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Freizeitwissenschaft

Freizeitpädagogik    

Theorie und Praxis im Kontext Politischer Bildung    

Günther Dichatschek

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Freizeitpädagogik   
Theorie und Praxis im Kontext Politischer Bildung   
Vorbemerkung   
1 Begriffsbestimmung   
1.1 Freizeitumfang - Funktionen   
1.2 Zeitautonomie   
1.3 Zeitflexibilisierung   
2 Lernen und Bildung   
2.1 Freizeitkompetenz   
2.2 Bildungsmöglichkeiten   
3 Kultur   
3.1 Begrifflichkeit   
3.2 Kulturbereiche   
3.3 Kulturverständnis   
4 Sport und Gesundheit   
4.1 Sport   
4.2 Gesundheit   
4.3 Sportethik   
5 Shopping und Gastronomie   
5.1 Shopping   
5.2 Gastronomie   
6 Ökologie und Nachhaltigkeit   
6.1 Nachhaltigkeit als Prinzip   
6.2 Problemfelder und Dimensionen   
6.3 Auswirkungen und Konflikte   
6.4 Handlungsmöglichkeiten   
Literaturverzeichnis   
IT- Autorenbeiträge   
Zum Autor   

Vorbemerkung    

Als junge Disziplin findet sie in der Freizeitpädagogik als Teildisziplin der Erziehungswissenschaft ihre Grundlage (vgl. FREERICKS-HARTMANN-STECKER 2010, 1).

Freizeitdidaktische Herausforderungen in den vielfältigen und offenen Angebotstrukturen und dem Prinzip der Freiwilligkeit in der Freizeit bilden das besondere Interesse. Aus der Bedeutung hat sich ein beachtlicher Marktanteil entwickelt.

Der Wirtschaftsfaktor bietet in seiner Vielfalt Zukunftschancen (vgl. OPASCHOWSKI-PRIES-REINHARDT 2006). Angesichts der Menge von Freizeiterfahrungen und vielfältigen Lebensstile entstehen ständig höhere Anforderungen an die Anbieter.

Ausgangspunkt ist die Absolvierung des

  • Studiums der Erziehungswissenschaft (1985),
  • Universitätslehrganges Politische Bildung (2008),
  • Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz (2012),
  • Fernstudiums Nachhaltige Entwicklung (2020) und
  • Auseinandersetzung mit der Fachliteratur.
Die Studie beruht auf persönlichem Interesse bei Fragestellungen zur Lösung von Freizeitproblemen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Gliederung ergibt sich aus der Vorbemerkung und sechs Kapiteln der Begriffsbestimmung, dem Lernen und Bildung, der Kultur, dem Sport und Gesundheit, dem Shopping und Gastronomie, der Ökologie und Nachhaltigkeit im Kontext Politischer Bildung.

1 Begriffsbestimmung    

Die folgenden Themenfelder stehen im Zentrum der Studie. Bezugswissenschaften für die Problemfelder sind die Erziehungswissenschaft, Soziologie, Psychologie, Wirtschaftswissenschaft, Ökologie und Politologie mit einem handlungsorientierten Anteil, es ergibt sich ein interdisziplinärer Ansatz.

Ziel ist die Förderung von Lebensqualität (vgl. OPASCHOWSKI 2008, 323).

Freizeit ergibt sich aus ihrer Entstehung.

