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Siebenbürgen

Beiträge zur Evangelischen Erwachsenenbildung 6    

Siebenbürgen - Aspekte einer europäischen Kulturregion    

Günther Dichatschek

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Beiträge zur Evangelischen Erwachsenenbildung 6   
Siebenbürgen - Aspekte einer europäischen Kulturregion   
Widmung   
Einleitung   
Teil I Historische Politische Bildung   
1 Bezeichnungen   
2 Länderkunde   
3 Geschichte   
3.1 Antike bis Völkerwanderungszeit   
3.2 Landnahme der Magyaren   
3.3 Anwerbung deutscher Siedler   
3.4 Deutscher Orden   
3.5 Staatsform - Stände   
3.6 16.und 17. Jahrhundert Türkenbedrohung - Osmanenherrschaft   
3.7 18. Jahrhundert Gubernatoren   
3.8 Siebenbürger Landler   
3.9 19. Jahrhundert   
3.10 20. und 21. Jahrhundert   
4 Literaturhinweise Geschichte Siebenbürgens und der Siebenbürger Sachsen   
4.1 Reihenfolge des Erscheinens   
4.2 Alphabetische Reihenfolge der Autoren   
5 Sprache   
6 Landschaft   
7 Brauchtum   
8 Geschichte Rumäniens   
9 (Spät-) Aussiedler aus Rumänien   
Teil II Erinnerungskultur   
10 Erinnerungskultur   
11 Sehenswürdigkeiten   
12 Reflexion   
Dokumentation   
Zum Autor   

Widmung    

Familie Hans - Georg und Christine Kanz

Einleitung    

Siebenbürgen oder Transsylvanien ist eine Region im Zentrum Rumäniens.

Basis der Studie zu einer wenig beachteten europäischen Kulturregion des Autors sind

  • Aspekte einer Historischen Politischen Bildung und Interkulturalität mit den verschiedensten Epochen einer historischen Entwicklung,
  • Aspekte einer Erinnerungskultur und
  • Aspekte Evangelischer Erwachsenenbildung.
Als Absolvent des 1. Lehrganges Ökumene/ Kardinal König - Akademie/ Wien (2007), 10. Universitätslehrganges Politische Bildung/ Universität Salzburg - Klagenfurt (2008), 6. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg (2012) und Fernstudiums Grundkurs Erwachsenenbildung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium - Comenius Institut Münster (2018) bildet sich das theoretische Interesse für die Thematik.

Der Impuls für das Buchprojekt ergab sich aus vielen Gesprächen bei Wanderungen in Tirol. Dafür ist der Autor dankbar und widmet die Studie.

Die Gliederung der Studie ergibt sich aus der Thematik. Teil I bearbeitet die Historische Politische Bildung mit den Bezeichnungen, einer Länderkunde, der Geschichte, Literaturhinweisen, der Sprache, Landschaft und Rumänien. Teil II ist der Erinnerungskultur vorbehalten. Eine Reflexion beschließt die Studie.

Teil I Historische Politische Bildung    

1 Bezeichnungen    

Siebenbürgen ist unter folgenden Bezeichnungen bekannt.

Der rumänische Ländername ist Ardeal, älter Ardeliu (1432), aus dem Ungarischen entlehnt oder Transilvania, aus dem Mittellateinischen übernommen.

Der ungarische Landesname ist Erdély, älter Erdeuelu (Erdőelü) (12. Jahrhundert), wörtlich ‚jenseits des Waldes‘, zusammengesetzt aus ung. erdő ‚Wald‘ und regionalem elü (elv, el) ‚jenseits, jenseitige Gegend, entferntere Seite‘.

Dieser „Wald“ bezieht sich auf das waldreiche Apuseni - Gebirge, das die große ungarische Tiefebene und das Kreischgebiet vom siebenbürgischen Becken trennt.

Die mittellateinischen Benennungen sind erst terra ultra silvam (1075), ultrasylvania (1077), später Partes Transsylvana (12. Jahrhundert), die beide aus lat. ultra oder trans ‚jenseits‘ und silva ‚Wald‘ zusammengesetzt wurden und den ungarischen Landesnamen übersetzen.

Die auf dieser Grundlage eingedeutschte Bezeichnung Transsilvanien bzw. Transsylvanien war in mittelalterlichen Dokumenten gebräuchlich.

Die Herkunft des deutschen Namens Siebenbürgen ist nicht abschließend geklärt. Vermutungen gehen dahin, ihn auf sieben von Siebenbürger Sachsen gegründete Städte zurückzuführen: Hermannstadt, Kronstadt, Bistritz, Schäßburg, Mühlbach, Broos und Klausenburg (in dieser Reihe wird fälschlicherweise oft Mediaș genannt, das aber erst 1534 vom Markt zur Stadt erhoben wurde).

Auch die Sieben Stühle, Einheiten der eigenen Gerichtsbarkeit – jeder Stuhl besaß einen Königsrichter, der alleine dem ungarischen König unterstellt war –, sind möglicherweise Teil der Namensgebung. Daneben stehen ältere Herleitungen vom Fluss Zibin (rum. Cibin, ung. Szeben), nach dem wiederum Hermannstadt (rum. Sibiu, lat. Cibinium) benannt worden sei, das als traditionelle Hauptstadt seinen Namen dann der Region als ganzes gegeben habe.

Walter Schuller dachte mit Verweis auf eine Reihe von Parallelen im deutschen Sprachraum an eine wörtliche Deutung als (bei den) sieben Bürgen, als die „toponymische (Über-) Betonung eines für ihr [d. h. das siebenbürgisch - sächsische] Exemtionsgebiet essentiellen Rechtsverhältnisses“. Die Umdeutung auf sieben Burgen oder auch sieben Berge sei dann schon früh wegen der Lautähnlichkeit der Wörter erfolgt.

Der Name ist zunächst in deutschen Quellen aus dem 13. Jahrhundert als Septum urbium, Terra septem castrorum und ähnlichen Varianten verzeichnet. In deutscher Niederschrift hieß es Ende des 13. Jahrhunderts erstmals Siebenbuergen und bezeichnete damals nur den Bereich der Sieben Stühle als administrative Einheiten oder Gebietskörperschaften der Hermannstädter Provinz. Erst später hat sich der Begriff räumlich erweitert, umfasste schließlich denselben Raum wie Erdély und Ardeal und ersetzte dadurch die frühere Lehnübersetzung von Ultrasilvania Überwald (13. und 14. Jahrhundert).

IT - Hinweis - Quelle

https://de.wikipedia.org/wiki/Siebenbürgen (15.11.2025)

2 Länderkunde    

Siebenbürgen bildet geografisch das Zentrum und den Nordwesten Rumäniens. Von den südlicheren (Walachei) und östlicheren (Westmoldau und Bukowina) Landesteilen wird Siebenbürgen durch die Ostkarpaten und die Transsilvanischen Alpen (Südkarpaten) getrennt, die zusammen den südlichen Karpatenbogen bilden. Nach Westen hin scheidet ein Teil der Westrumänischen Karpaten, das Apuseni - Gebirge, Siebenbürgen vom Kreischgebiet ab.

Auch Teile des heutigen Rumänien, die bis 1918/ 1920 zu Ungarn gehörten (das Kreischgebiet, die Region Sathmar, der südliche Teil des ehemaligen Komitats Maramureș sowie der rumänische Teil des Banats), werden manchmal irrtümlicherweise zu Transilvania hinzugerechnet, so dass es oft größer als das historische Gebiet dargestellt wird.

Die Fläche Siebenbürgens beträgt 59.651 km². Nach heutigen Verwaltungseinheiten umfassen alle Gebiete, die bis 1918 zu Ungarn gehörten, etwa 100.293 km².

Siebenbürgen ist in die folgenden rumänischen Kreise unterteilt.

Alba (Karlsburg, Fehér)

Bistrița - Năsăud (Bistritz, Beszterce - Naszód)

Brașov (Kronstadt, Brassó)

Cluj (Klausenburg, Kolozsvár)

Covasna (Kovászna)

Harghita (Szeklerburg, Hargita)

Hunedoara (Eisenmarkt, Hunyad)

Mureș (Mieresch, Maros)

Sibiu (Hermannstadt, Szeben)

sowie Teile der folgenden Kreise

Bacău (die Gemeinde Ghimeș - Făget, das Dorf Poiana Sărată im Oituz - Pass, ein Berggebiet mit der Station Poiana Soarelui, sowie die Dörfer Coșnea, Cădărești, Ciugheș und Pajiștea)

Buzău (ein unbewohntes Berggebiet im südöstlichen Karpatenbogen)

Caraș-Severin (die Gemeinde Băuțar)

Maramureș (die Stadt Târgu Lăpuș und deren Umgebung)

Neamț (die Gemeinden Dămuc, Bicaz - Chei und Bicazu - Ardelean)

Sălaj (die östliche Hälfte, östlich der Meseș - Berge)

Suceava (die Dörfer Cârlibaba Nouă und Dornișoara, die Gemeinde Coșna, sowie unbewohntes Berggebiet südwestlich der Goldenen Bistritz und im Quellbereich der Dorna, Neagra Șarului und Neagra)

Vâlcea (ein kleiner unbewohnter Landstrich nördlich des Lauterbaches)

Vrancea (ein unbewohntes Berggebiet im südöstlichen Karpatenbogen)

IT - Hinweis - Quelle

https://de.wikipedia.org/wiki/Siebenbürgen (15.11. 2025)

3 Geschichte    

Im Folgenden wird auf die einzelnen historischen Epochen eingegangen (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Siebenbürgen [15.11.2025]; GÜNDISCH 2005; ROTH 2007; FRAYDL 2018, 24 - 75).

