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Interkulturelle Elternarbeit

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Chilla S./ Niebuhr - Siebert S. (2022): Mehrsprachigkeit in der KiTa?. Grundlagen - Konzepte - Bildung, Stuttgart
Chilla S./ Niebuhr - Siebert S. (2022): Mehrsprachigkeit in der Ki Ta. Grundlagen - Konzepte - Bildung, Stuttgart


Interkulturelle Elternarbeit    

Günther Dichatschek

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Interkulturelle Elternarbeit   
Teil I Einführung   
1 Sprachförderprogramm   
2 Alltagsintegrierte Sprach- und Familienbildung   
3 Spiel und Sprache   
Teil II Beratung   
4 Interkulturelle Gruppenberatung   
5 Interkulturelle Einzelberatung   
6 Literaturhinweise   
7 Dokumentation   
Zum Autor   

Teil I Einführung    

In diesem Bereich geht es zunächst um die Frage, wie weit die interkulturelle Öffnung der Kindertageseinrichtungen im Bereich der Elternbildung vorangeschritten ist. Im Einzelnen werden die strukturellen Rahmenbedingungen diskutiert, die es für eine interkulturelle Öffnung der Elternbildung braucht, die Anforderungen systematisiert, die Bund und Länder für die interkulturelle Elternbildung.

Es werden Erfahrungen mit der Einbeziehung von Eltern in die sprachliche Bildung aus verschiedenen Projekten zusammengetragen und bewertet. Sie richtet sich hauptsächlich auf die Einbindung von Eltern mit Migrationshintergrund.

Neben den deutlichen Effekten der Einbeziehung von Eltern werden die Wichtigkeit von zielgruppenorientierten, niedrigschwelligen Angeboten und Qualifizierung des Personals beachtet.




Der Beitrag beschreibt Möglichkeiten der Elternarbeit mit Migrant/-innen. So wird dafür plädiert, mehr Zeit in den Aufbau einer tragfähigen Beziehung - einer Erziehungspartnerschaft - zu investieren, etwa über Gespräche und gegenseitige Besuche. Sprachförderung wird als gemeinsame Aufgabe verstanden und Bilingualität seitens des Kindergartens als positiv gesehen und gefördert.

1 Sprachförderprogramm    

Ein Sprachförderprogramm hat sich zum Ziel gesetzt, Kindern aus sozial benachteiligten Schichten und insbesondere Kindern mit Migrationshintergrund durch den Erwerb der deutschen Sprache Chancengleichheit zu ermöglichen. Das Projekt legt besonderen Wert auf ein erprobtes und praxisnahes Lernprogramm, eine langfristige Förderung vom Kindergarten bis in die Grundschule hinein sowie auf eine fest integrierte und professionelle Elternarbeit.

Wichtigste Aufgabe ist es, den Kindern durch gezielte Sprachförderung zu einer aktiven Teilnahme am Unterricht zu verhelfen. Dabei sollen sie nicht nur wichtige Kenntnisse wie Schreiben und Rechnen erwerben, sondern sich auch soziale Kompetenzen aneignen, die für das spätere Leben unverzichtbar sind.

Das Programm lässt sich in drei Bausteine aufteilen: erprobtes, praxisnahes und diagnosebasiertes Fördermaterial; Fortbildungen und Coachings für Erzieher*innen und Lehrkräfte und sozialpädagogische Elternarbeit.

Das innovative Potenzial des Projekts liegt in der Förderung der Sprachkompetenz von Kindern aus sozial benachteiligten Familien und Kindern mit Migrationshintergrund, um damit einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit zu leisten.

2 Alltagsintegrierte Sprach- und Familienbildung    

"Rucksack" ist ein evaluiertes Sprach- und Bildungsprogramm für Kinder mit Einwanderungsgeschichte zwischen 4 und 6 Jahren, deren Familien und Kindertageseinrichtungen. Das ursprünglich aus den Niederlanden stammende und auch in anderen europäischen Ländern umgesetzte Programm hat die allgemeine und mehrsprachige, alltagsintegrierte Sprachbildung, die Förderung der kindlichen Entwicklung und die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Kindergarten und Eltern bzw. Familie zum Ziel.

