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Protestbewegungen

Protestbewegungen nach 1945    

Aspekte des Protestes und von Demonstrationen in liberalen Demokratien im Kontext der Politischen Bildung    

Günther Dichatschek

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Protestbewegungen nach 1945   
Aspekte des Protestes und von Demonstrationen in liberalen Demokratien im Kontext der Politischen Bildung   
Einleitung   
1 Thesen für Gründe eines Protestverhaltens   
2 17. Juni 1953 - gescheiterte Revolution in der DDR   
3 1968 - Studentenproteste - gesellschaftliche Umbrüche der 60ziger Jahre - Aufstieg der Linken   
3.1 1968   
3.2 Schule, Universitäten - Aufstand der Bilder - Themen - Österreich   
3.3 Gesellschaftliche Umbrüche   
3.4 Politisierung der jüngeren Generation und Medien   
3.5 Aufstieg der neuen Linksbewegung   
4 Neue Soziale Bewegungen der 70ziger und 80ziger Jahre   
4.1 Neue Frauenbewegung   
4.2 Neue Umwelt- und Ökologie Bewegung   
4.3 Friedensbewegung   
5 Proteste der Migrationsgeschichte   
6 Reflexion   
Literaturverzeichnis   
IT - Autorenbeiträge   
Zum Autor   

Einleitung    

Protest ist historisch gewachsener Alltag, nicht nur in Deutschland, neue Begriffe weisen auf neue Bestandteile in der politischen Kommunikation , beispielhaft "68er", " Alternativbewegungen" und "Wutbürger"(vgl. GASSERT 2019, 11).

Schon 1996 hat Thomas BALISTIER(1996, 9) den Straßenprotest als normal angesehen, "Geruch des Provokativen, des Radikalen, des Umstürzerlerischen und Antibürgerlichen weitgehend verloren".

Beispielhaft gilt dies im deutschsprachigen Raum für Demonstrationen und Protest im Alltag für

  • das Bauprojekt "Stuttgart 21" und
  • die wöchentlichen Montagsdemonstrationen in Leipzig mit ihrer Vorbildwirkung.
Nicht zu übersehen gingen viele junge Menschen durch eine Vorbildwirkung die "Arabellion" des Arabischen Frühlings in Israel und der Türkei auf die Straßen.

Der schleichende Substanzverlust der Demokratie wird beklagt im viel diskutierten Buch "Post-Demokracy" von Colin CROUCH(2004).

1 Thesen für Gründe eines Protestverhaltens    

Von Interesse sind mögliche Gründe für ein Protestverhalten und Straßendemonstrationen, wobei das Demonstrationsrecht zur Demokratie gehört(vgl. GASSERT 2019, 14-21).

Die folgenden acht Gründe gehören zu einem Diskurs und bedürfen einer weiterführender Diskussion in der Politischen Bildung.

  • Protest ist historisch - Ereignisse in der Vergangenheit
  • Protest stiftet Sinn - Ereignis des Aufgehens in einer bestimmten Thematik und Konzentration auf eine bestimmte Thematik
  • Protest verbindet Menschen - emotionale Wirkung
  • Protest macht ein Anliegen sichtbar - öffentlich und mediale Wirkung als Form politischer Kommunikation
  • Protest weist auf gesellschaftliche Krisen und Kommunikationsdefizite hin - gesellschaftlicher Streit
  • Protest erhält Sinn - in Kombination mit der Reaktion des Establishment
  • Protestbewegungen gehören zur liberalen Demokratie - offene Gesellschaften lassen Protest zu
  • Normalisierung von Protest - Mittel des Hinweises auf eine Gesamtverantwortung.
2 17. Juni 1953 - gescheiterte Revolution in der DDR    

Stalins Tod am 5. März 1953 ließ die Hoffnung auf eine Liberalisierung entstehen, die nach Moskau zitierte SED-Führung am 9. Juni hatte mit dem "Neuen Kurs" zu reagieren und Fehler beim "Aufbau des Sozialismus" zu korrigieren. Es kam schon seit 1952 zu Protestaktionen.