3.1 Antike bis Völkerwanderungszeit    

  • Das Gebiet, auf dem das heutige Siebenbürgen liegt, war in der Antike das politische Zentrum des Dakischen Königreichs. Im Jahr 106 n. Chr. wurde dieses vom Römischen Reich unter Trajan erobert und als Provinz Dacia dem Römischen Reich einverleibt.
  • Die Hauptstadt war Ulpia Traiana Sarmizegetusa. Nach dem Abzug der römischen Truppen unter Kaiser Aurelian 272 n. Chr. war die Region bis zum 11. Jahrhundert Durchzugs- und auch Siedlungsgebiet verschiedener Ethnien und Stammesverbände.
  • Nacheinander kamen die Goten, Hunnen, Gepiden, Awaren, Bulgaren, und Slawen.
  • Ein bekanntes Beispiel für die Archäologie der Völkerwanderungszeit sind die gepidischen Gräber aus Apahida > https://ri.abtk.hu/images/kiadvanyok/monografiak/MGAH/MGAH_2_DOI.pdf (16.11.2025)
3.2 Landnahme der Magyaren    

  • Die Geschichte während des Frühmittelalters bis ca. 900 ist in Siebenbürgen wie fast überall in Europa durch einen Mangel an schriftlichen Quellen und relativ wenige archäologische Funde gekennzeichnet.
  • Ab etwa 895 besiedelten die Ungarn im Zuge ihrer Landnahme das Karpatenbecken und damit auch das Gebiet des heutigen Siebenbürgens. Die politische Macht im Karpatenraum fiel den Ungarn im Vergleich zu anderen Landnahmen der Völkerwanderungszeit recht widerstandslos zu, da die dort angetroffenen Bevölkerungsgruppen nur einige schwache Herrschaftsgebilde formten. Vermutlich im Jahre 927 wurden auch die Gebiete südlich des Mieresch von den Ungarn unter der Leitung von Bogát (Stammesverbund Gyula) erobert.
  • Zur Sicherung der Grenzgebiete wurden Hilfsvölker in diesen angesiedelt. Die wichtigste Gruppe waren die Szekler (Székely; szék = „Stuhl“). Ebenso wurden sog. „Verhauzonen“ angelegt (ungarisch Gyepű). Dieser 10 bis 40 km breite Grenzstreifen wurde absichtlich wüst gelassen und war mit dichtem Gestrüpp bewachsen, um feindlichen Reiterheeren den Zugang zu versperren oder zu erschweren. Die Schwachstellen wurden zusätzlich mit Erdburgen, die Durchgänge durch Tore gesichert.
  • Die bis zu ihrer Staatsgründung im Jahre 1001 noch in Stammesverbänden lebenden Ungarn praktizierten nicht immer eine einheitliche Politik. Der von den Árpáden geführte Teil der Ungarn orientierte sich nach der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg 955 in Richtung Westen, andere – so zum Beispiel die Gyula im Gebiet östlich der Theiß (auch in Siebenbürgen) – eher in Richtung Byzanz.
3.3 Anwerbung deutscher Siedler    

  • Unter König Géza II. (1141–1162) verlegte man die Grenze weiter nach Osten, vom Mieresch an den Alt; das Grenzland wurde nutzbar. Die ungarischsprachigen Szekler wurden ins heutige Szeklerland, im Osten Siebenbürgens, umgesiedelt.
  • Ab etwa 1147 begann die Besiedelung mit deutschen Siedlern, die hauptsächlich aus dem Mittelrhein- und Moselgebiet, Flandern und der Wallonie stammten. Die ersten 13 Orte wurden in der Hermannstädter Gegend gegründet. Die Siedler sollten die Gebiete bevölkern, die Grenzen gegen Einfälle aus dem Osten für Ungarn und Europa sichern und die Wirtschaft beleben.
  • Im Verlaufe des 12. und 13. Jahrhunderts verstärkte sich die Siedlungstätigkeit durch Binnenkolonisation und wohl auch durch weitere Zuzüge aus dem Maas - Mosel - Raum, Flandern und dem Gebiet der damaligen Erzbistümer Köln, Trier und Lüttich. In Binnenkolonisation wurden das Nösnerland in Nordsiebenbürgen, das Gebiet der Zwei Stühle und das Burzenland erschlossen.
  • Die Bezeichnung „Sachsen“ (Siebenbürger Sachsen) entstammt vermutlich dem lateinischen Stereotyp jener Zeit Saxones für westliche (überwiegend deutsche) Siedler. Sie übernahmen diese rechtliche Eigenbezeichnung danach selbst.
  • Die deutschen Bauern und Handwerker genossen mehrheitlich die Privilegien einer Rechtsvergabe des ungarischen Königs Andreas II. von 1224 (Goldener Freibrief, lat. Andreanum, ung. Aranybulla). Dieser Freibrief ist das weitreichendste und am besten ausgearbeitete Statut, welches deutschen Siedlern in Osteuropa je gewährt wurde. Die Sonderrechte galten auf dem sog. Königsboden, welchen sie besiedelt hatten, und wurden ihnen in den folgenden Jahrhunderten immer wieder urkundlich bestätigt und erweitert.
  • Die Siedler gründeten die bis heute wichtigsten Städte Siebenbürgens: Hermannstadt, Kronstadt, Klausenburg, Mühlbach, Schäßburg, Mediasch und Bistritz sowie viele Dörfer und Marktflecken in drei geschlossenen, aber nicht zusammenhängenden Gebieten, insgesamt ungefähr 270 Ortschaften.
  • Weitere Einwanderungswellen fanden nach der Gegenreformation statt, da zu dieser Zeit in Siebenbürgen Religionsfreiheit galt.
    • Durch die sogenannte Transmigration kamen Protestanten aus verschiedenen Teilen des damaligen Erzherzogtums Österreich nach Siebenbürgen, die dort als Landler angesiedelt wurden.
    • Zwischen 1621/22 und 1767 siedelten sich auch größere Gruppen der aus der radikal - reformatorischen Täuferbewegung kommenden Hutterer in Siebenbürgen an. Ein Zentrum der hutterischen Bewegung in Siebenbürgen bildete dabei die Region um Unterwintz.
  • Als Beispiel für nicht konfessionell begründete Immigrationen seien die Durlacher genannt. Dabei handelte es sich um auswanderungswillige Menschen aus Teilen der damaligen Markgrafschaft Baden - Durlach, vor allem aus der Gegend von Emmendingen und dem Markgräflerland. Die Auswanderung wurde dabei nur armen und kinderreichen Untertanen erlaubt, jedoch nicht den begüterten. Die Durlacher haben sich damals unter anderem in Mühlbach niedergelassen, woran eine „Durlacher Vorstadt“ und eine „Durlacher Gasse“ erinnerte. Um 1770 wanderten zahlreiche Menschen aus dem Hanauerland nach Siebenbürgen aus. Die letzte große Zuwanderungswelle aus Südwestdeutschland nach Siebenbürgen fand zwischen 1845 und 1848 statt, als 1500 bis 1800 Bürger aus verschiedenen Gemeinden des Königreichs Württemberg emigrierten.
  • Manche dieser Zuwanderer blieben als kulturell eigenständige Gruppen bestehen und vermischten sich zunächst kaum mit den ansässigen Siebenbürger Sachsen und Ungarn. So erhielten die Durlacher und Hanauer in Mühlbach einen eigenen Vogt, einen eigenen Richter und eine eigene Schule mit Schulmeister.
3.4 Deutscher Orden    

Zwischen 1211 und 1225 war auch der Deutsche Ritterorden gegenwärtig, den der ungarische König Andreas II. zum Schutz vor den Kumanen im Burzenland ins Land gerufen hatte. Der Orden besiedelte sein Gebiet mit deutschen Siedlern.

Als die Ritter, von Papst und Hochmeister bestärkt, versuchten, einen eigenen Staat zu errichten, wurden sie vertrieben und das Burzenland dem Königsboden angeschlossen.

