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Sozialpsychologie - Eine Annäherung an Theorie und Praxis
Reihe Fachwissen 26 |  |
Sozialpsychologie - Eine Annäherung an Theorie und Praxis mit Teilbereichen |  |
Günther Dichatschek
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Einleitung |  |
Die Thematik umfasst die psychologischen und sozialen Prozesse, menschliches Sozialverhalten mit den Phänomenen wie Vorurteile, Altruismus oder Kooperationen.
Die Studie findet ihre Begründung in den relevanten Theorien, Modellen und Forschungserkenntnissen als grundlegendes Fachwissen (vgl. STÜRMER, 2009, 9 - 14).
Einführend werden soziale Kognitionen, Attributionen, soziale Beziehungen und Einstellungen, prosoziales Verhalten, Gruppen in Arbeiten und Intergruppenverhalten behandelt.
Ziel ist ein Grundwissen/ eine Basis ("Schlüsselwissen") mit einer Annäherung in die umfangreiche Fachliteratur.
Das didaktische Konzept beruht auf der Vermittlung
- zentraler Begriffe,
- grundlegender Theorien,
- Modelle und
- Forschungsansätze.
Hilfreich sind die Fachliteratur und der Bezug zu Themenbereichen.
Für den Autor ist der Ausgangspunkt seine Ausbildungs- und Berufsbiographie.
Basis der reichhaltigen Fachliteratur bilden die Publikationen von ARONSON - WILSON - AKERT 2004 und STÜRMER 2009 und eigene Arbeiten, die in die Teilbereiche Teil II einfließen.
Die Gliederung der Studie ergibt sich aus einem
- Teil I Begrifflichkeit und Bestimmung, Methoden der Sozialpsychologie - Grundbegriffe, Forschungsmethoden, Ethische Aspekte, Soziale Kognitionen - Begriffsbestimmung, Soziale Informationsverarbeitung, Soziale Bedürfnisse, Soziale Erklärungen, Aufrechterhaltung von sozialen Beziehungen - Stabilität von Beziehungen, Identität - Selbsterkenntnis, Selbstkomplexität, Selbst in Aktion
- Teil II Teilbereiche Gesundheit, Umwelt, Interkulturalität, Menschenführung, Sport, Religion, Sozialpartnerschaft, Medien, Führungskräfte und Gender.
Teil I Theorie |  |
1 Begrifflichkeit und Bestimmung |  |
Die Sozialpsychologie als Teildisziplin der empirischen Psychologie untersucht Erleben und Verhalten von Menschen in (sozialen) Situationen mit Kognitionen, Emotionen, Motiven und Handlungen (vgl. ARONSON - WILSON - AKERT 2004, 6 - 8; STÜRMER 2009, 11 - 12).
Eine Erkenntnisgewinnung bedient sich der
- Beobachtungsverfahren
- Erkenntnisse der psychologischen Theorien und Erkenntnisse
- Erklärung und Lösung praktischer Probleme etwa der
- Arbeits- und Organisationspsychologie,
- Gesundheitspsychologie,
- Rechtspsychologie,
- Werbepsychologie,
- Vorurteilsforschung,
- Kooperationsprozesse,
- Politische und Interkulturelle Bildung und
- Aggressionsforschung.
Eine gemeinsame Prämisse in den vielen sozialen Phänomenen ist
- die Wahrnehmung der sozialen Realität und
- die Verhaltensgleichung mit der Beschreibung menschlichen Verhaltens (V) als Funktion von Personenfaktoren (P) und Umweltfaktoren (U) > V = P + U (vgl. LEWIN 1951).
Beispiel - Politische und Interkulturelle Bildung
Versöhnungsprozess in langem politischem Konflikt (vgl. STÜRMER 2009, 13)
- Interpretation von Versionen einer Rede > Mitgefühl
- Vertrauensmaß > Versöhnungsbereitschaft
- Auf-und Ausbau einer Versöhnungsbereitschaft > Gesprächsbereitschaft (vgl. etwa Interkulturelles Konfliktmanagement)

2 Methoden der Sozialpsychologie |  |
Wissenschaftlich beschäftigt sich Sozialpsychologie mit einer Gesetzmäßigkeit im Verhalten von Menschen, sozialem Verhalten und dem Erstellen von Theorien und Hypothesen sowie der intersubjektiven Nachvollziehrbarkeit (vgl. STÜRMER 2009, 16).
2.1 Grundbegriffe |  |
Klare Definitionen von Begriffen werden über Indikatoren erschlossen, womit Begriffe als hypothetische Konstrukte bezeichnet werden (vgl. STÜRMER 2009, 17).
- "Hypothetische Konstrukte sind abstrakte theoretische Begriffe, die sich nicht direkt beobachten lassen. Erschlossen werden sie von Indikatoren".
- "Eine Variable bezieht sich auf die messbaren Indikatoren eines hypothetischen Konstrukts." Etwa Einstellungen einer Person gegenüber einer Gruppe durch vielfältige Verfahren messbar machen.
- Die Qualität der notwendigen Operationalisierung in einer empirischen Untersuchung und Gültigkeit der Schlussfolgerungen durch Datenerhebungen ist von hoher Bedeutung (Validität). In der Phase einer Operationalisierung wird ein hypothetisches Konstrukt in eine beobachtbare Variable überführt.
- "Der Begriff Konstruktvalidität bezieht sich auf eine beobachtbare Variable" .
- Ziel von Theorien ist menschliches Erleben und Verhalten zu erklären und vorherzusagen (vgl. "Wenn - dann - Sätze"). "Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie" (LEWIN 1951, 169).
Die Güte wissenschaftlicher Theorien zeigt sich in den Kriterien
- Innere Widerspruchsfreiheit - keine Aussage und das Gegenteil möglich
- Äußere Widersprüchlichkeit - kein Widerspruch zu einer geltenden Theorie ohne Spezifizierung
- Präzise Vorhersagen und Erklärung der Phänomene
- Prüfbarkeit der Hypothesen
2.2 Forschungsmethoden |  |
Alltäglich prüfen Menschen ihre Annahmen über die soziale Welt durch subjektive Beobachtung bzw. Informationssuche, die bestimmten Verzerrungen wie der Annahme der Informationen unterliegen (vgl. STÜRMER 2009, 19).
Zu den Datenerhebungen und Hypothesenprüfungen gehören systematische Methoden wie
- systematische Beobachtung - neuropsychologische und/ oder physiologische Messungen, Befragungen, Experimente (vgl. Überblick von Variabletypen nach REIS -JUDD 2000)
- Datenerhebung - Feld/ Umwelt oder im Labor
- Beschreibung - Vorhersage oder Erklärung sozialer Phänomene
- sozialpsychologisches Experiment - Manipulation und Kontrolle
- manipuliert (variiert) wird die Variable, die als Ursache angenommen wird
- kontrolliert werden Veränderungen von Ursache und Wirkung
Übersicht über Variabletypen - experimentelle Sozialpsychologie
Unabhängige Variable - Faktor, Treatment
Abhängige Variable - Ergebnisvariabel, Outcomevariable
Moderatorvariable - interagierende Variabel, vermittelnder Prozess
Störvariable - Confoundervariable
Quelle: modifiziert STÜRMER 2009, 23; REIS - JUDD 2000
Ein wichtiges Kriterium externer Validität ist die "Replizierbarkeit"/ Reliabilität mit Versuchspersonen aus anderen Populationen.
2.3 Ethische Aspekte |  |
Bestimmte Hinweisreize in der Untersuchungssituation können zu einer Verfälschung von Ergebnissen führen. Gerade bei der Untersuchung von negativen Verhaltensweisen kann eine Tendenz erwünschter Verhaltensweisen auftreten. Gerechtfertigt ist eine Täuschung der Versuchsperson, wenn man davon ausgehen kann, man würde sich anders verhalten.
Aus ethischer Sicht bleibt eine Täuschung problematisch. Ethische Richtlinien des "Berufsverbandes der Psychologen" wie
- Freiwilligkeit,
- keine schädigende Einflüsse oder Gefährdungen,
- unerwartete Belastungen (mit Verpflichtung zum Abbruch) und
- postexperimentelle Aufklärung sollen ein Höchstmaß an Sicherheit in einer Untersuchungsphase ergeben (vgl. ARONSON - WILSON - AKERT 2004, 54 - 56; STÜRMER 2009, 25 - 26).
3 Soziale Kognitionen |  |
Die Wahrnehmung sozialer Realität behandelt eine "subjektive" Konstruktion mit einem Zusammenspiel von "objektiven" Daten und Erwartungen sowie Zielen und Bedürfnissen (vgl. STÜRMER 2009, 28).
3.1 Begriffsbestimmung |  |
- Soziale Kognition bezieht sich auf einen Prozess des Erwerbs, der Organisation und Anwendung von Wissen über sich selbst und die Welt.
- Mentale Repräsentationen sind die Wissensstrukturen der Menschen im Gedächtnis.
Übersicht über Typen von Wissensrepräsentationen
- Schema - Wissen über bestimmte Personen, Ursachen von Ereignissen
- Skript - Wissen über zeitliche Abfolge
- Kategorie - konkrete Kategorien, soziale Kategorien und abstrakte Kategorien
- Stereotype - Merkmale von Gruppenzugehörigkeit
- Prototyp - idealtypische Merkmale einer Kategorie
- Assoziatives Netzwerk - Vielzahl von Konzepten mit komplexer Verbindung
Quelle: modifiziert STÜRMER 2009, 30
3.2 Soziale Informationsverarbeitung |  |
Der Verarbeitungsmodus von Informationen hängt vom Zusammenspiel (vgl. STÜRMER 2009, 33)
- von Anregung/ Stimulus und Vorwissen,
- der Menge der verarbeiteten Informationen und
- von automatischen und kontrollierten Verarbeitungsprozessen ab.
3.3 Soziale Bedürfnisse |  |
Menschen haben ein Bedürfnis nach Informationen über
- eine Grundlage für eine Beurteilung ihrer Umwelt,
- eine positive Selbstbewertung,
- eine Bestätigung ihrer Erwartungen, Überzeugungen und Einstellungen (vgl. FREY - BIERHOFF 2011; STÜRMER 2009, 36 - 37).
3.4 Soziale Erklärungen |  |
Es geht um Erklärungen für ein Verhalten anderer Menschen. Im Mittelpunkt steht die Attributionsforschung.
"Als Attribution werden die subjektiven Schlussfolgerungen des Wahrnehmens (eines beobachtbaren Verhaltens und/ oder Ereignisses) bezeichnet" (vgl. STÜRMER 2009, 32). Fritz HEIDER (1958), der Begründer der Attributionsforschung, sah diese Faktoren als Hauptgrund.