  • Als modernes Phänomen ist sie das Produkt einer neuen Organisation des Alltages.
  • Der Begriff verweist auf die spezifische Form arbeitsfreier Zeit, die es in der Vormoderne nicht gab und beruht auf der Trennung von Arbeit und Alltagsleben, damit der Begrenzung der Erwerbsarbeit ( vgl. FROMME 2001, 610; FREERICKS-HARTMANN-STECKER 2010, 19-20). Damit verbunden ergibt sich ein Wandel des Arbeitsbegriffs und Zeitbewusstseins. Freizeit wird hier negativ als Nicht-Erwerbsarbeit bestimmt.
  • Nach FREERICKS-HARTMANN-STECKER (2010, 20-21) gibt es erste Ansätze einer Freizeit bereits in der Reformation als Folge einer religiös-kirchlichen Revolution. Der Anspruch einer Gegenreaktion nach einer nicht reglementierten Gegenwelt ergibt private Neigungen, Selbstbestimmung und Freiheit auf eine Zeit.
  • Mit der protestantischen Berufsethik und in der Folge dem modernen Kapitalismus ändert sich die Qualität von Arbeit. Das Mußemonopol des Adels wird abgelöst von einer neuen bürgerlichen Freiheit der Arbeit. Die feudale Abhängigkeit wird nun von der Abhängigkeit von (Arbeits-)Markt ersetzt.
  • Erweitert wird der Gegensatz von Arbeitszeit und Freizeit um die "Halbfreizeit", die als Zeit für physiologische Notwendigkeiten wie den Schlaf, das Essen und eine Erholung erweitert wird.
  • Weitere Ansätze einer Unterscheidung von Arbeit und Freizeit ergeben sich aus dem Kontrast zur Arbeit (Kontrasttheorie), der Freizeit als arbeitsähnlichen Lebensbereich (Kongruenztheorie) und aus unabhängigen Lebensbereichen wie der Erholung oder Kompensationszeit (Erholungstheorie).
  • mit dem Konzept der Aufklärung und "europäischen Freiheitsidee" kommt die Freiheit über die Zeit (vgl. NAHNRSTEDT 1990, 83). Die Fähigkeit zur selbstbestimmten Gestaltung wird als erziehungswissenschaftliche Perspektive ein zentrales Lernziel
  • Die Entstehung der Freizeit wird mit den sozialpolitischen Errungenschaften der Gewerkschaften in der Auseinandersetzung um eine Arbeitszeitverkürzung und in der Folge der Trennung von Wohn- und Arbeitsbereich angesetzt (vgl. LANGE 2004 zur Historischen Politischen Bildung).
1.1 Freizeitumfang - Funktionen    

Mit Beginn der Industrialisierung gab es den 16 Stunden-Tag mit der Konzentrierung auf die Arbeit auf das ganze Leben. Nur der Sonntag war arbeitsfrei.

Mit der Kürzung der Arbeitszeit wurde die Freizeit relevant im sozialen Alltag. In der Zwischenkriegszeit wurden der 8-Stundentag und die 48-Stundenwoche gesetzlich geregelt. Um 1950 erfolgte schrittweise die 5-Tagewoche, 1965 die 40-Stundenwoche und um 1990 die 38-Stundenwoche je nach Branche eingeführt.

Die Freizeit entwickelte sich zu einem individuellen und gesellschaftlichen Lebensbereich. Krisenhafte Entwicklungen wie Arbeitslosigkeit, die Finanzkrise und aktuell die Coronakrise weisen auf neue Formen der Verbindung von Arbeit und Freizeit hin. Als Leitziel wird die Selbstbestimmung und Emanzipation bestimmt.

Funktionen bilden nunmehr die Freizeit als

  • Eigenzeit für persönliche Zeiten,
  • Sozialzeit für gesellige Aktivitäten und Engagement in und für die Gemeinschaft sowie als
  • Bildungszeit für weiterbildende und kulturelle Aktivitäten.
  • Eine Erweiterung erfährt die Freizeit als Konsumzeit, Aktivzeit, Medienzeit und Eigenzeit (vgl. OPASCHOWSKI 1995, 52-54).
1.2 Zeitautonomie    

Nach der Verfügbarkeit über Zeit und Entscheidungs- und Handlungsfreiheit lässt sich die Lebenszeit als Einheit von drei Zeitabschnitten einteilen (vgl. OPASCHOWSKI 1990, 86; MÜLLER 2002).

