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Wolf
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=== 3.1.3 Der Wolf in Slowenien =
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=== 3.1.3 Wolf in Slowenien =
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Aspekte einer Beziehung im Kontext Politischer Bildung |  |
Günther Dichatschek
 | | Inhaltsverzeichnis dieser Seite | |
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Vorbemerkung |  |
Der Wolf ist in den mitteleuropäischen Raum zurückgekehrt. Die Begeisterung ist ebenso groß wie die Unsicherheit und die Einschätzung von Gefahrenmomenten.
Erkenntnisse der Wildkunde, Verhaltenskunde, Volkskunde, Ethnologie und Politischer Bildung werfen Fragen auf, die ein komplexes Thema betreffen und einen Beitrag zu einem Diskurs anbieten.
Ausgangspunkt der Überlegungen und des Interesses sind die
- Absolvierung des Studiums der Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck,
- Absolvierung des Universitätslehrganges Politische Bildung/ Universität Salzburg - Klagenfurt,
- Absolvierung des Fernstudiums Nachhaltige Entwicklung/ Comenius - Institut Münster und
- Auseinandersetzung mit der Fachliteratur.
Nutztiere fallen dem Wolf zum Opfer. Für Naturschutzorganisationen steht der Schutz des Wolfes an erster Stelle.
Die Studie gliedert sich in eine Vorbemerkung, Einleitung, Allgemeines zur Wolfspopulation, Wolfspopulation in Europa, Wölfe in Österreich, Wölfe in der Schweiz, Aspekte einer Politischen Bildung, einen Mediendiskurs, Wölfe in Märchen und Mythologie und eine Reflexion.
Angestrebt wird eine Versachlichung der komplexen Thematik. Unabhängig davon versteht es sich selbstverständlich, den aktuellen Diskurs vielschichtiger anzuregen.
1 Einleitung |  |
Die neuerliche Diskussion in Form einer sachlichen Darstellung der Problematik einer Rückkehr von Wölfen in die alpine Region mit allen Schwierigkeiten steht der Realität einer Berglandwirtschaft und Tourismusregion mit ihrer Bipolarität und Komplexität des Sachverhalts entgegen.
Die Beutegreifer bzw. Wildtiere kümmern sich nicht um einen Tierschutz und richten mitunter ein Blutbad unter Schafherden an und gefährden zunehmend die Alm- und Erholungszone im Gebirge und kommen bis in die dicht bewohnten Täler.
Was in den Westalpen mit einem Herdenschutz möglich ist, kann man nicht deckungsgleich in der Region der Ostalpen umsetzen, fehlen doch ein Hirtenwesen für die Almregion und die organisatorischen Voraussetzungen.
Ein Wunschdenken einer Rückkehr in die mehr und mehr dicht besiedelte und genützte Gebirgszone und Täler hat die Realitäten anzuerkennen.
Salzburger Nachrichten
Online - Leserforum 25. August 2021
Rückkehr des Wolfes - Günther Dichatschek
2 Wolfspopulation allgemein |  |
Wölfe leben in einer sozialen Gruppe (Rudel) als Beutegreifer, die sich vor allem von wilden Huftieren wie Rehe, Rotwild oder Wildschweinen ernähren. Wölfe lassen sich mit großen Haushunden leicht verwechseln, vor allem bei flüchtigen Begegnungen, wenn man nicht alle Merkmale erkennen kann.
Für eine gute Unterscheidung sollte man wissen, dass Wölfe hochbeiniger als Hunde sind. Sie haben einen großen breiten Kopf, im Vergleich kleine, dreieckige Ohren und der Schwanz hängt nach unten. Das Fell ist grau mit gelblichen bis dunkelbraunen Untertönen. Auffällige Fellmerkmale sind der helle Sattelbereich, scharf abgegrenzt von der dunklen Sattellinie, die schwarze Schwanzspitze und der helle weiße Bereich an Unterkiefer und Kehle. Die Spuren Wolf und Hund sind von Ungeübten nicht leicht voneinander zu unterscheiden. Das Trittsiegel (Abdruck der Pfote) eines großen Hundes kann dem eines Wolfs sehr ähneln. Nur durch die Verknüpfung verschiedener Merkmale wie Schrittlänge, Gangart und Details im Trittsiegel kann man eine Wolfsfährte von der eines Hundes unterscheiden.
Als Ausdauerläufer bewegen sich Wölfe, wie auch der Fuchs, vorwiegend im energiesparenden geschnürten Trab. Dabei wird die Hinterpfote genau in den Abdruck der Vorderpfote der gleichen Seite gesetzt. Auf diese Weise legen Wölfe jede Nacht Strecken von mehr als 20 km zurück. Während der Abwanderung kann die Laufleistung bis zu 80 km in 24 Stunden betragen. Mit Hilfe von besenderten Jungwölfen konnten Wildbiologen Abwanderungen dokumentieren, bei denen einige Tiere mitunter extrem weite Wanderungen zurücklegten. So wanderte der Wolf "Alan" von Sachsen bis nach Weißrussland mindestens 1 550 km. Dabei wurden Autobahnen und breite Flüsse überwunden. Sein Bruder "Karl" lief nur in 16 Tagen zum 400 km entfernten Berlin und wieder zurück.
Ein anderer besenderter Wolf machte sich auf den Weg nach Norden, überquerte die Alpen und hielte sich zwei Jahre lang in der Umgebung von Bonn auf. Somit können auch in Österreich einzelne Wölfe aus weit entfernten Gebieten auftauchen.
Nach 61-64 Tagen Tragzeit werden vier bis sechs Welpen Ende April in einer Höhle geboren und etwa acht Wochen gesäugt. Mit ca. 22 Monaten werden die Jungtiere geschlechtsreif. Zwischen dem zehnten und 22. Lebensmonat wandern sie aus ihrem Elternrudel ab und suche nach einem eigenen Revier. In freier Wildbahn können Wölfe acht bis 16 Jahre alt werden. Die Sterblichkeit ist besonders in den ersten beiden Lebensjahren hoch.
Im Rudel können Wölfe Beutetiere wie Elche oder Rothirsche erlegen, die um ein Vielfaches größer und schwerer sind. Die körperliche Unversehrtheit ist für Wölfe überlebenswichtig. Huftritte dieser Tiere können tödlich sein. Deshalb jagen sie überwiegend Jungtiere, alte und kranke Tiere. Damit erfüllen die Wölfe eine wichtige ökologische Funktion.
Unter den Angriffen von Wölfen auf landwirtschaftliche Nutztiere gehören Schafe und Ziegen wegen ihrer Körpergröße und Lebensweise zu den meisten betroffenen Nutztieren.
Gesunde Wölfe, die nicht von Menschen angefüttert wurden, haben in der Regel kein Interesse am Menschen. Jungtiere können Neugierde zeigen, die mit dem Alter und ausbleibenden Anreizen wie Fütterung wieder verschwinden. Ausgewachsene Wölfe gehen Menschen eher aus dem Weg, wenn sie diese bemerken. Es ist normal, wenn sie zunächst stehen bleiben und die Lage einordnen, bevor sie traben.
Nach über 100 Jahren gab es seit 2016 mit dem Rudel in Allensteig/ Niederösterreich die erste Reproduktion von Wölfen in Österreich.
Anfang des Jahres 2000 konnte im deutschsprachigen Raum erstmals seit der Ausrottung des Wolfes im 19. Jahrhundert wieder eine regelmäßige Reproduktion in freier Wildbahn nachgewiesen werden (vgl. HERZOG 2016, 227-237).
3.1 Mitteleuropa |  |
Nach Mitteleuropa erfolgten bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts regelmäßige Zuwanderungen aus der baltisch-osteuropäischen Population, welche sich nicht etablieren konnte. Erst durch die ökonomische Umbruchsituation im östlichen Mitteleuropa und eine hohe Dichte von Beutetieren mit gesetzlichem Schutzstatus und einer Gesetzestreue bei Tierhaltern und Jägern kam es zur Etablierung von Wolfsrudeln.
Es handelte sich zunächst um Tiere aus dem baltisch-ostpolnischen-ukrainischen Raum. Hier und am Balkan gab es schon immer ein stabiles Wolfsvorkommen. Weitere Vorkommen existieren in Teilen Spaniens, Italiens und Frankreichs. In der Schweiz und Teilen Österreichs geht die Wiederbesiedelung von Frankreich bzw. Italien aus.
Von Interesse ist die Frage, wie sich die Wolfsvorkommen bestimmten Populationen oder Subpopulationen zuordnen lassen. Eine Population wird als eine biologisch oder geographisch abgegrenzte Zahl von Individuen einer Art beschrieben (vgl. OKARMA 2002).
3.2 Alpenraum |  |
In Bayern und Südtirol, Ost- und Nordtirol besteht eine interessante Konstellation populationsbiologisch im Alpenraum. Mit der ersten gemeinsamen Rudelbildung eines ost-mitteleuropäischen und einem abruzzo - alpinen Individuum wird die eigene abruzzo - alpine Population durchbrochen.
Bezogen auf die auf die aktuelle mitteleuropäische Situation des Wolfes bedeutet dies, dass im Hinblick auf die Artenschutzmaßnahmen aus biologischer Sicht der Begriff "mitteleuropäische Flachlandpopulation" nicht haltbar ist.
Der Wolf starb in Frankreich in den dreißiger Jahren, nach jahrhundertelangen staatlich organisierten Kampagnen zur Ausrottung der Art im Land praktisch aus. Frankreich verfügte sogar über eine paramilitärische Einheit, die vor etwa 1000 Jahren geschaffen wurde und sich im 18. und 19. Jahrhundert ausschließlich der Vernichtung des Wolfes widmete. Diese Einheit ist auch heute noch aktiv, hat aber andere Ziele.
Die Wiederbesiedlung Frankreichs durch Wölfe begann im Jahr 1992, als im Mercantour - Nationalpark in der alpinen Region nahe der italienischen Grenze, erstmals zwei Individuen gesichtet wurden. Inzwischen ist genetisch nachgewiesen, dass die Individuen, die das Land neu besiedelten, aus der Wolfspopulation in Italien stammten, die sich nach dem internationalen Schutz in den siebziger Jahren etwa 20 Jahre lang erholte und schließlich nach Nordwesten ausbreitete. Von ihrem ursprünglichen Einzugsgebiet in den südfranzösischen Alpen aus haben die Wölfe den größten Teil der französischen Alpen im Norden und Westen sowie das Zentralmassiv, im Südwesten (Pyrenäen, an der Grenze zu Spanien) und im Nordosten (Vogesen, nahe Deutschland) neu besiedelt.
Die jüngste Bewertung des Zustands der Population, die im Winter 2019 - 2020 durchgeführt wurde, weist 81 reproduzierende Wolfsrudel im Land aus. Basierend auf dieser Zählung wird die Zahl der Wölfe im Jahr 2020 auf 530 bis 630 Individuen geschätzt, wobei die Zuwachsrate etwas geringer ist als die aus den Vorjahren geschätzte durchschnittliche Zuwachsrate von 13 Prozent. Die Anzahl und Verbreitung der Wölfe in Frankreich nimmt also weiterhin zu.
Die Verbreitungsgebiete des Wolfes in Frankreich überschneiden sich weitgehend mit Gebieten, die durch das Vorhandensein großer Viehherden, meist Schafe auf Almen, gekennzeichnet sind. Berggebiete mittlerer Höhe und Tiefebenen stellen die derzeitigen Ausbreitungsgrenzen für den Wolf dar und sind deshalb auch immer mehr betroffen. Die größte Herausforderung für die Erhaltung des Wolfs in Frankreich ist zweifellos die Verhinderung von Angriffen auf Schafherden durch Wölfe. Das Land verzeichnet jedes Jahr eine relativ hohe Zahl von Angriffen, die sich vor allem in den Südalpen konzentrieren, wo die Herden das ganze Jahr über auf alpinen Weideflächen gehalten werden können. Darüber hinaus ist die Jägerschaft in Frankreich über die Auswirkungen der Wölfe auf die Anzahl, die Verbreitung und das Verhalten der wildlebenden Beutetiere, insbesondere des Schalenwilds, besorgt. Sowohl Schafzüchter als auch Jäger haben oft das Gefühl, dass ihre Sorgen wegen dem Wolf vom Staat nicht ausreichend berücksichtigt werden. Illegale Abschüsse kommen zwar vor, sie werden aber derzeit nicht als großes Problem betrachtet. Schließlich ist, wie auch in anderen Ländern, der Widerstand gegen die Rückkehr des Wolfes bei denjenigen, die mit Nutztieren leben und arbeiten, ziemlich hoch, aber in der allgemeinen Bevölkerung gering. Dieser Gegensatz führt zu Spannungen und Meinungsverschiedenheiten über die Stellung der Wölfe und macht das Management der Wölfe zu einem besonders kontroversen und umstrittenen Thema in der öffentlichen Debatte.
