Netzwerk Gegen Gewalt - Ein Offenes WikiWeb - Jeder kann sich beteiligen!

Afrika

Veränderung (letzte Änderung) (Autor, Normalansicht)

Verändert: 117c117
* "Ich bitte Sie, diese Fahne vom Mast herunterzuholen. Niemand har uns gekauft. Sie wollen uns mit viel Geld bestechen, wir haben es abgelehnt. Ich bitte Sie, uns unsere Freiheit zu lassen und keine Unordnung zu uns zu bringen." Mit diesen Worten wandte sich der König der Bele Bele Kum'a Mbape am 28. August 1884 schriftlich an den deutschen Konsul.
* "Ich bitte Sie, diese Fahne vom Mast herunterzuholen. Niemand hat uns gekauft. Sie wollen uns mit viel Geld bestechen, wir haben es abgelehnt. Ich bitte Sie, uns unsere Freiheit zu lassen und keine Unordnung zu uns zu bringen." Mit diesen Worten wandte sich der König der Bele Bele Kum'a Mbape am 28. August 1884 schriftlich an den deutschen Konsul.


Afrika    

Dekolonisation und Zukunftsgestaltung im Kontext Politischer Bildung    

Günther Dichatschek

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Afrika   
Dekolonisation und Zukunftsgestaltung im Kontext Politischer Bildung   
Vorbemerkung   
1 50 Jahre Dekolonisierung   
2 Mau- Mau Bewegung - Historie und Politische Bildung   
3 125 Jahre Widerstand in Kamerun gegen Kolonialismus   
4 Arabischer Frühling   
5 Zukunftsgestaltung des Kontinents   
6 Kritik postkolonialer Theorie   
Literaturverzeichnis   
Zum Autor   

Vorbemerkung    

Im Jahre 2010 begingen 17 afrikanische Staaten den 50. Jahrtag ihrer Unabhängigkeit vom Kolonialismus. Der Höhepunkt des europäischen Imperialismus und das Ende dieser historischen Epoche fiel mit zahlreichen Feiern zusammen. Thematisiert wurde eine kritische Bilanz der Unabhängigkeiten und der Kolonialismus ehemaliger Kolonialmächte.

Für die Politische Bildung ist der afrikanische Kontinent eine pädagogische Herausforderung, zumal im Kontext der Globalisierung und vorhandener Migrationsströme Afrika von zunehmender Bedeutung wird.

Der Gegensatz zwischen diesen Perspektiven könnte nicht größer sein. Ein Stolz für die Erreichung von Unabhängigkeit, die Erinnerung des Kampfes für Freiheit und Hoffnung auf eigenständige Entwicklung und Dekolonisierung, zunehmende Bedeutung des Kontinents in seiner Vielfalt und Vitalität.

Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen der Studie sind die Absolvierung

  • des 10. Universitätslehrganges Politische Bildung
  • des 6. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz und
  • die Auseinandersetzung mit der Fachliteratur.
Die folgenden Kapitel entsprechen dem Interesse des Autors und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Näher eingegangen wird auf die Perspektiven von 50 Jahren Dekolonisierung, die Historie der Mau-Mau-Bewegung im Kontext Politischer Bildung, 125 Jahre Widerstand in Kamerun gegen den Kolonialismus, den Arabischen Frühling in Nordafrika, die Zukunftsgestaltung Afrikas und die Kritik postkolonialer Theorien.

1 50 Jahre Dekolonisierung    

Achill MBEMBE (2012, 12-17), ein bedeutender postkolonialer afrikanischer Theoretiker der Gegenwart, stellt nach der Dekolonisation fest

  • autoritäre Restauration,
  • vorgetäuschte Mehrparteiensysteme,
  • soziale Gewalt,
  • schwelende Konflikte und offene Kriege,
  • eine Ökonomie im Sinne merkantilistisch-kolonialer Logik mit einer Begünstigung einer Ausraubung,
  • abgesehen von einigen Ausnahmen.
Im Folgenden werden die Kerngedanken von MBEMBE als Historiker, Politologe und Universitätslehrer in den USA/ Berkeley und Yale dargelegt.