  • Dispositionszeit als freie Zeit mit Selbstbestimmung > hohe Zeitautonomie (Lesen, TV, Veranstaltungen und Treffen)
  • Obligationszeit als gebundene Zeit mit Zweckbestimmung > mittlere Zeitautonomie (Schlafen, Erwerbsarbeit, Vereinsarbeit) und
  • Determinationszeit als festgelegte und abhängige Zeit und Fremdbestimmung > geringe Zeitautonomie (Schule, Militär, abhängige Beschäftigung)
Die Begriffsbestimmung wird einem demokratischen Anspruch für alle Bevölkerungsgruppen und einer Zeitflexibilisierung gerecht (vgl. FREERICKS-HARTMANN-STECKER 2010, 25). Das Konzept bietet einen zeittheoretischen Ansatz für freizeitpädagogische Analysen.

1.3 Zeitflexibilisierung    

Bereits in den neunziger Jahren waren ein hoher Anteil der Beschäftigten in flexiblen Arbeitszeitstrukturen beschäftigt. Zudem arbeiten immer weniger Menschen in festen und langfristigen Anstellungen.

Flexibilität und Mobilität werden als Schlüsselkompetenzen am Arbeitsmarkt gefordert. Die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit verwischen, man denke nur an die mitunter schwer definierbare Wochenendfreizeit. Die Freizeit im Wochenlauf kann auch an einem beliebigen Wochentag liegen, je nach Situation der wöchentlichen Arbeitszeit.

Damit entwickelt sich eine neue Zeitkultur wie Gleitzeit, Teilzeit, Schichtarbeit und etwa im "Sabatical Year". Veränderte Bedürfnislagen ergeben sich zwangsläufig, Öffnungszeiten von Geschäften und Schulen wie Halbtagsschulen, Ganztagsschulen und Einrichtungen mit erweiterten Angebotszeiten ebenso in Kultur-, Weiterbildungs-, Freizeit- und Sporteinrichtungen. Medien senden Tag und Nacht. Man denke an die "Lange Nacht der Museen" und ähnliche Veranstaltungsmuster.

Daraus ergeben sich neue Bedürfnisse für die Freizeit, in der Kultur und im sozialen Bereich (vgl. DOLLASE-HAMMERICH-TOKARSKI 2000).

2 Lernen und Bildung    

Lernen und Bildung findet in der Freizeit in pädagogischen Einrichtungen wie der Schule, Jugendheimen, Institutionen der Erwachsenenbildung und in freizeitpädagogischen Einrichtungen wie Jugendfreizeitstätten, Museen, Kurbetrieben oder Vereinen und Einrichtungen von Freiwilligenorganisationen statt. Zumeist ergänzen sie sich bei Ansätze gegenseitig.

2.1 Freizeitkompetenz    

Eine sinnvolle Freizeitkompetenz in Verbindung mit dem Ziel, Zeit erfüllt zu erleben, umfasst Lernangebote, das Gelernte für den Alltag und ggf. Berufstätigkeit oder für ihre Freizeit verwenden zu können (vgl. GIESECKE 1983, 129).

Pädagogen als "Lernhelfer" sollen für jede Altersgruppe Lernen ermöglichen (vgl. GIESECKE 1997, 15). Unterschieden werden in der Folge fünf pädagogische Handlungsformen je nach Situation und beruflichem Kontext wie Unterrichten, Informieren, Beraten, Arrangieren und Animieren.

Es versteht sich, dass damit dem tertiären und quartären Bildungsbereich heute zunehmend Bedeutung zukommt. Zu beachten sind zunehmend die nachhaltige Vermittlung von Wissen und Kompetenzen und eine Veränderung von Handeln im Kontext der Organisation von Vorkenntnissen (vgl. WAHL 2020) .

Handlungsleitend für ein pädagogisches Handeln in der Freizeit müssen die didaktischen Strukturmerkmale von Freizeit und Fachpädagogik sein.

  • Zu gewährleisten sind eine Erreichbarkeit, Offenheit und der Aufforderungscharakter des Angebots.
  • Nach OPASCHOWSKI (1990, 99) bedeutet dies eine einplanbare Teilnehmerzahl, Freiwilligkeit der Teilnahme, Verweildauer und Teilnahmeintensität, der Erwartungen, Interessen, Altersgruppen und sozialen Herkunft der Teilnehmenden sowie eine Veränderung der spontanen Bedürfnisse (vgl. HUFER 2016, 83-95)
2.2 Bildungsmöglichkeiten    

Die Freizeit verändert Bildungsmöglichkeiten und schafft neue Lernräume (vgl. POPP 2005, 255-266).