Übersicht über unabhängige Attributionsdimensionen
- Lokation - personale Faktoren/ interne und situative Umstände/ externe
- Stabilität - unveränderliche und/ oder veränderliche Ursachen
- Kontrollierbarkeit - Ursachen kontrollierbar und /oder unkontrollierbar
Quelle: ARONSON - WILSON - AKERT 2004, 115; STÜRMER 2009, 38
Übersicht über Attributionsprozess
- Personenattributionen - beobachtbare Personen
- Stimulusattributionen - Eigenschaften eines Reizes bzw. der Umgebung
- Umständeattributionen - verschiedene Zeitpunkte
Quelle: KELLEY 1973, 107 - 128 ; STÜRMER 2009, 39
Attributionsverzerrungen ergeben sich in dem Vorzug bestimmter Ursachenerklärungen, wobei drei Verzerrungen zu beobachten sind.
- Korrespondenzverzerrung - Neigung zu Dispositionen und Motiven von Personen, Vernachlässigung kultureller Faktoren
- Akteur - Beobachter - Divergenz - Aufmerksamkeit bei Verhaltensbeobachtungen
- Selbstwertdienliche Verzerrung - Leistungssituationen betroffen mit Schutz des Selbstwertgefühls
Quelle: STÜRMER 2009, 42 - 43
3.5 Aufrechterhaltung von sozialen Beziehungen |  |
Eine soziale Beziehung betrifft zwei Menschen in ihrer Interaktion mit einer Beeinflussung in ihrem Erleben und Verhalten.
Kennzeichnend sind
- die wechselseitige Abhängigkeit,
- die Partner unterschiedliche Ebenen ausüben (kognitiv, affektiv, sozial),
- die positive Beeinflussung und die gewisse Dauer.
Es geht im Folgenden um das Verhältnis des Nutzens und der Aufrechterhaltung (vgl. STÜRMER 2009, 46 - 47).
- Austauschprinzip - Geben und Nehmen von Ressourcen
- Gemeinschaftsprinzip - sozialer Austausch
- Bedürfnisprinzip - Hilfestellung und Unterstützung/ Mischformen
3.6 Stabilität von Beziehungen |  |
Im Mittelpunkt der Überlegungen steht das Konzept des "Commitment", das die innere Festlegung auf eine Beziehung bezeichnet mit den Faktoren (vgl. STÜRMER 2009, 48 - 49)
- Zufriedenheit - positive Gefühle für Partner
- Alternativen - andere Partnerschaft senkt
- Investitionen - Faktoren einer Kostspieligkeit
4 Identität - Selbsterkenntnis |  |
Sozialpsychologie befasst sich mit dem Umstand, dass Menschen sich selbst zum Gegenstand einer Reflexion machen können (vgl. ARONSON - WILSON - AKERT 2004, 148 - 185; STÜRMER 2009, 51 - 68).
- Menschen verfügen über ein selbstbezogenes Wissen.
- Dieses Wissen spielt eines zentrale Rolle für die soziale Informationsverarbeitung und eine Verhaltenssteuerung.
4.1 Selbsterkenntnis |  |
Der Begriff bezieht sich auf das Selbst und die Gesamtheit des Wissens in einer sozialen Welt verfügt. Das Selbstwertgefühl bezeichnet die Bewertung des Selbst, das gleichzeitig mit dem Begriff Identität verwendet wird (vgl. STÜRMER 2008, 52 - 54).
Zwei Forschungstraditionen prägen den Erkenntnisstand.
- Ansatz der nordamerikanischen Dimension der sozialen Kognitionsforschung
- Ansatz der europäischen Sozialpsychologie zu Intergruppenprozessen
Die Selbstkonzeptforschung nimmt an, die Selbstwahrnehmung stellt einen Spezialfall der Personenwahrnehmung mit unterschiedlichen Quellen dar. Beeinflusst wird der Prozess durch unterschiedliche Informationsverarbeitung und Motivation.
Charles COOLEY (1902) geht bereits in seiner (radikalen) Auffassung davon aus, dass Menschen ihre Vorstellungen über sich selbst in ihre Interaktionspartner hineinversetzen und ihre eigene Person aus deren Sicht definieren und bewerten (vgl. aktuell Perspektivenwechsel). Die Kernannahme der Selbstkonzeptforschung besteht hier in den sozialen Beziehungen.
Wesentlich ist die Kenntnis, wie das Wissen über die eigene Person repräsentiert ist. "Als Selbstschema werden aus vergangenen Erfahrungen abgeleitete kognitive Verallgemeinerungen über das Selbst bezeichnet, welche die Verarbeitung und Erinnerung der in sozialen Erfahrungen gewonnenen selbstbezogenen Informationen organisieren und steuern " (STÜRMER 2009,55 - 56).
4.2 Selbstkomplexität |  |
Selbstaspekte bezeichnen von Menschen Rollen, Beziehungen, Aktivitäten, Eigenschaften und Gruppenzugehörigkeiten mit kognitiven Informationen und affektiven Bewertungen.
Der Grad der Selbstkomplexität ergibt sich aus der Zahl voneinander unabhängigen Selbstaspekten.
- Hohe Selbstkomplexität - große Anzahl unabhängiger Selbstaspekte
- Niedrige Selbstkomplexität - wenige und voneinander verbundene Selbstaspekte
4.3 Variabilität des Selbst |  |
Die Selbstdefinition einer Person ist keine statische Größe, vielmehr variiert sie mit dem sozialen Kontext als Selbstdefinition oder auch individueller Identität (vgl. STÜRMER 2009, 58 - 60) .
- Personale Identität - unverwechselbare Person
- Soziale Identität - austauschbares Gruppenmitglied mit Differenzierung zwischen Eigen- und Fremdgruppe mit gruppentypischen Merkmalen (Werten, Normen und Einstellungen)
4.4 Konsistentes Selbst |  |
Stabilität und Konsistenz erzeugen
- Eingeschränkte Zugänglichkeit - Arbeitsselbstbild ("working self - concept") als eine Konzeption
- Selektive Erinnerung - autobiographische Erfahrungen als Lebensgeschichte
- Situative Faktoren - Attribution eigenen Verhaltens
- Schlüsseleigenschaften - begrenzte Zahl mit Hinweis auf Individualität
4.5 Das Selbst in Aktion |  |
Das Selbst ist nicht nur das Ergebnis von Umwelteinflüssen, sondern dass die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt gesteuert und reguliert wird. Zielgerichtetes Handeln setzt auf im Selbst repräsentierte Standards voraus (vgl. STÜRMER 2009, 62).
Die Aufmerksamkeit ist auf außen (Umwelt) und innen (Selbst) gerichtet. Erleben und Verhalten ergeben eine Theorie einer "Selbstaufmerksamkeit" (vgl. DUVAL - WICKLUND 1972).
- Diskrepanzen zwischen den beiden Faktoren können negativ unangenehme Emotionen und/ oder Selbstwertbedrohungen ergeben.
- Positiv können angenehme Emotionen und/ oder ein gesteigertes Selbstwertgefühl sich entwickeln.
- Ein gewisses Ausmaß an Selbstüberwachung/ Kontrolle orientiert sich an persönlichen Einstellungen in der jeweiligen sozialen Situation.
- Ein positives Selbstwertgefühl kann zu einer Selbstwertsteigerung und Selbstwerterhöhung führen (vgl. STÜRMER 2009, 65).
Zusammenfassend ergibt sich, das "Selbst" bildet eine komplexe kognitive Struktur, mit einer Vielzahl von Faktoren in der persönlichen Umwelt und spezifischen persönlichen Aktivitätskonzepten etwa Emotionen, Strategien und Einzel-und Gruppenphänomenen ( vgl. STÜRMER 2009, 67).
5 Einstellungen |  |
Die Einstellung ist die subjektive Bewertung eines Objekts (Produkte, Personen), den Verhaltensweisen, Symbolen und Begriffssystemen (vgl. STÜRMER 2009, 69 - 86; ARONSON - WILSON - AKERT 2004, 228 - 263).
5.1 Komponente - Stärke - Funktionen |  |
Die Sozialpsychologie befasst sich mit Einstellungen als kognitive, affektive und verhaltensbezogene Komponente (vgl. STÜRMER 2009, 70 - 74).
- Kognitive Komponente - Überzeugungen sind elementarer Teil
- Affektive Komponente - Gefühle oder Emotionen
- Verhaltensbezogene/ konative Komponente - eigenes Verhalten als Informationsquelle
Einstellungen wechseln auch in ihrer Stärke, wie in ihrer Wichtigkeit und Stabilität (vgl. STÜRMER 2009, 74 - 75). Die Einstellungszugänglichkeit hängt von der Geschwindigkeit der Person bei der Bewertung des Objekts ab.
Die folgenden vier Einstellungsfunktionen folgen einem Ansatz von KATZ (1967).
- Utilitaristische Funktion - persönliche Bedürfnisse
- Ich - Verteidigungsfunktion - Angst und Unsicherheit
- Wertausdrucksfunktion - Ausdruck des eigenen Ich
- Wissensfunktion - Information und Handlungsplanung/ evaluative Dimensionen
5.2 Einstellungsmessung |  |
Einstellungen sind hypothetische Konstrukte und damit nicht durch beobachtbare Verfahren erfassbar (vgl. STÜRMER 2009, 76 - 77).
Selbstberichtsverfahren in zwei Kategorien versuchen Einstellungen zu erfassen.
- Explizite Verfahren - Likert - Einstellungsskala: Items mit positiver oder negativer Überzeugung
- Implizite Verfahren - Angaben mit Beeinflussung der Motivation in der Befragung (Reaktivität)
- Beide Verfahren messen unterschiedliche psychologische Konstrukte, explizit bewusste und implizit unbewusste Einstellungen.
5.3 Einstellung - Verhalten |  |
Einstellung einer Person im Verhalten zu bestimmten Zielen (vgl. STÜRMER 2009, 79).
Das Korrespondenzprinzip versucht einen Einblick mit vier Elementen zu erreichen.
- Zielelement - Erreichung eines Ziels im Vorhaben
- Handlungselement - Verhaltensmöglichkeiten im Vorhaben
- Kontextelement - Zusammenhänge im Vorhaben
- Zeitelement - Zeitpunkt für das Verhalten
5.4 Einstellungsänderung |  |
Der Ansatz für eine Einstellungsänderung bezieht sich auf drei Möglichkeiten (vgl. STÜRMER 2009, 84 - 86).
- Förderung direkten Kontakts - Erfahrungen
- Verhaltensveränderung - Verhaltensanreize
- Überzeugung (Persuasion) - Wissensveränderung, Expertise, persönliche Relevanz, Attraktivität und Aktualität
6 Prosoziales Verhalten |  |
6.1 Begriffsbestimmung |  |
Unterschiedliche Begriffe und Bedeutungen werden in diesem Kapitel in der Sozialpsychologie verwendet. In der Literatur werden Verhaltensweisen bezeichnet, die in der Gesellschaft als vorteilshaft bzw. gewinnbringend für andere Menschen und/ oder bestehende Systeme definiert werden (vgl. ARONSON - WILSON - AKERT 2004, 402 - 437; STÜRMER 2009, 92; BIERHOFF 2009).
6.2 Helfen |  |
Verhaltensweisen verbessern und/ oder schützen das Wohlergehen des Empfängers in verschiedenen Dimensionen (vgl. STÜRMER 2009, 93).