In den meisten Fällen sind die Afrikaner*innen noch immer nicht in der Lage, ihr Führungspersonal frei zu wählen. Es geht um die Erhaltung von Macht auf Lebenszeit in vielen Ländern, die Kontrolle über die Bürokratie, Ökonomie und besonders die Armee, Polizei und Milizen. Diese Verhältnisse blockieren besonders im frankophonen Afrika die Entwicklung.

Fünf Tendenzen fallen auf.

  • Fehlen eines Denkens der Demokratie als Alternative,
  • Niedergang jeglicher Perspektive einer sozialen Revolution,
  • Senilität der politischen Elite mit Chaos und Bruderkriegen,
  • Einkapselung ganzer Teile der Gesellschaft, dem Wunsch Hunderter von Millionen überall zu leben, nur nicht zu Hause (Migration und Flucht) und
  • Entstehung einer Kultur der Erpressung, des blutigen Aufruhrs ohne Zukunft und Gewalt ohne ein alternatives politische Projekt mit Symbolen von Kindersoldaten, Arbeitslosen in Elendsvierteln mit blutigem Populismus.
Diese Darstellung von Tendenzen bedeutet jedoch nicht, dass es in Afrika kein gesundes Streben nach Freiheit und Gemeinwohl gäbe. Dieses Streben findet allerdings nur mit Mühe zu Praktiken, einer Bildung neuer Institutionen und einer neuen politischen Kultur statt.

Für die Demokratie in Afrika müsste sie von organisierten gesellschaftlichen und kulturellen Kräften getragen werden, von Institutionen und Netzwerken, die direkt einem demokratischen Geist, dem kulturellen Gedächtnis und der Tradition der Solidarität entspringen. Ein solches Denken muss antizipatorisch und pragmatisch sein. Dies müsste über das antikolonialistische und antiimperialistische Erbe hinausgehen.

Behindert wird eine Demokratisierung des Kontinents.

  • Zunächst durch die Härte der politisch-ökonomischen Zwänge, die Knute des Neoliberalismus, die Kämpfe nach gefälschten Wahlen und soziale Konflikte in Form von Migration, Kriminalität und allen Formen der Illegalität. Die Menschen fühlen sich ausgeliefert der Gewalt, Krankheiten, religiösen Glaubensauseinandersetzungen/ US-Evangelikalismus und islamischen Glaubenskonflikten, Formen von Magie und Phänomenen von Erleuchtungsglauben.
  • Anderseits haben die ökonomischen Zwänge das demokratische Projekt des Inhalts entleert. Es besteht die Unfähigkeit, den Zyklus der Ausraubung zu verlassen und belastet die Formen des sozialen Kampfe um das Überleben in den Elendsvierteln und den Zugang zu materiellen, kulturellen und intellektuellen Ressourcen.
  • In der Folge ist die Dekolonisation nicht nur eine afrikanische Angelegenheit und erhält eine internationale Dimension.
Frankreich hat seit 1960 kein Interesse an einer Demokratisierung, vielmehr am alten Kolonialverhältnis. Die USA widersetzt sich nicht einer Demokratisierung, allerdings forcieren private US-Institutionen in Formen von Stiftungen, Moralismus und Evangelikalismus. China weicht kaum vom Modell der Extraktionsökonomie ab. Das Beispiel Südafrika hat weder die Mittel noch den Willen und politische Ressourcen, die Demokratie außerhalb des eigenen Landes zu fördern.

Realistisch müsste ein kontinentaler "New Deal" zwischen den afrikanischen Ländern und internationalen Mächten ausgehandelt werden. Dieser "New Deal" wäre für den Wiederaufbau des Kontinents verbunden. Es ginge um eine multilaterale Einführung von finanziellen, völkerrechtlichen und ökonomisch-ökologischen und zukunftsfähigen Transformationen.

Auf dieser Ebene müsste die Frage demokratisch und ökonomischen Fortschritts in der notwendigen Breite in den nächsten 50 Jahren betrachtet werden. Als Faktoren müssen die soziale Vielfalt, Identitäten, Loyalitäten, Autoritäten und Normen berücksichtigt werden. Es bedarf einer Fantasie neuer Formen der Mobilisierung und des Leaderships in der Vielfalt des Kontinents.

