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Erwachsenenbildung im ländlichen Raum

Erwachsenen- bzw. Weiterbildung im ländlichen Raum    

Ein Beitrag zum Diskurs über regionale Bildung im Kontext bildungspolitischer Akzente einer migrationsorientierten Erwachsenenpädagogik    

Günther Dichatschek

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Erwachsenen- bzw. Weiterbildung im ländlichen Raum   
Ein Beitrag zum Diskurs über regionale Bildung im Kontext bildungspolitischer Akzente einer migrationsorientierten Erwachsenenpädagogik   
Einleitung   
1 Bildungsbegrifflichkeiten   
2 Bildungsprozesse   
3 Kompetenzbegriffe   
3.1 Kompetenztheoretische Begrifflichkeit   
3.2 Teilkompetenzen   
3.3 Kompetenzorientierte Impulse für eine Bildungsarbeit im ländlichen Raum   
4 Regionales Lernen   
4.1 Elemente eines Regionalen Lernens   
4.2 Umsetzung in die Praxis   
4.3 Bildungskonzeption Regionalen Lernens   
5 Ehrenamtlichkeit/Freiwilligkeit in der Erwachsenenbildung   
5.1 Freiwilligenmanagement   
5.2 Anforderungen an Freiwillige   
5.3 Grenzen für Freiwillige   
5.4 Anerkennung und Chancen von Freiwilligkeit   
6 Bereiche innovativer Bildungsnutzung   
6.1 Lehrgang Politische Bildung   
6.2 Lehrgang Ökonomische Grundbildung   
6.3 Ehrenamtlichkeit   
6.4 Netzbasiertes Lernen - Blended Learning   
7 Reflexive Phase   
Literaturverzeichnis   
IT-Autorenbeiträge/Auswahl   
Internethinweise   
Zum Autor   
Zum Autor   

Einleitung    

Ausbildung ohne Bildung führt zu Wissen ohne Gewissen.

(Daniel Goedevert 2001)


Räumliche Zusammenhänge spielen in der Regel in der Erwachsenenpädagogik und Weiterbildung eine unbedeutende Rolle. Allerdings ist eine räumlich-differenzierte Sichtweise wesentlich, gilt es doch komplexe und mitunter widersprüchliche Aspekte zu beachten.

So wie die Gesellschaft ländliche Räume wahrnimmt, so wird auch das Bild von einer Lern- und Wissensvermittlung transportiert.

  • Ländliche Räume werden mit Rückständigkeit und geringer Bildung bzw. Ausbildung verbunden.
  • Hinzu kommt eine Abwanderung, in unserem Fall durch die Wahl von Ausbildungsstätten. In der Folge entsteht ein "Brain drain" und damit für die Lebens-und berufliche Laufbahn ungünstige Zukunftschancen.
Gegensätzlich werden Ursprünge von Bildung in der Regionalität gesehen.

  • Kleinschulen werden als Vermittlungsorte von sozialer Kompetenz wahrgenommen, ökologisches Lernen findet im ländlichen Raum statt.
  • Wertevermittlung verläuft in scheinbarer Homogenität und Harmonie, Überschaubarkeit und Individualität wird als gegeben bezeichnet.
  • Persönliche Kommunikation kann in kleinen Räumlichkeiten leichter stattfinden.

Formen der Bildungsvermittlung sind zu beachten, insbesondere auf Grund der vorherrschenden Infrastrukturen durch die Erwachsenenpädagogik mit ihren Institutionen(vgl. NOLDA 2008, 91).

Nicht-staatliche Bildungsträger verstehen sich als Institutionen im quartären Bildungsbereich, die organisatorisch nicht dem Staat unterstehen, von ihm aber gefördert werden.

  • Formal findet Lernen in Bildungs- bzw. Ausbildungseinrichtungen statt, wird nach Lernzielen und Lernzeiten strukturiert und führt zu einem anerkannten Zeugnis/Zertifikat.
  • Non-formale Bildung bedeutet ein Lernen außerhalb allgemeiner und beruflicher Bildung, das zu keinem formalen Bildungsabschluss führt. In der Verantwortung stehen zivilgesellschaftliche Gruppen, Vereine und Organisationen mit Freiwilligkeitscharakter.
  • Informell findet Bildung durch Personen bzw. Institutionen statt, die nicht als Bildungsträger sich bezeichnen, geringer bewertet werden und wo Bildungsvermittlung vermischt mit anderen Aktivitäten entsteht(vgl. etwa Sportvereine, Familie, Arbeitsplatz und Freizeitangebote).

Der Beitrag hat als Konzeption die regionale Bildung im Selbstverständnis von Erwachsenen- bzw. Weiterbildung. Bildung wird hier als Lern- und Vermittlungsprozess gesehen, geprägt von einer Vielzahl von Akteuren. Erwachsenenbildnerinnen und Erwachsenenbildner verstehen sich in ihrer Unterschiedlichkeit als Träger einer Bildung(Erwachsenenpädagogik) nach Abschluss der Erstausbildung in Schule und Beruf. Ihre Professionalität ist durch ihr Berufswissen und vermehrte Anstrengungen zur Kompetenzerweiterung gegeben(vgl. die Bemühungen des Bundesinstituts für Erwachsenenbildung mit Lehrangeboten, der Weiterbildungsakademie Österreich im Erfassen von Kompetenzen und Weiterbildungsangeboten sowie Universitätslehrgängen und Vollzeitstudiengängen an Universitäten).

Voraussetzungen für die Konstruktion einer Bildungslandschaft sind potentielle Akteure, institutionelle Träger bzw. Vereine, Kooperationsmöglichkeiten und notwendigerweise ein Milieu, das bildungsfreundlich und innovativ ist sowie ein klares Aufgabengebiet.

Das Modell "Regionales Lernen" umfasst regionale Identität, Gestaltungskompetenz und Partizipation(Mitbestimmung und Mitverantwortung).

  • Dies bedarf erwachsenenpädagogischer Impulse. Lernprozesse im ländlichen Bereich sind in der Regel generationsübergreifend, auch von Jung zu Alt.
  • Dies betrifft auch den Zusammenhalt von sozialen Gruppen wie verschiedene Bildungsschichten, Wohndauer, Einkommenssituationen, Ansehen und Migrationshintergrund.
Bildungsträger vermitteln in ihrem Rollenverständnis Wissen und Können zur Gestaltung lokaler und regionaler kultureller, sozialer, ökonomischer und ökologischer sowie wertorientierender Ansätze.


