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Sport

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Herausgeber
Petra Giess-Stüber?
Berndt Tausch
Verlag Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Seitenzahl 260
Maße (L/B/H) 21/14,8/1,5 cm
Gewicht 356 g
Auflage 1. Auflage 2023
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-658-40368-3
Herstelleradresse
Springer-Verlag? GmbH
Tiergartenstr. 17
69121 Heidelberg


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Giess - Stüber P./ Tausch B. (2023): Gesellschaftlicher Zusammenhalt in und durch Sport. Bildung für Vielfalt und nachhaltige Entwicklung, Heidelberg
Giess - Stüber P./ Tausch B. (Hrsg.) (2023): Gesellschaftlicher Zusammenhalt in und durch Sport. Bildung für Vielfalt und nachhaltige Entwicklung, Heidelberg


Sammelband 23 Sport und Gesundheitsförderung    

Aspekte der Moderne im Kontext Politischer Bildung    

Günther Dichatschek

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Sammelband 23 Sport und Gesundheitsförderung   
Aspekte der Moderne im Kontext Politischer Bildung   
Vorbemerkung   
Teil I Sport   
Einleitung   
1 Sport und Gesellschaft - Dimensionen   
1.1 Unterschiedliche Interessen   
1.2 Politikbereiche   
2 Historische Entwicklungen   
2.1 Antike - Mittelalter   
2.2 Neuzeit   
2.3 Kalter Krieg   
2.4 Sportdiplomatie   
2.5 Ukraine - Krise   
3 Strukturen und Akteure   
3.1 Kernprinzipien   
3.2 Europäische Ebene   
3.3 Internationale Ebene   
4 Sportgroßereignisse   
4.1 Medienevents   
4.2 Kommunikationsgrad   
4.2.1 "Sommermärchen" 2006 Deutschland   
4.2.2 Regenbogennation Südafrika 2010   
4.2.3 Sportgroßereignisse China und Russland   
4.2.4 Sportgroßereignisse arabischer Raum   
4.3 Bewerbung und Vergabe von Sportgroßereignissen   
4.4 Alpintourismus - Einfluss des Klimawandels   
5 Sportpolitische Herausforderungen - Protest   
5.1 Menschenrechtsproteste   
5.2 Sozialproteste   
5.3 Protestaktivitäten   
6 Aspekte einer Reform   
6.1 Beispiel FIFA   
6.2 Organisationsstruktur   
6.3 Reformen   
6.4 Good Governance im Sport   
7 Migration und Sport   
7.1 Unterschiedliche Arten   
7.2 Kurzfristige Mobilität   
7.3 Feste Ausländerregelungen   
8 Ausblick - sportpolitische Zukunft   
9 Fußball - Weltmeisterschaft Männer 2026   
9.1 Kritikpunkt Umweltbelastung   
9. 2 Kritikpunkt Ticketkosten   
9.3 Menschenrechte   
9.4 Sportmanagement   
9.5 Reflexion   
9.5.1 Gewichtung von Werten   
9.5.2 Die Zukunft des Turniers   
9.5.3 Endrunde - Bewerbung   
9.5.4 Autorenrückblick   
10 Sport - Historische Politische Bildung   
Buchbesprechung   
Literaturverzeichnis Sport   
Teil II Gesundheitsförderung   
11 Gesundheitspädagogik   
11.1 Gesundheit und Gesundheitsbildung   
11.2 Gesundheitspädagogik in der Schule   
11.3 Gesundheitsbildung in der Erwachsenenpädagogik   
11.4 Zuständigkeit und Kompetenz Lehrender   
12 Reflexion   
12.1 Handlungskompetenz   
12.2 Didaktische Prinzipien   
12.3 Gesundheitspolitik   
Literaturverzeichnis Gesundheitspädagogik   
Dokumentation   
Zum Autor   

Vorbemerkung    

Wer im Umfeld von sportlichen Großveranstaltungen und Massentourismus lebt, ist Betroffener und Interessierter des Verhältnisses von Sport - Politik/ Massenveranstaltungen und Gesundheitsförderung/ Gesundheitsversorgung - Gesundheitspolitik.

Die Grundlage der Studie mit den folgenden Überlegungen ist die Ausbildungs-und Berufsbiografie des Autors und die Auseinandersetzung mit der Fachliteratur (vgl. TOKARSKI - PETRY 2010, EMMRERICH 2011, HAUT 2014, GÜLDENPFENNIG 2017, KLEINFELD 2018, MEIER 2018, MITTAG 2018, ZERYRING 2016/ 2018, PETRY 2020, BLASCHKE 2020, BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG 2022/ 2023).

Die Studie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie versteht sich als Beitrag für ein Grundwissen in Politischer Bildung im Kontext einer Erwachsenenpädagogik.

Der Dialog von

ist zunehmend angesichts der Bedeutung von Sport und der Internationalität sportlicher Großveranstaltungen mit Massentourismus und ihrer Verbreitung von Bedeutung.

Teil I Sport    

Einleitung    

Am 14. Juni 2024 startet die Fußball - Europameisterschaft der Männer in Deutschland. Einen Monat lang wird die "EURO 2024" in den Medien und der Öffentlichkeit vorhanden sein.

Politische Themen werden das Event begleiten. Von einer Instrumentalisierung des populären Spitzensports ist auszugehen.

Ähnliche Tendenzen sind im Wintersport zu beobachten (vgl. Leistungssport und Massentourismus).

Eine Konkurrenz zwischen

  • liberalen Demokratien mit eigenen Werten wie Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit und
  • autokratischen Systemen mit der Zielsetzung internationalen Ansehens ist nicht neu.
Die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin wurden für das eigene politische Ansehen gebraucht, um die Stärke des politischen Systems zu zeigen und zu steigern (vgl. EMMERICH 2011, das Missfallen der vier Goldmedaillen von Jesse Owens).

2022 hatte die Fußball - WM der Männer in Katar den politischen Schwerpunkt mit der Debatte um die beschränkten demokratischen Rechte im Emirat (vgl. BUSSE - WILDANGEL 2022) .

"Große Sportereignisse und der Sport besitzen große Symbolkraft zu mobilisieren, sowohl für als auch gegen sportpolitische Themen, aber auch für und gegen gesellschaftliche Problemfelder[...]" (izpb 357 4/2023, 3).

Sport besitzt eine politische Dimension, in liberalen Demokratien in seinen Organisationen mit großer Autonomie.

  • Im Breitensport ergeben sich eine große Möglichkeiten für die Vermittlung von demokratischen Inhalten/ Werten wie Integration, Gleichberechtigung/ Minderheiten und Fairness.
  • Eine Ehrenamtlichkeit in den Sportvereinen erweist sich als große Stütze und demokratische Vertretung von Interessen in den Verbänden und Institutionen.
1 Sport und Gesellschaft - Dimensionen    

Grundsätzlich kann zwischen zwei sportpolitischen Dimensionen unterschieden werden als

  • Inanspruchnahme für allgemeine politische Interessen und
  • Förderung und Organisation des Sports.
Die Aktionsfelder besitzen durch die Medien (Print- und Digitalmedien) die Herstellung von Öffentlichkeit und damit allgemeine Politik, insbesondere länderspezifisch mit Lieblingssportarten.

Sport allgemein spielt eine Rolle in der Gesellschaft, als Bestandteil kulturellen Lebens im Breitensport, Spitzensport, Publikumssport und als Freizeitaktivität/ Freude an Bewegung.

"Sport gilt als eine körperliche Aktivität, freiwillig in Form von Übungen, Spielen und Wettkämpfen ausgeführt wird. Sport kann dazu dienen, die körperliche Fitness zu verbessern, Geschicklichkeit zu entwickeln, Wettbewerbsgeist und Gemeinschaftsgefühl zu fördern oder das persönliche Wohlbefinden zu stärken. Ausgeübt wird der Sport sowohl individuell als auch in Gruppen. Das Spektrum reicht von zweckfreien Freizeitaktivitäten bis hin zu professionellen Wettkämpfen. Sportorganisationen spielen oftmals eine wichtige Rolle, da sie den Ort für sportliche Aktivitäten bereitstellen, sportartenspezifische Regelwerke koordinieren und die Interesse des Sports vertreten" (izpb 357 4/2023, 5).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in einer Anfangsphase eine Trennung von Sport und Politik angemahnt. Der langjährige Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Avery Brundage (1952-1972) war ein Vertreter des unpolitischen Sports. Thomas Bach, der IOC - Präsident ab 2013, ging von der Annahme aus, dass Sport mit Politik nichts zu tun habe, eine "Lebenslüge des Sports" sei.

Der Zusammenhang von Sport und Politik erweist sich in vielen Beispielen auf der internationalen Ebene.

Hilfreich ist die Betrachtung der Kerndimensionen (vgl. MITTAG 2023a, 4-7)

  • der unterschiedlichen Interessen der Akteure aus Politik, Medien, Wirtschaft und Kultur mit der jeweiligen Inanspruchnahme und
  • der Politikbereich/ das Politikfeld als Struktur der Sportpolitik und des Sportsystems in Verbindung mit der Ökonomie, Ökologie und Sportselbstorganisation/ Autonomie.
1.1 Unterschiedliche Interessen    

Sport bildet mit der hohen Aktivitätsmöglichkeit ein Themenfeld für unterschiedlichste Interessen.

Akteure sind Mitglieder der Politik, Medien, Wirtschaft, des Umweltschutzes und Kultur.

Sport ist hier kein Selbstzweck. Bestimmte Ziele und Botschaften werden vermittelt. Sportgroßveranstaltungen eignen sich besonders für solche Aktivitäten.

Durch die rasante Veränderung der Medienlandschaft werden die verschiedenen Einflüsse öffentlich vermittelt. Eine rege Kommunikation ergibt sich damit. Die Wechselwirkung auf den einzelnen Ebenen ergibt die Vielfalt von Interessen durch den Sport.

Entgegen der Annahme, dass Sport für politische Zwecke verwendet wird, kommt es auch zur Nutzung der Politik für die Interessen des Sports.

  • 2019 hat IOC - Thomas Bach beim G20 - Gipfel in Osaka die Initiative für ein Flüchtlingsteam bei den Olympischen Spielen vorgestellt.
  • Ebenso hat Thomas Bach 2022 beim G20 - Gipfel in Bali für die Mitwirkung von Athleten und Athletinnen aus Russland und Belarus bei kommenden internationalen Sportveranstaltungen sich eingesetzt (vgl. izpb 357 4/2023, 7).
IT - Hinweis

Sport und Politik

https://www.politik-lernen.at/dl/MKuoJMJKomknlJqx4KJK/pa_2014_5_sport_und_politik_web1.pdf (14.2.2024)

1.2 Politikbereiche    

Ein wesentliches Prinzip der Sportpolitik ist die Autonomie der Sportorganisation (vgl. TOKARSKI - PETRY 2010, 158-176).

  • Bereiche des Sportsystems mit seinen Aufgabenstellungen werden selbst verwaltet.
  • Andere Politikbereiche dagegen haben staatliche Akteure.
Die Tendenzen einer Kommerzialisierung des Spitzensports führen zu ständigen Veränderungen der Struktur der Sportpolitik. Der Wandel ergibt sich aus den Erwartungen der Gesellschaft (vgl. etwa Leistungssport, Medienpräsenz, Gesundheitssport, Integrationsfunktion).

Dazu kommt in einem massiven Sportmanagement die mittlerweile Einführung von Ligen und die Professionalität der Klubs.

  • In der Internationalität erkennt man einen Einfluss sportpolitischen Einfluss staatlicher Vertreter (vgl. Entwicklungen nationaler Sportstrategien).
  • Informelle Prozesse und Netzwerke beeinflussen Entscheidungsprozesse.
Die "Governance - Ansätze" eignen sich für eine Binnendifferenzierung des Politikbereiches Sport in einem besonderen Maß.

  • Breitensport, Spitzensport
  • Frauensport
  • Behindertensport
  • olympischer Sport
  • Zielgruppen Jugend, Frauen, Senioren, Behinderte und Minderheiten
  • Settings Schule, Betriebe, Wellness und Tourismus
  • Problemfelder Doping und Glückspiel.
2 Historische Entwicklungen    

Gegensätzliche Aussagen über den Sport weisen auf die gesellschaftliche Bedeutung in Gemeinschaften, Integration von Menschen, Völkerverständigung, Friedensstiftung und Gegensätze hin.

Sport entwickelt und bietet die Fläche für gesellschaftliche und politische Prozesse, besitzt einen eigenen Kern von Werten und Strukturen.