Die Kinder werden von der Familie in der / den Familiensprache(n) und von den pädagogischen Fachkräften in der deutschen Sprache gefördert. Die Familien werden durch Elternbegleiter_innen angeleitet.

3 Spiel und Sprache    

"Griffbereit" ist ein Familienbildungsprogramm für Familien mit und ohne Einwanderungsgeschichte und ihre Kinder zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr.

Das Programm wird in Kindertageseinrichtungen oder Familienzentren, Familienbildungsstätten und Migrantenorganisationen von meist mehrsprachigen Elternbegleiter_innen durchgeführt. Auf diese Weise werden die Familien früh an das Bildungssystem herangeführt.

Ziel von Griffbereit ist es, die Grundlage für eine solide Mehrsprachigkeit zu schaffen. Das ursprünglich auf einem niederländischen Programm basierende Programm wird in Gemeinden verankert umgesetzt und ist auch in weiteren europäischen Ländern etabliert.

Teil II Beratung    








Evangelisches Bildungswerk Salzburg - Tirol

5020 Salzburg

Sinnhubstraße 10/ 1209

Tel 0699 18877870

E-mail info@ebw-salzburg.at

www.ebw-salzburg.at

4 Interkulturelle Gruppenberatung    

Interkulturelle Elternarbeit baut Brücken zwischen Sprachen, Kulturen und unterschiedlichen Vorstellungen von Erziehung.

  • Ziel ist es, Verständnis für Kinder und auch zwischen den Erwachsenen zu schaffen.
  • Kultursensible Elternarbeit bedeutet, mit Respekt und Offenheit zu begegnen, auch wenn Eltern wenig Deutsch sprechen, andere Erziehungsziele haben oder zunächst zurückhaltend sind.
  • Gelungene interkulturelle Elternarbeit schafft einen Raum, in dem Vertrauen wachsen kann – und aus anfänglicher Distanz ein echtes, respektvolles Miteinander entsteht.
  • Wenn Elternarbeit mit Eltern aus Einwandererfamilien gelingt, entsteht Vertrauen.
  • Eltern öffnen sich, teilen Informationen über ihr Kind und fühlen sich als Teil der Gemeinschaft.
  • Aus Distanz wird echtes Miteinander.
  • Kinder erleben, dass Vielfalt selbstverständlich ist.
  • Fachkräfte spüren, wie aus Unsicherheit gegenseitiger Respekt wächst.
Wenn man Familien mit Migrationshintergrund offen begegnet, trägt man dazu bei, dass Integration und Bildungsgerechtigkeit zunächst im Kindergarten wirklich gelebt werden.

Warum gehen Kinder mit Migrationshintergrund seltener in einen Kindergarten?

  • Kinder aus Einwandererfamilien besuchen deutlich seltener einen Kindergarten. Der Grund besteht darin, dass strukturelle, sprachliche und soziale Barrieren den Zugang erschweren. Viele Eltern mit Migrationshintergrund kennen das Bildungssystem nur oberflächlich oder haben andere Vorstellungen vom richtigen Zeitpunkt für den Kindergarten - Start.
  • Manche sprechen kaum Deutsch oder fürchten Missverständnisse in der Kommunikation. Hinzu kommen ganz praktische Hindernisse. In manchen Stadtteilen fehlen Plätze, Anmeldeverfahren sind kompliziert und mehrsprachige Informationen sind selten.
  • Auch der Bildungsstand der Eltern spielt eine Rolle. Eltern mit geringerer Schulbildung – unabhängig von ihrer Herkunft – nutzen seltener eine frühkindliche Betreuung. Dabei wünschen sich Eltern mit Migrationshintergrund fast genauso oft wie andere, dass ihre Kinder in einen Kindergarten gehen.
  • Interkulturelle Elternarbeit hilft, diese Lücken zu schließen – durch Vertrauen, Aufklärung und niedrigschwellige Angebote, die allen Familien den Zugang zu früher Bildung erleichtern.
Wege zum Erfolg