3.5 Staatsform - Stände    

  • Die Region entwickelte sich als Teil des mittelalterlichen Königreichs Ungarn. Der Adel mit seinen sieben Komitaten bildete eine Ständeversammlung unter der Leitung eines Woiwoden (Vajda). Die beiden anderen Großregionen des Landes waren der Königsboden („Sieben Stühle“: Broos, Mühlbach, Reußmarkt, Leschkirch, Hermannstadt, Schenk, Schäßburg, Reps; später auch die Zwei Stühle Mediasch und Schelk und die Distrikte Nösnerland, Burzenland) sowie die sieben Szeklerstühle.
  • Die Bewohner des Königsbodens waren mehrheitlich die aus den deutschen Ländern gerufenen Bauern, Handwerker, Händler sowie auch einige Adlige, die jedoch nie eine tragende Rolle spielten und schließlich im Volk aufgingen.
  • Die Siebenbürger Sachsen auf dem Königsboden genossen de facto eine fast absolute Unabhängigkeit, so hatten sie eine eigene Gerichtsbarkeit (Der Sachsen in Sybenbürgen Statuta oder Eygenlandrecht) sowie eine eigene politische Vertretung, Nationsuniversität genannt.
  • Generell gab es im mittelalterlichen Siebenbürgen nur Vertretungen der einzelnen Reiche, die Stände. Diese repräsentierten die Interessen der ungarischen Adligen, der Siebenbürger Sachsen, der Szekler und zunächst auch der Rumänen (Universitas Valachorum). 1437 wurde jedoch im Rahmen der Türkenabwehr die Unio Trium Nationum ausgerufen, welche die Allianz und alleinige politische Berechtigung der Reiche der ungarischen Adligen, der Sachsen und der Szekler bekräftigte und die Rumänen somit ausschloss.
  • Die Vertreter der drei anerkannten Reiche trafen sich auf Landtagen, die fast ausnahmslos in den deutschen Städten stattfanden, und verhandelten dort über das gemeinsame Vorgehen. Die meisten Landtage fanden in Mediasch statt, da es im Zentrum Siebenbürgens liegt und sich von der westlichsten, östlichsten und nördlichsten Ecke des Königsbodens etwa gleich weit entfernt befindet.
  • Die Rumänen wurden dagegen vom politischen und sozialen Leben ausgeschlossen: Nach 1437 hatten sie keine Vertretung bzw. Mitspracherecht mehr. Verfassungsrechtlich galten sie bis ins 19. Jahrhundert lediglich als geduldet und wurden gezielt ausgegrenzt, zum Beispiel durften sie sich in den deutschen Städten weder niederlassen noch dort Häuser erwerben (wiewohl das auch allen anderen Nationalitäten außer den Sachsen eigentlich verboten war) noch den dortigen Zünften beitreten.
3.6 16.und 17. Jahrhundert Türkenbedrohung - Osmanenherrschaft    

  • Als das ungarische Heer am 29. August 1526 in der Schlacht von Mohács von Süleyman I. vernichtend geschlagen worden war, begann eine fast 200-jährige Phase ständiger Bedrohungen für das Land. Durch das türkische Vordringen in Ungarn (1526–1686) wurde besonders Zentralungarn verwüstet. Mehr als hunderttausend Gefangene wurden dabei ins Osmanische Reich verschleppt (vgl. BAUMGÄRTNER 2009; FRAYDL 2018, 33).
  • Ungarn zerbrach schließlich in drei Teile. Der größte Teil Ungarns kam unter türkische Herrschaft, wobei die noch nicht eroberten Gebiete entweder unter habsburgische Herrschaft gerieten (darunter der Westen Oberungarns oder Königliches Ungarn) oder von Ungarn getrennt und als untertäniges Fürstentum Siebenbürgen (ungarisch: Erdélyi Fejedelemség) 1541 unter die Oberhoheit des Osmanischen Reiches gestellt wurden.
  • Süleyman I. schloss bereits 1528 mit Johann Zápolya einen Friedensvertrag, in dem er auf die Schwächung des Habsburger Reiches durch das spätere Fürstentum Siebenbürgen setzte. Bis Ende des 17. Jahrhunderts blieb Siebenbürgen ein Vasallenstaat der Hohen Pforte. Dies bedeutete innerpolitisch zwar Freiheit, außenpolitisch jedoch türkische Kontrolle, Billigung des durch die Stände (ungarisch rend, Plural rendek) gewählten Fürsten durch die Hohe Pforte sowie jährliche Tributleistungen. Jedoch kam es genau wie vorher zu osmanischen Übergriffen und Plünderungszügen in das Gebiet der Sieben Stühle und auch darüber hinaus, bei denen sich die türkische Truppe der Akıncı als Renner und Brenner betätigten und Verwüstung, Mord und Menschenraub durchführten.
  • Trotz der türkischen Oberhoheit blieb Siebenbürgen weiterhin ein christliches Land, in dem nie auch nur eine einzige Moschee errichtet wurde. Mit dem 1568 vom siebenbürgischen Landtag beschlossenen Edikt von Torda wurde erstmals die Religionsfreiheit verankert und Katholiken, Reformierte, Lutheraner und Unitarier gleichermaßen rechtlich anerkannt.
  • Während der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts dominierten in Siebenbürgen Hitzeperioden und Dürren, während der zweiten Hälfte starke Niederschläge und Überschwemmungen. Beide gelten als Folgen der Kleinen Eiszeit. Es gab Ernteausfälle, Pestausbrüche, jahrzehntelange Hungersnöte und Heuschreckenplagen.
  • Das 17. Jahrhundert war für Siebenbürgen als soziales und wirtschaftliches Gebilde eine Zeit großer Umwälzungen und ständiger Bedrohungen von außen und innen. Die ungarischen Magnaten in Siebenbürgen verlegten sich auf die Strategie, sich je nach Situation an die eine oder andere Großmacht anzulehnen und dabei zu versuchen, ihre eigene Unabhängigkeit zu bewahren. Die Báthory - Familie zum Beispiel, die nach dem Tod Johann Sigismund Zápolyas 1571 an die Macht kam, stellte die Fürsten von Siebenbürgen unter osmanischer und kurzzeitig habsburgischer Oberherrschaft bis 1602. Aufgrund der prekären politischen Konstellation unterschieden sich die politisch - militärischen Interessen der siebenbürgischen Fürsten von denen des Königlichen Ungarns in dieser Zeit fundamental.
    • Die Fürsten Gabriel Bethlen und Georg I. Rákóczi führten zum Teil sogar regelrechte Feldzüge gegen die habsburgischen Könige auf dem ungarischen Thron.
    • Die Fürsten – allen voran Gabriel Báthory – und die Türkeneinfälle quälten das Volk ohne Unterlass. Kriegszüge, Plünderungen und innere Unruhen verwüsteten das Land. Seuchen, Hungersnöte und die türkischen Beutezüge, bei denen jedes Mal tausende Gefangene gemacht wurden, dezimierten die Bevölkerung. Horrende Steuern, Tribute an die Türken, Einquartierung und Versorgung der durchziehenden Heere drangsalierten die Bewohner zusätzlich. Dazu waren die Nationen (siehe Sächsische Nationsuniversität in Siebenbürgen) zerstritten, der Regierungsapparat versank in Korruption und so wurde das Fürstentum zum Spielball der Mächtigen.
    • Im Jahre 1610 rief Fürst Báthory den Landtag in Hermannstadt ein. Er zog mit einem Heer vor der festen Stadt auf und gelangte durch eine List in den Besitz der Schlüssel für die Stadttore. Daraufhin klagte er die Bürger des Landesverrats an, erpresste ein hohes Lösegeld, ließ die Hauptstadt plündern, die Waffen der Bürger auf dem Großen Ring einsammeln und jagte die Bewohner aus der Stadt. Von Hermannstadt aus begann er einen Raub- und Verwüstungszug durch den Königsboden, der schließlich erst mit seiner Ermordung endete.
  • Nach dem Sieg über die Osmanen bei der zweiten Wiener Türkenbelagerung von 1683 versuchte Siebenbürgen vergeblich, sich des wachsenden Einflusses Österreichs zu erwehren. Die habsburgische Herrschaft etablierte sich in Etappen: 1686 und 1687 war der vom Osmanischen Reich 1661 eingesetzte Fürst Michael I. Apafi auf Grund des Vordringens der österreichischen Truppen gezwungen, sich mit Habsburg zu arrangieren und in Verträgen mit Kaiser Leopold I. die Oberhoheit des Kaisers in seiner Eigenschaft als König von Ungarn anzuerkennen; 1688 wurde die Vereinbarung vom Siebenbürgischen Landtag bestätigt.
    • 1690 starb Apafi. Am 4. Dezember 1691 wurde das Leopoldinische Diplom erlassen, der Grundvertrag des Landes mit dem Haus Österreich. 1697 entsagte der unter Leopolds I. Vormundschaft seit 1692 als Fürst amtierende 21-jährige Sohn Apafis, Michael II. Apafi, dem Fürstentum gegen eine Entschädigung.
    • 1699 wurde die Zugehörigkeit Siebenbürgens zu Österreich vom Osmanischen Reich im Frieden von Karlowitz anerkannt.
IT - Hinweis

Johannes Honterus > https://kulturstiftung.org/biographien/honterus-honter-johannes-2 (23.11.2025)

3.7 18. Jahrhundert Gubernatoren    

Mit dem Frieden von Sathmar wurde 1711 die österreichische Kontrolle über ganz Ungarn und Siebenbürgen endgültig hergestellt. Siebenbürgen, das vom Königreich Ungarn eigenständig blieb, wurde nun unter der Aufsicht des Wiener Hofes von so genannten "Gubernatoren" verwaltet.

Die Proklamation des Großfürstentums Siebenbürgen 1765 und die Umwandlung in ein österreichisches Kronland waren Formalakte. Maria Theresia und ihr seit 1765 mitregierender Sohn Joseph II. waren bestrebt, ihr Herrschaftsgebiet einheitlich zu verwalten, und richteten dazu eine Regierung in Wien ein, die sich über bis dahin geltend gemachte Sonderregelungen einzelner Kronländer hinwegsetzte. Durch eine Urkunde Maria Theresias vom 2. November 1775 wurde Siebenbürgen weitgehend autonom und von eigenen Fürsten nach eigenen Gesetzen regiert (vgl. FRAYDL 2018, 38).