Fragestellungen für ein solches Konzept sind

  • die Entstehung und Strukturierung einer regionalen Bildungslandschaft,
  • die Träger non-formaler und informeller Lernformen in ihrem Selbstverständnis,
  • die Präsentation einzelner Projekte bzw. Vorhaben und
  • die Bewusstmachung von Erfolgen bzw. Defiziten.
  • Herausforderungen müssen klar bezeichnet werden.

Ausgangspunkt der Überlegungen des Autors sind

  • die Absolvierung der Universitätslehrgänge Politische Bildung und Interkulturelle Kompetenz/Universität Salzburg bzw. Klagenfurt,
  • die Absolvierung der Weiterbildungsakademie Österreich/Wien,
  • die Praxis im Bildungsmanagement und in Lehre und Gruppenführung in erwachsenenpädagogischen Institutionen sowie
  • die Arbeit in Netzwerken bzw. Publikation von Beiträgen.
1 Bildungsbegrifflichkeiten    

Der Begriff "Bildung" wird in deutschen Sprachraum mit der 1792 erschienenen Definition durch Wilhelm von HUMBOLDT verbunden.

Humanität, Inhalte, Bildungsprozesse, Bildungssystem und (gebildetes) Gemeinwesen lassen sich als Bezugspunkte für eine formale und informale Bildung ableiten. "Allerdings scheinen dieses Bildungsverständnis und der daraus abgeleitete Bildungskanon in Zeiten einer pluralisierten Gesellschaft nicht nur unzeitgemäß, sondern auch bedroht"(POLLAK 2014, 9).

Individualisierung, Milieubezogenheit, Freiheit und Mediennutzung benötigen einen Bildungsbegriff mit weniger Inhalt(en), dafür in einer demokratisch-pluralistischen Gesellschaft notwendigem garantiertem Umgang mit anzubietender und umsetzbarer Bildung im Kontext mit Kompetenzen. Bildungsanstrengungen - verstanden als Aus-, Fort- und Weiterbildung - verlangen umsetzbare Angebote.


Regionale Bildung bzw. regionales Lernen hat mit kompetenzbasierter Bildung eine besondere Bedeutung. Territoriale Verortung und soziale Konstruktionen des Raumes bedeuten Bildungsmaßnahmen an Ort und Stelle mit Einbindungsmöglichkeiten der Akteure und Institutionen.

Sichere Ausformulierungen einer Bildungstheorie für eine Gesellschaft in einer kulturell vielfältigen Welt stehen nicht zur Verfügung. Das Humboldtsche Bildungsideal eines vollkommenen Individuums wurde durch politische, ökonomische und kulturelle Veränderungen und Wandlungsprozesse - bedingt durch die Industriegesellschaft seit dem 19. Jahrhundert und eine deutliche Politisierung bzw. Pluralisierung, Technisierung, Digitalisierung und in der Folge Globalisierung und Interkulturalität im 20. und 21. Jahrhundert - überholt(vgl. BECK 1997, 15-122; vgl. ergänzend die IT-Autorenbeiträge http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Globales Lernen, Interkulturelle Kompetenz).

Daher gibt es keinen gesamtgesellschaftlichen Konsens für die Begrifflichkeit "Bildung". Kennzeichnend sind Partikulargesellschaften, wie sie POLLAK(2014, 14)formelhaft für die gegenwärtige Gesellschaft vorstellt.

Mediengesellschaft > Risikogesellschaft

Googlegesellschaft > Erlebnisgesellschaft

Erwerbsgesellschaft > Fast-Food-Gesellschaft

Cyber Society > Netzwerkgesellschaft/Beratende Gesellschaft

Stadtgesellschaft > Normalisierungsgesellschaft

Gegenwartsgesellschaft > Multioptionsgesellschaft

Spaßgesellschaft > Konsumgesellschaft

Deformierte Gesellschaft > Multieth(n)ische Gesellschaft

Wissensgesellschaft > Weltgesellschaft

Einwanderungsgesellschaft > Bürgergesellschaft

Zukunftsfähige Überlebensgesellschaft > Zivilgesellschaft

Fragestellungen ergeben sich daraus, wenn man die Beschreibungen empirisch als zutreffend ansehen kann,

  • wie welcher und ob ein Bildungswert der Partikulargesellschaften wirkt,
  • welche Bildungsgüter vorzufinden sind, wie viel Wissen, Können und Fähigkeiten der Einzelne besitzen soll und
  • welcher Bildungskanon in der Lage wäre, schulisch bzw. außerschulisch und beruflich Ausbildungsprozesse abzudecken.
Bezieht man Bildung auf das gegenwärtige Menschenbild, also auf Leitbilder wie politische Rechte und Pflichten, Ökonomie, Ökologie, Beruf, Freizeit, Kultur, Identität, Medien, Religion und Wertvorstellungen, Familie, Gender, Gesundheit, Schule und Erziehung sowie Interkulturalität, erkennt man den Wandel, der in der Bildungslandschaft mit Politischer Bildung mit den Themen Interkulturelle Kompetenz, Wertnormierungen, Religionskunde/Ökumene, Gender, Ökologie, Medien und Ökonomische Grundbildung bzw. Globalem Lernen umschrieben wird(vgl. ALTHAMMER-ANDERSEN-DETJEN-KRUBER 2007; SANDER 2014).

2 Bildungsprozesse    

Die angesprochenen Bildungsgrade variieren von Bildungsschicht zu Bildungsschicht.

Traditionelle Werte wie Familienbindung, Freundschaft, Verantwortung, Pflichtbewusstsein und Sicherheit im engeren und weiteren Sinn werden in allen Milieus und von Heranwachsenden bzw. jungen Erwachsenen geteilt(vgl. CALMBACH-THOMAS-BORCHHARD-FLAIG 2011). Zudem werden in pluralistischen Gesellschaften individualistische und/oder hedonistische Entfaltungsmöglichkeiten und Selbstgestaltung ergänzend bzw. relativierend umgesetzt.

