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Lehrlingsausbildung

Lehrlingsausbildung    

Aspekte des Überganges von Schule in die Arbeitswelt im Dualen Ausbildungssystem    

Eine Fallstudie    

Sylvia Berger - Günther Dichatschek

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Lehrlingsausbildung   
Aspekte des Überganges von Schule in die Arbeitswelt im Dualen Ausbildungssystem   
Eine Fallstudie   
Vorbemerkung   
I THEORIE   
1 Von der Schule in die Arbeitswelt   
2 Duales Ausbildungssystem   
3 Berufliche - Betriebliche Sozialisation   
II Praxis   
4 Pädagogik - Didaktik   
5 Rechtskunde   
III Reflexion   
Literaturverzeichnis   
Zu den Autoren   
IT-Beiträge   

Vorbemerkung    

Die Thematik beginnt mit einem theoretischen Teil mit Basics berufspädagogischer Fragen und mündet handlungsorientiert in einen praktischen Teil mit der aktuellen Umsetzung. Eine Reflexion beschließt den Beitrag.

Die Autoren gehen in ihrem Bemühen davon aus, dass die Thematik neben der Aktualität der Dualen Ausbildung praktische Folgerungen hat, die es zukünftig gilt, umzusetzen. Damit wird der Beitrag zu einer Fallstudie.


Ausgangspunkt der Überlegungen der Autoren sind jeweils die

  • jahrelange Auseinandersetzung mit berufspädagogischen Fragestellungen in schulischer Unterrichtspraxis, Lehrerbildung und universitärer Lehre,
  • Ausbildung als zertifizierte Kundenbetreuerin und
  • Absolvierung des WIFi - Lehrganges "Ausbilder-training" zur Qualifizierung als zertifizierte Lehrlingsausbildnerin (nach § 29g BAG idgF).

Der Beitrag versteht sich als Zusammenfassung von Aktivitäten im persönlichen Umfeld und einer Zusammenfassung aktueller Bemühungen.

I THEORIE    

In der Folge werden Basics berufspädagogischer Fragestellungen behandelt. Wesentlich ist der Übergang von der Schule in die Arbeitswelt, das Duale Ausbildungssystem und Aspekte einer beruflich-betrieblichen Sozialisation.

1 Von der Schule in die Arbeitswelt    

Der Übergang von der Schule in Beruf und Arbeitswelt ist im gegenwärtigen Bildungssystem trotz den Fachbereichen Berufsorientierung und Berufskunde - Lebenskunde eine große Weichenstellung für das weitere Leben (vgl. PRAGER-WIELAND 2005, 7). Mit der Beendigung der Schul- bzw. Bildungspflicht fallen Entscheidungen von großer Bedeutung für eine zukünftige berufliche Laufbahn.

Die Übergangsproblematik beinhaltet eine Vorberufliche Bildung ("Berufsorientierung") mit den Elementen

  • grundsätzliche Wissensvermittlung,
  • Realbegegnungen,
  • Berufspraktische Tagen,
  • persönliche Beratung,
  • Information idealerweise in Berufsinformationszentren und Expertengesprächen.
Die Gestaltung und Qualität der Faktoren in Verbindung mit den Rahmenbedingungen und Engagement der Akteure beeinflussen den Erfolg bzw. Misserfolg.

  • Entwicklungen erfordern den akuten Handlungsbedarf in Verbindung mit der Sicht von Betroffenen.
  • Das unzureichende Wissen der Schulabgänger zu erweitern verhindert Ausbildungsabbrüche und Wechsel von Ausbildungsberufen.
  • Zu beachten sind eine Diskrepanz von Wunsch und Wirklichkeit. Die Ursachen einer fehlerhaften Einschätzung bedürfen verantwortungsvoller Korrekturmaßnahmen.
  • Folgerungen ergeben sich in der Hebung einer intrinsischen und extrinsischen Motivation.
  • Realistische Berufserwartung benötigt Selbstvertrauen und Selbsteinschätzung.
  • Einflussfaktoren einer Berufswahl sind die Peer-Group, mitunter Eltern, geringer Beratungsinstitutionen und Lehrereinfluss.
  • Der Kontakt zur Wirtschaft mit Lehrlingsberatungsstellen ist ausbaufähig. Beratung und Einblick in Unternehmen vor Ort bleibt wesentlich.
Zunehmend sind geschlechtsspezifische und interkulturelle Unterschiede zu berücksichtigen.

2 Duales Ausbildungssystem    

Duale Ausbildung gilt mit ihrem Ausbildungsangebot, verstärkt durch Lehrlingsausbildner in qualifizierten Ausbildungsbetrieben, in einem Ausbildungspakt als Möglichkeit einer direkten Einmündung in das Berufsleben.

