts - und wird eine einheitliche Währungsunion(€) mit einem einheitlichen Wirtschaftsraum(EG/EU 1993/1994 - Euro 1999).

Wirtschaftsblöcke    

Die Weltwirtschaft und mit ihr der globale Handel werden durch drei Wirtschaftsblöcke dominiert, die Europa, Nord- und Südamerika und asiatische Staaten abdecken.

Als Freihandelszonen (regionaler Block) haben sich in Nordamerika die "Nordamerikanische Freihandelszone"(NAFTA), für Südamerika der Gemeinsame Markt im südlichen Lateinamerika(Mercosur)gebildet. In Südostasien soll die Asiatische Freihandelszone(AFTA)forciert werden.

In Europa wird der Freihandel durch die Europäische Union(EU)und den Europäischen Wirtschaftsraum(EWR - EU mit Island, Liechtenstein und Norwegen)gefördert.

Als größte Freihandelszone ist die NAFTA im Begriffe, eine Freihandelszone beider Amerikas(FTAA) zu planen. Ebenso wollen die Staaten Asiens und des Pazifiks langfristig eine Freihandelszone einrichten.

Eine transatlantische Freihandelszone zwischen den USA und der EU ist im Gespräch bzw. Planung(Stand 2013).


Seit den neunziger Jahren findet eine permanente Liberalisierung des Welthandels und zunehmende Globalisierung mit regionaler Blockbildung statt.

Kritisch ist zu vermerken, dass es zu einer Abkoppelung der Staaten Schwarzafrikas bei dieser Entwicklung kommen kann.


Europäischer Binnenmarkt    

Die EG ist seit 1993 mit der Vereinbarkeit über den Europäischen Binnenmarkt ein Raum ohne Binnengrenzen. Mit den Liberalisierungsmaßnahmen kam es zwischen den Marktbürgern der EG zu einer Freiheit des Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehrs("vier Freiheiten").


Vier Freiheiten im Binnenmarkt

  • Freier Personenverkehr - keine Grenzkontrollen, Harmonisierung von Gesetzen(Einreise, Asyl, Waffen, Drogen), Niederlassungs- und Beschäftigungsfreiheit für EU-Bürger und verstärkte Außenkontrollen
  • Freier Dienstleistungsverkehr - Liberalisierung der Finanzdienste, Harmonisierung der Banken- und Versicherungsaufsicht, Öffnung der Transport- und IT-Märkte
  • Freier Warenverkehr - keine Grenzkontrollen, Harmonisierung bzw. gegenseitige Anerkennung von Normen und Vorschriften, Steuerharmonisierung
  • Freier Kapitalverkehr - zunehmende Freizügigkeit für Geld- und Kapitalbewegungen, Schritte für einen gemeinsamen Markt für Finanzleistungen, Liberalisierung des Wertpapierverkehrs

Die Vollendung des Europäischen Binnenmarktes erfuhr Europa mit der stufenweise Einführung der gemeinsamen Währung "Euro"(€)zum 1.1.1999 mit der Zielvorstellung einer völligen ökonomischen Integration der EU-Staaten.

Besonders kulturelle Hindernisse mit Sprachen- und Bildungsbarrieren existieren nach wie vor(vgl. den Autorenbeitrag http://www.netzwerkgegengewalt.org > Interkulturelle Kompetenz).

Anzumerken sind die verstärkten Bildungsmaßnahmen im Rahmen des Erasmus-Programmes mit massiven Unterstützungsmaßnahmen für Lernende in Schulen, Universitäten, Fachhochschulen und der Erwachsenenbildung(Stand 2013).


Es zeigt sich, dass ökonomisch-politisches Agieren und Lernen Auswirkungen auf das gesamtgesellschaftliche Leben besitzt, auch für bestimmte Bevölkerungsgruppierungen, wenn nationale Einrichtungen EU-Maßnahmen zügig umsetzen.

Europäisches Währungssystem - Währungsunion    

1979 wurde das Währungsabkommen zwischen den EG-Staaten in Kraft gesetzt("Europäisches Währungssystem"/EWS) und mit 1.1.1999 mit Beginn der "Europäischen Währungsunion"(EWU) durch das EWS II ersetzt.

