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Kaukasus

Kaukasus    

Ein Beitrag zum Krisengebiet des Kaukasus im Kontext Politischer Bildung    

Günther Dichatschek

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Kaukasus   
Ein Beitrag zum Krisengebiet des Kaukasus im Kontext Politischer Bildung   
Vorbemerkungen   
1 Russische Eroberungen im Kaukasus   
1.1 Strategische Lage   
1.2 Russische Feldzüge   
1.2.1 Einmischung Russlands   
1.2.2 Widerstand der Bergvölker   
1.2.3 Drang nach Süden   
1.3 Neue militärische Konflikte   
2 Georgien   
2.1 Geschichte eines Konflikts   
2.1.1 Zerfall des Königreiches   
2.1.2 Eingliederung in die Sowjetunion   
2.1.3 Unabhängkeitserklärung 1991   
2.2 Russisch-Georgischer Krieg 2008   
2.2.1 Kriegsgründe   
2.2.2 Kriegsfolgen   
2.3 Georgische Literatur und Malerei 2018   
2.3.1 Literatur   
2.3.2 Malerei   
3 Aserbaidschan   
3.1 Geschichte des ewigen Feuers   
3.2 Ölreichtum am Kaspischen Meer   
3.3 Konflikt um Berg-Karabach   
4 Armenien   
4.1 Geschichte des Landes   
4.2 Genozid   
4.3 Armenische Diaspora   
5 Moslemischer Nordkaukasus   
5.1 Russische Problemzone   
5.2 Kaukasisches Emirat   
5.3 Islam im Nordkaukasus   
6 Daten Südkaukasus   
6.1 Armenien   
6.2 Aserbaidschan   
6.3 Georgien   
7 Daten Nordkaukasus/Auswahl   
7.1 Dagestan   
7.2 Nordossetien   
7.3 Tschetschenien   
7.4 Inguschetien   
8 Sprachen im Kaukasus   
8.1 Kaukasische Sprachfamilie   
8.2 Indoeuropäische Sprachfamilie   
8.3 Altaischer Sprachfamilie   
8.4 Semitisch-haschemitische Sprachfamilie   
8.5 Uralische Sprachfamilie   
Literaturverzeichnis   
IT-Autorenbeiträge   
Zum Autor   

Vorbemerkungen    

Der Kaukasus bildet die Grenze zwischen Europa und Asien. Kennzeichnend für die Region ist eine Vielzahl von Völkern, Sprachen und Kulturen. Durch die Nachbarschaft großer Reiche war der Kaukasus stets umkämpft. Auch heute gibt es in der Region Interessens- und gab es militärische Konflikte, man denke nur an die beiden Tschetschenien-Kriege oder an den jüngst russisch-georgischen Konflikt um Südossetien.

Russland hatte zur Zeit der Sowjetunion die kaukasischen Staaten als Puffer gegen die angenommen feindliche westliche Welt. Damit ergibt sich heute, zusammen mit dem Verlust der baltischen Staaten und der Ukraine, ein ständiger Interessenskonflikt.


Schon in der Antike sahen die Griechen den Gebirgsstock zwischen dem Kaspischen und Schwarzen Meer als natürliche Grenze zwischen dem asiatischen Osten mit den Steppenvölkern und dem Westen. Der Elbrus mit 5642 Metern als der höchste Berg markierte in der Antike das Ende der Welt im Norden.

Mythologisch ist der Kaukasus von Bedeutung.

  • In der griechischen Sage kreiste der Adler Ethon und senke sich auf sein Opfer. Vom angeketteten Gefangenen fraß der Raubvogel jeden Tag ein Stück Leber. Immer wieder wuchs die Leber nach. Der Gefangene war der unsterbliche Titanen-Sohn Prometheus. Zeus hatte ihn zur Jahrhunderte langen Qual verurteilt, weil er seine Gebote missachtete und den Menschen das Feuer brachte. Erst nach langer Zeit befreite ihn Herakles, Der Ort der Leiden und Qualen von Prometheus war der Kaukasus.
  • Der römische Geschichtsschreiber Appian berichtete im 2. Jahrhundert, dass die Flüsse reichlich Golstaub führten. Die Bewohner würden Schaffelle in das Wasser halten, in denen sich der Goldstaub fängt. Das Goldene Vlies gab es tatsächlich.

Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen sind die/der

  • Absolvierung des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck,
  • Absolvierung der Universitätslehrgänge Politische Bildung der Universität Salzburg und Interkulturelle Kompetenz der Universitäten Salzburg-Klagenfurt,
  • Lehrauftrag "Didaktik der Politischen Bildung" am Fachbereich Geschichte/Lehramt der Universität Salzburg und
  • die Auseinandersetzung mit der Fachliteratur.
1 Russische Eroberungen im Kaukasus    

Im Folgenden wird auf die strategische Lage des Kaukasus, russische Feldzüge zur Unterwerfung der Bergregion mit erbittertem Widerstand und neue militärische Konfliktsituationen eingegangen.

1.1 Strategische Lage    

Die strategische Lage des Kaukasus ergibt eine günstige strategische Situation und verhindert mit ihren schwer zugänglichen Pässen ein Vordringen nach Süden.

  • Heute führen nur zwei benützbare Straßen durch die Berge und verbinden Nord- und Südkaukasus.
  • Es sind die "Georgische Heerstraße" in die Hauptstadt Tbilissi und nach Jerewan und die ganzjährig befahrbare Straßenverbindung von Wladikawkas durch den Roki-Tunnel nach Zchinwali nach Südossetien.
  • Zur Zeit der Perser in der Spätantike wurde von Byzanz dafür bezahlt, dass die Einwohner niemanden von Norden durchließen.
Ostrom zur Zeit der Christianisierung führte Armenien und Georgien zum Christentum bereits im 4. Jahrhundert.

Man bewahrte den christlichen Glauben auch unter den persischen und türkischen Eroberern.

1.2 Russische Feldzüge    

1.2.1 Einmischung Russlands    

Die Einmischung Russlands in die Region begann bereits im 16. Jahrhundert. Die Russen unterstützten mitunter die Kabardiner im Streit mit den Krimtataren, während die Kabardiner die Russen an der litauischen und Krim-Grenze unterstützten(vgl. QUIRING 2009, 15-20).

