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Projekt GEWALT IN DER SCHULE

Gewalt in der Schule    

Partner in Europa - Comenius - Projekt "Wer seid ihr? Wer sind wir?" - Ref. Nr. EBP98/P/HS5    

Ein Beitrag zur Politischen Bildung/Erziehung in Österreich    

Zusatzprojekt: Europäische Kommission, Initiative "Gewalt in der Schule" - Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt im schulischen Bereich, Nr. GD XXII/15/98, ABl Nr. C 303 v. 4.1O.97. S 3

Stand: Februar 2001


Günther Dichatschek

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Gewalt in der Schule   
Partner in Europa - Comenius - Projekt "Wer seid ihr? Wer sind wir?" - Ref. Nr. EBP98/P/HS5   
Ein Beitrag zur Politischen Bildung/Erziehung in Österreich   
Was man weiß   
Abriss des Projekts   
TEIL I: Wissen über Gewalt an Schulen   
TEIL II: Mittel gegen Gewalt   
TEIL III   
Reflexive Phase   
Literaturhinweise/Auswahl   
IT-Autorenhinweise   
Zum Autor   

Kernstück des Projekts ist die Darlegung eines Interventionsprogrammes - "Was kann man in der Schule gegen Gewalt unternehmen?" - im Rahmen eines inzwischen abgeschlossenen EU-Projekts mit den Ländern ÖSTERREICH, DEUTSCHLAND und SCHWEDEN für die Sekundarstufe I, das drei Ziele verfolgte(vgl. EUROPÄISCHE KOMMISSION, Initiative "Gewalt in der Schule", Maßnahmen zu Bekämpfung von Gewalt im schulischen Bereich, Nr. GD XXII/15/98, ABl Nr. C 303 v. 4.1O.97, S 3):

  • unmittelbare(offene körperliche und verbale Attacken), und mittelbare Gewalt(soziale Isolierung, Untergraben des Selbstvertrauens) zu vermindern und, wenn möglich, zu verhindern
  • bessere Beziehungen zwischen Gleichaltrigen in der Schule herstellen und
  • Bedingungen schaffen, die Opfern und Tätern ein Zurechtfinden innerhalb und außerhalb der schulischen Umgebung ermöglicht.
Die Ergebnisse des Projekts und des weiterführenden Programmes sind ermutigend und eine wertvolle Anleitung für künftige Handlungsvorschläge.

Betont werden muss, dass es ein gemeinsames Schulethos, eine Abstimmung von Methoden, gemeinsame Richtlinien, einen längerfristigen Aktionsplan und die Mitarbeit der Eltern geben muss.

Das Programm verhindert gesellschaftsfeindliche Aktivitäten auch außerhalb der Schule.

Was man weiß    

Gewalt unter Schulkindern in der Sekundarstufe I - "Schule der Zehn- bis Vierzehnjährigen" - ist ein Phänomen, das Mobben und Angriffe umfasst und in der Literatur der Erziehungswissenschaften beschrieben wird.

Besonders in Skandinavien - das Projekt umfasste neben einer österreichischen auch eine deutsche und schwedische Schule(Kitzbühel - Salzgitter/Flachstöckheim - Söderköping) - erweckte das Problem bereits in den 60er und frühen 70er Jahren gesellschaftliches Interesse(vgl. HEINEMANN 1972, OLWEUS 1973).

Abriss des Projekts    

Teil I gibt - ohne Anspruch auf ein umfassendes Bild, das auch ein solches Projekt nicht vermitteln kann - einen Überblick über Fakten des Problems. In der Fachliteratur wird auf FARRINGTON 1975, ELLIOTT 1991 und SKINNER 1992 verwiesen.

Teil II ist die Darstellung des Programmes, das in Zusammenhang mit dem EU-Schulprojekt "Partner in Europa - Wer seid Ihr? Wer sind wir?"(Ref.-Nr. EBP98/P/HS5; Österreich) entwickelt wurde.

Es geht hier ausschließlich um pädagogische Maßnahmen, wie sie die Schule(n), Klasse(n) und SchülerInnen leisten können.

Teil III gibt Ratschläge - aus der Sicht des Projektkoordinators - für bestimmte Schularten, wobei Kernelemente des Programmes besonders betont werden.

