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Jesus
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= Reihe Evangelische Erwachsenenbildung =
= Jesus - Eine Deutung seiner Person - Kontext einer kulturell - religiösen Kompetenz in der Politischen Bildung =
Günther Dichatschek
http://www.netzwerkgegengewalt.org/upload/NetzwerkGegenGewalt/dipl_erwachsenenbildner_klein.jpg
[[Inhaltsverzeichnis]]
= Teil I Jesus =
= 1 Einführung =
Jesus und kulturell - religiöse Kompetenz im Kontext einer Politischen Bildung und Interkulturellen Kompetenz sind aktuell in unserer Zeit. Medien und konfessionelle Erwachsenenbildung beschäftigen sich damit. An Theologischen Fakultäten besteht der Bedarf einer Forschungslage (vgl. SCHRÖTER 2017, 9, 31 - 45).
Es geht um den Wanderprediger aus Galiläa, den Unruhestifter von der römischen Verwaltung hingerichtet, den Schriften des Neuen Testaments und gelingendem Leben mit kulturell - religiöser Sinnhaftigkeit gegen Hoffnungslosigkeit.
Gesammelt wurden von den ersten Christen die Zeugnisse über Jesus und Erzählungen über sein Wirken. Es entstand im Lichte des Wirkens Jesu ein Bild von der Geschichte Israels, den Weissagungen der Propheten, die Rede von Christus.
Das Neue Testament versteht sich als Zeugnisse des Glaubens an Jesus Christus.
== 1.1 Ein Blick in historisches Material =
=== 1.1.1 Überreste =
=== 1.1.2 Quellen =
= 2 Ein Jude aus Galiläa =
= 3 Herrschaft Gottes =
= 4 Das Ethos Jesu =
= 5 Das Selbstverständnis Jesu =
= 6 Jerusalemer Ereignisse =
= 7 Anfänge christlichen Glaubens =
= 8 Wirkung der Religion =
= Teil II Christentum =
= 1 Einleitung =
Kulturell - religiöse Bildungsprozesse, angestrebt in einer Politischen Bildung bzw. Interkulturellen Kompetenz/ ICC, sind gekennzeichnet in einer Erinnerungsfähigkeit unserer Gesellschaft, Überzeugungsfähigkeit, Lebensbedeutung und Lebensführung (vgl. in der Folge RUPP - SCHEILKE - SCHMIDT 2002, 178-182).
Es geht um das kulturell und religiöse Gedächtnis, bedeutungsvoll als Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit, Hoffnung und Solidarität. In Europa sind diese Inhalte nicht ohne eine christliche Tradition in Glaubenserfahrung zu verstehen. Diese Erfahrung und Weitergabe erweitert sich zu einer Lebenserfahrung. Vor diesem Hintergrund versteht es sich, dass sich in Bildungs- und Erziehungsprozessen in Fragen religiöser Bildung und Politischer Bildung Unterschiede ergeben müssen.
Bildungsanstrengungen ergeben sich in indirekten Erziehungswirkungen und sozialen und kulturellen Handlungsräumen im Bildungssystem mit Lernprozessen. Wesentlich sind formale Bildung und non - formale Bildungsbemühungen (eigener Lebensort) mit ethischen Resonanzräumen.
Aktualität erfährt diese Bedeutung im öffentlichen Raum durch unterschiedliche kulturelle Herkünfte, religiöse Zugehörigkeiten und Lebensformen. Damit sind Lehr-, Lern- und Bildungsprozesse notwendig, beispielhaft als interkulturelle Bildung, Politische Bildung, Ethik und religiöses Grundwissen.
Bildungsinstitutionen sind nicht nur Orte des Wissenserwerb, durch die Bedeutung eines informellen Lernens und des Verlustes des Monopols der Wissenszugänge kommen auch andere Aufgaben dazu. Beispielhaft ist die Politische Bildung und Interkulturelle Kompetenz mit einem Orientierungswissen und einer Handlungskompetenz. In diesem Kontext ist neben dem Unterricht auch die Vermittlung von Lebensformen zu sehen.
Dazu gehört etwa die Religionsfreiheit mit ihrem Recht auf öffentlichen Raum, freiem Zugang zur Glaubensfreiheit und Gestaltung der (inter-) kulturellen Lebensform, einem weltanschaulich neutralen und pluralistischen Staat. Damit ist der Grund für eine Unterscheidung zwischen Politik bzw. Interkulturalität und Religion und die notwendige Bedeutung der entsprechenden Bildungsbereiche gegeben.
= 2 Frühes Christentum - Bildung =
Der Bezug zum frühen Christentum und der Bildung hat einen festen Platz in der Beziehung von christlichem Glauben und Bildung (vgl. RUPP - SCHEILKE - SCHMIDT 2002, 17-28).
Ausgehend von der These, frühe Christen seinen kleine Leute aus der Unterschicht, sogar bildungsfern, was sich erst im Laufe des zweiten Jahrhunderts nach und nach geändert habe. Seit geraumer Zeit gibt es Untersuchungen der Soziologie, die diese Auffassung infrage stellen.
Es zeigt sich, dass die herkömmliche Zuordnung nicht so eindeutig ist (vgl. THEISSEN 1979, 267). Unter Hinweis auf 1. Kor 1, 26-28, umfassen die Gemeinden verschiedene soziale Schichten. Dieses Bild der gesellschaftlichen Wirklichkeit hinterlässt eine Analyse von Konflikten bei versteckten Wertsystemen und Verhaltensnormen (vgl. MEEKS 1993, 233-263).
In der Antike gehören wirtschaftlicher, gesellschaftlicher Einfluss und finanzieller Wohlstand sowie Zugang zur Bildung eng zusammen. Gebildete, Mächtige und Angesehene bilden eine gesellschaftliche Schicht. In der Folge kommt es zur Auseinandersetzung zwischen Christentum und antiker Philosophie, damit der Berührung des Christentums mit der Bildung der "paideia" und dem Zusammenhang von Lehren und Lernen. Im NT spielt dieser Kontext eine erhebliche Rolle (vgl. beispielhaft Mk. 10, 1; Mt 4.23; Mt 7.28; Mk. 4.23).
In der Antike wird mit "paideai" ein Lebenskonzept beschrieben, das eine prägende Größe des gesellschaftlichen Leben war. Die frühen Christen orientierten sich in ihrem privaten Leben daran. Neu war der Glaube an den auferstandenen Christus.
Im Verhältnis zur Bildung waren einige Grundlinien für das Verhältnis von Glaube und Bildung zu erkennen, die wesentlich Bedeutung haben. Nach RUPP - SCHEILKE - SCHMIDT (2002, 26-28) sind sechs Aspekte von Interesse.
Menschen werden mit verschiedener sozialen Herkunft zusammengeführt und Lernchancen ergeben sich daraus. Der Alltag ist mit dem Christusglauben zu verbinden. Damit ergibt sich eine Theorie eines umfassenden Bildungsprozesses als Verbindungsprozess. Frühchristliche Bildung geht um die Jesustradition mit der eigenen Situation exemplarisch zu verbinden. Antike Gesellschaften waren fester gefügt als moderne. Das Haus galt als zentrale soziale Einheit (vgl. Mk. 10). Bildung ohne religiöse Bildung erhebt keinen Anspruch auf Allgemeinheit.
Die Theorie der Bildungsferne lässt sich nicht bestätigen, vielmehr erweist sich das frühe Christentum als Lebens- und Lerngemeinschaft mit erfahrungsorientierten Bildungsprozessen. Die Vitalität der Bildungsprozesse hat die Ordnung von Inhalten immer wieder in Frage gestellt und damit neue Lernprozesse in Gang gesetzt. Dies zeigt sich zuletzt in der Reformation, den reformatorischen Kirchen und ökumenischen Bemühungen.
= 3 Zwei Jahrtausende Christenheit - Überblick =
Im Folgenden wird skizzenhaft auf die Entwicklung des Christentums bis hin zur Weltreligion im Kontext zur Politischen Bildung eingegangen. Basis ist das "Handbuch. Die Geschichte des Christentums" (vgl. DOWLEY - BRIGGS - LINDER - WRIGHT 1979).
Auch wenn das Christentum im Anfang nur wenige Anhänger in der abgelegenen römischen Provinz Judäa hatte, ist es in letzten Viertel des 20. Jahrhunderts zum Glauben ungefähr eines Drittels der Weltbevölkerung geworden. Es ist in mehr Völkern verwurzelt als irgendeine andere Religion. Die Vitalität ist bemerkenswert, weil Konkurrenz und Widerstand vorhanden war.