- Planungsgrad - konkrete Tätigkeit - Person, Institution - Engagement
- Problembereich - Hilfegrad
- Kontaktart - direkt/ indirekt
6.3 Altruismus |  |
Im Vordergrund steht Uneigennützigkeit im Gegensatz zu einer egoistisch motivierten Hilfe/ sozialer Anerkennung.
In der Sozialpsychologie besteht weitgehend Einigkeit, der Altruismus und Helfen haben biologische Wurzeln und sind genetisch im Verhaltensschema der Menschen verankert. Man beachte in diesem Kontext die soziokulturelle Erziehung mit ihren Einflüssen (vgl. STÜRMER 2009, 94).
6.4 Sozialer Austausch |  |
Menschen helfen den Anderen, wenn sich ein Nutzen einstellt, eigene Ressourcen eingesetzt werden und ein Gegenwert dafür erhalten wird (vgl. STÜRMER 2009, 98 - 99).
Das Hilfeverhalten besteht in austauschtheoretischen Überlegungen mit einem Erfolg in eigenem Wohlbefinden mit einer Nutzenmaximierung.
Nutzenfaktoren im sozialen Austausch
- Materielle Konsequenzen finanzieller Aufwand - Gewinn
- Körperliche Konsequenzen - Gesundheit
- Soziale Konsequenzen - Anerkennung vs. Ausgrenzung
- Psychische Konsequenzen - Gefühle - Selbstwertgefühl, eigene Ideale und/ oder Konfrontation mit negativen Erscheinungen
6.5 Individuelle Persönlichkeitsmerkmale |  |
Die angeführten Dimensionen ergeben Erklärungsmuster, erklären aber nicht individuelle Persönlichkeitsmerkmale in der Ausübung eines prosozialen Verhaltens und einer Verweigerung.
- Prosoziale Persönlichkeit - dispositionelle Empathie/ Neigungen zum Wohlbefinden - dispositionelle Hilfsbereitschaft/ Selbstkonzept und Wahrnehmung
- Geschlechtsunterschiede - traditionelle Geschlechtsrollen - Hilfe in unterschiedlichen Bereichen (vgl. STÜRMER 2009, 105)
- Verweigerungsverhalten - Fluchtverhalten bei Ereignis, mangelhaftes Verantwortungsbewusstsein, mangelhafte Kenntnis von Hilfsleistung und Entscheidungsschwäche
- Fördermaßnahmen im Notfall
- Zeichen oder Rufe bei Notlagen
- Artikulieren der Lage
- Verantwortungsbewusstsein - Person ansprechen für Wahl der Hilfe
7 Gruppenverhalten |  |
Der Gruppenbegriff in der Sozialpsychologie wird unterschiedlich gesehen. Zumeist geht man von einem Verständnis von Gruppenprozessen und einer Bestimmung der Personen einer Gruppe aus (vgl. STÜRMER 2009, 132 - 136).
Eine soziale Gruppe sieht sich als Mitglieder einer Kategorie mit emotionaler Bindung und gemeinsamer Selbstdefinition.
Kleingruppen wie Teams, Arbeitsgruppen und Massenbewegungen wie politische Formationen, zivilgesellschaftliche Bewegungen und Interessensverbände definieren sich in mit ihrer kollektiven Identifikation (Selbstkategorisierung in Form von Zielen, gesamtgesellschaftlichen Aufträgen und Programmen).
Verhalten der Gruppenmitglieder
- Gruppenlokomotion - Normen, Gruppenziele und Zielerreichung/ Möglichkeiten
- Aufrechterhaltung - Stabilität von Verhaltenserwartungen
- Interpretation der sozialen Wirklichkeit - Bewertung von Ereignissen im Diskurs
- Beziehungen zur sozialen Umwelt - Normen und Werte
7.1 Sozialer Einfluss |  |
Es geht um den Prozess/ Entwicklungsvorgang durch Einstellungen, Überzeugungen, Werte, Gefühle und Verhaltensweisen.
- Konformität - Veränderung von Verhaltensweisen und Einstellungen
- Informationaler Einfluss - mehrheitliche Überzeugungen, Einstellungen mit Interpretation der Realität/ Bedürfnisse
- Normativer Einfluss - Zugehörigkeit und Anerkennung
- Partizipation - Zusammenarbeit
7.2 Entscheiden - Arbeiten |  |
Wenn die Mehrheit eine bestimmte Position einnimmt, so können Gruppendiskussionen/ ein Diskurs zu einer extremeren Position führen.
Der Prozess wird als Gruppenpolarisation bezeichnet. Gruppendenken bezeichnet einen defizitären Entscheidungsprozess.
Ein Bestreben nach einer Konsenslösung entsteht in einer Gruppe mit proaktiver Ausrichtung (vgl. STÜRMER 2009, 143 - 145).
- Führung - keine direkte Rolle
- Diskussion - relevante Informationen einbringen
- Vorlegen abweichender Positionen - pro und contra
- Einbringen von Meinungen externer Experten
- Abstimmungen in geheimer Wahl
7.3 Intergruppenverhalten |  |
Die Sozialpsychologie spricht von Intergruppenverhalten, wenn das Verhalten zwischen Individuen weitgehend oder vollständig durch die Zugehörigkeit zu verschiedenen Gruppen bestimmt ist.
Typisch ist eine relative Gleichförmigkeit in den Einstellungen, Wahrnehmungen und Verhaltensweisen. Interpersonales Verhalten dagegen zeigt eine interindividuelle Variabilität (vgl. ARONSON - WILSON - AKERT 2004, 318 - 356, 480 - 524; STÜRMER 2009, 154).
- In Intergruppensituationen weist die Wahrnehmung auf den Stereotypen über die Gruppe. Die Mitglieder werden nicht als Individuen, vielmehr als austauschbare Teile der Gruppe wahrgenommen.
- Vorurteile ergeben sich aus zugeschriebenen Merkmalen, sind sie als Einstellungen aufzufassen.
- Soziale Diskriminierung bezeichnet die Ablehnung oder Benachteiligung von Personen durch ihre Gruppenzugehörigkeit.
- Als Stigma wird ein negatives Attribut verstanden.
Eine Verbesserung von Intergruppenverhalten ergibt sich durch
- Gemeinsame Ziele - übergeordnete Kontaktsituationen
- Kooperation - positive Interdependenz
- Gleicher Status - Kontakte auf gleicher Augenhöhe
- Soziale Kooperation - Unterstützung durch Normen oder Regeln
- Freundschaftspotenzial - Möglichkeit von Unterstützung und privaten Kontakten
- Wissenserwerb - neue Informationen - Einstellungsänderung
- Verhaltensänderung - neue Verhaltensweisen - Abbau von Vorurteilen
- Aufbau affektiver Verbindungen - Vertrautheit - Abbau von "Fremdangst"
- Neubewertung der Eigengruppe - Horizonterweiterung - Kritikfähigkeit
- Gruppenübergreifende Solidarität - Kritik sozialer Konstruktionen
Teil II Teilbereiche |  |
Die angeführten elf Teilbereiche werden in Anlehnung von ARONSON - WILSON - AKERT (2004, 538 - 615) unter sozialpsychologischen Dimensionen, sozioökonomischen, sozioökologischen und soziokulturellen Aspekten in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext skizziert.
Für die Themenwahl ist dominierend das Autoreninteresse.
8 Gesundheit |  |
8.1 Disziplin |  |
Gesundheitswissenschaften ("Public Health") stellt eine junge Disziplin dar (vgl. ARONSON - WILSON - AKERT 2004, 528 - 561; BORMANN 2012, 20-25).
Zwar wurden schon im 18. Jahrhundert Möglichkeiten der Förderung und Erhaltung von Gesundheit angesprochen (vgl. FAUST 1794).
Es entwickelt sich in der Folge ein Konzept der "Öffentlichen Gesundheitspflege" zur Verbesserung der Hygiene und Wohnbedingungen in Städten und zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten (vgl. HURRELMANN - LAASER - RAZUM 2016).
Public Health zielt im Gegensatz zur Medizin als einer Krankheitswissenschaft auf die gesundheitliche Lage und deren Verbesserung der Bevölkerung ab. Zusammengefasst werden die Disziplinen, die sich mit Gesundheit befassen.
Es geht um Gesundheitsförderung und psychosoziale und medizinische Versorgung.
Teildiszipline sind die Gesundheitsökonomie, Gesundheitspolitik, Prävention, Rehabilitation, Pflege, Arzneimittelversorgung und Zielgruppen.
8.2 Konzepte |  |
Eine allgemeingültige Definition von Gesundheit gibt es nicht, weil Gesundheit ein komplexes Konstrukt darstellt und die folgenden vier Aspekte bzw. Sichtweisen eine wesentliche Rolle spielen (vgl. ORTMANN 2004, FRANKE 2006, SCHMIDT 2007, BORMANN 2012):
- die medizinische Sichtweise auf Gesundheit und Krankheit (Krankheitsmodelle),
- die psychologische Sichtweise auf Belastungen, salutogenetische und subjektive Modelle,
- die soziologische Sichtweise und
- die juristische Sichtweise im Kontext zu Krankheit.
8.3 Psychologischer Aspekt |  |
Psychische Störungen und körperliche Symptome sind Ausdruck von intrapsychischen Konflikten und Schädigungen (psychodynamisches Modell).
Die Verhaltenstheorie geht davon aus, dass psychische Störungen und körperliche Symptome erlerntes Verhalten darstellen und sich daher im Laufe des Lebens herausbilden (kognitiv - behaviorales Modell).
Stress und Belastung ergeben Reaktionen des Körpers in drei Schritten im Alarmstadium, Abwehrreaktionen und Erschöpfungsstadium.
In der Salutogenese werden Schutzfaktoren und Ressourcen der Person vermehrt beachtet, damit biologische und psychosoziale Faktoren im gleichen Stellenwert im Kontext der Lebenssituationen und Lebenserfahrungen gesehen (vgl. ANTONOVSKY 1997)
8.4 Handlungskompetenz |  |
Entwicklungsperspektiven in der Gesundheitsbildung lassen sich in den Handlungskompetenzen erkennen.
- Statt einer einseitigen Wissensvermittlung sind die Lebenswelten der Lernenden und ihre biografischen Zugänge einzubeziehen.
- Themen ergeben sich aus handlungsorientierten Ansätzen (etwa erlebnis- und teilnehmerorientiert: Fallbeispiele, Projekte).
- Partizipative Konzepte und Selbstwirksamkeit sind hilfreich.
- In diesen Kontext passt reflexive Medienarbeit in einer Projektarbeit(vgl. MARCHWACKA 2014, 115-127). Themen einer Projektarbeit können die Auseinandersetzung mit Risiko- und Schutzfaktoren, Lebensstilen und Stärkung von Lebenskompetenzen sein.
http://www.netzwerkgegengewalt.org/wiki.cgi?Gesundheitsbildung#1Disziplin
9 Umwelt |  |
9.1 Umweltschutz als Aufgabe |  |
Eine Nutzung von Ressourcen der Natur hinterlässt vielfältige Wirkungen wie Abfälle, Abgase, Abwässer, Staub, Strahlen und Lärm/ "Emissionen".
