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Jugendarbeitslosigkeit

Jugendarbeitslosigkeit - Didaktik und Methodik in der Vorberuflichen Bildung/Erziehung    

Ein Beitrag zur Vorberuflichen Bildung/Erziehung im Kontext mit Politischer Bildung    

Günther Dichatschek - Sabine Mandl


Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Jugendarbeitslosigkeit - Didaktik und Methodik in der Vorberuflichen Bildung/Erziehung   
Ein Beitrag zur Vorberuflichen Bildung/Erziehung im Kontext mit Politischer Bildung   
Einführung   
1 Arbeit und Berufe in der Gesellschaft   
2 Jugend und Arbeit   
3 Jugendarbeitslosigkeit   
4 Unterrichtsthema: Arbeitslosigkeit - ein teilweise vermeidbares Berufsschicksal/Sekundarstufe I und II(PTS)   
4.1 Inhaltliche Schwerpunkte   
4.2 Methodische Schwerpunkte   
Literatur- und Internethinweise   
Zu den Autoren   


Einführung    

Ausbildung ohne Bildung führt zu Wissen ohne Gewissen.

(Daniel Goeudevert 2001)


Arbeitslosigkeit bei Heranwachsende ist ein schwerwiegendes Problem. In einer Marktwirtschaft wird es immer Arbeitslose geben. Erwerbstätige wandern ab, werden entlassen und sind damit vorübergehend arbeitlos. Diese Bewegungen der Arbeitskräfte sind einer modernen und dynamischen Wirtschaft nicht zu vermeiden.

Aufgabe vorberuflicher Bildung/Erziehung ist neben der Orientierung über berufliche Bildung- "Bildungsinformation" - auch eine Orientierung über die Arbeits- und Berufswelt - "Berufsorientierung".

Eine konkrete Auseinandersetzung mit zu erwartenden Problembereichen gehört zur Erziehungs- und Bildungsfunktion schulischer vorberuflicher Bildung/Erziehung(Berufswahlvorbereitung; Berufswahl-, Berufsorientierungsunterricht; Berufskunde; Schüler- bzw. Bildungsberatung; Realbegegnungen/Erkundungsmodelle).

Im Folgenden soll daher aus der Sicht der Berufspädagogik/Vorberuflichen Bildung im Kontext mit Aspekten Politischer Bildung/Erziehung der Themenbereich didaktisch und methodisch aufbereitet werden.

1 Arbeit und Berufe in der Gesellschaft    

Verschiedenste Arbeiten und mit ihr wichtige Entstehungsgründe von Berufen sind als Folge von wirtschaftlichen, technischen und politisch-sozialen Ursachen anzusehen, wobei Erfindungen, Krisen, Katastrophen und ein Bedürfniswandel eine Rolle spielen. Diese Differenzierungshypothese gilt für die Arbeits- und Berufsgeschichte bis heute. Siedlungsgeographische Ursachen führten in der Folge zu weiteren Berufsdifferenzierungen.

Den alle Bedürfnisse abdeckenden Urberuf hat es vermutlich nie gegeben. Eine Arbeitsteilung wird es gegeben haben, denn Männer wurden in ihre biologisch ungebundene Arbeit - im Gegensatz zu Frauen mit ihren Sonderfunktionen durch Schwangerschaft, Geburt, Säuglingsernährung und -pflege - als Jäger, Fischer, Sammler und Kämpfer gedrängt. Nach einem Nomaden- und Sammlertum und größerer interfamiliärer Arbeitsteilung kommt es zur Sesshaftungwerdung mit Arbeiten und Berufen im Ackerbau, der Viehzucht, des Hauses und der Hausbewirtschaftung sowie der Werkzeugherstellung.

Gab es im antiken Griechenland des Aristoteles eine Unterscheidung zwischen "Poiesis" - körperliche und notwendige Arbeit/Sklavenarbeit - und "Praxeis" - freiwillige Tätigkeit in Politik, Wissenschaft und Philosophie/Oberschicht(heute Ehrenamtlichkeit) - so erfuhr im Mittelalter die Auffassung von Arbeit eine zentrale Lebens- und Glaubenskategorie und wurde als göttliche Eigenschaft - Gott erschuf die Erde in sechs Tagen und ruhte am siebten Tag - betrachtet. Einen hohen Stand beruflichen Könnens bereits in der Antike zeigt das Vorhandensein intellektueller Berufe und Tätigkeitsbereiche, die im Mittelalter teilweise verloren gingen. Immerhin gab es dort an die 200 Berufe, wobei starke berufsständische Vereinigungen sich bildeten. Bis in das 19. Jahrhundert waren nie weniger als 80 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in der Landwirtschaft.