  • Hintergrund ist das verstärkte pädagogische und politische Interesse am informellen Lernen außerhalb formaler Bildungsräume und Abschlüsse.
  • Aktuell läuft die Diskussion um eine Einrechenbarkeit in Zertifizierungen in der quartären Erwachsenenpädagogik ( vgl. Validierung von Kompetenzen).
  • Dieses weite Lernverständnis wird mit Begriffen wie "Entgrenzung des Lernens", "Neue Lernkultur" und "Selbstgesteuertes Lernen" umschrieben.
  • Grundlage ist ein konstruktivistischer Lernbegriff (vgl. KIRCHHÖFER 2004; ARNOLD-NUISSL-ROHS 2017, 101-104). Lernen ist demnach ein aktiver, konstruktiver Prozess, der dem Lernenden die eigene Lebenswelt erschließt. Interessen, Emotionen und Kontexte spielen eine Rolle und führen zu individuellen Lernwegen und Lernergebnissen.
Für die Freizeitbildung ergibt sich ein Rahmen als

  • Bildung in der Freizeit mit Angeboten in Bildungswegen,
  • Bildung für die Freizeit mit differenzierten Programmen wie etwa Nordic Walking, Segeln, Tauchen oder Fliegen und
  • freizeitgemäße Bildung mit Wecken von Interessen, Animation und Lernen mit allen Sinnen.
Chancen einer Freizeitbildung ergeben sich in einer Vielzahl von Lernorten, Flexibilisierung von Lernzeiten, Vielzahl von Sinnen in den Lernformen, Alltäglichkeit von Lerninhalten und Demokratisierung von Lernzielen wie Offenheit und Selbststeuerung sowie Motivstrukturen wie Erholung, Unterhaltung, Kommunikation und Konsum.

3 Kultur    

3.1 Begrifflichkeit    

Der Kulturbereich macht einen wesentlichen Teil der Freizeitwirtschaft aus. Nach HANSEN (2003, 11-13) unterscheidet man vier Varianten des Kulturbegriffs.

  • Kreativität und Kunst - Kulturbetrieb
  • Form der Lebensart - Kultiviertheit vs. Zivilisation
  • Gewohnheiten bestimmter Gruppen und Bereiche - Jugendkultur, Freizeitkultur
  • Ergebnis von Tätigkeiten - Monokultur, Kulturlandschaft, Bakterienkultur
Kultur bezieht sich auf ein umfassendes Ganzes. Der erweiterte Kulturbegriff umfasst menschliches Leben und Arbeit, Wohnen, körperliche und geistige Fähigkeiten, Verbringen seiner Freizeit und Beziehungen zu anderen Menschen (vgl. GAU 1990). Bedeutung hat die Alltagskultur und institutionelle Kultur wie Theater, Oper, Konzerte und Museen.

3.2 Kulturbereiche    

Für eine Vergleichbarkeit hat die UNESCO 1986/2007 Rahmenrichtlinien in Form des "Framework for Cultural Statstics" geschaffen.

Es ergibt sich eine Abgrenzung von Kulturbereichen länderspezifisch mit fünf Kernbereichen und einem Randbereich (vgl. UNESCO 2007 > The 2009 UNESCO Framework for Cultural Stastics [Entwurf]).

  • Kultur- und Naturerbe,
  • Aufführungen und Feste,
  • Bildliche Kunst,
  • Kunsthandwerk und Design,
  • Bücher und Presse sowie
  • Audiovisuelle und digitale Medien.
  • Randbereich: Tourismus, Sport und Freizeit
3.3 Kulturverständnis    

Das Kulturverständnis hat sich ab den siebziger Jahren in der Hoch- und Populärkultur verändert, Folge ist eine "Integrationskultur" aus der Elite- und Unterhaltungskultur (vgl. FREERICKS-HARTMANN-STECKER 2010, 198-199).