Beeinträchtigungen in Lebensbedingungen und Gesundheit, in der Verringerung nutzbarer Rohstoffe, in der Bedrohung der Tier- und Pflanzenwelt, im Verlust landschaftlicher Schönheit, mittel- und langfristiger Klimaänderungen mit Folgen einer Versorgung von Nahrungsmitteln, Trinkwasser und der Besiedelbarkeit werden hervorgerufen (vgl. Globale Schäden wie Ozonschwund und zusätzlicher Treibhauseffekt werden in Prognosen erfasst. Umweltschutz wird zu einer Daseinsvorsorge (vgl. ARONSON - WILSON - AKERT 2004, 562 - 583; KAHLERT 2007, 430-431).
Unterschiedliche Interessen, Risikowahrnehmungen, Einschätzungen von Kosten - Nutzen - Faktoren mit Konsequenzen ergeben ein Aufgabenfeld der Politik, damit einen Bildungsauftrag für Politische Bildung.
"Nachhaltige Entwicklung" für eine Zukunftsgestaltung wird zum Leitbild.
9.2 Nachhaltige Entwicklung - Zukunftsgestaltung |  |
Der normativer Kern "Nachhaltiger Entwicklung" ist die Idee der inter- und intragenerationellen Gerechtigkeit im Hinblick schwindender natürlicher Ressourcen und einer abnehmender Fähigkeit von Ökosystemen, Emissionen aufzunehmen und einer zunehmenden Umweltzerstörung.
Das Konzept verpflichtet eine Sicherstellung, ein sicheres und autonomes Leben führen zu können. Auszugehen ist, die Lebensgrundlagen für alle heute und zukünftig zu sichern und bestenfalls wiederherzustellen (vgl. MEISCH 2014, 6).
Irreführend wäre, von einem genau zu definierenden Zustand "Nachhaltiger Entwicklung" zu sprechen, zumal es kultur-, ort- und zeitabhängige unterschiedliche Gestaltungsräume gibt.
Gründe sind die physischen und soziokulturellen Voraussetzungen in ihrer Unterschiedlichkeit (vgl. Ökosysteme, Gesellschaften und kulturellen Identitäten).
Zu beachten sind außerdem der Wandel der Voraussetzungen im Laufe der Zeit durch natürliche und soziale Prozesse sowie ethisch zu prüfende Vorstellungen (vgl. Klimawandel; Demographie, soziopolitische Umbrüche; Gerechtigkeit).
Die Transformation zu einer nachhaltigeren Gesellschaft ist ein wissensbasierter und ethisch orientierter Such-, Lern- und Erfahrungsprozess (vgl. GRUNWALD - KOPFMÜLLER 2012, 12).
Die Wissenschaft trägt durch bestimmte Wissensformen zu diesen Prozessen bei.
http://www.netzwerkgegengewalt.org/wiki.cgi?Umweltpaedagogik#1Einführung
10 Interkulturalität |  |
Interkulturelle Kompetenz ist zunehmend von Bedeutung in einer Gesellschaft geworden, die von Pluralität, Wandel, Widersprüchen, Unterschiedlichkeiten und Universalität in Ethnien, Bildung und Erziehung, Wirtschaft, Politik, Kultur, Religion und Recht gekennzeichnet ist.
Ein Zusammenleben in der Gesellschaft ist als Anspruch zu betrachten. Problembereiche wie politische Dimensionen, Wirtschaft, Kultur -Religion, das soziale Umfeld, geschichtliche Entwicklung und gesellschaftliche Veränderungen sind in bestimmten Gesellschaftsbereichen deutlich sichtbar und nicht isoliert vom gesellschaftlichen Kontext und der Entwicklung, also situationsbedingt, sind zu betrachten.
Interkulturalität hat große Chancen, geht es doch um Bereicherung, neue Entwicklungen und Entdeckung von Gemeinsamkeiten. Zu einem Schlüsselbegriff in der Organisationsentwicklung ist Interkulturelle Öffnung geworden. Menschen öffnen interkulturell Organisationen, Unternehmen, Betriebe und Institutionen.
Die Studie spricht Handlungsfelder an, wobei "Interkulturelle Kompetenz", "Interkulturelles Lernen/ Lehren" und "Interkulturalität" einen fortlaufenden Entwicklungsprozess darstellen. Die Vielfalt der Begrifflichkeiten, Definitionen und Konzepte beruht auf einem Kulturbegriff, der sich an einem konstruktivistischen Kulturverständnis als Gesamtheit der von Menschen im Zuge ihrer Sozialisation hervorgebrachten Voraussetzungen sozialen Handelns wie Lebens- und Arbeitsformen, Denk- und Handlungsweisen, Wertvorstellungen und geistigen Lebensäußerungen orientiert.
Dies erweist sich in den Begrifflichkeiten von Inter-, Multi- und Transkulturalität.
Die Studie geht in seinem grundlegenden Verständnis von Interkulturalität aus.
10.1 Diskurs |  |
Der Diskurs zwischen den Menschengruppen findet in Theorien, Handlungsfeldern und Systemen statt, die wandelbar und widersprüchlich sein können. Konkret zeigt sich dies in der Grundannahme, dass Strukturen und Institutionen die kulturelle Vielfalt der Gesellschaft widerspiegeln (sollen). Diese Diversity - Dimension wie etwa ethnische Zugehörigkeit, Alter, Behinderung, Geschlecht, sexuelle Orientierung und Religion bzw. Weltanschauung berühren individuelle, organisatorische und strukturelle Ebenen.
Konkret zeigt sich Interkulturalität in den unterschiedlichen Handlungsfeldern, etwa in sprachlicher Bildung bzw. Unbildung, erfolgreichen bzw. misslungenen schulischen bzw. universitären Abschlüssen, Inklusion bzw. Exklusion im Sozialbereich und wirtschaftlichem Erfolg bzw. Misserfolg. Interkulturelle Öffnung berührt die strategische Dimension. In den Mittelpunkt werden Beteiligung und Selbstbefähigung gestellt.
Daraus folgt, dass Interkulturelle Kompetenz selbst kein eigenes Handlungsfeld oder Handlungssystem bildet, vielmehr ganz bestimmte Elemente/Aspekte unter bestimmten theoretischen Erkenntnissen darstellt.
Interkulturelle Kompetenz beschränkt sich nicht nur auf bestimmte Anerkennungen und Werte, vielmehr ist sie auch bezogen auf die Interität - auf eine Verbindung von Kulturellem und Strukturellem in Form einer kulturell - sozialen Verteilung und wirtschaftlichen Interessen (vgl. NICKLAS - MÜLLER - KORDES 2006, 163).
Problembereiche sind die Identität(en), Geschlechter/ Mann - Frau, Generationen, Kulturen - Religion - Kulturindustrien, Migration, Bildungsinstitutionen, interkulturelles Management, interkulturelle Kompetenz, internationale Begegnungen, interkulturelle Bildung und rechtlich - politische Interventionen/ Mediation - Diskriminierung - Veränderungsperspektiven.
10.2 Folgerungen |  |
Interkulturelle Kompetenz realisiert sich auf der Interaktions- und Kommunikationsebene in face - to - face -Kontakten, bei denen die Personen wechselseitig in Kontakt treten. Eine entsprechende Didaktik hat diesem interkulturellen erkenntnistheoretischen Modell Rechnung zu tragen.
Als Kompetenz bedeutet das für pädagogisch Handelnde die Erkenntnis,
- in eine globale Gesellschaft eingebunden zu sein,
- Reichtum und Armut mit allen Widersprüchen und Ungleichgewichten zu sehen,
- Ursachen und Wirkungen von Migration analysieren zu können,
- Biographien und Familiengeschichten in ihrer transnationalen Vernetzung zu verstehen,
- international anerkannte Werte und Normen zu respektieren und
- an internationalen Netzwerken mitzuarbeiten bzw. sie aufzubauen.
Die Fähigkeit, interkulturelles Handeln vor dem Hintergrund einer Einwanderungssituation zu reflektieren und dieses Wissen für ein professionelles Handeln zu nutzen, ist keineswegs selbstverständlich. Es bedarf einer Vermittlung von Fort- und Weiterbildung sowie Studium (vgl. FISCHER 2011, 353).
Als Beispiel in der angelsächsischer Literatur geht es bei "key qualifications" im interkulturellen Kontext um
- "social competence"/skills: Kommunikation, Kooperation, Konfliktlösung und Sensibilität
- "method competence"/skills: Analysefähigkeit, Kreativität, Lernwillen und Rhetorik,
- "self-competence": Produktivität, Motivation, Flexibilität, Reliabilität, Unabhängigkeit, Anpassungsfähigkeit und Stressresistenz/Belastungsfähigkeit sowie
- "action competence": Umsetzung der eigenen Interessen/ "Realisierungsphase" (vgl. DEARDORFF 2009, 210 - 211).
Es lassen sich bei der dargestellten Systemebene drei Schlüsselthemen für eine interkulturelle Pädagogik mit ihren Teilbereichen - der Autor beschäftigt sich mit Vorberuflicher und Politischer Bildung sowie Erwachsenen- und Weiterbildungspädagogik/Hochschuldidaktik - herausfiltern( vgl. FISCHER 2011, 354):
Gesellschaftliche Ausgrenzungsprozesse im ökonomischen, politischen, rechtlichen, sozialen und kulturellen Bereich verlangen nach Gegensteuerung. Als eine Handlungsstrategie einer Inklusionspolitik/-pädagogik ergibt sich der Teilbereich Politische Bildung.
- Homogenität - Heterogenität:
Ethnonationale Vorstellungen treten in Gegensatz zur tatsächlichen Vielfalt der Bevölkerung. Mehrfachzugehörigkeiten prägen Identitätsentwürfe. Als Handlungsstrategie ergibt sich eine Anerkennungskultur mit der Akzeptanz von Mehrsprachigkeit, Mehrreligiosität und Vielfalt kultureller Deutungsmuster. Als kulturelle Orientierung in der Lebenswelt und bei notwendigen Ressourcen benötigt man einen Aufbau interkultureller Kompetenzen für reflexive und kommunikative Kompetenzen.
- Diskriminierung - Anerkennung:
Stereotype, Vorurteile, Stigmatisierungen, Etikettierungen, Rassismus und Gewalt gefährden einen demokratischen Zusammenhalt der Gesellschaft. Als Handlungsstrategie ergeben sich Strategien des Empowerment mit Stärkung der Autonomie und Selbsthilfepotenziale, vorurteilsfreie Erziehung und Bildung, antirassistische Erziehung und Bildung, Gewaltprävention und Konfliktmanagement sowie Resilienzförderung.
Diese Profile beziehen sich auf die Bewältigung von Problembereichen der Gegenwart mit gesellschaftlichen und individuellen Auswirkungen, damit um einen Beitrag zur Inklusion in der Gesellschaft.