3.8 Siebenbürger Landler    

  • Ab 1733 wurde die Volksgruppe der sogenannten Siebenbürger Landler in Südsiebenbürgen angesiedelt. Sie wurde unter Karl VI. und Maria Theresia nach Siebenbürgen zwangsdeportiert. Da in den österreichischen Erblanden der evangelische Glaube verboten war, einzelne überzeugte Protestantengruppen (Kryptoprotestanten) aus dem landesfürstlichen Salzkammergut, dem Land ob der Enns (dem „Landl“), der Steiermark und Kärnten aber dennoch nicht davon lassen wollten, verbannte man sie in den östlichsten Winkel des Habsburgerreiches. In einem Schreiben der Siebenbürgischen Hofkanzlei heißt es dazu: „Ihro Kayserliche Majestät [gemeint ist Maria Theresia] haben zu Absonderung dieser Leute das Fürstentum Siebenbürgen aus der Ursach bestimmt, weil selbiges zur Abschneidung der Korrespondenz am weitesten entlegen an der Population Mangel leidet …“
  • In Siebenbürgen, das damals noch an der Militärgrenze zum Osmanischen Reich lag, gab es mit den Siebenbürger Sachsen ohnehin seit alters her Protestanten und es galt allgemeine Toleranz. Darüber hinaus gab es auf Königsboden in den siebenbürgisch -sächsischen Dörfern auch viele verwaiste Hofstellen. Unter der beschönigenden Bezeichnung „Transmigration“ wurden die Landler in mehreren Schüben zwischen 1734 und 1776 in Ulmer Schachteln über die Donau nach Siebenbürgen verbracht.
  • In dem durch die Türkenkriege verheerten und entvölkerten Unterwald sowie der Hermannstädter Gegend durften sich die sog. „Exulanten“ in mehreren Dörfern inmitten der schon seit Jahrhunderten hier lebenden Siebenbürger Sachsen niederlassen. Nur in den drei Dörfern Neppendorf, Großau und Großpold konnten sie sich jedoch auf Dauer als eigene Gruppierung erhalten (vgl. FATA 2014).
  • Die Rumänen stellten inzwischen die Mehrheit der Bevölkerung Siebenbürgens. Politische Rechte besaßen sie nicht. Insbesondere diejenigen unter ihnen, die als Leibeigene unter der Herrschaft ungarischer Adliger auf Komitatsboden lebten, befanden sich zudem in sehr schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Die Spannungen entluden sich 1784 in einem großen Bauernaufstand unter Horea. 1791 baten die Rumänen Leopold II. auf dem Landtag zu Klausenburg im Supplex Libellius Valachorum zum wiederholten Male um Aufnahme als vierte staatstragende „Natio“ Siebenbürgens (neben dem ungarischen Adel, den Szeklern und den Siebenbürger Sachsen) und außerdem um weiterreichende politische Anerkennung. Diese Forderungen wurden ihnen jedoch von den drei anderen Nationen im Landtag versagt.
3.9 19. Jahrhundert    

  • Im Rahmen der Revolutionen von 1848 gegen die Habsburger Herrschaft proklamierten die ungarischen Aufständischen unter anderem die Wiedervereinigung Siebenbürgens mit Ungarn, eine Eigenständigkeit des Königreichs Ungarn von Wien, die Abschaffung der Leibeigenschaft und vieles mehr (vgl. Ungarische Revolution 1848/1849 und Rumänische Revolution von 1848). Österreich konnte das ungarische Streben nach Selbstständigkeit jedoch mit russischem Beistand 1849 niederschlagen. Die folgenden fünf Jahre (1849–1854) stand Siebenbürgen unter österreichischer Militärverwaltung. Als eines der wenigen Ergebnisse der Revolution blieb die Abschaffung der Leibeigenschaft im gesamten Reich wie auch in Siebenbürgen in Kraft.
  • 1866 entschied sich der magyarisch dominierte Landtag (zum Nachteil der anderen Nationalitäten) für die Union mit Ungarn, die (in Hinblick auf die Ausgleichsverhandlungen des Wiener Hofes mit Ungarn) mit königlichem Reskript vom Januar 1867 vollzogen wurde; damit war der autonome Status Siebenbürgens, der mehr als 700 Jahre bestanden hatte, aufgehoben. Mit diesem Akt wurden die Selbstverwaltung der Siebenbürger Sachsen, die Nationsuniversität und die damit verbundenen alten Rechte abgeschafft, der Königsboden wurde aufgehoben. Gleiches galt für die besonderen Rechte der Szekler.
  • Im Februar und März 1867 kam es zum Ausgleich und damit zur Etablierung der Doppelmonarchie Österreich - Ungarn. Siebenbürgen wurde als Bestandteil der ungarischen Reichshälfte bestätigt. Im innenpolitisch selbstständigen Ungarn war das ungarische Staatsvolk jedoch eine (wenn auch große) Minderheit, so dass die königliche Regierung in Budapest das Zerbrechen der staatlichen Integrität befürchtete und die ausschließliche Verwendung der ungarischen Sprache im gesamten öffentlichen Leben festschrieb, was zu Konflikten mit den nichtungarischen Teilen der Bevölkerung führte.
  • Die Siebenbürger Sachsen waren jedoch in der Lage, sich durch ihre konfessionellen Schulen sowie eine Vielzahl von Vereinen und Stiftungen – besonders die Stiftung Nationsuniversität – diesen Zwängen weitestgehend zu entziehen. Andere Volksgruppen wie die Sathmarer Schwaben waren in dieser Hinsicht weit weniger erfolgreich.
  • Die Rumänen leisteten aufgrund ihrer großen Anzahl und der Nähe zum Königreich Rumänien gegen die Magyarisierung Widerstand und sahen sich von den regierenden Ungarn systematisch und auf vielen Ebenen benachteiligt.
3.10 20. und 21. Jahrhundert    