Bemerkenswert ist die Fähigkeit zu Erneuerung und Reform, wobei jede kirchengeschichtliche Epoche ihre Möglichkeiten und Herausforderungen hat.
Merkmale sind Lehre und Praxis der Apostel und wurden Maßstab für alle spätere Lehre und Praxis.
* Einfachheit, Gemeinschaft, Evangelisation und Nächstenliebe waren die Merkmale der ersten Christenheit.
* Man trennt(e) nicht nach Rasse, Nationalität, sozialem Status, Freiheit oder Geschlecht.
* Christliche Gemeinschaft gibt vielen Menschen ein Gefühl der Identität und einer Zugehörigkeit zu einer Gruppe.
== 3.1 Ausbreitung =
Die Ausbreitung nach dem ersten Jahrhundert öffnete sich für viele Menschen aus allen sozialen Schichten. Damit ergaben sich in der Folge die Möglichkeiten einer Abweichung vom Glauben (vgl. Gnostizismus, Marcionismus und Montanismus). Bedeutung erhielten die "Kirchenväter". Eine Stärkung erfuhr die Christenheit durch die Abfassung und den Gebrauch des "Apostolischen Glaubensbekenntnisses".
Reichsweite Verfolgung setzte im 3. und 4. Jahrhundert ein. Kaiser Konstantin hatte 313 das Christentum in den Status einer anerkannte Religion des Reiches erhoben. 395 wurde es zur einzig offiziellen Staatsreligion. Bereits früher hatte Armenien als erstes Land das Christentum als offizielle Religion übernommen.
Das 4. Jahrhundert bildete einen großen Wendepunkt in der Kirchengeschichte mit theologischer Arbeit (Ambrosius, Augustin, Gregor I.) und einem Wachstum der institutionellen Kirche. Die Katholische Kirche des Westens und Orthodoxe Kirche im Osten wurzeln in diesem Jahrhundert. In der Folge schien die Zivilisation des Westens auf dem Rückzug zu sein. Mit dem Zerfall des Römischen Reiches wurde die Kirche die einzige dominierende Institution in der Folge im Mittelalter. Die nationalen Orthodoxen Kirchen des Ostens rückten langsam unter der Führung des Patriarchen von Konstantinopel zusammen.
In Nordafrika erlag 707 die große Kirche Nordafrikas dem Ansturm dem Islam. Dieser entstand im Nahen Osten mit der Flucht Mohammeds aus Mekka nach Medina 622. Schnell verbreitet sich die Lehre bis Nordafrika. 732 hatte sich der Islam schon bis zum südfranzösischen Tours ausgebreitet, der Franke Karl Martell bot Einhalt.
Einige Gebiete in West-und Mitteleuropa wurden von Mönchen wie Columba und Columbanus missioniert, bedeutend war Bonifatius. Nach einer Phase der Stagnation kämpfte die christliche Gemeinschaft mit weltlichen Herrschern wie Karl d.Gr. um die Herrschaft über die institutionelle Kirche.
== 3.2 Reformbewegungen - Verbreitung =
Vom 10. Jahrhundert an lief eine Welle geistlicher Erneuerung. Cluny war der Ausgangspunkt einer Reformbewegung. Im folgenden Jahrhundert konnte mit Papst Gregor VII. eine Kirchenreform erreicht werden.
Andere Mönchorden ersetzten Cluny nach dem Erlahmen des Reformeifers im 11. Jahrhundert, etwa Franziskaner und Dominikaner. Orthodoxe Missionare erreichten im 10. Jahrhundert das russische Kiew. Dies ist der Beginn der Russisch-Orthodoxen? Kirche mit dem Anspruch der Nachfolge Roms und Konstantinopels. Die Zaren des 15. und 16. Jahrhunderts sahen Moskau als das "dritte Rom".
Innere Herausforderung stellten antihierarchische Bewegungen wie die Albigenser und Waldenser mit Unterdrückung durch die mittelalterliche Kirche und Flucht in abgelegene Alpentäler.
Christliches Denken kam im 12.und 13. Jahrhundert durch Peter Abaelard und Thomas von Aquin mit präzisen Formulierungen des Glaubens im Mittelalter.
Dem Höhepunkt unter Papst Innozenz III. folgte eine Periode des Niedergangs. Die Renaissance verzehrte Talent, Energie und Finanzen des Papsttums. Es begann in der Folge mit einer Sehnsucht zu geistlicher Stärkung und einem reformierten Katholizismus.
Mit Martin Luther und Johannes Calvin kam es zur protestantischen Reformation auf Kosten der kulturellen und religiösen Einheit Westeuropas und bis heute religiösen Vielfalt. Eine neue Periode des Wachstums legte den Grund zur Entwicklung der Religionsfreiheit und des Toleranzgedankens.
Das Werk Luthers gründete Lutherische Kirchen und ebenso Calvins Werk begründete Reformierte und Presbyterianische Kirchen in Westeuropa, Auswanderungsbewegungen nach Amerika und dem British Empire mit den Kolonien verbreiterten den Protestantismus weltweit.
Die Kirche in England wurde durch die Reformen geistlich erneuert. Mit der Trennung von Rom durch Heinrich VIII. 1532 entwickelte sich eine "Nationalkirche" ohne Papst mit einem mittleren Weg ("via media") zwischen Traditionen mittelalterlicher Kirche und neutestamentlichen Lehren. Die anglikanische Dimension einer regionalen Kirchenreform war bedeutsam, sie verlieh zudem dem englischen Nationalismus Auftrieb.
Der Puritanismus war bedeutend für seine Verbreitung im British Empire, Commonwealth und in der Auswanderung nach Nordamerika.
In der Folge verhärteten sich auf beiden Seiten die Fronten. Der Protestantismus wurde stärker institutionalisiert, die römische Inquisition und das Konzil von Trient mit seinen Beschlüssen folgten. Mit der Gründung der "Gesellschaft Jesu" 1540 von Ignatius von Loyola erneute sich die Römisch Katholische Kirche. Mit der erfolgreichen Arbeit der Mission der Jesuiten in S-Amerika? und SO-S-Asien? kam es zu weltweiter Verbreitung.
Protestantische Verbreitung außerhalb Europas in dieser Zeit gab es in den britischen Kolonien an der nordamerikanischen Atlantikküste durch die europäischen Auswanderungswellen.
== 3.3 Soziokulturelle - religiöse Bewegungen =
Neue Bewegungen begründeten sich in der Vorbildwirkung eines apostolischen Christentums mit der Zuwendung zur Bibel und persönlichen Glaubenserneuerung im Protestantismus. Christen und Nichtchristen wurden zur Bekehrung gerufen.
Im 18. Jahrhundert entstand als Antwort auf die Aufklärung eine Erweckungsbewegung mit Beginn in Deutschland und einer Verbreitung nach Skandinavien und der Schweiz. Als "Pietismus" waren in der Bewegung Männer wie Philipp Jakob Spener, August Hermann Francke und Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf bedeutend. Pietisten überwanden ein Klassendenken, Bekenntnisunterschiede und betonten die Einfachheit des NT und die persönliche Erfahrung mit Christus.
Die gleichen Merkmale finden sich im 18. Jahrhundert in England und Nordamerika. Bedeutend war John Wesley mit seiner Bewegung und Entwicklung der Methodistischen Kirche, in der Folge stellen sich Gründungen verschiedener Kirchengemeinschaften wie Baptisten und Kongregationalisten im angloamerikanischen Raum ein. Eingeführt wurde ein volkstümlicher Stil evangelischer Predigt und die Betonung auf fröhliches Singen geistlicher Lieder. Soziale Veränderungen wie die Abschaffung der Sklaverei und eine Gefängnisreform wurden angeregt.
In Nordamerika ist die Erweckung verbunden mit den Namen Jonathan Edwards und George Whitefield (Mitarbeiter von John Wesley) bis zu Billy Graham. Die "Evangelisten" gewannen in der Folge an Bedeutung bis heute in der Grundstruktur christlichen Lebens. 1776 erhielt die Unabhängigkeitsbewegung kräftige Unterstützung durch die wichtigsten Kirchengemeinschaften. Nur die Anglikaner hielten sich zurück. Übertragen auf den Aufbau "Vereinigter Staaten von Amerika /USA" wird ein Staat mit christlichen Werten und republikanischen Prinzipien abgestrebt. Die neue Verfassung der USA, überwiegend ein Werk von Thomas Jefferson, kennt die Trennung von Staat und Kirche(n).