Der plurale Wertemix im Kontext mit der westlichen Multioptionsgesellschaft bildet ein "Leben im Plural", bedeutsam für Heranwachsende und junge Erwachsene(vgl. VOGELGESANG-MINATS 2010, 37). In der Folge kommt es zu verfügbaren Rollen und Lebensplänen(vgl. die Patchwork-Situationen in/mit Partnerschaften und Berufsleben). Interkulturell-situatives Verhalten kann(muss aber keineswegs)gesellschaftliche Widersprüchlichkeiten bilden, in dem jedenfalls das eigene Kulturverständnis mit dem "Anderen" verglichen wird bzw. angeglichen wird.

Diese Situation erzwingt eine Konzeption von Bildung mit den Bezugspunkten "Gesellschaft" und "Individuum". Pluralität muss gelehrt und praktiziert werden. Gesellschaft und Individuum müssen befähigt werden, mit Pluralität, Vielfalt/Diversität in allen Gesellschaftsbereichen, demnach auch im Bildungsbereich, umzugehen. Neben Wissen und Empathie benötigt es Handlungswissen, auf das in der Folge einzugehen ist(vgl. Pkt. 4).


Für Regionales Lernen erscheint dieser Bildungsbereich deshalb wesentlich zu sein, weil entsprechende Dimensionen im politischen, ökonomischen, sozialen und kulturell-religiösen Leben sowie im Alltag vorhanden sind und man mit ihnen sinnvoll und bereichernd umgehen kann.

Der Bildungsbegriff besitzt damit eine Wechselwirkung zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft(vgl. ZIRFAS 2011, 13).

3 Kompetenzbegriffe    

In der Folge sollen zentrale Kompetenzbegriffe angesprochen werden, die zu einem mündigen Umgang mit Ideen, Visionen, Entwürfen und pluralen Bildern im Kontext regionalen Lernens befähigen. "Diese Bildungsprozesse zielen auf eine mündige Teilhabe an Gesellschaft, finden in formellen wie in informellen Lernorten statt und reichen über die gesamte Lebensspanne: So plural wie Welt, Gesellschaft und Individuum sich zeigen, so plural muss darauf bezogene Bildung sein"(POLLAK 2014, 19).

3.1 Kompetenztheoretische Begrifflichkeit    

Kompetenzen definieren sich als in lebensbegleitenden Lernprozessen dauerhaft, aber veränderbar erworbene kognitive, emotionale, affektive, volitionale, psychomotorische Fähigkeiten, Fertigkeiten und Einstellungen, die zu subjektiver und objektiver Bewertung sachlich und situativ auf ambivalente Anforderungen im Umgang mit Pluralität, Unsicherheit und Orientierungslosigkeit in der Gestaltung der Biographie mündig agieren lassen(vgl. POLLAK 2014, 20).

Der angesprochene Wandel von Biographien und damit von Bildungsprozessen bringt die Notwendigkeit von Lern- und Qualifikationskompetenzen mit sich, die sich an zukünftig vermehrten Orientierungsmöglichkeiten für die Arbeits- und Berufswelt zeigt. Mit dem Begriff "Vorberufliche Bildung" wird diese Orientierung über berufliche Bildung und die Arbeits- und Berufswelt in der Berufspädagogik beschrieben und mit Berufswahlkompetenz bezeichnet.

  • Planbare Laufbahnkonzepte mit den Stationen schulische Bildung, berufliche Erstausbildung, Eintritt in das Erwerbsleben, Berufsausübung und Austritt werden schwieriger. Berufslaufbahnen haben sich teilweise in Richtung prekäre und diskontinuierliche Arbeitsverhältnisse angesichts unsicherer Wirtschaftsverhältnisse verändert.
  • Flexibilität und Mobilität, verbunden mit klaren Qualifikationen und dem Willen nach Fort- bzw. Weiterbildung, sind aktuell einzuplanen(vgl. den IT-Autorenbeitrag http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Vorberufliche Bildung in Österreich).
  • Beschäftigungsfähigkeit verlangt eine Vermittlung eines kompetenztheoretischen Bildungsbegriffs mit kognitiver und motivationaler Ausrichtung.
Kennzeichnend für einen kompetenztheoretischen Bildungsbegriff sind

  • die Fähigkeit und Bereitschaft zu lebensbegleitendem Lernen und Bilden(vgl. FATKE-MERKENS 2006),
  • das Wechselspiel von Erwerb-Erhalt-Wechsel von Qualifikationen in Form von Hard Skills und Soft Skills sowie
  • Anpassungszwänge zur Sicherung von Beschäftigung und individuellem Lebensentwurf zur Sicherung von Mündigkeit zur Grundlage von privatem und beruflichen Selbstmanagement(vgl. ERPENBECK-HEYSE 2007).
Festzuhalten ist das kritische Verständnis zu Bildung,

  • einmal nur als Anpassungsfähigkeit an Formen des Arbeitsmarkts und damit einer Aufgabe einer erfüllten persönlichen Biographie.
  • Zum Anderen bedarf es der Befähigung zur Achtsamkeit gegen die Gefährdung(en) des lebensbegleitenden Lernens als "überfordertes Selbst"(vgl. BRÖCKLING 2007).
3.2 Teilkompetenzen    

Ergänzt werden diese Überlegungen durch Teilkompetenzen wie die Medienkompetenz, politische Lernkompetenz bzw. Politikkompetenz, Urteilskompetenz, Empathiekompetenz, Identitätskompetenz, Sozialkompetenz, Kommunikationskompetenz, Kulturkompetenz und Zukunftskompetenz sowie kompetenzorientierende Impulse für Bildungsarbeit im ländlichen Raum(vgl. POLLAK 2014, 22-33).