  • Vorläufer des EWS war der "Europäische Wechselverbund"/EWV(1972). Mit dem Ende von Bretton Woods traten die Währungen in ein Floating zum US-Dollar("Währungsschlange"). Ziel war die Schwankungsverminderung der Wechselkurse. Notwendig war eine abgestimmte Geldpolitik, um eine große Kapitalmobilität zu ermöglichen.
  • Bilaterale Leitkurse wurden berechnet und Bandbreiten festgelegt. Damit wurde ein Wechselkursmechanismus ausgesetzt.
  • Grund für die Einführung des Euro waren letztlich die Schwankungen der einzelnen Währungen und die damit verbundenen notwendigen Abwertungen.
  • Das EWS II sorgte für eine Anbindung an den Euro. Interventionen zur Kursstützung werden von der "Europäischen Zentralbank"(EZB) und nationalen Zentralbanken(Österreich Nationalbank) vorgenommen. Sie gelten als stabilitätsorientierende Geld- und Fiskalpolitik im Rahmen des EWS II.
1999 wurden die Europäische Währungsunion mit em Euro eingeführt(eine Lieblingsidee von Frankreich und Deutschland). Ab 2002 wurde die nationale Währung durch Euro-Banknoten und Münzen ersetzt.

Mit dem Maastricht-Vertrag 1992 wurde die EWU vereinbart, die einer wirtschaftlichen und politischen Integration der EU dient. Zur Vollendung des Europäischen Binnenmarktes diente die Euro-Zone auch als Mittel des Zusammenwachsens der nationalen Märkte, eines stärkeren Wirtschaftswachstums und der Stärkung der Ökonomie Europas durch eine in der Weltwirtschaft bedeutenden Währung(vgl. die Bedeutung des Euros auch in den Übersee-Kolonien Frankreichs und an den internationalen Börsen).

Bedingungen für die Teilnahme an der Euro-Zone sind die Konvergenzkriterien zur Verhinderung einer anti-inflationären Wirtschaftspolitik wie etwa

  • die geforderte Konvergenz(Annäherung, Anpassung) an die Preisstabilität,
  • den staatlichen Schuldenstand mit nicht mehr als 60 Prozent des BIP,
  • dem Haushaltsdefizits mit nicht mehr als 3 Prozent des BIP und
  • einer Wechselkursstabilität mit maximal + 15 Prozent(ansonsten kommt es zu Interventionen der EZB).
Im Stablitäts- und Wachstumspakt als Ergänzung zum Maastricht-Vertrag betrifft

  • den Aufbau eines Frühwarnsystems zur Verhinderung von Defiziten,
  • Sanktionsmechanismen und letztlich
  • Sanktionsverfahren.
  • Auf Grund der Verletzung des Verschuldungskriteriums zeigt sich die Notwendigkeit einer Reform des Paktes.

IT-Hinweis

Ostafrikanische Länder planen Währungsunion http://www.orf.at/stories/2208531/ (30.11.2013)


Fachdidaktische Hinweise/LZ 10    

Didaktische Kategorien sind

  • wirtschaftspolitische Elemente einer "Global Governance" mit ökonomischen Problemlagen,
  • globale Institutionen für einen Ordnungsrahmen einer Weltwirtschaft,
  • die Verschiebung der Machtverhältnisse der Länder des Nordens und der Schwellen- bzw. Entwicklungsländer,
  • die unterschiedlichen Haltungen der Akteure mit ihren Teilinteressen und
  • für die Lernenden das Vorhandensein der Vielfalt von Meinungen, Interessen und Wertvorstellungen mit einem Handeln als "homo politicus"(Eigeninteresse vs. politische Werte der Öffentlichkeit).

Leitfragen sind

  • die Kenntnis von Weltwirtschaftsordnungen - beispielhaft die WTO, GATT und OECD - ökonomische und politische Auswirkungen der zwanziger und dreißiger Jahre,
  • die internationalen Wirtschaftsblöcke,
  • die Auswirkungen einer europäischen Wirtschaftsunion(Binnenmarkt, Währungsunion) und
  • die Kenntnis von Armutselementen bzw. Kinderarbeit mit sozioökonomischen Folgerungen.
Lernziel 11 Beispielhafte Lernziele/Auswahl    

Die folgenden Lernziele ergeben sich aus dem Interesse der Lernenden und stellen daher besonders aktuelle ökonomisch-politische Vorgänge für diese dar.