2.1 Antike - Mittelalter    

  • Antike - in Griechenland in den Olympischen Spielen gab es die sportliche und religiöse Dimension
  • Mittelalter - Turniere dienten zu Kampfkräften, zu festlichem Rahmen und der Herrschaftssicherung der Obrigkeit
2.2 Neuzeit    

  • 1894 - Gründung des Olympischen Komitees - Wiederbelebung der olympischen Idee zum sportlichen Kräftemessen mit Beeinflussung einer internationalen Friedensbewegung (vgl. ZEYRINGER 2016/ 2018).
  • Industrialisierung - Gründung von Arbeitersportvereinen, bürgerliche Sportvereine - soziale Bewegung, politische Ziele
  • Zeitstrukturenveränderung - Freizeitbeschäftigung breiter Schichten ab dem 19. Jahrhundert - Sportstätten
  • Zwischenkriegszeit - milieugebundene Sportstrukturen - Großstadienbau 1936 Olympische Spiele in Deutschland/ Sommer Berlin und Winter Garmisch - Partenkirchen, NS - Ideologie
  • Nachkriegszeit - 1950 FIFA Neuorientierung - 1954 "Wunder von Bern"/ Fußball - WM Schweiz - Alliierte beleben in den Besatzungszonen/ Deutschland und Österreich den Sport - weltanschauliche und religiöse Neutralität - 1956 Winterspiele Cortina/ drei Goldmedaillen Toni Sailer - Sport förderte die Identität in Deutschland und Österreich/ Fußball -Schisport
2.3 Kalter Krieg    

  • Kalter Krieg - verstärkt kommt es zu einer Polarisierung des Sports/ Rivalitäten 1956 Olympische Spiele in Melbourne Wasserball Ungarn - Sowjetunion, 1969 WM - Eishockey Schweden Tschechoslowakei - Sowjetunion, deutsch - deutsche Sportbeziehungen 1956 - 1964 gesamtdeutsche Olympiamannschaft mit getrennter Medaillenwertung/ Streit um Hymne und Flagge - "Ode an die Freude", olympische Ringe mit schwarz und goldenem Grund, in der Folge eigene DDR - Mannschaft mit Ziel Sportnation und Überlegenheit des Sozialismus
  • 1972 Olympische Sommerspiele München/ Gegenentwurf zu 1936, 1984 Winterspiele Sarajewo/ wenig Jahre später Bosnienkrieg
  • Dekolonisationsbestrebungen im internationalen Sport - ehemalige Kolonie nutzten Sport als Mittel des Widerstandes gegen koloniale Herrschaft - neue Staaten und Mitglieder in internationalen Sportverbänden
  • Kommerzialisierung des Sports in den siebziger und achtziger Jahren/ Verkauf von Medienrechten
  • Boykotte - Proteste 1956 Teilnahmeverzichte
Niederlande, Spanien und Schweiz - Ungarnaufstand

Ägypten, Irak, Kambodscha und Libanon - Suezkrise

VR China Alleinvertretungsanspruch vs. Taiwan/ Melbourne

  • Höhepunkte politischer Boykotte bei Olympischen Spielen
Montreal 1976/ Apartheid - Politik Südafrika

Moskau 1980/ Afghanistan und Los Angeles 1984/ Reaktion auf 1980

"diplomatischer Boykott" mit Verzicht auf offizieller Regierungsdelegationen

2.4 Sportdiplomatie    

  • Sportdiplomatie - "Fußballkrieg" zwischen El Salvador und Honduras 1969 - "Ping - Pong"- Diplomatie WM - Tischtennis Nagoya 1971 Spiele USA - China, Einladungen nach China und in der Folge ein Treffen von Richard Nixon und Mao
  • 2018 kam es zu einer Annäherung von Nord- und Südkorea bei den Winterspielen in Pyeongchang/ Südkorea, eine geneinsame Bewerbung für die Sommerspiele 2032 wurde angekündigt. In der Folge wurde die Planung aufgegeben.
2.5 Ukraine - Krise    

Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine (24. Februar 2022) sprach sich die organisierte Sportwelt weitgehend gegen eine Mitwirkung russischer und belarussischer Mannschaften aus. 2022 wurde die Teilnahme an Olympischen Spielen unterbunden. Die Sportdiplomatie wurde verlassen, man kehrte zur harten Ausschlusspolitik zurück. Russland wurde als einflussreiche Sportnation isoliert.

Eine Rückkehr auch unter Auflagen - wie Verzicht auf nationale Symbole - mit Hinweis auf die UNO, dass kein (e) Athlet_in wegen der Nationalität dauerhaft ausgesperrt werden darf, wurde vom Olympischen Komitee Sportlern_innen in Aussicht gestellt, die den Krieg nicht aktiv unterstützen (vgl. izpb 357 4/2023, 9-18).

  • Mehrheitlich folgte man dem Vorschlag für eine Wiederzulassung 2023.
  • 36 Nationale Olympische Komitees sprachen sich dagegen aus, bezogen sich auf die Charta des Olympischen Komitees. Sport ist den Dienst der Menschheit zu stellen und fördert dadurch Frieden, verachtet die Gewalt.
  • Bei einer Zulassung käme das Olympische Komitee in eine schwierige Lage, es drohte ein Akzeptanzproblem der öffentlichen Meinung und ein Problem der Sponsoren.
  • Ein verlässlicher Kompromiss zeichnete sich nicht ab. Die Lösung der achtziger Jahre wurde als Fehler gesehen, der wenig bewirkte. Sport ist kein Instrument zur Lösung politischer Probleme.
3 Strukturen und Akteure    

Die Besonderheiten im Vergleich mit den anderen Politikbereichen zeigen sich in den Strukturen, im Sportsystem und Akteuren/ Handlungsebenen.

3.1 Kernprinzipien    

Sportsysteme weltweit unterscheiden sich deutlich.

  • Das US - System mit dem Schwerpunkt auf den Schul- und Collegesport sowie Profiligen unterscheidet sich deutlich von den europäischen Sportsystemen mit den Vereinen als Kernprinzip des Breitensports und nationalen Ligen/ Verbänden.
  • Innerhalb Europas gibt es Unterschiede im Verhältnis von verbandlicher und staatlicher Sportpolitik.
Im deutschsprachigen Raum haben die Strukturen die Kernprinzipien Autonomie, Subsidarität, Föderalismus, Kooperation und Koexistenz. Sie haben sich historisch entwickelt und sind sportpolitische Praxis.

Als eigener Politikbereich bzw. Politikfeld oder Staatsziel findet der Sport keine Erwähnung in den Verfassungen (vgl. izpb 357 4/2023, 16-18).

IT - Hinweise

Österreich - Kompetenzen

https://www.bmkoes.gv.at/Ministerium/Das-Ministerium.html (13.2.2024)

Deutschland - Vereinssport und Grundgesetz

https://ehrenamt.dosb.de/news/details/vereinssport-und-das-grundgesetz (13.2.2024)

  • Autonomieprinzip
Als Kernprinzip grenzt die Selbstorganisation durch Verbände und Vereine sich von staatlicher und wirtschaftlicher Einflussnahme ab. Als freiwillige Vereinigungen bilden sie den Raum für aktiven Sport. Die Versammlungsfreiheit in der Verfassung wird als Grundrecht garantiert.

Zusammenschlüsse von Vereinen bilden Verbände und bündeln die Interesse nach außen und wirken für die Umsetzung (vgl. Schirennsport Schiclub > Landesverband > ÖSV/ DSV > FIS).

  • Subsidaritätsprinzip
Es besagt, dass möglichst Aktivitäten von der untersten Ebene verantwortet werden sollen. Das Vereinsrecht erfordert eine Satzung für eine Regelung der Aktivitäten. Wesentlicher Bestandteil dafür sind ehrenamtliche Helfende bzw. ein Funktionärswesen, in der Regel im Verbandswesen aus- und fortgebildet.

  • Föderalismusprinzip
Durch die föderale Struktur des Staates kommt es zu einer Aufteilung mit den Gemeinden, den Bundesländern und dem Staat > lokale Ebene - regionale Ebene - nationale Ebene.

Die einzelnen Ebenen ergeben die ideelle, finanzielle und öffentliche Förderung von Sportaktivitäten (vgl. Sportstätten, Organisationsformen und Fördermöglichkeiten).

  • Kooperationsprinzip
Es geht um die Partnerschaft von Sportselbstverwaltung und staatlichen Behörden.

Sportverbände und staatliche Institutionen bilden Formen der Zusammenarbeit.

  • Koexistenzprinzip Breiten- und Leistungssport
Beide Dimensionen werden als staatliche Aufgabe gesehen.

  • Breitensport und Freizeitsport dienen der Gesundheitsförderung.
  • Deutschland und Österreich, mitunter in einer Konkurrenzsituation, zeichnen Erfolge im Leistungs- bzw. Spitzensport aus.
Beliebteste Sportarten in Deutschland sind etwa Radfahren, Wandern, Schwimmen und Fußball (in Österreich auch Wintersport). Trendsportarten wie Nordic Walking, Golf, Triathlon und Mountainbiking sind eher Randsportarten > https://www.inspiredbysports.com/de/trendsportarten-2024/ (13.2.2023).

Häufigkeit sportlicher Betätigung in der EU und Deutschland in Prozent

EinteilungHäufigkeitProzentJahr
Europäische Union
 regelmäßig62022
  72017
 gewisse Regelmäßigkeit322022
  332017
 selten172022
  142017
 nie452022
  462017
Deutschland
 regelmäßig82022
  52017
 gewisse Regelmäßigkeit352022
  432017
 selten252022
  142017
 nie322022
  382017

Quelle:

Special Eurobarometer September 2022, 8-14

https://www.europeansources.info/record/public-opinion-in-the-european-union-summer-2022/ (29.2.2024)

3.2 Europäische Ebene    

Im Folgenden geht es um Sportpolitik über den nationalen Bereich hinaus. Sportpolitische Willensbildung erfolgt zunehmend im transnationalen Bereich statt.

  • Im Europarat wurde schon 1976 die "Europäische Charta des Sports für Alle" von den zuständigen nationalen Ministern mit breitensportlicher Ausrichtung beschlossen. Mit der 1989 beschlossenen "Anti - Doping - Konvention" wurde der Spitzensport unterstützt (vgl. TOKARSKI - PETRY 2010, 80-97).
  • Ab den achtziger Jahren war eine EU - Sportpolitik durch Bestimmungen wirtschaftlicher Aktivitäten im Sport im EU -Binnenmarkt betroffen. 2009 wurde der Sport im Vertrag von Lissabon mit unterstützender Zuständigkeit verankert.
Die EU als politisches System besitzt eine supranationale staatsähnliche Struktur. Damit entwickelte sich ein Zusammenspiel von Sportverbänden und staatlichen Behörden.

Die Europäische Kommission setzte durch die Generaldirektion Bildung und Kultur die "Sports - Unit" für die Koordination des Sports in Verbindung mit Projekten und Programmen wie ETRASMUS+ ein (vgl. izpb 357 4/2023, 60-63).

Das Europäische Parlament behandelt den Sport in den einzelnen Ausschüssen, wichtig ist der Ausschuss für "Kultur und Bildung" (CULT). Mit dem Vertrag von Lissabon 2009 befasst sich auch der Ministerrat der EU formal mit dem Sport (vgl. TOKARSKI - PETRY 2010, 98-127).

  • Parallel zu den EU - Organen befassen sich die Sportverbände mit europäischen Wettbewerben (European Games). Vorrangig ist gegründeten Interessensverbänden die Beschaffung von EU - Fördermitteln. Gegenwärtig ist das jährliche "EU -Sportforum" der Ort, wo nationalsportliche und europäische Funktionäre zusammentreffen und Koordinationsvorhaben abgesprochen werden.
3.3 Internationale Ebene    

Die Besonderheiten auf internationaler Ebene sind von Interesse für das Verständnis von Sportpolitik. Das Zusammenspiel von der Selbstverwaltung und staatlichen Behörden existiert hier nicht (vgl. izpb 357 4/2023, 26-27; TOKARSKI - PETRY 2010, 142-157).

  • Es gibt keine transnationalen Organisationen jenseits der EU und des kontinentalen Rahmens in Sportorganisationen.
  • Auf staatlicher Seite gibt es wenigstens mit der UNO/ WHO ohne Einbeziehung von Vertretern des Sports Hinweise auf körperliche Aktivität.
Bis 2006 gab es im UN - System das Amt des Sonderberaters des UN - Generalsekretärs für Sport im Dienst von Frieden und Entwicklung (vgl. Büro in Genf "United Nations Office for Development and Peace/ UNOSDP").

Die UNESCO für die Bereiche Bildung, Wissenschaft und Kultur ist mit dem "Zwischenstaatlichen Ausschuss für Körpererziehung und Sport" (CIGEPS) seit 1978 mit sportpolitischen Fragen befasst.

Aktivitäten zeigten sich in den Weltsportministerkonferenzen (MINEPS) 2013 in Berlin, 2017 in Kasan/ RUS und 2023 in Baku/ Asarbaidschan. Die Konferenzdokumente haben inhaltlich vorwiegend auffordernde Empfehlungen. Internationale Regelungen gab es nicht.

  • Fehlende transnationale Regelungen haben als Folge, dass die internationalen Sportverbände ungehindert arbeiten können.
Eine internationale gegenseitige Kontrolle und einen Interessensausgleich gibt es nicht.

Damit ergeben sich viele Problemfelder für eine Integrität des Sports und deren Vertreter.

4 Sportgroßereignisse    

Solche Ereignisse sind zeitlich begrenzte einmalige oder wiederkehrende Sportveranstaltungen. Die weltweit wichtigsten Sportveranstaltungen gelten die Olympischen Spiele im Sommer und Winter und die FIFA - Fußballweltmeisterschaft der Männer (vgl. izpb 357 4/2023, 29-39).