  • 1907 wurde in Sărmășel (heute eine Katastralgemeinde der Kleinstadt Sărmașu) beim Salzschürfen Erdgas entdeckt, und 1909 wurden die ersten Bohrtürme zur Erdgasförderung aufgestellt. In den Jahren danach wurden weitere Gasfelder um Mediaș herum angebohrt und 1914 die erste Erdgasleitung in Europa in Betrieb genommen. Zwecks effizienter Prospektion und Förderung des Methangases in Siebenbürgen wurde 1915 ein Abkommen zwischen dem Finanzministerium Ungarns und der Deutschen Bank unterzeichnet, aufgrund dessen dann die Ungarische Methangas -Gesellschaft gegründet wurde. Die Erdgasvorkommen führten zur rasanten Industrieentwicklung von Mediaș und Copșa Mică, in deren Umgebung sich die meisten Erdgas - Sonden befanden. Das Methangas wurde als Rohstoff in der Glasherstellung und der chemischen Industrie eingesetzt; es diente auch zur Beleuchtung und als Kraftstoff für Motoren.
  • Nach der Niederlage Österreich - Ungarns im Ersten Weltkrieg versammelten sich am 1. Dezember 1918 etwa 100.000 Rumänen in Alba Iulia (Karlsburg) und proklamierten die Vereinigung aller Rumänen aus Siebenbürgen, dem Banat, dem Kreischgebiet und der Maramureș mit dem rumänischen Altreich. Einige dieser Regionen wurden zu über 90 Prozent von Ungarn bewohnt (zum Beispiel Szeklerland, Partium mit Großwardein, die Region Sathmar), andere mehrheitlich von Siebenbürger Sachsen (hier zum Beispiel Hermannstädter Gegend, Weinland um Mediaș, Burzenland, Nösnerland).
  • Die Siebenbürger Sachsen begrüßten in der Mediașer Anschlusserklärung im Februar 1919 die in Alba Iulia gefassten Beschlüsse, in denen den Siebenbürger Sachsen umfangreiche Minderheitenrechte zugesichert wurden, und den Anschluss an Rumänien. Auf dem Sachsentag in Schäßburg wurden die Erwartungen an den neuen rumänischen Einheitsstaat formuliert, der diese jedoch weitgehend enttäuschte.
  • Die Übernahme Siebenbürgens durch Rumänien wurde 1920 im Vertrag von Trianon festgeschrieben. Die rumänische Verwaltung agierte nun überall im Lande nach der Logik eines zentral geleiteten Nationalstaates, ebenso wie zuvor der ungarische Staat. Das auf Partikularismus basierende Selbstverständnis der vielen Siebenbürger Ethnien (Rumänen, Szekler, Siebenbürger Sachsen, Armenier, Juden) wurde dadurch stark beeinträchtigt. Zwar wurden den Minderheiten theoretisch weitergehende Rechte eingeräumt als während der ungarischen Herrschaft; diese fanden in der Praxis jedoch nicht immer Anwendung.
  • Die Volksgruppen, die jahrhundertelang politisch, wirtschaftlich und kulturell dominiert hatten, verloren nun zugunsten der rumänischen Mehrheitsbevölkerung ihre historische Vormachtstellung. Die Maßnahmen (u. a. Enteignungen, Konfiszierungen, Entlassungen, Diskriminierung und das Auflösen von bzw. Herausdrängen aus Institutionen) durch den rumänischen Staat und Übergriffe gegen die ungarische Bevölkerungsgruppe zielten auf eine totale Kontrolle über Siebenbürgen. Die Betroffenen nahmen diese Politik als Affront, Unrecht und Marginalisierungs- bzw. Assimilierungsversuch wahr.
  • Die Situation veranlasste nicht wenige Magyaren, in den neuen, kleineren ungarischen Staat auszuwandern. Gleichzeitig fand in der Zwischenkriegszeit eine gezielte Ansiedlung ethnischer Rumänen aus dem Altreich (Regat) in Siebenbürgen statt. Diese Politik wurde nach dem Zweiten Weltkrieg massiv fortgesetzt und führte in fast allen Kreisen Siebenbürgens zur Umkehrung der alten Mehrheitsverhältnisse in vormals mehrheitlich ungarisch oder deutsch bevölkerten Regionen zu Gunsten ethnischer Rumänen. Ausnahmen bilden bis heute die Szeklerkreise Harghita und Covasna, in denen die ethnischen Ungarn noch über drei Viertel der Bevölkerung stellen.
  • Während des Zweiten Weltkrieges wurde 1940 im so genannten Zweiten Wiener Schiedsspruch unter der Regie des Deutschen Reiches ein sichelförmiger Abschnitt längs der Nord- und Nordostgrenze Siebenbürgens, in dem etwa gleich viele Ungarn und Rumänen lebten, an Ungarn übertragen. Das überwiegend von Rumänen und Siebenbürger Sachsen bewohnte südliche Siebenbürgen verblieb bei Rumänien. Anlässlich der Teilung fanden auch Bevölkerungsbewegungen statt. Ende 1944 kam das abgetretene Territorium – nach dem Seitenwechsel Rumäniens zur Sowjetunion – wieder unter rumänische Kontrolle (vgl. FRAIDL 2018, 67) .
  • Die meisten Siebenbürger Sachsen aus Nord - Siebenbürgen flüchteten nach dem Kollabieren der deutschen Front nach Österreich oder Deutschland. Es kam von Kriegsende 1945 an in ganz Siebenbürgen zu Übergriffen gegen die deutsche und die ungarische Bevölkerung, die mehrere Jahre anhielten.
  • Die im Vertrag von Paris 1947 festgelegten Grenzen waren hinsichtlich Siebenbürgens und Nordwest - Rumäniens identisch mit denen von 1920. Die große Mehrheit der Siebenbürger Sachsen wanderte seit den 1970er Jahren und in einem großen Schub ab 1990 vor allem nach Deutschland aus, aber auch nach Österreich ((vgl. NOWOTNICK 2016, 20).
  • Ab 1989 ist das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) politisch aktiv und konnte, primär auf kommunaler Ebene, einige Erfolge erzielen. Von Dezember 2014 bis Februar 2025 war der Siebenbürger Sachse Klaus Johannis, ein Mitglied des DFDR, Präsident Rumäniens.
4 Literaturhinweise Geschichte Siebenbürgens und der Siebenbürger Sachsen    

4.1 Reihenfolge des Erscheinens    

Teutsch G. D. - Teutsch Fr. (Hrsg.): Geschichte der Siebenbürger Sachsen für das sächsische Volk. Verlag Wilhelm Krafft, Hermannstadt

Bd. 1: Von den ältesten Zeiten bis 1699, 1899

Bd. 2: 1700–1815: Von den Kuruzzenkriegen bis zur Zeit der Regulationen, 1907

Bd. 3: 1816–1868: Von der Zeit der Regulationen bis zur Einführung des Dualismus, 1910

Bd. 4: 1868–1919: Unter dem Dualismus, 1926

Binder L. - Carl Göllner C. - Elisabeth Göllner El. - Konrad Gündisch K. (1979): Geschichte der Deutschen auf dem Gebiete Rumäniens, Bd. 1: 12. Jahrhundert bis 1848. Herausgegeben vom Forschungszentrum des Hermannstädter Hochschulinstituts. Kriterion Verlag, Bukarest

Wagner E. (1981): Geschichte der Siebenbürger Sachsen. Ein Überblick. Wort und Welt Verlag, Thaur bei Innsbruck (und zahlreiche weitere Auflagen), ISBN 3-85373-055-8

Lehrer M. G. (1986): Transylvania. History and Reality. Bartleby Press, Silver Spring, ISBN 0-910155-04-6

Köpeczi B.- Barta G. (Hrsg.) (1990): Kurze Geschichte Siebenbürgens. Herausgegeben vom Institut für Geschichte der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Akadémiai Kiadó, Budapest ISBN 963-05-5667-7

Roth H. (1996/ 2003/2007) : Kleine Geschichte Siebenbürgens. Böhlau, Köln - Weimar - Wien 1996 (1. Auflage), 2003 (2. Auflage), 2007 (3. Auflage), ISBN 978-3-412-13502-7 (3. Auflage)

Gündisch K. (1998 - 2005) : Siebenbürgen und die Siebenbürger Sachsen. Langen Müller, München 1998 (1. Auflage), 2005 (2. Auflage), ISBN 3-7844-2685-9 (2. Auflage)

Kroner M. : Geschichte der Siebenbürger Sachsen. Verlag Haus der Heimat, Nürnberg

Bd. 1: Von der Ansiedlung bis Anfang des 21. Jahrhunderts. 2007, ISBN 978-3-00-021583-4

Bd. 2: Wirtschafts- und Kulturleistungen. 2008, ISBN 978-3-00-024223-6

Nowotnick M. (2016): Herbst über Siebenbürgen – Nur wenige Rumäniendeutsche sind nach 1989 in ihrer Heimat geblieben – es gilt, ihr Erbe zu sichern, in: Neue Zürcher Zeitung, Internationale Ausgabe, 31. Dezember 2016, 20

Wysling A. (2016): Der Deutschkurs auf der Walz – aus Not entsteht ein Entwicklungsmodell. Jungbauern aus Siebenbürgen fahren in die Schweiz, für Praktika oder Saisonarbeit, in: Neue Zürcher Zeitung, Internationale Ausgabe, Rubrik International, 5. Oktober 2016, 7

Strauch Chr.(2017): Das vernachlässigte Volk von Transsilvanien. 1920 musste Ungarn Siebenbürgen an Rumänien abtreten – die ungarische Minderheit fühlt sich bis heute dort nicht so recht zu Hause. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt am Main, Dienstag, den 25. Juli 2017, Nr. 170, 3 - Rubrik „Politik“.

4.2 Alphabetische Reihenfolge der Autoren    

Arens M. (2006): Transsilvanien – Siebenbürgen, Marmarosch und Kreischgebiet, in: Kahl Th. - Metzeltin M.- Ungureanu M. R.(Hrsg.): Rumänien. Raum und Bevölkerung – Geschichte und Geschichtsbilder – Kultur – Gesellschaft und Politik heute – Wirtschaft – Recht – Historische Regionen. LIT, Wien , ISBN 3-8258-0069-5, 881 – 902

Bakó E.- Sólyom W. (1996): Hungarians in Rumania and Transylvania. A bibliographical list of publications in Hungarian and West European languages. Compiled from the holdings of the Library of Congress, Washington D.C.

Baumgärtner W. A. (2009): Im Zeichen des Halbmondes. Siebenbürgen in der Zeit der Türkenkriege. Schiller, Hermannstadt - Bonn

Brodersen K. (2020): Dacia Felix. Das antike Rumänien im Brennpunkt der Kulturen. wbg Philipp von Zabern, Darmstadt, ISBN 978-3-8053-5059-4

Fata M. (2014): Migration im kameralistischen Staat Josephs II. Theorie und Praxis der Ansiedlungspolitik in Ungarn, Siebenbürgen, Galizien und der Bukowina von 1768 bis 1790. Aschendorff, Münster, ISBN 978-3-402-13062-9

Fraydl S. (2018): Geschichte und Gegenwart der deutschsprachigen Minderheit in Siebenbürgen - Diplomarbeit an der Karl - Franzens - Universität Graz - Institut für Geographie und Raumforschung, Prof. Dr. Peter Cede, Graz > https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/content/titleinfo/2679933/full.pdf

Gebhardt H. (1978) : Zur Schulgeschichte Siebenbürgens vom 15. bis 18. Jahrhundert. Einst und Jetzt, Bd. 23 (1978), S. 322 – 326

Grumeza I. (2009): Dacia. Land of Transylvania, cornerstone of ancient Eastern Europe. Hamilton Books, Lanham, ISBN 978-0-7618-4465-5 (zur Geschichte Dakiens in römischer Zeit)

Haltrich J.(1973): Sächsische Volksmärchen aus Siebenbürgen, Bukarest

Hufer Kl. P. (2016): Politische Erwachsenenbildung - Plädoyer für eine vernachlässigte Disziplin, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 1787, Bonn

Huttmann A. (2000): Medizin im alten Siebenbürgen. Beiträge zur Geschichte der Medizin in Siebenbürgen, Hrsg. von Offner R., Hermannstadt (Sibiu)