Fachdidaktische Hinweise ergeben sich aus der zukünftigen Unterrichtspraxis(Stand 2013).


Allgemein steht Finanzvermögen für zukünftige Konsummöglichkeiten. Dies zeigt sich in

  • Anlagen bei Banken bzw. in Wertpapieren,
  • im Handel an Börsen und
  • in einer finanziellen Risikovorsorge durch Versicherungen.
  • Die angesprochenen Institutionen haben Vermittlerfunktionen zwischen dem Angebot an Kapital und der Nutzung der Konsumenten(vgl. WIRTSCHAFT HEUTE 2006, 288 bzw. 292-309).
Börse    

In einer besonderen Marktform werden an der Börse bewegliche Objekte zu bestimmten Vertragsbedingungen gehandelt werden und das Handelsobjekt vor Ort nicht aufliegt.

Als Arten von Börsen gibt es

  • die Wertpapierbörsen mit dem Handel etwa von Aktien,
  • die Devisenbörsen mit Devisenhandel und
  • die Warenbörsen mit dem Handel von Gütern wie Rohstoffen.
  • Kassabörsen betreffen Handelsobjekte, bei denen der Termin der Abnahme des Gutes und die Zahlung zusammenfallen.
  • Terminbörsen betreffen Handelsobjekte, wo der Handelszeitpunkt zukünftig vorliegt.
  • Mit IT-Leitungen verbundene Börsengeschäfte abzuwickeln benennt man Computerbörsen.
Aufgabe von Börsen ist es, as angebotene Kapital in Investitionen zu lenken, die zu höchsten Gewinnen(Renditen) führen. Die Börse ist der Ort, wo Kapitalgeber und Kapitalnehmer zusammengeführt werden. Ebenso können bereits vorhandene Effekte verkauft werden.

Die wichtigsten Börsen sind heute die Wertpapier-Börsen. Börsenmakler führen in der Regel die Geschäfte durch.

Börsenkurse entstehen durch Angebot und Nachfrage an einem zentralen Treffpunkt.

Die Preisfindung betrifft ein in Umlauf befindliches Handelsobjekt, wobei

  • der zu erwartende wirtschaftliche Erfolg,
  • allgemeine ökonomische Vorgänge und
  • innen- und außenpolitische Maßnahmen den Kurs beeinflussen.
Präsenzbörsen sind in Deutschland Berlin, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg, Hannover, München und Stuttgart, in Österreich Wien.

New York, Tokio, London und Osaka sowie Frankfurt/Main gehören zu den weltweit größten Börsen. Durch die IT-Technik entstehen Kooperationen, wie etwa London und Franfurt/Main bzw. die deutsche und schweizerische Terminbörsen.

Zur Orientierung für Kapitalgeber werden Börsenindizes berechnet, die Kursentwicklungen an Aktienmärkten aufzeigen.

  • International ist der "Dow-Jones-Index" bekannt.
  • Der deutsche Aktienindex "DAX" umfasst 30 deutsche Aktien(Frankfurter Börse).
Aktien    

Aktien sind Wertpapiere, die dem Inhaber einen Anteil am Grundkapital der Aktiengesellschaft(AG)vermitteln. Damit ist der Aktionär ein Miteigentümer einer AG und besitzt bestimmte Rechte.

Aktien haben einen bestimmten Kurswert, der täglich an der Börse ermittelt werden kann, aber nicht muss. Emissionen sind Ausgaben von Aktien an der Börse.

Als Rechte eines Aktionärs gelten

  • das Gewinnanteilsrecht mit dem Anspruch auf Auszahlung einer Dividende(Höhe je nach Bilanzgewinn),
  • das Bezugsrecht, das bei Kapitalerhöhung durch Ausgabe neuer Aktien sich ergibt,
  • Mitbestimmungsrechte wie etwa die Teilnahme an Hauptversammlungen, das Recht auf Auskunft und das Stimmrecht mit der Mitentscheidung der Besetzung des Aufsichtsrates, der Gewinnverwendung un der Höhe der Dividende, der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat und eventuellen Satzungsänderungen.
  • Beinhaltet sind diese Rechte im Aktienrecht.
Als Aktienarten ergeben sich