  • Die Größe und Reichweite solcher Veranstaltungen kennzeichnen sportliche Wettbewerbe wie die "Commonwealth Games", kontinentale Sportwettbewerbe wie die "Asian Games" und "Pan American Games" oder Multisportveranstaltungen wie die "World Games" nicht - olympischer Sportarten sind ebenfalls Sportgroßereignisse.
  • Basis ist die Zahl der Wettkämpfenden und Betreuenden, Zuschauenden und die TV- und Medienpräsenz.
4.1 Medienevents    

Den Rekord hält in Deutschland die ARD - Übertragung des Finale der Fußball - Weltmeisterschaft der Männer in Brasilien zwischen Deutschland und Argentinien 2014 (34,65 Millionen Zuschauende, Marktanteil 86,3 Prozent). Ein anderes Bild zeigte 2022 die ZDF - Übertragung das Finale der Fußball - Europameisterschaft der Frauen zwischen Deutschland und Frankreich in London mit 12,21 Millionen Zuschauenden und einem Marktanteil 46,8 Prozent.

4.2 Kommunikationsgrad    

Die Medienevents besitzen einen hohen Mobilisierungsgrad, der Kommunikationsgrad erstreckt sich über das Event hinaus.

Die Beschäftigung mit dem Ereignis nimmt einen großen Platz ein, die Emotionalisierung einer breiten Öffentlichkeit ist beträchtlich. Von Begeisterung, Enttäuschung und Trauer reicht die Anteilnahme.

  • Der Präsident von Senegal Abdoulaye Wade rief beim Sieg über die ehemalige Kolonialmacht Frankreich im Eröffnungsspiel der WM 2002 einen Nationalfeiertag aus. König Salman von Saudiarabien tat es 2022 gleich, als sein Land Argentinien 2:1 besiegte.
  • Dagegen stürzte die 1:7 Niederlage Brasiliens gegen Deutschland bei der WM 2004 Brasilien in kollektive Trauer.
  • Der Österreicher Karl Schranz wurde bei den Olympischen Winterspielen 1972 in Sapporo wegen eines T - Shirts mit Firmen - Logo ausgeschlossen. Er hatte bei einem Benifiz - Fußballspiel ein Trikot mit Werbeaufdruck getragen.
Der Ausschluss brachte ihm weltweit Schlagzeilen und ungeahnte Sympathien in der Heimat. Avery Brundage als IOC -Präsident hielt unnachgiebig daran fest, das ein Olympiasportler kein Geld mit Sport verdienen dürfe. Der Spitzensport sei dazu, den Charakter zu bilden, aber nicht das Konto zu füllen.

Der "Fall Schranz" war eine entscheidende Weichenstellung. 1981 fiel beim IOC - Kongress in Baden - Baden die Amateur - Regel. Das war die Basis dafür, dass hochbezahlte Sportler_innen wie etwa Steffi Graf 1988 in Seoul Gold gewinnen, US - Basketballer in Barcelona spielen konnten.

Karl Schranz hatte seinen Frieden mit Olympia gemacht. Juan Antonio überreichte Schranz als Versöhnungsgeste für den Ausschluss 1972 eine Goldmedaille ehrenhalber.

IT - Hinweis

Ausschluss Karl Schranz - 2022 50 Jahre

https://tirol.orf.at/stories/3140649/ (17.2.2024)

Zum Bedeutungszuwachs von Sportgroßereignissen gehören auch die technischen Verbreitungsformen wie die Satellitentechnik und Digitalisierung. Ebenso gehören die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in einer pluralisierten und ereignisorientierten Bevölkerung. Zunehmend werden auf der globalen Bühne politische, soziale und/ oder wirtschaftliche Interessen verfolgt. Mitunter erfolgt das direkt, um die weltweite Begeisterung und Aufmerksamkeit zu nützen und das Event so indirekt für sportliche Ziele zu realisieren.

Waren die Ausrichtung von Großereignissen bis zur Jahrhundertwende vorwiegend in OECD - Staaten vergeben worden, finden zunehmend mit Beginn des 21. Jahrhunderts Sport - Megaevents in den BRICS - Staaten statt (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika - Brasilien Fußball - WM Männer 2014, Olympia Sommerspiele 2016; Russland Olympia Winterspiele 2014, Fußball - WM Männer 2018; China Olympia Sommerspiele 2008, Winterspiele 2022; Südafrika Fußball - WM Männer 2010).

Das verstärkte Interesse im Kontext politischer, sozialer und wirtschaftlicher Aspekte, führt zu Problemen im Umwelt-/ Eingriff in die Natur, Menschenrechts- und Demokratiebereich/ Zustimmung der Bevölkerung.

4.2.1 "Sommermärchen" 2006 Deutschland    

Darunter versteht man die Erfolgsgeschichte der Fußball - WM der Männer in Deutschland, die mit der Begeisterung der Fans, dem schönen Sommerwetter und der attraktiven Spielweise der deutschen Nationalmannschaft zusammenhängt.

Das Ereignis erhielt die volle Unterstützung durch Politik und Wirtschaft in Kooperation mit dem Deutschen Fußballbund (DFB). Die Medien berichteten über die Begeisterung, Freude und den Patriotismus.

Ein "Nation Branding" entstand und entwickelte sich in den nächsten Jahren auch in anderen Sportarten.

4.2.2 Regenbogennation Südafrika 2010    

Südafrika ist das eindrucksvolle Beispiel für die Verwendung des Sports zum erfolgreichen Nation Branding. Der Übergang von der Apartheid zur Demokratie gelang insbesondere mit dem Auftritt der Persönlichkeit des Präsidenten Nelson Mandela.

Identitätsstiftung gelang 1996 mit dem Gewinn des Afrika - Cups als Gastgeber und 2010 der Fußball - WM der Männer. Südafrikanische Kultur und Lebensfreude wurde vermittelt.

"Nation Branding" als Begriff vom Marketing entlehnt, wird im politischen Kontext für Schwellenländer wie die BRICS -Länder verwendet. Nationale Interessen werden durch Überzeugung und Anziehungskraft vermittelt. In der Globalisierung wird durch mediale Vernetzung die populäre Kultur, zu der Sport gehört, in erheblicher Reichweite betrieben. Über sportliche Großereignisse werden nationale Interessen verbreitet.

Als Gegenstück ist der Begriff "Sportswashing" aufgekommen. Vor allem autokratischen Systemen wird eine manipulative Nutzung des Sports zugeschrieben. Zumeist geht es um Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen.

4.2.3 Sportgroßereignisse China und Russland    

Unterschiedliche Motive der Ausrichtung, Chancen und Risiken zeigen die Beispiele von China und Russland.

  • China nutzte die Sommerspiele 2008 gezielt als Nation Branding. Mehrere Hundert Millionen Menschen verfolgten die Eröffnungszeremonie in Peking.
Es folgte in den nächsten Wochen ein perfekt organisiertes Programm in neuen Sportstätten. Es wurden rund zwei Mrd. US - Dollar für die Spiele kalkuliert. Am Ende wurden rund 40 Mrd. US - Dollar in Infrastrukturmaßnahmen investiert.

Genutzt wurden die Spiele für Stadtentwicklung und Modernisierung. Interesse weckten die Spiele wegen der wirtschaftlichen Dynamik und erstmals seit 1936 und 1980 Spiele in einem nicht - demokratischen Land stattfanden (vgl. izpb 357 4/ 203, 32). 14 Jahre später spielte bei den Winterspielen neben dem Breiten- und Freizeitsport im Lande der Ausbau der Wintersportindustrie eine Rolle. Nach innen war die Legitimation auf die Staatsführung gerichtet.

  • Russland verband mit der Bewerbung um die Winterspiele 2014 und die Fußball - WM 2008 eine Präsentation der Stärke des Lands im Sinne des Nation Branding. Ein nationales Bewusstsein und die Entwicklung eins Großmachtpatriotismus spielten eine Rolle. Investiert wurden rund 50 Mrd. Euro in die teuersten Winterspiele aller Zeiten auch mit dem Ziel, die Spitze der Nationenwertung zu erlangen.
  • Mit der Eröffnung der Sommerspiele 2008 in Peking erfolgte der Einmarsch Russlands in Georgien. 2004 begann die Besetzung der Krim und im Jahr 2022 der Ukraine - Konflikt. Die Idee des "Olympischen Friedens" während und nach den Spielen wurde genützt, um Reaktionen der Konfliktparteien begrenzt zu halten (vgl. izpb 357 45/2023, 33).
4.2.4 Sportgroßereignisse arabischer Raum    

BRICS - Staaten und in letzten Jahren Staaten des arabischen Raumes sind verstärkt bei Sportgroßereignissen in Verbindung mit Politik aufgetreten (vgl. izpb 357 4/ 2023, 33-37).

  • Das Emirat Katar seit seiner Unabhängigkeit 1971 mit seinen Ressourcen Erdöl und Erdgas spielt eine besondere Rolle. Seit den neunziger Jahren wurde aus dem katarischen Staatsfond eine Modernisierung mit einem Ausbau der Infrastruktur zu einer Metropole für Touristen, Geschäftsreisende und besonders für den Sport eingeleitet.
Mit der "Aspire Academy" wurde eine der größten Sportakademien der Welt gebaut, die große internationale Sportaktivitäten durchführt (vgl. https://www.aspire.qa/Home [21.2.2024]). Es gibt noch wenige Sportarten, die noch nicht in Katar als Sportwettkämpfe ausgetragen wurden. Die Formel 1 führt ihre Rennen durch. Katar selbst wurde 2015 im Handball der Männer Vizeweltmeister und 2019 im Fußball der Männer Asienmeister. 2022 war die Fußball - WM der Männer ein Höhepunkt.

Für die politische Dimension erweist sich während der "Katar - Krise" 2017 bis 2021 durch Golfstaaten Saudi - Arabien, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate die Sportstrategie und internationale Aufmerksamkeit und Unterstützung Katars als wichtige Absicherung des Emirats. Die sportlichen Erfolge arabischer Mannschaften bei der WM 2022 halfen ebenso Katar.

  • Saudi - Arabien verfolgt ähnlich eine umfassende Sportstrategie als Teil des nationalen Entwicklungsplanes "Vision 2030" mit einem Ausbau der Sportindustrie und der Aufwertung der nationalen Fußball - Liga durch Stars wie Ronaldo oder Benzema. Die Ausrichtung des italienischen und spanischen Fußball - Super - Cups und der "Rallye Dakar" waren erste erfolgreiche Ziele (vgl. https://www.dakar.com/en/ [21.2.2024]).
4.3 Bewerbung und Vergabe von Sportgroßereignissen    

Die Bedeutung von Sportgroßereignissen betrifft immer auch sportpolitische Entscheidungen.

Zwei Vergabeverfahren mit Bewerbungsphasen werden beispielhaft dargestellt (vgl. izpb 357 4/ 2023, 37-38).

  • Bisherige Vergabeverfahren des IOC
Interessenbekundungsphase - Nominierung von Kandidatenstadt

Vergabe des Kandidatenstatus - Auswahlprozess der Nominierungskommission

Erstellen offizieller Bewerbungsunterlagen - Regierungsgarantien

Berichterstellung der Evaluierungskommission - Besuch und Beurteilung der Kandidatenstadt

Vertragsunterschrift und Beginn der Vorbereitungsphase

  • Vergabeverfahren der FIFA
Interessenerkundung der Mitgliederverbände Bewerbungsvereinbarung und Bewerbungsvorschriften

Evaluationsverfahren - Prüfung der Bewerbung - Risikobeurteilung - Technische Beurteilung

Unterbreitung und Prüfung der zugelassenen Bewerbung

Offizielle Vergabe durch FIFA - Kongress

Quelle:

Mittag J. (2020): Die Vergabe internationaler Sportgroßveranstaltungen im Wandel: Verbände und Bewerber im Widerstreit von Interessen: Strategien und Kriterien, in: Bundesinstitut für Sportwissenschaft (Hrsg.): Sportgroßveranstaltungen in Deutschland, Bd. 2: Nachhaltige Bewegung, Bonn 32-45

4.4 Alpintourismus - Einfluss des Klimawandels    

Der Problembereich erklärt sich vor allem durch den Diskurs über

Das Image des Wintertourismus mit dem Schisport war schon besser. Kritik kam sogar von FIS - Präsident Johan Eliasch, der ökologische Fußabdruck der Rennen in Schladming durch Zehntausende Zuschauer sei größer als bei Rennen im US -Wintersportort Aspen. Der ÖSV reagierte wenig erfreut.

Die Frage einer Nachhaltigkeit des Schisports ist eine wesentliche Zukunftsfrage. ÖSV - Generalsekretär Christian Scherer betonte vor Journalisten_innen am 1. Februar das zu Unrecht schlechte Nachhaltigkeitsimage des Schisports. Studien zeigen, dass künstliche Beschneiung keine Auswirkung auf Flora und Fauna hat. Schifahren beeinflusst kaum die Gletscherschmelze nach Andrea Fischer, Gletscherforscherin und Wissenschaftlerin des Jahres. "Auf der Piste bleibt der Schnee besser liegen und es schmilzt weniger Eis. Dass die Schifahrer den Schnee abrasieren, stimmt nicht." Sie spricht sich dafür aus, dann Schi zu fahren, wenn Schnee liegt, und die Saison nicht künstlich zu verlängern. Dazu sagt Scherer: "Früher oder später wird die Schisaison später beginnen."