Bedeutend ist die Berufsschulbesuchspflicht, womit Dualität in Form betrieblicher Ausbildung und schulischem Bildungsgang wesentlich eine erfolgreiche Lehre ergeben. Zunehmend sind künftig neben der Ausbildung Fortbildungs- und ggf. Weiterbildungsangebote notwendig (vgl. DICHATSCHEK 2017).


Das österreichische Berufsbildungssystem ist durch frühe Entscheidungen, Wahlmöglichkeiten und damit Spezialisierungen zwischen dualer Ausbildung und vollzeitlicher schulischer Berufsausbildung gekennzeichnet (vgl. PRAGER-WIELAND 2007, 91-112).

  • Neben berufsbildenden Schulen und der Lehrlingsausbildung gibt es eine unterschiedliche behördliche Zuständigkeit und Lehrerausbildung.
  • Die Lehrlingsausbildung dauert zumeist 3, mitunter 2 oder 4 Jahre,
  • Die Berufsbildenden Mittleren Schulen (BMS) dauern 3 bis 4 Jahre.
  • Die Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) mit Reifeprüfung (Studienberechtigung) dauern 5 Jahre.
Für die schulischen Ausbildungen gelten formale Vorbildungsanforderungen mit einem Aufnahmeverfahren. Für die Aufnahme einer Lehre gilt formal nur die Absolvierung der neunjährigen Schulpflicht.

Von Interesse ist mit der Verlängerung der Schulpflicht von acht auf neun Jahre 1962 nicht eine Anpassung der Struktur der Schulen in der Sekundarstufe I und II gewesen, zumal die Lehrlingsausbildung erst nach neun absolvierten Schuljahren begonnen werden kann. Daher wurde eine einjährige Schulform - früher "Polytechnischer Lehrgang", heute "Polytechnische Schule" - eingeführt. Weil das neunte Schuljahr jedoch in Schulen der Sekundarstufe II absolviert werden kann, wird diese Schulform auch umgangen.


Die politische Zuständigkeit für die betriebliche Lehrlingsausbildung liegt beim Wirtschafts- und die berufsschulische Lehrlingsausbildung beim Bildungsministerium.

Die BMS und BHS mit der Zuständigkeit des Bildungsministeriums haben wichtige ausbildungs-, gewerbe- und arbeitsrechtliche Bezüge zur Lehrlingsausbildung in Form der Gewerbeordnung und dem Berufsausbildungsgesetz (BAG), für die das Wirtschaftsministerium zuständig ist. Im § 28 des BAG wird der Ersatz von Lehrzeiten durch schulmäßige Berufsausbildung, im § 34a arbeitsrechtliche Aspekte und im § 23 die Zulassung zur Lehrabschlussprüfung geregelt.


Österreich ist durch Zuwanderung gekennzeichnet.

  • Ausländische Auszubildende haben in hohem Ausmaß keine formale Ausbildung nach Beendigung der Schulpflicht, womit als neue Herausforderung der Bedarf an verkürzten Ausbildungen für Erwachsenen zunimmt. Kurse des Arbeitsmarktservice (AMS) setzen hier an, insbesondere in Bereichen des Fachkräftemangels.
  • Für Lehrlingsausbildner sind zunehmend Kompetenzen in den Bereichen Migrationspädagogik (vgl. MECHERIL 2004) und Persönlichkeitsbildung von Interesse.
3 Berufliche - Betriebliche Sozialisation    

Menschen müssen zum Leben in einer Gesellschaft bestimmte Fähigkeiten, Orientierungen, Verhaltens- und Handlungsweisen erwerben.

Benannt werden solche Entwicklungen als "Sozialisationsprozesse".

Gemeinsam ist allen Menschen ein Durchlaufen verschiedener Sozialisationsinstanzen wie die Familie, der Freundesskreis, das Bildungssystem, die Medien, das Wertesystem und die soziale Umwelt sowie der Beruf.

Daher gibt es eine berufliche - betriebliche Sozialisation. Verstanden wird eine Entwicklung von Persönlichkeitsstrukturen in der Auseinandersetzung mit den Anforderungen und Bedingungen des Arbeitsprozesses ( vgl. HURRELMANN-ULICH 1991, 397-41; HURRELMANN 2012, 163).