Beim Übergang in die Neuzeit verstanden die Reformatoren, so etwa Martin Luther, Arbeit als "vita contemplativa", als göttliche Berufung. Durch sittliche Verpflichtung - mit der Erfüllung im Leben - kommt Erfolg und ist als göttlicher Segen anzusehen(Berufung/Beruf).

Im 18. Jahrhundert erfährt Arbeit mit der Theorie der politischen Ökonomie bei Adam Smith jene Wertschöpfung, die zu gesellschaftlichem Wohlstand führen soll.

Karl Marx sieht im 19. Jahrhundert Arbeit als Schlüsselkategorie der Gesellschaft. Bei ungleicher Verteilung der Produktionsmittel in Lohnarbeit und Kapital wird Arbeit zum Mittel der Veränderung von gesellschaftlichen Verhältnissen.

Waren die Berufsverelendung und Berufslosigkeit ab dem Dreißigjährigen Krieg bereits ein gesellschaftliches Phänomen, so sind sie in der vorindustriellen Neuzeit und im Industriezeitalter keine Einzelerscheinung mehr.

In der Folge kommt es zur Ablösung des Manufaktursystems und der kontinuierlichen Entwicklung von Fabriken. Das Gewerbe wird zurückgedrängt, neue Berufstechniken und Arbeitweisen entstehen, Kennzeichen sind technischer, sozialer und beruflicher Wandel. Es kommt zur Notwendigkeit der Höherqualifizierung, wobei auch Dequalifizierungen der Arbeitskräfte auf Grund des technischen Wandels eintreten.

Die Bedeutung der Ausbildung als Berufselement wandelt sich, sie läuft häufig lernortverschieden und lebensbegleitend ab.

Die Veränderung bestehender Berufe mit der Einführung neuer Berufe und Berufsfelder führt zu Berufsschüben. Heute geht man von rund 20 000 Berufen aus, die nicht zu überblicken und nur durch eine Einteilung in Berufsfelder grob überblickbar sind(vgl. zum Wandel bei Berufen ausführlich DAUENHAUER 1978a, 39-47).

Der Mensch und seine Tätigkeiten bleibt bei der Arbeit, im Beruf und den verschiedenen Begrifflichkeiten letztlich Mittelpunkt aller Überlegungen. So verwundert es nicht, dass Arbeit im Leben des Einzelnen einen hohen Stellenwert genießt. 80 Prozent würden ihren Beruf nicht aufgeben, wenn sie nicht die ökonomische Absicherung benötigten. Nur Familie steht heute als Wert vor der Arbeit(vgl. WEBER 1989, 52).

Entgegen vieler Lippenbekenntnisse findet heute ehrenamtliche Arbeit mit dem Kennzeichen einer Freiwilligkeit in verschiedensten Tätigkeitsbereichen - Vereine, Hilfsorganisationen, Kirchen und im privaten Bereich - gesellschaftlich kaum Anerkennung.


Funktion von Arbeit und Beruf

  • Absicherung der materiellen Existenz - ökonomische Absicherung
  • Formung der Persönlichkeit
  • Entwicklung der Identität - persönliche Entfaltung
  • Aufbau eines stabilen Handlungssystems
  • Kontakt- und Interaktionsmöglichkeiten - gesellschaftliche Anerkennung
  • soziales Ansehen - soziale Absicherung
  • Zeitstrukturierung
2 Jugend und Arbeit    

Jugend stellt keineswegs eine homogene Gruppe in unserer Gesellschaft dar. Auch amtliche Statistiken beschreiben "Jugend" unterschiedlich. Biologische Kriterien legen nur bedingt die Jugendzeit fest, juristische und insbesondere kulturelle Rahmenbedingungen bestimmen heute vielmehr die Erscheinungsformen von Jugend. Jugend wird immer weniger mit Erwerbssituation, sondern vielmehr mit Lebensgefühl als Leitbild in Verbindung gebracht.