Jasmin Duregger, Klimaexpertin bei Greenpeace, wendet ein: "Hier gibt es sehr unterschiedliche Positionen. Fakt ist: Schneekanonen haben einen sehr hohen Energieverbrauch, und ein großer Teil des österreichischen Energiebedarfs wird noch mit fossilen Energien gedeckt." Sie spricht sich dafür aus, dann Schi zu fahren, wenn Schnee liegt, und die Saison nicht künstlich zu verlängern. Dazu Scherer: "Früher oder später wird die Schisaison später beginnen."

Laut Greenpeace sind zwei Drittel der CO2 - Emissionen im Schitourismus auf die An- und Abreise zurückzuführen. Das weiß man auch beim ÖSV - doch beim Ausbau des Öffie- Angebots stoße man immer wieder auf logistische Probleme, vor allem sobald mehrere Bundesländer involviert seien, sagt Scherer. "Wir brauchen eine einheitliche Tarifpolitik." Zwecks besserer Koordination wünsche er sich eine Ansprechperson im Klimaministerium. Eine solch wäre nicht nur für Sport-, sondern auch für Kulturveranstaltungen hilfreich.

Im Klimaministerium verweist man auf die seit 2013 bestehende Arbeitsgruppe und darauf, dass zwei Mal im Jahr Experten_innen aus Bund und Ländern zusammenkommen, um sich über Mobilitätslösungen auszutauschen. Aich mit dem ÖSV bestehe ein "regelmäßiger und guter Austausch". und selbstverständlich sei man bereit, diese Zusammenarbeit gemeinsam mit den anderen zuständigen Ministerien weiter zu vertiefen [...].

Beim Thema Nachhaltigkeit sei man auch im Austausch mit NGOs. Die Klimasprecherin von Greenpeace sagt: "Man sieht, dass es Bemühungen gibt. Wichtig wäre es aus unserer Sicht, den Rennkalender anzupassen." Mit der "Letzten Generation" führt der ÖSV hingegen keine Gespräche, da er deren Methoden ablehne. Zuletzt veranstalteten Aktivisten_innen der Letzten Generation ein eine Potestaktion beim Nightrace im alpinen Schi - Weltcup in Schladming.

Da der Schisport sowohl im Bereich des Breiten- als auch des Leistungssports ein Nachwuchsproblem hat, wünscht sich auch Scherer Gratis - Schipässe für Kinder und finanzielle Unterstützung für ökonomisch benachteiligte Familien, deren Kinder am (Profi-) Schisport interessiert sind. Scherer sagt dazu: "Ich würde mich freuen, wenn dadurch auch mehr Menschen mit Migrationshintergrund den Weg in den Spitzensport finden."

Derzeit arbeitet eine vom ÖSV eingesetzte Taskforce an all diesen Problemen. Bis Juni dieses Jahres sollen konkrete Lösungen auf dem Tisch liegen.

Quelle:

Figl B. (2024): Skisport soll klimafit werden, in: Salzburger Nachrichten, 2. Februar 2024




5 Sportpolitische Herausforderungen - Protest    

Zu den Merkmalen von Protest gehören Formen des Widerspruchs mit Forderungen nach einem Wandel oder Veränderungen.

Die mitunter mangelhafte Lösungskapazität vor allem von politischen Parteien und staatlichen Organen haben ein Protestrepertoire auch im Sport zur Folge. Bemerkenswert sind auch Aktionen von Sportlern_innen bei Sportgroßveranstaltungen (vgl. izpb 357 4/ 2023, 40-47).

5.1 Menschenrechtsproteste    

Als Beispiel für Menschenrechtsproteste im Sport gegen die Rassentrennung in Südafrika - mit dem Beginn 1948 der Apartheidpolitik - verstärkte sich der Druck, das Land Ende der sechziger Jahre in fast allen Disziplinen von internationalen Wettbeerben auszuschließen.

Sichtbar wurde 1969/1970 der Protest, als die südafrikanische Rugby - Nationalmannschaft in England, Wales und Irland antrat. Demonstrationen vor Stadien, Sitzblockaden und Platzstürme in den Stadien wurden durchgeführt. Weitere Proteste führten letztlich zur fast vollständigen Isolation des südafrikanischen Sports. 1976 wurde das Land aus der FIFA ausgeschlossen.

Erst mit dem Ende der Apartheid - Politik 1992 durfte das Land an Olympischen Spielen teilnehmen.

5.2 Sozialproteste    

2013 wurde in Brasilien der "Confed - Cup" ausgetragen, als Generalprobe für ein Jahr später der Fußball-WM? der Männer. Ungeachtet des Finales Brasilien gegen Spanien kam es am 20. Juni 2013 zu massiven Protesten in über 400 Städten mit rund zwei Millionen Demonstrierenden. In Rio gingen 300 000 Menschen auf die Straße.

Ausgangspunkt waren Preiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr. Der Confed - Cup beeinflusste massiv die Situation und förderte in den folgenden Tagen die Massenproteste gegen gestiegene Mieten, erhöhte Lebensmittelpreise und Korruption. Die Proteste breiteten sich zu einem Flächenbrand über das ganz Land aus.

Sportgroßveranstaltungen können selbst bei erfolgreichen Heimmannschaften bei ausgelassener Stimmung gesellschaftspolitische Probleme nicht verdrängen. In zunehmenden Maße bilden Sportgroßveranstaltungen einen Ort für politischen Protest, weil Öffentlichkeit und Medieninteresse hier vorhanden sind. Dies kann nach innen und außen gerichtet werden.

5.3 Protestaktivitäten    

Beispielhaft sollen Protestaktivitäten von aktiven Sportlern_innen als Veränderung politischer Aktivitäten im Verhältnis von Sport und Politik dargestellt werden.

  • Der Protest des Arbeitersportlers und mehrfachen deutschen Meisters im Ringen Werner Seelenbinder bei der Siegerehrung der deutschen Ringermeisterschaft 1933 mit der Verweigerung des Hitlergruß und als Widerstand gegen die NS - Diktatur der Aufritt des aus einer Sinti - Familie stammenden Boxers Johann Wilhelm Trollmann sind wesentlich. Im Kampf um den deutschen Titel im Weltergewicht war Trollmann als Karikatur eines Ariers mit blondgefärbten Haaren und Puder bedeckter Haut angetreten.
  • Im 21. Jahrhundert verstärkte sich erst ein Bezug zu politischen Positionen und einem gesellschaftlichen Engagement.
1968 protestierten die US - Medaillengewinner Tommie Smith und John Carlos auf dem Siegerpodest ohne Schuhe mit gesenkten Köpfen und in die Höhe gestreckten Fäusten mit dem weißen Anstecker der Menschenrechtsinitiative "Olympic Project for Human Rights" gegen Rassismus.

Vier Jahre später zeigten die US - Medaillengewinner Vince Matthews und Wayne Collett durch gezielte Zurschaustellung von Desinteresse ihren Protest gegen Rassismus.

Entsprechend dem Neutralitätsgebot des IOC im Artikel 502 der IOC - Charta wurden die Sportler gesperrt.

Die schwedische Weltklasse - Hochspringerin Emma Green hatte bei der Leichtathletik - WM in Moskau 2013 in der Qualifikation ihre Fingernägel mit Regenbogenfarbe lackiert. Dies Art von Protest konnte man als Kritik an der Diskriminierung von Homosexuellen in Russland ansehen. Green beugte sich dem Druck der russischen Regierung und sprang im Wettbewerb mit rotlackierten Fingernägeln.

Das Risiko in autoritären Systemen einen symbolischen Protest zu äußern, zeigte sich bei sechs iranischen Nationalspielern 2009, als sie im WM - Qualifikationsspiel gegen Südkorea grüne Schweißbänder trugen. Grün war die Farbe des Oppositionsführer Hossein Mussawi und der iranischen Demokratiebewegung. Die Folgen waren Sanktionen des eigenen Verbandes.

Ein Höhepunkt der Protestbewegung waren die Aktionen von US - Sportler_innen im Rahmen der "Black Lives Matter -Bewegung" gegen Polizeigewalt gegenüber afroamerikanischer Bevölkerung. Symbolfigur wurde der NFL - Profi Colin Kaepernick, der 2016 gegen Polizeigewalt protestierte. Er kniete bei der Nationalhymne vor dem Spiel nieder und sang nicht mit. In der Folge schlossen sich andere Sportler-innen anderer Sportarten an. Die US - Fußballnationalspielerin Megan Rapinoe gehörte zu den ersten. In Europa verbreitete die Kniefallgeste sich in Großbritannien, Frankreich und Portugal, gegen die Kolonialvergangenheit und den Rassismus zu protestieren.

6 Aspekte einer Reform    

6.1 Beispiel FIFA    

Beispielhaft lässt sich an der Struktur, den Machinstrumenten und dem Führungspersonal eine Fehlentwicklung an der FIFA/ "Federation Internationale de Football Association", gegründet 1904 mit einer Entwicklung zu einer Monopolstellung, darstellen (vgl. MITTAG 2023b, 48-50). Verfügt wird im 21. Jahrhundert über die Fußball - WM mit Rieseneinnahmen. Kritik ergibt sich im Integritäts- und Vertrauensverlust.

Anfänge einer Entwicklung zeigen sich mit der Wahl des Brasilianrs Ioao Havelange 1974 zum FIFA - Präsidenten, der Organisation auf Vergrößerung ausrichtete. Die WM wurde 1982 von 16 auf 24 und 1998 auf 32 Teilnehmer aufgestockt. Die neuen Nationen kamen aus Asien, Afrika und Zentralamerika. Damit war weltweites Interesse vorhanden.

1977 kamen die Junioren - WM und 1991 die Frauen - WM, 1998 die Hallenfußball - WM und 2000 die Klubmeisterschaft - WM dazu. Damit wurde Fußball zu einer globalen Sportart. Zugleich kam es zu einer Vermarktung mit einer großen Anzahl von Sponsoren und großen Gewinnen bei TV - Rechten.

6.2 Organisationsstruktur    

Rechtlich ist die FIFA, wie das IOC und andere internationale Sportverbände, im Schweizer Privatrecht und Zivilrecht verankert. Die Organisationsstruktur ist überschaubar. Die zwei Hauptorgane bilden der Kongress und das Exekutivkomitee. Ein Präsident führt den Vorsitz und vertritt die FIFA nach außen, es gibt noch ein Generalsekretariat und rund 25 Ständige Kommissionen.

  • Kongress - formal höchstes Entscheidungsorgan
  • 211 Mitgliedsverbände (2023) mit Stimmrecht (unterschiedliche Ländergröße mit Mitgliedern und politischen Systemen)
Angesichts der Kontinuität besaß der Präsident und die Verbandsspitze eine starke Hausmacht. Von 1974 bis 2015 wurde die FIFA nur von zwei Präsidenten geführt (1974 Ioao Havelange, 1998 Joseph/ Sepp Blatter).

6.3 Reformen    

Erst mit strafrechtlichen Aktivitäten gegen mehrere Mitglieder des Exekutiv - Komitees und Ermittlungen gegen die FIFA, Sepp Blatter 2015 zurücktrat, kam es im Machtgefüge des internationalen Fußballs zu einem Umbruch.

Der US - Justiz gelang es strafrechtliche Fälle aufzudecken, die zum Teil über US - Banken erfolgten. In der Folge wurde der UEFA - Generalsekretär Gianni Infantino zum neuen Präsidenten gewählt. Ein Reformpaket mit einem auf 36 Mitgliedern vergrößerten "Council" als Aufsichtsrat und eine Frauenquote sowie ein Integritäts - Check wurde eingeführt.

Von den Erwartungen an die Reformen blieb wenig übrig. Der Präsident blieb weiterhin mächtig. Es kam zwar zur Erhöhung der Zahlungen an die Mitgliedsverbände, allerdings einer Wiederwahl des Präsidenten ohne Gegenkandidaten durch Akklamation und einer Ausweitung der WM - Teilnehmenden auf 48 Teams.

6.4 Good Governance im Sport    

Aus der Skepsis, die sich aus der Wahl von zwei Drittel von Präsidenten von internationalen Sportverbänden ohne Gegenkandidaten ergab und für weitere Reformperspektiven, kam es zu grundlegenden Reformen im organisierten Sport. In der Folge standen die Strukturen der Sportverbände auf dem Prüfstand (vgl. TOKARSKI - PETRY 2010, 158 - 176).

"Good Governance" in Sportverbänden und Sportvereinen bezieht sich auf die Führungsverantwortung und Verwaltung mit klaren und transparenten Strukturen und Verhaltensweisen. Es geht letztlich um die Wiederherstellung der Integrität des Sports. Von der staatlichen Seite gab es bei der Mittelvergabe klare Vorgaben mit Kriterien an eine Einhaltung von Good Governance (vgl. MITTAG 2023b, 50).

Zur Debatte standen Problembereiche wie finanzielle und personelle Ressourcen in den Hauptaufgaben im Wettbewerbsbetrieb und Geschäftsbereich bei der Umsetzung.