König W. (1996): Beiträge zur siebenbürgischen Schulgeschichte (Siebenbürgisches Archiv. 32), Köln - Weimar - Wien

König W. (1996): Schola seminarium rei publicae. Aufsätze zur Geschichte und Gegenwart des Schulwesens in Siebenbürgen und Rumänien (Siebenbürgisches Archiv. 38), Köln - Weimar - Wien

Lungagnine H.- Van der Kallen (2002): Siebenbürgen - Tausend Jahre europäische Kultur, Verlagshaus Würzburg, Würzburg

Maner H. - Chr.(2007): Multikonfessionalität und neue Staatlichkeit. Orthodoxe, griechisch - katholische und römisch - katholische Kirche in Siebenbürgen und Altrumänien zwischen den Weltkriegen 1918 - 1940, Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa, Bd. 29, Steiner, Stuttgart, ISBN 3-515-08667-6

Nägler T.(1997): Die Ansiedlung der Siebenbürger Sachsen, Schiller Verlag, Bukarest

Robert Offner R. (2001): Der medizinische Wissensaustausch zwischen Siebenbürgen und anderen europäischen Ländern im Spiegel des Auslandsstudiums und der ärztlichen Ausbildung der Siebenbürger vor der Gründung der Klausenburger Universität (1872). In: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte. Band 24, Heft 3, Weinheim

Roth A. (2007) : Siebenbürgische Gästehäuser Schiller, Hermannstadt - Bonn

Roth A. - Wermke H. (2009): Weltkulturerbe in Siebenbürgen. Schiller, Hermannstadt - Bonn

Schenk A. (1992): Deutsche in Siebenbürgern, Beck, München

Stephani - Klein G. (1977): Versunkene deutsche Ortschaften in Siebenbürgen (III). In: Südostdeutsche Vierteljahresblätter (München), Heft 26/1 1977, 1 – 7

Stephani - KLein G. (1980): Zehn deutsche Siedlergruppen leben heute noch in Rumänien. In: Kulturpolitische Korrespondenz (Bonn), Nr. 424, 5. November 1980, 3 – 6

Stephani - KLein G. (1981): Zehn Siedlergruppen lassen sich heute noch feststellen. Rumäniens deutscher Bevölkerungsanteil. In: Aufbau. Deutsch - jüdische Zeitung (New York), 5 - 8, 2. Januar 1981, 15 - 17

Trausch J. (1983): Schriftsteller - Lexikon oder biographisch - literarische Denk - Blätter der Siebenbürger Deutschen. 3 Bände, Kronstadt 1868 – 1871; unveränderter Nachdruck: Köln - Wien

Verseck K. (2001): Rumänien, Beck, München

Welder M. (1992): Siebenbürgen. Entdeckungsreise in Bildern. Verlag Gerhard Rautenberg, Leer, ISBN 978-3-7921-0485-9

Wien U.A. - Zach Kr. (Hrsg.) (2004): Humanismus in Ungarn und Siebenbürgen. Politik, Religion und Kunst im 16. Jahrhundert, Siebenbürgisches Archiv. Band 37, Köln - Weimar

Winkelbauer Th. (Hrsg.) (2024): Geschichte Österreichs, Ditzingen

5 Sprache    

  • Siebenbürgisch - Sächsisch ist die Sprache der Siebenbürger Sachsen, einer deutschsprachigen Minderheit der Rumäniendeutschen, die seit dem Hochmittelalter in Siebenbürgen, im jetzigen Zentralrumänien, lebt.
    • Gesprochen wird Siebenbürgisch - Sächsisch von ca. 200 000 Sprechern in Deutschland, Österreich sowie der ursprünglichen Herkunftsregion Siebenbürgen im heutigen Rumänien (vgl. FRAYDL 2028, 78 - 80; WYSLING 2016, 7) .
    • Das Siebenbürgisch - Sächsische ist eine überwiegend moselfränkisch basierte Reliktmundart. Es ist eine der ältesten noch erhaltenen deutschen Siedlersprachen, die ab dem 12. Jahrhundert als Ausgleichsdialekt verschiedener Mundarten entstand.
  • Der Kontakt mit Ungarn (Szeklern) und Rumänen (Walachen) vermittelte über Jahrhunderte hinweg auch Einflüsse aus diesen Sprachen. Stärkere Prägung jedoch hatte ab dem 16. Jahrhundert die Reformation und die Sprache der Lutherbibel, wodurch das Neuhochdeutsche zur Schriftsprache der Siebenbürger Sachsen wurde. In der gesprochenen Sprache dominierte hingegen stets der siebenbürgisch - sächsische Dialekt, sowohl in den Dörfern Siebenbürgens als auch in den urbanen Zentren wie Kronstadt, Hermannstadt, Schäßburg und Bistritz.
  • Infolge der Flucht aus Siebenbürgen während des Zweiten Weltkrieges, der in den siebziger - Jahren einsetzenden Auswanderung nach Deutschland und schließlich der Auswanderungswelle nach dem Ende des Kommunismus 1989 leben von den einst 250 000 (1910) heute nur noch um die 17 000 Siebenbürger Sachsen in Rumänien, die die Sprache in ihren verschiedenen Ortsmundarten noch als Muttersprache sprechen. In Deutschland, Österreich, Kanada und den USA wird das Sächsische von den Ausgewanderten teilweise noch zu Hause oder bei Treffen von siebenbürgisch - sächsischen Kulturvereinen gesprochen, aber nur selten an die zweite und dritte Generation weitergegeben, wodurch es zu den bedrohten Sprachen zu zählen ist.
  • Siebenbürgisch - Sächsisch ist nicht zu verwechseln mit den Dialekten anderer rumäniendeutscher Minderheiten, die jeweils eine andere Geschichte und einen eigenen Dialekt haben.
  • Neben dieser bereits zwischen Siebenbürgisch - Sächsisch und Hochdeutsch bestehenden Diglossiesituation, hatten und haben viele Siebenbürger Sachsen auch noch Kompetenz im Rumänischen und oft auch im Ungarischen. Diese Mehrsprachigkeit beschränkte sich auch nicht auf gebildete Kreise, denn fast jeder Sachse hatte direkten Umgang mit rumänisch- oder ungarischsprachigen Nachbarn, Arbeitskollegen, Handwerkern, Bauern und Händlern.
  • Während bis 1918, als Siebenbürgen zum Königreich Ungarn gehörte, klar Ungarisch die Sprache mit dem höheren Prestige war, wurde dies danach immer mehr das Rumänische. Heute sprechen beinahe alle in Rumänien lebenden Siebenbürger Sachsen fließend Rumänisch, während die Ungarischkompetenz stark zurückgegangen ist und sich fast nur noch bei älteren oder hochbetagten Personen feststellen lässt. Allerdings ist teilweise ein deutliches Gefälle in der Rumänischkompetenz zwischen Menschen, die noch vor Ende des Zweiten Weltkrieges Rumänisch gelernt haben und denen, die es später erlernten bzw. zwischen Personen aus Dörfern mit hohem Anteil von Siebenbürger Sachsen und denen aus Ortschaften mit kleinem Anteil deutschsprachiger Einwohner erkennbar.
IT - Hinweis - Quelle

https://de.wikipedia.org/wiki/Siebenbürgisch-Sächsisch (14.11.2025)

6 Landschaft    

  • Siebenbürgen weist eine sehr große biologische Vielfalt auf. Speziell die Kulturlandschaften, auf denen traditionelle Landwirtschaft betrieben wird, gehören zu den artenreichsten Gebieten in Europa. Besonders die extensiv genutzten Weiden und Heumahden sind reich an Insekten und Amphibien sowie an typischen Wiesenvögeln.
  • Weiden und Laubwälder dominieren das Landschaftsbild. Wie in weiten Teilen Siebenbürgens haben die Auswanderungswelle der deutschsprachigen Minderheit und der gesellschaftliche Umbruch nach der Wende zu Flächenstilllegungen geführt. Auch dadurch könnten diese traditionelle Kulturlandschaft und ihre einzigartige Biodiversität verloren gehen, wenn die Landnutzung intensiviert wird.
  • Die Landschaftsvielfalt Siebenbürgens ist europaweit einzigartig: hier gibt es ein Zusammenspiel von extensiv bewirtschafteten Flächen, lebendigen Dörfern und traditioneller Landwirtschaft, wie es in anderen Teilen Europas im 19. Jahrhundert existierte. Neben den reichen Blumenwiesen kommen auch Wölfe und Bären in den relativ niedrigen Regionen Siebenbürgens vor.
  • Der Bau von Straßen und eine Intensivierung der Landwirtschaft werden auch in Siebenbürgen mit EU - Agrarsubventionen gefördert und stellen eine Gefahr für zahlreiche Arten dar, speziell für Amphibien. Straßen haben nach wissenschaftlichen Studien den größten Einfluss auf ihre Populationen. Andere Faktoren wie Größe der Teiche, Siedlungen, Ackerland, Weideland, Wald oder Feuchtgebiete wirkten sich deutlich geringer aus.
  • Der Erhalt des traditionellen, extensiven Landmanagements wird von einigen Wissenschaftlern als der Schlüsselfaktor zum Schutz der hohen Artenvielfalt angesehen. Eine zunehmend intensivere Landnutzungen und das Wachsen der Infrastruktur wird eine Zerstückelung der Landschaft und aus ökologischer Sicht einen generellen Qualitätsverlust der verbliebenen Lebensräume zur Folge haben.
IT - Hinweis - Quelle

https://de.wikipedia.org/wiki/Siebenbürgen > Landschaft (14.11.2025)