Von Interesse ist die Förderung durch öffentliche Haushalte für Theater und Musik, kulturnahe Bereiche, Museen und Ausstellungen, Bibliotheken, Kulturverwaltung, Kunsthochschulen, Denkmalschutz, kulturelle Angelegenheiten im Ausland und Filmförderung.

4 Sport und Gesundheit    

Im Folgenden wird auf die Überschneidung von Sport und Gesundheit in der Freizeit und Fragen der Sportethik eingegangen.

4.1 Sport    

"Sport" wurde in den zwanziger Jahren wie viele Sportausdrücke aus dem Englischen in den deutschen Wortschatz übernommen. Bezeichnet wird eine planmäßige Körperschulung und Betätigung. Die englische Bezeichnung von "sport" bedeutet Zerstreuung, Vergnügen, Zeitvertreib und Spiel.

Grundlage des Sports sind ursprünglich körperliche Aktivität, spielerisches handeln, Leistungsprinzip, soziale und ethische Werte (vgl. FRTEERICK-HARTMANN-STECKER 2010, 217).

Sport ist ein heterogenes Gebilde. Es gibt einen aktiven und passiven Konsum. Der Sport hat am Freizeitmarkt einen hohen Konkurrenzdruck mit dem Medienkonsum und der Eventkultur zu bestehen.

KRÜGER-DREYER (2004, 5-22) untersuchten die Struktur des Sports und kamen zur 40-20-40 Formel, 40 Prozent betreiben Sport, 20 Prozent interessieren sich für den Sport, 40 Prozent haben kein Interesse. Bemerkenswert in der Untersuchung ist der konstante Anteil der Gelegenheitssportler.

Von Interesse sind die einzelnen Sportarten mit der aktiven Betätigung wie etwa Fußball, Wintersport, Tennis, Turnen, Leichtathletik, Handball, Wandern/Walken, Schwimmen und Radfahren.

Geschlechtsspezifisch bleibt das Radfahren bei beiden Geschlechtern bevorzugt. Bevorzugte "Frauensportarten" sind Reiten und Turnen, dagegen "Männersportarten" Boxsport und Ringen. Zunehmend gibt es und bilden sich "neutrale" Sportarten.

Motive für den Sport sind die deutliche Überschneidung mit einem Gesundheitsbezug mit zunehmendem Alter. Geselligkeitsaspekte spielen eher eine geringere Rolle.

Trends gehen weg vom normierten Spiel wie Streetball und Beachvolleyball. Risikoreichere Trendsportarten sind Mountainbiking, Inline-Skating, Snowboard, Gleitschirmfliegen und Riverrafting. Sie grenzen sich vom mittelfristigen Verbreitungspotential ab (vgl. STUMM 2004, 427-444).

TV-Sportarten bilden Fußball, Motorsport, Leichtathletik, Skisport und Boxen.

Veranstaltungsorte haben sich an die Anforderungen des modernen Mediensports angepasst. Die neuen Arenen für einen "Zuschauersport" werden privatwirtschaftlich betrieben, haben keine Kampfbahn und Stehplätze mehr.

4.2 Gesundheit    

Die Thematik durchDringt fast alle Lebensbereiche wie die Ernährung, Bekleidung bis zum Urlaub und natürlich Sportaktivitäten.

Einstellungen zur Gesundheit unterscheidet sich in

  • kritische Interessierte,
  • aktive Sportler,
  • sorglose Sportler,
  • Minimalisten und
  • passive Zauderer.
Der Bewegungsmangel und die Forderung nach sportlichen Aktivitäten weisen auf eine Nutzung der Chancen der Erkenntnisse aus der Sport- und Gesundheitswissenschaft bzw. Sportmedizin.

4.3 Sportethik    

Als angewandte Ethik befasst sie sich mit den moralischen Aspekten des Sports.