Die Französische Revolution von 1789 rief eine heftige Reaktion gegen die organisierte Religion und etablierte Kirche hervor. Die Ideen der Aufklärung und die Unterstützung der Monarchie durch die Kirche benutzten die Revolutionäre, die Kirche zu verbannen. In der Folge kommt es zu einem Kampf zwischen Kirche und Staat um Fragen der Erziehung.
== 3.4 Bedeutende Entwicklungen =
Die großen Veränderungen im 19. Jahrhundert bewirkten bedeutende Entwicklungen im Christentum, etwa Missionsbewegungen, so etwa konnte William Carey die "Baptist Missionary Society" begründen. Viele Missionsgesellschaften entstanden weltweit im Protestantismus. Europäische Pietisten gründeten in Basel 1815 eine Missionsschule.
Die europäischen Revolutionen von 1830 und 1848 hatten ohne Unterstützung der etablierten Kirchen auszukommen. Mit Papst Pius IX. entstand Widerstand gegen Modernismus, Republikanismus, Liberalismus, Sozialismus und Nationalismus. Sein Papsttum ist durch das "Verzeichnis der Irrtümer" 1864 und die Einberufung des I. Vatikanischen Konzils 1869-1870 mit dem Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit in Glaubenssachen und Lehre gekennzeichnet.
In England und Nordamerika arbeiteten Christen in einer Claphamgruppe für soziale Reformen für die Abschaffung der Sklaverei, im britischen Empire und mit parlamentarischen Initiativen wurde von Lord Shaftesbury eine Bergwerksreform und eine Fabriksgesetzgebung im Sinne von pietistischen Frömmigkeit geschaffen.
Mit Papst Leo XIII. beschäftigte sich das Papsttum mit der modernen Welt der Arbeitswelt und Folgerungen wie dem Marxismus.
Bedeutende Minderheiten von Christen erduldeten oftmals Unterdrückung, Verfolgung und angebliche Misshandlungen und führten bis zu europäischen Eingriffen in nichteuropäischen Ländern wie beim "Boxeraufstand" in China.
Wissenschaft und Religion setzten sich auseinander, etwa der Theorie von Charles Darwin über die Evolution und in Form des Darwinismus und evangelikalem Christentum des Schöpfungsglauben.
Der Erste Weltkrieg erschütterte die Christenheit mit dem zügellosen Nationalismus, ausbeutendem Imperialismus und massiven Militarismus.
== 3.5 20. Jahrhundert =
Der theologische Liberalismus stellte sich mit dem aktuellen Wissen, Denken und historischen Studium der Bibel. Man bediente sich wissenschaftlichen Methoden. Kritische Studien entstanden, in der Folge führt es zur "Fundamentalisten - Modernisten - Kontroverse" in Amerika. Die Debatte ging hier hauptsächlich um die Evolution und das "soziale Evangelium" (Social Gospel) mit seinem sozialen Engagement.
In der Folge übernahm der liberale Protestantismus die Führung mit dem Bemühen um die Einheit der Kirchen. Evangelikale reagierten misstrauisch auf ökumenische Bemühungen, als 1948 der "Weltrat der Kirchen" gegründet wurde.
In den ehemaligen Kolonien wuchsen einheimische Kirchen, die Katholische Kirche reagierte mit afrikanischen und asiatischen Kardinalernennungen.
Die Zeit war nicht frei von Christenverfolgung, in der Sowjetunion durch den Staat russische Orthodoxe und Baptisten und im Sudan Christen von Moslems.
Theologische Neuanfänge im Protestantismus sind verbunden mit Karl Barth und Reinhold Niebuhr.
Mit den Veränderungen in den sechziger Jahren als Periode der Veränderungen kam die Jesusbewegung und verstärkte die charismatische Bewegung. Das neue evangelikale Engagement fand eine Verstärkung mit der Wahl Jimmy Carters zum US - Präsidenten ("Südliche Baptisten").
Bedeutende Bewegungen traten in der Römisch - Katholischen Kirche mit Papst Johannes XXIII auf. Das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) brachte weitgehende Reformen in der Liturgie mit der Landessprache und Beziehungen zu anderen Christen.
Baptisten und besonders die Pfingstbewegung hatten ein bemerkenswertes weltweites Anwachsen.
== 3.6 Aktuelle Herausforderungen =
Tiefgreifend sind Reformen im politischen, sozialen und ökonomischen Bereich in Teilen der Welt, beispielhaft durch den Antikolonialismus, "Schwellenländer", Supranationale Zusammenschlüsse, Globalisierung und Digitalisierung. Das christliche Gewissen und die Ethik sind hier gefordert.
Institutionalisierte Kirchen sind zunehmend reformbedürftig in Kirchenmanagement, Religionspädagogik und Kommunikationsstrukturen (vgl. IT - Autorenbeiträge Kirchenentwicklung und Religionspädagogik).
Das Verhältnis zu Christen war und ist in der Beziehung zu Staaten zu ordnen, beispielhaft wie in Polen, der (ehemaligen) DDR, der (ehemaligen) Sowjetunion und international in China und islamischen Staaten.
Ökumene und der interreligiöse Dialog sind aktuell eine Herausforderung angesichts der Pluralität der Gesellschaft.
Letztlich stellt die Christenheit nur eine Minderheit unter der Weltbevölkerung dar. Die Welt ist durch Jesus Christus wie durch keinen anderen Menschen beeinflusst worden.
= 4 Erziehungs- und Bildungsdenken =
Die Entwicklung der Moderne erfordert eine Auseinandersetzung mit den Begriffen Erziehung und Bildung. Im Selbstverständnis des Autors folgt dies in evangelischer Perspektive. Besonders lutherisches Bestreben schärfte die Einordnung in Gottes weltliche Ordnung, man denke an die Ehe und den Staat.
Für die göttliche und weltliche Ordnung wurde der Begriff "Erziehung" vorgezogen (vgl. den alten Begriff "Zucht"). Im "Kulturprotestantismus" folgte mit dem Begriff "Bildung" auch die Auseinandersetzung mit "Kultur".
== 4.1 Bildungsbegriff =
Der vielschichtige Begriff Bildung in der deutschen pädagogischen Leitkategorie bei Herder, Goethe, Wilhelm von Humboldt und Hegel macht die Begrifflichkeit im Gegensatz zum angelsächsischen "education" nicht einfacher. Goethes Bildungsroman "Wilhelm Meisters Lehrjahre" machte Epoche, Humboldts Ideen mit der Neukonzeption der Berliner Universität, des Königsberger und Litauischen Schulplan für das Gymnasium 1809 mit wenigen Fächern und des Hegelschülers Johannes Schulze 25 Jahre später mit 14 Fächern hatte praktische Auswirkungen bis heute.
Bildung wird allgemein als Allgemeinwissen mit Breitenwirkung (Allgemeinwissen) und einer Vollständigkeit mit Bestand gesehen. In der Folge wird Bildung als andauernder Prozess verstanden wird und entwickelt sich in "Allgemeinbildung" und "Berufsbildung" im Sekundar-, tertiären und quartären Bildungsbereich (vgl. aktuell "lebensbegleitendes Lernen" und damit Bildung).
Religionsgemeinschaften denken an sich in ihrem abgeschlossenen Raum kaum pädagogisch.
Das evangelische Christentum bedient sich im historischen Wandel pädagogischer Denkfiguren, die dem eigenen Selbstverständnis dienen. Politische und gesellschaftliche Kräfte haben Rückenwind evangelischer Theologie verliehen (vgl. RUPP-SCHEILKE-SCHMIDT? 2002, 51). Einer Affinität des Protestantismus zu Bildung und früher zur Erziehung hat schrittweise und in der Folge in einem "Evangelischen Schulwesen" liberale, emanzipatorische und (selbst-)kritische Dimensionen angenommen (vgl. RUPP-SCHEILKE-SCHMIDT? 2002, 65-74 zum Pluralismus in kirchlichen Schulen; NIPKOW - SCHWEIZER 1994).
== 4.2 Erziehungsbegriff =
Sieht man sich den Erziehungsbegriff an, ist diese ebenfalls einem historische-gesellschaftlichen Wandel ausgesetzt. Um 1930 wurde er ordnungstheologisch und ordnungspädagogisch ausgelegt. 40 Jahre später stand die "antiautoritäre Erziehung" zur Diskussion. In der Folge gab es einen "Mut zur Erziehung", der die aktuelle "Werteerziehung" entgegengesetzt wird. Die deutschsprachige Diskussion ist nach wie vor komplex, "education" im angelsächsischen Verständnis beinhaltet Lehre und Erziehung.