Medienkompetenz

Bereitschaft und Fähigkeit zur kritischen und produktiven Nutzung multimedialer Kommunikations-, Informations-, Lehr- bzw. Lern- und Unterhaltungsmedien

Rezeption, Reflektion und Produktion medialer Inhalte

Medienkunde, Mediennutzung, Mediengestaltung und Medienkritik


Groeben N.(2002): Medienkompetenz: Voraussetzungen, Dimensionen, Funktionen, Weinheim: Juventa

Politische Lernkompetenz - Politikkompetenz

Bereitschaft und Fähigkeit zum "homo politicus/ökonomicus"

Gestaltung von gesamtgesellschaftlichen Dimensionen im Kontext von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Demokratie als Lebensform

persönliche Freiheit, Selbstbestimmung - soziale Verantwortung gegenüber Staat und Gesellschaft

Civil Society als Person, Gemeinschaft und Gesellschaft

Nachhaltigkeit - Generationen, Kultur, Ökologie und Ökonomie


Negt O.(2011): Der politische Mensch. Demokratie als Lebensform, Göttingen: Steidl

Sander W.(Hrsg.)(2014): Handbuch Politische Bildung, Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag

Urteilskompetenz

Fähigkeit und Bereitschaft zur Differenzierung von Entscheidungen von privaten und öffentlichen Handlungsmöglichkeiten

ethisch-moralische Verpflichtungen

begründete Urteile und differenzierte Urteilskraft


Frankena W.K.(1981): Analytische Ethik. Eine Einführung, München: dtv

Empathiekompetenz

Fähigkeit und Bereitschaft zur Mitmenschlichkeit

Sensibilität für das Mensch-Sein

angstfreie Nähe und respektvolle Distanz


Pollak G.(2014): Der kompetenztheoretische Bildungsbegriff-theoretische Begründung, empirische Stützung, praktische Vermittlung von Bildung, in: Born D.-Born K.M.-Bombeck H.(Hrsg.): Bildung im Dorf. Was leistet Bildung für ländliche Räume?, Göttingen: Cuvillier, 26

Identitätskompetenz

Fähigkeit und Bereitschaft einer eigenen Arbeit an Persönlichkeitseigenschaften

Wechselspiel von Eigen-Entwurf und Fremdentwurf

Erproben bzw. Verwerfen von Pluralität und Verschiedenheit/"Diversity" im Kontext von Herkunft, Gender, Rolle und Biographie


Keupp H.-Höfer R.(1997): Identitätsarbeit heute. Klassische und aktuelle Perspektiven der Identitätsforschung, Frankfurt/M.: Suhrkamp, 7-39

Sozialkompetenz

Bereitschaft und Fähigkeit zu Sozialität und Solidarität

Anerkennung eigener und fremder Identität

Eigennutz und Gemeinsinn


Pollak G.(2014): Der kompetenztheoretische Bildungsbegriff-theoretische Begründung, empirische Stützung, praktische Vermittlung von Bildung, in: Schmied D.-Born K.M-Bombeck H.(Hrsg.): Bildung im Dorf. Was leistet Bildung für ländliche Räume?, Göttingen: Cuvillier, 28

Kommunikationskompetenz

Bereitschaft und Fähigkeit zu symbolischer Kommunikation

Sinnverständnis und Sinnschöpfung

Mündlichkeit, Schriftlichkeit und Visualität

Symbolverwendung

eigen- und fremdkulturelle Herkunft("Interkulturalität") im Kontext von Hochkultur, Populärkultur und Subkultur


IT-Autorenbeitrag http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Führungskräfteentwicklung im Bildungssystem, Pkt. 5.9; Interkulturelle Kompetenz

Kulturkompetenz

Bereitschaft und Fähigkeit zu eigenkultureller, fremdkultureller und interkultureller Identität

Kenntnis und Akzeptanz eigener und fremder Kultur

Bewahren/(Tradition) und Erneuern(Fortschritt)


''Meyer Th.(2002): Identitätspolitik. Vom Missbrauch des kulturellen Unterschieds, Frankfurt/M.: Suhrkamp; Fuchs M.(2008): Kulturelle Bildung. Grundlagen-Praxis-Politik, München: kopaed; Nieke W.(2007): Interkulturelle Erziehung und Bildung. Wertorientierungen im Alltag, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften; IT-Autorenbeitrag http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Interkulturelle Kompetenz''

Zukunftskompetenz

Bereitschaft und Fähigkeit zu einer Verbesserung von Gesellschaft

Kenntnis von Geschichtlichkeit(Gewordenem) und Zukunftsentwurf(Möglichem)


Negt O.(2011): Der politische Mensch. Demokratie als Lebensform, Göttingen: Steidl

Sander W.(Hrsg.)(2014): Handbuch politische Bildung, Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag

3.3 Kompetenzorientierte Impulse für eine Bildungsarbeit im ländlichen Raum    

Thesenartig werden soziale Ebenen, Institutionen und Aspekte für eine Umsetzung von Erwachsenen- bzw. Weiterbildung im ländlichen Raum benannt.

  • Bildung im ländlichen Raum versteht sich als pädagogische Maßnahme im sozialen Raum als territoriale Verortung und soziale Konstruktion. Es geht um eine Erweiterung von Grundbedürfnissen(vgl. Pkt. 4.1).
  • Wesentlich ist die Beteiligung von Akteuren, Entscheidungsträgern und Institutionen als Teilnehmende einer Konstruktion eines Bildungsraumes.
  • In der Folge geht es um die Festlegung bzw. Schaffung von Orten formellen und informellen Lernens in Verbindung mit Erwachsenen- bzw. Weiterbildung. Objektive Bildungspotenziale sind zu erschließen.
  • Akteure, Träger und Vermittler für Bildung im ländlichen Raum sind zu aktivieren bzw. zu erschließen.
  • Ein Bildungs-Netzwerk von Kindertagesstätten, Schulen, Jugendarbeit, Allgemeine und Berufliche Erwachsenenbildung, Politischer Bildung, Altenbildung, Museen, Theater, Vereine, Initiativen und Personen/Gruppierungen ist hilfreich für Planungen und Kooperationen.
  • Die Nutzung von "Neuen Medien" ist vermehrt zu beachten(vgl. Virtuelles Lernen, E-Learning).
  • Die Überwindung von Bildungsdünkeln und Defiziten, insbesondere im Bezug auf eine Bildungsentwicklung in einem ländlichen Raum, der Dörfer und Kleinstädte, ist bildungspolitischer Auftrag und Aufgabe.
4 Regionales Lernen    

Als Herausforderung gilt die Rolle von Bildung im ländlichen Raum. Anzubieten wäre eine entsprechende Lernumgebung und Lernsituationen, die die Region selbst bietet.

Dazu wird das Konzept des "Regionalen Lernens" vorgestellt.

Ziel ist das Angebot

  • zur Teilhabe an der Gestaltung des eigenen Umfeldes.
  • Partizipation ist mit der Ausbildung und Umsetzung der regionalen Identität verbunden.
Dieser Kontext ist ein Merkmal des "Regionalen Lernens".