TEIL I: Wissen über Gewalt an Schulen    

Ein(e) SchülerIn ist Gewalt ausgesetzt, wenn er/sie wiederholt und über längere Zeit negativen Handlungen eines oder mehrerern SchülernInnen ausgesetzt ist.

Negative Handlungen sind verbale - Drohen, Spott, Beschimpfungen und Hänseln - und/oder durch Körperkontakt begangene Verfehlungen. Es entsteht in jedem Fall ein Ungleichgewicht der Kräfte, wobei es nützlich ist,

(1) unmittelbare - offene Angriffe - und

(2) mittelbare Gewalt - gesellschaftliche Ausgrenzung und Ausschluss - zu unterscheiden.

Im Projekt war als Trend zu erkennen, dass Buben Gewalt eher ausgesetzt sind als Mädchen. Mädchen sind allerdings eher mittelbarer Gewalt und rafffinierterer Methoden ausgesetzt. Üble Nachrede und Verbreitung von Gerüchten sind hier üblicher.

Im Projekt wurde das Eingreifen von LehrernInnen festgehalten. Etwa 60 Prozent der Lehrkräfte versuchen "hin und wieder" oder "fast nie" einzugreifen. Auch zu Hause - also im Elternhaus - sprechen nur ca. 35 Prozent über die Problematik. Offensichtlich ist man sich des Problems wenig bewusst und arbeitet wenig auf.

Gewalt auf dem Schulweg ist bekannt, nach den Projektergebnissen jedoch nicht so verbreitet wie vermutet. Schule ist ohne Zweifel der Ort, an dem am meisten Gewalt ausgeübt wird.

Eine verbreitete Ansicht ist die, dass Gewaltprobleme ungefährt proportional mit der Schul- und Klassengröße zunehmen. Dies konnte - in Übereinstimmung mit OLWEUS (1996, 35-36) - im Projekt nicht nachgewiesen werden.

Je größer die Anzahl der LehrerInnen bei einer Pausenaufsicht war, desto niedriger ist auch die Zahl der Gewaltfälle in der Schule. Dies ist deswegen so wichtig zu erwähnen, weil eine ausreichende Anzahl von Erwachsenen nötig ist, schon im Anfangsstadium einzugreifen.

Bezüglich einer Unveränderlichkeit des Gewaltopfers wurde im Projekt festgestellt, dass SchülerInnen oft über längere Zeit bereits in schwierigen Situationen sich befinden. Besondere Anstrengungen sind jedenfalls notwendig, aus dieser Situation herauszukommen.

Die These, dass Gewalt eine direkte Folge von Konkurrenzsituationen um gute Zensuren/Noten sei(vgl. "Zensurenmentalität"), konnte in diesem Projekt nicht bestätigt werden. Vielmehr war zu erkennen, dass eher Täter und Betroffene schlechte Zensuren/Noten haben.

Äusserliche Auffälligkeiten spielen ebenso keine Rolle, lediglich "körperliche Stärke" kommt bei Tätern zum Tragen. Erwähnt werden muss aber auch, dass Gewalt von Einwanderern in dieser Altersgruppe keine Rolle spielt(vgl.OLWEUS 1996, 40).

Interessant war für das Projekt die Art der Erziehung und die Bedingungen in der Kindheit, die zu Gewaltaktionen führen(können):

  • Bei der emotionalen Grundeinstellung der Eltern - erste Bezugsperson ist gewöhnlich die Mutter - spielt fehlende Wärme und Anteilnahme eine Rolle und erhöht jedenfalls das Risiko.
  • Zuviel Freizeit/Liberalität erhöht ebenso das Risiko.
  • Machtbetonte Erziehungsmethoden - Gewalt erzeugt Gegengewalt - erhöhen ebenso das Risiko. Wichtig ist, dem Heranwachsenden Grenzen zu setzen und bestimmte Regeln - im Idealfall in Übereinstimmung mit SchülernInnen und Eltern - aufzustellen.
  • Das Temprament der SchülerInnen stellt in seinen Auswirkungen einen geringeren Faktor dar als die vorhergehenden Aspekte.
Viele unerwünschte Aktivitäten der Kinder außerhalb der Schule finden in der Regel eher statt, wenn Eltern nicht wissen, was ihr Kinder tun oder wenn sie/andere Erwachsene abwesend sind (vgl. ENGEL- HURRELMANN 1993).