1559 gründete Iwan IV.(der Schreckliche) am Kaspischen Meer die Kosakenfestung Tarki.

  • 1587 wurde dort das erste Kosakenheer gegründet.
  • Ziel war Georgien, das vom Osmanischen Reich und den moslemischen Nachbarvölkern bedrängt wurde.
  • 1594 schickte Zar Fjodor 7000 Mann, die von den Dagestanern zerschlagen wurden.
Weitere Vorstöße in Richtung Kaukasus und Schwarzes Meer kamen Anfang des 18. Jahrhunderts von Zar Peter I.

  • 1711 kam es zu kleineren militärischen Auseinandersetzungen im Norden am Kuban-Fluss, ebenso 1722/23 bei der Eroberung von Machatschkala und Dagestan.
  • Peter I. siedelte im Kaukasus zunähst Kosaken an, die in Wehrdörfern die Grenze zu bewachen hatten.
1.2.2 Widerstand der Bergvölker    

Der Widerstand der Bergvölker im Kaukasus war erbittert. Mit Strafexpeditionen versuchte Russland die Berge zu beherrschen. 1774 erhoben sich die Kabardiner, in der Folge kam es zu weiteren Aufständen.

1804-1813 und 1826-1828 eroberte Russland in Feldzügen gegen den Iran Ostgeorgien, Dagestan und Aserbeidschan. Georgien schlug sich in der Folge auf die Seite Russlands, zwischen 1803 und 1810 wurden Imeretien, Mingelien, Abchasen und Gurien russische Protektorate.

Die Zaren sahen in der Größe und Ausweitung des Reiches einen Gewinn (vgl. Erdölfunde 1870 in Ascherbeidschan und und im Nordkaukasus). Ebenso war es ein Ziel, die iranische Vorherrschaft am Kaspischen Meer und die türkische Vorherrschaft am Schwarzen Meer zu brechen. Natürlich gab es auch den Blick auf die Dardanellen mit der Durchfahrt in das Mittelmeer.

Nicht zu übersehen waren die hohen Verluste in den Kämpfen bis 1864 hauptsächlich bei Krankheiten von rund einer Million Soldaten(vgl. auch den Kaukasus als Verbannungsziel für Offiziere).

Katharina II. und ihr Günstling Graf Potjomkin entwickelten Mitte des 18. Jahrhunderts das "griechische Projekt". Ziel war die Eroberung und Teilung des Osmanischen Reiches. Man wollte das griechisch-orthodoxe Imperium Byzanz errichten. Der Pufferstaat "Dakien" zwischen Russland und Österreich aus Teilen Moldawiens, der Walachei und Bessarabien sollte entstehen. Das Projekt scheiterte jedoch, vielmehr verdrängte man die Türken von der Krim, auch aus dem Kaukasus und der nördlichen Schwarzmeer-Küste. Allerdings kamen moslemisch geprägte Gebiete in der Kaukasus-Region dazu.

1.2.3 Drang nach Süden    

Der Drang nach Süden bis zum Persischen Golf hat Tradition. Wladimir Schirinowski hatte mit dieser Idee in den neunziger Jahren noch viel Resonanz.

Zu den großen Führern im Widerstand im 18. Jahrhundert gehörte Uschurma.

  • Als einfacher Schäfer tschetschenischer Herkunft wurde er in Daghestan zum Geistlichen ausgebildet. 1783 wurde er Scheich der Bruderschaft der Nakschbendi.
  • 1785 rief er zum "Heiligen Krieg"("Ghasavat")auf. Vier Bataillone der russischen Armee unter Oberst Juri Pieri gerieten am Rückweg in einen Hinterhalt und wurden aufgerieben. Mehrfach sicherte diese Taktik Erfolge(vgl. der Beinamen von Uschurma "Mansur"[der Siegreiche]).
  • 1791 geriet er in Gefangenschaft bei der Eroberung der Küstenstadt Anapa, wurde in der Folge in ein Kloster im Weiße Meer verbannt und starb dort.
  • Die Heldentaten Mansurs leben noch heute in den Erzählungen im Kaukasus.
Ebenso ist der Imam Schamil, der "Löwe von Dagestan" als Führer im Widerstand gegen Russland zu erwähnen. Der Imam war nicht nur geistlicher, auch militärischer Führer(vgl. QUIRING 2009, 20-24).

Im Frieden von Adrianopel 1829 zwang Russland das Osmanische Reich zum Abtreten der Besitzungen in Georgien, Armenien und Aserbaidschan(vgl. den osmanischen Einfluss auf den Kaukasus CHIARI 2008, 23-36). Mit der systematischen Eroberung der Gebirgsgegenden wurde in der Folge begonnen.

1.3 Neue militärische Konflikte    

Politische Bildung interessiert sich auch für Orte möglicher militärischer Konflikte der Gegenwart (vgl. CHIARI 2008, 85-196, 145-154; QURING 2009, 13; MILOSEVIC 2009).

  • Die Bürgerkriege in Georgien und Aserbaidschan zu Beginn der neunziger Jahre und die beiden Tschetschenien-Kriege hinterließen mit dem Flüchtlingselend in Inguschetien mit tiefen Spuren in der Gesellschaft.
  • Der russisch-georgische Fünf-Tage-Krieg 2008 löste keineswegs die georgisch-abchasisch-südoessetische Konfliktsituation.
  • Das Karabach-Problem droht wieder aufzubrechen.
  • Im Nordkaukasus sieht sich Russland mit nationalistischen und islamistischen Gruppierungen konfrontiert.
Der Kaukasus als südliche Schutzzone der Russischen Föderation bleibt eine labile Region.

2 Georgien    

Georgien wird als die kaukasische Perle am Schwarzen Meer genannt(vgl. QUIRING 2009, 30-59; MILOSEVIC 2009).

Zweifach bekannt ist das Land mit der Stalin-Heimatstadt Gori und dem Russisch-Georgischen Krieg 2008.