2 Mau- Mau Bewegung - Historie und Politische Bildung    

Von Interesse ist die Mau-Mau Bewegung in Kenia in der Darstellung internationaler kenianischer politischer Aktivisten (vgl. Shailja PATEL 2012, 56-59).

Bis 2006 wurde die Geschichte eines Kampfes um Freiheit und Unabhängigkeit nicht aufgearbeitet. Dies ist daher die Historie, die man in der Schule nicht gelehrt und gelernt hat. In mündlicher Überlieferung wurden die Greueltaten von Überlebenden geschildert.

In der Schule wurde gelehrt, dass der Unabhängigkeitskampf friedlich erlangt ohne Blutvergießen wurde. Kenia sollte das Modell sein, an das dass restliche Afrika sich richten sollte. Ziel war eine multikulturelle Nation, in der Weiße, Asiaten und Afrikaner in Harmonie lebten.

  • Von 1952 bis 1960 organisierte man einen erbitterten Guerillakampf, den Mau Mau-Widerstand.
  • Gefordert wurde von der britischen Kolonialmacht Freiheit und Unabhängigkeit für das Land. Der Kampf war ein Unabhängigkeitskrieg.
  • Frauen spielten eine zentrale Rolle als Soldat innen und Versorgerinnen der Truppen, die sich in den Wäldern versteckten. Die Reaktion der britischen Kolonialmacht war grausam in ihrem Ausmaß.
  • Die Briten kerkerten ein, folterten und ermordeten mehr als 25 000 Frauen, Männer und Kinder. Mehr als eine Million wurden über acht Jahre in Konzentrationslagern interniert, wo Zwangsarbeit, Hungertod, Folter, Ermordungen der Alltag waren.
  • Im Kenianischen Unabhängigkeitskrieg starben weniger als 100 Weiße und mehr als 25 000 Afrikaner. Die Hälfte waren Kinder unter zehn Jahren.
Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit 1963 lebten rund 60 000 weiße Siedler in Kenia. Die neue Regierung musste sich 12,5 Millionen Pfund von der britischen Regierung leihen, um Land der Siedler, die wegziehen wollten, zurückzukaufen.

3 125 Jahre Widerstand in Kamerun gegen Kolonialismus    

Ebenfalls von Interesse für die Politische Bildung ist die Deklaration von Prinz Kum'a NDUMBE III - 22.Dezember 1884 - 22.Dezember 2009 - als legitimer Erbe der Königsinsignien vor 125 Jahren zum "Widerstand gegen den Kolonialismus" (vgl. Kum'a NDUMBE 2012, 137-139).

  • Vor 125 Jahren hat die deutsche Kolonialmacht durch militärische Gewalt und mit Strohmännern den Tangue der Bele Bele als Kriegsbeute geraubt, um ihn im Münchner Volkskundemuseum später auszustellen. Der Tangue ist die Königsinsignie der Bele Bele. Die Holzschnitzerei hat für die Küstenvölker Kameruns eine große spirituelle Bedeutung und nimmt beim Wasserfest eine zentrale Rolle ein.
  • "Ich bitte Sie, diese Fahne vom Mast herunterzuholen. Niemand hat uns gekauft. Sie wollen uns mit viel Geld bestechen, wir haben es abgelehnt. Ich bitte Sie, uns unsere Freiheit zu lassen und keine Unordnung zu uns zu bringen." Mit diesen Worten wandte sich der König der Bele Bele Kum'a Mbape am 28. August 1884 schriftlich an den deutschen Konsul.
  • In der Folge finden nach der Ablehnung durch die deutsche Kolonialmacht Kämpfe in Bonanjo, Akwa, Deido und Bonaberi statt. Die deutsche Reichsmarine bombardiert Bonaberi und stürmen mit mehr als 300 Soldaten das Gelände.
Dies ist die Geburtsstunde des Widerstandes gegen den Kolonialismus in Kamerun.

4 Arabischer Frühling    

Mohammed BOUAZIZI hat Weltgeschichte trotz großer Armut und Arbeit Tag und Nacht geschrieben. Mit einer Ohrfeige einer Polizistin begann seine Verzweiflungstat der Selbstverbrennung. Die ersten Demonstrationen in Tunesien sollten eine Protestbewegung innerhalb von wenigen Wochen von Millionen in Nordafrika bis in den Nahen Osten auslösen (vgl. SEIBERT 2021, 31-44).