Interessant ist die Feststellung, dass sozioökonomische Bedingungen der Familie - Einkommen, Dauer der elterlichen Erziehung und Wohnstandard - in diesem Projekt kaum eine Rolle spielten. Ein ängstliches Kind leicht(er) in die Opferrolle zu drängen, kann man durch Erziehung zu größerer Unabhängigkeit, größerem Selbstvertrauen und mehr Durchsetzungsvermögen minimieren. In Teil II wird dies ausgeführt.

Gruppenphänomene erleichtern oft Reaktionsmechanismen bei Gewalttätigkeiten in der Schule:

  • Rollenvorbilder konnten bei unsicheren SchülernInnen beobachtet werden. Eine Art "soziale Ansteckung" gibt es.
  • Interessant zu beobachten war ein abgeschwächtes Gefühl sozialer Verantwortlichkeit. Aus der Sozialpsychologie weiß man, dass eine einzelne Person das Gefühl individueller Verantwortlichkeit bei Gewalttätigkeiten als vermindert empfindet, wenn mehrere Personen daran teilnehmen.
  • Gewalt im Fernsehen, auf Videos und im Film wird oft als Auswirkung für Gewalttätigkeiten angenommen. Solche Beobachtungen fehlen im Projekt, wiewohl die TV- und Video-Konsumzeiten bei den österreichischen und deutschen SchülernInnen eher als hoch anzusetzen sind (Ausnahme: SchülerInnen von Sportklassen in Österreich haben mehrere Nachmittage Sportunterricht und folglich einen geringeren TV- und Video-Konsum; vgl.allgemein dazu ERON & HUESMAN 1986, OLWEUS 1984; OPASCHOWSKI 2001, 122-149; JANIG-HEXEL-LUGER-RATHMAYR 1988, 266-267).

TEIL II: Mittel gegen Gewalt    

Überblick über das Interventionsprogramm

Schulebene:

  • Fragebogen-Erhebung
  • Pädagogischer Tag "Gewalt und Gewaltprävention an der Schule"
  • Aufsicht in der Pause
  • Schulhof - Verhalten
  • Kooperation Lehrer-Eltern
  • Arbeitsgruppen: Schulentwicklung
Klassenebene:

  • Erstellen von Klassenregeln
  • Klassengespräche
  • Rollenspiel
  • Kooperatives Lernen
  • Klassenaktivitäten
  • Eltern-Lehrer-Zusammenarbeit
Persönliche Ebene:

  • Schülerberatungsaktivitäten - Gespräche mit Tätern und Opfern
  • Gespräche mit Eltern beteiligter SchülerInnen
  • Lehrer-Eltern-Initiativen
  • Hilfe von neutralen SchülernInnen
  • Diskussionsgruppen
  • Klassen- und Schulwechsel
Zwei Bedingungen müssen erfüllt werden, wenn die angestrebten Ziele in einer Schule erreicht werden sollen:

  • Lehrer und Eltern/Erwachsene müssen das Ausmaß des Problems an der Schule erkennen.
  • Lehrer und Eltern/Erwachsene müssen beschließen, sich ernsthaft für eine Änderung einzusetzen.

Schulpädagogisch gilt heute als gesichert, dass keine schulische Umgebung als "gewaltsicher" gelten kann. "Immer wenn mehrere Schüler in einer Gruppe zusammen sind, können Gewaltszenen auftreten, besonders wenn sie selbst die Zusammensetzung der Gruppe nicht selbst bestimmen können und Erwachsene nicht anwesend sind. Das ist eine begründete allgemeine Annahme"(OLWEUS 1996, 72; vgl. HURRELMANN 1991, 103-108 und SPREITER 1993). Bildungspolitisch leiden alle Länder der EU unter dem Problem der Gewalt an den Schulen. Doch die Reaktion der Politiker ist nicht überall die gleiche(vgl. Präventivmodelle im Rahmen von Schulentwicklung unter Einbeziehung von Eltern und Angeboten der Freizeitgestaltung zum Abbau von Aggressionen/Niederlande 2002 - TV-ARTE F, 12.8.04 "Gewalt in der Schule").