Im Folgenden wird auf

  • die Geschichte des Konflikts und
  • den Russisch-Georgischen Krieg 2008 eingegangen.
  • Literatur und Malerei 2018 sollen beachtet werden.
2.1 Geschichte eines Konflikts    

In der kaukasischen Perle am Schwarzen Meer, etwa so groß wie Bayern, leben rund 4,4 Millionen Menschen in 26 Volksgruppen. Während die Georgier, Armenier und Russen Christen sind, hängen die über 300 000 Adscharier dem Islam an. Auch die Abchasen und Südosseten sind überwiegend Muslime.


Gegen Ende des 10. Jahrhunderts wurden die kleinen georgischen Königreiche vereint und wurden gegenüber Byzanz unabhängig. Zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert war Georgien dank König David dem Erbauer und Königin Tamara die stärkste Macht im Transkaukasus.

In der Folge kam es zum Zerfall.

2.1.1 Zerfall des Königreiches    

  • Die Königreiche Imeretien, Kachetien und Kartlien entstanden.
  • Fünf Fürstentümer entstanden, die unter osmanischem und persischem Einfluss standen.
  • Unter dem Druck der Perser schloss Ostgeorgien (Kartlien-Kachetien) 1783 einen Schutzvertrag mi Russland ab.
  • 1801 annektierte Zar Alexander I. das Land und setzte den König ab.
  • Die angrenzenden Regionen und Fürstentümer wurden russische Protektorate und in der Folge annektiert.
  • 50 Jahre brauchte das nördliche Imperium, um sich zu unterwerfen(Imeretien 1810, Gurien 1828, Mingrelien 1857, Swanetien 1857-1859, Abchasien 1864).
2.1.2 Eingliederung in die Sowjetunion    

Nach der Oktoberrevolution erklärte sich Georgien am 26. Mai 1918 für unabhängig. Drei Jahre später wurde Georgien von der Roten Armee besetzt und in die Sowjetunion als "Grusinische Sozialistische Sowjetrepublik" eingegliedert.

In den achtziger Jahren entwickelte sich eine starke Unabhängigkeitsbewegung, es kam zu Massendemonstrationen in der Hauptstadt Tbilissi, die brutal niedergeschlagen wurden.

2.1.3 Unabhängkeitserklärung 1991    

Mit der Auflösung der Sowjetunion 1991 erklärte sich Georgien noch vor dem August-Putsch am 9. April 1991 für unabhängig.

Nicht bedacht wurde, dass Georgien einen Vielvölkerstaat darstellt, der eine Fülle von Problemen aufweist.

  • Abchasen, Adscharier und Südosseten kündigten nach dem Ende der Sowjetunion ihre Zugehörigkeit zu Georgien auf.
  • In zwei Kriegen in den neunziger Jahren versuchte Georgien, die Kontrolle über Abchasien und Südossetien wieder zu erlangen. Beide Versuche schlugen fehl.
2.2 Russisch-Georgischer Krieg 2008    

2.2.1 Kriegsgründe    

Warum Russland in einen Konflikt auf fremden Gebiet eingriff, wird mit zwei Argumenten begründet.

  • Die Georgier griffen russische Friedenstruppen mit internationalem Mandat an.
  • Russland müsse seine eigenen Bürger vor einem Völkermord schützen.
  • Gemeint waren damit rund 80 Prozent der Südosseten, die vor Jahren großzügig russische Pässe erhielten.
Der Gedanke, Georgien könnte irgendwann der NATO beitreten, war ein Signal für Russland an den Westen. Wir sind bereit, unsere Interessen an unserer Grenze auch mit militärischen Mitteln durchzusetzen.

  • Seit Gründung der Russischen Föderation 1991 führte Russland erstmals gegen ein Mitgliedsland der UNO einen Krieg.
  • Die Besetzung dauerte vier Wochen.
Die EU - Frankreich führte den Vorsitz - bemühte sich für eine schnelle Beendigung . Man einigte sich auf einen Sechs-Punkte-Plan als Grundlage für einen Waffenstillstand und den Rückzug russischer Truppen.

2.2.2 Kriegsfolgen    

Folgen des Krieges waren

  • eine große Flüchtlingswelle,
  • viele Tote und Vermisste,
  • große Zerstörungen in der militärischen und zivilen Infrastruktur und
  • Südossetien und Abchasien wurden von Russland als unabhängige Staaten anerkannt.
2.3 Georgische Literatur und Malerei 2018    

Die 70. Frankfurter Buchmesse 2018 mit dem Gastland Georgien zeigt rund 150 georgische Bücher in deutscher Sprache. Etwa 70 Autoren kommen, um ihre Bücher vorzustellen. Die georgische Sprache besitzt ein Alphabet aus 33 geschwungenen Buchstaben.

  • Bis in das dritte Jahrhundert kann die Sprache zurückverfolgt werden.
  • Dank der Sprache hat das Land trotz aller Wirrungen und Besetzungen seine kulturelle Identität bewahrt.
Im Folgenden wird aktuell auf die georgische Literatur und Malerei eingegangen(vgl. THUSWALDNER 2018, 7).

2.3.1 Literatur    

Drei Schriftsteller sollen exemplarisch erwähnt werden.

Micheil Dschawachischwili behandelt in seiner frühen Erzählung "Volksgericht" 1906/1908 die Zustände aus seiner Zeit der Revolution 1905. In Frankfurt ist die Erzählung als deutsche Erstausgabe erschienen.

  • Erzählt wird, wie im Kirchenhof ein unfähiger zwanzigjähriger Vorsitzender über kleine Vergehen Gericht hält. Es kommt zu grotesk-schaurigen Urteilen.
  • Der Masse als wankelmütigem Koloss ist nicht zu trauen. Der Erzähler kümmert sich lieber um die Einzelgänger und Unangepassten, die aus der Gesellschaft herausfallen.
  • Als Georgier leistet er Widerstand gegen den Einfluss des Russischen auf die georgische Sprache.
  • 1924 beteiligt er sich am Aufstand gegen die Sowjetisierung, ermordet wird er 13 Jahre später im Rahmen stalinistischer Säuberungen.
  • Der Erzählband "Samtkleid" enthält Geschichten, die durchaus zur Klassik gehören könnten. Hier gilt die Fähigkeit des Autors, nicht moralisch, sondern in einfacher Sprache das begrenzte Sichtfeld der Gesellschaft in ihrer Sprachlosigkeit aufzuzeigen.
  • Bücher - "Das Samtkleid", Erzählungen, 260 Seiten, Arco Verlag Wuppertal 2018
- "Dschaqos Knechtschaft", 320 Seiten, Arco Verlag Wuppertal 2018

Tamar Tandaschwili erhebt einen modernen Anspruch aus ihrer Kenntnis der zeitgenössischen Weltliteratur.