  • Themen sind etwa Fairness, Regeln und Normen (vgl. PAWLENKA 2004, 10).
  • Die Beantwortung der moralischen Frage hängt vom persönlichen Selbstverständnis ab.
  • Der Wettkampfsport kennzeichnet sich anders durch eindeutige Regeln und kaum eine Rollenfestlegung.
  • Im Gesundheitssport und Freizeitsport spielt jeweils der Wertkanon des jeweiligen gesellschaftlichen Umfeldes eine Rolle.
  • Zu unterscheiden ist das moralisch richtige Handeln auf der Akteursebene (Sportler, Trainer, Betreuer) und Institutionsebene (Sportstruktur).
Die Rolle des Sports in der Gesamtgesellschaft betrifft etwa Umweltfragen, Körperkultur und die Legitimation des Sports in der Öffentlichkeit und in den Medien.

Daraus ergeben sich Problemfelder wie die Zunahme von Gewalt als Foulspiel, Zuschauerkrawalle und Betrugshandlungen in Form von Doping und Rundenabsprachen.

Aktuell findet das Rollenethos von Trainern eine Beachtung.

Sport ist das Abbild und Spiegelbild der Gesellschaft. Kennzeichen sind die nationale und internationale Sportpolitik, Ökonomisierung, Medialisierung und Leistungsoptimierung (vgl. das pädagogische Prinzip Leistungsprinzip vs. Sozialprinzip).

5 Shopping und Gastronomie    

Shopping und der Gastronomiebesuch stehen ganz oben auf der Beliebtheitsskala der Freizeitaktivitäten.

5.1 Shopping    

Zu unterscheiden ist zwischen Versorgungs- und Erlebniseinkauf. Einmal geht es um den Einkauf von lebensnotwendigen Gütern, zum Anderen steht der Vergnügungsaspekt als Erlebniseinkauf im Vordergrund (vgl. WIDMANN 2006, 16).

  • Zu beachten sind die fließenden Übergänge und Überlappungen verschiedenen Motive.
  • Es geht um Spontaneität, Ziellosigkeit, sich treiben lassen, eine attraktive Umgebung, große Produktpalette, Vielfalt in der Gastronomie und Auswahl der Destination.
  • Klassische Orte des Erlebniseinkaufs sind die die Innenstädte mit ihren historischen Stadtkernen.
  • Daneben sind die kleinen Städte mit Handwerkstradition, landwirtschaftlichen Produkten und auch Shopping-Center mit großflächigen Versorgungseinrichtungen, Fachgeschäften, Dienstleistungsbetrieben und einem räumlichen Angebot von Gastronomie (vgl. WIDMANN 2006, 27-29).
  • Neue Orte sind die "Urban Entertainment Center" als großflächige Einkaufszentren mit Freizeit- und Vergnügungsparks. "Brand Lands" gelten als Orte der Image-Kommunikation von Betrieben, etwa die BMW-Welt in München oder das Legoland Günzberg (vgl. WIDMANN 2006, 37-39).
  • "Cross-Border-Shopping" als Sonderform für den grenzüberschreitenden Einkauf mit landesspezifischen Angeboten, wobei die EU-Binnengrenzen zur Nivellierung der Preise und Angebote beitragen.
Zentrale Merkmale der vielen Formen bilden eine Multifunktionalität, ausgeprägte Freizeitorientierung und Convenience als einheitliche Steuerung und Vernetzung der Angebote (vgl. QUACK 2001, 30).

5.2 Gastronomie    

Das Gastgewerbe umfasst alle Angebotsformen einer zahlenden Bewirtung und Beherbung von Gästen. Die Gastronomie befasst sich als Teilbereich der Verköstigung zahlender Gäste in Gastwirtschaften bzw. Gasthäusern oder Restaurants.