Mit Hilfe eines Fragebogens war der IST-Zustand auf der Schulebene zu erheben. Dies stellte die Ausgangsbasis für weitere Maßnahmen dar und hatte Bedeutung für eine differenzierte Sichtweise des Problembewusstseins aller Beteiligter.

Auf schulischer Ebene war ebenso ein Pädagogischer Tag sinnvoll durchzuführen. Schulleitung, LehrerInnen, Experten der Lehrerfortbildung, Elternvertreter und ggf. Schulpsycholgie und Schülerberatung sind hier gefordert. Die Ergebnisse des Fragebogens sind zu diskutieren. Der Handlungsplan ist in der Folge zu erstellen. Im Rahmen der Schulentwicklung ergeben sich solche Überlegungen zwangsläufig, wenn man folgerichtig weitere Schritte schulischer Entwicklungsmöglichkeiten setzen will (vgl.u.a. PHILIPP 1998).

Für eine breitere Information ist eine Schulforums-/Schulgemeinschaftsausschuß-Sitzung notwendig. Durch Beschluss kommt es zu einer allgemeinen schulischen Verpflichtung.

Wesentlicher Bestandteil aller Maßnahmen ist das schnelle und entschlossene Eingreifen in Gewaltsituationen. Richtschnur kann nur ein eher zu frühes als zu spätes Reagieren sein. Weitere Maßnahmen sind die gegenseitige Information über Zwischenfälle und eine besondere Aufsicht über Gefahrenbereiche, insbesondere abgeschlossene Bereiche der Schule.

In Gewaltsituationen kann ein Kontakttelefon sehr nützlich sein. Eine Vertrauensperson der Schule - im Regelfall der/die SchülerberaterIn - kann zu bestimmten Zeiten erreichbar sein. Aufgabe ist dann, Beistand zu leisten und sich ein Bild über die Situation zu verschaffen. "Hilfe zu Selbsthilfe" als Mittel, die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen, ist jedenfalls ein pädagogisches Ziel guter Kommunikation.

Die Zusammenarbeit Lehrkräfte/Eltern ist - über Gewaltprobleme hinaus - Ziel jeder Schulentwicklung. Einzelgespräche, Telefonkontakte und Eltern/Lehrer-Treffen - in Verbindung mit ggf. externen Experten - sind sehr wünschenswert.

Eine Aktion gegen Gewalt an der Schule darf nicht zur Show mit kurzlebigen Aktivitäten werden. Es empfiehlt sich daher, aus der gegenwärtigen Situation heraus, eine Steuergruppe einzusetzen, die im Rahmen von Schulentwicklung sind mit der Gewaltproblematik auch befasst. Elternvertreter müssen bei diesen Problemen selbstverständlich miteinbezogen werden.

Eine Hilfestellung im Kampf gegen Gewaltprobleme und zur Schaffung eines besseren Sozialklimas liegt in der Verständigung über praktikable Regeln gegen Gewalt.


Drei Regeln gelten als Ausgangspunkt jeder Diskussion:

  • Wir mobben nicht andere SchülerInnen.
  • Wir versuchen zu helfen.
  • Wir dulden keine Ausgrenzung von SchülernInnen.

Zugang zur Problematik kann die Kinder- und Jugendliteratur sein(vgl. SKINNER 1992). Mit der Schaffung eines Problembewusstseins, einem altersgemäßen Rollenspiel - "Spiel und Wirklichkeit" - und einem Erarbeiten eines Regelwerks mit Sanktionen wird Verantwortungsgefühl erzeugt.

Die Kombination von Lob für positive Handlungen und Sanktionen im Rahmen einer zeitgemäßen Strafpädagogik ergibt - auch in diesem Projekt - gute Ergebnisse. Eine leichte Anwendbarkeit mit unangenehmen Folgerungen - ohne feindlich zu sein - muss pädagogischer Grundsatz sein.