Der Wolf ist in Frankreich eine streng geschützte Art, nachdem die Bestimmungen der Berner Konvention und die Flora -Fauna - Habitat - Richtlinie der EU in nationales Recht umgesetzt wurden. Seit 2004 existiert ein Managementplan. Neben dem Monitoring des Zustands der Population finanziert der französische Staat auch Maßnahmen zum Schutz der Nutztiere und entschädigt die Züchter und Halter für Verluste, die durch Übergriffe von Wölfen entstehen. Die Flora -Fauna - Habitat - Richtlinie erlaubt den Abschuss der Wölfe zum Schutz von Nutztieren, wenn andere Maßnahmen fehlgeschlagen sind und wenn die Lebensfähigkeit der Wolfspopulation durch den Eingriff nicht bedroht ist. Frankreich hat daher ein Protokoll aufgesetzt, das auf schrittweisen Interventionen beruht, je nach Schwere und Wiederauftreten von Wolfsangriffen auf eine bestimmte Herde. Die Interventionen werden von öffentlichen Akteuren streng überwacht und durchgesetzt. Im schlimmsten Fall führt eine spezielle Einheit der französischen Agentur für biologische Vielfalt die Entnahme durch.
Eine kontinuierliche Verfolgung führte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Ausrottung des Wolfes in den italienischen Alpen. In den Westalpen begann die natürliche Erholung der Art in den 1990er Jahren: In den Jahren 1996 - 97 wurden die ersten grenzüberschreitenden Rudel zwischen Italien und Frankreich dokumentiert. Obwohl illegale Verfolgung immer noch ein aktuelles und lokal problematisches Phänomen ist, hat sich der Bestand der Wölfe in den Alpen in den letzten 20 Jahren positiv entwickelt. In den Jahren 2017 - 2018 erreichte die Wolfspopulation in den italienischen Alpen insgesamt 51 stabile Wolfsrudel bzw. Paare mit mindestens 293 Wölfen, die meisten davon leben in den Westalpen. Der Teil der Population in den zentralen und östlichen Alpen Italiens befindet sich in starker Expansion, obwohl er weitgehend vom ersten Paar stammt, das 2012 in Lessinia gebildet wurde.
Die italienischen Alpen sind derzeit wichtig als Verbindungsgebiet zwischen der italienischen Population im Apennin und der Wolfspopulation in den Dinariden. Die natürliche Wiederbesiedlung findet hauptsächlich in ländlichen Gebieten und im Gebirge statt, wo die Nutztierhaltung mehr oder weniger intensiv ist und von der Rückkehr des Wolfs beeinflusst wird.
Die Wechselwirkungen zwischen der Präsenz des Wolfes und der Nutztierhaltung sind seit jeher die Hauptquelle für Konflikte zwischen Wölfen und menschlichen Aktivitäten: Es ist von grundlegender Bedeutung, vor Ort in Systeme zu investieren, um Angriffe auf Nutztiere zu verhindern und die Arbeit der Landwirt Innen zu unterstützen, um die Koexistenz zwischen Wolf und Mensch zu fördern. In letzter Zeit kehren die Wölfe auch in die hügeligen, an Flüssen gelegenen und stärker vom Menschen geprägten Gebiete zurück. Das erzeugt neue Ängste in der Bevölkerung, die mit angemessener Information gelöst werden können.
Der Wolf ist in Italien nach der Berner Konvention (1979) und der Flora - Fauna - Habitat Richtlinie (1992) der EU eine streng geschützte Art, die durch spezifische nationale Gesetze implementiert wurden. Italien arbeitet seit 2015 an einem neuen nationalen Managementplan für diese Tierart, der jedoch noch nicht in Kraft getreten ist.
Erst ab 2020 beauftragte das italienische Umweltministerium ISPRA mit der Durchführung eines ersten nationalen Monitoringssystems. Neben der Überwachung des Zustands der Population finanzieren einzelne Regionen und Nationalparks auch Maßnahmen zum Schutz von Nutztieren und entschädigen die Landwirt Innen für Verluste aufgrund von Wolfsrissen.
3.1.3 Wolf in Slowenien |  |
Anders als in vielen europäischen Ländern sind Wölfe auf slowenischem Staatsgebiet nie ganz verschwunden. Während der Jahrzehnte der systematischen Wolfsverfolgung im 18. und 19. Jahrhundert überlebten die Wölfe in den entlegensten Teilen des Dinarischen Gebirges. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und erneut während des Zweiten Weltkriegs begann die Wolfspopulation in Slowenien zu expandieren. Doch diese Phase war nur von kurzer Dauer, denn schon bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann die systematische Verfolgung der Wölfe erneut.
Obwohl in den siebziger Jahren die Prämien für das Töten von Wölfen und die Jagdzeiten abgeschafft wurden, wird vermutet, dass es in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts nur noch wenige Individuen in Slowenien gab. Nach dem ganzjährigen Schutz des Wolfes im Jahr 1993 begann die dritte Phase der Ausbreitung der Art im Dinarischen Gebirge, nachdem die Population zu wachsen begann und einige ihrer historischen Lebensräume wieder besiedelte.
Das systematische Wolfsmonitoring auf der Grundlage molekularer Analysen nicht - invasiver genetischer Proben, Capture -Recapture - Modellierung und systematischer Wolfsnachweise mittels „Verhören“ begann im Jahr 2010. Zwischen 2010 und 2011 lag die geschätzte Wolfspopulationsgröße in Slowenien zwischen 34 und 42 Individuen. Seitdem ist die Ausbreitung und das Wachstum der Wolfspopulation in Slowenien gut dokumentiert. Die letzte verfügbare Schätzung der Populationsgröße stammt aus der Monitoringsaison 2018/ 2019. Es wurde geschätzt, dass es zwischen 86 und 110 Wölfe (ohne grenzüberschreitende Individuen) in Slowenien gibt, die 14 Rudel bilden.
Seit Beginn der dritten Ausbreitungsphase war die Anwesenheit von Wolfsrudeln auf die südlichen und westlichen Teile Sloweniens beschränkt. Als das systematische Monitoring begann, gab es nur sporadische Vorkommen von Einzeltieren in den voralpinen und alpinen Regionen des Landes. Doch in den Monitoring - Saisonen 2018/ 2019 und 2019/ 2020 gab es einen rasanten Sprung in der räumlichen Ausdehnung der Wolfspopulation. Zunächst wurden drei Paare in den alpinen und voralpinen Regionen nachgewiesen, und während des Verhörens 2019 wurde die Anwesenheit von drei neu gegründeten Wolfsrudeln festgestellt. Dies markiert die Rückkehr des Wolfs in ein Gebiet, aus dem er im 18./ 19. Jahrhundert verschwunden war.
In Slowenien sind, wie auch in anderen Ländern mit permanenten Wolfspopulationen, die Hauptprobleme im Zusammenhang mit diesem großen Beutegreifer die Risse von Nutztieren und bis zu einem gewissen Grad die Konkurrenz mit Jägern um die natürliche Beute, meist wilde Huftiere. Die Schäden an Nutztierbeständen schwanken periodisch. In der ersten Hälfte des letzten Jahrzehnts gab es einen Rückgang der Wolfsschäden, seit 2017 steigt die Zahl der Wolfsangriffe auf Nutztiere (meist Schafe und Ziegen). In den letzten Jahren gab es auch einen Anstieg der von Wölfen verursachten Schäden an größeren Weidetieren (meist Rinder), was ein Problem darstellt, da die meisten lokalen Technologien zur Schadensvermeidung für kleinere Tiere getestet und entwickelt wurden.
Darüber hinaus stellt die räumliche Ausbreitung von Wölfen in voralpine und alpine Regionen eine neue Herausforderung für den Schutz großer Almen dar, insbesondere von Almen, die gleichzeitig ein beliebtes Erholungsziel sind. Darüber hinaus hat die Rückkehr der Wölfe in die alpinen Regionen starke Gefühle der Angst innerhalb der lokalen Gemeinden geweckt, die eine permanente Wolfspräsenz nicht gewohnt waren.
Neben der illegalen Verfolgung ist die Hybridisierung mit Hunden eine zunehmende Bedrohung für die slowenische Wolfspopulation. Obwohl dieses Phänomen nicht so gravierend ist wie in einigen anderen Ländern, haben wir in letzter Zeit bereits zwei Rudel mit Wolf-Hund-Hybriden? entdeckt.
In Slowenien genießt der Wolf einen vollständigen gesetzlichen Schutz, wobei ausnahmsweise Entnahmen erlaubt sind, um größere Konflikte mit der Landwirtschaft zu verringern. Bestimmungen zum Wolfsschutz sind in der nationalen Gesetzgebung im Naturschutzgesetz, im Umweltschutzgesetz, im Jagdgesetz und im Forstgesetz enthalten. Seit 2015 finanziert das slowenische Umweltministerium nationale Wolfsmonitoringprojekte, zahlt Entschädigungen für Wolfsschäden und finanziert Herdenschutzmaßnahmen.
IT - Hinweis Quelle
https://www.lifewolfalps.eu/de/il-lupo-sulle-alpi/ (12.5.26)
3.3 Populationen |  |
Vielmehr muss man davon ausgehen, dass in Europa derzeit vier bzw. fünf Populationen im Sinne der biologischen Definition eines Abstammungszusammenhanges existieren. Wir sprechen von einer baltisch - osteuropäischen, einer abruzzo -alpinen, einer iberischen und einer skandinavischen Population. Zu diskutieren wäre das Wolfsvorkommen in den Karpaten mit derjenigen des Balkans im Zusammenhang steht. Wenn dies nicht der Fall wäre, käme eine fünfte, die balkanische - dinarische Population dazu.
Empfohlen wird, die Definitionen einer Population im Rahmen der Gesetzgebung und Verordnungspraxis sowie des praktischen Wolfsmanagements übereinzustimmen und ökologische Kriterien zu berücksichtigen. Dies sollte im Hinblick auf den Erhaltungszustand des Wolfbestandes als Festlegung sinnvoll und günstig sein.
In Österreich wurden zwischen 2009 und 2015 jeweils zwischen zwei und sieben einzelne Individuen genetisch nachgewiesen. 2016 gab es erstmals nach mehr als 100 Jahren wieder Nachwuchs und damit Rudelbildung. 2024 wurden in Österreich 9 Wolfsfamilien nachgewiesen.
Während der Wolf im Osten und Süden Europas überlebt hat, wurde er in Westeuropa, inklusive Deutschland, Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Der „letzte Wolf Österreichs“ wurde 1882 im Wechselgebiet geschossen. Vor allem in den letzten 20 Jahren kehren die Europäischen Wölfe (C. l. lupus) jedoch wieder in die früher von ihnen besiedelten Gebiete Europas zurück. Von den Abruzzen (Italien) über die Poebene wanderten sie Ende der 1990 Jahre wieder in die französischen Alpen ein. In der Schweiz leben seit 2012 ebenfalls wieder Wolfsfamilien. In Deutschland hat sich seit dem Jahr 2000 der Wolf wieder etabliert. Seither gibt es regelmäßig Nachwuchs. In Österreich hat es 2016 erstmals Nachwuchs gegeben. Insgesamt leben derzeit mehr als 23.000 Wölfe in Europa (ohne Russland).
3.3 2 Gliederung der Populationen |  |
Alpen
Diese Population ist italienischen Ursprungs. Aus dem Apennin abwandernde Individuen siedelten sich 1992 erstmals in den Alpen an und konnten mit Erfolg eine dauerhafte und expandierende Population etablieren, die eine überaus dynamische räumliche Struktur mit Verbreitungstendenzen nach Westen und Norden aufweist. Die Gründerpopulation bestand aus 8 - 16 Tieren. Derzeit umfasst die Population etwa 2000 Individuen.
Italienische Halbinsel
Die Population ist laut Beschreibung von 1921 (Altobello 1921) und Bestätigung von 1999 (Nowak 1999) eine getrennte Unterart (Canis lupus italicus). Nach dem in den 1960er Jahren, als der Gesamtbestand auf etwa 100 Tiere geschätzt wurde, hat sich die Population stetig erholt und weiter in die Westalpen ausgedehnt. 2023 wurde die Population auf 2500 Wölfe geschätzt. Trotz der Kontinuität zwischen den beiden Populationen in den Alpen und im Appenin ist ihr ökologischer und sozioökonomischer Kontext so unterschiedlich, dass eine Trennung für Managementzwecke gerechtfertigt ist.
Dinarische / Balkan - Population
Die Population scheint in der gesamten Region relativ zusammenhängend zu sein. Schätzungen zufolge wird sie mit etwa 4700 Individuen angesetzt, wobei die Dichte örtlich sehr unterschiedlich sein kann. Der demografische Gesamttrend scheint stabil zu sein.