Die Vielfalt kultureller Deutungsmuster soll dazu befähigen, sensibel mit erfahrbaren biographischen, milieuspezifischen, subkulturellen und spezifischen Kulturausdrucksformen umzugehen und Diskriminierungen zu vermeiden.
Personenzentrierte Haltungen wie Empathie, Authentizität, Akzeptanz, Ambiguitätstoleranz und Konfliktfähigkeit sollen den Zugang zu Menschen aus anderen Herkunftskulturen und Milieus erschließen.
Letztlich bedarf es eines Abbaues von Zugangsbarrieren, um Bildung und Öffnung von Organisationen für gesellschaftliche Partizipation, Berufsausübung, Kultur- und Religionsbelange und die Alltagsbewältigung umsetzen zu können.
Dazu bedarf es im Kompetenzbereich
- interkulturellen Wissens (Verständnis des Kulturkonzepts mit dem Orientierungssystem der fremden und eigenen Kultur, Abbau von Unsicherheiten, Kenntnis von Problempotenzialen und interkulturellem Konfliktmanagement sowie länderspezifisches Wissen),
- interkultureller Sensibilität (positive Einstellung zur fremden Kultur, Reduktion von Angst, Sensibilität für kulturbedingte Unterschiede, Motivation zu interkulturellem Leben, realistische Erwartungen, Weiterentwicklung von Persönlichkeitsmerkmalen/Unvoreingenommenheit-Weltoffenheit-Toleranz und Abbau von unzutreffenden Stereotypen) und
- interkultureller Handlungskompetenz (interkulturelle Handlungssicherheit und Kommunikationsverhalten sowie Fähigkeit zu Zusammenarbeit, Konfliktmanagement und dem Umgang mit einem Kulturschock).
Die drei Ziele ergänzen sich gegenseitig, ihre Grenzen sind fließend (vgl. HERBRAND 2002, 48-54).
Ergänzt wird der interkulturelle Lernprozess durch das Einbringen persönlicher innerer Werte mit den Fähigkeiten der Kreativität einer fremden Kultur und Kenntnis bzw. Möglichkeit und Notwendigkeit anderer Sprachen ("transcording"). Innerhalb der Innovationstheorie ist die "Diffusion" - als Vermittlungsprozess von Innovationen in Form von Ideen, Wissen und Technologien - von Interesse.
Zuständige Instanzen finden sich im Bereich der Wirtschaft und Medien. Besondere Bedeutung kommt
- den Multiplikatoren, Unterrichtenden, Beratern und Experten ("change agents"),
- den Unterstützern, Bildungsinstitutionen, Sozialpartnern und Medien ("change assistens") sowie
- den Betrieben/Inhabern, dem Öffentlichen Dienst und Leitungsorganen zu ("change champions").
- Diffusionsprozesse werden durch diese Akteure vermittelt.
- Innovationen müssen Vorteile bringen, verständlich und nicht zu komplex sein.
Interkulturalität bezeichnet demnach das Verhältnis zwischen unterschiedlichen Lebensformen (vgl. SCHRÖER 2011, 307). Der Begriff umfasst über Verhältnis von Einheimischen und Zugewanderten hinaus Unterschiede des Geschlechts, des Alters, der Religion, der sexuellen Orientierung und der sozioökonomischen Lage.
Interkulturelle Öffnung ist zu beachten, ist sie doch die Konsequenz einer solchen neuen Orientierung. Öffnung wendet sich gegen bewusste oder unbewusste Ausgrenzungen. Ziel ist der Abbau von Zugangsbarrieren und Ausgrenzungsmechanismen in den gesellschaftlichen Schichten und Institutionen.
Dazu dient das Konzept des "Diversity Management" mit seinen zwei Wurzeln (vgl. SCHRÖER 2011, 310-311):
- "Human Ressources Management" mit dem Kosten- und Erfolgsfaktor Mensch und der Anerkennung und Berücksichtigung der Unterschiede der Mitarbeiterschaft. Begründet durch die sozialen Strömungen, insbesondere in den USA, wurden die Unterschiede thematisiert und führten letztlich zur Anerkennung und Gleichberechtigung mit gesetzlichen Verpflichtungen, niemanden zu diskriminieren. "Diversity Management" greift Heterogenität auf und will sie zum Vorteil aller Beteiligten nutzen (SCHRÖER 2011, 311).
- Dabei geht es nicht um Assimilation und/oder Nivellierung von Unterschieden, vielmehr um Wertschätzung und Förderung. Die Stärke des Konzepts liegt in der Verankerung in allen Bereichen der Organisations- und Personalentwicklung von Betrieben, Unternehmungen und Institutionen, wenngleich in der Praxis häufig nur einzelne Schwerpunkte wie Frauenförderung und Behinderungen verfolgt werden (vgl. DEARDORFF 2009, 219-220).
Quelle: > http://oesterreich.orf.at/stories/2593570/ (18.7.2013)
Für eine interkulturelle Pädagogik muss beachtet werden, dass die Unterschiede nicht verwischt werden und das eigene persönliche und spezielle Profil erhalten bleibt. Eine Herausforderung für das Konzept ist allerdings der Machtaspekt, den Diversity Management eher verdeckt.
- Es fehlt die Thematisierung, dass es um Personen geht, die als Vertreter der Mehrheitsgesellschaft gegenüber Minderheiten, etwa Männer gegenüber Frauen, als Vorgesetzte Macht haben, ausüben und mit Sanktionen drohen können.
- Interkulturelle Beziehungen sind fast durchwegs durch Machtasymmetrie - Status-, Rechtsungleichheit, Wohlstandgefälle - gekennzeichnet. Dies bedeutet Dominanzkultur. Pädagogische Bemühungen sind demnach angesagt.
Von Bedeutung als interkultureller Ansatz ist die Theorie der kognitiven Dissonanz (vgl. ARONSON - WILSON - AKERT 2004, 188-190). In der interkulturellen Pädagogik geht es um ein Gefühl des Unbehagens, verursacht durch zwei oder mehrere widersprüchliche Kognitionen, in der Folge umgesetzt als Handlung, die einem positiven Selbstbild zuwiderläuft. Kognitive Dissonanz stellt das Unbehagen her und veranlasst die Person zu dem Versuch, dieses Unbehagen zu reduzieren. Es kommt zur Veränderung oder zur Rechtfertigung mit Veränderungen der dissonanten Kognition oder zur Rechtfertigung mit der Veränderung der Hinzufügung einer neuen Kognition. Die Klientel hat sehr wohl das Bedürfnis, eine Dissonanz entweder durch Veränderung ihres Verhaltens oder durch Rechtfertigung ihres früheren Verhaltens zu reduzieren, um dieses in eine positive Sicht zu bringen. Eine Änderung der Einstellung kommt durch einen Prozess der Selbstüberzeugung, womit ein Lernprozess seine Rechtfertigung findet (vgl. ARONSON - WILSON -AKERT 2004, 226). Damit ist ein Lernprozess mit pädagogischen Bemühungen verbunden.
Für den Bildungsprozess bedeutet Bilingualität einen besonderen Wert (vgl. MEISEL o.J., 7-8). Im Vergleich zum frühkindlichen Sprachenerwerb unterscheidet sich der Zweitsprachenerwerb Erwachsener dadurch, "[...] dass es zwar ebenfalls invariante Erwerbssequenzen gibt, nicht aber die gleichen, die im L1 Erwerb zu beobachten sind. Darüber hinaus verläuft der Erwerb langsamer, und man findet erhebliche individuelle Unterschiede im Verlauf und im letztlich erreichten Erfolg"(MEISEL o.J., 7). Der Gebrauch von Fremdsprachen hängt von soziolinguistischen Faktoren ab, wobei biographische Einflüsse eine Bevorzugung einer Sprache ergeben. Die Dominanz einer Sprache kann sich durchaus nach Lebensumständen, Einstellungen und Motivationen verändern. Hier spielt die Bildungs- und in der Folge Berufswahl eine Rolle.
Jacques LACANs Forderung nach Einordnung (Verständnis) und der Wertschätzung der Andersartigkeit erklärt dieses Konzept, das über die bisherige Praxis von interkultureller Bildung in homogenen Gruppen hinausgeht. Zu vermeiden sind demnach abwertende Haltungen, Etikettierungen ("labeling") und Einstellungen mit eigenen Aspekten ("resistance").
Im Lebensalltag der Migrationssituation, also um einen äußeren biographischen Wendepunkt bei einer formalen Veränderung und um einen inneren Wendepunkt im Sinne einer Autonomie, geht es um existentielle Fragen einer Person, ihr Milieu und um den Bruch in der Biographie (biographische Diskontinuität). Interkulturelle Pädagogik berücksichtigt das Vorwissen und Kenntnisse aus der Kultur in Verbindung mit Offenheit, Flexibilität, Interesse und kritischer Prüfung der eigenen Bemühungen. Im Diskurs tauschen sich Lernende und Lehrende aus, der in jedem Lern- und Lehrprozess benötigt wird. Michel FOUCAULTs Begriff, definiert als Verständnis in der Sprache von Wirklichkeit, weist auf die Bedeutung der Realität hin. Was darf, was soll, von wem, wie im täglichen Diskurs des Alltags gesagt/nicht gesagt werden? Damit ist auch das Konzept von "power/knowledge" angesprochen. Wie geht man mit Personen mit niedrigem Wissensstand um?
Für die interkulturelle Pädagogik hat dieses Konzept eine Bedeutung, geht es doch um eine Verbindung von Machtverhältnissen und Informationssuche. Wissensproduktion geht in eine bestimmte Richtung und betrifft Menschengruppen, Institutionen und Staaten. Es geht aber auch um Werteproduktion. Damit ist der Teilbereich Politische Bildung angesprochen.
Zu beachten ist jedenfalls, dass die Kenntnis und der Stellenwert eigener Kultur Voraussetzung ist, interkulturell verantwortungsvoll zu handeln. Nur wer die Ideen, Folgerungen für sich und seinen Kulturkreis kennt, ist in der Lage, interkulturell sich einbringen zu können (vgl. TARNAS 2001).
http://www.netzwerkgegengewalt.org/wiki.cgi?Interkulturelle__Kompetenz
Im sozioökonomischen Umfeld des gesellschaftlichen Umfeldes spielt in der Sozialpsychologie der Teilbereich Sozialpartnerschaft eine wesentliche Rolle.
- Die Sozialpartnerschaft galt als Erfolg der Zweiten Republik in Österreich (1945 - heute). Die günstige wirtschaftliche Konjunktur, eine niedrige Streikbilanz und der ausgebaute Sozialstaat standen im Kontext der Interessensvermittlung und Interessenspolitik (vgl. TALOS 2008, 7).
- Der gängigen Meinung, die Sozialpartnerschaft sei eine einmalige Ausprägung widersprechen ähnliche Formen in Schweden, den Niederlanden oder Norwegen (vgl. LEHMBRUCH 1985, 99).
- Allerdings in Österreich gibt es eine besondere Ausprägung des Korporatismus, mit hoher politischen Gewichtung und Stabilität.