4.1 Elemente eines Regionalen Lernens    

Lernen im ländlichen Raum umfasst inhaltliche, didaktische und situativ-handlungsorientierte Elemente(vgl. SCHOCKEMÖHLE 2009; 2014, 46-48, 57-58; KELLNER 2015, 130-135).

- Lernen über ländliche Räume umfasst die räumlichen Gegebenheiten und das alltägliche Handeln. Im Vordergrund stehen das subjektive Erkennen und Verständnis regionaler Eigenheiten und die Verständigung über Problembereiche und Herausforderungen. Inhalte könnten etwa die Abwanderung aus dem ländlichen Raum, die Auswirkungen und ökonomische sowie ökologische Verluste sein.

- Lernen für den ländlichen Raum umfasst die Förderung des Lebensraumes , also Wechselwirkungen erkennen, zu bewerten, antizipierend und reflektiert zu denken. Wissen(Kognition) und Gefühle(Empathie)sollen ein konkretes Handeln ergeben. Dies ist die Voraussetzung für ein künftiges regionales Engagement.

- Lernen in und von ländlichen Räumen umfasst Lernumgebungen mit Lerngegenständen, die eine originale Begegnung ermöglichen. Diese sind Räume und Zeiten für persönliche Erlebnisse, praktische Auseinandersetzungen, Ausprobieren für Ideen und Pläne in Verbindung mit Reflexionen. Ländliche Räume bieten viele Möglichkeiten. Lokal-regionale Phänomene ergeben Verknüpfungen mit überregionalen Entwicklungen und globalem Denken((vgl. FOCALI 2007; etwa Verkehrsprobleme, Gewerbegebiete, Handel, Bildungsinstitutionen/Angebote und Tourismus).

- Handlungsorientiertes Lernen(vgl. GUDJONS 2008) umfasst neben den Originalbegegnungen

  • ganzheitliches Lernen(Lernen mit allen Sinnen),
  • Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit der Lernenden,
  • planvolles und zielgerichtetes Lernen,
  • Orientierung an den Erfahrungen,
  • Interessen und Neigungen der Teilnehmenden im Kontext mit aktuellen und zukünftigen Handlungssituationen,
  • Öffnung der Bildungssituation für ein Lernen in realen Problemsituationen("komplexe Realität"),
  • Förderung der Partizipation durch Dokumentation der Ergebnisse, Reflexion von Zielen und Handlungsabläufen und Konsequenzen in Verbindung mit deren Bewertung.
Regionales Lernen kennzeichnet die enge Verbindung von Lehrenden und Lernenden bereits im Vorfeld in Form von Zielsetzung, Planung, Vorbereitung, Durchführung, Nachbereitung und Transfer. Die gemeinsamen Erfahrungen bedeuten in der Folge Veränderungen bzw. Bestätigungen in der Wertorientierung.

In der Erziehungswissenschaft wurde Ende der achtziger Jahre der von der Umwelterziehung geprägte Ansatz der Förderung regionaler Identität forciert(vgl. SALZMANN 1989). Das hier dargestellte Konzept des Regionalen Lernens beruht auf den Vorarbeiten von SALZMANN und wird als Aufgabe von Erwachsenenpädagogik verstanden.

Als Element einer Politischen Bildung vermag es einen Beitrag zu regionaler Identität, Persönlichkeitsbildung und Gestaltung in einer pluralen Gesellschaft leisten.

Angesprochen ist eine Bildung des Erwerbs von Gestaltungskompetenz.

Lerntheoretische Grundlage ist das situative Lernen. Sozialpsychologisch bezieht das Konzept sich auf die personale Identität bzw. Ich-Identität von ERIKSON(1989).

Erst die Verbindung von regionaler Identität und Gestaltungskompetenz befähigt zu einer angestrebten Partizipation (vgl. HAAN 2002, 13-20).


Einflussfaktoren sind neben der Handlungsorientierung

  • die Altersgruppe mit dem Einfluss auf die Wirksamkeit bei Heranwachsenden, die sich in Merkmalsveränderungen nach dem Lernvorhaben zeigt. Erwachsene besitzen eine relativ hohe Resistenz gegenüber Interventionen von außen(vgl. KRAMPE 2007, 221-244).
  • Auch die persönlichen Voraussetzungen spielen eine Rolle. Bereits im Vorfeld können Merkmalsveränderungen die Konzeption unterstützen, womit außerschulisches Lernen in der Region einen Beitrag zu leisten imstande ist. Wesentlich ist der Beitrag engagierter Personen/Gruppen, die zu fördern sind. Eine dauerhafte Beteiligung ist anzustreben. Als didaktisches Element erweist sich eine Binnendifferenzierung als individuelle Förderung der Lernenden.
  • Originale Begegnungen in Form von Erkundungen, Teilnehmerbefragungen, aktiver Selbstaneignung und alltäglichem Erkenntnisgewinn weisen auf eine didaktische Gestaltung von Lernprozessen hin. Außerschulisches Lernen zeigt sich in Lehrveranstaltungen der Erwachsenen- bzw. Weiterbildung, auf die in der Folge einzugehen ist.

4.2 Umsetzung in die Praxis    

Eine Umsetzung in die Praxis - also die Wirksamkeit Regionalen Lernens - sollte in verschiedenen Aktionsformen wie Projekte, Zukunftswerkstätten, Lernen an Stationen und Experimenten verwendet werden. Gruppenarbeit und kooperatives Lernen bieten sich als Sozialform an.

Zu beachten wären auch erwachsenenpädagogische Impulse mit Themen der Politischen Bildung(vgl. beispielhaft die IT-Autorenbeiträge http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Lehrgang Politische Bildung in der Erwachsenenbildung, Interkulturelle Kompetenz und Vorberufliche Bildung in Österreich).

Wiederholtes und dauerhaftes Lernen erzeugt stärkere Effekte als einmalige und kurzfristige Lernvorhaben. Langzeitprojekte bzw. Kurse/Lehrgänge sollten daher realisiert werden. Grundlage solcher Vorhaben bildet in der Erwachsenenpädagogik das Vorwissen mit Kenntnissen, Erfahrungen und Ideen bzw. Visionen.