Folgende Sanktionen bewähren sich und können ohne Schwierigkeiten für den Alltag angewendet werden:

  • persönliches Gespräch mit SchülernInnen und Eltern(-teil)
  • Gespräch mit dem Schulleiter
  • Sitzenlassen vor dem Büro des/der SchulleitersIn in mehreren Pausen
  • Klassenwechsel in mehreren Stunden, auch bei jüngeren SchülernInnen
  • Aufenthalt in Pausen in der Nähe des/der aufsichtsführenden LehrersIn
  • Entzug von Privilegien und
  • Kostenrückerstattung bei Schäden.
In den regelmäßigen Klassengesprächen - im Rahmen des Lernbereiches "Soziales Lernen" - wird man als Sitzordnung sinnvollerweise den Kreis oder Halbkreis benützen, womit Blickkontakt und Vertrautheit erzeugt wird.

Gruppendruck durch wöchentliche Rückblicke kann leichter ermöglicht werden.

Kooperatives Lernen hat nicht nur auf eine Lernbereitschaft eine günstige Auswirkung, sondern darüberhinaus auch auf andere Bereiche wie einer Hilfsbereitschaft, dem Abbau von Vorurteilen und besserer Gruppenakzeptanz. Die Leistung innerhalb der Gruppe wird erweitert, damit ist jedes Mitglied verantwortlich. Es ergibt sich so eine positive Abhängigkeit.


LERNPROGRAMM: Soziales Lernen in der Sekundarstufe I

Zielsetzung:

  • Förderung von Handlungskompetenz
  • Verbesserung des Lernklimas in der Klasse
Die SchülerInnen sollen in Konflikt- und Problemsituationen sozialpositiv und für sich selbst erfolgreiche Lösungstrategien wählen können.

Schülertraining:

Projektunterricht in einem offenen Curriculum: flexible Module, didaktisch variabel.

Methoden:

  • Klassengespräch
  • Rollenspiel
  • Gruppenarbeit
  • Gruppen- und Partnerspiel
Themen:

  • Vorurteile und Diskriminierung von Minderheiten
  • Beziehung zur Erwachsenenwelt
  • Konflikte mit Autoritätspersonen
  • Konflikte mit peer-groups-Angehörigen
  • jugendliches Entscheidungsverhalten und
  • Hintergründe und Folgen von Straftaten.
Lehrerberatung:

Begleitende Beratung des Klassenvorstandes/-lehrersIn durch einen SchülerberaterIn/BeratungslehrersIn/MediatorIn? und Gruppensitzungen zum Erfahrungsaustausch.


Eine besondere Form eines solchen Lernens mit Integration in den gesellschaftlichen Rahmen sind "Berufpraktische Tage" im Lernbereich "Vorberufliche Bildung/Erziehung" (Berufsorientierung/Berufswahlvorbereitung), bei denen SchülerInnen Wege beruflicher Bildung und der Arbeits- und Berufswelt mit Anforderungen, Aussichten und Entwicklungen, Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten in Schulen/Betrieben, dem Arbeitsmarktservice ("Arbeitsamt") bzw. BIZ (Berufsinformationszentrum)und den Sozialpartnern mit ihren Klassenkameraden erkunden. In einem Betrieb ihrer Wahl werden 1-3 Tage mit- bzw. zusammengearbeitet. Die verantwortliche Lehrkraft kann eine Gruppe von positiven SchülernInnen um isolierte Buben/Mädchen bilden. Im Rahmen des Projekts sind hier gute Erfolge im außerschulischen Raum zu beobachten (vgl. DICHATSCHEK 1995, 67-76; KOCH-SCHWARZ 2001).

Eine gemeinsame Kooperation Eltern - LehrerInnen bedeutet ebenfalls Hilfestellung für Eltern, um sich mehr für ein Schulleben ihrer Kinder zu interessieren und mehr darüber zu erfahren. Die schwedische Bildungspolitik macht in diesem Zusammenhang deutlich, dass die Schule verpflichtet ist, sich aktiv an solchen Angelegenheiten zu beteiligen. Ein Zitat aus der amtlichen schwedischen Bildungspolitik zur Erziehung verdeutlicht dies(Lgr. 80, 25): "Die Schule muss selbst Kontakt zu den Eltern aufnehmen, um die erforderliche Zusammenarbeit zu fördern...... Die Schule trägt die Verantwortung dafür, dass die Kontakte tatsächlich hergestellt werden" (OLWEUS 1996, 96). Eindeutig geht daraus hervor, dass der Grundsatz sich nicht auf die Schulleistung der SchülerInnen beschränkt, sondern die Gesamtsituation zu berücksichtigen hat (vgl. den Erziehungsauftrag in den deutschsprachigen Schulen).

