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Coronapolitik

Coronapolitik    

Aspekte einer Krise in Österreich im Kontext Politischer Bildung    

Günther Dichatschek

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Coronapolitik   
Aspekte einer Krise in Österreich im Kontext Politischer Bildung   
1 Einleitung   
2 Coronapolitik   
3 Clusteranalyse   
4 Sozialfolgen   
IT-Autorenbeiträge   
Zum Autor   

1 Einleitung    

Das Jahr 2020 brachte Österreich seine größte Krise in der Zweiten Republik.

Der Beitrag behandelt

  • die Bearbeitung der Krise,
  • die Kritik zum harten Lockdown,
  • die Clusteranalyse und
  • die Sozialfolgen.
Für die Politische Bildung ist eine Auseinandersetzung der komplexen politischen Dimension von Interesse.


Ausgangspunkt des Beitrages sind

  • die Absolvierung der beiden Universitätslehrgänge Politische Bildung und Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg,
  • die Absolvierung der beiden Fernstudien Erwachsenenbildung und Nachhaltige Entwicklung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium Comenius-Institut-Münster und
  • die Auseinandersetzung mit aktuellen Erhebungen und Studien sowie
  • die Betroffenheit einer längerfristigen Selbstisolierung (Quarantäne in Tirol).
Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und kann es auch nicht mit Stand Mai 2020.

2 Coronapolitik    

Ein 17-köpfiger Corona-Beraterstab arbeitet im Gesundheitsministerium.

  • Die Experten liefern das Wissen,
  • die Politik trifft die Entscheidungen,
  • aus der Sicht der Experten ist es richtig, dass die Politiker die Entscheidungen verkünden (anders als in anderen Ländern).
  • Der österreichische Weg ist inzwischen für viele ausländische Experten zum Vorbild geworden(vgl. edtwa die Todeszahlen in Stockholm und Wien).
Zu bedenken ist der Entscheidungsdruck nach dem Kenntnisstand zum jeweiligen Zeitpunkt.

Die Bedrohung in Österreich zeigte sich am Nachbarland Italien und an allen Ländern, die mit Verspätung reagiert haben.

Wirtschaftswissenschaftliche Modelle weisen darauf hin, dass mit Abstand das Teuerste ist, nichts zu tun.

  • Die größten Kosten weltweit macht die Krankheit als solche. Je früher man und stärker am Beginn reagiert, umso geringer sind die wirtschaftlichen Folgen.
  • Die Überforderung des Gesundheitssystems und der Gesellschaft führt nicht nur zu hohen Kosten, es führt aber auch zum Verlust zentraler Kräfte des Wirtschaftslebens. Es dauert lange, diese Verluste wieder zu ersetzen(vgl. die Berechnungen aus der Pandemie der Spanischen Grippe 1918).

IT-Hinweis

Coronavirus in Österreich - Daten und Karten

https://orf.at/corona/daten (7.5.20)

3 Clusteranalyse    

Die "Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit(AGES)" hat die Infektionsketten von mehr als 3800 Coronainfizierten ermittelt(Stand 6.5.20).

  • 169 Clusterbildungen(zusammenhängende Infektionen) wurden nachgewiesen,
  • die Clusteranalyse stellt eine extrem wichtige Hilfe dar, dass es keine zweite Welle an Infektionen gibt.
  • 60 Cluster traten in Alten- und Pflegeheimen auf,
  • 20 Cluster wurden Freizeitaktivitäten wie Wintersport, Musikvereinen oder dem Besuch von Fitnessstudios zugeordnet,
  • 40 Cluster umfassten Haushalte,
  • kein Cluster konnte in Schulen und im öffentlichen Verkehr nachgewiesen werden.
4 Sozialfolgen    

Von den Auswirkungen der kollektiven und weltweiten Corona-Krise sind in Österreich nicht alle Menschen gleichermaßen betroffen. Soziale Folgen der Pandemie weisen auf unterschiedliche Risiken, Folgen von Kurzarbeit, Bildungsunterbrechungen und psychische Folgen hin.