Lernvorhaben bedürfen nach Beendigung aus Gründen der Reflexion Dokumentationsformen, etwa in der Lokalpresse, in Netzwerken und Präsentationen sowie in außerschulischen Bildungsinstitutionen. Eine Koordinierung in Form einer Projektgruppe empfiehlt sich.

Eine Anbindung von Institutionen hochschulmäßiger bzw. universitärer Bildung sollte angestrebt werden(vgl. das Beispiel Vorarlberg mit Lehrgängen an der Verwaltungsakademie in Lochau als zentralem Ort von Bildungsveranstaltungen; Kooperationen mit Instituten).

EU-Bildungs- und Förderprogramme wie LEONARDO und der EUROPÄISCHE SOZIALFONDS/ESF ergänzen Vorhaben regionaler Entwicklung.

4.3 Bildungskonzeption Regionalen Lernens    

 Bildungskonzept - Übersicht 
Formales, non-formales Lernen Lebensbegleitendes Lernen
Regionale Identität
Wahrnehmen der Region
Partizipation in der Region
Kognition-Emotion-Motivation
Gestaltungskompetenz
Antizipation-Vernetzung-Nachhaltigkeit
 Gestaltung der Region 

5 Ehrenamtlichkeit/Freiwilligkeit in der Erwachsenenbildung    

Will man Ehrenamtlichkeit bzw. Freiwilligkeit in ihrem Wirkungskreis erhöhen, sollte man die Organisationsstruktur neu ausrichten. Es bedarf eines Freiwilligenmanagements in der Erwachsenenbildung, damit es zu gesellschaftlichen Aktivitäten kommen kann. Ziel ist eine lebendige Zivilgesellschaft mit Motivation und Engagement.


Der Workshop "Ehrenamt - Freiwilligenarbeit/Freiwilligenkoordination" der Arbeitsgemeinschaft Ehrenamt des Rings Österreichsicher Bildungswerke(22.-23. April 2013/Wien) zeigt an, dass in Fortsetzung des "Internationalen Jahres der Freiwilligen"(2001)und des Workshop-Diskurses anlässlich des Festaktes "40 Jahre Konferenz der Erwachsenenbildung Österreich - 5 Jahre Weiterbildungsakademie"/Strobl(2012) zur Freiwilligkeit bzw. "Ehrenamtlichkeit" die Diskussion um Strukturen und Rahmenbedingungen für eine Förderung des freiwilligen Engagements weiterhin zu führen ist.

Es bestehen gewisse Förderstrukturen, etwa Fortbildungen, Tagungen, Workshops und Publikationen, trotzdem ist die Thematik noch nicht im Mainstream angekommen(vgl. REIFENHÄUSER-HOFFMANN-KEGEL 2009). Zivilgesellschaftliches Engagement als Ausdruck von Freiwilligkeit/Ehrenamtlichkeit ist wenig verbreitet. Zwar spricht das Zahlenmaterial von Engagement - man denke an Freiwillige Feuerwehren, Musikkapellen, Sportvereine, Büchereien, Kulturvereine und soziale Hilfsorganisationen - aber im Bereich der Erwachsenenbildung als Organisationen und Systeme mit erwachsenenpädagogischem Auftrag fehlen Interessierte. Insbesondere im ländlichen Raum gibt es Nachwuchsprobleme in einem wichtigen Lern- und Handlungsfeld, das es auszubauen gilt.

5.1 Freiwilligenmanagement    

Als Grundlage für Fördermaßnahmen gilt ein Freiwilligenmanagement mit entsprechenden Rahmenbedingungen, Gewinn von Fachlichkeit und Möglichkeiten der Mitgestaltung und Mitbestimmung(Partizipation).

Freiwilligenmanagement ist Planung, Organisation, Koordination, Evaluation und Vernetzung von freiwilligem Engagement. In der Erwachsenenbildung - bei der Tagung ging es um diese Organisationsform - findet dies auf Grund des staatlichen Vereinsgesetzes und einer gesamtösterreichischen erwachsenenpädagogischen Vernetzung statt.

Ziel ist eine nach der schulischen und beruflichen Erstausbildung notwendige Förderung von Wissen, Fertigkeiten, Haltungen, Erfahrungen und Kompetenzen. Für ehrenamtlich Engagierte bietet sich die Chance,

  • ihren Eigeninteressen nachzugehen,
  • sich weiter zu qualifizieren,
  • Sinn und Wert in einem Engagement zu finden,
  • Interessierte kennen zu lernen und
  • sich einbringen zu können.
5.2 Anforderungen an Freiwillige    

Damit ergeben sich Anforderungen an Ehrenamtliche bzw. Freiwillige wie

  • eine Abgrenzung zur Tätigkeit Haupt- und Nebenamtlicher,
  • der Kooperation zwischen Haupt-und Ehrenamtlichen,
  • Unterstützungssystemen,
  • Qualifizierungsangeboten und
  • einer Anerkennungs- und Wertschätzungskultur.
All dies ist ausbaufähig. Anzustreben ist

  • eine zeitgemäße Struktur mit Präsenz und Mitarbeit in einer Organisation der Erwachsenenbildung,
  • einem Freiwilligenmanagement,
  • einer Mitarbeiterfortbildung und Weiterbildung,
  • einer Öffentlichkeitsarbeit und
  • entsprechenden gesamtgesellschaftlichen Positionierung.
In der Regel fehlt eine Ausrichtung von Zielvoraussetzungen und Zielen dieses Engagements. In diesem Zusammenhang erkennt man einen Strukturwandel des "Ehrenamtes" im Sinne einer Gemeinwohlorientierung(vgl. BEHER-LIEBIG-RAUSCHENBACH 2000).


Leitbilder(mit Ergänzungen), Förderung von Rahmenbedingungen, Qualitätskriterien und Aufgabengebiete zeigen an, dass freiwilliges Engagement weder umsonst noch kostenlos ist.

Engagement-Förderung bedarf klarer Strukturierung und ist als Prozess - und keinesfalls als starres System - zu verstehen. Ein solcher Prozess beginnt mit einer Bedarfseinschätzung, Aufgabenentwicklung, Gewinnung von Interessierten, Gesprächen, Phasen der Ausbildung bzw. Einarbeitung und Begleitung. Evaluation und eine Anerkennungskultur vervollständigen ein Freiwilligen-Engagement.