Einzelgespräche als pädagogische Maßnahme sind auf der persönlichen Ebene mit dem gewalttätigen Kind/Kindern und dem Opfer notwendig. "Mobben ist zu stoppen!" und "Man akzeptiert keine Gewalt!" lautet die Botschaft. Sollte es notwendig sein, wird man auch weiterführende Maßnahmen zu setzen haben (ExpertenInnen?/Schülerberatung, Jugendamt, Psychotherapie...).

Eltern können viel zur Verbesserung der Situation leisten. Jedenfalls muss ihrem Kind in familiären Rahmen klargemacht werden, dass gewalttätiges Verhalten nicht geduldet werden kann. Einfache Familienregeln, Sanktionen erstellen und positive Verstärkung das Kind erleben lassen, gehören zum Kanon dessen, was hilft, familiäre Gewaltprobleme in der Schule in den Griff zu bekommen.

Wenn Probleme trotz wiederholter Lösungsversuche weiter bestehen, ist möglicherweise ein Wechsel von Klasse/Schule die einzige Lösung. Jedenfalls sollte dann der/die aggressive SchülerIn und nicht das Opfer versetzt werden.

TEIL III    

Nach den bisherigen Projekterkenntnissen in Verbindung mit der Fachliteratur verbleibt der Hinweis auf eine Übersicht über ein praktikables Kernprogramm, das pädagogische Maßnahmen - und um diese geht es nur in diesem Projekt - erleichtert.

KERNPROGRAMM

Problembewusstsein und Betroffensein der LehrerInnen und Eltern

Schulebene:

  • Fragebogenerhebung
  • Pädagogischer Tag/Konferenz - Schulentwicklung
  • Aufsicht in den Pausen und Freizeiten
Klassenebene:

  • Klassenregeln gegen Gewalt
  • Klassengespräche - Soziales Lernen
Persönliche Ebene:

  • Gespräche mit gewalttätigen Kindern und Opfern
  • Gespräche mit Eltern beteiligter Kinder
  • Lehrkräfte und Eltern setzen Aktivitäten
Im Rahmen von Schulentwicklung kann jede Schule ein Programm erstellen, damit es erst gar nicht zu Gewaltproblemen kommt(vgl. TV-ARTE F, Frk 2002 "Gewalt in der Schule", 12.8.04/Präventivmaßnahmen in den Niederlanden/Rotterdam - Elternkurse, Freizeitangebote für SchülerInnen und Eltern).

Reflexive Phase    

Es gibt eine Reihe von Erkenntnissen und Informationen über unmittelbare und mittelbare Gewalt in der Schule.

Es läuft - wie bei allen schulpädagogischen Maßnahmen - auf den Willen und das Engagement von Erwachsenen (LehrerInnen - Eltern - Experten) hinaus, wieviel Gewalt in einer Schule stattfinden darf. Inwieweit unsere Gesellschaft bereit ist, Änderungen durchzuführen, ist eine Frage des Informationsstandes, des Wissens um solche Phänomene und des gesellschaftlichen Engagements.

In jeden Fall sind Schulentwicklungsprozesse förderlich und hilfreich.

Literaturhinweise/Auswahl    

Angeführt sind diejenigen Titel, die für den Beitrag verwendet und/oder direkt zitiert werden.