  • Sozialisation in der Ausbildungsphase bedeutet Sozialisation in den Beruf, im Erwerbsleben Sozialisation im Beruf.
  • Geschlechtsspezifische Sozialisation beginnt schon vor dem Berufseintritt. Gesellschaftlich bedingt sind die unterschiedliche Sozialisation von Mädchen und Buben. Folgerungen in der Berufswahl ergeben sich daraus.
  • Notwendig ist daher die Möglichkeit mit Förderung, Unterstützung und Begleitung der Persönlichkeitsentwicklung und Persönlichkeitsbildung. Man denke an die Auswirkungen im Engagement in der Fort- und Weiterbildung.

Arbeit und der jeweilige Beruf prägen Orientierung, Verhalten, Handlungen, Konsum, Freizeit und Umgangsformen.

II Praxis    

In der Folge wird der Online-Lehrgang "Ausbildertraining" des WIFI-Kufstein April 2020 skizzenhaft dokumentiert.

4 Pädagogik - Didaktik    

  • Ausbildner/Ausbildnerin - Aufgaben
  • Ausbildung in Österreich - Lehre viele Möglichkeiten, Vorteile, Auslandserfahrung, Betrieb und Berufsschule, Herausforderungen in der Berufswelt
  • Internationale Vergleichbarkeit - EQR, NQR
  • Aufnahme von Lehrlingen - Berufsorientierung, Anforderungsprofil, Lehrlinge suchen und finden
  • Auswahl von Lehrlingen - Bewerbung, Schnuppertage, Assessment-Center
  • Der erste Lehrtag - Willkommentreffen, Ablaufplan
  • Diversity Management - Generationenkonflikt, Gender Mainstreaming, Menschen mit Behinderung
  • Jugend und Herausforderungen - Adoleszenz, Sucht, Radikalisierung
  • Motivation - Persönlichkeitsmodelle, Motivation
  • Führung - Führungsstile
  • Lehren und Lernen, Kompetenzen
  • Kommunikation - Nachricht, Botschaften
  • Konfliktmanagement - Konfliktursachen, Prävention, Konfliktebenen, Analyse, Lösung
  • Ausbildungsplanung - Kein Plan ohne Ziel, Richtziel, Grobziel, Feinziel
  • Durchführung der Ausbildung - Lernmanagement, Lerntypen, Methoden der Lehrlingsausbildung, Erfolgsfeststellung
  • Lehrlingssuche - Berufspraktische Tage, Erkundung, Besichtigung, Präsentation in der Schule, Schulsponsoring, Tag der offenen Tür im Unternehmen, Berufsinformationsmesse, Bewerbungsworkshops, Berufsfestival, Elterninformationsabende, Wirtschaft-Live
5 Rechtskunde    

  • Lehre - Duale Ausbildung
  • Rechtliche Voraussetzungen - Berufsausbildungsrecht, Lehrlingsstellen, Online-Ratgeber "Lehrbetriebe"
  • Lehrberuf - Lehrberufsliste, verwandte Lehrberufe, Lehrzeitersatz, Lehrberufsformen, Schwerpunktlehrberufe, Gruppenlehrberufe
  • Lehrberechtigte - Voraussetzungen, Ausbildungsverbund, Vorschriften, Verhältniszahlen, Förderungen, Basisförderung, qualitätsbezogene Förderungen, Pflichten des Lehrberechtigten, Ausschlussgründe
  • Ausbilder - Verpflichtung zur Bestellung, Voraussetzungen, Ausbilderkurs, Aufgaben, Ausbildungsleiter, Ausscheiden
  • Lehrling - Voraussetzungen für ein Lehrverhältnis, EU und EWR, Ausländer als Lehrling, Lehrlingssuche und Auswahl, Gesetzesgrundlagen
  • Durchführung der Ausbildung - Lehrvertrag
  • Berufsschule - Internat, Lehre und Matura, Berufsausbildung bei besonderen Bedürfnissen, verlängerte Lehre, Ausbildungsvertrag mit Teilqualifikationen, Arbeitszeiten, Haftungsfrage bei Schäden
  • Lehrabschlussprüfung - Zulassung, Durchführung, Zusatzprüfung, ausnahmsweise Zulassung
  • Endigung/ Auflösung - Auflösung während der Probezeit, einseitige Auflösung, außerordentliche Lösung, Betriebsübernahme, Lehrzeugnis, Behaltezeit, Weiterverwendungspflicht
III Reflexion    

Die Autoren bringen ihre Eindrücke der Auseinandersetzungen im persönlichen Umfeld ein.

  • Die Teilung Theorie / Pädagogik, Didaktik und Praxis / Rechtskunde erweist sich als sinnvoll.
  • Kontrollfragen im WIFI-Lehrgang sind im Online-Lernen reflexiv anregend.
  • Das Zeitmanagement in einem Online-Lehrgang verlangt neben einer hohen Konzentrationsfähigkeit eine lernmotivierende Umgebung.
  • Das Lernpaket ist aktuell und empfiehlt in der Folge einer Praxiserfahrung Zusatzqualifikationen (vgl. die IT-Beiträge und Fachliteratur als Anregung).