Anzustreben ist ein System von Förderung und Aufstiegsmöglichkeiten sowie Persönlichkeitsentwicklung. Ergänzende Elemente sind Anregungen, Austausch und Bewertung.

Nationale und EU-Netzwerkbildungen vervollständigen das Engagement.


5.3 Grenzen für Freiwillige    

Unabhängig von der Notwendigkeit zeigen sich Grenzen im Zeitbudget und in einer Ausbildung, besonders für verantwortungsvolle Tätigkeiten. Die Notwendigkeit und Bedeutung einer internen und externen Anerkennung für freiwillige Tätigkeiten wird deutlich, geht es doch um öffentliche Bildungstätigkeit in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext.

Kompliziert ist die Aus-, Fort und ggf. Weiterbildung, weil im Regelfall nur kurzfristige Aktivitäten angenommen werden und finanziell Schwierigkeiten stoßen. Für die Erwachsenenbildung mit den Möglichkeiten an der "Weiterbildungsakademie Österreich" erscheint eine entsprechende personal- und Finanzausstattung überlegenswert. Regional werden auch kostengünstige Lehrgänge angeboten, wie das Beispiel Tirol es zeigt. Die sollte für eine interne Ausbildung Freiwilliger nützlich und anerkannt werden.

5.4 Anerkennung und Chancen von Freiwilligkeit    

Eine Anerkennung freiwilliger Tätigkeit im Bildungsbereich erkennt man auch an externem Engagement in kultureller und gesamtgesellschaftlicher Beteiligung. Diese Form einer öffentlichen Aktivität gilt als ideale Form von zivilgesellschaftlichem Engagement. Öffentlichkeitsarbeit dokumentiert zudem Engagement.

Ein umfassendes Handlungsfeld mit Lernmöglichkeiten("Lernfeld") bietet persönliche Entwicklung, den Erwerb von Fachkompetenz und eine Einübung in öffentlichem Engagement an.

Freiwilligenengagement stärkt Erwachsenenbildung im regionalen Raum, die Zivilgesellschaft und kann Interessierten als Vorbild für ein künftiges Engagement dienen(vgl. DICHATSCHEK 2012/2013, 688-692).

6 Bereiche innovativer Bildungsnutzung    

Die nachfolgenden Beispiele innovativer Nutzung erwachsenenpädagogischer Vorhaben des Autors sind Beiträge zur Diskussion regionaler Bildungsmaßnahmen im ländlichen Raum.

Anliegen sind die Verbesserung der Politischen Bildung und Ökonomischen Grundbildung, Ehrenamtlichkeit bzw. Freiwilligkeit und Netzbasiertes Lernen(mit Überlegungen zum "Blended Learning").

Geplant ist für Herbst 2015 die Fortführung des Lehrganges "Ökonomische Grundbildung in der Erwachsenenbildung"(vgl. IT-Autorenbeitrag http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Ökonomische Grundbildung in der Erwachsenenbildung).

Die Lehrgänge bzw. Publikationen verstehen sich als Impulse regionaler erwachsenenpädagogischer Aktivitäten, die in den letzten Jahren umgesetzt wurden/werden.

6.1 Lehrgang Politische Bildung    

Netzwerk gegen Gewalt > http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Lehrgang Politische Bildung in der Erwachsenenbildung

6.2 Lehrgang Ökonomische Grundbildung    

Netzwerk gegen Gewalt > http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Lehrgang Ökonomische Grundbildung in der Erwachsenenbildung

6.3 Ehrenamtlichkeit    

Dichatschek G.(2012/2013): Ehrenamtlichkeit in der Erwachsenenbildung, in: Amt und Gemeinde, Heft 4, 688-692

6.4 Netzbasiertes Lernen - Blended Learning    

Netzwerk gegen Gewalt http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Netzbasiertes Lernen in Theorie und Praxis(vgl. auch Pkt. 4).

7 Reflexive Phase    

Bildung konzentriert sich zunehmend durch allgemein bildende bzw. berufsbildende Schulen und hochschulmäßige bzw. universitäre Bildungseinrichtungen sowie außeruniversitäre Institutionen auf den städtischen Raum.

Zugleich ist Bildung ein Faktor für Chancengleichheit und damit Entwicklungsprozesse, gerade für den ländlichen Raum. Mit dem Entstehen von Wohnräumen außerhalb urbaner Zentren und Kleinstädten sind Bildungsentwicklungen gefordert, die Angebote erfordern, die vermehrt Beachtung verdienen.

Nicht-formale und informelle Bildung, zunehmend gefördert und gefordert von der Europäischen Union bzw. ihren Bildungsprogrammen, erhält Bedeutung. Regionales Lernen im Kontext mit Institutionen der Erwachsenenpädagogik für speziell-gesellschaftliche Bedürfnisse und Gruppierungen hilft Potenziale für die verschiedensten Bereiche zu aktivieren.

Nicht zu übersehen sind in diesem Zusammenhang auch formale Bildungsangebote.

  • Angesprochen sind bildungsinteressierte Schichten und die Klientel Engagierter für Weiterbildungsmaßnahmen.
    • Standorte für diese Interessenten können durchaus im ländlichen Raum sich etablieren, wie Beispiele es zeigen.
    • Dies gilt auch für Migrantinnen, Migranten und Einheimische, wie es beispielhaft die VHS Zell/See mit Veranstaltungen der "Freude an Bildung" in Form der beiden Lehrgänge "Politische Bildung in der Erwachsenenbildung" und "Ökonomische Grundlagen in der Erwachsenenbildung" beweist(vgl. die IT-Autorenbeiträge http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Lehrgang Politische Bildung in der Erwachsenenbildung, Ökonomische Grundlagen in der Erwachsenenbildung/ab 2011).
    • Migrantenspezifisch für die Türkische Community in Vorarlberg sind beispielhaft zehn Veranstaltungen zur Politischen Bildung verteilt über das Bundesland(2015/2016)(vgl. http://www.bizbize.at [19.7.2016]).
Im Diskurs um Bildungsintentionen um die Jahrtausendwende sind die Vermittlung persönlicher Schlüsselqualifikationen und formaler Kompetenzen wesentlich. Daneben sind Aspekte von Bildung als eine Art "Vorratslager" zunehmend bedeutungsvoll(vgl. AHLHEIM 2004, 41).

