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Schöpfungszeit

Reihe Evangelische Erwachsenenbildung 9    

Schöpfungszeit 2026 "Die Alpen im Wandel der Zeit"    

Günther Dichatschek

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Reihe Evangelische Erwachsenenbildung 9   
Schöpfungszeit 2026 "Die Alpen im Wandel der Zeit"   
Bedeutung   
Einleitung   
Teil I Schöpfungszeit   
1 Schöpfungszeit - Klärung der Entwicklung   
1.1 Liturgischer Kalender   
1.2 Christliches Umweltnetz   
1.3 „Was ist der Mensch?“ – Am 20. September live in TV und Radio   
2 Organisation Evangelisches Bildungswerk Salzburg - Tirol   
2.1 Verwaltung   
2.2 Leitbild   
3 Veranstaltung Kitzbühel   
3.1 Veranstalter - Evangelisches Bildungswerk Salzburg - Tirol   
3.2 Beratungsergebnisse   
3.3 Bildung für Nachhaltige Entwicklung   
3.3.1 Pressearbeit   
3.3.2 Begründung Nachhaltige Begründung   
3.3.3 Studienbrief Nachhaltige Entwicklung - Schöpfung   
3.4 Kolleg Gemeindedienst   
Teil II Grundwissen Alpen   
Aspekte und Entwicklungen eines europäischen Kulturraumes   
Einleitung   
1 Alpine Erdgeschichte   
2 Besiedelung und Nutzung des alpinen Raumes   
2.1 Bäuerliche Kulturlandschaft   
2.2 Almwirtschaft   
2.3 Alpenraum als Rohstoffquellen   
2.4 Industrielle Revolution   
3 Massentourismus vs. Sanfter Tourismus   
3.1 Erschließung des alpinen Raumes   
3.2 Freizeitverhalten   
3.3 Alpine Vereine   
4 Alpenkonvention 1989   
4.1 Präambel   
4.2 14 Artikel   
5 Reflexion   
5.1 Zukunft des alpinen Raumes   
5.2 Zielsetzungen   
5.3 Aufgabenfelder einer Politische Bildung   
5.4 IT - Hinweise   
Literaturverzeichnis   
IT - Autorenbeiträge   
6 Sagenwelt im alpinen mitteleuropäischen Raum   
Einleitung   
6.1 Sagenwelt Österreich   
6.1.1 Steiermark   
6.1.2 Vorarlberg   
6.1.3 Oberösterreich   
6.1.4 Salzburg   
6.1.5 Kärnten   
6.1.6 Niederösterreich   
6.1.7 Tirol   
6.2 Sagenwelt Südtirol   
6.3 Sagenwelt Bayern   
6.4 Sagenwelt Schweiz   
Dokumentation zur Ausbildung   
Zum Autor   

Bedeutung    

Schöpfungszeit bezeichnet im Kirchenjahr die Zeit zwischen dem 1. September und dem 4. Oktober.

Die Kirchen sind dann dazu aufgerufen, sich auf ihre Verantwortung für die Schöpfung zu besinnen und daraus praktische Taten folgen zu lassen.

Einleitung    

"Wer lernt, dazulernt und nicht stehen bleibt, wirkt auf andere jung - egal, ob er zwanzig oder achtzig Jahre alt ist" (Elke GRUBER 2007, 27).

"Ausbildung ohne Bildung führt zu Wissen ohne Gewissen" (Daniel GOEUDEVERT 2001, 5).

Die Auswahl und Anordnung der Themen beruhen auf persönlicher beruflicher Sozialisation und stellen persönliche Schwerpunktbildungen und Interessenslagen dar.

Basis der Beiträge und des Erkenntnisstandes ist die Literatur der Erziehungswissenschaft, Organisationsentwicklung ("Organisation und Pädagogik"), Politischen Bildung, Altersbildung und Evangelischen Erwachsenenbildung/ EEB sowie interdisziplinärer Ansätze, exemplarisch vom Autor in Politischer Bildung und EEB mit eigenen Arbeiten ausgeführt.

Der Autor konnte durch jahrelangen Tätigkeits- bzw. Erfahrungsbereich im Bildungsmanagement als Mitglied der Bildungskommission der Generalsynode der Evangelischen Kirche A. und H.B. (2000 - 2011) und stv. Leiter des "Evangelischen Bildungswerks in Tirol" (2004 - 2009, 2017 - 2019) bzw. als Bildungsbeirat (2011-2017) Erfahrungen sammeln.