Für die afrikanische Problematik in Tunesien, Libyen und Ägypten wird im Folgenden die Situation in Nordafrika angesprochen.

  • Armut, Chancenlosigkeit, Korruption, Verachtung durch die Behörden lösten die Protestbewegung im Süden Tunesiens aus. Staatschef Ben Ali bekam die Lage nicht mehr in den Griff. Mit dem Tod von Mohammed BOUAZIZI am 4. Jänner 2011 war ganz Tunesien in Aufruhr. Die Tage von Ben Ali an der Macht waren gezählt. Er und seine Familie sollen ein Milliardenvermögen zusammengerafft haben. Am 14. Jänner 2011 floh Ben Ali nach Saudi-Arabien. In Abwesenheit wurde er wegen seiner Verantwortung für den Tod von Demonstranten in Tunesien zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Im September 2019 starb er im saudischen Exil. Tunesien wurde trotz vieler politischen und ökonomischen Probleme zum einzigen Land des Arabischen Frühlings, in dem der Übergang von einer Diktatur zur Demokratie einigermaßen funktionierte.
  • Ben Alis Sturz wirkte folgenreich für die gesamte Region, weil nicht das Militär, sondern das Volk für einen Machtwechsel sorgte. Einen Monat nach em Sturz von Ben Ali kam es auch in Libyen zu ersten Protesten gegen den Staatschef Muammar Gadaffi. Anlass war ein Gewalteinsatz gegen Demonstranten in Benghazi. Schnell entwickelten sich bürgerkriegsähnliche Kämpfe zwischen den Sicherheitskräften und Aufständischen, wobei sogar die Luftwaffe eingesetzt war. In den ersten Tagen starben 300 Zivilisten. Die UNO verhängte ein Flugverbot und im März griffen britische und französische Kampflugzeuge libysche Regierungsstellen an. Folgenreich war der NATO-Einsatz auf Grund von UN-Entscheidungen. Russland und China bestärkte die Überzeugung, dass der Westen seinen Einfluss in Nordafrika ausweiten würde. Gaddafi floh aus Tripolis in der Folge und wurde bei Sirte getötet. Die späteren Auseinandersetzungen zwischen den Milzen und und verschiedensten Gruppierungen zerrissen das Land. Der Konflikt hält bis heute an und wird durch ausländische Kräfte angeheizt.
  • In Ägypten geriet durch Massenproteste Hosni Mubarak unter Druck. Bereits drei Wochen nach dem Tod Ben Alis kam es zu Demonstrationen. Auch hier war der Tod eines jungen Mannes (Khaled Said) Grund für eine Welle von Protesten, Zentrum war der Tahir-Platz in Kairo. Gefordert wurden mehr Demokratie, freie Medien und mehr Arbeitsplätze. Trotz des Rücktritts von Mubaraks 2012 kam es zu keinem Frieden. Ein Jahr später wurde Mohammed Mursi als Mitglied der Muslimbruderschaft zum Präsidenten gewählt. 2013 zwang die Armee Mursi zum Rücktritt, Abdel Fattah el-Sidi ließ die Mitglieder de Muslimbruderschaft festnehmen und wurde 2014 selbst Präsident. Damit wear in Ägypten ein Alleinherrscher aus dem Militär zur Macht gekommen.
5 Zukunftsgestaltung des Kontinents    

Zukünftige Herausforderungen für Afrika ergeben sich aus den Unabhängigkeitsbemühungen/politischen Bewegungen bzw. Parteien der entstandenen Staaten, wobei von den Kolonialmächten alles dagegen unternommen wurde (vgl. TRAORE 2012, 120-125).