  • Die Folgen sind ungleich verteilt. Gesundheitlich gibt es die Unterscheidung zwischen Jung und Alt in der öffentlichen Debatte. Ältere bringen bestimmte Vorerkrankungen mit, allerdings ist auch die sozial Lage von Personen zu beachten. Ein niedriger sozialer Status betrifft gesundheitliche Folgen der Krise verstärkt.
  • Die Krise gefährdet mitunter die wirtschaftliche Existenz, die Effekte sind branchenspezifisch. In Österreich gibt es Schutzmechanismen wie etwa die Kurzarbeit zur Abfederung. Existentiell ist die Frage daher auch nach einem normalen Wirtschaftsleben.
  • Personen in systemrelevanten Berufen verschärfen die Ungleichheiten. Eine Arbeitsbelastung und psychische Belastung verschärfen die Krisensituation. Es geht nicht nur um Pflegeberufe, auch um Berufe mit viel sozialen Kontakten. Der Wert dieser gesellschaftlichen Funktionen und die damit verbundene Anerkennung bedarf einer Neuorientierung. Man kann in diesem Zusammenhang an den Wert der Sozialpartnerschaft erinnern.
  • Anzusprechen ist die Chancengleichheit von Kindern und Heranwachsenden. Bildungsprozesse erhalten eine andere und zunehmende Bedeutung in dieser Krise. Coronarpolitik ist auch Bildungspolitik, die wiederum auch Sozialpolitik ist. Soziale Ungleichheiten im Bildungserfolg verstärken sich in Unterbrechungen von Bildungsprozessen. Die Rolle von Lehrenden und Eltern ist zu überdenken(man denke an Lehrerbildung und Elternarbeit). Benachteiligt sind in dieser Situation Mütter in ihrer Doppelfunktion oder Dreifachrolle(vgl. Haushalt, Beruf, Kinder).
  • Das Potential extremer Probleme zeigt sich der Verschärfung von Ungleichheiten, häuslicher Gewalt, psychischen Erkrankungen, unzulänglichen Wohnumgebungen und Obdachlosigkeit. Der Ausbau von Hilfsangeboten bedarf offensiver Werbung und sollte entstigmatisiert werden. Bemerkenswert ist etwa der Vorschlag, dass nicht gebrauchte Hotelbetten für solche Benachteiligte genutzt werden könnten.
  • Intergenerationale Beziehungen als Kontakte zwischen Verwandten, Großeltern und Kindern sind schwierig geworden. Einsamkeit ist ein Risikofaktor. Digitale Technologie erhält zunehmende Bedeutung.
  • Die Erfahrung der stärkeren Gemeinwohlorientierung und Stärkung des Gemeinsinns lässt erhoffen, dass es einen langfristigen Effekt der Krise geben könnte. Positive Beispiele sind die Nachbarschaftshilfe und die Freiwilligkeit in Hilfsdiensten.

Bürgerschaftliches Engagement, Ehrenamt und uneigennützige Hilfsbereitschaft bekommen mehr gesellschaftliche und politische Bedeutung.

  • Künftig sollten sie in ihren Möglichkeiten vermehrte Förderung, Begleitung, Unterstützung und Fortbildungsangebote erhalten.
  • Gefordert ist die Erwachsenenpädagogik im tertiären und quartären Bildungsbereich.

IT-Hinweis

Ausgrenzung Älterer

https://tirol.orf.at/stories/3047671/ (8.5.20)


Der Beitrag wird laufend ergänzt bzw. aktualisiert.


IT-Autorenbeiträge    

Die Autorenbeiträge dienen der Ergänzung der Thematik.


Netzwerk gegen Gewalt

http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index:

Politische Bildung

Erwachsenenbildung

Freiwilligenmanagement

Gesundheitsbildung

Zum Autor    

Lehramt für die APS; Absolvent des Instituts für Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/Doktorat, der Universitätslehrgänge Politische Bildung und Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg, des Fernstudiums Erwachsenenbildung und Nachhaltige Entwicklung/ Comenius-Instituts Münster - Lehrbeauftragter, Erwachsenenbildner


MAIL dichatschek (AT) kitz.net

 
© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 9. Mai 2020