Karpaten
Diese Population wird auf rund 4000 geschätzt. Sie lebt vor allem in Rumänien (etwa 2700), aber auch in der Ukraine, der Slowakei und Polen. Wahrscheinlich findet ein gewisser genetischer Austausch mit der dinarischen/ Balkanpopulation in Westbulgarien und mit der baltischen Population über Ostpolen statt, doch diese Verbindung ist fragmentiert.
Zentraleuropa
In Deutschland wurden die Wölfe bereits im 19. Jahrhundert ausgerottet, im 20. Jahrhundert wurden hin und wieder aus Polen eingewanderte Einzeltiere abgeschossen. Im Jahr 2000 begann eine Familie, in Sachsen Nachwuchs aufzuziehen. Im Moment umfasst der Bestand mehr als 200 Familien. Mit Polen, Tschechien, Danemark, Luxembourg, Belgien, den Niederlanden und Österreich zusammen umfasst diese Population ca. 3000 Individuen.
Iberische Halbinsel
Der iberische Wolf (Canis lupus signatus) ist möglicher Weise eine eigene Unterart. Nach dem Rückgang bis in die 1960er Jahre verzeichnet die Population inzwischen einen Bestandszuwachs und erweitert ihr Verbreitungsgebiet quer durch Zentralspanien. Die nordwestliche Population dehnt sich aus und hat den Duero-Fluss? in Spanien überschritten. Die Population besteht aus zwei verschiedenen Populationsteilen und umfasst etwa 2400 Tiere. Der größte ist der Teil nördlich des Duero in beiden Ländern. Südlich des Duero in Portugal gibt es einen kleinen Populationsteil mit rund 300 Wölfen. Aufgrund des unterschiedlichen Managementstatus des Gebiets nördlich und südlich des Duero in Spanien ist es wichtig, dass diese beiden Gruppen als getrennte Populationsteile betrachtet werden.
Baltikum
In der gesamten Region scheint der Trend sehr einheitlich zu sein. Zu Beginn des 20. Jahrhundert gingen die Bestandszahlen zwar zurück, doch die Wölfe blieben weithin präsent und während und nach dem Ersten Weltkrieg nahmen die Bestände zu. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wurden die Bestände erneut stark dezimiert, erholten sich aber während des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit und erreichten damals Spitzenwerte. Anschließend wurden die Wölfe in den 1950er Jahren so stark verfolgt, dass die Bestände in den sechziger Jahren und Anfang der 1970er Jahre erneut auf ein sehr niedriges Niveau zurückgingen. Sie scheinen sich danach wieder erholt zu haben und erreichten Anfang der 1990er Jahre einen neuen Höchststand – bevor sie Ende der neunziger Jahre erneut runtergeschossen wurden. Inzwischen scheint sich der Trend in den EU-Staaten? stabilisiert zu haben. In Polen und in den baltischen Staaten leben etwa 3000 Wölfe.
Karelische Population
Diese Population ist in Finnland und in den russischen Oblasten Karelien und Murmansk beheimatet. In Russisch - Karelien sind Wölfe weit verbreitet, in Murmansk kommen sie jedoch nur vereinzelt vor. Die höchste Wolfsdichte in Finnland gibt es im Südosten, doch nach und nach sind reproduzierende Familien auch im Zentrum des Landes und im Westen aufgetaucht. In Finnland leben derzeit etwa 300 Wölfe.
Skandinavien
Die Ursprünge der Population gehen auf ein Wolfspaar zurück, das aus Finnland einwanderte und sich 1983 erstmals in Schweden reproduzierte. Durch einen dritten 1991 eingewanderten Wolf wurde die Reproduktion verstärkt. Der Großteil der Population befindet sich in Schweden und nur ein Teil in Norwegen. Derzeit umfasst der Bestand ca. 500 Individuen.
IT -Hinweis - Quelle
https://www.wwf.at/artikel/wolfspopulationen-in-europa/ (10.5.26)
4 Wölfe in Österreich |  |
für die Politische Bildung besteht in der IT - Publikation der Koordinierungsstelle für den Braunbären, Luchs und Wolf (KOST) "Wolfsmanagement in Österreich - Grundlagen und Empfehlungen. Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, Veterinärmedizinische Universität Wien", Dezember 2012 die Basis für die Herausforderung der Behandlung der Thematik im Kontext Politischer Bildung.
Verfügbare Nachweise stammen von Rissbegutachtungen, der Jägerschaft, den Bundesländern sowie Privatpersonen.
Dargestellt werden ausschließlich C1 Nachweise entsprechend den SCALP - Kriterien.
In Europa werden aktuell neun Populationen unterschieden, siehe „Large Carnivore Initiative for Europe“.
Nach Österreich wandern aktuell Individuen aus folgenden Populationen ein:
- Alpine Population,
- Dinarisch - balkanische Population,
- Karpatenpopulation,
- Mitteleuropäische Tieflandpopulation.
IT - Hinweise
https://baer-wolf-luchs.at/verbreitungskarten/wolf-verbreitung/ (10.5.26)
http://tinyurl.com/wolfsmanagement (10.5.26)
https://vorarlberg.at/-/wolfsmanagement (10.5.26)
4.1 Allgemeines |  |
Die letzten autochthonen Wolfspopulationen in Österreich sind im Laufe des 19.Jahrhunerts durch Verfolgung erloschen. Im 20. Jahrhundert erreichten nur vereinzelt Wölfe aus den Nachbarländern Österreich. Mit strengeren Schutzbestimmungen stabilisierten sich in Europa die Wolfspopulationen. Besonders gilt das für die italienische Population, die sich über den Apennin bis in die Westalpen in den letzten 30 Jahren ausbreitete.
In den letzten 15 Jahren erreichten Wölfe Österreich häufiger. 2009 hat sich die Situation merkbar verändert. 6-8 Wölfe konnten genetisch nachgewiesen werden. Dieselbe Anzahl zum Teil anderer Individuen konnte auch 2010 festgestellt werden. Mit mehr Zuwanderung und Gründung von Rudeln ist zukünftig zu rechnen.
Die Rückkehr der Wölfe ist neben der Bereicherung der Natur auch ein Konfliktstoff in der Kulturlandschaft im Sinne der Interessen der Landnutzer. Es ist Aufgabe des Wolfmanagements, Strukturen und Maßnahmen für ein möglichst konfliktfreies Zusammenleben zu schaffen und durchzuführen, wobei der Mensch im Mittelpunkt steht (vgl. KOST 2021, 4).
Wildtiermanagement liegt in der Kompetenz der Bundesländer. Diese nationale Aufgabe gibt den Rahmen vor. Bei einer großräumigen Art wie den Wölfen ist eine Abstimmung der bundesländerspezifischen Regelungen und Vorkehrungen sowie der Einrichtung bundesländerübergreifender Programme erforderlich.
Der Managementplan für diesen Rahmen wurde von der KOST (2021) entwickelt und mit den Interessenvertretungen abgestimmt.
Ausgerichtet ist er auf die aktuelle Situation und soll alle fünf bis zehn Jahre überarbeitet werden. Als Vorlage dienten der österreichische Bärenmanagementplan sowie Wolfsmanagementpläne in Deutschland.
4.2 Ziele und Grundsätze |  |
Ziele und Grundsätze sind
- der Schutz des Wolfs in dem nach den Bestimmungen der Fauna - Flora - Habitat - Richtlinie, sonstiger internationaler Übereinkommen und der nationalen Gesetze erforderlichen Umfang und
- die Gewährleistung eines möglichst konfliktfreien Zusammenlebens mit dem Wolf unter Berücksichtigung der Interessen der unterschiedlichen Landnutzer wie der Land- und Forstwirtschaft und Jagd sowie des Naturschutzes.
- Damit leistet Österreich einen Beitrag zu einem langfristig gesicherten, staatenübergreifenden Wolfsbestand.
- Die Maßnahmen des Managements werden auf der Grundlage der rechtlichen Rahmenbedingungen mit Interessensgruppen abgestimmt.
- Kein Aussetzen von Wölfen in Österreich.
4.3 Management |  |
Das Management erfolgt bundesländerübergreifend und in Abstimmung mit Nachbarstaaten.
- Maßnahmen zur Abwendung von Schäden werden propagiert und gefördert. Prävention sollte auf ihre Anwendbarkeit überprüft und weiterentwickelt werden.
- Schäden sollen in Abstimmung mit den Interessensvertretungen abgegolten werden.
- Das Monitoring von Wölfen sowie die Beratung vor Ort und Begutachtung von Nutz- und Wildtierrissen erfolgt durch beauftragte, erfahrende Personen.
- Monitoring bildet die Grundlage für Entscheidungen.
- Die Sicherheit der Menschen hat Vorrang vor dem Schutz der Wölfe.
- Die Öffentlichkeit wird über Biologie, Ökologie und Situation der Wölfe in Österreich sowie über Maßnahmen des Managements informiert (vgl. KOST 2021, 4-5).
4.4 Entwicklungen |  |
Veränderungen in der Einstellung zu Wölfen, Ausbau von Schonvorschriften bzw. gänzliche Unter - Schutz - Stellung sowie Zunahme von Wildbeständen haben die negative Bestandsentwicklung europäischer Wolfspopulationen aufgehalten und sogar umgekehrt. Das hat die Situation in Österreich grundlegend geändert.
Interessant für Österreich ist die Situation im Nachbarland Italien. 1972 wurde der Wolf unter Schutz gestellt. Zusätzlich wurden im Apennin aus Gründen der Jagd Schalenwild angesiedelt. Anfang der neunziger Jahre haben die Wölfe den Sprung in die Westalpen geschafft. Abwandernde Wölfe sind schon in Hessen, Bayern und Ostösterreich festgestellt worden. Auch aus dem Dinarischen Gebirge und der Karpatenpopulation sind Jungwölfe in Österreich bereits aufgetreten.
Seit 2000 haben sich die Wolfsnachweise in Österreich in der Folge entwickelt, wie
2002 - ein Wolf bei Bad Ischl irrtümlich als wildernder Hund geschossen
2004 - ein Fotofallenbild vom Dobratsch
2005 - Risse an Rotwild - Winterfütterungen in den steirisch - niederösterreichischen Kalkalpen
2009 - DNA - Nachweise von 6 - 8 Wölfen im Wechselgebiet und Fischbacher Alpen, bei Knittelfeld, in den Nockbergen, am Grundlsee, bei Imsterberg und im Lechtal bei Warth
2010 - DNA - Nachweise von 6 - 8 Wölfen im Schneebergebiet, bei Langenlois, in den Fischbacher Alpen, in den Nockbergen, in den Karawanken, im Raum Thiersee und in Piller bei Fließ
2011 - DNA - Nachweise von je einem Wolf im SW von Niederösterreich und im oberen Drautal
2012 - DNA - Nachweise von je einem Wolf im Schneeberggebiet, dem Gleinalmgebiet und den Karawanken, im Jänner Wanderung eines in Slowenien besenderten einjährigen Wolfes durch den Süden Österreichs
Bei den wenigen Proben war es nicht möglich, die genaue Anzahl und auch Aufenthaltsdauer einzelner Wölfe zu bestimmen. Der Wolf im Schneeberggebiet ist bisher das einzige nachweislich stationäre Individuum von einer Aufenthaltsdauer von einem Jahr.
Fest steht, dass Wölfe aus dem Westen, Süden und Osten nach Österreich eingewandert bzw. durchzogen sind. Der deutliche Rückgang 2011 sagt nichts über die Entwicklung in den kommenden Jahren.
Es ist weiterhin mit einem Besiedelungsdruck aus den umliegenden Populationen zu rechnen. Besonders wenn es Wölfen gelingen sollte, in den angrenzenden Alpen der Schweiz und Italiens Fuß zu fassen, ist eine Beschleunigung der Entwicklung in Österreich zu erwarten (vgl. KOST 2021, 6-7).
4.5 Rechtsgrundlagen |  |
Die folgenden Rechtsgrundlagen sind in KOST 2021, 7-8 angeführt.
Der Wolf ist in Anhang II der Berner Konvention des Europarates 1979 als streng geschütztes Tierart angeführt.
Der Handel wird geregelt im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES, Convention on International Trade in Endangered Species of the Wild Fauna and Flora, Anhang II) und in der Verordnung (EG) Nr. 338/97 des Rates vom 9. Dezember 1996 über den Schutz von Exemplaren wild lebender Tier- und Pflanzenarten durch Überwachung des Handels (zuletzt geändert durch Verordnung (EG) Nr. 407/ 2009 der Kommission vom 14. März 2009, Anhang A).