Die folgenden Bewegungen entstehen in

  • Algerien FLN Nationale Freiheitsfront
  • Guinea-Cap Verde PDG/ RDA Demokratische Partei
  • Kamerun UPC Union der kamerunischen Bevölkerung
  • MPLA Angola Volksbewegung zur Befreiung Angola
  • FREMILO Mosambik Mosambikische Befreiungsfront
  • ZANU Simbabwe Afrikanische Nationalunion
  • SWAPO Namibia Südwestafrikanische Volksorganisation
  • ANC Südafrika Afrikanischer Nationalkongress
Die Unabhängigkeiten sind das Ergebnis zahlreicher Opfer der Völker, beispielhaft 1947 in Madagaskar und wenig später in Kamerun. Kolloborationen mit der ehemaligen Kolonialmacht setzten sich etwa in der Elfenbeinküste und dem Senegal durch.

Auf dem afrikanischen Kontinent entstehen unzählige politische Parteien, Gewerkschaften und NGOs mit ihren verschiedenen Zielen. Der Kampf um die Veränderung der Gesellschaft(en) ergibt eine Zersplitterung auf dem Kontinent.

Internationale Solidarität wird erforderlich, insbesondere im Kampf gegen Arbeitslosigkeit, Hunger, Seuchen, Bodenverschwendung bzw. Zerschlagung von Familienwirtschaften und nationalen Unterdrückungsmaßnahmen. Mit der Afrikanischen Union/OAS und Teilorganisationen der UNO entstehen in der Folge erste internationale Bemühungen am Kontinent.

Letztlich ist der Zustand des Kontinents in seinen regionalen Unterschiedlichkeiten von einer totalen Abhängigkeit von der Außenwelt geprägt.

6 Kritik postkolonialer Theorie    

Im Folgenden wird exemplarisch auf die Kritik postkolonialer Theorien eingegangen.

Nach der Dekolonisation in Afrika (und Asien) war die Theoriedebatte gewinnbringend. Im Mittelpunkt stand die Frage nach Dekonialisierungs- und Demokratieprozessen. Als Erfolge gelten die theoretische Herangehensweise und üblichen Vereinfachungen der Debatten um Dekolonierungsprozesse, Demokratisierung, Menschenrechte, transnationale Gerechtigkeit, internationale Arbeitsteilung, Migration und Globalisierung anzuregen.

Mit zunehmenden Problembereichen kommt es zur Kritik und Unstimmigkeiten auch innerhalb des Feldes. Die Begrifflichkeit wird ungenauer, sie bezeichnet keine spezifisch-historische Periode und klares politisches Programm. Die Diskussion geht um Regionen, Perioden, sozialpolitische Formationen und kulturelle Praktiken (vgl. VARELA-DHAWAN 2015, 285-296).

Einer der Vorwürfe gegen den Theoriebegriff ist, dass lediglich die Bedürfnisse des globalen Kapitalismus und eine westliche Ausrichtung/ Eurozentrismus vorhanden sind. Ausgrenzende Praktiken des Nordens werden kritisiert, die Produkte von Subjekten im Süden haben nur eine geringe Bedeutung (vgl. LOOMBA 1998).

Postkolonialismus sollte eher als "Studien zum Neokolonialismus" bezeichnet werden (vgl. MC CLINTOCK 1995, 391-393). Verwischt werden geopolitische Unterschiede, man denke auch an Machtbereiche wie islamische, japanische und chinesische Beispiele. Ungleiche Entwicklungen des Postkolonialismus vergleiche man mit etwa dem französischen in Algerien und dem japanischen Kolonialismus in Korea. Gefragt wird bei der Diversität des Kolonialismus, ob man von einer einzigen Erfahrung sprechen kann.

Ungeachtet der Einwände gegen die Inhalte postkolonialer Studien, geht es nur um die unhistorischen Verwendung des Begriffes "postkolonial". MC CLINTOCK führt das Beispiel des US-Imperialismus ohne Kolonien an, um den Unterschied der Imperialismusformen aufzuzeigen. Damit soll die Begrifflichkeit als unangemessen aufgezeigt werden. Ähnlich argumentiert SPIVAK (1991, 224).

Nicht nur Historiker stimmen MC CLINTOCK zu, auch SHOAT (1992, 99) als Kulturwissenschaftlerin klagt über eine Doppeldeutigkeit und merkt die Unklarheit der Bedeutung an.

Literaturverzeichnis    

Die Literaturangaben sind Anregungen zum Weiterlesen.