  • ARTE F-TV: Gewalt in der Schule, Frankreich 2002, 12.8.2004, 14.45 - 15.11 h
  • BR - ALPHA, Schulfernsehen - Gewalt in der Schule, 7.6.2005, 14.00 - 14.15 h
  • Dichatschek G.(1995): Berufswahl heute - Soziale Handlungsfelder vorberuflicher Bildung, in: GW UNTERRICHT Nr. 58/1995, 67-76
  • Elliott M.(Hrsg.)(1991): Bullying: A practical guide to coping for schools, Harlow(Longman)
  • Engel U.-Hurrelmann K.(1993): Was Jugendliche wagen, Weinheim
  • Erziehung und Unterricht, Sonderheft 9 - 10/2000 "Schulpartnerschaften - COMENIUS 1 - Schritt für Schritt zu einer erfolgreichen Projektantragstellung", Wien
  • Farrington D.(1995): Understanding and preventing bullying, in: Tonry M. & Morris N.(Hrsg.)(1995): Crime and Justice. Vol. 17. Chicago, University of Chicago Press.
  • Holtappels H.G. / Heitmeyer W. / Melzer W. / Tillmann K.-J.(Hrsg.)(1999): Forschung über Gewalt an Schulen, Weinheim-München
  • Hurrelmann K.(1991): Wie kommt es zu Gewalt in der Schule und was können wir dagegen tun?, in: Kind, Jugend und Gesellschaft Nr. 36/1991, 103-108
  • Janig H.- Hexel P.C.-Luger K.- Ratmayer B.(Hrsg.)(1988): Schöner Vogel Jugend. Analysen zur Lebenssituation Jugendlicher, Linz
  • Koch H.H.-Schwarz U.(2001): Betriebspraktikum. Arbeitsheft zur projektorientierten Durchführung des Schülerbetriebspraktikums, Regensburg
  • Korte J.(1992): Faustrecht auf dem Schulhof. Über den Umgang mit aggressivem Verhalten in der Schule, Weinheim
  • Landesinstitut für Schule und Weiterbildung(Hrsg.)(1993): Aktuelle Gewaltentwicklung in der Gesellschaft - Vorschläge zur Gewaltprävention in der Schule, Soest
  • Martin L.R.-Martin P.(2003): Gewalt in Schule und Erziehung. Ursachen-Grundformen der Prävention und Intervention, Bad Heilbrunn
  • Olweus D.(1996): Gewalt in der Schule, Bern
  • Opaschowski H.(2001): Deutschland 2010, Hamburg
  • Pädagogik: Gewalt in der Schule, Themenheft, 45. Jg., H 3
  • Philipp E.(1998): Teamentwicklung in der Schule -Konzepte und Methoden, Weinheim
  • Preuschoff G.(1997): Schulprobleme, Köln
  • Singer K.(1988): Lehrer-Schüler-Konflikte gewaltfrei regeln, Weinheim
  • Spreiter M.(Hrsg.)(1993): Gewalt an Schulen, Weinheim
  • Winkel R.(1993): Der gestörte Unterricht, Bochum
IT-Autorenhinweise    

Netzwerk gegen Gewalt

http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index:

Schule

Erziehung

Vorberufliche Bildung in Österreich

Interkulturelle Kompetenz

Migration in Österreich 1,2


Mit Unterstützung der Europäischen Union


Zum Autor    

APS-Lehrer/Lehrämter VS-HS-PL, Schüler- und Schulentwicklungsberater, Lehrerbildner/PI des Landes Tirol(1994-2003), Lehrbeauftragter am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien/Berufspädagogik bzw. Aus- und Weiterbildung/Vorberufliche Bildung(1990/1991-2010/2011), Lehrbeauftragter am Fachbereich Geschichte der Universität Salzburg/Lehramt "Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung"-"Didaktik der Politischen Bildung"(ab 2015/2016)

Gründungsteilnehmer der LehrerInnen-Plattform für Politische Bildung/Menschenrechtsbildung des bm:bwk(2004)

Absolvent des Instituts für Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/Doktorat(1985), des 6. Lehrgang "Interkulturelles Konfliktmanagement"/Integrationsfonds-BM.I.(2010), des 10. Universitätslehrgang "Politische Bildung"/Universität Salzburg bzw. Klagenfurt/Master(2008), des 7. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz/Universität Salzburg/Diplom(2012), der Weiterbildungsakademie Österreich/Diplome(2010), der Personalentwicklung für Mitarbeiter der Universitäten Wien/Bildungsmanagement(2010) und Salzburg/4. Interner Lehrgang für Hochschuldidaktik/Zertifizierungen(2015/2016)

Aufnahme in die Liste der sachverständigen Personen für den Nationalen Qualifikationsrahmen/NQR, Koordinierungsstelle für den NQR/Wien(2016)


MAIL dichatschek (AT) kitz.net


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© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 3. September 2017