4.5.2 Europarecht |  |
Der Wolf ist in Anhang II der Fauna - Flora - Habitat Richtlinie 92/43/EWG als prioritäre Art aufgelistet und in Anhang IV der FFH - Richtlinie als streng zu schützende Art angeführt.
4.5.3 Landesgesetze |  |
Jagd und Naturschutz fallen in Österreich in die Kompetenz der Bundesländer. Die internationalen Verpflichtungen zum Schutz der Wölfe wurden in Landesjagd- bzw. Landesnaturschutzgesetze übernommen. Mit der Umsetzung entsprechender Regelungen sind Landesregierungen, Bezirksverwaltungsbehörden oder Jägerschaften betraut.
4.6 Managementstruktur |  |
Die KOST (2021) hat bereits vor Erstellung dieses Wolfsmanagementplans ihre Zuständigkeit auf Wolf und Luchs erweitert (vgl. in der Folge KOST 2021, 9-11).
Die KOST ist ein länderübergreifendes Gremium mit der Aufgabe, Maßnahmen im Management von großen Beutegreifern zwischen den Landesbehörden abzustimmen und ein fachlich fundiertes einheitliches Vorgehen sicherzustellen. Es steht ihr das Wissen von Fachleuten zur Verfügung.
Aufgabe der Koordinierungsstelle für Wölfe betreffen
- Entwicklung und Koordinierung des Wolfsmanagements in Österreich,
- Abstimmung des Wolfmanagements mit Interessensgruppen,
- Stärkung von länderübergreifenden Schutzmaßnahmen wie Herdenschutzprogramme,
- Koordination mit Nachbarländern und
- Zusammenführung von Informationen und Weitergabe an die Entscheidungsträger.
Die Koordinierungsstelle wird von jeweils einem Vertreter der Jagdrechts-und Naturschutzbehörden der Bundesländer, in denen Wölfe (Bären und Luchs) vorkommen (derzeit Nieder- und Oberösterreich, Steiermark, Salzburg, Kärnten, Tirol und Vorarlberg), einem Vertreter des Umweltministerium sowie beauftragten Experten gebildet.
Außerdem sind Vertreter der Interessensgruppen Jagd (Zentralstelle der Landesjagdverbände), Naturschutz (WWF) und Grundeigentümer (Landwirtschaftskammer, Land- und Forstbetriebe Österreich) als ständige Mitglieder der Koordinierungsstelle eingeladen.
Regelmäßige Treffen finden abwechselnd in den einzelnen Bundesländern statt. Zu den Sitzungen werden bei Bedarf weitere Vertreter von Interessensgruppen und wissenschaftlichen Institutionen beigezogen sowie Fachmeinungen eingeholt.
Wenigstens einmal im Jahr werden Vertreter betroffener Interessensgruppen und wissenschaftlicher Institutionen zu einer erweiterten Sitzung der Koordinierungsstelle eingeladen zum Zwecke der Information über die aktuelle Entwicklung der Wolfssituation und Diskussion offener Fragen des Managements. Das institutionalisierte Feedback bietet die Möglichkeit einer laufenden Evaluierung des Wolfsmanagements.
4.6.1 Wolfsbeauftragte |  |
Aufgaben sind
- die Beratung und Information der zuständigen Behörden und der Koordinierungsstelle,
- Schulung der betroffenen Mitarbeiter von Bezirksverwaltungsbehörden (Amtstierärzte, Jagd-Sachverständige?, Bezirksnaturschutzbauftragte),
- Sachverständigentätigkeit in Wolfsfragen im Auftrag der Behörden,
- Sammeln und Prüfen vor Ort Daten über die aktuelle Verbreitung und den Status der Wolfspopulation, Erheben von Daten zum Verhalten der Wölfe, Analyse von Zwischenfällen mit Wölfen und Vorschlag von zur Lösung kritischer Situationen,
- Zusammenarbeit mit geschulten Schadenbegutachtern für eine objektive Schadenabwicklung und Abgabe von Erstinformationen über Möglichkeiten der Schadensprävention, Sorge für die fachliche Ausbildung von Schadensbegutachtern,
- Leistung von Öffentlichkeitsarbeit vor Ort, Ansprechpartner für die Bevölkerung, Halten von Vorträgen und Seminaren, Schreiben von Fachartikeln und Ansprechpartner für Medienanfragen und
- Teilnahme an Einsätzen des Eingreifteams und Unterstützung bei der Kommunikation mit zuständigen Behörden und lokalen Grundbesitzern und Jägern.
4.6.2 Schadensbegutachter |  |
Sie dokumentieren und beurteilen Schadenfälle in Absprache mit den Wolfsbeauftragten. Sie helfen den Geschädigten bei der Schadensmeldung und arbeiten mit den Präventionsberatern zusammen.
Sie werden in Spurenkunde und Rissbeurteilung von Wolfsbeauftragten und externen Experten ausgebildet und weiterführend geschult.
Sie rekrutieren sich aus der örtlichen Bevölkerung (Jägerschaft, Gemeinde, Tierärzten) und ermöglicht eine rasche direkte Kontaktaufnahme mit den Geschädigten und Begutachtern. Eine schnelle Reaktion auf eine Schadensmeldung ist eine Voraussetzung für eine effektive Schadensabgeltung. Der Aufwand für die Tätigkeit soll abgegolten werden.
4.6.3 Nationale Beratungsstelle für Herdenschutz |  |
Die Beratungsstelle für Herdenschutz soll österreichweit aus einem Team von zwei Personen bestehen, das an eine landwirtschaftliche Institution angegliedert werden sollte.
Aufgaben ergeben sich
- in der Aufarbeitung und einem Überblick über das Wissen und die Erfahrungen mit Herdenschutz in anderen Ländern und einer Anwendbarkeit der Schutzmaßnahmen in Österreich,
- in der Überwachung und Evaluierung der in Österreich eingesetzten Herdenschutzmaßnahmen, im Erfahrungsaustausch mit Herdenschutzprogrammen anderer Länder und in der Arbeit an der Weiterentwicklung der Schutzmaßnahmen,
- in der Zusammenarbeit mit den Präventionsberatern. die von der nationalen Beratungsstelle ausgebildet, regelmäßig geschult und über aktuelle Erkenntnisse informiert werden, die Beratungsstelle steht für regionale Informationsveranstaltungen zur Verfügung,
- in der Organisation und Vermittlung von Hirten im Rahmen des Herdenschutzes, Organisation und Koordinierung der Beschaffung, Ausbildung und einem Einsatz von Herdenschutzhunden und Information über Herdenschutzhunde sowie
- im Testen von Herdenschutzmaßnahmen in Modellregionen.
4.6.4 Präventionsberater |  |
Sie arbeiten mit der Beratungsstelle für Herdenschutz zusammen und übernehmen die Betreuung der Landwirte vor Ort in Gebieten mit Wolfsvorkommen bzw. Wolfsschäden. Die besitzen landwirtschaftliche Fachkenntnisse, sind vorzugsweise Mitarbeiter von in der landwirtschaftlichen Beratung tätigen Organisationen und werden von der nationalen Beratungsstelle für Herdenschutz ausgebildet.
Sie informieren über Schutzmaßnahmen und Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung und Abgeltung.
Sie arbeiten mit Schadensgutachtern zusammen und unterstützen Landwirte bei der Abwicklung von Schadensfällen.
Sie analysieren die spezielle regionale Situation und arbeiten entsprechende Herdenschutzmaßnahmen aus.
Bei der Umsetzung von Schutzmaßnahmen unterstützen sie Landwirte, helfen bei der Abwicklung der Finanzierung und dokumentieren die Schutzmaßnahmen und schätzen deren Zumutbarkeit für den Landwirt ein.
Der Aufwand für die Tätigkeit soll abgegolten werden.
4.6.5 Eingreifteam |  |
Das Team wird bei Vorliegen kritischer Situationen oder Entwicklungen aktiv.
Die Bewilligung erfolgt durch die zuständige Behörde im gesetzlichen Rahmen.
Die Aufgaben werden derzeit vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, Wien (FIWI) übernommen. Der örtlich zuständige Wolfsbeauftragte wird beigezogen.
Aufgaben des Eingreifteams sind
- Vergrämung,
- Fang,
- Narkotisierung,
- (Sender) Markierung,
- Temporäre Senderüberwachung und
- Mitwirkung bei der Entnahme aus der Population.
4.7 Monitoring |  |
Österreichweit ist ein einheitliches Monitoringsystem einzurichten. Zweck des Monitorings ist es, aktuelle und verlässliche Daten über die Wölfe in Österreich zu liefern (vgl. KOST 2021, 11-12).
Entscheidungen des Wolfmanagements sollen auf Grund von ausreichenden Monitoringdaten getroffen werden.
Jedenfalls sollen die folgenden Daten erhoben werden wie
- Anzahl und Verbreitung (Unterscheidung von wandernden Individuen, stationären Individuen, Rudeln),
- Schäden (Art, Rissbild, Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen) und
- Verhalten (bei Begegnungen, Anzeichen von Habituierung oder Futterkonditionierung),
Die folgenden Methoden stehen zu Verfügung wie
- Sammlung und Überprüfung von Hinweisen ( Sichtbeobachtung, Schäden, Spuren, Losungen),
- Genetische Untersuchung von Losungs-, Haar- und Urinproben sowie von Speichelproben aus Bisswunden von Rissen zur Bestätigung des Wolfs als Verursacher eines Hinweises, zur individuellen Unterscheidung von Individuen und Bestimmung des Geschlechts,
- zur Abklärung des Vorhandenseins von Rudeln, aktive und systematische Suche nach Hinweisen auf Plätzen von Zusammenkünften wie Aufenthaltsort der Welpen nach Verlassen der Höhle und Heulanimation sowie
- Besenderung und radiotelemetrische Verfolgung von ausgewählten Individuen zur Überwachung auffälligen Verhaltens.
Durchgeführt wird das Monitoring von den Wolfsbeauftragten und den Wildbiologen der Jägerschaften/ Landesregierung. Die Daten werden einheitlich nach SCALP - Kriterien bewertet. Die Weitergabe von Daten aus der gemeinsamen österreichischen Wolfsdatenbank unterliegt abzustimmenden Richtlinien.
Die SCALP - Kriterien sind im Monitoringkonzept für Braunbären, Luchs und Wolf definiert (vgl. Monitoringkonzept > https://www.dbb-wolf.de/Wolfsmanagement/monitoring/scalp-kriterien > http://tinyurl.com/wolfsmanagement [7.4.22]).
Es wird angestrebt, ausreichend geeignete Personen dahingehend zu schulen, wie Wolfshinweise zu erkennen und zu dokumentieren sind. Die endgültige Bewertung von Hinweisen wird auf jährlichen Treffen der Wolfsbeauftragten unter Beiziehung weiterer Experten abgestimmt.
Monitoraktivitäten werden mit Jagdausübungsberechtigten und Grundeigentümern abgestimmt. Die Kooperation der Wolfsbeauftragten mit lokalen Jägern, Grundeigentümern und in der Land- und Forstwirtschaft Beschäftigten ist ein Grundpfeiler eines effektiven Monitorings. Mit zunehmender Wolfspräsenz ist das Informationsnetzwerk mit den örtlichen Jägern und den Jagdverbänden auszubauen.
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4.8 Schadenkompensation und Schadensprävention |  |
Der Lebensraum der Wölfe in Österreich ist eine von Menschen geprägte und genutzte Kulturlandschaft. Unter diesen Umständen sind Schäden in der Landwirtschaft, vor allem an landwirtschaftlichen Nutztieren, zu erwarten. Die Schäden können allerdings durch geeignete Maßnahmen wesentlich reduziert werden (vgl. KOST 2021, 12-15).
Nutztierhalter in Wolfsgebieten werden deshalb rechtzeitig über die wichtigsten Techniken der Vorsorge und finanzieller Unterstützung für deren Installierung informiert. Die Abgeltung von Präventionsmaßnahmen und Schäden sind eine Voraussetzung für die Akzeptanz durch die lokale Bevölkerung.
Prävention und Kompensation sind nicht voneinander unabhängig und sollen einander ergänzen. Das Grundprinzip soll sein, dass Schäden soweit wie möglich durch Prävention verhindert und dennoch auftretende Schäden kompensiert werde.
Im Einzelnen heißt das.
- Sind durch Haltungsbedingungen und Anwesenheit von Wölfen Schäden zu erwarten, soll geprüft werden, welche Maßnahmen der Schadenprävention diese Schäden verhindert verhindern können. Der betroffene Landwirt wird entsprechend durch kompetente Stellen beraten. Die empfohlenen Maßnahmen sollen von öffentlicher Hand im erforderlichen Ausmaß finanziert werden.
- Grundsätzlich sollen von Wölfen verursachte Schäden ersetzt werden.