  • In ihrem Roman "Löwenzahnwirbelsturm in Orange" schreibt die Autorin gegen die Mängel der Gesellschaft und kritisiert den Machtkomplex von Kirche, Staat und Patriarchat.
  • Hier kommt der Anspruch eines freien Menschen in einer freien Gesellschaft zur Geltung.
  • Buch - "Löwenzahnwirbelsturm in Orange", 136 Seiten, Residenz Verlag Salzburg 2018
Aka Morchiladze weist in seinem Roman "Reise nach Karabach" die Einmischung der Politik in das Leben nach.

  • Der Erzähler bricht auf nach Armenien, verirrt sich und wird in der Region Karabach von der Armee festgenommen.
  • Das Militär als wirrer Haufen, Mangel an Disziplin und Übersichtlichkeit der Lage erzeugen eine Groteske.
  • Buch - "Reise nach Karabach", Roman, 173 Seiten, Weidle Verlag Bonn 2018
2.3.2 Malerei    

Niko Pirosmani gilt in Georgien als eine nationale Kulturikone. Er gilt als Repräsentant des Landes(vgl. PANAGL 2018, 7).

  • Nicht nur im Museum finden sich seine Figuren und Darstellungen, auch als Sujets auf den georgischen Banknoten.
  • Zum 100. Todestag werden Ende Oktober 2018 seine Werke in der Albertina in Wien zu sehen sein.
3 Aserbaidschan    

Mit dem Land wird das "ewige Feuer" seit rund 2000 Jahren verbunden. Im Folgenden wird daher auf den Wert des Erdöls und des Gases in unterschiedlicher Art und Weise eingegangen(vgl. CHIARI 2008, 145; GUMPPENBERG-STEINBACH 2008, 62; QUIRING 2009, 60-65). Der Konflikt um Berg-Karabach wird angesprochen.

3.1 Geschichte des ewigen Feuers    

Zwischen 1000 und 600 v.Chr. begründete der altiranische Religionsstifter Zarathustra den Zoroaristrimus.

  • Verehrt wurden die beiden Götter Ahura Mazda und Ahriman als Symbole des Gute und Bösen.
  • Obwohl sie sich gegenüberstehen, sind sie doch unauflöslich miteinander verbunden.
  • Sie beten in ihren Feuertempeln auch die heilige Flamme an, ein Symbol ihres Glaubens.
    • Der Ort der Religion ist günstig, der Brennstoff war reichlich vorhanden.
    • Neben Öl aus der Erde entwich Gas auf der Halbinsel Apscheron(vgl. die Lage am Kaspischen Meer; heute liegt Baku als Hauptstadt des Landes dort).
In der Antike gehörte das Land zu Persien. Zu diesem Zeitpunkt gab Zarathustras Feueranbeter nicht mehr. Die Landesbezeichnung Aserbaidschan oder das heilige Land des ewigen Feuers hatte sich etabliert. Ein einziger Tempel ist noch erhalten geblieben, der in der Nähe Bakus in der Ortschaft Surachany steht.

Erst 1848 wurde der Wert des Erdöls und Gases erkannt. Die erste Bohrung der Welt wurde hier in Apscheron und den angrenzenden Arealen des Kaspischen Meeres durchgeführt.

  • Robert Nobel, älterer Bruder von Alfred Nobel, gründete die "Nobel Brothers Petroleum Producing Company", die weltweit damals führend wurde.
  • Noch heute sind die neugotischen und Jugendstilpaläste der damaligen Erdölbarone in Baku zu sehen.
  • Die damalige Gesellschaft war bunt in ihrer Zusammensetzung. Glücksritter, Abenteurer, alteingesessene Familien, verschiedenste Nationalitäten und Religionen bildeten eine Kaste ohne Standesunterschiede.
  • 1917 mit der Oktoberrevolution und erst 1920 mit dem Erreichen in Baku brach der Erdölboom zusammen. Es kam zur Enteignung der Unternehmer und Ausländer wurden des Landes verwiesen.
Zu Zeiten der Sowjetunion verlor Erdöl und Erdgas im Lande die Bedeutung.

  • Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde riesige Vorkommen in Sibirien entdeckt, die einfacher zu erschließen waren.
  • Die Situation änderte sich rasch, als in den neunziger Jahren Erdöl und Erdgas am internationalen Markt gefragt waren.Zudem entdeckte man im Kaspischen Meer Vorräte in einem Umfang, die zeitweilig mehr als im Nahen Osten vorhanden waren.
  • Realistisch gehört die Region zu den aussichtsreichen Gebieten der Welt.
3.2 Ölreichtum am Kaspischen Meer    

Das Kaspische Meer ist rund 1200 km lang, fast 500 km breit und bis zu 1000 m tief.

Die Erdölförderung ist seit den neunziger Jahren erheblich gestiegen.