  • die Inhaberaktien, die vom jeweiigen Inhaber in Anspruch genommen werden,
  • die Namensaktien, die der Aktionär nur mit Legitimation verwenden kann,
  • die vinkuliertte Aktie als Sonderform, die bei Eigentumswechsel von der AG genehmigt werden muss,
  • die Stammaktie mit allen Aktionsrechten für den Eigentümer,
  • die Vorzugsaktie mir eingeschränktem Stimmrecht und dafür höherer Dividentenauszahlung.
  • Gratisaktien sind neue Aktien, die alten Aktionären aus Rücklagen und dem Gewinn zur Verfügung gestellt werden(Kapitalerhöhung).
Genussscheine ergeben Vermögensrechte, aber kein Stimmrecht. Unterschiedlich ist ihre Gestaltung, etwa als Anteil am Gewinn und/oder als Liquidationserlös und Umwandlungsrecht in Aktien.

Festverzinsliche Wertpapiere    

Festverzinsliche Wertpapiere ergeben in regelmäßigen Abständen feste Zinsen(Nominalzinsen). Dazu gehören Anleihen, Schuldverschreibungen, Obligationen, Rentenwerte und Renten(Bonds).

Anleihen ist ein Gläubigerpapier, sie beinhalten Forderungen gegenüber dem Schuldner(verbriefter Kredit).

  • Öffentliche Anleihen sind Staats- und Länderanleihen sowie Kommunalobligationen.
  • Private Anleihen sind Bankschuldverschreibungen, Industrieobligationen oder Pfandbriefe(Hypothekenbanken).
Zinszahlungen von Anleihen beuiehen sich auf den Nennwert(Nennbetrag), nicht vom Anleihemarkt der Börse. der Nennbetrag wird am Ende der Laufzeit vollständig zurückbezahlt(Tilgungsanleihe).

Bei der Rentenanleihe, die eine unbegrenzte Laufzeit besitzt, werden Zinsen bezahlt, eine Tilgung gibt es nicht.

Eine Nullkupon-Anleihe (Zerobond) werden Zinsen und Tilgung am Ende der Laufzeit zusammen ausgezahlt.

Industrieanleihen haben Sonderformen.

  • Wandelschuldverschreibungen werden von einer AG mit geringen Zinsen und in der Folge in eine bestimmte Anzahl von Aktien ausgegeben. der Kurs richtet sich nach dem Aktienwert.
  • Optionsanleihen sind Anleihen mit einem Optionsschein, der zum bezug einer bestimmten Anzahl von Aktien in einem bestimmten Zeitrahmen zu einem bestimmten Preis berechtigt.
Als Rating wird die Beurteilung der Wahrscheinlichkleit des pünktlichen Schuldendienstes in Form von Zins- und Tilgungszahlungen bezeichnet. International gibt es als Rating-Agenturen Standard & Poor's und Moody's.

Versicherungen    

Risiken wie Erkrankungen, Erwerbsunfähigkeit, Unfälle, Rechtsunsicherheiten und Schadensfälle ergeben die Bedeutung von Versicherungen.

Versicherungsschutz ist teilweise gesetzlich vorgeschrieben(etwa Sozialversicherung), in anderen Bereichen gibt es den privaten Schutz. Die Bedeutung liegt in der Vorsorge von Risiken und im Ausgleich von Nachteilen. Der Versicherungsgedanke liegt im Wesen eibner Solidarität, den eine Gemeinschaft von Versicherten in Beiträgen bzw. Prämien leistet.

Versicherungsverträge(Polizzen) unterscheiden zwischen

  • Personenversicherungen,
  • Sachversicherungen und
  • Vermögensversicherungen.
Versicherungsprämien ergeben die Höhe der von der Versicherung übernommenen Leistung im Riskofall. Verhindert wird auch damit, dass Versicherte mit hohem Risiko Prämien in die Höhe treiben könnten.

  • Mitunter gibt es Selbstbeteiligungen im Schadensfall, womit Versicherungen eine Vorkehrungen für ein fahrlässiges Verhalten treffen("Moral Hazard").
  • Rabatte etwa bei Schadensfreiheit bzw. Nichtbeanspruchung der Versicherung im Laufe eines Versicherungsjahres schaffe Anreize zur Vorbeugung bzw. geringeren Prämieneinstufung.
Private Altersvorsorge    

Die Altersvorsorge bedeutet, dass die finanzielle Absicherung nach der beruflichen Aktivzeit abgesichert wird.