- Schäden sollen nicht ersetzt werden, wenn empfohlene Maßnahmen nicht bzw. nicht fachgerecht umgesetzt werden.
- Die Vorgangsweise der Schadenabwicklung wie Nachweispflicht, Begutachtungsstellen der Schadenhöhe, soll von den schadensabgeltenden Organisationen und den Interessentenvertretern der Viehhalter vorab ausverhandelt werden.
Die Forderung von Herdenschutzmaßnahmen und die Abwicklung und Abgeltung von Schäden sollten in allen (Bundes-) Ländern einheitlich geregelt werden. Dabei sind folgende Lernpunkte zu beachten.
- Einheitliche Gestaltung der Förderungen, Beihilfen, Entschädigungen, finanzielle Anreize.
- Eigenverantwortlichkeit der Tierhalter. Jeder Tierhalter ist für den Grundschutz seiner Tiere selbst verantwortlich. Gefordert werden sollten nur Maßnahmen, die erst durch die Anwesenheit von Großraubtieren erforderlich werden.
- In Gebieten mit permanenter Wolfspräsenz (Territorien von Rudeln oder stationären Einzeltieren mit einem Puffer von 30 Kilometern) sollte eine flächendeckende wolfssichere Haltung von Schafen, Ziegen und Gatterwild angestrebt werden.
4.9 Herdenschutzmaßnahmen |  |
Die Maßnahmen bieten keinen vollkommenen Schutz, können aber Schäden effektiv verringern (vgl. KOST 2021, 15-16).
Folgende Schutzmaßnahmen können auf Grund internationaler Erfahrungen empfohlen werden.
- Nicht elektrischer Festzaun (Maschendraht), Mindesthöhe 120 cm, besser 140 cm und mit Untergrabeschutz oder als Wildgatterzaun mit Untergrabeschutz,
- E - Zaun mit Draht oder Litzen, 5 Drähte/ Litzen in 20, 40, 60, 90 und 120 cm Höhe, mind. 5000 V,
- E - Netzzaun Mindesthöhe 110 cm, vorzugsweise mit verstärkten Vertikalstreben zur Erhöhung der Stabilität und Sichtbarkeit. Als Schutz vor Überspringen kann noch eine nicht stromführende Litze über den Zaun gespannt werden,
- Lappenzaun nur für kurzzeitigen Einsatz wie etwa als Sofortmaßnahme nach Wolfangriffen,
- Behirtung auf Almflächen mit frei weidenden Schafen/ Ziegen als Grundklage für den effizienten Einsatz bzw. die Durchführung anderer Herdenschutzmaßnahmen wie Herdenschutzhunde und Nachtpferch,
- Herdenschutzhunde, die sich der zu bedachenden Herd zugehörig fühlen und diese selbständig verteidigen. Entscheidend für den Erfolg ist sorgfältige Zucht und Ausbildung (Aufwachsen der Welpen in der Herde, Korrektur von Fehlverhalten). Sozialisiert werden solche Hunde auch mit Rindern, Pferden und anderen Arten. Damit solche Hunde wirksam sein können, darf sich die Herde nicht zu sehr zerstreuen, daher werden Herdenschutzhunde oft zusammen mit Behirtung oder Zäunung eingesetzt,
- Nachtpferch ist nächtliches Zusammentreiben einer frei weidenden Herde in eine wolfssicher gestaltete Koppel.
Nicht empfohlen werden nach derzeitigen Wissensstand Herdenschutzesel und Herdenschutzlamas, negative Konditionierung durch Vergälung von Kadavern oder Beschuss mit Gummigeschoßen (damit kann man einen Wolf von einem Ort vertreiben, aber nicht das Jagen abgewöhnen), nur zur kurzfristigem Einsatz akustische und visuelle Abwehrmethoden wie Böller und Blinklichter.
Im alpinen Gebiet ist Herdenschutz ungleich schwieriger als im Flachland. Herdenschutz für die Almwirtschaft im Wolfsgebiet ist von wesentlicher Bedeutung.
Oft müssen mehr als eine Methode gleichzeitig verwendet werden.
In einigen Gebieten kann das Zusammenlegen kleiner Herden zu größeren Einheiten sinnvoll sein, um den Aufbau eines effektiven Herdenschutzes wirtschaftlich möglich zu machen.
Herdenschutz ist fachlich anspruchsvoll. Es ist Aufgabe der nationalen Beratungsstelle für Herdenschutz, lokal abgestimmte Schutzmaßnahmen auszuarbeiten.
Bei permanenter Wolfspräsenz sollen Maßnahmen flächendeckend empfohlen und gefördert werden und sollte der Grundsatz "Prävention vor Kompensation" gelten. Die Wolfsbeauftragten liefern den Landesbehörden die facghliche schläge für die Identifizierung der Gebiete mit ständiger Wolfspräsenz.
4.10 Vorgehen im Schadensfall |  |
Wird ein Kadavergefunden und möglicherweise es sich um einen Wolfsriss handelt, wird der Vorfall an eine der folgenden Stellen gemeldet wie Landwirtschaftskammer, Ortsbauernobmann, Schafzuchtverband, Bezirksverwaltungsbehörde, Polizei, Gemeinde, Jagdausübungsberechtigten oder Präventionsberater bzw. Schadensbegutachter (vgl. KOST 2021, 16-17).
Der Schadensbegutachter untersucht den Kadaver nach Bisspuren und/ oder Fraßspuren und den Fundort nach Spuren, Losung und Haaren. Er erstellt ein Rissgutachten. In nicht eindeutigen Fällen bzw. im Rahmen des Monitorings kann der Gutachter DNA-Proben? nehmen und mit dem endgültigen Gutachten bis zum Vorliegen der Analyseergebnisse zuwarten.
Erbringt die Untersuchung des Kadavers Hinweise, die einen Wolfsriss sicher/ wahrscheinlich/ möglich erscheinen lassen, wird auch der Präventionsberater verständigt.
Beide Berater unterstützen nach Bedarf den Landwirt bei der Schadensmeldung an die zu zahlende Institution. Der Präventionsberater unterstützt bei der Überprüfung den Landwirt, ob weitere Tiere abhängig sind und klärt welche Maßnahmen ergriffen werden können/ sollen.
Der Präventionsberater verständigt die benachbarten Betriebe/ Almen.
4.11 Jagd |  |
Das Jagdrecht ist mit Grund und Boden untrennbar verbunden. Jagdbares Wild ist bis zum Zeitpunkt der Aneignung durch den Jagdausübungsberechtigten zwar herrenlos, das zu erlebende Wild ist aber jedenfalls ein Teil des Jagdbetriebes und stellt einen wirtschaftlichen Wert dar (vgl. KOST 2021, 17).
Der Einfluss der Wölfe auf die Population ihrer Beutetiere ist von vielen Faktoren abhängig wie der Anzahl, Verteilung, Produktivität und Populationsgröße der Beutearten, Landschaftsstruktur und andere Habitatsfaktoren und für Österreich nicht ohne weiteres vorherzusagen.
Rotwildfütterungen und Wintergatter dienen in Ermangelung der früheren Wander- und Überwinterungsmöglichkeiten in den Tieflagen der Versorgung des Rotwildes und der Verhinderung von Wildschäden.
Die Möglichkeit einer Vertreibung des Rotwildes aus Fütterungseinstand oder Wintergatter und das daraus resultierende Schadenspotential stellt ein erhebliches Risiko für den Jagdausübungsberechtigten dar, der persönlich verschuldensunabhängig haftet.
Es ist daher wichtig, den Einfluss der Wölfe auf den Jagdbetrieb in Österreich in den nächsten Jahren gut zu dokumentieren und wissenschaftlich zu untersuchen. Darauf aufbauend sollten fachliche Empfehlungen zur Wildschadensprophylaxe erarbeitet werden - insbesondere zur Erhaltung der Objektschutzwirkung von Schutz-und Bannwäldern. Die Beratung von Forstbehörde, Jägern und Grundeigentümern vor Ort soll eine Risikoprognose und Anpassungsmöglichkeiten für Rotwild aufzeigen.
Gut geführte Jagdhunde sind unentbehrlich für eine weidgerechte Jagdausübung und haben auch abgesehen von der emotionalen Komponente einem hohen Wert. Es kann an Hand der Beispiele in Skandinavien nicht ausgeschlossen werden, dass Hunde im jagdlichen Einsatz von Wölfen verletzt oder getötet werden.
Unter österreichischen Bedingungen ist am ehesten bei Bewegungsjagden mit Stöberhunden und in der Schweißarbeit, in denen der Hund geschnallt wird, mit Problemen zu rechnen.
Jagdlich geführte Hunde sollten im Schadensfall versicherungstechnisch wie Nutztiere hehandelt werden.
Bei der Nachsuche sollte der Hund erst in kurzer Entfernung vom angeschweißten Wild geschnallt werden.
Aufgabe ist eine aktuelle, sachliche und unvoreingenommene Information über den Wolf zu verbreiten und Vertrauen in das Wolfsmanagement zu schaffen. Wölfe polarisieren wie keine andere Tierart din der Gesellschaft. Deshalb ist es wichtig, Probleme offen anzusprechen und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Die Bereitstellung von Informationen zu aktuellen und begleitenden Managementmaßnahmen ist Aufgabe der Behörden und der Wolfsbeauftragten. Die Bundesländer informieren die Öffentlichkeit durch
- Presseaussendungen,
- Vorträge der Wolfsbeauftragten,
- Etablierung und Aktualisierung einer Website,
- Jahresberichte und
- Informationsblätter.
Materialien der befassten Verbände und Interessensvertretungen spielen eine wesentliche Rolle. Die einzelnen Aktivitäten sollten aufeinander abgestimmt werden und auf der fachlichen Ebene ein einheitliches Bild darstellen. Die Wolfsbeauftragten sind Teil der Öffentlichkeitsarbeit und stellen ihr Fachwissen zur Verfügung.
4.13 Wölfe in besonderen Situationen |  |
Wenn Wölfe in einer Kulturlandschaft in Mitteleuropa leben, kommen sie zwangsläufig in engen Kontakt mit Menschen. Der Mythos vom Tier, das unberührte Wildnis und weiträumig menschenleere Gebiete braucht, wird von der Realität überholt (vgl. KOST 2021, 18-22).
Es gehört zum normalen Verhalten, wenn Wölfe auch tagsüber von bewohnten Gebäuden aus gesehen werden, nachts gelegentlich Dörfer durchqueren und nach unzureichend geschützten Nahrungsgütern des Menschen, besonders Schafen, greifen. Die Erfahrung zeigt, dass ein solches Verhalten keine erhöhte Gefährdung des Menschen darstellt und Schäden durch Wölfe mittels Vorsorgemaßnahmen erfolgreich begrenzt werden können.
Wölfe sind reine Fleischfresser und das Töten von Wild- wie Haustieren ist keine Form der Aggression, sondern einfach Nahrungserwerb. Trotzdem gibt es gelegentlich Wölfe, die davon abweichende Verhalten zeigen und deswegen dem Menschen besondere Probleme bereiten.
Wölfe in besonderen Situationen können als Bedrohung empfunden werden oder tatsächlich darstellen wie etwa
- Laufen bei Dunkelheit direkt an Ortschaften entlang, im Hellen in Sichtweite von Ortschaften/ Einzelgehöften,
- Wolf flüchtet nicht beim Anblick von Menschen und Autos,
- Wolf reagiert unprovoziert aggressiv auf Menschen,
- Wolf tötet einen Jagdhund im Jagdeinsatz,
- Wolf hält sich längere Zeit in der Nähe eines Dorfes auf,
- Wolf nähert sich mehrfach Menschen mit Hunden,
- Wolf tötet wiederholt Hunde im Umfeld menschlicher Wohnstätten,
- Wolf tötet ungeschützte Nutztiere und
- Wolf tötet sachgerecht geschützte Nutztiere und überwindet den Schutz.
Problemsituationen können durch Wölfe entstehen, deren Verhalten außerhalb der Bandbreite des Verhaltens der meisten Wölfe liegt und die für den Menschen größere wirtschaftliche und/ oder sicherheitsrelevante Probleme verursachen. Wölfe verursachen in manchen Gegenden mit schlechtem Schutz der Nutztiere hohe Schäden, lässt dies nicht automatisch auf auffällige Wölfe schließen.
Habituierung bezeichnet in diesem Kontext die Gewöhnung des Tieres an die Anwesenheit des Menschen. Solch Tiere lassen den Menschen relativ nahe an sich heran. Sie haben gelernt, dass Menschen keine Gefahr darstellen. Sie sind nicht aggressiv. Sie nähern sich dem Menschen auch nicht gezielt. Es besteht kein positiver Reiz durch den Menschen, vielmehr ist der negative Reiz ist lediglich weggefallen. Habituiertes Verhalten entsteht durch individuelles Lernen oder wird von den Elterntieren auf die Jungen übertragen.