Transparenz etwa bei der Offenlegung von Gehältern, Protokollen von Vorstandsitzungen und Nominierungen für Wahlprozesse gehörten zu den sensiblen Bereichen.

Dimensionen von Good Governance

Transparenz - Offenlegung interner Abläufe und Strukturen - Auskunftserteilung - Veröffentlichung des Regelwerks wie Satzungen, Vorschriften, internen Ordnungen und Jahresberichten

Demokratie - Wahlverfahren und Partizipation - Amtszeiten

Kontrolle und Rechenschaft - Überwachung des Vorstands, der Geschäftsführung und Managements - Prüfung von Interessenskonflikten und Beschwerden - Risikomanagement

Gesellschaftliche Verantwortung - Regelungen von Anti - Doping, Anti - Diskriminierung, Prävention von Spielmanipulation und interpersoneller Gewalt - soziale Inklusion, Breitensport, Umweltverträglichkeit und Gesundheitsrisiken - Förderung von Karrieren und Ehrenamtlichkeit - Beratung

7 Migration und Sport    

Sport begeistert nicht nur Menschen weltweit, sondern setzt Menschen auch in Bewegung. Im Zuge der Globalisierung des Sports, der Etablierung internationaler Sportorganisationen und des wachsenden internationalen Wettbewerbs um sportliche Erfolge, ist auch sportbedingte Migration ein spezifischer Teil des allgemeinen Migrationsgeschehens.

7.1 Unterschiedliche Arten    

Das Thema Migration kann im Sport auf zwei unterschiedliche Arten behandelt werden.

  • Zum einen kann der Fokus auf den sogenannten Migrationshintergrund einer Athletin oder eines Athleten gelegt werden. Dieser Status wird Personen zugewiesen, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher bzw. österreichischer Staatsangehörigkeit geboren wurden. Prominente Beispiele aus dem Kader der deutschen Männer -Fußballnationalmannschaft für die Europameisterschaft 2024 sind Antonio Rüdiger, dessen Mutter aus Sierra Leone stammt, oder İlkay Gündoğan, dessen Eltern in der Türkei geboren wurden. In beiden Fällen sind die Eltern aus unterschiedlichen Gründen nach Deutschland gekommen, der Sport stand dabei nicht im Vordergrund.
  • Ein weiterer Fokus der Betrachtung von Sport und Migration ist die sportbedingte Migration. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass sportbezogene Aktivitäten an einem anderen Ort ausgeübt werden, wie es beispielsweise im professionellen Mannschaftssport üblich ist.
7.2 Kurzfristige Mobilität    

  • Kurzfristige sportbedingte Mobilität gibt es spätestens seit den ersten Austragungen der Olympischen Spiele der Antike. Bereits hier legten Athleten größere Distanzen zurück, um an Wettbewerben teilnehmen zu können. Ein wesentlicher Treiber sportbedingter Migration ist die zunehmende Professionalisierung des Sports. Dabei haben sich in verschiedenen Regionen der Welt bestimmte Sportarten schneller professionalisiert als in anderen. Dies liegt vor allem an unterschiedlichen Traditionen körperlicher Betätigung und den lokalen Interessen der Bevölkerung.
  • Die englische Fußball - Liga gilt als eine der ältesten Profiligen der Welt. Schon in den achtziger Jahren wurden dort die ersten Fälle von sportbedingter Migration dokumentiert. Um an den Wettbewerben teilnehmen zu können, zogen talentierte Spieler aus umliegenden Dörfern und Kleinstädten an die damals zwölf Profistandorte. Diesen ersten kleineren Binnenwanderungen folgten kurze Zeit später sportbedingte Migrationen aus Wales und Schottland.
  • Insgesamt gab es jedoch bis zum Zweiten Weltkrieg nur wenige dokumentierte Fälle von professionellen internationalen Spielerbewegungen, da diese häufig unerwünscht waren. Auch hier gab es regional große Unterschiede. So wurde in Europa bei nationalen Wettbewerben die Teilnahme ausländischer Spielerinnen und Spieler teilweise reglementiert, während in den USA und Kanada keine Beschränkungen galten. Als 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kamen, wurde ausländischen Sportlerinnen und Sportlern generell die Teilnahme an nationalen Wettbewerben untersagt. Ähnlich harte Regelungen wurden auch im faschistischen Italien eingeführt.
7.3 Feste Ausländerregelungen    

  • In den sechziger Jahren beschlossen viele europäische Sportverbände eine feste „Ausländerregelung“ zur Wettbewerbsregulierung. Ziel dieser Regelungen war es, die sportliche Entwicklung der jeweiligen Disziplin und ihrer Aktiven im Land zu gewährleisten.
  • Athletinnen und Athleten haben im Vergleich zu vielen anderen Migrantinnen und Migranten ein hohes Maß an Autonomie bei der Wahl, ob sie und zumeist auch, wohin sie migrieren. Die Idee des freien Austauschs von Waren und Humankapital im Kontext der Globalisierung kann auch auf den heutigen Sportmarkt übertragen werden, zumal hochklassige Spitzenvereine wie Unternehmen geführt werden. So wirken auch im Sport klassische Push- und Pull - Mechanismen der Migration, die als einfache – wenn auch die Komplexität von Migrationsentscheidungen zu wenig berücksichtigende – Erklärungsansätze für die Mobilität von Athletinnen und Athleten herangezogen werden können.
  • Beispiele für Push- und Pull - Faktoren zur Erklärung von sportbedingter Migration
Pull - Faktoren

geringer Verdienst

geringe Einsatzzeit

Push - Faktoren

höhere Verdienst- und Entwicklungsmöglichkeit

Ruf des Standorts und Prestige

höhere Einsatzchancen

IT - Hinweis Quelle

https://www.bpb.de/themen/migration-integration/kurzdossiers/548282/migration-und-sport/ (4.7.2026)

8 Ausblick - sportpolitische Zukunft    

Bei Sportgroßveranstaltungen zeigt es sich, dass der Sport eine hohe symbolische Kraft besitzt.

  • Gerade aus diesem Grund wird er in seiner professionellen Form für politische Interessen benützt und ebenso wird die politische Komponente vom Sport in Anspruch genommen.
  • Den gesellschaftlichen Wandel erkennt man an der Bedeutung des Breitensports und den sportlichen Freizeitmöglichkeiten.
  • Sportliche Aktivität findet seine Begründung in Freude an Bewegung, Fitness, Gemeinschaft und Wettkampf.
  • Zudem kommen mit der Veränderung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen die Elemente soziale Medien, Digitalisierung und E - Sport dazu. Sport verändert auch das Bewusstsein für die Umwelt und Nachhaltigkeit.
  • Sportpolitische Zukunft gewinnt an Bedeutung und wird mit Herausforderungen konfrontiert. Die Integrität des Leistungssport wird zunehmen. Verändern wird sich die Autonomie durch die Vielzahl von Interessen und Finanzierungsverteilungen.
  • Kernelemente eines Reformprozesses mit offenem Ausgang bleiben die gesellschaftspolitische Verantwortung und die Differenzierungen im Politikfeld Sport (vgl. Pkt.1.2).
9 Fußball - Weltmeisterschaft Männer 2026    

Am 11. Juni 2026 startete die Fußball - Weltmeisterschaft der Männer. Das Finale war am 19. Juli. 48 Länder spielen um den Weltmeistertitel. So viele waren es noch nie. Zum ersten Mal findet die WM in drei Ländern statt, nämlich in Kanada, Mexiko und den USA.

Der offizielle Name ist FIFA World Cup 26. Die FIFA (Fédération Internationale de Football Association) ist der Weltfußballverband und organisiert die WM.

Neben dem sportlichen Ereignis ist die WM 2026 auch ein Event mit vielen Gästen aus aller Welt. Das bringt neben Fußballfreude auch Herausforderungen mit sich.

Zwischen dem Stadion für das Finalspiel in New Jersey und dem Eröffnungsstadion in Mexiko - Stadt liegen mehr als 4 000 Kilometer. Das sind mindestens 41 Stunden mit dem Auto oder rund 5 Stunden mit dem Flugzeug.

IT - Hinweis

https://www.bpb.de/kurz-knapp/taegliche-dosis-politik/578763/beginn-der-fussballweltmeisterschaft-2026/ (15.7.2026)

9.1 Kritikpunkt Umweltbelastung    

Die WM findet in drei großen Ländern statt. Deshalb mussten keine neuen Stadien gebaut werden. Jedoch müssen die Mannschaften für die einzelnen Spiele lange Wege zurücklegen. Das geht in der kurzen Zeit zwischen den Spielen nur durch Flüge. Zudem sind es nicht wie bisher 32 Teams, die hin- und herfliegen müssen, es sind 48 Teams – und auch viele Fans, Gäste und Journalist/ -innen.

  • Das bedeutet mehr Organisationsaufwand und eine höhere Umweltbelastung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schätzen, dass die WM - Endrunde etwa 9 Millionen Tonnen CO₂ erzeugen wird. Das wäre fast doppelt so viel CO₂ wie sonst im Durchschnitt bei WMs entsteht. Zum Vergleich: So viel CO₂ erzeugen ungefähr 900 000 Menschen in Deutschland – über ein ganzes Jahr.
  • Mit 48 Teams statt 32 bekommen mehr Länder eine Chance, auf der Weltbühne des Fußballs mitzuspielen. Der Fußball und die Begeisterung dafür würde so weltweit noch mehr gefördert werden. Es gibt aber auch einige kritische Stimmen von Leuten aus der Fußballwelt. Sie sagen zum Beispiel, dass diese Entwicklung eher schadet, da mehr teilnehmende Länder und mehr Spieler das Turnier zusätzlich zu den Umweltfolgen länger und unübersichtlicher für Spieler und Fans machen würden. Außerdem wird es teurer und manche Spiele seien nicht mehr so spannend.
9. 2 Kritikpunkt Ticketkosten    

Die Tickets für die WM 2026 sind teilweise sehr teuer. Das macht eine Teilnahme vor Ort für viele Fans nicht möglich. Ursprünglich hatten die Gastgeberländer bei ihrer Bewerbung zur WM - Austragung auch niedrigere Ticket - Preise angegeben.

Anfangs gab es gar keine günstigen Tickets. Dazu gab es sehr viele Beschwerden von Fans und auch Verbraucherschützer/- innen. Dann hat die FIFA Tickets für 60 Dollar (51 Euro) eingeführt. Davon gibt es aber nicht sehr viele.

9.3 Menschenrechte    

Darüber hinaus gibt es auch Kritik zur Organisation der WM und den diesjährigen Gastgeberländern.

  • Menschenrechtsorganisationen kritisieren Menschenrechtsverletzungen in den USA und in Mexiko.
  • Die Gastgeber USA führen zudem im Moment Krieg gegen den Iran, dessen Mannschaft auch an der WM teilnimmt. Aufgrund aktueller Einreise - Verbote dürfen Menschen aus dem Iran nicht in die USA einreisen. Einreise - Verbote und Einreise - Beschränkungen gelten in den USA derzeit auch für Menschen aus anderen Ländern.
9.4 Sportmanagement    

Sport hat viel mit Politik zu tun. Sowohl für sportliche Großereignisse wie große Fußball - Meisterschaften, als auch für den Vereinssport und den Schulsport in eurer Stadt ist Politik wichtig.

Sportliche Großereignisse sind Events, bei denen Sportlerinnen und Sportler ihre Leistungen zeigen können. Die Fans fiebern mit, wer gewinnt oder seine persönliche Bestleistung erreicht.

Aber schon lange bevor der Wettkampf beginnt, müssen viele Dinge geklärt werden, bei denen die Politik eine wichtige Rolle spielt.

  • In welchem Land, in welcher Stadt soll das Sportereignis stattfinden?
  • Wie muss sich ein Land, eine Stadt vorbereiten, damit es eine gute Veranstaltung wird?
    • Wenn viele Sportler/-innen und Fans zu einer Veranstaltung kommen, braucht es ausreichende Übernachtungsmöglichkeiten. Die Fans müssen sich in der Stadt zurechtfinden können. Sie sollen sich auch wohlfühlen. Die Fans brauchen Infos, wie sie mit Bussen und Bahnen zum Stadion reisen können. Und es muss natürlich auch genug öffentliche Toiletten in der Stadt geben. Die Sportstätten müssen in einem guten Zustand sein, damit dort viele tausend Menschen mit Freude das Sportereignis verfolgen können. Das Land und die Städte müssen dafür sorgen, dass die Menschen in Sicherheit die Spiele verfolgen können. Die Polizei muss vor Ort auf den Plätze und Straßen und in den Stadien sein. Und in einem Notfall muss die Feuerwehr schnell eingreifen können.
    • Dies alles kostet viel Geld. Bei großen Sportwettbewerben können nicht nur die Sportler-/innen viel Ruhm ernten, sondern auch die Städte, in denen die Spiele stattfinden. Die Medien berichten ausführlich über das Land und die Städte. Das Ereignis hat internationale Aufmerksamkeit. Die Städte können zeigen, dass sie solche großen Events organisieren können und gute Gastgeber sind. Die Städte hoffen, dass sie langfristig davon einen Gewinn haben. Vielleicht werden danach Touristinnen und Touristen kommen, vielleicht finden auch Veranstaltungen und Kongresse statt. Davon können dann auch die Menschen profitieren, die in der Stadt leben und arbeiten.
IT - Hinweis Quelle

https://www.hanisauland.de/wissen/spezial/miteinander/wm2026_fuball_weltmeisterschaft_der_maenner (12.7.2026)

9.5 Reflexion    

Für die Politische Bildung ist in der Schlussphase der Fußball - WM der Männer der Blick auf die zwei europäische Außenseiter von Interesse.