  • Mit der Baku-Tbilissi-Ceyhan-Ölpipeline (BTC-Pipeline) von Aserbaidschan über Georgien in die Türkei wurde der erste Transportweg nach Westen unter Umgehung Russlands eröffnet (vgl. die Baukosten von € 2,5 Mrd.; Baukonsortium von BP-Konzern, SOCAR/Aserbaidschan, Unternehmen aus den USA, der Türkei, Italien, Japan, Saudi-Arabien und Norwegen).
  • 1994 schloss Asberbaidschan im sog."Jahrhundert-Vertrag" mit westlichen Mineralkonzernen Förderabschlüsse über acht Milliarden Dollar. Es sah die Förderung des wichtigsten Ölfeldes Atzeri-Chirag-Gunashi mit einem Umfang von drei bis fünf Milliarden Barrel Erdöl vor.
  • Kompliziert und konfliktträchtig ist die Ausbeutung und Erkundung.
    • Die Anrainerstaaten Russland im Norden, Aserbaidschan im Westen, der Iran im Süden, Turkmenien und Kasachstan im Osten ergeben Ansprüche.
    • Die Grundsatzfrage bildet völkerrechtlich der Diskurs, ob das Kaspische Meer tatsächlich ein Meer oder ein Binnengewässer(Kaspi-See) bildet. In einem Binnengewässer gibt es keine Territorialgewässer, die Ressourcen können demnach gemeinsam genutzt werden. Bis 1991 zum Zusammenbruch der Sowjetunion war dies auch möglich. Die Sowjetunion und der Iran als damalige Anrainerstaaten hatten Verträge 1921 und 1940 Regelungen der Schifffahrt und Fischerei getroffen, wobei sie von einem Binnengewässer ausgegangen waren. Bodenschätze waren in den Verträgen nicht enthalten.
    • Mit den neuen Staaten nach 1991 Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenien kam es zur Forderung nach einem Meer. Damit war die Forderung nach einer Territorialzone vorhanden (vgl. Internationales Seerechtsabkommen 1994).
    • Der Versuch einer friedlichen Beilegung des Streits scheiterte 2002 in der turkmenischen Hauptstadt Aschgabad (vgl. das Treffen von Nijasow, Khomeini, Putin und Nasarbajew).
    • Sangachal ist der wirtschaftlich bedeutendste Ort in Aserbaidschan. Wüste kennzeichnet hier den Boden an der Küste des Kaspischen Meeres. BP hat seinen weltweit größten Terminal hier gebaut.
    • Die Erträge fließen über die 2005 fertiggestellte BTC-Pipeline an die Mittelmeer-Küste der Türkei.
    • Eine Verdoppelung der Gewinne ergibt sich aus dem Verkauf von Erdgas.
    • Zu beachten ist die Abhängigkeit des Staatshaushaltes von Aserbaidschan vom weltweiten Energiemarkt.
  • Parallel zur BTC-Pipeline bringt die Nabucco-Pipeline Erdgas nach Europa.
    • Ausgangspunkt ist die Überlegung einer Abhängigkeit Europas von Gazprom.
    • Nabucco bringt Gas auf dem Landweg von der Türkei über Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich(Baumgarten an der March).
3.3 Konflikt um Berg-Karabach    

Das Verhältnis von Aserbaidschan und Armenien gilt als zerrüttet. Auf beiden Seiten herrscht totales Misstrauen.


Der Konflikt um Berg-Karabach, der eigentlich zu Aserbaidschan gehörenden und seit den neunziger Jahren von Armenien beherrschten Enklave, ist ein Beispiel eines Konfliktherdes.

  • Berg-Karabach - Russisch Nagorny-Karabach, Armenisch Arzach - hat 4 400 km2, seit Jahrzehnten ein Gebiet mit von Stalin willkürlich gezogener Grenze, ist ein Zankapfel zwischen Aserbaidschan und Armenien.
  • Als autonomes Gebiet zu sowjetischer Zeit in der "Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepubilik" eskalierte 1988 die Situation.
    • Dutzende Armenier wurden in Sumgait nördlich von Baku bei einem Pogrom ermordet.
    • Beide Seiten vertrieben in der Folge die jeweilige Minderheit aus ihren Hoheitsgebieten.
    • Dies war der Funken für den Karabach-Krieg.
Nach dem Pogrom von Sumgait 1988 verstärkte sich der Hass. Die Zentralmacht in Moskau hatte nicht mehr die Macht, die Wut auf beiden Seiten einzudämmen.

  • 1989 erklärte die noch vorhandene Parteiführung von Berg-Karbach und die Verwaltung den Anschluss an Armenien.
  • Moskau unterstellte in der Folge der direkten Verwaltung. Allerdings erklärten Armenien und Karabach kurz danach ihre Vereinigung.
  • In der Folge brachen in Aserbaidschan anti-armenische Pogrome aus.
  • Ein blutiger Krieg forderte bis zum Waffenstillstand 1994 auf beiden Seiten bis zu 50 000 Tote.
  • Fast 800 000 Aserbaidschaner und rund 300 000 Armenier wurden Flüchtlinge.
Im Krieg eroberten die Armenier zunächst einen direkten Zugang nach Karabach, der später erweitert wurde. Heute halten sie trotz internationaler Aufforderung des UN-Sicherheitsrates zum Rückzug rund 20 Prozent des aserbaidschanischen Territoriums besetzt.

Die sogenannte "Republik Berg-Karabach" ist international nicht anerkannt.


Resolutionen zur Berg-Karabach-Frage

1993 - UN-Sicherheitsrat verabschiedet vier Resolutionen zur Abzug armenischer Truppen

2005 - Europarat rügt Armenien wegen der rechtswidrigen "Seperation von 15,25 Prozent des aserbaidschanischen Staatsgebietes"

2008 - UN-Vollversammlung verabschiedet mit 39 Stimmen bei 7 Gegenstimmen und 100 Enthaltungen eine Resolution, wonach von Armenien der sofortige Rückzug gefordert wird

4 Armenien    

Armenien ist mit rund 30 000 km2 die kleinste südkaukasische Republik. Im Norden wird das Land von Kleinen Kaukasus begrenzt, im Südwesten liegt die Ararat-Senke, im Süden bildet der Arax-Fluss die Grenze zum Iran.

Im Folgenden wird auf die Geschichte, den Genozid und die Diaspora Armeniens eingegangen(vgl. CHIARI 2008, 85-106, 123-134; QUIRING 2009, 81-89, 97-99).

4.1 Geschichte des Landes    

Im 6. Jahrhundert v.Chr. wurde das Land erstmals mit der griechischer Bezeichnung '''Armenoi" erwähnt.