Fünf Gruppen unterscheiden sich für den Bereich der Freizeit

  • Beherbungsbetriebe mit und ohne Speisenangeboten wie Hotels, Gasthöfe, Hotel garnis und Pensionen,
  • sonstige Beherbungsbetriebe "Parahotellerie ohne Relevanz,
  • speisengeprägte Gastronomie wie Restaurants, Cafe, Eisdielen, Imbisshallen,
  • getränkegeprägte Gastronomie wie Gastwirtschaften bzw. Schankwirtschaften und Gastgärten, Bars und Vergnügungslokale, Discotheken und Tanzlokale, Trinkhallen und
  • Kantinen und Caterer abgesehen von betriebsinternen Kantinen für den Freizeitbereich.
Nach WITTERSHEIM (2004, 52) gib es die Individualgastronomie wie Einzelbetriebe oder mehrere Betriebstätten mit uneinheitlichen Leistungen, Systemgastronomie wie Handelsgastronomie, Verkehrsgastronomie an Verkehrsknotenpunkten und Convenience - Gastronomie wie Fast-Food und Take-away-Speisen.

Gesellschaftliche Rahmenbedingungen beeinflussen die Gastronomie und Essensverhalten wie die Individualisierung, Feminisierung, Multitasking, Lebensphasen und Singelisierung (vgl. RÜTZLER 2003).

6 Ökologie und Nachhaltigkeit    

Es geht um neue Balancen für eine tragfähige Gestaltung der Freizeit, ihrer Strukturen und Angebot. Relevante Auswirkungen der Handlungsfelder Freizeitverkehr, Erlebniswelten, Großveranstaltungen und großflächigen Freizeitaktivitäten und Freizeitkonsum sind wesentliche Themenfelder.

Sie ergeben sich aus den Fachbereichen Politische Bildung und Nachhaltige Entwicklungen.

Dieser Teil der Studie bezieht sich zum Nachlesen auf die Ausführlichkeit in FREERICKS-HARTMANN-STECKER 2010, 241-352 und den IK-Autorenbeitrag "Nachhaltigkeit" als ein zusammenfassender Teilbereich aus dem Fernstudium "Nachhaltige Entwicklung"/ Comenius Institut Münster (2020) und ist daher nur als Überblick zur Thematik zu verstehen.

6.1 Nachhaltigkeit als Prinzip    

  • Ursprung in der Forstwirtschaft - Krise im Mittelalter durch den Raubbau der Wälder
  • Club of Rome 1972 - Grenzen des Wachstums
  • Global 2000 - Bericht an den Präsidenten der USA Jimmy Carter 1980
  • Weltkommission für Umwelt und Entwicklung 1983 - Brundlandt-Bericht 1987
  • UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung 1992 Rio Konferenz Deklaration - Handlungsbedarf in
    • Ökologie - Umweltpolitik
    • Ökonomie - Sicherung der wirtschaftlichen Grundlagen
    • Gesellschaft - gerechte Verteilung der Lebenschancen
  • Weltgipfel für Nahhaltige Entwicklung in Johannesburg 2002
Nachhaltige Freizeitgestaltung

  • schonende Nutzung der Naturressourcen - Übernutzung
  • wirtschaftliche Nutzung - Arbeitskräfte, Arbeitsmarkt und Einkommensverteilung
  • Stabilisierung sozialer Strukturen - Kulturerbe, Identität, Mitbestimmung
6.2 Problemfelder und Dimensionen    

  • Umweltprobleme - globale Erwärmung, Klimawandel - Bodennutzung- Wasserverbrauch - Abfall - Lärm
  • Wirtschaftsprobleme - Grundversorgung der Menschen, Güterproduktion, Dienstleistungen, Erhaltung des Lebensstandards, Wirtschaftsstruktur - Güterverteilung
  • Soziale Probleme - Wohnung, Kleidung, Bildung, politische Rechte - Solidarität, Integrationsfähigkeit, Gemeinwohlorientierung, Gerechtigkeitssinn,
6.3 Auswirkungen und Konflikte    

  • Freizeitverkehr - Mobilität
  • Erlebniswelten - Freizeitzentren
  • Großveranstaltungen - Mega-Events
  • naturgebundene Freizeitaktivitäten - Naturschutz, Nationalparks, Landschaftsschutz, Biosphärenreservate
  • Freizeitkonsum - Konsumzwang
6.4 Handlungsmöglichkeiten    