Als Futterkonditionierung wird ein Verhalten bezeichnet, bei dem Tiere bestimmte Situationen mit dem Erhalt von Futter verknüpfen. Im Bereich auffälliger Individuen bei Wölfen versteht man darunter in der Regel die Verknüpfung von menschlichen Einrichtungen mit verfügbarer Nahrung.
Futterkonditionierte Tiere suchen diese also gezielt auf, ohne dass sie wissen, ob es in diesem konkreten Fall dort Futter gibt, sondern weil sie aus Erfahrung wissen, dass dies oft der Fall ist. Hier besteht also ein positiver Reiz.
Aversive Konditionierung bezeichnet eine Verknüpfung bestimmter Situationen mit negativen Erlebnissen wie Schmerzen oder Gefahr. In diesem Kontext stellen diese Situationen die Anwesenheit des Menschen oder die Nähe zu Häusern oder Siedlungen dar. Diese Konditionierung kann man durch Vergrämen erreichen.
Unter Vergrämen versteht man etwa das Beschießen auffälliger Individuen mit Gummikugeln oder Leuchtraketen. Das ausschließliche Vertreiben von Tieren stellt keine Maßnahme der aversiven Konditionierung dar, da damit nur ein Ortswechsel und keine grundsätzliche Verhaltensänderung erreicht wird. Es kann sich aber durchaus schadensmindernd auswirken.
Unter Besendern versteht man das Anbringen von Telemetriesendern am Tier. Der heutige Stand der Technik für Wölfe sind kombinierte Sender mit GPS - GSM - und VHF - Einheiten (Satelliten - Telemetzriesender mit Mobilfunknetzübertragung und zusätzlicher Funksendeeinheit).
Zum Vergrämen von auffälligen Wölfen gibt es noch wenig Erfahrung. Bisherige Erfahrungen mit Problembären in Europa zeigen, dass erfolgreich Vergrämen keine Selbstverständlichkeit, sondern eher die Ausnahme ist.
Daraus lassen sich folgende Empfehlungen ableiten.
- "Normale" Schäden lassen sich in der Regel durch Vergrämen nicht verhindern, sondern nur durch Maßnahmen der Schadensprävention.
- Je früher eingeschritten wird, desto höher ist die Erfolgswahrscheinlichkeit.
- Die Tiere müssen mehrmals im Laufe einiger Wochen/ Monate intensiv vergrämt werden.
- In dieser Zeit dürfen sie nach Möglichkeit keine gegenteiligen Erfahrungen machen wie etwa futterkonditionierte Tiere dürfen nicht in Siedlungen kommen, ohne vergrämt zu werden.
- Bei habituierten Tieren ist es leichter, eine aversive Konditionierung zu erreichen als bei futterkonditionierten Tieren.
- Besenderung ist für das Auffinden der auffälligen Wölfe zur gezielten Vergrämung notwendig.
Entlaufene Gehegewölfe sind aus einem gewissen Maße habituiert. Auch wenn sich manche Tiere gut in der freien Wildbahn eingewöhnen können, stellen sie immer ein erhöhtes Risiko für den Menschen dar. Sie sind auf jeden Fall unter Beachtung der gesetzlichen Rahmenbedingungen zu entfernen, nach Möglichkeit durch Einfangen und Verbringen in ihr ursprüngliches Gehege
Zur Vermeidung von Konflikten wird auf die Wichtigkeit der ausbruchssicheren Haltung von Gehegewölfen nachdrücklich hingewiesen. In diesem Kontext kommt der Kennzeichnungs- und Aufzeichnungspflicht besondere Bedeutung zu und wird hinsichtlich der lückenlosen Erfassung Verbesserungsbedarf festgestellt.
4.14 Ausnahmen von Schutzbestimmungen |  |
Nach Artikel 12 der FFH-Richtlinien? ist der Wolf streng geschützt und alle Formen des Fangs oder Tötung sowie absichtlichen Störung verboten. Nach Artikel 16 Abs. 1 sind jedoch Ausnahmen möglich, sofern es keine anderweitige Lösung gibt und unter der Bedingung, dass die Populationen der betroffenen Art in ihrem Verbreitungsgebiet trotz Ausnahmeregelungen ohne Beeinträchtigung in einem günstigen Erhaltungszustand verweilen und zwar (vgl. KOST 2021, 22-23)
- zum Schutz der wildlebenden Tiere und Pflanzen und zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume,
- zur Verhütung ernster Schäden insbesondere an Kulturen und in der Tierhaltung sowie an Wäldern, Fischgründen und Gewässern sowie an sonstigen Formen von Eigentum,
- Im Interesse der Volksgesundheit und der öffentlichen Sicherheit oder aus anderen zwingenden Gründen des öffentlichen Interesses, einschließlich solcher sozialen oder wirtschaftlicher Art oder positiver Folgen für die Umwelt,
- zu Zwecken der Forschung und des Unterrichts, der Bestandsauffüllung und Wiederansiedelung und der für diese Zwecke erforderlichen Aufzucht, einschließlich der künstlichen Vermehrung von Pflanzen und
- um unter strenger Kontrolle, selektiv und in beschränktem Ausmaß der Entnahme oder Haltung einer begrenzten und von den zuständigen staatlichen Behörden spezifizierten Anzahl von Exemplaren bestimmter Tier- und Pflanzenarten zu erlauben.
4.15 Sonderfälle |  |
Alle Hunderassen stammen vom Wolf ab. Trotz der Domestikation über Tausende von Jahren können sich Haushunde und Wölfe weiterhin gemeinsam fortpflanzen (Hybride). Das kann, neben der gewollten Einkreuzung von Wölfen von Haushunderassen, auch in der freien Natur vorkommen. Besonders gefährdet sind stark zersplitterte Wolfspopulationen geringer Dichte.
Das Eindringen von Hundegenen in den Genpool einer Wolfspopulation kann nachteilige Folgen haben. Wolf -Haushund -Hybriden sind weniger angepasst an ein Leben in freier Natur und weniger scheu als Wölfe. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, in Konflikt mit Menschen zu geraten. Die geringere Lebensfähigkeit können Hybriden teilweise durch höhere Produktivität ausgleichen (Wölfe haben eine Paarungszeit im Jahr, Haushunde haben keine festen Paarungszeiten und Hündinnen werden 2-3 mal im Jahr läufig).
Aus Artenschutzgründen sollten alle Hybriden aus der freien Wildbahn entfernt werden. Bis zur Entnahme sollten durch freilebende Hybriden verursachte Schäden wie Wolfsschäden behandelt werden.
Wird ein Kadaver gefunden und besteht Verdacht, dass es sich um einen Wolf handeln könnte, soll der Jagdausübungsberechtigte oder die Polizei verständigt werden. Umgehend sollte der Fund dem Wolfsbauftragten oder der zuständigen Behörde (Bezirksverwaltungsbehörde, Landesregierung) gemeldet werden. Ziel ist die rasche Untersuchung der Fundstelle sowie die sachgerechte Kühlung und Obduktion des Kadavers.
Wird ein verletzter oder kranker Wolf aufgefunden oder besteht der Verdacht, dass es sich um einen verletzten oder kranken Wolf handeln könnte, soll der Jagdsausübungsberechtigte oder die Polizei verständigt werden. Umgehend soll in der Folge der Vorfall dem Wolfsbeauftragten oder der zuständigen Behörde gemeldet werden.
Die Entscheidung, ob das Tier schmerzlos getötet werden muss oder in freier Wildbahn belassen werden kann, sollte unter Berücksichtigung der landesgesetzlichen Regelungen durch die Einschätzung eines Tierarztes sowie des Wolfsbeauftragten erfolgen. Eine Unterbringung in einem Gehege sollte auf Ausnahmefälle und auf kurz Zeit beschränkt bleiben (vgl. KOST 2021, 23).
Im Folgenden geht es um die Projektbeschreibung der Universität Zürich - Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft "Wölfe: Wissen und Praxis. Ethnographie zur Wiederkehr der Wölfe in der Schweiz", Projektdauer 01/ 2016 - 12/ 2019, Prof. Dr. Bernhard TSCHOBEN
Um die Jahrtausendwende wurden zunehmend einzelne umherstreifende Wölfe auf der Suche nach einem neuen Territorium in der Schweiz gesichtet. Seit 2012 wurde in der
Calandaregion der erste Wolfsnachwuchs nachgewiesen. Daher wird von einer "Rückkehr des Wolfes" gesprochen. Die Wiederbesiedelung der Schweiz durch Wölfe der Schweiz stellt eine neuartige Situation dar.
5.1 Forschungsprojekt |  |
Das Forschungsprojekt fragt danach, welche Veränderungen diese Rückkehr mit sich bringt, auf welchen Ebenen diese Veränderungen stattfinden und wie verschiedenen Akteure damit umgehen. Interessant sind die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Wissensbeständen und Praktiken des Wolfsmanagement, Natur-, Kultur- und Raumkonzepte, die in der Debatte rund um den Wolf verhandelt, besetzt und mit Bedeutung versehen werden sowie Mensch - Tier - Beziehungen.
Im Zentrum steht der in der Politik und Ökologie übliche Begriff "Wolfsmanagement". Neben der institutionalisierten Verwaltung der Wölfe, dem Wolfmanagement im engeren Sinne, beinhaltet der Begriff in diesem Projekt aber auch individuelle, populäre und alltägliche Umgangsformen und Auseinandersetzungen mit den Wölfen und ihrer Präsenz.
Das auf einer praxeologischen und rationalen theoretischen Grundlage aufbauende Projekt begreift den Begriff als ein komplexes Akteurs - Netzwerk: eine Vielzahl von vernetzten, miteinander in unterschiedlichen Verbindungen stehenden und interagierenden Akteuren, die das untersuchte Phänomen durch ihre Handlungen und Interaktionen immer wieder aufs Neue hervorbringen und es dabei fortlaufend verändern. Zudem fragt das Projekt danach, inwiefern auch Tiere und Objekte an der Mitgestaltung des Phänomens beteiligt und somit Teil des Akteurs-Netzwerk? sind.
5.2 Teilprojekte |  |
Umfang und Komplexität erfordern das Projekt in zwei Teilprojekte aufzuteilen, welche sich unterschiedlichen Ausschnitten des Akteurs - Netzwerks zuwenden, die sich durch die tatsächliche Präsenz der Wölfe unterscheiden.
Das Teilprojekt von Nikolaus HEINZER hat den Schwerpunkt der unmittelbaren Nähe von Wolfsterritorien lebenden Menschen und ihren Umgang mit der alltäglichen Präsenz der Wölfe (vgl. HEINZER 2021). Geographisch orientiert sich dieses Feld am Territorium des Calanda - Wolfsrudels und weiteren Wolfsaktivitäten in betroffenen (Berg )Gebieten wie etwa im Wallis oder im Tessin.
Das von Elisa FRANK bearbeitete Teilprojekt nimmt die indirekt betroffenen Akteure in einem den Wolfsterritorien ferneren Umfeld in den Blick (vgl. FRANK - HEINZER - TSCHOFEN 2019, 17-32). Hier interessiert man sich, welche visuellen und symbolischen Repräsentationen und Diskurse von und über Wölfe im Umfeld produziert werden und wie diese die menschliche Wahrnehmung und den Umgang mit Wölfen im Wolfsmanagement beeinflussen.
Das Forschungsprojekt versucht die Vorgänge und Konflikte rund um die Rückkehr des Wolfs in die Schweiz sowie die unterschiedlichen Haltungen und Positionen in ihrer sozialen Situiertheit zu verstehen und dadurch einen Beitrag zu einem besseren Verständnis des aktuellen Phänomens zu leisten. Ein zentrales Anliegen des Projekts ist es dabei, die Debatte um die Rückkehr der Wölfe aus einer rein ökologischen Perspektive herauszuholen und als kulturellen Prozess bewusst und sichtbar zu machen.
6 Aspekte einer Politischen Bildung |  |
Im Folgenden wird auf die Wichtigkeit einer Didaktik, den Diskurs zur Thematik in der Politischen Bildung und den notwendigen Wandel von Lehr- und Lernkonzepten eingegangen.
Lehr- und Lernprozesse kennzeichnen eine Behandlung der Wolfsproblematik in der pädagogischen Herausforderung in den Bildungsbereichen.
6.1 Didaktik der Politischen Bildung |  |
Für die Politische Bildung ist die zentrale Frage die Abwägung von einem Schutz des Wildtieres oder seiner Verdrängung aus einem alten Kulturraum.