Im frühen 19. Jahrhundert war es noch üblich, Kinder in Textilmanufakturen und in Heimarbeit arbeiten zu lassen und damit das Einkommen der Familien zu sichern. Versteckte Formen von Kinderarbeit gibt es allerdings heute noch in bestimmten Berufsfeldern, wo Formen unter dem Begriff von Mithilfe mitunter saisonbedingt notwendig erscheinen.

Erst mit der Einführung des Kinderschutzgesetzes 1859 - Verbot der Kinderarbeit unter 10 Jahre in Fabriken - und der Verlängerung der Schulpflicht 1869 auf 8 Jahre bildete sich allmählich ein Schutzrahmen für planmäßiges Lernen und jugendliches Heranwachsen.

Heute dient die verlängerte Jugendphase der Vorbereitung auf die weiterführenden Bildungsinstitutionen, der Einführung in die Arbeits- und Berufswelt, einer Vorbereitung in die Wissens- und demokratischen Gesellschaft.

Schulpädagogik und mit ihr Schule steht damit vor dem Problem, den Spagat zwischen geschütztem Lernraum und praktischer Erfahrungswelt bewältigen zu müssen. Letztlich besteht die Schwierigkeit darin, junge Leute am Ende des Bildungsweges erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Lehrlinge, Fachkräfte und Akademiker ergänzen im nationalen und internationalen Wirtschaftsraum die Volkswirtschaft(en)( DICHATSCHEK 2004b, 4-5).

3 Jugendarbeitslosigkeit    

Das Arbeitsmarktservice(AMS) definiert Arbeitslose als Personen, die im Beobachtungszeitraum von einem Jahr mindestens einen Tag arbeitslos vorgemerkt waren und zum Monatsendestichtag bei der jeweiligen regionalen Geschäftsstelle als registrierte Person nicht in einem Beschäftigungs- oder Ausbildungsverhältnis stehen. In der Arbeitslosenstatistik sind Personen zwischen dem vollendeten 14. und vollendeten 24. Lebensjahr als Jugendliche ausgewiesen(vgl. http://www.ams.or.at/neu/1412.htm).

In der Statistik werden allerdings jene Personen nicht registriert, die als Kinder bereits im Alter von fünf Jahren in die Schule eintreten und in der Folge vor dem vollendeten 14. Lebensjahr die Schulpflicht erfüllt haben. Durch die verschiedenen Ausbildungsabschlüsse in Österreich - Lehrlinge spätestens mit 19 Jahren und Absolventen von Maturaschulen, Kollegs, Fachhochschulen und Universitäten mit 24 Jahren - unterscheidet die Arbeitslosenstatistik des AMS zwei Altersgruppen: die 15- bis 19jährigen und 20 - 24jährigen Jugendlichen. Ergänzend muss allerdings festgehalten werden, dass in einigen Sozialversicherungssystemen bis zum vollendeten 26. Lebensjahr der inskribierte Jugendliche als Studierender gilt und somit statistisch anders erfasst wird.

Im EU-Vergleich zeigt der österreichische Arbeitsmarkt 2004 eine positive Tendenz.


Berechnung EUROSTAT 2004:

Österreich2,4 %Jugendarbeitslosigkeit 7,3 %
Deutschland9,1 % 
Slowakei16,5 % 
Polen19,6 %Jugendarbeitslosigkeit 40,7%


Auf Grund der Problembereiche der dualen Ausbildung(Lehre) zeigt in Österreich das Image der Lehre deutliche regionale Unterschiede. Im Westösterreich beginnen mehr Heranwachsende eine Lehre - in Vorarlberg etwa 50 Prozent aller 15Jährigen - als im Osten(Burgenland ca. 25 Prozent der 15Jährigen).

Als weitere Gründe können angeführt werden:

  • ein Anstieg der Zahl der 15Jährigen bei gleichzeitigem Absinken des Lehrstellenangebots
  • ein Absinken der Notwendigkeit von Personal
  • ein Ausweichen der Produktion in Billiglohnländer
  • ein Anheben der Ausbildung in berufsbildende mittlere und höhere Schulen(BMS, BHS) und
  • eine Ablehnung der betrieblichen Ausbildung durch die Unternehmen infolge Leistungsschwächen in den Kernbereichen schulischer Leistungen und sozialer Kompetenz - Problematik der 3. Leistungsgruppe in Deutsch, Fremdsprache/Englisch und Mathematik - und mangelnder Akzeptanz der Lehre im Bereich der AHS und auch der Barriereängste der Betriebe sowie des Rückfluterproblems aus den BMS/BHS(vgl. DICHATSCHEK 2003, 80-85 und DICHATSCHEK 2004a, 49-57).
Im Zusammenhang mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze gibt es unattraktive Formen von Arbeit:

  • Teilzeitarbeit
  • Niedriglohnarbeit
  • kurzfristige Anstellungsverhältnisse und
  • Arbeit, die nicht der eigenen Qualifikation entspricht.
Damit entstehen für Arbeitssuchende neben mangelhafter Entlohnung und damit finanziellen Problemen auch soziale Ängste, die sich in mangelhafter sozialer Absicherung manifestieren. Dass dies bei Heranwachsenden nicht immer deutlich wird, verschärft die Situation.

Solche negativen Folgen zeigen sich unabhängig von den klassischen Formen der saisonalen, konjunkturellen und friktionellen Arbeitslosigkeit.

Daher spricht man heute von einer strukturellen Arbeitslosigkeit, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sich die Zahl der Arbeitslosen nur mehr in einem geringen Maß durch eine im Aufschwung befindliche Konjunktur reduziert. Es sind die Strukturen der Wirtschaft, die den Ausgleich von Angebot und Nachfrage von Arbeitskräften verhindern. Gründe struktureller Aspekte von Arbeitslosigkeit sind Mismatching - Phänomene, die sich im scheinbaren Widerspruch einer hohen Zahl von Arbeitslosen und offenen Stellen zeigen. Es gibt Gründe, dass die angebotenen Stellen nicht zu den Arbeitssuchenden passen:

  • qualifikationsbedingtes Mismatching(Berufsprofildiskrepanz > Bildungsmaßnahmen)
  • regionales Mismatching(räumliche Entfernung > Mobilitätshilfen) und
  • informationsbedingtes Mismatching(Informationsdefizit bei Stellensuchenden und Stellenanbietern > Vernetzung)
Bei der beruflichen Erstplatzierung kommt es auf den Startberuf an, weil spätere Chancen in unserer Gesellschaft stark linear beeinflusst sind und ein klares Laufbahnkonzept beinhalten, das (zu)wenig veränderbar ist. Benachteiligungen am Beginn des Berufslebens beeinflussen immer noch die Berufsbiographie (RICHTER/ SARDEI-BIERMANN 2000, 205-206).

Einen besonderen Problembereich stellen weibliche Arbeitssuchende dar, weil

  • mehr als 50 Prozent der Mädchen immer noch frauentypische Berufe bevorzugen und damit den Arbeitsmarkt in seinen Berufswahlmöglichkeiten nicht ausschöpfen und
  • eine traditionsgebundene und rollenfixierte Berufswahl oftmals stattfindet(vgl. DICHATSCHEK 2003, 80-85).

Faktoren einer gelungenen Berufswahl:

  • positive familiäre Einflüsse(Bildungsfreundlichkeit)
  • guter Schulabschluss mit zeitgemäßen Qualifikationen(soziale und kognitive Kompetenzen)
  • aktiver und effektiver Schul-, Berufs- und ggf. Studienwahlprozess
  • Flexibilität und Mobilität
  • positive Wirtschaftsentwicklung und
  • Unterstützung durch staatliche Institutionen.


Shell-Jugendstudie - Jugend 2000

Heranwachsende - hier schon die Gruppe der 12- bis 14Jährigen - fühlen sich durch Arbeitslosigkeit bedroht. Es fehlt ihnen zwar nichr an Zielstrebigkeit und Engagement, wohl aber an Beeinflussung der geeigneten Strukturen, etwa das geringe Vertrauen in die Politik und die verschlungenen Wege des Schul- und Berufswahlprozesses(vgl. 14. SHELL JUGENDSTUDIE 2002, 53-72 und 74-76).