  • Politik und Gesetzgebung - Verkehrspolitik - Gesetzgebung - Umweltverträglichkeitsgesetz, Artenschutzgesetz, Wassergesetz, Waldgesetz, Lärmschutzgesetz, Abfallgesetz
  • Planungsrahmen - Raumordnung, Landesplanung, Regionalplanung, Bauplanung
  • Umwelttechnologien - regenerative Energien, Biogas, Solarwärme, wassersparende Geräte - Verkehr
  • Besucherlenkung - Besucherzentren - Wegeführung, Beobachtungsstände, Informationstafeln
  • Labels - Gütesiegel
  • Regionale Wirtschaftsförderung - ökonomische Netzwerke, Produktionsketten, Mitbestimmung in der Gestaltung der Lebensumwelt - Naherholungsgebiete
  • Bildung und Kommunikation - Gestaltungskompetenz - aktive Teilnahme am Wandel der Gesellschaft, "Dekade der Bildung für nachhaltige Entwicklung" 2005-2014 - formale und informelle Bildung/ Validierung - Förderung der Erwachsenenpädagogik - Nutzung von Netzwerken im Bildungsbereich
Literaturverzeichnis    

Angeführt sind jene Titel, die für den Beitrag verwendet und/oder direkt zitiert werden.


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Freericks R. - Hartmann R.- Stecker B. (2010): Freizeitwissenschaft. Handbuch für Pädagogik, Management und nachhaltige Entwicklung, München

Fromme J.(2001): Freizeitpädagogik, in: Otto H.W.-Thiersch W.(Hrsg.): Handbuch Sozialarbeit/Sozialpädagogik, Neuwied, 610-629

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Giesecke H. (1983): Leben nach der Arbeit, München

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Wittersheim N:: (2004): Erlebnisgastronomie in Deutschland. Materialien zur Fremdenverkehrsgeographie Heft 61/2004 der Geographische Gesellschaft Trier

IT- Autorenbeiträge    

Die Autorenbeiträge dienen der Ergänzung der Thematik.


Netzwerk gegen Gewalt

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Erziehungswissenschaft

Politische Bildung

Emanzipation

Erwachsenenbildung

Fernstudium

Nachhaltigkeit

Zum Autor    

APS-Lehramt (VS-HS-PL/ 1970, 1975, 1976), zertifizierter Schüler- und Schulentwicklungsberater, Mitglied der Lehramtsprüfungskommission für die APS beim Landesschulrat für Tirol (1993-2002)

Absolvent des Studiums Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/ Doktorat (1985), des 10. Universitätslehrganges Politische Bildung/ Universität Salzburg-Klagenfurt/ MSc (2008), der Weiterbildungsakademie Österreich/ Wien/ Diplome (2010), des 6. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg/ Diplom (2012), des 4. Internen Lehrganges Hochschuldiktat/ Universität Salzburg/ Zertifizierung (2016), des Fernstudiums Erwachsenenbildung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium im Comenius Institut - Münster/ Zertifizierung (2018), des Fernstudiums Nachhaltige Entwicklung/Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium im Comenius Institut - Münster/ Zertifizierung (2020)

Lehrbeauftragter am Institut für Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft/ Universität Wien/ Berufspädagogik - Vorberufliche Bildung (1990-2011), am Fachbereich Geschichte/ Universität Salzburg/ Lehramt - Didaktik der Politischen Bildung (2016, 2018)

Stv. Leiter des Evangelischen Bildungswerks in Tirol (2004-2009, 2017-2019), Kursleiter an der VHS Salzburg, "Freude an Bildung", Zell/See, Saalfelden und Stadt Salzburg (2012-2019)

Aufnahme in die Liste der sachverständigen Personen für den Nationalen Qualifikationsrahmen/ NQR, Koordinierungsstelle für den NQR/ Wien (2016)


MAIL dichatschek (AT) kitz.net

 
© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 25. März 2021