Die aktuelle Terminologie beinhaltet die Verbindung Bildung und Erziehung bzw. Kompetenz, beispielhaft erkennt man dies in der Politischen Bildung/Erziehung, Interkulturellen Kompetenz/Interkulturellen Bildung, Umwelterziehung/ökologischen Bildung und kulturell -religiösen Kompetenz/ Bildung (vgl. RUPP- SCHEILKE-SCHMIDT? 2002, 63).
== 4.3 Evangelisches Bildungsdenken =
Evangelisches Bildungsdenken geht von menschlichen Begabungen und "Kräften" als Gottes Gaben aus, die zu fördern sind, die wertvollen gegen die destruktiven.
Im Wechselverhältnis von Gesellschaft ("Kultur") und persönlichen Dispositionen ("Natur") setzt die wissenschaftliche Erziehung und Bildung an. Hier setzt Evangelisches Schulwesen an (vgl. RUPP - SCHEILKE - SCHMIDT 2002, 65-74; POLLITT -LEUTHOLD - PREIS 2007).
= 5 Kulturell-religiöse Bildung und Demokratie =
"Wenn man unter Demokratie mehr als ein Regelwerk des politischen Systems verstehen will, dann ist es in historischer Perspektive evident, dass sich die moderne Demokratie in vieler Hinsicht der Christentumsgeschichte verdankt" (vgl. RUPP-SCHEILKE-SCHMIDT? 2002, 169).
Menschenwürde, Gleichheit vor dem Gesetz, Religion und Politik als Quelle aller Gewaltenteilung, alles ist christlich-religiös begründet. Dennoch ist zu bedenken, dass die christliche Religion bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein die neuzeitliche Entwicklung der Demokratie nicht gerade gefördert hat.
Man könnte vor diesem Hintergrund religiöse Bildung in die Nähe der politisch-demokratischen Bildung rücken. Der Vorwurf, der "problemorienierte Religionsunterricht" sei von Sozialkunde nicht mehr zu unterscheiden, war in der Praxis als Differenz oft nicht mehr erkennbar.
== 5.1 Religion und Politik =
Mit der Wiederentdeckung religiöser Bildungsgestalten wurde ein Beitrag zur Unterscheidung zwischen Religion und Politik geleistet.
In der Unterscheidung von Religion und Politik liegt ein Perspektivenwechsel in der Bewertung der Zwei - Regimenter - Lehre Luthers nahe.
Politisches Handeln sieht sich vor die Alternative gestellt, entweder als Versöhnungsimpuls ("Konsens") oder als interessensgeleitetes Agieren (machtpolitisch bezogen) ausgelegt wird.
Auffällig ist bei der Zwei - Regimenter - Lehre die Auslegung, wenn Handeln im Beruf/ Alltag und einer Regierung religiöse Autorität abgeleitet wird.
* Gewissen und Glauben entfalten eine Dialektik der Freiheit des Christenmenschen mit seiner Befähigung zu Gehorsam (Selbstbindung an das Gewissen).
* Darin liegt nach Luther die Grenze gegenüber dem Anspruch einer weltlichen Macht, wenn in autoritären Systemen mit Widerstandelementen dem "Volk" die Ausführungsgewalt, im Sinne christlicher Herrschaft, zugerechnet wird (vgl. die Befreiungstheologie, Willensbildungen in der "Wende").
* Eigentlich geht es um die Problematik einer politisierenden Theologie und Theologisierung des Politischen.
* In einer solchen Form von Konflikten werden Probleme strittig, denen sich niemand durch die allgemeinen Freiheitsrechte entziehen kann. Man denke an ökologische und ökonomische Problembereiche, wissenschaftliche und technische Möglichkeiten mit Auswirkungen auf die Zukunft und das Leben überhaupt. Man denke an die Bedeutung der Nachhaltigkeit.
== 5.2 Religiöse und politische Bildung =
Zu bedenken sind in der Folge auf dem Hintergrund der angesprochenen Unterscheidungen Gemeinsamkeiten und Unterschiede von religiöser und politischer Bildung bzw. Erziehung (vgl. RUPPE-SCHEILKE-SCHMIDT? 2002, 178-181).
In religiösen Bildungsprozessen geht es vorrangig um kulturelle Erinnerungsfähigkeit in Überzeugungen, Lebensdeutungen und Lebensführungsmuster. Elemente sind etwa die Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit, Hoffnung und Solidarität.
Nicht ohne biblisch überlieferte Geschichten geht es um geistige Prinzipien, Erfahrungen der Menschen in der Deutung mt der Begegnung im Handeln Gottes. Die Weitergabe wird zu einer Welt- und Lebensdeutung ausgeweitet. Jenseits aller intentionaler Bildungsanstrengungen stehen die indirekten Erziehungseinwirkungen in den sozialen und (inter-)kulturellen handlungsräumen. Nicht nur institutionelle Lehre, auch eigener Lebensort als Lernorte sind zu gestalten (vgl. formale bzw. non-formale Bildung, formales bzw. informelles Lernen). Reflexion eigener religiöser Praxis und Entscheidungen in Verbindung mit Toleranz gegenüber den Anderen gehören in die religiösen Bildungsprozesse.
In der politischen Bildung bedarf es analog einer Handlungsfähigkeit, Urteilsfähigkeit, des Bezugs zu einem Grundrechtskatalog und didaktisch eines Überwältigungs- und Indoktrinationsverbots.
Der konfessionelle Religionsunterricht besitzt demnach große Ähnlichkeiten. Allerdings kennt schulische "Politische Bildung" kein Recht auf Nichtteilnahme.
Hier ist ebenso die zentrale Frage der öffentlichen Erörterung und Meinungsbildung im besonderen verfassungsrechtlichen Schutz.
= 6 Perspektiven zukunftsfähiger religiöser Bildung =
Zur Orientierung für religiöse Bildung sollen in der Folge Perspektiven benannt werden (vgl. KROPAC 2009, 367-372) .
In einer pluralen Gesellschaft steht das religiöse Feld in Ambivalenzen, wobei ein Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme und persönlicher Lebensfragen wiederentdeckt wird. Aufgabe ist nicht eine Lösung, vielmehr eine kritisch - konstruktive Bearbeitung.
Religiöse Bildung befähigt Lernende zu eigenständigen Verhaltensweisen einer Weltbegegnung im Kontext anzubietender Politscher Bildung und Interkultureller Kompetenz.
Für eine Zukunftsfähigkeit ist die Unterscheidung von Religion, Religiosität und Religionskultur grundlegend. Individuelle Religiosität (Mikroprozesse/ Innenperspektive) ist neben Religion eine eigenständige Größe, Religionskultur (Makroprozesse/ Außenperspektive) beeinflusst die Voraussetzungen und die Inhalte.
Religiöse Bildung geht nicht in religiöser Kompetenz auf, hat sich im Status der Fächer im Bildungsdiskurs zu stellen. Es geht demnach um reflexive Kompetenz, moralische und religiöse Haltungen, eine Teilnehmerperspektive bzw. soziale Kompetenz und Lernkompetenz im Methodenrepertoire und einer Fachdidaktik.
Eine Forderung besteht grundlegend als "learning from/ through religion".
= Literaturverzeichnis =
Dowley T./ Briggs J.- Linder R.- Wright D. (1979): Handbuch. Die Geschichte des Christentums, Wuppertal
Fried J. (2021): Jesus oder Paulus. Der Ursprung des Christentums im Konflikt, München
Karrer M. (1998): Jesus Christus im Neuen Testament, GNT 11, Göttingen
Kropac U.(2009): Religion - Religiosität - Religionskultur. Ein Grundriss religiöser Bildung in der Schule, Stuttgart
Meeks W. A .(1993): Urchristentum und Stadtkultur. Die soziale Welt der paulinischen Gemeinden, Gütersloh
Nipkow K.E.- Schweizer Fr. (Hrsg.) (1994): Religionspädagogik. Texte zur evangelischen Erziehungs- und Bildungsverantwortung seit der Reformation, Bd. 2/2: 20. Jahrhundert, Gütersloh
Pollitt H.E. - Leuthold M. - Preis A. (Hrsg.) (2007): Wege und Ziele evangelischer Schulen in Österreich. Eine empirische Untersuchung, Münster - New York - München - Berlin
Rupp H. - Scheilke Chr. Th. - Schmidt H. (2002): Zukunftsfähige Bildung und Protestantismus, Stuttgart
Schröter J. (2017): Jesus von Nazaret - Jude aus Galiläa - Retter der Welt, Leipzig
Theißen G.(1979): Studien zur Soziologie des Urchristentums (WUNT 19), Tübingen
= Dokumentation der Ausbildung =
= Zum Autor =
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Jesus und kulturell - religiöse Kompetenz im Kontext einer Politischen Bildung und Interkulturellen Kompetenz sind aktuell in unserer Zeit. Medien und konfessionelle Erwachsenenbildung beschäftigen sich damit. An Theologischen Fakultäten besteht der Bedarf einer Forschungslage (vgl. SCHRÖTER 2017, 9, 31 - 45).