9.5.1 Gewichtung von Werten    

Es geht vorrangig um eine Gewichtung von Werten.

  • Die Weltmeisterschaft ist für Österreich mit der Niederlage gegen Spanien vorbei. Eine gewisse Grundhaltung der Unzufriedenheit herrscht im Land. Zwischen einer gewissen Euphorie und insgeheim einer kleinen Sensation hat man vor dem Turnier spekuliert.
  • Enttäuschend war der Abstand zu den Fußball - Größen Argentinien und Spanien. Gefragt wird, ob man die Leistungsfähigkeit des ÖFB - Teams falsch eingeschätzt hat. Von der Wahrnehmung her erkannte man die körperliche Unterlegenheit, im Unterschied zu den zwei kleinen europäischen Ländern Schweiz und Norwegen.
  • Norwegen als Weltmacht im Wintersport und hier starke Nation der populären Sportart Fußball glänzt mit seinem Sportsystem und eigenen Nachwuchszugang. Als Sportnation sind rund neunzig Prozent der Kinder in Sportvereinen aktiv. Sport ist Teil der Alltagskultur, die in Familien und Schulen gelebt wird. Freude an der Bewegung, Freude am Sport und einer Ausbildung der technischen Fertigkeiten. Offensichtlich kann man auch mit Rückschlägen umgehen. Man hinterfragt alles, vertraut den handelnden Personen.
  • Die Schweiz ist Weltmacht im Wintersport. Das Beispiel Eishockey zeigt etwa mit seiner Dichte an Eishallen und einer hochprofessionellen Arbeit mit der Jugend von bestens ausgebildeten Trainern. Ähnlichkeiten im Fußball zeigen ebenso bessere Ergebnisse und einen hohen Stellenwert von Sport in der Gesellschaft.
  • Der sportliche Wert zeigt sich in der volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und dem Umgang der Politik. Beide Länder nehmen mit Sport mehr Geld ein, als sie ausgeben.
IT - Hinweis Quelle

https://www.sn.at/sport/fussball/wm-2026/oesterreich-hinkt-im-sport-international-hinterher-was-koennen-norwegen-und-die-schweiz-besser-als-wir-art-661565 (11.7.2026)

9.5.2 Die Zukunft des Turniers    

  • Bei der Europameisterschaft 2004 gab es bei einer geringeren Anzahl von Spielen weitaus mehr "erstklassige" Spiele zu sehen als bei der WM 2002, was in der größeren Leistungsdichte bzw. der gegenüber Weltmeisterschaften deutlich geringeren Zahl krasser Außenseiter begründet liegt. Die Ausweitung der WM -Teilnehmerzahl auf 32 bzw. die Entwicklung des Turniers zu einer "globalen Veranstaltung" implizierte zwangsläufig einen gewissen sportlichen Niveauverlust.
  • Mit Angola, Togo, Elfenbeinküste, Ghana, Trinidad und Tobago, der Ukraine und Serbien - Montenegro (die beiden letztgenannten Ländern waren allerdings bereits zuvor im Gewand der UdSSR? bzw. Jugoslawiens vertreten) werden sieben Neulinge zum Turnier nach Deutschland reisen. Der "beste Fußball" wird heute ohnehin in der global vermarkteten europäischen Champions League gespielt.
  • Als mediales Event bleibt der World Cup indes unverändert die Nummer eins des Fußballs wie des Sports überhaupt. Vergabe und Austragung des Turniers sind längst ein Politikum. Die WM 2006 wurde in einer konzertierten Aktion von Politik, Wirtschaft und Fußballverband nach Deutschland geholt, bei der die Bundesregierung auch ihre außenpolitischen und außenwirtschaftlichen Beziehungen spielen ließ.
  • Die WM ist ein Schaufenster, in dem sich das Austragungsland vom Zeitpunkt der Vergabe des Turniers bis zu seinem Abpfiff einem globalen Publikum präsentieren und sich diesem gegenüber gegebenenfalls neu definieren darf. Entsprechend sind auch die rührigen Bemühungen der offiziellen Stellen im Vorfeld des Turniers zu sehen, am Image der Bundesrepublik und seiner Bürger zu feilen - gemäß dem offiziellen Motto: "Die Welt zu Gast bei Freunden".
  • Künftige Entwicklungen nach der Fußball - WM in Amerika 2026 sind schwer abzusehen. Jedenfalls ist der Kontext zur Politik gegeben. Beispiele sind der Konflikt der USA mit Mexiko/ Migration und Kanada/ Ansprüche von Donald Trump. Der Falkland - Konflikt 1982 belastete etwas das Spiel Argentinien und England bei einigen Zuschauergruppen.
Die britische Regierung erwartet vom Fußball - Weltverband FIFA eine Untersuchung zu der Provokation mit einem politischen Banner nach dem WM - Halbfinal - Aus Englands gegen Argentinien.

Spieler des südamerikanischen Landes hatten nach ihrem 2:1-Triumph in Atlanta ein Banner mit der Aufschrift „Las Malvinas son Argentinas“ („Die Falkland - Inseln sind argentinisch“) gezeigt. Politik müsse aus dem Fußball herausgehalten werden, sagte der britische Wirtschaftsminister Peter Kyle.

„Wir erwarten von der FIFA, dass sie das untersuchen“, meinte Kyle im BBC - Fernsehen. Der Sprecher des britischen Premiers Keir Starmer sagte zu der Provokation: „Die WM - Trophäe mag uns nicht gehören, die Falkland - Inseln aber definitiv.“ Die FIFA verbietet Spielern und Offiziellen rund um die WM - Spiele, politische Botschaften zu präsentieren. Dem argentinischen Team könnte damit Ärger drohen.

„Wie üblich prüft die unabhängige Disziplinarkommission der FIFA derzeit die Spielberichte und wägt die relevanten Umstände ab, bevor sie auf der Grundlage der FIFA - Disziplinarordnung über mögliche weitere Schritte entscheidet“, teilte ein FIFA - Sprecher der dpa mit.

Pressehinweis

https://www.msn.com/de-at/nachrichten/other/falkland-provokation-england-appelliert-an-fifa/ar-AA284VKg?ocid=msedgdhp&pc=LCTS&cvid=6a59b60b5cb24f64a243279e4e340d4b&ei=18 (17.7.2026)

IT - Hinweise

https://www.msn.com/de-at/nachrichten/other/argentinien-droht-nach-umstrittener-aktion-ärger/ar-AA280b4U?ocid=msedgdhp&pc=LCTS&cvid=6a5880d1507246bb845871adf1c9daf4&ei=15 (16.7.2026)

https://www.bpb.de/kurz-knapp/taegliche-dosis-politik/578763/beginn-der-fussballweltmeisterschaft-2026/ (16.7.2026)

9.5.3 Endrunde - Bewerbung    

Die Endrunde der Fußball - Weltmeisterschaft 2026 (englisch FIFA World Cup, spanisch Copa Mundial de la FIFA) ist die 23. Auflage des bedeutendsten Turniers für Fußballnationalmannschaften, wird vom Weltverband FIFA veranstaltet und findet seit dem 11. Juni bis zum 19. Juli 2026 in Kanada, Mexiko und den USA statt. Die austragenden Staaten wurden am 13. Juni 2018 auf dem FIFA - Kongress in Moskau gewählt.

Der Kongress der FIFA legte während seiner Sitzung in Bahrain am 11. Mai 2017 fest, dass das Interesse an der Ausrichtung bis zum 11. August 2017 hinterlegt werden müsse. Eine vorzeitige Vergabe an die bis dahin einzige Bewerbung (Kanada, Mexiko und Vereinigte Staaten) wurde abgelehnt. Bis zum Stichtag erklärte auch Marokko sein Interesse an der WM - Ausrichtung. Bis März 2018 mussten die vollständigen Bewerbungsunterlagen eingereicht werden. Diese wurden von der FIFA geprüft.

Aufgrund des resultierenden Prüfberichts entschied der FIFA - Rat, beide Bewerbungen dem FIFA - Kongress zur Entscheidung vorzulegen, der erstmals anstelle des inzwischen aufgelösten FIFA - Exekutivkomitees über den Austragungsort abstimmen sollte. Bei dieser Abstimmung hatte jeder der 207 Verbände eine Stimme.

Mitglieder des asiatischen und des europäischen Verbandes durften sich nach den derzeitigen FIFA - Regularien nicht bewerben, weil die Weltmeisterschaft 2022 in Katar und die WM 2018 in Russland ausgetragen worden war und sich die Konföderationen der FIFA als Ausrichter abwechseln sollen. Erstmals spielte für die Vergabe die Menschenrechtslage in den Bewerberstaaten eine Rolle.

Als Gastgeber der WM 2026 wurden von der FIFA am 13. Juni 2018 – dem Vortag des Eröffnungsspiels der WM 2018 – Kanada neben Mexiko und den Vereinigten Staaten („United 2026“) bekannt gegeben. Sie setzten sich in der Wahl mit 134 : 65 Stimmen – bei drei Enthaltungen – gegen Marokko durch. Es war die erste Vergabe unter dem seit 2016 amtierenden FIFA -Präsidenten Gianni Infantino.

Nach 1970 und 1986 ist es die dritte WM in Mexiko (und Mexiko damit das einzige Land mit drei WM - Ausrichtungen), nach 1994 die zweite in den USA und die erste in Kanada.

IT - Hinweis Quelle

https://de.wikipedia.org/wiki/Fußball-Weltmeisterschaft_2026 (16.7.2026)

9.5.4 Autorenrückblick    

  • In den vergangenen fünf Wochen hatte Fußball einen besonderen Platz eingenommen. Unbegründet war die Sorge, dass eine Aufstockung auf 48 Mannschaften das Turnier verwässert und das Leistungsgefälle höher ist. Im Gegenteil waren viele ausgeglichene Spiele, auch mit Überraschungen. Das hat auch mit dem Modus zu tun, weil ja fast jeder Gruppendritte in die K - o - Phase aufgestiegen ist.
  • Standardtore kamen oft vor, aufgefallen sind viele verschossene Elfmeter. Damit kamen Entscheidungen über den weiteren Turnierverlauf überraschend. Letztlich hat sich die Spielerqualität, auch von Einzelspielern durchgesetzt. Der Blick auf die Semifinal - Teilnehmer mit Frankreich, Spanien, England und Argentinien zeigt es.
  • Von Brasilien hätte man mehr erwarten können. Norwegen hat die Weltmeisterschaft bereichert.
  • Auffallend waren in der Berichterstattung die Aspekte der Trainerpersönlichkeiten.
  • Die Eigenartigkeit eines WM - Turniers zeigt sich im Verlauf des Spiels um den dritten Platz zwischen Frankreich und England. Sah die erste Halbzeit aus wie eine Verweigerung Frankreichs, so war die Aufholjagd und der Spielverlauf eindrucksvoll. Das Spiel war eine Demonstration modernen Fußballs ( https://sport.orf.at/stories/3160313/ [19.7.2026]).
  • Erstmals trafen im Finale zwei Mannschaften mit gleicher Muttersprache aufeinander.
  • Die jeweiligen Erwartungen waren groß, in der öffentlichen/ Medien, offensichtlich auch in der privaten Wahrnehmung/ Public Viewing. Siegen muss man können, auch verlieren.
  • Der Olympiasieger und Europameister Spanien wurde auch Weltmeiste ( https://sport.orf.at/stories/3160391/[20.7.2026]).
  • Österreich hat das erreicht, was man erhofft hatte. Spanien war letztlich ein hartes Los.
  • Letztlich hat das Turnier die sportlichen Erwartungen mit beeindruckenden Duellen der Superstars, den Leistungen der kleinen Nationen und Emotionen erfüllt.
  • Allerdings litt das Turnier zu Beginn gleich an der Lobhudelei mit dem Friedenspreis von FIFA - Präsident Infantino an Präsident Donald Trump. Fußball war nicht immer der Hauptdarsteller, eine zurückgezogene Rote Karte, Werbeunterbrechungen getarnt als Trinkpausen und hohe Ticketpreise.
10 Sport - Historische Politische Bildung    

Wechselwirkungen zwischen Sport und Politik gab es bereits in der Antike. Die Olympischen Spiele im antiken Griechenland besaßen neben ihrer sportlichen und religiösen Dimension auch eine starke politische Komponente, so etwa als Kräftemessen der einzelnen griechischen Stadtstaaten.

Mittelalterliche Turniere dienten der Stärkung der militärischen Schlagkraft, trugen mit ihrer Inszenierung im Rahmen von Festen aber auch zur Herrschaftssicherung der Obrigkeit bei.