Neben der gesetzlichen Rentenversicherung und Krankenversicherung in ihrer vielfältigen Form gesetzlicher Versicherungsanstalten gibt es eine betriebliche Altersvorsorge von großen Unternehmungen, die aktuell wenig zum gesamten Rentenaufkommen beiträgt.


Beispiel Lebensversicherung

Als Beispiel einer privaten Vorsorge für das Alter erweist sich etwa die Lebensversicherung. Das Versicherungsunternehmen verpflichtet sich, mit Eintritt des Versicherungsfalles - Unfall, Berufsunfähigkeit, Ruhestand oder Ableben - die Versicherungsleistung zu erbringen.

Grundlage der Versicherungsleistung sind die Prämienzahlungen der Versicherten.

Neben der Hauptversicherung(Erlebensfall, Ableben) gibt es Zusatzversicherungen, die das gewählte Risiko absichern. Beteiligungen an Gewinnen ergeben eine Überschussbeteiligung.


Formen privater Vorsorge werden steuerlich gefördert.

Bankgeschäfte    

Dienstleistungen von Banken sind

  • die Führung von Girokonten(Girogeschäft), Sparkonten und der bargeldlose Zahlungsverkehr(Einlagegeschäft),
  • die Vergabe von Krediten(Kreditgeschäft),
  • das Diskontgeschäft(Ankauf bzw. Fälligkeit von Wechseln) und
  • der Kauf bzw. Verkauf sowie Aufbewahrung von Wertpapieren(Depot- bzww. Investmentgeschäft).
Banken bzw. Sparkassen sind in hohem Ausmaß einer Vertraulichkeit und Seriosität verpflichtet.

Ein Netz von Filialen von Banken und Sparkassen sichert das Bankgeschäft und damit den Zahlungsverkehr im Wirtschaftsleben.

Neben den Universalbanken mit der Gesamtheit des Bankengeschäfts gibt es Spezialbanken, die sich auf bestimmte Geschäftsbereiche beziehen(etwa Depotgeschäft, Baufinanzierung/Bausparkassen, Islam-Banking).

Der bargeldlose Zahlungsverkehr sichert Zahlungsvorgänge mit Überweisungen, Lastschriften, Geldkarten und Kreditkarten. Daneben gibt es Online-Zahlungsverfahren und den Einzug von Internetdienstleistern für Rechnungsbeiträge.

Arbeit und Ökonomie    

Wer sich mit dem Wirtschaftsfaktor Arbeit, seiner Bedeutung am Wirtschaftsmarkt(Arbeitsmarkt) und zukünftigen Entwicklungen im Kontext mit Ökonomie beschäftigt, muss sich mit

  • Berufspädagogik und Bildungsoziologie,
  • Volkswirtschaft und
  • Politikwissenschaft beschäftigen(vgl. KAHLERT-MANSEL 2007; SANGMEISTER-SCHÖNSTEDT 2011, 155-168; BELABED-HINTERSEER 2013).
Schulische und erwachsenpädagogische Theorie-, Praxis- und Handlungsmodelle sowie empirische Untersuchungen bestehen seit den achtziger Jahren im Rahmen des Fachbereiches Vorberufliche Bildung als Orientierung über berufllche Bildung und die Arbeits- und Berufswelt in der Berufspädagogik(vgl. dazu ausführlich den Autorenbeitrag http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Vorberufliche Bildung in Österreich).

Festzuhalten ist jedenfalls, dass ökonomisches Grundwissen in diesem Rahmen zu kurz kommt und nur unzureichend vermittelt werden kann(vgl. HEDTKE 2007, 335-336).

Von Interesse sind informelle Kontexte etwa in der Jugendkultur und in Erkundungs- und Praktikavorhaben, wie sie die Bildungssoziologie aufzeigt.