7 Brauchtum    

  • Die innerhalb von Jahrhunderten gewachsene Gemeinschaft konnte in Siebenbürgen bis 1944 ohne weiteres existieren und sich entfalten, weil die materielle und geistig - kulturelle Grundlage dafür vorhanden war.
  • Nach der Katastrophe von 1944/ 1945 fanden diesbezüglich radikale Veränderungen statt. In Siebenbürgen selber wurde versucht, unter den widrigen wirtschaftlichen, politischen, ideologischen Bedingungen einer kommunistischen Diktatur am siebenbürgisch - sächsischen Erbe festzuhalten - in kommunistischer Verpackung und mit notwendigen Kompromissen - was mehr schlecht als recht bis zur massiven Aussiedlung seit den siebziger Jahren in etwa gelang.
  • Nach der Aussiedlung waren die in Deutschland und Österreich entstandenen Verbände und Organisationen wesentliche Pfeiler für ein bis heute reges Gemeinschaftsleben. Die siebenbürgischen Aussiedler sind anpassungsfähig und anpassungsbereit. Dennoch benötigen sie besonders während der ersten Jahre auch Rückhalt in einer vertrauten Umwelt als Schutz gegen Entwurzelung, gegen Vereinsamung, gegen Isolation.
  • Da dies im engeren Bekannten- und Verwandtenkreis nur begrenzt möglich ist, finden Aussiedler schon seit Beginn der fünfziger Jahre großen Halt innerhalb der Interessenvertretungen von Vertriebenen und Aussiedlern in den Landsmannschaften.
  • Diese bemühen sich vorbildlich um alle Belange der Aussiedler, im besonderen auch um Pflege und Förderung des Kulturerbes der siebenbürgischen Heimat, der Wissenschaft und Kultur der Aussiedler.
IT - Hinweis - Quelle

https://www.siebenbuerger.de/bayern/landesverband/brauchtum/

8 Geschichte Rumäniens    

Im Folgenden wird auf die Landeskunde - Geschichte Rumäniens eingegangen (vgl. VERSECK 2001).

  • Das Gebiet des heutigen Rumäniens war seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. eine Provinz des Römischen Reichs. Die Sprache und Kultur der dort ursprünglich lebenden Daker haben in dieser Epoche starke romanische Einflüsse erfahren. Nach dem Rückzug der Römer blieb die Region nicht unbesiedelt. Antike Quellen erwähnen verschiedene Gruppen wie Tervingi, Taifali oder Gepiden, die in der Spätantike zeitweise dort präsent waren.
  • Die Geschichte des Raumes war in dieser Phase von einer großen Dynamik geprägt, in der unterschiedliche Stämme und Reiche Machtansprüche erhoben und wieder verloren. Etwa seit dem 6. Jahrhundert besiedelten Slawen große Teile des Gebiets.
  • Zwischen dem 7. und dem 9. Jahrhundert bildeten sich die rumänische Sprache und Kultur heraus. Die Rumänen bewohnten die Gebiete der beiden Fürstentümer Walachei und Moldau sowie Gebiete in Bessarabien, Bukowina und Siebenbürgen. Ab dem 16. Jahrhundert mussten die Fürstentümer die Oberherrschaft des Osmanischen Reiches anerkennen, konnten aber eine relative Eigenständigkeit bewahren. Der unmittelbare türkische Einfluss war nie so stark, wie südlich der Donau.
  • Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gab es bei den politischen Eliten der Fürstentümer Walachei und Moldau Bestrebungen, sich zu vereinen. Der gewählte Oberst Cuza proklamierte 1861 die Vereinigung unter dem Namen Rumänien und wurde selbst Fürst unter der Bezeichnung Alexandru Ioan I. Nach dem Russisch - Türkischen Krieg 1877/78 rief Rumänien die Unabhängigkeit aus und wurde ab 1881 Monarchie.
  • Im Ersten Weltkrieg blieb Rumänien zunächst neutral, kämpfte aber später gegen die Mittelmächte. Nach Abschluss der Friedensverträge erhielt das Königreich zahlreiche Gebiete außerhalb seines eigentlichen staatlichen Territoriums. Wie in anderen Staaten Europas entwickelten sich in der Zwischenkriegszeit autoritäre Tendenzen, die schließlich zu einer „Königsdiktatur“ unter Karl II. führten.
  • Außenpolitisch an Deutschland angelehnt, kämpfte Rumänien im Zweiten Weltkrieg nach anfänglicher Neutralität auf Seiten der Achsenmächte und beteiligte sich am Feldzug gegen die Sowjetunion. Nach der Wende im Krieg wurde es 1944 von der Roten Armee besetzt. Unter sowjetischem Einfluss wurden die bürgerlichen Parteien aufgelöst und die Monarchie beseitigt. 1947 wurde die Volksrepublik Rumänien ausgerufen. Damit begann die Umgestaltung der rumänischen Wirtschaft und Gesellschaft nach sowjetisch - sozialistischem Vorbild.
  • Mit der Wahl Nicolae Ceausescus zum ersten Sekretär der Kommunistischen Partei Rumäniens 1965 setzte eine ideologisch - politische Entfernung Rumäniens von der Sowjetunion ein. Im Warschauer Pakt und im Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) nahm das Land eine Sonderstellung ein und beteiligte sich nicht an der gewaltsamen Auflösung des Prager Frühlings 1968. Innenpolitisch wurde ein national -kommunistischer Kurs etabliert, der im Verlauf der Zeit zunehmend repressive Züge annahm. Ceausescu gelang es, alle Machtbefugnisse in seiner Hand zu konzentrieren. Dazu initiierte er einen Kult um seine Person.
  • Die Mitte der 1980er Jahre von Gorbatschow eingeleitete Reformpolitik in der Sowjetunion wurde von der politischen Führung Rumäniens nicht mitgetragen. Dadurch veränderte sich die internationale Perspektive auf das Land: Die Sympathie mit der Distanz zur Sowjetunion wich der Kritik am zunehmend repressiven und autoritären Charakter rumänischer Politik. Aber auch innerhalb der rumänischen Gesellschaft wuchs die Unzufriedenheit mit dem System. Im Dezember 1989 wurde die Diktatur Ceausescus in einer Volkserhebung gewaltsam beendet. Ceausescu wurde gestürzt und zusammen mit seiner Frau von einem "Volksgericht" zum Tode verurteilt und hingerichtet. Unter der neuen Führung begann der Übergang zu Demokratie und Marktwirtschaft.
  • Seit 1989 ist die politische Situation des Landes von häufigen Regierungswechseln und einem dynamischen Parteiensystem geprägt gewesen. Nur die Sozialdemokraten und die Partei der ungarischen Minderheit sind seit dem Fall des Kommunismus feste Konstanten in der rumänischen Parteienlandschaft. 1996, 2000 und 2004 wurde die amtierende Regierung jeweils wieder aus dem Amt gewählt. Nach dem Sturz des regierenden Mitte - Rechts Kabinetts, wurde 2012 Victor Ponta Ministerpräsident. Er ist der Führer einer in 2011 gegründeten, gemäßigt linken Allianz (USL) aus den Sozialdemokraten mit kleineren Parteien.
  • Ponta geriet in einem Konflikt mit dem, seit 2004 amtierenden, machtbewussten Präsidenten Basescu. Auf Initiative Pontas kam es zur Suspendierung Basescus wegen „Verfassungsbruch“ durch das Parlament, die durch eine Volksabstimmung bestätigt werden sollte. Bei der Abstimmung gab es eine Mehrheit für die Absetzung Basescus, doch sie scheiterte an einer zu geringen Wahlbeteiligung und der Präsident kehrte in sein Amt zurück.
  • Im Dezember 2012 gewann Ponta mit der Allianz USL die nationalen Wahlen mit deutlicher Mehrheit. Ende Februar 2014 ist die Regierungskoalition der USL mit der nationalliberalen Partei jedoch zerbrochen. Daraufhin beschloss die USL, die Koalition anstelle der Nationalliberalen mit der Partei der ungarischen Minderheit und zwei kleinen Parteien fortzusetzen. Dieses neue Kabinett wurde im März 2014 bestätigt. Der amtierende Premierminister Ponta trat bei der Präsidentschaftswahl 2014 gegen Klaus Johannis an. Als dieser mit deutlicher Mehrheit die Wahl gewann, kam es zu Massenprotesten, in denen Ponta zum Rücktritt aufgefordert wurde.
  • Zuletzt wurde das rumänische Parlament 2016 gewählt. Mit einer Wahlbeteiligung von nur knapp 40 Prozent gelang der sozialdemokratischen PSD ein klarer Wahlsieg. Nach einem langwierigen Prozess der Regierungsbildung trat Sorin Grindeanu im Januar 2017 als neuer Premierminister sein Amt an.
  • Rumänien wurde im März 2004 in die NATO aufgenommen und ist seit Januar 2007 Mitglied der EU.
IT - Hinweis - Quelle