  • Gute Kommunikation ist das Herzstück jeder vertrauensvollen Zusammenarbeit. Damit interkulturelle Elternarbeit gelingt, braucht man praktische Wege, um Sprachbarrieren zu überwinden, kulturelle Unterschiede zu verstehen und echte Beziehungen aufzubauen.
  • Den Nutze klarer, visueller Kommunikation, wie etwa mehrsprachige Elternbriefe, Piktogramme, Fotos oder kurze Videos. Auch Dolmetscher - Apps oder Elternpatenschaften helfen, Informationen zugänglich zu machen. Wenn man Themen wie Eingewöhnung oder Erziehung visuell erklärst, fühlen sich Eltern mit Migrationshintergrund sicher und ernst genommen.
  • Interkulturelle Zusammenarbeit mit Eltern bedeutet, Unterschiede als Lernchance zu sehen. Fragen offen nach, warum Eltern Dinge anders handhaben, keine Bewertung, vielmehr interessiert zuhören. So entsteht echtes Miteinander.
  • Eine kleine Checkliste hilft: Welche Begriffe müssen erklärt werden? Welche Themen sind sensibel? Wie kann ich Offenheit zeigen, etwa durch Stimme, Haltung und Blickkontakt?
  • Erfolgreiche Kindergärten schaffen Begegnung: Elterncafés, Sprachentage, Feste oder Projekte, in denen Familien ihre Kultur vorstellen. So erleben alle, dass Vielfalt verbindet.
5 Interkulturelle Einzelberatung    

Ausgehend von den bisher angesprochenen Möglichkeiten einer Unterrichtung bedarf es bei der zunehmenden Differenzierung der Zielgruppen nach Herkunft, sozialen Zusammenhängen, Alter, Geschlecht, kulturellen Identifikationen, Integrationszustand und Zukunftsperspektiven einer besonderen Beratung mit Begleitung.

Bereiche sind in der Regel die sozioökonomische und rechtliche Stellung der Klientel, etwa die Schul- und Berufsbildung, der Arbeitsmarkt, Einkommensfragen, Wohnen, Gesundheit und Integration.

Die kulturelle Vielfalt verlangt professionelles Handeln im Kontext mit interkultureller Öffnung unter Überprüfung der bisherigen Arbeitskonzepte, Handlungsansätze, Angebote und Rahmenbedingungen der sozialen Dienste.

Ergänzt werden muss dieses Handeln durch

  • den Erwerb interkultureller Kompetenz,
  • eines Handlungswissens,
  • die Fähigkeit, mit Angehörigen verschiedener Gruppen zu kommunizieren,
  • Einfühlungsvermögen für kulturelle Prägungen und
  • Ertragen von Widersprüchlichkeiten.
Die Reflexion eigener kulturellen Sozialisation und der Respekt - nicht die Bewertung der Klientel - sind Voraussetzung für interkulturelle Arbeit (vgl. Salzburger Nachrichten 20.11.21, 1 - Den Riss heilen - Günther Dichatschek " Respekt vor dem Anderen").

Professionelle Handelnde benötigen Informationen über den Migrationshintergrund, die Kultur, Lebensweisen, soziale Situation, Infrastruktur und Kommunikationsmöglichkeiten (vgl. ZACHARAKI 2013, 174-175).

Sozialpädagogische Beratung zielt auf Unterstützung bei Bewältigungsproblemen und Reaktivierung von Selbsthilfepotenzialen. Störungen und Konflikte werden mit dem sozialen und kulturellen Kontext vernetzt (vgl. den Ansatz der Systemtheorie bei SCHLIPPE und SCHWEITZER 2000, 104-108).

Neue Prozesse, eine andere Bewertung des Problems, eine positive Umdeutung oder die Akzeptanz einer Unveränderbarkeit führen zu einem "Nicht - Problem - Zustand". In jedem Fall bedarf es einer effektiven Kommunikation (beeindruckend für den Autor die "Migrantenberatung Wien" mit ihrer Vielfalt der Sprachenkenntnis).

Systemtheorie und Interkulturelle Kompetenz benötigen die Synthese beider Ansätze (vgl. WOGAU 2004, 46).

Im Folgenden wird auf die Phasen der Beratung und Intervention stichwortartig hingewiesen (vgl. PHILIPPI 2001; ZACHARAKI 2013, 181-189, 194).