Schule hat daher in ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag vier Aufgaben zu erfüllen:

  • Die Ausbildung Heranwachsender hat zielgerichtet mit Hilfe vorberuflicher Bildung/Erziehung auf einen Übertritt in die Arbeits-, Berufs- und Wirtschaftswelt gerichtet zu sein(vgl. DICHATSCHEK 1995, 67-76).
  • Basisqualifikationen haben sich im Laufe des schulischen Bildungsprozesses zu entwickeln, auf denen weitere Qualifikationen aufbauen können(vgl. DICHATSCHEK 2004a, 49-57).
  • Heranwachsende müssen in der Schule Lernen lernen(Ökonomie des Lernens) und
  • Heranwachsende müssen den regionalen und nationalen Arbeitsmarkt kennen und lebensbegleitendes Lernen akzeptieren(vgl. INFO-BLATT DER SERVICESTELLE POLITISCHE BILDUNG 2004, 13-14).

4 Unterrichtsthema: Arbeitslosigkeit - ein teilweise vermeidbares Berufsschicksal/Sekundarstufe I und II(PTS)    

4.1 Inhaltliche Schwerpunkte    

Arbeitslosenzahlen in einer Marktwirtschaft schwanken monatlich, je nach Saison und Wirtschaftslage. Die Jugendarbeitslosigkeit in der EU ist weit verbreitet.


Jahresdurchschnitt 2003

LandProzent
Österreich8,1
Irland8,3
Dänemark10,3
Luxemburg10,4
Zypern10,6
Deutschland11,1
UK12,3
Ungarn13,2
Schweden13,4
Portugal14,4
Slowenien15,9
Lettland17,6
Tschechien18,6
Malta19,8
Frankreich20,9
Belgien21,0
Finnland21,8
Spanien22,7
Estland22,9
Griechenland26,3
Italien27,0
Litauen27,2
Slowakei33,8
Polen41,1

Quelle: info-blatt der servicestelle politische bildung, Nr. 3/2004, 1


In marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystemen werden Menschen arbeitslos:

  • weil Betriebe in Konkurse gehen können und auch wirtschaftlich schlecht geführt werden
  • weil ausländische Konkurrenz groß ist
  • weil Betriebe rationalisiert werden und Arbeitsplätze frei werden
  • weil Betriebe Konjunkturschwankungen unterworfen sind und Entlassungen vornehmen müssen
  • weil Arbeitnehmer sich zu wenig/nicht fortbilden und damit im Betriebsgeschehen nicht mehr mitkommen und - bei Krisen - als erste entlassen werden und
  • weil Arbeitnehmer ohne Berufsausbildung am ehesten entlassen werden, weil sie nicht mehr gebraucht werden.
Eine Bewegung von Arbeitskräften ist in einer dynamischen Marktwirtschaft nicht zu vermeiden.

Für Arbeitslose gibt es Unterstützungen des AMS - Umschulungsmaßnahmen, Arbeitslosenunterstützung und Stellenvermittlungsmaßnahmen.

Durch Ausbildungsverweigerung junger Menschen - "Schnellverdiener" - kommt es zu keiner beruflichen Qualifikation(Kompetenzen).

Eine Verweigerung des Verlassens/Wechsels des Wohnortes mindert mitunter berufliche Chancen.

Man kann nun einwenden, wenn die einen nicht arbeitslos würden, müssten es andere sein, wenn ein Betrieb verkleinert oder etwa Konjunkturschwankungen aufweist. Wer nur Fachkräfte beschäftigt, muss eben dann Fachkräfte entlassen. Zu bedenken ist jedenfalls, dass Fachkräfte zumeist sich rascher umstellen und neuen Entwicklungen anpassen können. Fachkräfte finden auch zumeist schneller einen neuen Arbeitsplatz, weil sie vielseitiger einzusetzen sind. Eine funktionierende Volkswirtschaft ist umso krisenfester, je höher ihr Fachkräftepotential ist und dieses auch eingesetzt werden kann.

Selbstverständlich bedarf es bei der Schul-, Berufs- und Studienwahl auch Überlegungen einer richtigen Berufsausbildung. Der Arbeitsmarkt muss auch genügend Arbeitsplätze zur Verfügung stellen können.