Die Gründung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Jahr 1894 war auch von der damaligen internationalen Friedensbewegung beeinflusst. In das Leben gerufen wurden die Olympischen Spiele der Neuzeit von dem französischen Pädagogen, Historiker und Sportfunktionär Baron Pierre de Coubertin (1863–1937). Dieser sah in der Wiederbelebung der Olympischen Spiele der Antike eine Möglichkeit, die in Konflikten verhafteten Nationen zusammenzubringen und so einen Ort der internationalen Verständigung zu ermöglichen.

Mit der Verknüpfung von sportlichem Wettbewerb und dem "ideellen Überbau" olympischer Werte trug Coubertin wesentlich zur fortschreitenden Politisierung des Sports bei. Das bei der Einführung der Olympischen Spiele der Neuzeit 1894 entwickelte Konzept, nicht nur um Medaillen und Rekorde zu kämpfen, sondern auch den Idealen des Olympismus und olympischen Werten wie Freundschaft und Respekt verpflichtet zu sein, wurde von Anfang an aber immer wieder von den politischen Rahmenbedingungen überlagert.

In Deutschland waren Turnvereine im 19. Jahrhundert wichtige Orte des politischen Gedankenaustausches, in denen sowohl Forderungen nach nationalstaatlicher Einigung als auch nach Demokratisierung verhandelt wurden. Das Spannungsverhältnis zwischen (deutschem) Turnen und (britischem) Sport zum Ende des 19. Jahrhunderts sowie die Debatten über die Sinnhaftigkeit von Wettkämpfen spiegeln auch unterschiedliche Weltanschauungen und Werte wider.

Im Zuge der Industrialisierung wurden zahlreiche Arbeiterturnvereine und im Jahr 1893 im Deutschen Reich auch ein zentraler Arbeiter - Turnerbund gegründet, der sich als Gegenpol zu den bürgerlichen Sportverbänden positionierte. Dass sich die Arbeiterturnvereine nicht nur als sportliche, sondern auch als soziale Bewegung verstanden, dokumentieren ihre politischen Ziele: Neben der Betonung von spezifisch sozialistischen Erziehungsaufgaben, trat man u.a. für die Aufhebung der Geschlechtertrennung im Sport, die Stärkung demokratischer Vereinsstrukturen und den Verzicht auf Wettbewerb zugunsten eines auf Ästhetik und Solidarität bezogenen Sportverständnisses ein.

Angesichts sich verändernder Zeitstrukturen in der Arbeitswelt am Ende des 19. Jahrhunderts avancierte der Sport verstärkt zur Freizeitbeschäftigung breiterer Bevölkerungsschichten. Binnen weniger Jahrzehnte entstand nicht nur eine differenzierte Organisationsstruktur des Sports, sondern auch ein dichtes infrastrukturelles Netzwerk an Sportstätten.

Neben den Kommunen zählten dabei auch Unternehmen durch den Aufbau von Werkssportvereinen sowie öffentliche Einrichtungen in Form von Schulen oder Vereinen zu den Wegbereitern des Sports. Gekennzeichnet war der Sport in dieser ersten Phase vor allem durch die Orientierung an Leistungs-, Konkurrenz- und Rekordprinzipien.

IT - Hinweis Quelle

https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/sport-und-politik-357/546760/welche-entwicklungen-praegten-das-zusammenwirken-von-sport-und-politik/ (16,7.2026)

Buchbesprechung    

Walter Tokarski - Kareen Petry (Hrsg.) (2010): Handbuch Sportpolitik, Beiträge zur Lehre und Forschung im Sport Bd. 172, Hofmann Verlag Schorndorf ISBN 978-3-7780-4720-0

Der Inhalt des Handbuches befasst sich als erstes deutschsprachiges Grundlagenwerk mit der Sportpolitik als Forschungsgegenstand und Wissenschaftsdisziplin (Ausgabe 2010).

Die Beiträge befassen sich mit dem Erkenntnisstand der politik-, sozial- und sportwissenschaftlichen Disziplin. Vier Abschnitte behandeln den sportpolitischen Strukturrahmen und sportpolitische Theorien und Grundlagen. Spezielle Sachprobleme und politische Strukturen werden behandelt.

Anregen soll das Handbuch den Dialog zwischen Sport, Politik, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft.

Für die Politische Bildung dient das Werk zum Diskurs in der Thematik Sport und Politik.

Gliederung des Handbuches

SachthemaSeitenzahl
Theorie und Grundlagen12 - 78
Sportpolitische Strukturen79 - 140
Mechanismen der Steuerung142 - 192
Sportpolitikfelder195 - 352


Literaturverzeichnis Sport    

Angeführt sind jene Titel, die für den Beitrag verwendet und/ oder direkt zitiert werden.

Beichelt T. (2018): Ersatzspielfelder. Zum Verhältnis von Fußball und Macht, Frankfurt/ M.

Blaschke R. (2020): Machtspieler. Fußball in Propaganda, Krieg und Revolution, Göttingen

Bulgarin M. (2014): Sport und Politik. Sport als Spielball von Politik, Medien und Wirtschaft, Hamburg

Bundeszentrale für politische Bildung: Reihe Aus Politik und Zeitgeschichte 36/ 2022: München 1972 > https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/muenchen-1972-2022/ (28.1.2024)

Bundeszentrale für politische Bildung: izpb/ Reihe Informationen zur politischen Bildung 357 4/2023, Sport und Politik, Bonn

Busse J.- Wildangel R.( Hrsg.) (2022): Das rebellische Spiel. Die Macht des Fußballs im Nahen Osten und die Katar - WM, Bielefeld

Emmerich A. (2011): Olympia 1936: Trügerischer Glanz eines mörderischen Systems, Köln

Figl B. (2024): Skisport soll klimafit werden, in: Salzburger Nachrichten, 2. Februar 2024, 18

Giess - Stüber P./ Tausch B. (Hrsg.) (2023): Gesellschaftlicher Zusammenhalt in und durch Sport. Bildung für Vielfalt und nachhaltige Entwicklung, Heidelberg

Goldblatt D. (2018): Die Spiele: Eine Weltgeschichte der Olympiade, Göttingen

Güldenpfennig S. (2017): Politik für oder gegen den Sport? Das ewige Verwirrspiel um das Politische im Sport, Hildesheim

Güllich A. - Krüger M. (Hrsg.) (2022): Grundlagen von Sport und Sportwissenschaft. Handbuch Sport und Sportwissenschaft, Heidelberg

Haut J. (Hrsg.) (2014): Leistungssport als Konkurrenz der Nationen. Sozioökonomische Bedingungen und Effekte, Saarbrücken

Keller B. (2023): Frauenfußball. Auf dem langen Weg zum Profisport. Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven, Opladen

Kleinfeld R. (2018): Europäische Sportpolitik aus politikwissenschaftlicher Perspektive, in: Mittag J. (Hrsg.): Europäische Sportpolitik. Zugänge, Akteure, Problemfelder, Baden-Baden? 2018, 63-68

Martschukat J.(2019): Im Zeitalter der Fitness. Wie der Körper zum Zeichen für Erfolg und Leistung wurde, Frankfurt/ M.

Meier H.-E. (2018): Sportpolitik und Sportwissenschaft, in: Güllich A. - Krüger M. (Hrsg.): Grundlagen von Sport und Sportwissenschaft, Berlin-Heidelberg? 2018, 1-18

Mittag J. (Hrsg.) (2018): Europäische Sportpolitik. Zugänge, Akteure, Problemfelder, Baden - Baden

Mittag J. (2023a): Ist Sport politisch? Projektionsfläche und Politikfeld - zwei Dimensionen der Sportpolitik, in: izpb 357 4/2023, 4-7

Mittag J. (2023b): Integrität und Good Governance im Sport? Reformpotentiale des organisierten Sports, in: izpb 357 4/2023, 48-50

Petry K. (Hrsg.) (2020): Sport im Kontext internationaler Zusammenarbeit und Entwicklung, Perspektiven und Herausforderungen im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Praxis, Opladen

Schwier J.- Leggewie Cl. (Hrsg.) (2006): Wettbewerbsspiele. Die Inszenierung von Sport und Politik in den Medien, Frankfurt/ M.

Tokarski W.- Petry K. (Hrsg.) (2010): Handbuch Sportpolitik, Beiträge zur Lehre und Forschung im Sport Bd. 172, Schorndorf

Zeyringer Kl. (2016/ 2018): Olympische Spiele. Eine Kulturgeschichte von 1896 bis heute, Bd. 1 Sommer 2016, Bd. 2 Winter 2018, Frankfurt/ M.

Teil II Gesundheitsförderung    

11 Gesundheitspädagogik    

Die Forderung nach einem Recht auf Gesundheitspädagogik bzw. Gesundheitserziehung geht auf eine Resolution der ersten Konferenz des Europäischen Netzwerkes Gesundheitsfördernde Schulen in Thessaloniki 1997 zurück (vgl. MARCHWACKA 2016, 243).

Gesundheitsförderung und Sport hängen eng zusammen, der Kontext zur Politischen Bildung ist gegengeben.

Für den Kompetenzerwerb ist die Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebenswelten und die Möglichkeiten gesellschaftlicher Partizipation an gesundheitsförderlichen Lebenswelten notwendig.

Ressourcenstärkung und die Integration übergreifender gesundheitsförderlicher Themen werden als lehrplanmäßige und didaktische Prinzipien betont.

Damit erhält die Schule in "Gesundheitsbildung" die Aufgabe eines Unterrichtsprinzips/ Querschnittsaufgabe, die in Schulgesetzen als Bildungs- und Erziehungsauftrag verankert wird.

11.1 Gesundheit und Gesundheitsbildung    

Wesentlich ist die Frage, wie Gesundheit entsteht und welche Faktoren ausschlaggebend sind.

HURRELMANN fasst Gesundheit - ausgehend von der Sozialisationstheorie - als Gleichgewichtsstadium von Risiko- und Schutzfaktoren auf, das zu jedem Zeitpunkt erneut in Frage gestellt ist (vgl. HURRELMANN 2013, 147).

Risikofaktoren begünstigen das Auftreten von Krankheiten und Beschwerden, Schutzfaktoren bzw. Ressourcen vermindern die Risiken.

Gesundheit ist ein dynamischer Prozess, bedingt von persönlichen Dispositionen und Möglichkeiten, durch soziale Determinanten beeinflusst und im Kontext mit altersspezifischen Lebensumständen versehen. Gesundheit ist eine Verfasstheit, ein Weg, der sich bildet.

Gesundheitsbildung als Lernprozess beinhaltet individuelle Prädispositionen, vorhandene Ressourcen, biografische Besonderheiten und hängt von gesellschaftlichen Strukturen ab, die in Lehr- und Lernkonzepten zu berücksichtigen sind.

Integrativ geht es um Partizipation des Individuums an gesundheitsfördernden Lebenswelten.

Reflektiv problematisiert der Ansatz Lebensstile im Hinblick auf Risiko- und Schutzfaktoren im jeweiligen Lebenskontext.

Gesundheitsbildung setzt gesellschaftliche Reize und partizipative Lebenswelten voraus. So können inhaltliche Kenntnisse vermittelt und erworbenes Wissen reflektiert werden (vgl. STROSS 2009, HÖRMANN 2009a).

Gesundheit als Bildungsprozess nach MARCHWACKA (2016, 246)

  • Ressourcen - körperliche, personale und psychische Prädispositionen; kulturelle, soziale und ökonomische Ressourcen
  • Erziehung und Sozialisation - Wertesystem, Wissen und Motivation (Themenbildung)
  • Lebenswelten - biografische Zugänge, Risiko- und Schutzfaktoren
  • Bildungsprozess - Gesundheitskompetenz: Gesundheitsbewusstsein, Copingstrategien, kritische Reflexion
11.2 Gesundheitspädagogik in der Schule    

Schule in ihrem Selbstverständnis unterrichtet(Wissensvermittlung) und erzieht(Erziehung, Sozialisation). Damit ist Pädagogik gefordert (vgl. RAITHEL - DOLLINGER - HÖRMANN 2005, 228-245).

Bildung als Wissen und Haltung ist eine wichtige Determinante für Gesundheit. Bildungsungleichheit kann gesundheitliche Ungleichheit zur Folge haben (vgl. MOOR/ RICHTER/ RAVENS - SIEBERER/ OTTOVA - JORDAN/ ELGAR/ PFÖRTNER 2015, 57-60).

Migrationsbedingte Aspekte in Form von Gesundheits- und Freizeitverhalten Lernender sind zu thematisieren.

Hier geht es es um Lebenszufriedenheit, Einschätzung der eigenen Gesundheit im Kontext mit mangelnder gesellschaftlicher Partizipation an gesundheitsfördernden Lebenswelten.

Bildung und Gesundheit beeinflussen sich in besonderem Maß. Wohlbefinden, Gesundheitszustand und Gesundheitsverhalten der Lernenden wirken sich aus. Zudem prägen Lern- und Lehrprozesse ihr Gesundheitsverhalten(vgl. WINKLER 1998; DADACZYNSKI - PAULUS - NIESKENS - HUNDELOH 2015, 197-218). Bildung ist eine wichtige Voraussetzung für Gesundheit, sie beeinflusst das Lernen und die Leistungsbereitschaft, also die Bildungsqualität.