Ziel einer Politischen Bildung als Bestandteil der Gesamtbildung ist
- kritische Urteilsfähigkeit,
- Erkennen politischer, sozialer, rechtlicher und wirtschaftlicher Zusammenhänge und
- Ausgleich unterschiedlicher Aspekte im Sinne gesamtgesellschaftlicher Zielvorstellungen.
Die soziale Aufgabe eines Bildungssystems eines Staates bzw. einer Gesellschaft ist Lernende auf ein Leben in der Gesellschaft vorzubereiten. Dies bedeutet einen Lernprozess zu eigenem Handeln, demokratischen Entscheidungen und Interessen an öffentlichen Aufgaben zu ermöglichen.
Als Klammerbegriff von Wissen und Verhalten versteht sich politisches Bewusstsein.
Es bildet sich
- im Erkennen eigener Interessen,
- in gesellschaftlichen Konflikten,
- in institutionellen Machtansprüchen und
- im persönlichen Engagement.
Wie in allen sozialwissenschaftlich ausgerichteten Fachbereichen ergeben sich interdisziplinäre Themenbereiche.
Sie lassen sich zusammenfassen zu
- Gestaltungen sozialer Beziehungen, demokratischer Ordnung und
- politischer Willensbildung nationaler und internationaler Politik (vgl. DICHATSCHEK 2017, 1-2, 32-33).
Die Ansätze machen es möglich, die Lernzielarten zu verwenden. Es zeigt sich, dass strukturelles Lernen sich an kognitiver Struktur orientiert. Ein Problem stellt sich in dieser Kombination. Folgerungen für eine Politische Bildung ergeben sich aus der Theorie der kognitiven Komplexität. Wissen ist gegenüber Bewertungen und Handlungen zweitrangig, weil diese und nicht die Inhalte Merkmale für die Verarbeitung enthalten.
- Unterricht bzw. Lehre wirkt weniger durch Inhalte als durch Lernsituation, Unterrichtsarbeit und " (un) heimlichen Lehrplan/ Studienplan".
- Kommunikative Didaktik wirkt stärker als der Inhaltsaspekt. Kognitive Komplexität wirkt so als Lernumwelt, weniger als Vermittlung von Inhalten.
- Didaktik kann nicht auf Inhalte verzichten. Es geht um die Orientierung in der Umwelt bzw. dem Alltag. , die Betroffenheit der Subjekte und die existentielle Bedeutsamkeit von Situationen und Problembereichen.
- Politische Bildung verlangt die Einübung sachbezogener kognitiver Prozesse, damit der Bereich Politik in seiner Realität erschlossen werden kann.
Kognitive Komplexität ist Voraussetzung zur Bewältigung neuartiger und komplexer Situationen hängt mit Persönlichkeitsmerkmalen zusammen ( Selbstsicherheit, positive Einschätzung eigener Fähigkeiten).
- - -
Modell des Aufbaues kognitiver Strukturen
Erste Stufe - Orientierung an Regeln und Standards, Aufnahme eines Standpunkts
Zweite Stufe - zunehmende Differenziertheit, Standpunkterweiterung und von Aktionsmöglichkeiten
Dritte Stufe - Erweiterung und Integration kognitiver Strukturelemente (sozialer Kontext - Abhängigkeiten, Bewertungen, Vermeidung von Ablehnungen)
Vierte Stufe - Synthese verschiedenartiger Aspekte, Neuinterpretation(en), vermehrte Unabhängigkeit von Vorgaben und Vorschriften
Stufe 3 und 4 sind Lernziele der Politischen Bildung zuzuordnen.
6.2 Politischer Diskurs |  |
In diesem Verständnis sind die Pro- und Contra - Argumente als Aspekte einer gesamtgesellschaftlichen Herausforderung und einvernehmlichen Lösung zu sehen.
- Unumgänglich ist bei einer Weidetierhaltung eine konsequente Zurückdrängung des Wildtieres ("Beutegreifers"), wenn es nicht zu einem Aus kommen soll.
- Die Beweidung wird noch schwieriger werden. Aufwändiges Aufstellen von wolfabweisenden Zäunen mit mehr Arbeit und psychischer Belastung um die Sorge der Tiere sind Folgerungen.
- Auch die finanzielle Unterstützung von Herdenschutzhunden löse das Problem nicht. Dies kommt nur für wenige Tierhalter in Frage, weil die Arbeit mit den Hunden sehr arbeitsintensiv ist.
- Fatal ist die Weidetierhaltung aufzugeben. Einige beweidete Lebensräume sind nach europäischem Recht genauso geschützt wie der Wolf. Im Unterschied zum Wolf sind Lebensräume wie etwa Weiden in ihrem Bestand gefährdet. Problemwölfe sind daher zu verfolgen.
- Der wachsende Wolfspopulation darf nicht tatenlos zugesehen werden. Dass der Wolf immer öfter in Menschennähe gerate, ist gefährlich.
- Ein unkontrolliertes Wachstum der Wolfspopulation ist eine Zeitbombe. Weil es an Rückzugsgebieten mangele, dringe der Wolf immer öfter in besiedelte Gebiete ein.
- Gleichzeitig sei das Wildtier heute heute bedingungsloser geschützt. Nach jahrhundertlanger Jagd bis zu seiner fast Ausrottung ist man in das gegenteilige Extrem verfallen.
- Als intelligentes Tier lernt der Wolf, dass die Nähe des Menschen keine Gefahr bildet. Vielmehr ergeben die Weidetiere ihm eine reichhaltige Futterquelle.
- Lange wurde die Behauptung, den Wolf abzuschießen, sei rechtlich nicht möglich.
- Die hohen Ausgaben für einen Herdenschutz ergeben mitunter einen Meinungsumschwung.
- Offen bleibt die Länge des Genehmigungsverfahren. Die Gefahr der Wilderei und des Auslegens von Giftködern ist gegeben.
- Weidetierrisse werden mehr rund nicht weniger als Folgen eines Abschusses.
- Nach der Tötung eines wichtigen Rudelmitgliedes wird die Struktur der Gruppe zerstört. Um die Verluste zu kompensieren, vermehre sich das Rudel häufig schneller.
- Im Diskus wird oft außer Acht gelassen, dass Wölfe hauptsächlich Wild fressen, Es gebe einen ohnehin zu hohen Wildbesatz.
- Ein Zusammenleben von Mensch und Wolf ist möglich.
- Die Wildbestände befinden ich auf einem Höchststand. Die Wölfe finden genügend Nahrung im Wald. Es sei eher unwahrscheinlich, dass ein Mensch angegriffen wird.
- Weidetierhalter müssten keine Angst haben, zudem gibt es gute technische Schutzmöglichkeiten.
6.3 Lehr- und Lernkonzepte |  |
Für den Erfolg von Lehre, Lernen und einen Bildungsprozess sind Lernkonzepte in ihrer Anwendung wesentlich (vgl. DIECKMANN - SCHACHTSIEK 1998). Eine Zukunft der Bildung bedarf Überlegungen, was Menschen wissen und können müssen.
Für die Politische Bildung ist ein Kompetenzmodell unabdingbar (vgl. WEISSENO - DETJEN - JUCHLER - MASSING - RICHTER 2010).
Ausgehend von der Bedeutung von Wissen als zusätzliches Element von Arbeit und Kapital bedarf es Überlegungen, was Menschen als Teilhabe an einer ausgebauten Bildungsgesellschaft selbst oder mit anderen an Fähigkeiten und Umsetzungsmöglichkeiten benötigen (vgl. Modell Theorie - Praxis - Handlungsorientierung; BECK 1998, 11-20, DICHATSCHEK 2022).
12 Thesen in einer Welt gesellschaftlicher Umbrüche
- Bildung eine Ökonomie von Ideen und der Erneuung
- Qualifikationen relativieren sich zunehmend
- Bildungspolitik dringend notwendig
- Orientierung am Bildungsideal zur Selbständigkeit, Selbstverantwortung und Humanität
- Ausbildung orientiert sich an einer Bildung zum lebensbegleitenden Lernen
- Stärkung der Verantwortung der Schulen und Hochschulen - Erneuerung und Eigeninitiativen
- Demokratische Mitbestimmung, Mitverantwortung und Mitgestaltung
- Kompetenz- und Kontextwissen - Sozialkompetenz
- Praxis- und Arbeitsplatzbezug des Wissens
- Internationalisierung der Ausbildung in Schulen, Hochschulen und Fort- bzw. Weiterbildung
- Inklusionspädagogik verstärken und
- Bildung gesellschaftlich aufwerten (vgl. Finnland mit seiner Bildungswertschätzung).
6.3.2 Kompetenzmodell Politische Bildung |  |
Politikkompetenz umfasst lernpsychologische Kompetenz wie kognitive, affektive, motivationale und soziale Bereiche (vgl. WEISSENO - DETJEN - JUCHLER - RICHTER 2010, 16-19).
Bereichsspezifische Kenntnisse, Fertigkeiten und Strategien gehören dazu.
- - -
Politische Grundbildung ("Clinic Litenacy") umfasst vier Stufen. Dieser Ansatz und die Stufung verdeutlicht, dass die Grundbildung nicht aus der Politikwissenschaft abgeleitet werden kann.
- Kenntnis politischer Themen, Namen und Wörter,
- Verwendung von Begriffen,
- Verständnis politischer Konzepte und Verfahren sowie
- Besonderheiten politischen Denkens zur Einordnung von Zusammenhängen.
Politische Bildung konstituiert in den Bildungsbereichen sich durch die didaktische Konstruktion des fachwissenschaftlichen Wissens. In diesem Zusammenhang steht die politische Wirklichkeit und Erfahrung.
6.3.3 Konzept des Faches Politische Bildung |  |
Politische Bildung steht heute als Sammelbegriff für schulische und außerschulische Bemühungen zur Vermittlung politischer Kompetenz.
Pluralität der Fakten, Meinungen und Mündigkeit mit Urteilsfähigkeit sind Gegenstand des Faches, die auf die Praxis politischen Handelns ausgerichtet sind.
Der Fachbereich umfasst den
- primären < Sachunterricht,
- sekundären > Geschichte - Sozialkunde- Politische Bildung/ NMS, AHS - eigenes Fach in PTS und BS
- tertiären > Lehramtsausbildungen - Universitätslehrgänge und
- quartären Bildungsbereich > Allgemeine Erwachsenenbildung (vgl. DICHATSCHEK 2022b).
Schwerpunkte schulischer Politischer Bildung sind ein umfassender Politikbegriff wie ökonomische Prozesse, historische Bedingungen, ökologische Prozesse, rechtliche und gesellschaftliche Themen.
In der Erwachsenenbildung liegt der Schwerpunkt auf politischem Grundwissen in Verbindung mit Vorwissen. Ein Lehrgangssystem vermittelt Basiswissen und ermöglicht in der Folge projektorientiertes Arbeiten mit Themenwahl.
Bürgermodelle wie der reflektierte Zuschauer, Interventionsbürger, Aktivbürger und Desinteresseierte unterscheiden sich in der Partizipationsfähigkeit am politischen Prozess.
Grundsätzlich gelten die Prinzipien des "Beutelsbacher Konsens" (1976) mit dem Kontroversitätsgebot, Überwältigungsverbot und der Urteilsfähigkeit der Lernenden (Altersgemäßheit).
7 Mediendiskurs |  |
Die Medienarbeit bzw. Publikationstätigkeit konzentriert sich hier auf eine fachbezogene Thematik im Rahmen von IT -Netzwerke, Presseorgane und den ORF.
Unabdingbar ist sprachliche Präzession, der Umgang mit Fakten und Erkenntnissen.
Kritikfähigkeit und konstruktive Kritik sind Voraussetzung für Mündigkeit. Elektronischen Medien und IT-gestützten Netzwerken kommt neben der Fachliteratur Bedeutung zu.
Zu beachten sind längerfristige Netzwerke, damit auch ein Informations- und Kooperationswert erreicht werden kann.
7.1 Österreich |  |
- - -
7.2 Deutschland |  |
8 Wölfe in Märchen und der Mythologie |  |
Es sollen noch Aspekte der Wolfsthematik in Märchen und der Mythologie behandelt werden.
8.1 Märchenwelt |  |
Rotkäppchen und der böse Wolf
Das Märchen von "Rotkäppchen" ist in Europa eine der bekanntesten Erzählungen. Zum Leidwesen des Wolfs wird dieser hier als bösartiges Bestie dargestellt, die am liebsten arglose kleine Kinder verspeist. Erwachsenen ist klar, dass das Raubtier hier vielmehr den "fremden Mann" symbolisiert. vor dem sich besonders junge Mädchen in Acht nehmen sollen. "Rotkäppchen" sorgt seit mehreren Jahrhunderten dafür, dass schon Kinder kein besonderes gutes Bild vom Wolf haben. Dabei ist längst bekannt, dass gesunde Wölfe sich niemals mit Menschen anlegen.