  • Als Notwendigkeit ergibt sich eine theoretische Basis, damit Ausbildner eine Grundlage bzw. Denkstrukturen für ihre Bemühungen besitzen. Lehren bzw. Ausbilden ist mehr als Handwerk.
  • Bezug ist die Berufspädagogik (vgl. HAMMER-RIPPER-SCHENK 2019, ARNOLD-GONON-MÜLLER 2016).
  • Der Arbeitsmarkt verändert sich ständig und laufend entstehen neue Berufsfelder und Abschlüsse.
    • Fehlentscheidungen führen zu Unzufriedenheit und Abbrüchen von Ausbildung.
    • Es bedarf daher einer Unterstützung bei einer Orientierung und in der Folge Übergängen.
  • Eigene berufliche Erfahrung mit der Lehrlingsausbildung in Verbindung mit Vorberuflicher Bildung, Lehre, allgemeiner Berufspädagogik und Beratung erleichtert den pädagogischen Lehr- und Lernprozess.
  • Fortbildung und ggf. Weiterbildung erweitert letztlich die verantwortungsvolle Tätigkeit. Das berufliche Umfeld ergibt in der Folge Möglichkeiten, die es zu nützen gilt.
  • Hilfreich sind Kenntnisse im Bildungsmanagement (vgl. SEUFERT 2013).
  • Ebenso in der Interkulturalität (vgl. ARIENS-RICHTER-SICKING 2013).
  • Ein Zusammenhang von Wirtschaft und Ethik in einem Kontext von Ethik und Management soll mehr Gerechtigkeit und Grundprinzipien in einer Persönlichkeitsbildung erbringen ( vgl. SCHWEIDLER 2018, 187).
Literaturverzeichnis    

Angeführt sind jene Titel, die für den Beitrag verwendet und/oder direkt zitiert werden.


Ariens E.-Richter E.-Sicking M. (2013): Multikulturalität in Europa. Teilhabe in der Einwanderungsgesellschaft, Bielefeld

Arnold R.-Gonon Ph.-Müller H.-J. (2016): Einführung in die Berufspädagogik, Opladen-Toronto

Bamme A.-Holling E.-Lempert W. (1983): Berufliche Sozialisation. Ein einführender Studientext, München

Dauenhauer E. (1977): Mein Weg zum Beruf. Ein Schülerarbeitsbuch für die Berufswahl, Rinteln

Dichatschek G. (2017): Erwachsenen- Weiterbildung. Theorie und Praxis von Fort- bzw. Weiterbildung, Saarbrücken

Hammer K.-Rippert J.-Schenk Th. (2019): Leitfaden Berufsorientierung. Praxishandbuch zur qualitätszentrierten Berufs- und Studienorientierung an Schulen, Gütersloh, Bertelsmann Stiftung

Hurrelmann Kl.-Ulich D. (Hrsg.) (1991): Neues Handbuch der Sozialisationsforschung, Weinheim-Basel

Hurrelmann Kl. (2012): Sozialisation, Weinheim-Basel

Mecheril P. (2004): Migrationspädagogik, Weinheim-Basel

Prager J.U.-Wieland Cl.(Hrsg.)(2005): Von der Schule in die Arbeitswelt, Gütersloh, Bertelsmann Stiftung

Prager J.U.-Wieland Cl. (Hrsg.)(2007): Duales Ausbildungssystem - Quo vadis? Berufliche Bildung auf neuen Wegen, Gütersloh, Bertelsmann Stiftung

Schreiber M. (2020): Wegweiser im Lebenslauf. Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung in der Praxis, Stuttgart

Schweidler W. (2018): Kleine Einführung in die Angewandte Ethik, Wiesbaden

Seufert S. (2013): Bildungsmanagement. Einführung für Studium und Praxis, Stuttgart

WIFI der Tiroler Wirtschaftskammer (2019): Skriptum zum Ausbildertraining, Innsbruck

Zu den Autoren    

Sylvia Berger

Lehre Einzel- und Bürokauffrau, Sparkassenkassengrundausbildung - zertifizierte Kundenberaterin und Lehrlingsausbildnerin

Günther Dichatschek

APS-Lehramt, zertifizierter Schülerberater - Studium Erziehungswissenschaft - Erwachsenenbildner

IT-Beiträge    

Die Beiträge dienen der Ergänzung der Thematik.


Netzwerk gegen Gewalt

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MAIL dichatschek (AT) kitz.net

 
© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 15. August 2020