  • Der 17. Juni wird in der Folge nicht als einzigartiges Ereignis gesehen, vielmehr als Teil der Durchsetzung neuer Ordnungen in Deutschland nach 1945(vgl. GASSERT 2019, 58).
  • Ohne Zweifel gehört das Ereignis zu den großen Erhebungen in der deutschen Geschichte, man denke an 1848, 1918 und 1989.
  • Die DDR schottete sich als Folge weiter ab, vertieft die Teilung und festigt die SED-Herrschaft Deutschlands, während die BRD mit dem Marshall-Plan und der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl(EGKS) 1952 sich weiter öffnete.
  • Von Interesse ist die Demonstrationskultur der DDR als staatliche Form einer Protestinszinierung zur Festigung der Macht(vgl. LINDENBERGER 2004, 120). Jährlich fanden Maifeiern, Pflichtveranstaltungen für Betriebe und Schulen sowie dem Gründungstag der DDR am 7. Oktober.
3 1968 - Studentenproteste - gesellschaftliche Umbrüche der 60ziger Jahre - Aufstieg der Linken    

3.1 1968    

1968 kam es zur Kritik an der Großen Koalition in ihrer "politischen Einfallslosigkeit", "altväterlichen Pädagogik", und "schulmeisterlichen Selbstgefälligkeit" in der BRD.

  • Mit dem Ende der sechziger Jahre kam es zum Paradigmenwechsel in der geisteswissenschaftlich ausgerichteten Pädagogik zur
  • sozialwissenschaftlichen Erziehungswissenschaft, der vermehrten Einbeziehung empirischer Erhebungen und
  • in der Folge bildungssoziologisch und kulturwissenschaftlicher Erkenntnisse in den Bildungswissenschaften.
  • Eine "realistische Wende" kennzeichnet den erziehungswissenschaftlichen Diskurs mit einer Reformwelle in den Bildungsbereichen.
3.2 Schule, Universitäten - Aufstand der Bilder - Themen - Österreich    

Der Reformstau kennzeichnet nicht nur die Schule, auch die Universitäten, "Studentenprotest" artikuliert die Anliegen der studierenden Jugend unter Einbeziehung visueller Konfrontationen, einem "Aufstand der Bilder", man beachte die vermehrte Bedeutung des Fernsehens, (vgl. KLIMKE-SCHARLOTH 2007, 11-27; GASSERT 2019, 105).

1968 wirkt stärker über das visuelle Repertoire, weniger über konkrete Inhalte.

Wesentliche Themen waren der Auschwitzprozess, eine Befreiung von sozialen Normen, die neue Frauenbewegung, koloniale und postkoloniale Verhältnisse(vgl. RUCHT 2001, VARELA-DHAWAN 2015).


In österreich wird

  • die NS-Vergangenheit artikuliert, die Aufarbeitung des Reformstaues manifestiert sich in der SP-Alleinregierung ab 1971.
  • 1993 findet am Heldenplatz in Wien die größte Demonstration Österreichs statt -"Lichtermeer" gegen Ausländerfeindlichkeit und Hetze (vgl. https://oesterreich.orf.at/v2/stories/2567688/ [30.11.2019])
3.3 Gesellschaftliche Umbrüche    

Neue Formen gesellschaftlicher Entwicklung entstehen in Deutschland und Österreich durch den Massenkunsum und eine Massenkultur.

  • Ermöglicht wird diese Entwicklung durch das Wachstum der Bevölkerung, der Wirtschaft, urbane Regionen.
  • Eine Demokratisierung der Gesellschaft zeigt sich in dem Nivellieren von Unterschieden, womit neue Möglichkeiten sich für Heranwachsende und Jugendliche, Frauen und Arbeiter sich ergeben.
  • Der Wandel in der Arbeitswelt fördert neue Lebensformen.
  • Die Emanzipation von Frauen ist nicht nur politisch, auch ökonomisch zu betrachten.
  • Kritik ergibt sich im emanzipatorischen Anspruch am Verlust von Autorität bei Eltern, der Politik, den Kirchen und öffentlichen Ordnungsfaktoren.
  • 1965 setzt Alexander MITSCHERLICH mit seiner Schrift "Unwirtlichkeit der Städte" einen Impuls gegen die Abriss-und Modernisierungsgesellschaft und auf das Gegenbild "Provinz" vs. Urbanität.
3.4 Politisierung der jüngeren Generation und Medien    

Mit der Kritik an der Konsumgesellschaft und an einer politischen Apathie kam es in der Folge zu einer Politisierung der jungen Genration und der Medienlandschaft(vgl. "Spiegel-Krise" 1962).