4.2 Methodische Schwerpunkte    


Unterricht(BO; GW-D-GSPo) - Beratung - Realbegegnungen

  • Bedeutung von Erwerbsarbeit-Beruf-Ehrenamtlichkeit-Hobby-Freizeit
  • Gespräche mit Arbeitslosen/Interviews
  • Erstellen eines Laufbahnkonzepts/"Berufswahlpass"(vgl. SCHUDY 2002, 253-260)
  • Aspekterkundungen in Bildungsinstitutionen und Betrieben
  • Berufspraktische Tage/Woche
  • Expertengespräche - AMS, Wirtschaft/Betriebe und Arbeitsloseninitiative(vgl. SCHUDY 2002, 245-252)
  • Anmeldewesen/Schulen - Stellenbewerbung/Beruf

Literatur- und Internethinweise    

Beinke L.(2006): Berufswahl und ihre Rahmenbedingungern - Entscheidungen im Netzwerk der Interessen, Frankfurt/M.-Berlin-Bruxelles-New York-Oxford-Wien

Dauenhauer E.(1978a): Der Berufskundeunterricht - Eine bezugswissenschaftliche und berufspädagogisch-fachdidaktische Handreichung für die Sekundarstufe I und die berufliche Grundbildung, Rinteln

Dauenhauer E.(1978b): Mein Weg zum Beruf - Ein Schülerarbeitsbuch für die Berufswahl, Rinteln

Deutsche Shell(Hrsg.)(2002): Jugend 2000 - 14. Shell Jugendstudie, Frankfurt/M.

Dichatschek G.(2004a): Aspekte von Schlüsselqualifikationen - Ein Beitrag zur Wirtschaftskunde, in: GW UNTERRICHT Nr. 93/2004, 49-57

Dichatschek G.(2003): Berufswahl heute - Schulische Berufsorientierung von Mädchen, in: GW UNTERRICHT Nr. 92/2003, 80-85

Dichatschek G.(1995): Berufswahl heute - Soziale Handlungsfelder vorberuflicher Bildung, in: GW UNTERRICHT Nr. 58/1995, 67-76

Dichatschek G.(2004b): Für welches Leben bereitet Schule vor?, in: junge gemeinde/Magazin für evangelische Kinder- und Jugendarbeit, Schwerpunktnummer "Lernen für's Lebens?" Nr. 171/2004, 4-5

Dichatschek G.(1994): Neue Aspekte in der Vorberuflichen Bildung, in: GW UNTERRICHT Nr. 54/1994, 82-90

Dichatschek G.-Meier Chr.-Meister V.(2005): Junge MigrantenInnen in Österreich - Probleme bei der Lehrstellenwahl, in: GW UNTERRICHT Nr. 97/2005, 83-90

Mandl S.-Dichatschek G.(2005): Jugendarbeitslosigkeit - Didaktik und Methodik in der vorberuflichen Bildung, in: GW UNTERRICHT Nr. 98/2005, 93-97

Richter I./Sardei-Biermann S.(Hrsg.)(2000): Jugendarbeitslosigkeit, Opladen

Schudy J.(Hrsg.)(2002): Berufsorientierung in der Schule. Grundlagen und Praxisbeispiele, Bad Heilbrunn

Servicestelle Politische Bildung(2004): info-Blatt Nr. 3/2004, "Ich hasse Arbeit, weil ich keine kriegen kann!" - Das Phänomen Jugendarbeitslosigkeit als dringliches Problem unserer Gesellschaft, Wien

Weber M.(1989): Psychosoziale Folgen der Jugendarbeitslosigkeit in Österreich, Wien


http://www.politische-bildung.at

http://www.wba.or.at > Absolventen


Themeneinheit in der Vorlesung "Vorberufliche Bildung" am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Wien im WS 2004/05


Zu den Autoren    

Günther Dichatschek war/ist Lehrbeauftragter am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien/Berufspädagogik/Vorberufliche Bildung(1990/1991-2010/2011), Lehrbeauftragter am Fachbereich für Geschichte der Universität Salzburg/Sozialkunde und Politische Bildung(2015/2016) und ausgebildeter Schüler- und Schulentwicklungsberater. - Er absolvierte 2010 die "Weiterbildungsakademie Österreich"(wba I, II) und 2008 den 10. Universitätslehrgang "Politische Bildung"/Universität Salzburg bzw. Klagenfurt(Masterlehrgang), 2012 den 7. Universitätslehrgang "Interkulturelle Kompetenz"/Universität Salzburg(Diplom) und 2016 den 4. Internen Lehrgang für Hochschuldidaktik/Universität Salzburg.

Sabine Mandl war Leiterin der "Servicestelle Politische Bildung" des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur/bm:bwk(Karenzurlaub) und arbeitet dzt. im "zentrum polis".



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© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 3. April 2018