  • Kleinasiatische, südkaukasische und indoeuropäische Stämme begründeten die armenische Nationalität.
  • Ständige Wechsel der Herrschenden verhinderte eine Staatenbildung.
  • Unter Tigran d. Gr.(95-55 v.Chr.) war das Land 40 Jahre lang ein Großreich von Kaspischen bis zum Mittelmeer, vom Taurusgebirge bis zum Iran. In der Folge musste man sich Rom unterwerfen.
  • Byzantiner, Araber und Seldschuken wechselte sich in der Herrschaft ab.
  • Im 13. Jahrhundert verwüsteten die Mongolen das Land, im 14. Jahrhundert zerstörte der Usbeke Timur d. Gr. Armenien.
  • Im 16. Jahrhundert folgten nach den Turkmenen und Persern die Osmanen.
Viermal wurde das Land geteilt. 387 und 591 zwischen Byzanz und dem Iran, 1555 und 1639 zwischen dem Osmanischen Reich und dem Iran.

1827 gingen die persisch kontrollierte Khanate Nachitschewan und Jerewan an Russland verloren.

Mit der Machtübernahme von Byzanz zogen die armenischen Könige im Mittelalter nach Kappadokien(heute Zentralanatolien). Das Königreich Kleinarmenien entstand in Kilikien.

Im Friedensvertrag von Sevres 1920 war ein unabhängiges Großarmenien festgeschrieben, 1923 konnte die Türkei im Vertrag von Lausanne das Gebiet von Ostanatolien bekommen.

1920 wurde die "Armenische Sozialistische Sowjetrepublik" ausgerufen.

Nach einem missglückten Aufstand der Daschnaken 1921 wurde das Land 1922 mit Georgien und Aserbaidschan zur "Transkaukasischen SFSR"" vereinigt und im selbern Jahr der "Union der Sowjetrepubliken" einverleibt.

Am 23. August 1990 verkündete Armenien seine Unabhängigkeit, 1992 proklamierte das Parlament nach einem Referendum die "Republik Armenien".

4.2 Genozid    

Am Ende des 19. Jahrhundert gab es bereits blutige Pogrome in Ostanatolien. Vor dem Ersten Weltkriegs träumte man im Osmanischen Reich, die in früheren Kriegen im Kaukasus verlorenen Gebiete zurückzuerobern.

Durch die mangelhafte Winterausrüstung der Osmanischen Armee musste um die Jahreswende 1914/1915 das Osmanische Reich bei Sarikamis eine Niederlage hinnehmen. In der Folge erlitten die Osmanen große Gebietsverluste.

Auf russischer Seite kämpften armenische Freiwilligenbataillone, die für die Niederlage in Ostanatolien verantwortlich gemacht wurden.

  • Gleichzeitig erhoben sich Van und Umgebung Armenier, woraus die türkische Geschichtsschreibung bis heute einen lebensbedrohenden landesweiten Aufstand machte.
  • Die Massaker an den Armeniern Ende des 19. Jahrhunderts bewirkten ein weltweites und effektives armenisches Hilfswerk. Die folgende Dokumentation von Johannes Lepsius trägt den Titel "Der Todesgang des armenischen Volkes" und wurde damals von der deutschen Zensur verboten(vgl. QUIRING 2009, 86).
  • Franz Werfel hat in der Folge die Dokumente und Berichte über türkische Greueltaten aus dem französischen Kriegsministerium für sein Buch "Die vierzig Tage des Musa Dagh" verwendet.
  • Türkische pauschale Anschuldigungen waren der Vorwand, massenhafte Deportationen der Armenier durchzuführen. Natürlich erhofften sich die Armenier, dass die nach Süden drängenden Russen sie von den Türken befreien würden. Auch fühlte man such den orthodoxen russischen Glaubensbrüdern mehr verbunden.
  • Die Türken träumten immer noch von einem großtürkischen Reich Turan, das die Türkei, Aserbaidschan, Turkmenistan, Kasachstan, Usbekistan bis das Turkvolk der Uiguren in China umfassen sollte.
Gründe für das brutale Vorgehen gegen die Armenier waren(vgl. QUIRING 2009, 87-88)

  • ein Vorgehen gegen (einheimische)Christen,
  • Armenien zu vernichten und
  • die daraus folgende Ausweitung des Staatsgebietes im Osten.
Nach Schätzungen kamen mindestens 300 000 bis 1,5 Millionen Armenier um.

Wenig bekannt ist die Politik der Zwangsislamisierung armenischer Christen mit der Tötung von Priestern und Predigern(vgl. die Zwangstaufen von Juden im 15. Jahrhundert in Spanien).

Die Türkei besteht bis heute darauf, dass die Deportation der Armenier eine vom Krieg bedingte und letztlich legitime Maßnahme war. Dies ist eine Haltung, die letztlich ein Hindernis für die Aufnahme in die EU geworden ist.

Parallelen zur künftigen Judenverfolgung in Deutschland sind offenkundig(vgl. die Zuordnung der Armenier als Parasiten, Hass seit dem Mittelalter).

4.3 Armenische Diaspora    

Ständig fremde Heere, wechselnde Besatzung und viele Grenzänderungen haben Armenier zu Flüchtlingen und Migranten gemacht. Bedeutende armenische Gemeinschaften gibt es seit Jahrhunderten im Iran, in Georgien und Russland.

Von den zehn Millionen Armeniern auf der Welt leben weniger als ein Drittel im Heimatland.

  • Ausgrabungen belegen die ersten armenischen Siedlungen auf der Halbinsel Krim bereits im 11. Jahrhundert.
  • Zu dieser Zeit zogen sie bereits in den Norden in russische Fürstentümer.
  • Bevorzugter Siedlungsraum blieb die Schwarzmeer-Region.
  • Mongolenkriege verdrängten sie aus Armenien und Südrussland.
  • Im 14. und 15. Jahrhundert lebten Zehntausende auf der Krim, der Begriff "Armenia maritima" entstand.
  • Mit der Eroberung der Krim durch die Türken 1475 flüchtete man nach Europa - Litauen, Polen, in die Donaufürstentümer nach Galizien, Siebenbürgen, Österreich und Frankreich.
  • Die größte armenische Diaspora lebt heute in Russland.
    • Groß war die Abwanderung zur sowjetischen Zeit.
    • Der Drank nach einem Studienplatz in den Universitäten der Sowjetunion und in der Folge in den Staatsapparat, in die Partei und in das Wirtschaftsleben war groß.
  • Auslandsarmenier aus westlichen Staaten tragen zur Wirtschaftsentwicklung ihrer Heimat durch Investitionen bei(vgl. den Bau eines Mobilfunknetzes in Karabach und die 300 km lange Straße zwischen Jerewan und Stepanakert).
  • In den USA leben rund 600 000, in Frankreich 300 000, in Deutschland 40 000 Armenier.
  • Es versteht sich, dass es eine einheitliche armenische Identität nicht gibt. Ein Zusammenhalt findet noch in der armenischen Kirche statt.
5 Moslemischer Nordkaukasus    