  • Die Einführung des Zweiten Deutschen Fernsehens(ZDF), der dritten Programme am es zur Konkurrierung im TV-Sektor.
  • Der Politisierungsschub verstärkte sich durch politische Magazin-Sendungen wie "Panorama", "Report", Monitor", "Kontraste" und den "Bericht aus Berlin"(vgl. VOGEL 2010).
  • Von pädagogischer Bedeutung wird
    • Politische Bildung,
    • Medienerziehung und in der Folge Medienbildung.
3.5 Aufstieg der neuen Linksbewegung    

Die aus dem Exil in den USA zurückgekehrte Frankfurter Schule zog Studierende in ihren Bann, erkannt wurde ein revolutionäres Subjekt sozialer Transformation(vgl. GASSERT 2019, 115- 120).

  • Der Aufstieg der Linkenbewegung in der BRD im Ausschluss des Sozialistischen Studentenbunde(SDS)aus der SPD. Abgelehnt wurde der Ausstieg aus der Friedensbewegung, der Abschied von der proletarischen Revolution(vgl. das Godesberger Programm 1959der SPD).
Zentrale Figur dieser (neuen) Linksbewegung war der Mitbegründer der KPI Antonio GRAMSCI mit seinen theoretischen Bausteinen.

    • Gramski lieferte mit seiner Idee der " kulturellen Hegemonie" wichtige Einsichten.
    • Das liberal-kapitalistische System saugt wie ein Schwamm die offene Gesellschaft auf.
Eine zentrale Beobachtung war die Absorbierung von Kritik im liberalen Kapitalismus von Theodor W. ADORNO und Max HORKHEIMER in der Schrift "Dialektik der Aufklärung"(vgl. ADORNO-HORKHEIMER 1984).

    • Mit beiden hatte das unorthodoxe marxistische Denken der Weimarer Zeit im Exil überlebt und war in den 50er Jahren nach Deutschland reimportiert worden. Die SDS-Führung wie Rudi Dutschke und Hand-Jürgen Krahl wurde mit dem Gedankengut inspiriert.
    • Die Aufklärung war laut Horkheimer und Adorno ein Aufschrei gegen Entmündigung, Versklavung im ständischen Gesellschaftswesen und ihrem ideologischen Apparat(= Christentum). Sie sei eine emanzipatorische Bewegung der rationalen Weltsicht gegen Aberglauben gewesen.
    • Im 20. Jahrhundertwandet sich die Aufklärung gegen sich selbst, weil die rein technische Rationalität neue Formen der Unterdrückung schuf, beide erklärten den Nationalsozialismus nicht als "Rückfall in die Barberrei", vielmehr als Übersteigerung eines technizistischen Fortschrittsgedankens(vgl. den Ausdruck "Todesfabriken").
    • Es dürfte auch kein Zufall gewesen sein, dass beide ihre Theorien in Los Angeles formulierten, der am weitesten zukünftigen Metropole der USA, mit einer dominierenden Konsumgesellschaft bereits in den 1940ger Jahren.
Zur Bekenntnisschrift der deutschen studentischen Bewegung um 1968 wurde Herbert MARCUSE Hauptwerk "Der eindimensionale Mensch" '''. Marcuse gehörte auch zu den deutsch-jüdischen Flüchtlingen der NS-Zeit. Er sprach den studentisch-bewegten "Neulinken" mehr dem Herzen.