Es geht um den Wanderprediger aus Galiläa, den Unruhestifter von der römischen Verwaltung hingerichtet, den Schriften des Neuen Testaments und gelingendem Leben mit kulturell - religiöser Sinnhaftigkeit gegen Hoffnungslosigkeit.
Gesammelt wurden von den ersten Christen die Zeugnisse über Jesus und Erzählungen über sein Wirken. Es entstand im Lichte des Wirkens Jesu ein Bild von der Geschichte Israels, den Weissagungen der Propheten, die Rede von Christus.
Das Neue Testament versteht sich als Zeugnisse des Glaubens an Jesus Christus.
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1.1.1 Überreste |  |
1.1.2 Quellen |  |
2 Ein Jude aus Galiläa |  |
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Kulturell - religiöse Bildungsprozesse, angestrebt in einer Politischen Bildung bzw. Interkulturellen Kompetenz/ ICC, sind gekennzeichnet in einer Erinnerungsfähigkeit unserer Gesellschaft, Überzeugungsfähigkeit, Lebensbedeutung und Lebensführung (vgl. in der Folge RUPP - SCHEILKE - SCHMIDT 2002, 178-182).
Es geht um das kulturell und religiöse Gedächtnis, bedeutungsvoll als Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit, Hoffnung und Solidarität. In Europa sind diese Inhalte nicht ohne eine christliche Tradition in Glaubenserfahrung zu verstehen. Diese Erfahrung und Weitergabe erweitert sich zu einer Lebenserfahrung. Vor diesem Hintergrund versteht es sich, dass sich in Bildungs- und Erziehungsprozessen in Fragen religiöser Bildung und Politischer Bildung Unterschiede ergeben müssen.
Bildungsanstrengungen ergeben sich in indirekten Erziehungswirkungen und sozialen und kulturellen Handlungsräumen im Bildungssystem mit Lernprozessen. Wesentlich sind formale Bildung und non - formale Bildungsbemühungen (eigener Lebensort) mit ethischen Resonanzräumen.
Aktualität erfährt diese Bedeutung im öffentlichen Raum durch unterschiedliche kulturelle Herkünfte, religiöse Zugehörigkeiten und Lebensformen. Damit sind Lehr-, Lern- und Bildungsprozesse notwendig, beispielhaft als interkulturelle Bildung, Politische Bildung, Ethik und religiöses Grundwissen.
Bildungsinstitutionen sind nicht nur Orte des Wissenserwerb, durch die Bedeutung eines informellen Lernens und des Verlustes des Monopols der Wissenszugänge kommen auch andere Aufgaben dazu. Beispielhaft ist die Politische Bildung und Interkulturelle Kompetenz mit einem Orientierungswissen und einer Handlungskompetenz. In diesem Kontext ist neben dem Unterricht auch die Vermittlung von Lebensformen zu sehen.
Dazu gehört etwa die Religionsfreiheit mit ihrem Recht auf öffentlichen Raum, freiem Zugang zur Glaubensfreiheit und Gestaltung der (inter-) kulturellen Lebensform, einem weltanschaulich neutralen und pluralistischen Staat. Damit ist der Grund für eine Unterscheidung zwischen Politik bzw. Interkulturalität und Religion und die notwendige Bedeutung der entsprechenden Bildungsbereiche gegeben.
Der Bezug zum frühen Christentum und der Bildung hat einen festen Platz in der Beziehung von christlichem Glauben und Bildung (vgl. RUPP - SCHEILKE - SCHMIDT 2002, 17-28).
Ausgehend von der These, frühe Christen seinen kleine Leute aus der Unterschicht, sogar bildungsfern, was sich erst im Laufe des zweiten Jahrhunderts nach und nach geändert habe. Seit geraumer Zeit gibt es Untersuchungen der Soziologie, die diese Auffassung infrage stellen.
Es zeigt sich, dass die herkömmliche Zuordnung nicht so eindeutig ist (vgl. THEISSEN 1979, 267). Unter Hinweis auf 1. Kor 1, 26-28, umfassen die Gemeinden verschiedene soziale Schichten. Dieses Bild der gesellschaftlichen Wirklichkeit hinterlässt eine Analyse von Konflikten bei versteckten Wertsystemen und Verhaltensnormen (vgl. MEEKS 1993, 233-263).
In der Antike gehören wirtschaftlicher, gesellschaftlicher Einfluss und finanzieller Wohlstand sowie Zugang zur Bildung eng zusammen. Gebildete, Mächtige und Angesehene bilden eine gesellschaftliche Schicht. In der Folge kommt es zur Auseinandersetzung zwischen Christentum und antiker Philosophie, damit der Berührung des Christentums mit der Bildung der "paideia" und dem Zusammenhang von Lehren und Lernen. Im NT spielt dieser Kontext eine erhebliche Rolle (vgl. beispielhaft Mk. 10, 1; Mt 4.23; Mt 7.28; Mk. 4.23).
In der Antike wird mit "paideai" ein Lebenskonzept beschrieben, das eine prägende Größe des gesellschaftlichen Leben war. Die frühen Christen orientierten sich in ihrem privaten Leben daran. Neu war der Glaube an den auferstandenen Christus.
Im Verhältnis zur Bildung waren einige Grundlinien für das Verhältnis von Glaube und Bildung zu erkennen, die wesentlich Bedeutung haben. Nach RUPP - SCHEILKE - SCHMIDT (2002, 26-28) sind sechs Aspekte von Interesse.
Menschen werden mit verschiedener sozialen Herkunft zusammengeführt und Lernchancen ergeben sich daraus. Der Alltag ist mit dem Christusglauben zu verbinden. Damit ergibt sich eine Theorie eines umfassenden Bildungsprozesses als Verbindungsprozess. Frühchristliche Bildung geht um die Jesustradition mit der eigenen Situation exemplarisch zu verbinden. Antike Gesellschaften waren fester gefügt als moderne. Das Haus galt als zentrale soziale Einheit (vgl. Mk. 10). Bildung ohne religiöse Bildung erhebt keinen Anspruch auf Allgemeinheit.
Die Theorie der Bildungsferne lässt sich nicht bestätigen, vielmehr erweist sich das frühe Christentum als Lebens- und Lerngemeinschaft mit erfahrungsorientierten Bildungsprozessen. Die Vitalität der Bildungsprozesse hat die Ordnung von Inhalten immer wieder in Frage gestellt und damit neue Lernprozesse in Gang gesetzt. Dies zeigt sich zuletzt in der Reformation, den reformatorischen Kirchen und ökumenischen Bemühungen.
3 Zwei Jahrtausende Christenheit - Überblick |  |
Im Folgenden wird skizzenhaft auf die Entwicklung des Christentums bis hin zur Weltreligion im Kontext zur Politischen Bildung eingegangen. Basis ist das "Handbuch. Die Geschichte des Christentums" (vgl. DOWLEY - BRIGGS - LINDER - WRIGHT 1979).
Auch wenn das Christentum im Anfang nur wenige Anhänger in der abgelegenen römischen Provinz Judäa hatte, ist es in letzten Viertel des 20. Jahrhunderts zum Glauben ungefähr eines Drittels der Weltbevölkerung geworden. Es ist in mehr Völkern verwurzelt als irgendeine andere Religion. Die Vitalität ist bemerkenswert, weil Konkurrenz und Widerstand vorhanden war.
Bemerkenswert ist die Fähigkeit zu Erneuerung und Reform, wobei jede kirchengeschichtliche Epoche ihre Möglichkeiten und Herausforderungen hat.