Bildungsstand und die Art der Berufstätigkeit haben eine prägenden Einfluss auf das Gesundheitsverhalten. Das Gesundheitsministerium hatte die STATISTIK AUSTRIA beauftragt, Daten 2014 in einer Gesundheitsbefragung zu erheben und zu analysieren. Zu sehen ist, in welchem Ausmaß sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen einen schlechten Gesundheitszustand aufweisen.

Betroffen sind Personen mit andauernden Belastungen und sozialen Nachteilen wie geringem Einkommen, Langzeitarbeitslosigkeit, schlechter Schulbildung oder einer Migrationsbiographie.

Unabhängig vom Alter zeigten sich etwa Rauchverhalten bei beiden Geschlechtern deutliche Bildungseffekte. Männer mit Pflichtschulabschluss rauchten mit 38 Prozent mehr als doppelt so häufig wie Männer mit Reifeprüfung oder Hochschulabschluss(hier waren es 17 Prozent). Bei Frauen waren die Unterschiede deutlicher(38 Prozent Pflichtschulabschluss, 12 Prozent Reifeprüfung oder Studium). Arbeitslosigkeit erhöhte die Häufigkeit des täglichen Rauchens stark.

Ähnlich zeigt sich das Bild bei Übergewicht (vgl. APA/ STATSITIK AUSTRIA: Gesundheitsbefragung 2014, SN vom 21.9.2016, 20).

In diesem Kontext übernimmt die Schule als Sozialisationsinstitution eine kompensatorische Funktion, unabhängig vom sozioökonomischen Status jedes Lernenden(vgl. KIPER 2009, 80-87).

Schule als Lernort mit

  • eigener Lebenswelt, sozialen Erfahrungen und vielfältigen Interaktionen erfordert
  • partizipative Lernarrangements mit Machbarkeit der Anforderungen durch Empowerment und
  • Partizipations-und Kooperationsmöglichkeiten.
Sie kann als gesundheitsfördernder Lebensraum gelten (vgl. die Bezeichnung "Schule als Biotop" von MARCHWACKA 2016, 246 - 247).

Die Einbindung in die Lebenswelten der Lernenden muss nachhaltig gelingen.

Eine Entwicklungsbegleitung der individuellen Lernprozesse - mit Wertschätzung und Unterstützung - ist eine Voraussetzung.

11.3 Gesundheitsbildung in der Erwachsenenpädagogik    

Erwachsenenpädagogik baut auf Schulpädagogik auf(vgl. die Notwendigkeit von Vorwissen). Unterschiedlich sind die Herausforderungen.

Die Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden ist eine Beziehung zwischen Mündigen. Die Klientel sind Teilnehmende.

Es geht um Bildung, Qualifikationen und um den Erwerb von Kompetenzen.

Die Organisation von Erwachsenenbildung ist pluralistisch, es geht um das Bestehen am Bildungsmarkt.

Gesundheitsbildung ergibt eine besondere Aufgabenstellung.

Bezugswissenschaften sind

  • die Gesundheitswissenschaft,
  • Gesundheitserziehung,
  • Medizin und
  • Erwachsenenpädagogik.
Im interdisziplinären Fachbereich geht es um die Herausforderung

  • der jeweiligen Situation (Situationsanalyse),
  • die Darstellung veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen (Gesellschaftsanalyse),
  • den sich verändernden Gesundheitsrahmen (Gesundheitsanalyse) sowie
  • um die Kooperation der angesprochenen Fachbereiche (Lernzielanalyse).
Themen sind

  • ein gesundheitsförderndes Verhalten im Alltag, der Berufswelt und in der Freizeit,
  • gesundheitsfördernde Ernährung,
  • gesundheitsfördernde Bewegung, gesundheitsfördernder Sport (zunächst mit Anleitung) und
  • sachbezogenem Verhalten in der Krankheitsprävention und im Krankheitsfall.
Spezialthemen ergeben sich aus

  • der Vielfalt der Bedürfnisse der Klientel,
  • der Notwendigkeit einer Psychohygiene,
  • der Sozialmedizin,
  • Pflegekompetenz und
  • spezifischer individueller Bedürfnisse.
Lehrende der Erwachsenenpädagogik bedürfen spezifischer Kompetenzen, die sich aus den Bezugswissenschaften ergeben. Angebote der Fort- und Weiterbildung bestehen, ebenso Netzwerke im Gesundheitsbereich. Damit ist Professionalität gefordert.




11.4 Zuständigkeit und Kompetenz Lehrender    

Schulische Lehrkräfte sind in der Gesundheitsbildung abhängig von Unterrichtsfächern und Schulformen. Darüber hinaus sind Lehrerfort- und Lehrerweiterbildungsmöglichkeiten zu beachten.

  • Vorrangig ergeben sich Möglichkeiten für Lehrende in Sport und Bewegung, Biologie und Umweltkunde sowie Hauswirtschaft. In der Politischen Bildung ist durch deren geringen Stellenwert im Fächerkanon die Thematik sehr gering vorhanden.
  • Grundschullehrkräfte sind Hauptakteure in der Gesundheitsbildung (vgl. die Bedeutung des Sachunterrichts und von Sport und Bewegung).
  • Nicht zu unterschätzen sind Projekte, die gesundheitsfördernden Charakter haben. Hier können auch externe Experten/innen herangezogen werden (vgl. der Schulärztlicher Dienst, Lehrkrankenschwestern).
  • Im Rahmen der Schulautonomie kann projektorientiert auch das Fach "Gesundheitslehre" themenspezifisch in den Unterricht mit einbezogen werden.
  • Fort- und Weiterbildung als SCHILF und externe Lehrgänge im PH - Bereich und universitär ergeben Möglichkeiten für Fortbildung und eine Tätigkeit in der Lehrerbildung.
  • Kontrovers wird das Unterrichtsprinzip/ Querschnittsaufgabe "Gesundheitsbildung" diskutiert.
  • Es gibt eine fehlende Vorbereitung im Lehramtsstudium (vgl. die Ausnahme Lehramt Gesundheitslehre in der PTS).
  • Der Stellenwert in der Praxis ist gering.
  • Es gibt in der Regel nur eine punktuelle Umsetzung im Rahmen von Projekten. Eine systematische Gesamtplanung fehlt eher.
Beklagt wird die fehlende Kontinuität gesundheitsfördernder Themen, eine unzureichende Elternarbeit und mangelhafte Vernetzung mit außerschulischen Institutionen.

Auf der Organisationsebene werden Defizite benannt (vgl. das Ernährungsangebot, fehlende Räume für Entspannungs- und Ruhemöglichkeiten).

Maßnahmen zur Psychohygiene Lehrender sind zu fordern.

12 Reflexion    

Reflexiv wird auf die Handlungskompetenz und didaktische Prinzipien in den Bildungsinstitutionen Schule und Erwachsenenbildung eingegangen.

12.1 Handlungskompetenz    

Entwicklungsperspektiven in der Gesundheitsbildung lassen sich in den Handlungskompetenzen erkennen.

  • Statt einer einseitigen Wissensvermittlung sind die Lebenswelten der Lernenden und ihre biografischen Zugänge einzubeziehen.
  • Themen ergeben sich aus handlungsorientierten Ansätzen (etwa erlebnis- und teilnehmerorientiert: Fallbeispiele, Projekte).
  • Partizipative Konzepte und Selbstwirksamkeit sind hilfreich.
  • In diesen Kontext passt reflexive Medienarbeit in einer Projektarbeit (vgl. MARCHWACKA 2014, 115-127). Themen einer Projektarbeit können die Auseinandersetzung mit Risiko- und Schutzfaktoren, Lebensstilen und Stärkung von Lebenskompetenzen sein.
12.2 Didaktische Prinzipien    

Didaktische Prinzipien müssen die Lebensnähe, also der Lebensbezug mit Gegenwart und Zukunft sein (vgl. antizipierendes Lernen).

  • Für die Lebensnähe ist zunehmend Diversität in der Lerngruppe/ Klasse/ im Lehrgang zu berücksichtigen (vgl. Migrationserfahrung, Förderbedarf, Inklusion).
  • Die Lebenswelt der Teilnehmenden ist einzubeziehen.
  • Von den Lehrenden in Schule und Erwachsenenpädagogik sind fachliche und didaktische Kompetenz im Umgang mit Diversität zu erwarten.
  • Auf der Ebene der Organisationsentwicklung sind Maßnahmen erforderlich, die Organisation - Unterricht/ Lehre -Personalentwicklung - Vernetzung beinhalten.
Versteht man die jeweilige Bildungsinstitution als "lernende Organisation", so ist Gesundheitsbildung in der Lehrerausbildung bzw. Ausbildung von Erwachsenenbildnern jeweils als Themenbereich so zu etablieren, dass Nachhaltigkeit erreicht werden kann.

Es bedarf ausreichender interdisziplinärer Kooperationsmöglichkeiten, damit ein Bildungsauftrag erfüllt werden kann.




12.3 Gesundheitspolitik    

Aus der Sicht Politischer Bildung geht es um folgende Aspekte (vgl. REINERS 2009, 9).

  • Langfristige Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems,
  • Kostendämpfung in der Gesetzlichen Krankenkasse,
  • Sicherung der Qualität der Versorgung.
  • Es geht um das Zusammenwirken von Staat und Interessensverbänden. Inhalte und Wirkungen sind weniger von Interesse, vielmehr institutionelle Strukturen und Akteursbeziehungen für die Formulierungen politischer Entscheidungen (vgl. ROSENBROCK - GERLINGER 2004, 11).
  • Gesundheitspolitik geht um politisches Handeln zur Optimierung des gesundheitlichen Zustandes der Bevölkerung und Lebensqualität.
  • Politisches Handeln ist dem verfassungsgesetzlichen Grundsatz von Gerechtigkeit, Gleichheit und Solidarität verpflichtet.
Drei Gestaltungsprinzipien im System der Sozialen Sicherung gelten.

  • Das Versicherungsprinzip beinhaltet die Beitragspflicht von allen Mitgliedern der Gemeinschaft.
  • Das Versorgungsprinzip regelt den Anspruch auf Leistungen durch eine Tätigkeit.
  • Das Fürsorgeprinzip sieht die Absicherung im Notfall je nach Bedarf vor.
Es gibt noch drei Wirkungsprinzipien.

  • Das Äquivalenzprinzip bestimmt die private Sicherung mit der Höhe der Beiträge vom Risiko.
  • Das Solidaritätsprinzip bestimmt die Beiträge nach dem persönlichen Vermögen.
  • Das Subsidiaritätsprinzip bestimmt die soziale Sicherheit, dass diese zunächst von jeder Einheit selbst zu tragen ist, wie etwa von der Familie, der Gemeinde, dem Bundesland, der Bundesregierung, bevor die Ressourcen der übergeordneten Einheit in Anspruch genommen werden können.
Akteure der Gesundheitspolitik agieren auf drei Ebenen(vgl. ROSENBROCK - GERLINGER 2004, 13).

  • Makroebene - nationalstaatlicher und supranationaler Bereich,
  • Mesoebene - regionale bzw. verbändebezogene Akteure und
  • Mikroebene - individuelle Akteure.
Literaturverzeichnis Gesundheitspädagogik    

Angeführt sind diejenigen Titel, die für den Beitrag verwendet und/ oder direkt zitiert werden.

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Wulthorst B. - Hurrelmann K.(2009): Handbuch Gesundheitserziehung, Bern

Dokumentation    










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Zum Autor    

Lehramt APS - VS - HS - PL (1970 - 1975 - 1976) - zertifizierter Schülerberater und Schulentwicklungsberater (1975, 1999) - Mitglied der Lehramtsprüfungskommission für die APS beim Landesschulrat für Tirol (1993-2002)

Absolvent Studium Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/ Doktorat (1985), 10. Universitätslehrgang Politische Bildung/ Universität Salzburg - Klagenfurt/ MSc (2008), Weiterbildungsakademie Österreich/ Wien/ Diplome (2010), 6. Universitätslehrgang Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg/ Diplom (2012), 4. Interner Lehrgang Hochschuldidaktik/ Universität Salzburg/ Zertifizierung (2016), Fernstudium Grundkurs Erwachsenenbildung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium -Comenius Institut, Münster/ Zertifizierung (2018), Fernstudium Nachhaltige Entwicklung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium - Comenius Institut, Münster/ Zertifizierung (2020)

Lehrbeauftragter Institut für Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft/ Universität Wien - Vorberufliche Bildung VO -SE (1990-2011), Fachbereich Geschichte/ Universität Salzburg - Lehramt Geschichte - Sozialkunde - Politische Bildung - Didaktik der Politischen Bildung (2015-2016, 2017)

Mitglied der Bildungskommission der Evangelischen Kirche Österreich (2000-2011), stv. Leiter des Evangelischen Bildungswerks in Tirol (2004-2009, 2017-2019)

Kursleiter VHS Salzburg Zell/ See, Saalfelden und Stadt Salzburg/ "Freude an Bildung" (2004 - 2019), VHS Tirol/ "Grundkurs Politische Bildung" (2024)

MAIL dichatschek (AT) kitz.net

 
© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 26. Juli 2026