    • In westlichen Konsumgesellschaften erfolge Herrschaft nicht mehr über eine direkte Ausbeutung der Massen. Er sprach von "repressiver Toleranz", wonach in der Moderne alles möglich sei, aber dadurch erst recht eingeschränkt würde. Das Gift des Konsums betäube die Menschen, lass sie funktionieren. Glück werde immer mehr zur Ware.
    • Arbeiter sind nicht mehr Subjekte der neuen Linksbewegung. Die Konsumgesellschaft mit ihren Errungenschaften hat sie vereinnahmt. Daher müssten die neuen Schichten diese Aufgaben übernehmen. Die französischen Industriesoziologen Andre GORZ UND Alain TOURAINE kamen zum Schluss, dass es der neuen Klasse weniger um Mitbestimmung, vielmehr um kulturelle und gesellschaftliche Fragen gehe(vgl. HORN 1968, 351-371).

Schlüsselworte dieser Entwicklung waren "Partizipation", "Emanzipation", "Demokratisierung" im kulturrevolutionären Sinn.

    • Ziel war eine partizipatorische Demokratie,
    • politisch zielte das auf ein Teilhabe der Bürger an Entscheidungsprozessen im Gegensatz zur patriarchalischen gedachten repräsentativen Demokratie in der das Regieren in Institutionen betont wurde(vgl. SCHMIDT 2008, 251-252).
    • Damit strebte man eine Politisierung der Gesellschaft an, in der sch die Subjekte im politischen und sozialen Sinn von Fremdbestimmung und Kontrolle befreiten. Dieses institutionsskeptische Verständnis brache neue Formen sozialert Bewegung mit sich.
Betont wurden nun "postmaterialistische Werte" wie Lebensqualität, Selbstverwirklichung, soziale Sicherheit.

Gesamtgesellschaftliche Zielprojekte bildeten sich in der Folge in Verbesserungen in den Bereichen Umwelt, Frieden und Frauen.

4 Neue Soziale Bewegungen der 70ziger und 80ziger Jahre    

Die idealtypischen Abgrenzungen von den Klassischen Parteien, Verbänden und Gewerkschaften gehört zum Selbstverständnis der Aktivisten(innen)(vgl. RUCHT 2001).

4.1 Neue Frauenbewegung    

Sie ging aus der Mitte von 1968 hervor, Voraussetzung waren die sozioökonomischen Umbrüche in den sechziger Jahre (vgl. GASSERT 2019, 139-145).

  • die Frauen Spielräume außerhalb der klassischen Familienstrukturen eröffneten,
  • so gut wie alle Bildungschancen und damit bestehen mehr Chancen außerhalb der Reichweite der bisherigen Frauenberufe,
  • in der Folge entstehen neue Rollenbilder und bürgerliche Rollennormen werden überholt.
  • allerdings ging kein völliger Abbau rechtlicher Diskriminierung einher.
  • eine wichtige Quelle der neuen Frauenbewegung war der Kampf gegen den Paragraphen 218(STGB), die Kriminalisierung der Abtreibung, als Kampf um Selbstbestimmung.
4.2 Neue Umwelt- und Ökologie Bewegung    

Mit der Bezeichnung "neue" Bewegung wird eine ideologische Setzung vorgenommen.

Ein moderner Ökologiegedanke wird durch Rachel CARSONs "Silent Spring"(1962) gefördert und angesprochen.

Ein Wandel der gesellschaftlichen Wahrnehmung setzte durch den Bericht des Club of Rome 1972 "The Limits to Growth" ein. Dieser Bericht argumentiert, dass Schäden nicht einfach durch technische Lösungen behoben werden können.

  • In einer breiten Öffentlichkeit verfestigt sich die Vorstellung komplexer ökologischer Zusammenhänge, ökologisch wird ein Schlüsselbegriff(vgl. RADKAU 2011 spricht sogar von einer "Ära der Ökologie"; GASSERT 2019, 147).
  • Der Aufstieg der Ökologie und des Umweltbewusstseins in den westlichen Ländern relativiert den wirtschaftlichen Boom, jedenfalls die begrenzten Ressourcen.
  • Verstärkt wird dies 1973 durch die Bedeutung des Ölpreisschocks(vgl. den Zusammenhang mit dem israelisch-arabischen Yom-Kippur-Krieg; GRAF 2014).
  • In einer "Entweder-Oder-Diskussion" wurde über Atomenergie gestritten, Umweltthemen wurden Dauerbenner(vgl. in Österreich die Volksabstimmung über das fertiggestellte AKW-Zwentendorf 1978).
In den achtziger Jahren wird die Thematik mit der parteipolitischen Institutionalisierung der "Grünen" von Umwelt und Frieden eng verbunden, Protestbewegungen waren normalisiert.