  • Eine Kompetenzaneignung und das Lernen in informellen Kontexten erfolgt zumeist latent, als Auseinandersetzung von alltäglichen Anforderungen und Aufgaben. Zugleich sind sie selbstgesteuert(vgl. die Fremdsteuerung im schulischen und berufsbildenden Bereich).
  • Informationen und Wissen werden teilweise gezielt und selektiert gesucht, sondiert und motiviert als Probleme und Situationen gesehen.
  • Eine Kombination von Fähigkeiten, Ferigkeit und Wissenselementen findet statt. Lücken aus schulischen Lernprozessen, Defizite und Orientierungsprobleme können geschlossen hzw. kompensiert werden. Damit gewinnen über die Schule hinaus informelle Lernprozesse an Bedeutung.
Schule und Erwachsenenpädagogik sind gefordert, dass damit Heranwachsende und bildungswillige Erwachsene eigene Interessenslagen im Praxisbezug und einer Lebensnähe gestalten können und in möglichst geplanten und kontrollierten Lernprozessen auswerten können(vgl. dazu die im Autorenbeitrag angesprochenen Kompetenzen von Lehrenden).

Vorhandene Barrieren beim Bildungserwerb sind im Rahmen von informellem Lernen leichter überwindbar als in formalen Bildungseinrichtungen(vgl. KAHLERT-MANSEL 2007, 15-16, 227-245).

BELABED-HINTERSEER(2013)sprechen zurecht die Zukunft von Arbeit an. Aus ökonomisch-politischer Sicht, also aus Sicht der Volkswirtschaft und Politischen Bildung/Politikwissenschaft-Berufspädagogik, geht es um zentrale Elelente des sozialen und wirtschaftlichen Gefüges. Es geht also um die Notwendigkeit eines zufriedenen Lebens und um das Sozialsystem. Es droht, dass Arbeit nur zu einem Faktor wird, der sich an betriebswirtschaftlichen Kennziffern orientiert. Damit wird der Faktor Lebensplanung minimiert.

Zu beachten sind die Zunahme von atypischen Arbeitsplätzen, Praktikantenmodellen, flexiblen Arbeitsbedingungen, Leiharbeit und befristeten Arbeitsverträgen.

Immer noch bestehen Mythen, dass die Arbeit ausgeht, Zuwanderer Arbeitsplätze wegnehmen, das Industriezeitalter zu Ende geht, Mindestlöhne Arbeitsplätze zerstören, man keine Pension mehr bekommt und mehr Flexibilität für den Beruf schlecht ist(vgl. BELABED-HINTERSEER 2003, 19-99).

Der Faktor Bildung wird gerne verwendet, aber wenig zielführend im Sinne ökonomisch-politischer Bildung eingesetzt.

Literaturverzeichnis    

Angeführt sind jene Titel, die direkt zitiert und/oder für den Beitrag verwendet werden.


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Zeitschrift "Wochenschau Ausgabe Sekundarstufe I", Ausgabe März/April, Nr. 2, 2007: Berufswahl, Schwalbach/Ts.

IT-Autorenbeiträge    

Netzwerk gegen Gewalt > http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index:

Vorberufliche Bildung in Österreich

Berufswahl in der Polytechnischen Schule

Jugendliche: Junge Migrantinnen und Migranten in Österreich/Probleme bei der Lehrstellenwahl

Theorieansätze der Politischen Bildung

Interkulturelle Kompetenz

Migration in Österreich 1, 2

Globales Lernen

Ökonomische Grundbildung in der Erwachsenen- bzw. Weiterbildung

Erwachsenenbildung

Ethik

Schule

Erziehung

Netzbasiertes Lernen in Theorie und Praxis


Der Beitrag wird laufend aktualisiert.

Zum Autor:

APS-Lehramt für Volksschulen, Hauptschulen(D-GW-GS) und den Polytechnischen Lehrgang(D-SWZ-Bk); ausgebildeter Schüler- und Schulentwicklungsberater(PI des Landes Tirol, BMUK); Lehrerbildner am PI des Landes Tirol(1990-2003); Mitglied der Lehramtsprüfungskommission für die APS beim Landesschulrat für Tirol(1994-2003); Lehrbeauftragter am Institut für Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft der Universität Wien/Aus- und Weiterbildung/Vorberufliche Bildung(1990-2011) und am Sprachförderzentrum des Stadtschulrates Wien/Interkulturelle Kommunikation(2012)

Absolvent des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck/Doktorat(1985); des 10. Universitätslehrganges Politische Bildung/Universität Salzburg-Klagenfurt/Master(2008); des 7. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz/Universität Salzburg/Diplom(2012); der Weiterbildungsakademie Österreich/Wien/Diplome(2010)


MAIL dichatschek (AT) kitz.net

 
© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 18. April 2017