Auf der politischen Karte gehört der Nordkaukasus ausnahmslos zu Russland. Auf 111 000 km2 gibt es sieben kleine Teilrepubliken der Russischen Föderation mit über sieben Millionen Menschen. Die überwiegend moslemischen Republiken bilden ein Band von Dagestan, Tschetschenien, Inguschetien, Nordossetien, Kabardino-Balkarien, Karatschai-Tscherkessien bis nach Adygej (vgl. QUIRING 2009, 100-113).

5.1 Russische Problemzone    

Der Nordkaukasus ist Russlands Problemzone.

Erst vor 150 Jahren fielen die letzten Teile in blutigen Eroberungskriegen unter russische Herrschaft, es folgten immer wieder Versuche einer Loslösung der Kaukasier.

  • Der Widerstand gegen Moskau ist Teil der Geschichte, zumal es Deportationen unter Stalin nach Mittelasien, Sibirien und in den Fernen Osten gab.
  • Nach dem Ende der Sowjetunion 1991 interpretiert eine junge Historiker-Generation die Geschichte aus der Sicht der lebenden Völker und kommt zum Schluss, das Russische Imperium in den letzten 200 Jahre macht sich des Völkermordes und der massiven Vertreibung schuldig.
  • Verletzend für die Bevölkerung sind die vielen Erniedrigungen beim Aufstellen von russischen Denkmälern und Feiertagen(vgl. QUIRING 2009, 102-103).
  • Wirtschaftliche Not, hohe Arbeitslosigkeit und radikale islamische Strömungen mit Parallelstrukturen zur öffentlichen Verwaltung verschärfen zudem die Situation mit antirussischer Stimmung.
5.2 Kaukasisches Emirat    

Seit 2007 besteht ein sog. Kaukasisches Emirat, das vom ehemaligen tschetschenischen Rebellen-Präsidenten Doku Umarow in das Leben gerufen wurde. Dem Selbsternannten schwebte eine Staatsform auf der Basis eines islamischen Staates vor.

Sechs regionale Abteilungen(Wilajaten) bestehen im Nordkaukasus, in der Türkei und in den autonomen islamischen Republiken sollen ebenfalls solche Regionalgebilde bestehen. Hauptstadt soll Grosny sein.

Wie stark und einflussreich Umarows Emirat tatsächlich ist, ist schwer abzuschätzen(vgl. QUIRING 2009, 107-108).

5.3 Islam im Nordkaukasus    

Der Islam kam aus dem Iran und der Türkei in den Nordkaukasus. Damit entwickelte sich die Religion und die Formen der Ausübung verschieden.

Die Sowjetideologie und eine antireligiöse Politik kamen wenig an.

Die islamische Tradition hält sich strikt an soziale Organisationsformen aus dem sufitischen Bruderschafts- und Ordenswesen. Religiöses Organisationswesen ist verschränkt mit ethnischer und machtstrukturierter Zuordnung und geht bis in die Machtorgane.

Ab den neunziger Jahren kommt es zu einer Wiedergeburt des Islam im Norkaukasus. Das Bedürfnis nach Spiritualität ist groß, ebenso ist der Wunsch nach einer Befreiung von russischer Vorherrschaft.

Für die Bergvölker ist der Adat das maßgebende Gewohnheitsrecht.

  • Verhaltensregeln und soziale Institutionen werden festgeschrieben und begründet.
  • Der Adat enthält lokale Traditionen, Anweisungen und Anordnungen, zum Teil aus vorislamischer Zeit.
  • Wesentlich ist die Blutrache, das Gastrecht und die Sippenhaft.
  • In unterschiedlicher Form und Intensität wird der Adat im gesamten Nordkaukasus angewendet.
6 Daten Südkaukasus    

6.1 Armenien    

Hauptstadt Jerewan

Fläche (km2) 29 743

Bevölkerung(Mio.) 2 968 586

Volksgruppen (Prozent):

Armenier 97,9

Kurden 1,3

Russen 0,5

andere 0,3

6.2 Aserbaidschan    

Hauptstadt Baku

Fläche(km2) 86 600

Bevölkerung(Mio.) 8 177 717

Volksgruppen(Prozent):

Aseri 90,6

Dagestaner 2,2

Russen 1,8

Armenier 1,5

andere 3,9

6.3 Georgien    

Hauptstadt Tbilissi

Fläche(km2) 69 700

Bevölkerung(Mio.) 4 630 841

Volksgruppen(Prozent):

Geogier 83,8

Aseri 6,5

Armenier 5,7

Russen 1,5

andere 2,5


Quelle:

QUIRING 2009, 195

7 Daten Nordkaukasus/Auswahl    

7.1 Dagestan    

Hauptstadt Machatschkala

Fläche 50 300 km2

Einwohner 2 687 800

Nationalitäten(Prozent):

Awaren 29,4

Darginer 16,5

Kumyken 14,2

7.2 Nordossetien    

Hauptstadt Wladikawkas

Fläche 8000 km2

Einwohner 704 400

Nationalitäten(Prozent):

Osseten 62,7

Russen 23,1

Inguschen 3,0

7.3 Tschetschenien    

Hauptstadt Grosny

Fläche 15 000 km2

Einwohner 1 209 400

Nationalität(Prozent):

Tschetschenen 93,5

Russen 3,7

7.4 Inguschetien    

Hauptstadt Magas

Fläche 3600 km2

Einwohner 492 000

Nationalität(Prozent):

Inguschen 83

Tschetschenen 11,2

Russen 4,0


Quelle:

QUIRING 2009, 196-197

8 Sprachen im Kaukasus    

Die Vielfalt und wenig erklärbare Herkunft der Sprachen lassen eine Einteilung in Sprachgruppen schwierig erscheinen.