4.3 Friedensbewegung    

1979 setzen die großen Friedensproteste mit der größten Protestmobilisierung in der alten BRD ein. Der Widerstand richtete sich gegen den NATO-Doppelbeschluss und die atomare Nachrüstung als Reaktion auf die sowjetische SS-20-Rüstung.

  • Die Breitenwirkung der Friedensbewegung erklärt sich durch die ideologisierte Friedensthematik(vgl. der IT-Autorenbeitrag "Friedenslernen").
  • Die Friedensbewegung der achtziger Jahre hatte ihr politisches Ziel genauso wenig erreicht wie die Bewegung 1968.
  • Allerdings griff man in der Folge in der politischen Diskussion die Themen Frieden, NS-Vergangenheit, Westbindung, das Verhältnis zu den USA und zur "Dritten Welt" verstärkt auf.
  • Die Folgen der entstandenen Normalisierung von Straßenproteste konnte man in der friedlichen Revolution von 1989/1990 in der DDR erkennen.
5 Proteste der Migrationsgeschichte    

Fremden- und ausländerfeindliche Proteste sowie rassistische Ausschreitungen, Konflikte um Asyl, Einwanderung und Migration wurden selbstverständlicher Teil der Protestgeschichte in Deutschland(vgl. GASSERT 2019, 242).

Mit der Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte waren sich die Verantwortlichen im Klaren, dass de facto Einwanderung erfolgte, damit würde man sich Integrationsprobleme schaffen (vgl. SCHÖNWÄLDER 2001).

  • Frühe Gastarbeiter lebten zunächst in den gleichen Lagern und Baracken, die im Zweiten Weltkrieg für Zwangsarbeiter(innen) errichtet wurden und in denen zwischenzeitlich Volksdeutsche und Heimatvertriebene untergebracht wurden.
  • Ungeachtet der sozialen und kulturellen Unterschiede hatten einige die migrantischen Gemeinschaften mit Ausnahme von Italien bezogen sich die meisten Anwerbeabkommen auf politisch unfreie unfreie Länder, Spanien, Griechenland, Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und Jugoslawien.
Ungeachtet der Entwicklungen nach 1945 waren Deutschland und Österreich auch im 19. und früheren Jahrhunderten Länder mit Zuwanderung und Auswanderungsbewegungen.

Migrationspolitische Realitätsverweigerungen(vgl. GASSERT 2019, 247-251) wirken sich auf die historische und sozialwissenschaftliche Darstellung von Protest aus, damit sind sie für die Politische Bildung von Interesse.

  • Nach 1945 spielt die Thematik kaum eine Rolle. Der Kontext von Migration Einwanderung und sozialem Protest haben eine gewisse Bedeutung im Kontext von Gastarbeiterprotesten 1973(vgl. BIRKE 2007).
  • Eine Ablehnung der Einwanderungsgesellschaft als Thema der Abwehr der Migration mit fremdenfeindlichen Bewegungen in den frühen neunziger Jahren wird als politischer und sozialer Protest gesehen(vgl. STEUWER 2014, 167-187).
  • Migrantischen Aktivismus ignoriert selbst die "Enzyklopädie Migration in Europa"(vgl. GOEKE 2014, 160- 182).
6 Reflexion    

Der Protest als soziale und kommunikative Form einer

  • Bewältigung von Krisen und Transformationsprozessen mit Sinnstiftung.
  • Protest scheint weniger Motor als Resonanzraum gesellschaftlichen Wandels zu sein(vgl. GASSERT 2019, 273).
Proteste sind jeweils Ausdrucksformen eines Unbehagens ihrer Zeit und ihrer Gesellschaftsform, ihr Repertoire sind mehr oder weniger fest, Märsche, Versammlungen, Streiks und Besetzungen.