Landeszentrale für politische Bildung Baden - Württemberg > https://osteuropa.lpb-bw.de/rumaenien-geschichte (13.11.2025)

9 (Spät-) Aussiedler aus Rumänien    

  • Im Rumänien vor 1945 stellten Deutsche, vor allem Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben, nach den Ungarn die zweitgrößte Minderheit. Ihre Auswanderung hat die gesellschaftlich - kulturelle Landschaft Rumäniens nachhaltig verändert. In Deutschland fühlen sie sich mehrheitlich gut integriert und verfügen über sehr aktive landsmannschaftliche Netzwerke.
  • Die Aussiedlung von Deutschen aus Rumänien gehört zur allgemeinen Ost- West - Wanderung in Europa vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und nach dem Zusammenbruch des Ostblocks. Umgekehrt war die Migration von deutschen Siedlern ins heutige Rumänien Teil der großen kontinentalen Auswanderung vom deutschsprachigen Raum nach Ost- und Südosteuropa und in die Habsburgischen Länder.
  • Mit der Aussiedlung in die Bundesrepublik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts endete die bis ins Mittelalter zurückreichende deutsche Kolonisationsgeschichte im Osten.
  • Ebenso wie die anderen Einwanderungen setzte die Aussiedlung komplexe und zum Teil langwierige politische, soziale und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse voraus. Der nun weitgehend abgeschlossene Aufnahmeprozess der (Spät-) Aussiedler hat langfristige, bis heute andauernde Auswirkungen in der deutschen Gesellschaft.
IT - Hinweis - Quelle

Bundeszentrale für politische Bildung Bonn > https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/spaetaussiedler-in-der-migrationsgesellschaft-340/298587/spaet-aussiedler-aus-rumaenien/ (14.11.2025)

Teil II Erinnerungskultur    

  • Persönliche Erinnerung als authentische Besinnung und Reflexion eines biographischen Lernprozesses gehört zu einer soziokulturellen Kompetenz.
  • Verdrängen, vergessen, verschweigen – die Erinnerung an eine Vertreibung und die Folgen des Zweiten Weltkrieges hat selbst eine Geschichte. Eine intensive Auseinandersetzung und Aufarbeitung setzte erst zögerlich ein, das Thema wurde zunächst weitgehend vermieden. In den vergangenen Jahrzehnten wandelte sich die Erinnerungskultur, die Verantwortung, die sich aus der Vergangenheit ableitet.
  • In Österreich bemüht man sich um die Bereiche, geht es um biographische Aufarbeitung, Gedenken, Denkmäler und Museumsarbeit. Die Fragen gehen um die Aufarbeitung der Vergangenheit und welche Rolle die Vergangenheit in der Gegenwart spielt.
  • Bildungsmaßnahmen in allen vier Bildungsbereichen haben ihre Bedeutung.
IT - Hinweis - Quelle

Bundeszentrale für politische Bildung Bonn > https://www.bpb.de/themen/erinnerung/geschichte-und-erinnerung/39813/erinnerungskultur/ (14.11.2025)

10 Erinnerungskultur    

Im März 2008 beschloss die Deutsche Bundesregierung, unter dem Dach des "Deutschen Historischen Museums" eine unselbständige Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" zu errichten.

Vorangegangen war der jahrelange Streit um ein Projekt "Zentrum gegen Vertreibungen".

Das Projekt, das gleichzeitig als Gedenkstätte zur Erinnerung an das Leid der deutschen Heimatvertriebenen, als Dokumentationsstelle, Denkmal, Museum und zentraler Veranstaltungsort fungieren sollte, bietet viele Angriffsflächen.

Die Idee des "Vertreibungszentrums" spaltet in den neunziger Jahren ganz offensichtlich einen erinnerungspolitischer Reflex die Öffentlichkeit (vgl. Antisemitismus - Debatte).

  • Das Projekt trübte die politischen Beziehungen zu den Nachbarn, weil es in Polen und Tschechien irritierte, weil die Initiatoren darauf beharrten, dass es in Berlin und nirgendwo anders seinen Sitz haben sollte.
  • Der Versuch, im Gegenzug eine Erinnerungs- und Dokumentationsstätte in internationaler Trägerschaft im europäischen Geist etwa in Breslau/ Wroclaw oder in Görlitz/ Zgorzelec, auch in Prag, jedenfalls nicht in Berlin zu etablieren, wurde zwar prominent unterstützt, war aber nicht erfolgreich.
  • Polen und die Tschechische Republik übten sich, wegen der schrillen Begleitmusik des Bund der Vertriebenen - Projekts misstrauisch geworden, in Zurückhaltung.
Für Österreich gilt die Gründung eines "Hauses der Geschichte"/ Wien als Stätte einer zeitgeschichtlichen Aufarbeitung als Meilenstein. Historische Politische Bildung ist im Sinne der Studie damit gefordert (vgl. HUFER 2016, 83 - 95).

IT - Hinweise - Quellen

Deutschland > https://www.bpb.de/themen/erinnerung/geschichte-und-erinnerung/39826/zur-debatte-flucht-vertreibung-versoehnung/ (16.11.2025)

Österreich > https://hdgoe.at/ (16.11.2025)

11 Sehenswürdigkeiten    

Die beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten sind die berühmten Kirchenburgen, die malerischen Bauernburgen bis hin zu idyllischen Dörfern als das authentische Erbe Siebenbürgens.

Ökotourismus und geheimnisvolle sächsische Kirchenburgen laden einer Reise in das Herz Siebenbürgens ein, wo Tradition und Geschichte in märchenhaften Landschaften verschmelzen. Vorschlag einer Reiseroute sind die Städte Sibiu/ Hermannstadt, Brasov/ Kronstadt und das idyllische Sighisoara/ Schäßburg.

12 Reflexion    

  • Eine Rückbesinnung benötigt als Basis einer Studie zu einer wenig beachteten europäischen Kulturregion als theoretischen Rahmen aus der Autorenbiographie Aspekte einer Historischen Politischen Bildung und Interkulturalität für eine soziokulturell und kulturell - religiöse Betrachtung mit den verschiedensten Epochen einer historischen Entwicklung.
  • Aspekte einer Erinnerungskultur vervollständigen die Thematik.
  • Die Absolvierung des 1. Lehrganges Ökumene/ Kardinal König - Akademie/ Wien (2007), 10. Universitätslehrganges Politische Bildung/ Universität Salzburg - Klagenfurt (2008) und 6. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg (2012) ergeben und helfen das theoretische Interesse für die Thematik.
  • Hilfreich ist die Auseinandersetzung mit der Fachliteratur und IT - Hinweisen als Quellen.
  • Ein Zeitzeuge mit den Sozialisationsphasen der Kindheit und Schulbildung in der Region, führte im Vorfeld der Studie zu einer handlungsorientierten Basis für das Verständnis der Thematik und die Alltagskultur mit Sprache und Brauchtum.
  • Die Idee für das Buchprojekt kam bei vielen Gesprächen bei Wanderungen in Tirol.
  • Die Studie versteht sich als Beitrag zur Evangelischen Erwachsenenbildung.
  • Als Grundidee stellten sich die Fragen nach
    • der Entwicklung der deutschsprachigen Minderheit in Siebenbürgen,
    • den Rechten in kulturell und politischer Hinsicht und
    • den Eigenheiten in der Siedlungsgeschichte der Siebenbürgergesellschaft.
Dokumentation    











Zum Autor    

APS - Lehramt (VS - HS - PL); zertifizierter Schüler- und Schulentwicklungsberater (1975, 1999), Mitglied der Lehramtsprüfungskommission für die APS beim Landesschulrat für Tirol (1993 - 2002)

Absolvent des Instituts für Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/ Doktorat (1985), des 10. Universitätslehrganges Politische Bildung/ Universität Salzburg - Klagenfurt/ MSc (2008), der Weiterbildungsakademie Österreich/ Diplome (2010), des 7. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg/ Diplom (2012), des 4. Internen Lehrganges für Hochschuldidaktik/ Universität Salzburg/ Zertifizierung (2016), des Onlinekurses "Digitale Werkzeuge für Erwachsenenbildner_innen"/ TU Graz - CONEDU - Werde Digital at. - Bundesministerium für Bildung/ Zertifizierung (2017), des Fernstudiums Erwachsenenbildung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium - Comenius Institut Münster/ Zertifizierung (2018), des Fernstudiums Nachhaltige Entwicklung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium - Comenius Institut Münster/ Zertifizierung (2020)

Lehrbeauftragter am Institut für Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft der Universität Wien/ Berufspädagogik/ Aus- und Weiterbildung/ Vorberufliche Bildung (1990/1991 - 2010/2011), Lehrbeauftragter am Fachbereich für Geschichte der Universität Salzburg/ Lehramt Geschichte - Sozialkunde - Politische Bildung/ Didaktik der Politischen Bildung (2016, 2018)

Mitglied der Bildungskommission der Evangelischen Kirche in Österreich A. und H.B. (2000 - 2011), stv. Leiter des Evangelischen Bildungswerks in Tirol (2004 - 2009, 2017-2019), Kursleiter an den VHSn des Landes Salzburg Zell/See, Saalfelden und Stadt Salzburg (2012-2019)

 
© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 23. November 2025