  • Anmeldeverfahren - Räumlichkeit, Rahmen, beteiligte, Sitzordnung, Länge der Beratung; Ziele, Probleme, Ursachen, Lösungen, Strategie,
  • Beratungsphasen - Aufwärmphase, Interviewphase/ Fragetechnik, Kontakt- und Erkenntnisphase, Abschlussphase und
  • Auswertung.

In der Beratung und Begleitung von sozialen Einrichtungen und Schulen muss die Notwendigkeit der interkulturellen Orientierung und Anwendung interkultureller Arbeitsweisen im jeweiligen Bereich erkannt und entsprechend vorgegangen werden (können).


6 Literaturhinweise    

Chilla S./ Niebuhr - Siebert S. (2022): Mehrsprachigkeit in der Ki Ta. Grundlagen - Konzepte - Bildung, Stuttgart

Philippi St. (2001): Die Berater/ innen - Rolle. Beratungsgespräche erfolgreich führen, Diakonisches Werk Rheinland

Wogau v. R. (2004): Therapie und Beratung von Migranten. Systemisch - interkulturell denken und handeln, Weinheim - Basel

Zacharaki I. (2013): Interkulturelle Kompetenz in der Beratung, in: Fischer V. - Springer M. - Zacharaki I. (Hrsg.): Interkulturelle Kompetenz. Fortbildung - Transfer - Organisationsentwicklung, Schwalbach/ Ts., 173-194

Zacharaki I. - Eppenstein Th. - Krummacher M.(Hrsg.) (2015): Interkulturelle Kompetenz. Handbuch für soziale und pädagogische Berufe, Schwalbach/ Ts.

IT - Hinweis

https://www.bildungsserver.de/elementarbildung/interkulturelle-elternarbeit-4070-de.html (24.7.2026)

7 Dokumentation    

















Zum Autor    

APS - Lehramt (VS - HS - PL 1970, 1975, 1976), zertifizierter Schülerberater (1975) und Schulentwicklungsberater (1999), Mitglied der Lehramtsprüfungskommission für die APS beim Landesschulrat für Tirol (1993-2002)

Absolvent Höhere Bundeslehranstalt für alpenländische Landwirtschaft Ursprung - Klessheim/ Reifeprüfung, Maturantenlehrgang der Lehrerbildungsanstalt Innsbruck/ Reifeprüfung - Studium Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/ Doktorat (1985), 1. Lehrgang Ökumene - Kardinal König Akademie/ Wien/ Zertifizierung (2006); 10. Universitätslehrgang Politische Bildung/ Universität Salzburg - Klagenfurt/ MSc (2008), Weiterbildungsakademie Österreich/ Wien/ Diplome (2010), 6. Universitätslehrgang Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg/ Diplom (2012), 4. Interner Lehrgang Hochschuldidaktik/ Universität Salzburg/ Zertifizierung (2016) - Fernstudium Grundkurs Erwachsenenbildung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium, Comenius - Institut Münster/ Zertifizierung (2018), Fernstudium Nachhaltige Entwicklung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium, Comenius - Institut Münster/ Zertifizierung (2020), Onlinekurs Grundkurs - Aufbaukurs/ Theologie für Ehrenamtliche - Kolleg für Gemeindedienst/ Bodelschwingh - Studienstiftung Marburg/ Zertifizierung (2025)

Lehrbeauftragter Institut für Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft/ Universität Wien/ Berufspädagogik - Vorberufliche Bildung VO - SE (1990-2011), Fachbereich Geschichte/ Universität Salzburg/ Lehramt Geschichte - Sozialkunde - Politische Bildung - SE Didaktik der Politischen Bildung (2026-2017)

Mitglied der Bildungskommission der Evangelischen Kirche Österreich (2000-2011), stv. Leiter des Evangelischen Bildungswerks Tirol (2004 - 2009, 2017 - 2019), Mitglied des Evangelischen Bildungswerks Salzburg -Tirol (1924 - heute)

Kursleiter der VHSn Salzburg Zell/ See, Saalfelden und Stadt Salzburg/ "Freude an Bildung" - Politische Bildung (2012 - 2019)

Aufnahme in die Liste der sachverständigen Personen für den Nationalen Qualifikationsrahmen/ NQR, Koordinierungsstelle für den NQR/ Wien (2016)

MAIL dichatschek (AT) kitz.net

 
© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 26. Juli 2026