- Die Thematik ist nicht verstehbar ohne ein Verständnis der Entwicklung des politischen Stellenwertes in der Einkommens-, Sozial- und Wirtschaftspolitik und der institutionellen Voraussetzungen der Strukturen.
Der Diskurs und die Analyse sind verortet in den Themenfeldern
- Korporatismus,
- der Konsens-, Verhandlungs- und Konfliktdemokratie,
- Soziokratie und Bürgerräte (Bundesland Vorarlberg).
11.1 Begrifflichkeit |  |
Österreich zählt zu den Ländern mit dem Typus der Proporz- bzw. Konkordanzdemokratie - Konsensdemokratie und des Neokorporatismus (vgl. SCHMIDT 2000, LEHMBRUCH 1996).
Diese Zuordnung stützt sich auf die jahrzehntelange dominierende politische Praxis des Duopols von SPÖ und ÖVP in der politischen Willensbildung und Entscheidungsfindung nicht nach dem Mehrheitsprinzip, vielmehr bestimmend in der Kompromissfindung durch Verhandlungen und Interessenabtausch, aber nicht allein als Entscheidungsmaxime (vgl. TALOS 2008, 9),
Die Verhandlungsdemokratie in Österreich zeigt sich als Konkordanzdemokratie in der Regierung und den Parteien sowie als Korporatismus in den Beziehungen zwischen den Dachverbänden der Interessensorganisationen.
11.2 Merkmale |  |
Beide Dimensionen sind Merkmale der Sozialpartnerschaft.
- Damit gilt Österreich als Musterland einer Verhandlungsdemokratie und Interessensvermittlung und Interessenspolitik.
- Es erweist sich die Interessensvermittlung und Politik als Verbund von Staat, Gewerkschaften und Unternehmerverbänden.
Diese besondere Form einer politischen Umsetzung ist zugleich eine stabile Ausprägung korporatistischer Interessenspolitik (vgl. LEHMBRUCH 1985).
Dieser Neokorporatismus verfügt über staatliche Anerkennung bzw. sogar Förderung innerhalb der vertretenen Bereiche. Als Gegenleistung sind bestimmte Auflagen bei der Auswahl des Führungspersonals und bei der Unterstützung zu beachten.
Zu unterscheiden sind ein staatlicher und gesellschaftlicher Korporatismus. Für LEHMBRUCH ist dies ein zentrales Merkmal der Durchdringung staatlicher Verwaltung und der Interessensorganisation in der Politikgestaltung.
Die verwendete strategische Option ist die Kompromissfindung.
Das politische Muster ist auf der Ebene der Bundesländer und Gemeinden wenig ausgeprägt.
IT - Hinweis
 https://www.sozialpartner.at/?page_id=127 (28.2.2025)
12 Menschenführung |  |
Menschenführung ist in der Sozialpsychologie ein soziales Verhalten von Personen oder Personenvereinigungen, andere Personen oder Gruppen durch Führung in eine gewünschte Richtung (Führungsziel) zu beeinflussen oder zu leiten (vgl. HUBER - METZGER 2004).
Menschenführung ist eine Unterart der Führung, zu deren Dimensionen noch Lebensführung und Unternehmensführung gehören. Dabei ist die Lebensführung meist eine Selbstführung.
12.1 Gesellschaftlicher Kontext |  |
Die Menschenführung vollzieht sich vor dem Hintergrund verschiedener gesellschaftlicher Kontexte wie Familie, Schule, Hochschule, Politik, Wirtschaft, Militär, Polizei und Sport innerhalb oder außerhalb einer Institution oder Organisation.
Das im 20. Jahrhundert arg strapazierte Führerprinzip wurde seit Mitte des Jahrhunderts jedoch im Grundsatz wegen seines impliziten Anspruchs absoluter Macht in der Gesellschaft abgelöst.
12.2 Leistungsprinzip |  |
In der modernen Industriegesellschaft steht insbesondere das Leistungsprinzip einer Organisation im Vordergrund.
Es stellt die Person des Leiters als eines (vorlaufend) Wissen, (initial) Auftrag und (begleitend) Arbeitsmotivation vermittelnden Mitglied einer Gruppe mit definierter Entscheidungsgewalt vor.
Je nach intellektueller und sozialer Kompetenz der Leitungspersonen verändert sich die herausgehobene Stellung im Selbstverständnis des Leiters oder auch im Verständnis der als „Gruppe“ oder „Personal“ Geführten von der Leitungsperson zur Führungskraft.
Die Attributionstheorie der Psychologie liefert Erklärungsmodelle für wiederkehrende Strategien der vereinfachenden Beschreibung komplexer sozialer Zusammenhänge in Industrie und Gesellschaft.
Der anthropologische Begründungsversuch behauptet, dass
- Menschen geführt werden müssen und dass
- Menschen geführt werden wollen.
Diese erste Begründung schließt Menschen aus, die sich nicht führen lassen wollen und sich auch so äußern. Es wird übersehen, dass individuelle Selbstbestimmung keineswegs impliziert, einem von Dritten erklärten höherwertigen Ziel zuzustreben oder gar zustreben zu müssen.
Der zweite Begründungsversuch zur Erklärung der Entstehung des Führungsphänomens ist funktionaler Art. Angenommen wird zunächst, dass viele Problemlösungen ein gemeinsames Tun erfordern. Im Rahmen einer solchen Wechselwirkung entsteht jedoch ein Koordinationsbedarf, der mit der Anzahl der Menschen an der gemeinsamen Problemlösung steigt.
Neben der Möglichkeit einer Kooperation durch Handlungskoordination mit Diskussion und Konsensfindung bietet sich zur Bewältigung des gegebenen Koordinationsbedarfs „Führung“ als Handlungskoordination an. Der funktionale Begründungsversuch besteht in der Führung aus einem gegebenen Koordinationsbedarf von Menschen im Rahmen gemeinsamer Problemlösungsversuche (vgl. WUNDERER 2003). Dabei wird jedoch die Differenzierung der Motivationstheorie in Leitung und Führung übersehen.
IT - Hinweis - Quelle
https://de.wikipedia.org/wiki/Menschenführung (7.12.2025)
13.1 Dimensionen |  |
Grundsätzlich kann zwischen zwei Dimensionen unterschieden werden als
- Inanspruchnahme für allgemeine politische Interessen und
- Förderung und Organisation des Sports.
Die Aktionsfelder besitzen durch die Medien (Print- und Digitalmedien) die Herstellung von Öffentlichkeit und damit allgemeine Politik, insbesondere länderspezifisch mit Lieblingssportarten (vgl. LAU - PLESSNER 2016).
Sport allgemein spielt eine Rolle in der Gesellschaft, als Bestandteil kulturellen Lebens im
- Breitensport,
- Spitzensport,
- Publikumssport und
- als Freizeitaktivität/ Freude an Bewegung.
"Sport gilt als eine körperliche Aktivität, freiwillig in Form von Übungen, Spielen und Wettkämpfen ausgeführt wird. Sport kann dazu dienen, die körperliche Fitness zu verbessern, Geschicklichkeit zu entwickeln, Wettbewerbsgeist und Gemeinschaftsgefühl zu fördern oder das persönliche Wohlbefinden zu stärken. Ausgeübt wird der Sport sowohl individuell als auch in Gruppen. Das Spektrum reicht von zweckfreien Freizeitaktivitäten bis hin zu professionellen Wettkämpfen. Sportorganisationen spielen oftmals eine wichtige Rolle, da sie den Ort für sportliche Aktivitäten bereitstellen, sportartenspezifische Regelwerke koordinieren und die Interesse des Sports vertreten" (izpb 357 4/2023, 5).
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in einer Anfangsphase eine Trennung von Sport und Politik angemahnt. Der langjährige Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Avery Brundage (1952-1972) war ein Vertreter des unpolitischen Sports. Thomas Bach, der IOC -Präsident ab 2013, ging von der Annahme aus, dass Sport mit Politik nichts zu tun habe, eine "Lebenslüge des Sports" sei.
Der Zusammenhang von Sport und Gesellschaft erweist sich in vielen Beispielen auf der internationalen Ebene.
Hilfreich ist die Betrachtung der Kerndimensionen (vgl. MITTAG 2023a, 4-7)
- der unterschiedlichen Interessen der Akteure aus Politik, Medien, Wirtschaft und Kultur mit der jeweiligen Inanspruchnahme und
- der Politikbereich/ das Politikfeld als Struktur der Sportpolitik und des Sportsystems in Verbindung mit der Ökonomie, Ökologie und Sportselbstorganisation/ Autonomie.
13.2 Bereiche |  |
Ein wesentliches Prinzip der Sportpolitik ist die Autonomie der Sportorganisation (vgl. TOKARSKI - PETRY 2010, 158-176).
- Bereiche des Sportsystems mit seinen Aufgabenstellungen werden selbst verwaltet.
- Andere Politikbereiche dagegen haben staatliche Akteure.
Die Tendenzen einer Kommerzialisierung des Spitzensports führen zu ständigen Veränderungen der Struktur der Sportpolitik. Der Wandel ergibt sich aus den Erwartungen der Gesellschaft (vgl. etwa Leistungssport, Medienpräsenz, Gesundheitssport, Integrationsfunktion).
Dazu kommt in einem massiven Sportmanagement die mittlerweile Einführung von Ligen und die Professionalität der Klubs.
- In der Internationalität erkennt man einen Einfluss sportpolitischen Einfluss staatlicher Vertreter (vgl. Entwicklungen nationaler Sportstrategien).
- Informelle Prozesse und Netzwerke beeinflussen Entscheidungsprozesse.
Die "Governance - Ansätze" eignen sich für eine Binnendifferenzierung des Politikbereiches Sport in einem besonderen Maß.
- Breitensport, Spitzensport
- Frauensport
- Behindertensport
- olympischer Sport
- Zielgruppen Jugend, Frauen, Senioren, Behinderte und Minderheiten
- Settings Schule, Betriebe, Wellness und Tourismus
- Problemfelder Doping und Glückspiel.
Psychologische Aussagen benötigen eine Begriffsbestimmung und theoriegeleitete Verknüpfung (vgl. im Folgenden UTSCH - DEMMERICH 2023, 24 - 69). Die Psychologie hilft mit ihren Erkenntnissen bei seelischen Entwicklungen und Störungen, aber auch in der Organisationsentwicklung, Mitarbeiterführung, Karriereplanung, in der Beratung und in vielen Lebenssituationen.
In der komplexen Situation einer psychologischen Beschreibung und Erfassung von Erlebnissen, Verhaltensweisen und Einstellungen einer Religiosität und Spiritualität kommt es zu Schwierigkeiten. Denken, Fühlen, Überzeugungen und kulturelle Einflüsse bedürfen einer Berücksichtigung. Eine Operationalisierung/ Messbarmachung ist für eine Theoriebildung und Praxis/ sozialpsychologische Bedeutung bedeutungsvoll.
Religion als institutionalisiertes System von Glaubensüberzeugungen bezieht sich auf eine Glaubensgemeinschaft mit Traditionen, Ritualen und Bekenntnisschriften wie im Christentum, Islam, Judentum und Buddhismus.