Merkmale sind Lehre und Praxis der Apostel und wurden Maßstab für alle spätere Lehre und Praxis.
- Einfachheit, Gemeinschaft, Evangelisation und Nächstenliebe waren die Merkmale der ersten Christenheit.
- Man trennt(e) nicht nach Rasse, Nationalität, sozialem Status, Freiheit oder Geschlecht.
- Christliche Gemeinschaft gibt vielen Menschen ein Gefühl der Identität und einer Zugehörigkeit zu einer Gruppe.
3.1 Ausbreitung |  |
Die Ausbreitung nach dem ersten Jahrhundert öffnete sich für viele Menschen aus allen sozialen Schichten. Damit ergaben sich in der Folge die Möglichkeiten einer Abweichung vom Glauben (vgl. Gnostizismus, Marcionismus und Montanismus). Bedeutung erhielten die "Kirchenväter". Eine Stärkung erfuhr die Christenheit durch die Abfassung und den Gebrauch des "Apostolischen Glaubensbekenntnisses".
Reichsweite Verfolgung setzte im 3. und 4. Jahrhundert ein. Kaiser Konstantin hatte 313 das Christentum in den Status einer anerkannte Religion des Reiches erhoben. 395 wurde es zur einzig offiziellen Staatsreligion. Bereits früher hatte Armenien als erstes Land das Christentum als offizielle Religion übernommen.
Das 4. Jahrhundert bildete einen großen Wendepunkt in der Kirchengeschichte mit theologischer Arbeit (Ambrosius, Augustin, Gregor I.) und einem Wachstum der institutionellen Kirche. Die Katholische Kirche des Westens und Orthodoxe Kirche im Osten wurzeln in diesem Jahrhundert. In der Folge schien die Zivilisation des Westens auf dem Rückzug zu sein. Mit dem Zerfall des Römischen Reiches wurde die Kirche die einzige dominierende Institution in der Folge im Mittelalter. Die nationalen Orthodoxen Kirchen des Ostens rückten langsam unter der Führung des Patriarchen von Konstantinopel zusammen.
In Nordafrika erlag 707 die große Kirche Nordafrikas dem Ansturm dem Islam. Dieser entstand im Nahen Osten mit der Flucht Mohammeds aus Mekka nach Medina 622. Schnell verbreitet sich die Lehre bis Nordafrika. 732 hatte sich der Islam schon bis zum südfranzösischen Tours ausgebreitet, der Franke Karl Martell bot Einhalt.
Einige Gebiete in West-und Mitteleuropa wurden von Mönchen wie Columba und Columbanus missioniert, bedeutend war Bonifatius. Nach einer Phase der Stagnation kämpfte die christliche Gemeinschaft mit weltlichen Herrschern wie Karl d.Gr. um die Herrschaft über die institutionelle Kirche.
3.2 Reformbewegungen - Verbreitung |  |
Vom 10. Jahrhundert an lief eine Welle geistlicher Erneuerung. Cluny war der Ausgangspunkt einer Reformbewegung. Im folgenden Jahrhundert konnte mit Papst Gregor VII. eine Kirchenreform erreicht werden.
Andere Mönchorden ersetzten Cluny nach dem Erlahmen des Reformeifers im 11. Jahrhundert, etwa Franziskaner und Dominikaner. Orthodoxe Missionare erreichten im 10. Jahrhundert das russische Kiew. Dies ist der Beginn der Russisch-Orthodoxen? Kirche mit dem Anspruch der Nachfolge Roms und Konstantinopels. Die Zaren des 15. und 16. Jahrhunderts sahen Moskau als das "dritte Rom".
Innere Herausforderung stellten antihierarchische Bewegungen wie die Albigenser und Waldenser mit Unterdrückung durch die mittelalterliche Kirche und Flucht in abgelegene Alpentäler.
Christliches Denken kam im 12.und 13. Jahrhundert durch Peter Abaelard und Thomas von Aquin mit präzisen Formulierungen des Glaubens im Mittelalter.
Dem Höhepunkt unter Papst Innozenz III. folgte eine Periode des Niedergangs. Die Renaissance verzehrte Talent, Energie und Finanzen des Papsttums. Es begann in der Folge mit einer Sehnsucht zu geistlicher Stärkung und einem reformierten Katholizismus.
Mit Martin Luther und Johannes Calvin kam es zur protestantischen Reformation auf Kosten der kulturellen und religiösen Einheit Westeuropas und bis heute religiösen Vielfalt. Eine neue Periode des Wachstums legte den Grund zur Entwicklung der Religionsfreiheit und des Toleranzgedankens.
Das Werk Luthers gründete Lutherische Kirchen und ebenso Calvins Werk begründete Reformierte und Presbyterianische Kirchen in Westeuropa, Auswanderungsbewegungen nach Amerika und dem British Empire mit den Kolonien verbreiterten den Protestantismus weltweit.
Die Kirche in England wurde durch die Reformen geistlich erneuert. Mit der Trennung von Rom durch Heinrich VIII. 1532 entwickelte sich eine "Nationalkirche" ohne Papst mit einem mittleren Weg ("via media") zwischen Traditionen mittelalterlicher Kirche und neutestamentlichen Lehren. Die anglikanische Dimension einer regionalen Kirchenreform war bedeutsam, sie verlieh zudem dem englischen Nationalismus Auftrieb.
Der Puritanismus war bedeutend für seine Verbreitung im British Empire, Commonwealth und in der Auswanderung nach Nordamerika.
In der Folge verhärteten sich auf beiden Seiten die Fronten. Der Protestantismus wurde stärker institutionalisiert, die römische Inquisition und das Konzil von Trient mit seinen Beschlüssen folgten. Mit der Gründung der "Gesellschaft Jesu" 1540 von Ignatius von Loyola erneute sich die Römisch Katholische Kirche. Mit der erfolgreichen Arbeit der Mission der Jesuiten in S-Amerika? und SO-S-Asien? kam es zu weltweiter Verbreitung.
Protestantische Verbreitung außerhalb Europas in dieser Zeit gab es in den britischen Kolonien an der nordamerikanischen Atlantikküste durch die europäischen Auswanderungswellen.
3.3 Soziokulturelle - religiöse Bewegungen |  |
Neue Bewegungen begründeten sich in der Vorbildwirkung eines apostolischen Christentums mit der Zuwendung zur Bibel und persönlichen Glaubenserneuerung im Protestantismus. Christen und Nichtchristen wurden zur Bekehrung gerufen.
Im 18. Jahrhundert entstand als Antwort auf die Aufklärung eine Erweckungsbewegung mit Beginn in Deutschland und einer Verbreitung nach Skandinavien und der Schweiz. Als "Pietismus" waren in der Bewegung Männer wie Philipp Jakob Spener, August Hermann Francke und Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf bedeutend. Pietisten überwanden ein Klassendenken, Bekenntnisunterschiede und betonten die Einfachheit des NT und die persönliche Erfahrung mit Christus.
Die gleichen Merkmale finden sich im 18. Jahrhundert in England und Nordamerika. Bedeutend war John Wesley mit seiner Bewegung und Entwicklung der Methodistischen Kirche, in der Folge stellen sich Gründungen verschiedener Kirchengemeinschaften wie Baptisten und Kongregationalisten im angloamerikanischen Raum ein. Eingeführt wurde ein volkstümlicher Stil evangelischer Predigt und die Betonung auf fröhliches Singen geistlicher Lieder. Soziale Veränderungen wie die Abschaffung der Sklaverei und eine Gefängnisreform wurden angeregt.
In Nordamerika ist die Erweckung verbunden mit den Namen Jonathan Edwards und George Whitefield (Mitarbeiter von John Wesley) bis zu Billy Graham. Die "Evangelisten" gewannen in der Folge an Bedeutung bis heute in der Grundstruktur christlichen Lebens. 1776 erhielt die Unabhängigkeitsbewegung kräftige Unterstützung durch die wichtigsten Kirchengemeinschaften. Nur die Anglikaner hielten sich zurück. Übertragen auf den Aufbau "Vereinigter Staaten von Amerika /USA" wird ein Staat mit christlichen Werten und republikanischen Prinzipien abgestrebt. Die neue Verfassung der USA, überwiegend ein Werk von Thomas Jefferson, kennt die Trennung von Staat und Kirche(n).
Die Französische Revolution von 1789 rief eine heftige Reaktion gegen die organisierte Religion und etablierte Kirche hervor. Die Ideen der Aufklärung und die Unterstützung der Monarchie durch die Kirche benutzten die Revolutionäre, die Kirche zu verbannen. In der Folge kommt es zu einem Kampf zwischen Kirche und Staat um Fragen der Erziehung.