  • Eine Übereinstimmung besteht darin, dass die kaukasischen Sprachen keine Sprachfamilie darstellen.
  • Die hier gewählte Einteilung beruht auf der geographischen Herkunft der Sprachen(vgl. MARK 1989; QUIRING 2009, 189-199).
8.1 Kaukasische Sprachfamilie    

Kartweli-Gruppe - südkaukasische Sprachen

Georgier - Thuschen, Ratschen, Pschawen, Imerer, Adscharen, Mthiulen, Gurier, Chewsuren, Ingilonen

Megrelen

Lasen

Swanen

Adygo-abchasische Gruppe - westkaukasische Sprachen

Abchasen

Abasinen

Karbadiner

Tscherkennen

Adygejer - Abadsechen, Schapsugen

Dagestanische Gruppe - ostkaukasische Sprachen

Natschi-Untergruppe(Wainachen) - Tschetschenen, Inguschen, Kisten, Bazbi

Dagestanische Untergruppe(awaro-indische Sprachen) - Awaren, Anden, Laken, Darginer, Tabassarener, Lesgier, Agulioer, Rutuler, Zachuren Budugen, Krysen, Chianlugen, Uden

8.2 Indoeuropäische Sprachfamilie    

Slawische Sprachgruppe

Russen, Ukrainer, Moldawie

Griechen - Armenier

Iranische Sprachgruppe

Osseten, Kurden, Talyschen, Taten, Bergjuden

8.3 Altaischer Sprachfamilie    

Türkische Gruppe

Aserbaidschaner(Aserie), Karatschaier, Balkarer, Kumyken, Nogaier, Turkmenen, Tataren

Mongolische Gruppe

Kalmyken

8.4 Semitisch-haschemitische Sprachfamilie    

Assyrer

8.5 Uralische Sprachfamilie    

Esten

Literaturverzeichnis    

Angeführt sind jene Titel, die für den Beitrag verwendet und/oder direkt zitiert werden.


Chiari B.(Hrsg.)(2008): Kaukasus. Wegweiser zur Geschichte, Paderborn-München-Wien-Zürich

Friesen U.-Würmli M.(2005): Kultur-Schock Kaukasus, Bielefeld

Gumppenberg M.-C. von/Steinbach U.(Hrsg.)(2008): Der Kaukasus.Geschichte-Kultur-Politik, München

Halbach U.(2003): Russlands muslimische Ethnien und Nachbarn, in: Politik und Zeitgeschichte B 16/17/2003, 39-46

Hassel Fl.(Hrsg.)(2003): Der Krieg im Schatten. Russland und Tschetschenien, Frankfurt/M.

Lerch W.G.(2000): Der Kaukasus. Nationalitäten, Religionen und Großmächte im Widerstreit, Hamburg-Wien

Mark R.A.(1989): Die Völker der Sowjetunion. Ein Lexikon, Opladen

Milosevic N.(2009): Der Russland-Georgien-Krieg 2008. Auswirkungen auf die Europäische Sicherheitsarchitektur, Hamburg

Nakhutsrishvili L.-Heinrich-Böll-Stiftung(2018): Georgien, Neu buchstabiert. Politik und Kultur eines Landes auf dem Weg nah Europa, Bielefeld

Panagl Cl.(2018): Georgien schlägt ein neues Kapitel auf, in: Salzburger Nachrichten, 8.10.2018, 7

Quiring M:(2008):: Russland. Orientierung im Riesenreich, Berlin

Quiring M.(2009): Pulverfass Kaukasus. Konflikte am Rande des russischen Imperiums, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 792, Bonn

Thuswaldner A.(2018): Am Rand des Kaukasus blüht die Literatur, in: Salzburger Nachrichten, 8.10.2018, 7

Werfel Fr.(1990): Die vierzig Tage des Musa Dag, Frankfurt/M.

IT-Autorenbeiträge    

Die Autorenbeiträge dienen der Ergäzung der Thematik.


http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index:

Politische Bildung

Interkulturelle Kompetenz

Globales Lernen

Europa als Lernfeld

Zum Autor    

APS-Lehramt - VS, HS und PL; zertifizierter Schüler- und Schulentwicklungsberater, Lehrbeauftragter am PI des Landes Tirol/Lehrerbildung(1990-2002), Mitglied der Lehramtsprüfungskommission für die APS beim Landesschulrat für Tirol(1993-2002)

Absolvent des Instituts für Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/Doktorat(1985), des 10. Universitätslehrganges Politische Bildung/ Universität Salzburg-Klagenfurt/MSc(2008), der Weiterbildungsakademie Österreich/Wien/Diplome(2010), des 6. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg/Diplom(2012), des 4. Internen Lehrganges für Hochschuldidaktik/ Universität Salzburg/Zertifizierung(2016), des Online-Kurses "Digitale Werkzeuge für Erwachsenenbildner_innen"/ TU Graz-CONEDU-Werde Digital at.-Bundesministerium für Bildung Wien/Zertifizierung(2017), des Fernstudiums Erwachsenenbildung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium-Comenius Institut Münster/Zertifizierung(2018)

Lehrbeauftragter am Institut für Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft/ Universität Wien, Berufspädagogik-Vorberufliche Bildung(1990/1991-2010/2011), am Fachbereich Geschichte/ Universität Salzburg/Lehramt-Didaktik der Politischen Bildung(ab 2015/2016); Kursleiter an den VHSn des Landes Salzburg Zell/See, Saalfelden, Mittersill und Stadt Salzburg(ab 2012); Mitglied der Bildungskommission der Evangelischen Kirche Österreich(2000-2011), stv. Leiter des Evangelischen Bildungswerks in Tirol(2004-2009, ab 2017)

Aufnahme in die Liste der sachverständigen Personen für den Nationalen Qualifikationsrahmen/NQR, Koordinierungsstelle für den NQR/Wien(2016)


MAIL dichatschek (AT) kitz.net

 
© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 12. Oktober 2018