Religiosität ist das Erleben und Verhalten einer Person und Gruppe.
Spiritualität beinhaltet die persönliche Suche religiös, esoterisch oder säkular.
Glaube ist die psychische Vorstufe des Wissens und bildet die Anerkennung von Wahrheit, Realität oder Echtheit. Daraus ergibt sich eine verpflichtende Haltung und ein inneres Vertrauen.
14.1 Glaube als Haltung |  |
Kognitive Komponente - Wissen - Kenntnisse
Verhaltenskomponente - Beten - Ritus - Spenden - prosoziales Verhalten
Emotionale Komponente - Liebe zu/ Angst vor Gott - Entfaltung
14.2 Verhältnis Religiosität - Spiritualität - Glaube |  |
Glaube wird als Basis angesehen, von Interesse ist das Verhältnis von Religiosität und Spiritualität. Es zeigt sich empirisch, dass Menschen sich teilweise als religiös und spirituell bezeichnen (vgl. BERTELSMANN STIFTUNG 2023, 3).
Versucht wird, sowohl die Innenperspektive als auch die Außenperspektive gleich zu gewichten. Der Umgang mit der Wahrheitsfrage verdeutlicht dies. Umstritten zeigt sich die zentrale religionspsychologische Frage, ob die empirische Psychologie einen Beitrag zum Verständnis religiöser/spiritueller Glaubenserfahrung trotz ihrer subjektiven Innenseite leisten könne. Praktisch bedeutet das, dass Einstellungen und Verhaltensweisen untersucht werden, ohne die Existenz des "Absoluten" und "Göttlichen" zu berücksichtigen. Ausgeklammert wird damit die Frage der objektiven Tatsachenwahrheit der Religion.
Von Interesse ist für die Psychologie die Wirkung/ Beeinflussung - Veränderung und das Ausleben/ Praxis des Glaubens (vgl. MÜLLER - POZZI 1975, 24).
14.3 Psychologische Messung |  |
Mit Beginn der Religionspsychologie wird versucht, Religiosität mit psychologischen Methoden zu messen.
- Quantitative Methoden - Fragebogen, Experimente - Religiositätsskalen/ Korrelation (etwa positiv Religiosität - prosoziales Verhalten, etwa negativ Religiosität - Drogenmissbrauch)
- Qualitative Methoden - Interview, Beobachtung - Kategorienzuordnung, Interpretation von Sinnzusammenhängen
Die Religionspsychologie will einen differenzierten Blick auf die Religiosität von Menschen gewinnen. Von Interesse sind die Zusammenhänge mit anderen Lebensbereichen wie der sozio - kulturelle Hintergrund - religiöse Praktiken, religiöse Erfahrungen - das Gottesbild (vgl. mehrdimensionale Messinstrumente wie die Zentralitätsskala von UTSCH - DEMMRICH 2023, 39 -41 ).
Zur Erfassung der menschlichen Glaubensfähigkeit gehört auch die Kultur. Die klassischen Skalen sind in den letzten Jahren in Verruf geraten, eine ethnozentrische Verzerrung in Richtung des westlichen Protestantismus zu unterliegen (vgl. UTSCH - DEMMRICH 2023, 43). Es wird wohl sinnvoller sein, ohne ethnozentrischer Messung und der sozialstrukturellen Marginalisierung, Glaube als Einheit von Religiosität und Spiritualität messbar zu machen. Glaube ist so individuell wie Menschen.
Die Vielfalt der Glaubensformen kann in einem Vierfelderschema geordnet werden (vgl. UTSCH - DEMMRICH 2023, 44).
Inklusion der Transzendenz
- Buchstäbliche Bejahung - Verbindender Glaube
- Religiöser Fundamentalismus - Relativismus
- Religionskritik - Interpretation
- Ablehnung - Exklusion
Unter jungen Erwachsenen aus zwölf Ländern kann man etwas verkürzt fünf globale Prototypen des Glaubens aufzeigen (vgl. UTSCH - DEMMRICH 2023, 47).
- Säkular - humanistischer Prototyp
- Aktiv - vertrauender gläubiger Prototyp
- Unengagierter traditionnalistischer Prototyp
- Spirituell eingestellter Prototyp
- Gelöst - liberaler Prototyp
Negative Effekte wurden hauptsächlich von Studien deutscher Forschergruppen um BÜSSING - BEERENBROCK - GERUNDT - BERGER (2020) eingebracht (vgl. UTSCH - DEMMRICH 2023, 49). Religiöse Bedürfnisse und "geistliche Trockenheit" (Durststrecken oder Krisen - innere Leere und Gottesferne) waren Forschungsprojekte. Befragte nannten eine Sinnkrise und emotionale Erschöpfung, eine Unterstützung durch geistliche Begleitung oder/ und Psychotherapie wurde als nötig angesehen.
15 Medien |  |
Medien spielen aktuell eine zentrale Rolle im Alltag über alle sozialen Schichten und Generationen hinweg. Angesprochen sind traditionelle und digitale Medien.
15.1 Information - Interaktion |  |
Verändert haben sich Kommunikationsverläufe, die Kanäle zur Information und die Art und Weise der Interaktion.
Einen Wandel durch die Digitalisierung haben etwa der Schulalltag, die Lehr- und Studienjahre und der Berufsalltag erfahren. Themen werden diskutiert, Vernetzungen finden statt und die Flut der Informationen benötigt eine Medienkompetenz. Notwendig ist eine Unterscheidung von wichtigen und falschen Informationen sowie Hintergründen und Interessen.
Dieter Baacke (1996/ 2007) etablierte den Begriff "Medienkompetenz". Sein Kompetenzmodell beinhaltet Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung.
Durch die Digitalisierung differenzierten sich neu entstandene Aspekte. Herausforderungen ergeben sich demnach für die Politik, Familien und Bildungsbereiche mit der jeweiligen Mediennutzung ihrer Verantwortung.
Medienkompetenz ist ein Faktor gesellschaftlicher Teilhabe und den Zusammenhalt in einer Demokratie. Ein Großteil der Kommunikation läuft über Informationsdienste und Social Media ab.
1973 legte Dieter BAACKE (Germanist und Theologe) mit seinem Werk "Kommunikation und Kompetenz" den Grundstein für eine Medienkompetenz in einer Verknüpfung des Themas Medien mit dem Fach Pädagogik. Menschen sollten in der Lage sein, aktiv und und sicher Medien zu nützen mit einer Erweiterung der Kommunikation.
Nicht als etwas Zerstörendes im Sinne der "Frankfurter Schule" sollten Medien betrachtet werden.
"Individualmedien" wie Tonbänder und Videokameras sind kommunikative Medien, mit denen Menschen sich aktiv in der Welt bewegen.
In den siebziger Jahren beginnen die Rezipienten/innen Medien und ihre Inhalte nach eigenen Motiven, Interessen und Einstellungen auszusuchen.
Bis es zu einer Medienkompetenz kommt, dauert es allerdings bis in die neunziger Jahre (vgl. im Folgenden izpb 355/2023, 9-10).
Es kommt zu einer Herausforderung mit verstärkter Auseinandersetzung um die Nutzung von Medien im privaten und gesellschaftlichen Leben sowie die Begrifflichkeit von Medienkompetenz.
In der zunehmenden Kommerzialisierung im Medienbereich mit privaten Fernsehkanälen und Anforderungen an eine Wissens- und Informationsgesellschaft sowie schließlich der Entwicklung zur "Mediengesellschaft" mit der zunehmenden Bedeutung technologischer Medien bekommt die Medienkompetenz eigene "Dimensionen" wie Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung.
Die Entwicklung des Konzepts fällt in die Phase, in der der Computer als Basistechnologie einer Digitalisierung aufkommt. Dies betrifft den rasanten Anstieg der PC - Ausstattung (stationär und mobil) im privaten Bereich.
Hier wird der Computer ein bildungspolitischer Begriff. In den Bildungsbereichen werden wichtige Aufgaben beschrieben, Medienkompetenz wird inhaltlich schwerpunktmäßig auf die Digitalisierung ausgerichtet und kontrovers im Rahmen zukunftsorientierter Bildungsherausforderung diskutiert.
Zahlreiche Studien betonen zunehmend die hohe Bedeutung von Mediensozialisation bei der Aneignung von Technologien durch die soziale Herkunft und die Bedingungen des Heranwachsens.
Medienkompetenzmodell von Dieter Baacke
 | | Medienkompetenz |
| Vermittlung | Zielorientierung |
| Medienkritik | Medienkunde | Mediennutzung | Mediengestaltung |
- analytisch - reflexiv - ethisch
| - informativ - instrumentell- qualifikatorisch | - rezeptiv-anwenden - interaktiv-anbieten | - kreativ - innovativ |
|
|
Quelle:
izpb 355 2/2023, 10
15.3 Digitale Kompetenz - Flexibles Lernen - MOOC |  |
Die TU Graz entwickelte einen MOOC als kostenlosen Kurs "Digitale Kompetenzen für Studienanfängerinnen und Studienfänger", der als Freifach angeboten wird.
Der MOOC hat als Basis den europäischen Kompetenzrahmen "Dig Comp" und die österreichische Erweiterung "Dig Comp 2.2 AT", die digitale Kompetenzen in verschiedenen Bereichen beschreiben. Die Kursinhalte betreffen fünf zentrale Themenbereiche.
- Umgang mit digitalen Lernplattformen
- Schreiben und Präsentieren mit digitalen Medien
- Datensicherheit und Datenschutz
- Digitale Kommunikation und Zusammenarbeit
- Rechte und Lizenzen
Beispielhaft der "Offene Onlinekurs für Erwachsenenbildner" / EB mooc (2017)
Dieser MOOC lässt sich wie jeder als Selbstlernkurs verwenden. Der didaktische Ansatz ist ein dialogorientierter in entspannter Online - Atmosphäre mit Kontroll- bzw. Quizfragen. Anregend ergibt sich eine Fortbildung. Für den Autor ergaben sich medienpädagogische Zusatzqualifikationen in der Netzwerkarbeit. Beeindruckend ist die Verfügung für Interessierte außerhalb der TU Graz.
Wesentlich sind die Entwicklung der Kompetenzen einer digitalen Mündigkeit, Anpassung an ein qualifiziertes Lernangebot und Antizipation künftiger Entwicklungen. Beispielhaft sind die folgenden Zusatzfähigkeiten erforderlich.
- KI - Kompetenz
- Datenkompetenz
- Digitale Ethik
- Kreative Problemlösung
Coaching dient zur Verbesserung der persönlichen Effektivität und größerer Gestaltungsräume (vgl. RAUEN 2005).
- Als personenbezogene Beratung zielt es der Unsicherheitsreduzierung und
- Steigerung der Leistungsfähigkeit und Vorbereitung auf neue Aufgaben ab.
Studierende/ Lernende unterliegen Zwängen und Herausforderungen institutioneller und gesellschaftlicher Erfordernisse, denen man begegnen muss.