3.4 Bedeutende Entwicklungen |  |
Die großen Veränderungen im 19. Jahrhundert bewirkten bedeutende Entwicklungen im Christentum, etwa Missionsbewegungen, so etwa konnte William Carey die "Baptist Missionary Society" begründen. Viele Missionsgesellschaften entstanden weltweit im Protestantismus. Europäische Pietisten gründeten in Basel 1815 eine Missionsschule.
Die europäischen Revolutionen von 1830 und 1848 hatten ohne Unterstützung der etablierten Kirchen auszukommen. Mit Papst Pius IX. entstand Widerstand gegen Modernismus, Republikanismus, Liberalismus, Sozialismus und Nationalismus. Sein Papsttum ist durch das "Verzeichnis der Irrtümer" 1864 und die Einberufung des I. Vatikanischen Konzils 1869-1870 mit dem Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit in Glaubenssachen und Lehre gekennzeichnet.
In England und Nordamerika arbeiteten Christen in einer Claphamgruppe für soziale Reformen für die Abschaffung der Sklaverei, im britischen Empire und mit parlamentarischen Initiativen wurde von Lord Shaftesbury eine Bergwerksreform und eine Fabriksgesetzgebung im Sinne von pietistischen Frömmigkeit geschaffen.
Mit Papst Leo XIII. beschäftigte sich das Papsttum mit der modernen Welt der Arbeitswelt und Folgerungen wie dem Marxismus.
Bedeutende Minderheiten von Christen erduldeten oftmals Unterdrückung, Verfolgung und angebliche Misshandlungen und führten bis zu europäischen Eingriffen in nichteuropäischen Ländern wie beim "Boxeraufstand" in China.
Wissenschaft und Religion setzten sich auseinander, etwa der Theorie von Charles Darwin über die Evolution und in Form des Darwinismus und evangelikalem Christentum des Schöpfungsglauben.
Der Erste Weltkrieg erschütterte die Christenheit mit dem zügellosen Nationalismus, ausbeutendem Imperialismus und massiven Militarismus.
3.5 20. Jahrhundert |  |
Der theologische Liberalismus stellte sich mit dem aktuellen Wissen, Denken und historischen Studium der Bibel. Man bediente sich wissenschaftlichen Methoden. Kritische Studien entstanden, in der Folge führt es zur "Fundamentalisten - Modernisten - Kontroverse" in Amerika. Die Debatte ging hier hauptsächlich um die Evolution und das "soziale Evangelium" (Social Gospel) mit seinem sozialen Engagement.
In der Folge übernahm der liberale Protestantismus die Führung mit dem Bemühen um die Einheit der Kirchen. Evangelikale reagierten misstrauisch auf ökumenische Bemühungen, als 1948 der "Weltrat der Kirchen" gegründet wurde.
In den ehemaligen Kolonien wuchsen einheimische Kirchen, die Katholische Kirche reagierte mit afrikanischen und asiatischen Kardinalernennungen.
Die Zeit war nicht frei von Christenverfolgung, in der Sowjetunion durch den Staat russische Orthodoxe und Baptisten und im Sudan Christen von Moslems.
Theologische Neuanfänge im Protestantismus sind verbunden mit Karl Barth und Reinhold Niebuhr.
Mit den Veränderungen in den sechziger Jahren als Periode der Veränderungen kam die Jesusbewegung und verstärkte die charismatische Bewegung. Das neue evangelikale Engagement fand eine Verstärkung mit der Wahl Jimmy Carters zum US - Präsidenten ("Südliche Baptisten").
Bedeutende Bewegungen traten in der Römisch - Katholischen Kirche mit Papst Johannes XXIII auf. Das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) brachte weitgehende Reformen in der Liturgie mit der Landessprache und Beziehungen zu anderen Christen.
Baptisten und besonders die Pfingstbewegung hatten ein bemerkenswertes weltweites Anwachsen.
3.6 Aktuelle Herausforderungen |  |
Tiefgreifend sind Reformen im politischen, sozialen und ökonomischen Bereich in Teilen der Welt, beispielhaft durch den Antikolonialismus, "Schwellenländer", Supranationale Zusammenschlüsse, Globalisierung und Digitalisierung. Das christliche Gewissen und die Ethik sind hier gefordert.
Institutionalisierte Kirchen sind zunehmend reformbedürftig in Kirchenmanagement, Religionspädagogik und Kommunikationsstrukturen (vgl. IT - Autorenbeiträge Kirchenentwicklung und Religionspädagogik).
Das Verhältnis zu Christen war und ist in der Beziehung zu Staaten zu ordnen, beispielhaft wie in Polen, der (ehemaligen) DDR, der (ehemaligen) Sowjetunion und international in China und islamischen Staaten.
Ökumene und der interreligiöse Dialog sind aktuell eine Herausforderung angesichts der Pluralität der Gesellschaft.
Letztlich stellt die Christenheit nur eine Minderheit unter der Weltbevölkerung dar. Die Welt ist durch Jesus Christus wie durch keinen anderen Menschen beeinflusst worden.
4 Erziehungs- und Bildungsdenken |  |
Die Entwicklung der Moderne erfordert eine Auseinandersetzung mit den Begriffen Erziehung und Bildung. Im Selbstverständnis des Autors folgt dies in evangelischer Perspektive. Besonders lutherisches Bestreben schärfte die Einordnung in Gottes weltliche Ordnung, man denke an die Ehe und den Staat.
Für die göttliche und weltliche Ordnung wurde der Begriff "Erziehung" vorgezogen (vgl. den alten Begriff "Zucht"). Im "Kulturprotestantismus" folgte mit dem Begriff "Bildung" auch die Auseinandersetzung mit "Kultur".
4.1 Bildungsbegriff |  |
Der vielschichtige Begriff Bildung in der deutschen pädagogischen Leitkategorie bei Herder, Goethe, Wilhelm von Humboldt und Hegel macht die Begrifflichkeit im Gegensatz zum angelsächsischen "education" nicht einfacher. Goethes Bildungsroman "Wilhelm Meisters Lehrjahre" machte Epoche, Humboldts Ideen mit der Neukonzeption der Berliner Universität, des Königsberger und Litauischen Schulplan für das Gymnasium 1809 mit wenigen Fächern und des Hegelschülers Johannes Schulze 25 Jahre später mit 14 Fächern hatte praktische Auswirkungen bis heute.
Bildung wird allgemein als Allgemeinwissen mit Breitenwirkung (Allgemeinwissen) und einer Vollständigkeit mit Bestand gesehen. In der Folge wird Bildung als andauernder Prozess verstanden wird und entwickelt sich in "Allgemeinbildung" und "Berufsbildung" im Sekundar-, tertiären und quartären Bildungsbereich (vgl. aktuell "lebensbegleitendes Lernen" und damit Bildung).
Religionsgemeinschaften denken an sich in ihrem abgeschlossenen Raum kaum pädagogisch.
Das evangelische Christentum bedient sich im historischen Wandel pädagogischer Denkfiguren, die dem eigenen Selbstverständnis dienen. Politische und gesellschaftliche Kräfte haben Rückenwind evangelischer Theologie verliehen (vgl. RUPP-SCHEILKE-SCHMIDT? 2002, 51). Einer Affinität des Protestantismus zu Bildung und früher zur Erziehung hat schrittweise und in der Folge in einem "Evangelischen Schulwesen" liberale, emanzipatorische und (selbst-)kritische Dimensionen angenommen (vgl. RUPP-SCHEILKE-SCHMIDT? 2002, 65-74 zum Pluralismus in kirchlichen Schulen; NIPKOW - SCHWEIZER 1994).
4.2 Erziehungsbegriff |  |
Sieht man sich den Erziehungsbegriff an, ist diese ebenfalls einem historische-gesellschaftlichen Wandel ausgesetzt. Um 1930 wurde er ordnungstheologisch und ordnungspädagogisch ausgelegt. 40 Jahre später stand die "antiautoritäre Erziehung" zur Diskussion. In der Folge gab es einen "Mut zur Erziehung", der die aktuelle "Werteerziehung" entgegengesetzt wird. Die deutschsprachige Diskussion ist nach wie vor komplex, "education" im angelsächsischen Verständnis beinhaltet Lehre und Erziehung.