Die drei kleinen Schweinchen
Auch im englischen Märchen "The Three Pigs" kommt dem Wolf die Rolle des gewieften Bösewichts zu, dessen Opfer dieses Mal nicht ganz unschuldig an ihrem Schicksal sind. Denn die zwei (faulen) Schweinchen, die ihre Häuser nur aus Stroh bzw. Holz bauen, hätten eigentlich wissen müssen, dass derart schwache mit relativ wenig Mühe errichtete Konstruktionen echter Bedrohung nicht standhalten können. Am Steinhaus des dritten Schweinchen beißt sich der Wolf dann die Zähne aus und landet (in der Originalfassung) am Ende noch im Kochtopf.
8.2 Mythologie |  |
Werwolf
Der mythologischen Vorstellung liegt zugrunde, dass ein Mensch die Fähigkeit besitzt, sich in einen Wolf zu verwandeln. Die meisten Sagen berichten von Männern, die einen Pakt mit dem Teufel eingingen und von ohm einen Gürtel aus Wolfsfell erhielten, mit dessen Hilfe sie sich verwandeln konnten. Das Wesen wird als unheilvoll und raubtierhaft beschrieben.
Romulus und Remus
Ein positives Bild des Wolfs zeichnet die römische Mythologie im Bezug auf die Gründung Roms. Nachdem die Gotteskinder Romulus und Remus in einen Korb auf einen Fluss ausgesetzt wurden, nahm eine Wölfin sich ihrer an, säugte sie und sichert so ihr Überleben, bis sie von einem Hirten endgültig in Sicherheit gebracht wurden. Später gründeten Romulus und Remus die Stadt Rom. Das alles wäre niemals möglich gewesen ohne den Einsatz der hilfsbereiten Wölfin.
Fenrirwolf
In der nordischen Mythologie wimmelt es von Wölfen. Neben dem Fenrirwolf, der vom Gott Loki und der Riesin Angrboda gezeugt wurde, tummeln sich noch Odins Wölfe Geri und Preki sowie die Wolfsbrüder Skalli und Hati, welche dem Wagen der Sonnengöttin und des Mondgottes hinterherjagen. Die Darstellung als göttliches Wesen in der Mythologie Skandinaviens zeigt die Bedeutung des Wolfes in der germanischen Mythologie.
Heiliges Tier und Urahn
Die Völker Zentralasiens, Turkvölker und Mongolen, sahen im Wolf einen direkten Vorfahren und verehrten ihn als heiliges Tier.
Der große Respekt der Mongolen vor dem Tier und dessen Verbindung mit dem heiligen Himmel "Tengri" wird auch im Film "Der letzte Wolf"/ China - Frankreich 2015 thematisiert > https://www.epd-film.de/filmkritiken/der-letzte-wolf (31.3.22).
9 Zusammenfassung |  |
Die Beziehung zu Hunden und ihrer Abstammung von Wölfen prägt die Menschen. Der Kontakt in der "Jäger und Sammler - Gesellschaft" der Altsteinzeit mit dem Wolf wurde die Grundlage zu einer gemeinsamen Eroberung des Lebensraumes.
- Wölfe kommen nach langer Zeit zurück. Widerstand und Konflikte ergeben sich in unserer Gesellschaft, wobei die Wilddichte und die Schutzfunktion eine Rolle spielen. Zu diskutieren ist daher, wie man nachhaltig und konfliktarm den Umgang gestalten kann.
- Immer mehr erkennt man die Notwendigkeit einer ökologischen Wende. Dazu gehört ein gesundes und respektvolles Verhältnis zu der Natur, mit ihr zu den Wildtieren.
- National und international benötigt es Kooperationsmodelle, mit der Problematik sinnvoll umzugehen.
- Für den politischen Bildner ist die Trias der ökologischen - ökonomischen - soziokulturellen Perspektive im Kontext von (politischer) Bildung bedeutungsvoll. Am Beispiel der Wölfe in Europa erweist sich das notwendige Verhältnis deutlich.
- Der Wolf war einst in ganz Europa verbreitet. In weiten Teilen seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes, insbesondere in West- und Mitteleuropa, wurde die Art aber von Menschen ausgerottet. Durch verstärkte Schutzbemühungen und ein Jagdverbot nehmen die Bestände in manchen europäischen Ländern seit einigen Jahren wieder zu, wie zum Beispiel in Italien, Polen und Kroatien. Seit Ende der neunziger Jahre hat sich der Wolf wieder angesiedelt. Zunächst vom Osten ausgehend ist der Wolf mittlerweile in fast allen Bundesländern heimisch geworden.
- Wölfe sind sehr anpassungsfähige Tiere und bewohnen die unterschiedlichsten Regionen und Lebensräume. Dass die meisten Wölfe in Wäldern leben, liegt daran, dass sie jahrhundertelang verfolgt und in weniger zugängliche Gebiete zurückgedrängt wurden. Ein ausreichendes Angebot von Wasser und Beutetieren sowie ungestörte Plätze zur Jungenaufzucht sind die Grundvoraussetzung dafür, dass sich Wölfe in einer Region dauerhaft ansiedeln.
- Wölfe sind die Vorfahren unserer Haushunde. Bei einigen Rassen, wie Schäferhunden oder Huskys ist die Verwandtschaft nicht zu übersehen. Im Gegensatz zu wolfsähnlichen Haushunden weisen Wölfe einen längeren Rumpf auf und sind hochbeiniger. Wölfe erreichen eine Körperlänge von 100 bis 150 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 60 bis 90 Zentimeter und ein Gewicht von 30 bis 70 Kilogramm, wobei die Weibchen im Allgemeinen kleiner und leichter sind als ihre männlichen Artgenossen.
- Wölfe sind sehr variabel gezeichnet. In den gemäßigten Breiten Europas ist das Fell der Wölfe überwiegend dunkelgrau bis -braun gefärbt. Der typische Pfotenabdruck eines erwachsenen Wolfes ist 8-10 Zentimeter lang. Die Krallen sind deutlich zu erkennen, was das Trittsiegel des Wolfes zum Beispiel von dem des Luchses unterscheidet. Im Gegensatz zu den Katzenartigen können Wölfe ihre Krallen nämlich nicht einziehen.
- Wölfe können ähnlich alt werden wie Hunde, nämlich 10 bis 12 Jahre. Zu einem vorzeitigen Tod kommt es bei Wölfen aus unterschiedlichen Gründen. Neben allen Krankheiten, die auch Hunde betreffen – etwa Staupe oder Tollwut – ist für Wölfe insbesondere der Straßenverkehr lebensbedrohlich.
- Je nach Jahreszeit und Verbreitungsgebiet schwankt die Zusammensetzung der Nahrung beträchtlich. Im Winter sind große pflanzenfressende Säugetiere die Hauptbeute, wie zum Beispiel Elche und Rentiere in Nordeuropa oder Rehe, Hirsche und Wildschweine in südlicheren Verbreitungsgebieten. Dabei macht der Wolf vor allem auf ältere, kranke oder junge Tiere Jagd, da sie eine leichte Beute sind. So übernimmt der Wolf eine wichtige Rolle im Ökosystem, weil er die Bestände etwa von Huftieren kontrolliert.
- Im Sommer stehen auch kleinere Säugetiere, Vögel, Fische, Lurche und sogar Obst auf dem Speiseplan. In der Nähe von menschlichen Siedlungen kann es vorkommen, dass Wölfe auch Schafe und junge Rinder erbeuten. Dagegen helfen Elektrozäune und Herdenschutzhunde. Wenn Beutetiere knapp sind, fressen Wölfe auch Aas und Abfälle.
- In Mitteleuropa ist die Paarungszeit der Wölfe, die auch als Ranzzeit bezeichnet wird, von Januar bis März. Die jungen Wölfe kommen zwischen April und Juni zur Welt. Ein Wurf besteht in der Regel aus vier bis sechs, maximal elf Welpen. Die Geburt erfolgt meist in einem Erdbau, den die Wölfin selbst gegraben oder von anderen Tieren wie Füchsen übernommen und entsprechend vergrößert hat.
- Die frisch geborenen Welpen sind nur 300 bis 500 Gramm schwer, blind und taub und haben ein dunkles, feines Fell. Die Mutter säugt ihren Nachwuchs sechs bis acht Wochen, die jungen Wölfe können aber bereits ab etwa dem zwanzigsten Tag feste Nahrung zu sich nehmen. Mit acht Monaten sind die Jungtiere ausgewachsen. Doch frühestens nach zwei Jahren, wenn die Geschlechtsreife erreicht ist, verlassen sie das Rudel, um sich eigene Partner zu suchen und neue Wolfsfamilien zu gründen. Bis dahin leben die jungen Erwachsenen mit ihren Eltern im Wolfsrudel zusammen und helfen bei der Aufzucht der jüngeren Geschwister.
- Insgesamt nehmen die Wolfsbestände in Europa seit einigen Jahren wieder zu. Dennoch genießen die großen Beutegreifer bei vielen Menschen immer noch wenig Akzeptanz. Und obwohl Wölfe mittlerweile in den meisten Ländern Europas gesetzlich geschützt sind, werden immer wieder Tiere vorschnell geschossen, wenn es zu Konflikten mit Interessen von Nutztierhaltern und Jägern kommt. Zudem ist der Wolf vor allem im dicht besiedelten Mitteleuropa durch die Zerschneidung seiner Lebensräume gefährdet. Junge Wölfe, die das Rudel verlassen, legen bei ihren Wanderungen bis zu 1 000 Kilometer zurück. Nicht wenige von ihnen werden dabei überfahren.
- In Europa ist der Wolf durch das Washingtoner Artenschutzabkommen, die Berner Konvention sowie die FFH - Richtlinie geschützt. Dennoch gibt es in einigen europäischen Ländern Jagdquoten für Wölfe.
Literaturverzeichnis |  |
Angeführt sind jene Titel, die für den Beitrag verwendet und/ oder direkt zitiert werden.
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Dokumentation |  |
Zum Autor |  |
APS - Lehrer/ Lehramt für Volks- und Hauptschule (D, GS, GW) sowie Polytechnischer Lehrgang (D, SWZ, Bk); zertifizierter Schüler- und Schulentwicklungsberater; Lehrbeauftragter am Pädagogischen Institut des Landes Tirol/ Berufsorientierung bzw. Mitglied der Lehramtsprüfungskommission für APS - Lehrer/ Landesschulrat für Tirol (1994 - 2003)
Lehrbeauftragter am Institut für Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft/ Universität Wien/ Aus- und Weiterbildung/ Vorberufliche Bildung (1990/ 1991- 2010/2011); Lehrbeauftragter am Sprachförderzentrum des Stadtschulrates Wien/Interkulturelle Kommunikation (2012); Lehrbeauftragter am Fachbereich für Geschichte/ Universität Salzburg/ Lehramt "Geschichte - Sozialkunde - Politische Bildung/ "Didaktik der Politischen Bildung" (2015/ 2016, 2017)
Mitglied der Bildungskommission der Evangelischen Kirche in Österreich A. und H.B. (2000 - 2011), stv. Leiter des Evangelischen Bildungswerks in Tirol (2004 - 2009, 2017 - 2019)
Kursleiter an den VHSn Zell/ See, Saalfelden und Stadt Salzburg - "Freude an Bildung" (2012-2019) und VHS Tirol "Der Wandel der Alpen" - Politische Bildung (2025)
Absolvent des Instituts für Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/ Doktorat (1985), des 10. Universitätslehrganges Politische Bildung/ Universität Salzburg - Klagenfurt/ Master (2008), des 6. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg/ Diplom (2012) - des 6. Lehrganges Interkulturelles Konfliktmanagement/ Bundesministerium für Inneres - Österreichischer Integrationsfonds/ Zertifizierung (2010), der Weiterbildungsakademie Österreich/ Diplome (2010), des 1. Lehrganges Ökumene/ Kardinal König - Akademie Wien/ Zertifizierung (2006) - der Personalentwicklung für Mitarbeiter der Universitäten Wien/ Bildungsmanagement/ Zertifizierungen (2008 - 2010) und Salzburg/ 4. Lehrgang für Hochschuldidaktik/ Zertifizierung (2015/2016) - des Online - Kurses "Digitale Werkzeuge für Erwachsenenbildner_innen"/ TU Graz - CONEDU - Werde Digital.at - Bundesministerium für Bildung/ Zertifizierung (2017), des Fernstudiums Erwachsenenbildung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium - Comenius Institut Münster/ Zertifizierung (2018), des Fernstudiums Nachhaltige Entwicklung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium - Comenius Institut Münster/ Zertifizierung (2020)
Aufnahme in die Liste der Sachverständigen für den NQR/ Koordinierungsstelle für dem NQR, Wien (2016)
MAIL dichatschek (AT) kitz.net
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