Man denke an
- Leistungsdruck,
- starre Rahmenbedingungen,
- den Übergang Schule - Studium - Beruf mit neuen Leistungsanforderungen,
- neue soziale Kontakte,
- vielfältige Übergänge,
- Rollenwechsel und
- internationale Austauschprogramme und Praktika bzw. Begegnungen/ ERASMUS und neue kulturelle Zusammenhänge.
Gelingensbedingungen sind das Prinzip
- Freiwilligkeit,
- Rahmenbedingungen der Bildungsinstitution,
- Situationen der Studierenden/Lernenden und
- Auswahl der Coaches (vgl. extern, intern - Peer - Online - Coaching).
16.1 Coachingbegriff |  |
Der Coachingbegriff im Kontext der Lehre wird in der integrierten Lernberatung verwendet.
Durch die Bologna - Reform im tertiären Bildungsbereich ergibt sich ein Wandel in der Lernkultur der Hochschuldidaktik von der Instruktion zur Begleitung von Lernprozessen, womit sich die Handlungsebenen der Lehre erweitern.
Für den quartären Bereich ergeben sich konsequenterweise Folgerungen, die für die Erwachsenenpädagogik in der Organisation der Vorkenntnisse und der Anbahnung professionellen Handelns zum Tragen kommen (vgl. WAHL 2020).
- Neben dem Fachwissen und der Lernumgebung für einen Umgang mit dem Wissen soll professionelle Lehre die Lernenden/Studierenden motivieren.
- Es bedarf einer Selbstreflexion, Vermeidung und Überwindung von Lernblockaden.
- Studierende/ Lernende sollen durch die Gestaltung geeigneter Lernumgebungen in Verbindung mit aktivierenden Methoden beim Erwerb studiengangsspezifischer Kompetenzen unterstützt werden.
- Lehrende sollen den Dialog mit Studierenden/ Lernenden suchen, Orientierungshilfen und individuelle Entfaltungsmöglichkeiten bieten.
- In der Lehrtätigkeit bezieht sich dies auf Methodik, Arbeitssystematik, Leistungsbeurteilung und angemessenem Handeln in komplexen Situationen.
- Anzustreben ist damit ein Eintritt in die Wissenschafts- bzw. Lernkultur und den jeweiligen Fachkulturen.
Kritisch ist das Bild vom Dozenten als Coach in der Rollenfindung, Prozessbegleitung, im Prinzip der Freiwilligkeit bei Pflichtveranstaltungen in Verbindung mit dem Coachingbegriff und einer Beratungskommunikation zu sehen.
Ziel ist eine studierendenzentrierte und lernorientierte Lehre.
16.2 Coaching in Ausbildung - Studium - Fortbildung |  |
Als professionelles Beratungsformat bedarf es in diesem Spannungsfeld eines ausgebildeten Personals.
Ungeachtet dessen ist Coaching für die Lehre studierendenorientiert und lernorientiert auszurichten und sind Studierende auf ihren anspruchsvollen Bildungswegen zu begleiten.
Als Ideengeber und Impulsgeber ergibt sich eine Notwendigkeit in Verbindung zur Anbahnung professionellen Handelns mit wirkungungsvollen Lernarrangements (vgl. WAHL 2020, 49-197).
Wesentliche Notwendigkeiten für Perspektiven auf ein Studium bzw. einen Lernprozess ergeben sich aus
- lernorientierter Arbeitshaltung,
- sozialen und familiären Verpflichtungen sowie
- Freizeitaktivitäten.
Coaching kann hier wertvolle Dienste leisten mit der Möglichkeit eines Perspektivenwechsels, der Einübung von Haltungen und Optimierung der Work - Life - Study - Balance. Es impliziert eine Steigerung der Ausbildungs- bzw. Lernfähigkeit, Zufriedenheit und Motivation.
Im Spannungsfeld stehen interne und externe Elemente und die Balance einer individuellen Persönlichkeitsentwicklung, Sozialisation und sozialpsychologischen Dimensionen in Form der Person - Rolle - Lernbereitschaft - Praxis, Beruf und Wissen - Reflexion - Kultur.
17 Führungskräfte |  |
Führungskräfteentwicklung ist eine Aufgabe mit/ für (die) Zukunft. Das Änderungspotenzial ist ausbaufähig.
Gesellschaftlich bleiben die Zuschreibungen an die Veränderungspotenziale des Lernens stabil. Es gibt eine Bedeutungszuschreibung an Fort- und Weiterbildung ("lebensbegleitendes Lernen").
17.1 Lebensbegleitendes Lernen |  |
- Lernen wird zunehmend aus einer Systemperspektive begründet.
- Lernen dient nicht nur der Selbstverwirklichung (Alltagswissen, Berufswissen),
- Lernen wird zu einem Mechanismus zur Regulierung der Zugehörigkeit zu bestimmten Systemen.
17.2 Steuerungsmaßnahmen |  |
Daraus ergibt sich ein doppelter Bezug, subjektbezogen geht es um Bildung, Wissen und Nichtwissen, Sinn und Bedeutung > Selbststeuerung und systembezogen um Management von funktionsbestimmten Lernprozessen, ökonomische Handlungsweisen und Marktorientierung, zweckbestimmtes Handeln > Steuerungsmaßnahmen in Bildungssystemen (vgl. WUNDERER 2003) .
Damit ergibt sich die Notwendigkeit einer Professionalisierung von Bildungsträgern und Bildungsanbietern. Der Führungskräfteentwicklung (Bildungsmanagement) fällt eine professionelle und eigenständige Aufgabe zu. Zu bedenken ist, dass dieser Prozess in der Regel bei laufendem Betrieb erfolgt und Schwankungen unterworfen ist (vgl. die Probleme mit Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen berufsbegleitend bespielhaft im Bildungsbereich, der Schulaufsicht und Schulverwaltung/ Verwaltungspädagoginnen und Verwaltungspädagogen sowie in der Erwachsenen- und Weiterbildung bei der Vielfalt Lehrender mit unterschiedlichen Qualifikationen).
Von Interesse sind gesamtgesellschaftliche Maßnahmen, Erwachsenen- bzw. Weiterbildungsinstitutionen und Gesellschaft - Bildungsmanagement, Führungskräfteentwicklung, Qualifizierungsmaßnahmen, Methoden und Modelle sowie curriculare Modelle der Weiterbildung eingegangen in der Personalentwicklung (vgl. SEEBACHER - KLAUS 2004).
Viele Antworten ergeben sich aus den Überlegungen, weshalb Schwerpunktsetzungen notwendig erscheinen.
Von Frauenbildung gibt es kein einheitliches Verständnis (vgl. FAULSTICH - WIELAND 2006, 11). Aus der Sicht der heutigen Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft ergibt sich die Tatsache, dass dieses Studium mehr als Dreiviertel weibliche Studierende absolvieren. Man könnte also von einem Frauenstudium sprechen.
Blickt man auf die USA, so werden an Colleges und Universitäten "Women's Studies" angeboten, ebenso in anderen Ländern. Women's Studies oder Gender Studies sind oftmals interdisziplinär angelegt und haben eine Beteiligung von Erziehungswissenschaft (vgl. die ausführliche Darstellung von "Teaching Gender" als Beitrag zur Pädagogik von WEDL - BARTSCH 2015).
Der persönliche Zugang zur Thematik ergibt sich aus dem universitären Studium und den universitären Lehraufträgen. Die Auseinandersetzung mit der Fachliteratur ergänzt die Sichtweisen.
- Der Schwerpunkt des Beitrages liegt zunächst in der Entwicklung in den USA, zumal es dort eine Tradition von Women's Studies gibt. Genderstudien im deutschsprachigen Raum - schwerpunktmäßig in Deutschland - beginnen mit "Frauenforschung".
- Zu erwähnen sind der Andozentrismus (Veränderung der männlichen Sichtweise) und in der Folge Studienprogramme mit dem Fokus auf einer Kritik an herrschenden Vermittlungsformen.
- Mit dem Wechsel der Bezeichnungen von Women's Studie zu Genderstudien zeigt sich die theoretische Diskussion um die Bedeutung von (sozialem) Geschlecht.
- Nach der Phase der Sichtbarmachung von Frauen geht es in der Folge um Geschlechtsidentität, Sozialisationsinstanzen, Arbeitsfelder und Geschlechterverhältnisse.
Anfänge der Genderstudien sollen angesprochen werden. Hier geht es um eine Veränderung der Hochschuldidaktik.
- Der Einsatz von Genderstudien und erworbener Qualifikationen wirkt auf erziehungswissenschaftliche Felder bzw. Themenbereiche, auf die eingegangen wird.
- Aus der Sicht des Autors bieten sich Schule und Erwachsenen- bzw. Weiterbildung (Lehrerbildung) besonders an.
- Hochschuldidaktisch soll in den interdisziplinären Lehrveranstaltungen zur Frauen- und Geschlechterforschung der Kontext zur Politischen Bildung vermehrt beachtet werden.
- Nicht zu übersehen ist die zunehmende Bedeutung auch einer Männlichkeitsforschung.
Netzwerk gegen Gewalt - Netzwerk zur Bildung - Autorenarbeiten |  |
IT - Hinweis > http://www.netzwerkgegengewalt.org/wiki.cgi?NetzwerkGegenGewalt < Index (12.12.2025)
Gesundheitsbildung
Umweltpaedagogik
Interkulturelle Kompetenz
Sport
Medienkompetenz
Religionspsychologie
Coaching
Personalentwicklung
Gender
Literaturverzeichnis |  |
Angeführt sind diejenigen Titel, die für den Beitrag verwendet und/ oder direkt zitiert werden.
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Zum Autor |  |
Lehramt für die APS - VS, HS und PL (1970, 1975, 1976), zertifizierter Schüler- und Schulentwicklungsberater (1975, 1999), Lehrbeauftragter am PI des Landes Tirol bzw. Mitglied der Lehramtsprüfungskommission für die APS (1993-2002)
Absolvent des Instituts für Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/ Doktorat (1985), des 10. Universitätslehrganges Politische Bildung/ Universität Salzburg -Klagenfurt/ MSc (2008), der Weiterbildungsakademie Österreich/ Wien/ Diplome (2010), des 6. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg/ Diplom(2012), des 4. Internen Lehrganges für Hochschuldidaktik / Universität Salzburg/ Zertifizierung (2016), des Online - Kurses "Digitale Werkzeuge für Erwachsenenbildner_innen"/ TU Graz- CONEDU -Werde Digital at - Bundesministerium für Bildung/ Zertifizierung (2017), des Fernstudium Erwachsenenbildung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium/ Comenius - Institut Münster/ Zertifizierung (2018), des Fernstudium Nachhaltige Entwicklung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium - Comenius Institut / Zertifizierung (2020)
Kursleiter an den VHSn des Landes Salzburg Zell/ See, Saalfelden und Stadt Salzburg - "Freude an Bildung" - Politik und Gesellschaft/ Politische Bildung (2012-2019)
Mitglied der Bildungskommission der Evangelischen Kirche in Österreich (2000-2011), stv. Leiter des Evangelischen Bildungswerks in Tirol (2004-2009, 2017-2019)
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