Afric Avenir International e.V. (2012): 50 Jahre afrikanische Un-Abhängigkeiten. Eine (selbst)- kritische Bilanz, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 1286, Bonn

El-Gawhary K. (2020): Repression und Rebellion, Wien

Fanon Fr. (1972): Für eine afrikanische Revolution, Frankfurt/M.

Kum'a Nichumbe III (2006): Wettkampf um die Globalisierung Afrikas, Berlin

Kum'a Nichumbe III (2006): Afrika ist im Umbruch. Afrika ist die Zukunft, Berlin

Kum'a Ndumbe III (2012): 125 Jahre kamerunischer Widerstand gegen den Kolonialismus, in: Afrika Avenir International, 50 Jahre afrikanische Un-Abhängigkeit. Eine (selbst)-kritische Bilanz, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 1286, Bonn, 137-139

Laurien I.(2018): Kenia. Ein Länderporträt, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 10219, Bonn

Loomba A. (1998): Colonialismen/ Postcolonialismen, London-New York

Mbembe A. (2012): 50 Jahre Dekolonisation in Afrika, in: Africa Avenir International, 50 Jahre afrikanische Un-Abhängigkeit. Eine (selbst)-kritische Bilanz, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 1286, Bonn, 12-17

Mc Clintock A. (1995). Imperial Leather. Race, Gender and Sexuality in the Colonial Contest, New York-London

Memmi A. (1966): Der Kolonisator und der Kolonisierte - Zwei Portraits, Hamburg

Osterhammel J. (2003): Kolonialismus. Geschichte-Formen-Folgen, München

Patel Sh. (2012): Mau-Mau-Geschichtsunterricht, in: Africa Avenir International, 50 Jahre afrikanische Un-Abhängigkeit. Eine (selbst)-kritische Bilanz, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 1286, Bonn, 56-59

Seibert Th. (2021): Machtkampf am Mittelmeer. Neue Kriege um Gas, Einfluss und Migration, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 10741, Bonn

Shoat E. (1992): "Notes on Postcolonial", in: Social Text 31/32, 99-113

Spivak G. Ch. (1991); Neocolonialism and the Secret Agent of Knowledge, in: Oxford Literary Review 13 (1a), 220-251

Traore T. (2012): Afrika: 50 Jahre Danach gilt es (immer noch), die Zukunft zu gestalten, in: Afrika Avenir International, 50 Jahre afrikanische Un-Abhängigkeit. Eine (selbst)-kritische Bilanz, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, 120-125

UNESCO (1979): General History of Africa, Vol. I-VIII, Paris-Oxford

Varela M. C. - Dhawan N.(2015): Postkoloniale Theorie. Eine kritische Einführung, Bielefeld

Zum Autor    

APS-Lehramt (VS-HS-PL, 1970, 1975, 1976), Schüler- und Schulentwicklungsberater/ Zertifizierung (1975, 1999), Mitglied der Lehramtsprüfungskommission für die ASPS beim Landeschulrat für Tirol (1993-2002)

Absolvent des Studiums Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/ Doktorat (1985), 10. Universitätslehrganges Politische Bildung/ Universität Salzburg-Klagenfurt/ MSc (2008), der Weiterbildungsakademie Österreich/ Wien/ Zertifizierung (2010), des 6. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg/ Diplom (2012), des 4. Internen Lehrganges Hochschuldidaktik/ Universität Salzburg/ Zertifizierung (2016), des Fernstudiums Erwachsenenbildung/ Zertifizierung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium -Comenius Institut Münster (2018), des Fernstudiums Nachhaltigkeit/ Zertifizierung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium -Comenius Institut Münster (2020)

Lehrbeauftragter am Institut für Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft/ Universität Wien/ Berufspädagogik -Vorberufliche Bildung (1990-2011), am Fachbereich Geschichte/ Universität Salzburg/ Lehramt - Didaktik der Politischen Bildung (2016/2017, 2018) -

Mitglied der Bildungskommission der Evangelischen Kirche Österreich (2000-2011), stv. Leiter des Evangelischen Bildungswerks in Tirol (2004-2009, 2017-2019), Kursleiter der VHS Salzburg -"Freude an Bildung", Zell/See, Saalfelden und Stadt Salzburg (2012-2019)


MAIL dichatschek (AT) kitz.net

 
© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 30. November 2021