  • In der Hochmoderne mit dem Ende des 19. Jahrhunderts bildeten sich geordnete Verfahren des Ablaufes, es entstanden in der Folge Organisationen wie sozialdemokratische Parteien und Gewerkschaften.
  • In der Postmoderne werden Proteste oft als Projekte mit bestimmter Zielsetzung gesehen, Netzwerke oder im digitalen Bereich ergeben sich Phänomene mittlerer Dauer. Im Falle der Grünen in der BRD bildete sich eine Institution mit Parteicharakter.
Literaturverzeichnis    

Angeführt sind jene Titel, die für den Beitrag verwendet und/oder direkt zitiert werden.


Adorno Th. W.-Horkheimer M.(1984): Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Frankfurt/M.

Dichatschek G.(2017): Didaktik der Politischen Bildung. Theorie, Praxis und Handlungsfelder der Fachdidaktik der Politischen Bildung, Saarbrücken

Dirim I.-Gogolin I.-Knorr D.- Krüger-Potratz M.- Lengyel D.-Reich H.H.-Weiße W.(Hrsg.)(2015): Impulse für die Migrationsgesellschaft. Bildung, Politik und Religion, Münster-New York

Balistier Th.(1996): Straßenprotest, Formen oppositioneller Politik in der Bundesrepublik Deutschland, Münster

Birke P.(2007): Wilde Streiks im Wirtschaftswunder, Arbeitskämpfe, Gewerkschaften und soziale Bewegungen in der Bundesrepublik und Dänemark, Frankfurt/M.

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Crouch C.(2004): Post-Democracy, Cambridge

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Horn G.-R.(1998): The Changing Nature of the European Working Class, in: Fink C., Gassert Ph.-Junker D.(Hrsg.): 1968, the World Transformed, New York, 351-371

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Lindenberger Th.(2004): "Gerechte Gewalt", Der 17. Juni 19053 - ein weißer Fleck in der historischen Protestforschung, in: Bispinck H. u.a.(Hrsg.): Aufstände im Ostblock. Zur Krisengeschichte des realen Sozialismus, Berlin, 113-130

Marcuse H.(1967): Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, Neuwied

Radkau J.(2011): Die Ära der Ökologie. Eine Weltgeschichte, München

Rucht D.(Hrsg.)(2001): Protest in der Bundesrepublik. Strukturen und Entwicklungen, Frankfurt/M.

Schönwälder k:(2001): Einwanderung und ethnische Pluralität. Politische Entscheidungen und öffentliche Debatten in Großbritannien und der Bundesrepublik von den 1950ger Jahren bis zu den 1970ger Jahren, Essen

Steuwer J.(2014): Fremde als "Problem". Skizze des Framing der fremdenfeindlichen Bewegung der frühen 1990ger Jahre, in: Mittag Stadtland 2014, 167-187)

Schmidt E. (2008): Arbeiterbewegung, in: Roth R./Rucht D.(Hrsg.): Die sozialen Bewegungen in Deutschland seit 1945, Ein Handbuch, Frankfurt/M. 2008, 157-186

Sedlmaier A.(2018): Konsum und Kritik. Radikaler Protest in der Bundesrepublik, Frankfurt/M.

Varela do Mar Castro M. - Dhawan N.(2015): Postkolonale Theorie - Eine Kritische Einführung, Bielefeld

Vogel M.(2010): Unruhe im Fernsehen. Protestbewegungen und öffentlich-rechtliche Berichterstattung in den 1960ger Jahren, Göttingen

IT - Autorenbeiträge    

Die Autorenbeiträge dienen der Ergänzung der Thematik


Netzwerk gegen Gewalt

http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index:

Politische Bildung

Interkulturelle Kompetenz

Migration in Österreich

1968-2018

Friedenslernen

Populismus

Menschenbilder

Vorberufliche Bildung in Österreich

Erwachsenenbildung

Zum Autor    

Lehramt für allgemeine Pflichtschulen; Absolvent des Instituts für Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck,/Doktorat, der Universitätslehrgänge Politische Bildung/MSc und Interkulturelle Kompetenz/Universität Salzburg-KLagenfurt, der Weiterbildungsakademie Österreich/Wien; Lehrbeauftragter, Erwachsenenbildner


MAIL dichatschek (AT) kitz.net

 
© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 1. Dezember 2019