Aus der Sicht des Autors ergeben sich Notwendigkeiten in der Erwachsenenpädagogik

  • für Politische Bildung im Kontext mit Interkultureller Kompetenz,
  • ökonomische Grundbildung,
  • interkulturelle Kompetenz für die Klientel der Einheimischen und
  • Medienkunde/Medienbildung.
  • Netzbasiertes Lernen hat zunehmende Bedeutung.
"Just-in-time"-Lernen ist eine Aufgabe Beruflicher Erwachsenen- bzw. Weiterbildung, für die Allgemeine Erwachsenen- bzw. Weiterbildung sind die Vermittlung von kulturell-spezifischen Lerninhalten mit Handlungsorientierung wesentlich.

Institutionen der Allgemeinen Erwachsenenbildung haben hier ihre Chance, gerade(oder auch) als Orte für Bildung in ländlichen Räumen.

Literaturverzeichnis    

Angeführt sind diejenigen Titel, die für den Beitrag verwendet und/oder direkt zitiert werden.


Ahlheim K.(2004): Scheingefechte. Zur Theoriediskussion in der politischen Erwachsenenbildung, Schwalbach/Ts.

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Dichatschek G.(2015): Mitarbeiterführung von Ehrenamtlichen, Saarbrücken

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Schockemöhle J.(2014): Regionales Lernen und Partizipation in ländlichen Räumen, in: Schmied D.-Born K.M.-Bombeck H.(Hrsg.): Bildung im Dorf. Was leistet Bildung für ländliche Räume?, Göttingen, 45-70

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IT-Autorenbeiträge/Auswahl    

Die IT-Beiträge verstehen sich als Ergänzung zum Beitrag,


Netzwerk gegen Gewalt > http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index:

Erwachsenenbildung

Erwachsenenbildung in der Volkshochschule

Persönlichkeitsentwicklung

Politische Bildung

Lehrgang Politische Bildung in der Erwachsenenbildung

Ökonomische Grundbildung in der Erwachsenenbildung

Bildungsmanagement

Theorieansätze der Politischen Bildung

Interkulturelle Kompetenz

Migration in Österreich Teil 1 und 2

Globales Lernen

Vorberufliche Bildung in Österreich

Netzbasiertes Lernen in Theorie und Praxis

Internethinweise    

ECOVAST(European Council of Villages And Small Towns) - Europäischer Rat für das Dorf und die Kleinstadt - Initiative für den ländlichen Raum > http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?ECOVAST (5.7.2014)

Weiterbildungsakademie Österreich/wba - http://www.wba.or.at > Absolventen (5.7.2016)


Zum Autor    

APS-Lehramt/Volksschule-Hauptschule(D-GW-GS)-Polytechnischer Lehrgang(D-SWZ-Bk); ausgebildeter Schüler- und Schulentwicklungsberater; Lehrerbildner/PI des Landes Tirol-Berufsorientierung(1990-2003); Lehrbeauftragter am Institut für Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft/Universität Wien - Aus- und Weiterbildung/Berufspädagogik-Vorberufliche Bildung(1990/1991-2010/2011); Lehrbeauftragter am Sprachförderzentrum des Stadtschulrates für Wien/Interkulturelle Kommunikation(2012); Lehrbeauftragter am Institut für Geschichte/Universität Salzburg-Lehramt "Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung"/"Didaktik der Politischen Bildung"(ab 2015/2016)

Lehrender an den VHSn Zell/See, VHS Saalfelden und Stadt Salzburg(ab 2011); stv. Leiter des Evangelischen Bildungswerks in Tirol(2004-2009), Mitglied des Beirats(ab 2010); Mitglied der Bildungskommission der Evangelischen Kirche Österreich/Erwachsenenbildung(2000-2011), Teammitglied des Bildungsvereins Wien(ab 2016)

Absolvent des Instituts für Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/Doktorat(1985); des 10. Universitätslehrganges für Politische Bildung/ Universität Salzburg-Klagenfurt/Master(2008); der Weiterbildungsakademie Österreich/Diplome(2010); des 7. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg/Diplom(2012)und des 4. Internen Lehrganges für Hochschuldidaktik/ Universität Salzburg/Zertifizierung(2015/2016)

Aufnahme in die Liste der sachverständigen Personen für den Nationalen Qualifikationsrahmen/NQR, Koordinierungsstelle für den NQR/Wien(2016)


MAIL dichatschek (AT) kitz.net


Zum Autor    

APS-Lehramt/Volksschule-Hauptschule(D-GW-GS)-Polytechnischer Lehrgang(D-SWZ-Bk); ausgebildeter Schüler- und Schulentwicklungsberater; Lehrerbildner/PI des Landes Tirol-Berufsorientierung(1990-2003); Lehrbeauftragter am Institut für Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft/Universität Wien - Aus- und Weiterbildung/Berufspädagogik-Vorberufliche Bildung(1990/1991-2010/2011); Lehrbeauftragter am Sprachförderzentrum des Stadtschulrates für Wien/Interkulturelle Kommunikation(2012); Lehrbeauftragter am Institut für Geschichte/Universität Salzburg-Lehramt "Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung"/"Didaktik der Politischen Bildung"(ab 2015/2016)

Lehrender an den VHSn Zell/See, VHS Saalfelden und Stadt Salzburg(ab 2011); stv. Leiter des Evangelischen Bildungswerks in Tirol(2004-2009), Mitglied des Beirats(ab 2010); Mitglied der Bildungskommission der Evangelischen Kirche Österreich/Erwachsenenbildung(2000-2011), Teammitglied des Bildungsvereins Wien(ab 2016)

Absolvent des Instituts für Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/Doktorat(1985); des 10. Universitätslehrganges für Politische Bildung/ Universität Salzburg-Klagenfurt/Master(2008); der Weiterbildungsakademie Österreich/Diplome(2010); des 7. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg/Diplom(2012)und des 4. Internen Lehrganges für Hochschuldidaktik/ Universität Salzburg/Zertifizierung(2015/2016)

Aufnahme in die Liste der sachverständigen Personen für den Nationalen Qualifikationsrahmen/NQR, Koordinierungsstelle für den NQR/Wien(2016)


MAIL dichatschek (AT) kitz.net


 
© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 20. August 2017