Die aktuelle Terminologie beinhaltet die Verbindung Bildung und Erziehung bzw. Kompetenz, beispielhaft erkennt man dies in der Politischen Bildung/Erziehung, Interkulturellen Kompetenz/Interkulturellen Bildung, Umwelterziehung/ökologischen Bildung und kulturell -religiösen Kompetenz/ Bildung (vgl. RUPP- SCHEILKE-SCHMIDT? 2002, 63).
4.3 Evangelisches Bildungsdenken |  |
Evangelisches Bildungsdenken geht von menschlichen Begabungen und "Kräften" als Gottes Gaben aus, die zu fördern sind, die wertvollen gegen die destruktiven.
Im Wechselverhältnis von Gesellschaft ("Kultur") und persönlichen Dispositionen ("Natur") setzt die wissenschaftliche Erziehung und Bildung an. Hier setzt Evangelisches Schulwesen an (vgl. RUPP - SCHEILKE - SCHMIDT 2002, 65-74; POLLITT -LEUTHOLD - PREIS 2007).
"Wenn man unter Demokratie mehr als ein Regelwerk des politischen Systems verstehen will, dann ist es in historischer Perspektive evident, dass sich die moderne Demokratie in vieler Hinsicht der Christentumsgeschichte verdankt" (vgl. RUPP-SCHEILKE-SCHMIDT? 2002, 169).
Menschenwürde, Gleichheit vor dem Gesetz, Religion und Politik als Quelle aller Gewaltenteilung, alles ist christlich-religiös begründet. Dennoch ist zu bedenken, dass die christliche Religion bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein die neuzeitliche Entwicklung der Demokratie nicht gerade gefördert hat.
Man könnte vor diesem Hintergrund religiöse Bildung in die Nähe der politisch-demokratischen Bildung rücken. Der Vorwurf, der "problemorienierte Religionsunterricht" sei von Sozialkunde nicht mehr zu unterscheiden, war in der Praxis als Differenz oft nicht mehr erkennbar.
Mit der Wiederentdeckung religiöser Bildungsgestalten wurde ein Beitrag zur Unterscheidung zwischen Religion und Politik geleistet.
In der Unterscheidung von Religion und Politik liegt ein Perspektivenwechsel in der Bewertung der Zwei - Regimenter - Lehre Luthers nahe.
Politisches Handeln sieht sich vor die Alternative gestellt, entweder als Versöhnungsimpuls ("Konsens") oder als interessensgeleitetes Agieren (machtpolitisch bezogen) ausgelegt wird.
Auffällig ist bei der Zwei - Regimenter - Lehre die Auslegung, wenn Handeln im Beruf/ Alltag und einer Regierung religiöse Autorität abgeleitet wird.
- Gewissen und Glauben entfalten eine Dialektik der Freiheit des Christenmenschen mit seiner Befähigung zu Gehorsam (Selbstbindung an das Gewissen).
- Darin liegt nach Luther die Grenze gegenüber dem Anspruch einer weltlichen Macht, wenn in autoritären Systemen mit Widerstandelementen dem "Volk" die Ausführungsgewalt, im Sinne christlicher Herrschaft, zugerechnet wird (vgl. die Befreiungstheologie, Willensbildungen in der "Wende").
- Eigentlich geht es um die Problematik einer politisierenden Theologie und Theologisierung des Politischen.
- In einer solchen Form von Konflikten werden Probleme strittig, denen sich niemand durch die allgemeinen Freiheitsrechte entziehen kann. Man denke an ökologische und ökonomische Problembereiche, wissenschaftliche und technische Möglichkeiten mit Auswirkungen auf die Zukunft und das Leben überhaupt. Man denke an die Bedeutung der Nachhaltigkeit.
5.2 Religiöse und politische Bildung |  |
Zu bedenken sind in der Folge auf dem Hintergrund der angesprochenen Unterscheidungen Gemeinsamkeiten und Unterschiede von religiöser und politischer Bildung bzw. Erziehung (vgl. RUPPE-SCHEILKE-SCHMIDT? 2002, 178-181).
In religiösen Bildungsprozessen geht es vorrangig um kulturelle Erinnerungsfähigkeit in Überzeugungen, Lebensdeutungen und Lebensführungsmuster. Elemente sind etwa die Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit, Hoffnung und Solidarität.
Nicht ohne biblisch überlieferte Geschichten geht es um geistige Prinzipien, Erfahrungen der Menschen in der Deutung mt der Begegnung im Handeln Gottes. Die Weitergabe wird zu einer Welt- und Lebensdeutung ausgeweitet. Jenseits aller intentionaler Bildungsanstrengungen stehen die indirekten Erziehungseinwirkungen in den sozialen und (inter-)kulturellen handlungsräumen. Nicht nur institutionelle Lehre, auch eigener Lebensort als Lernorte sind zu gestalten (vgl. formale bzw. non-formale Bildung, formales bzw. informelles Lernen). Reflexion eigener religiöser Praxis und Entscheidungen in Verbindung mit Toleranz gegenüber den Anderen gehören in die religiösen Bildungsprozesse.
In der politischen Bildung bedarf es analog einer Handlungsfähigkeit, Urteilsfähigkeit, des Bezugs zu einem Grundrechtskatalog und didaktisch eines Überwältigungs- und Indoktrinationsverbots.
Der konfessionelle Religionsunterricht besitzt demnach große Ähnlichkeiten. Allerdings kennt schulische "Politische Bildung" kein Recht auf Nichtteilnahme.
Hier ist ebenso die zentrale Frage der öffentlichen Erörterung und Meinungsbildung im besonderen verfassungsrechtlichen Schutz.
6 Perspektiven zukunftsfähiger religiöser Bildung |  |
Zur Orientierung für religiöse Bildung sollen in der Folge Perspektiven benannt werden (vgl. KROPAC 2009, 367-372) .
In einer pluralen Gesellschaft steht das religiöse Feld in Ambivalenzen, wobei ein Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme und persönlicher Lebensfragen wiederentdeckt wird. Aufgabe ist nicht eine Lösung, vielmehr eine kritisch - konstruktive Bearbeitung.
Religiöse Bildung befähigt Lernende zu eigenständigen Verhaltensweisen einer Weltbegegnung im Kontext anzubietender Politscher Bildung und Interkultureller Kompetenz.
Für eine Zukunftsfähigkeit ist die Unterscheidung von Religion, Religiosität und Religionskultur grundlegend. Individuelle Religiosität (Mikroprozesse/ Innenperspektive) ist neben Religion eine eigenständige Größe, Religionskultur (Makroprozesse/ Außenperspektive) beeinflusst die Voraussetzungen und die Inhalte.
Religiöse Bildung geht nicht in religiöser Kompetenz auf, hat sich im Status der Fächer im Bildungsdiskurs zu stellen. Es geht demnach um reflexive Kompetenz, moralische und religiöse Haltungen, eine Teilnehmerperspektive bzw. soziale Kompetenz und Lernkompetenz im Methodenrepertoire und einer Fachdidaktik.
Eine Forderung besteht grundlegend als "learning from/ through religion".
Literaturverzeichnis |  |
Dowley T./ Briggs J.- Linder R.- Wright D. (1979): Handbuch. Die Geschichte des Christentums, Wuppertal
Fried J. (2021): Jesus oder Paulus. Der Ursprung des Christentums im Konflikt, München
Karrer M. (1998): Jesus Christus im Neuen Testament, GNT 11, Göttingen
Kropac U.(2009): Religion - Religiosität - Religionskultur. Ein Grundriss religiöser Bildung in der Schule, Stuttgart
Meeks W. A .(1993): Urchristentum und Stadtkultur. Die soziale Welt der paulinischen Gemeinden, Gütersloh
Nipkow K.E.- Schweizer Fr. (Hrsg.) (1994): Religionspädagogik. Texte zur evangelischen Erziehungs- und Bildungsverantwortung seit der Reformation, Bd. 2/2: 20. Jahrhundert, Gütersloh
Pollitt H.E. - Leuthold M. - Preis A. (Hrsg.) (2007): Wege und Ziele evangelischer Schulen in Österreich. Eine empirische Untersuchung, Münster - New York - München - Berlin
Rupp H. - Scheilke Chr. Th. - Schmidt H. (2002): Zukunftsfähige Bildung und Protestantismus, Stuttgart
Schröter J. (2017): Jesus von Nazaret - Jude aus Galiläa - Retter der Welt, Leipzig
Theißen G.(1979): Studien zur Soziologie des Urchristentums (WUNT 19), Tübingen
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