Die Bemühungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie sind jeweils eine persönliche Auseinandersetzung (Stand September - Oktober 2026).

Teil I Schöpfungszeit    

https://www.schoepfung.at/dl/uotLJmoJKNmJqx4KJKJKJKlNN/SoC_Logo_DE_png (16.9.2026)

1 Schöpfungszeit - Klärung der Entwicklung    

Die Schöpfungszeit wurde von der so genannten "Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung der Kirchen" ausgerufen, die 2007 im rumänischen Sibiu stattfand. Die Versammlung empfahl ihren Mitgliedern, den Zeitraum zwischen dem 1. September und dem 4. Oktober dem Gebet für den Schutz der Schöpfung und der Förderung eines nachhaltigen Lebensstils zu widmen, um sich auf ihre Verantwortung für Gottes Schöpfung zu besinnen.

Die Initiative dazu ging von Seiten der Orthodoxie aus.

1.1 Liturgischer Kalender    

  • Der 1. September gilt bei den orthodoxen Kirchen als der Tag der Schöpfung und erster Tag des Kirchenjahres. Der 4. Oktober ist der Gedenktag des Franziskus von Assisi, der von vielen Christen auch als "Umwelt - Heiliger" verehrt wird.
  • Dieser Zeitraum der "Schöpfungszeit" solle von den Kirchen als feste Periode in den kirchlichen bzw. liturgischen Kalender aufgenommen werden, so die Empfehlung von Sibiu. Jedes Jahr würde er den Kirchen die Gelegenheit bieten, Gott den Schöpfer gemeinsam zu preisen, die Schätze ihrer Traditionen miteinander zu teilen und auf eine neue Orientierung im Leben der Gesellschaft hinzuarbeiten.
  • Bereits 1989 hatte der damalige orthodoxe Patriarch von Konstantinopel, Dimitrios I. (1914–1991), dazu aufgerufen, den 1. September als einen „Tag der Bewahrung der natürlichen Umwelt“ zu begehen, Gott an diesem Tag für die Schöpfung zu danken und um ihren Schutz und ihr Heil zu bitten. Patriarch Dimitrios wies darauf hin: „Indem der Mensch seine Sonderstellung in der Schöpfung und Gottes Auftrag‚ über die Erde zu herrschen (Genesis 1,28)’ missbraucht, hat er die Welt an den Rand apokalyptischer Selbstzerstörung geführt, sei es durch die Verschmutzung der Natur, die alle Lebewesen gefährdet, sei es durch die Ausrottung von Tier- und Pflanzenarten oder auf mancherlei andere Weise.
1.2 Christliches Umweltnetz    

  • Wissenschaftlicher und andere Experten warnen uns vor den Gefahren und weisen auf immer neue lebensgefährdende Phänomene hin, wie zum Beispiel den so genannten Treibhauseffekt, dessen erste Anzeichen sich bereits bemerkbar machen.
  • Zehn Jahre später stellte das "Europäische Christliche Umweltnetz (ECEN)" bei seiner zweiten Tagung im Jahr 1999 fest, dass das Thema "Schöpfung’" in manchen evangelischen Kirchen im Zusammenhang mit dem Erntegottesdienst und in der Römisch - Katholischen Kirche im Kontext des Gedenktages des Franz von Assisi (4. Oktober) steigende Bedeutung bekam.
  • Da das Thema "Schöpfer und Schöpfung" allerdings bislang im Kirchenjahr keinen festen Platz hatte, weitete das Netzwerk den Vorschlag von Patriarch Dimitrios I. aus und forderte die Kirchen dazu auf, eine "Zeit für Gottes Schöpfung" vom 1. September bis zum zweiten Sonntag im Oktober einzuführen. Dieser Vorschlag wurde schließlich in Sibiu aufgegriffen.
  • Damit ist eine pädagogische Herausforderung in der Evangelischen Erwachsenenbildung gegeben. In der Beratung ergab sich eine Verbindung zur Politischen Bildung/ Ökologie und einem interkulturell - religiösen Bereich/ Ökumene.
IT - Hinweis

https://de.wikipedia.org/wiki/Schöpfungszeit (11.8.2026)

1.3 „Was ist der Mensch?“ – Am 20. September live in TV und Radio    

Wien (epdÖ) – Unter dem Titel „Was ist der Mensch?“ steht der Gottesdienst zur Schöpfungszeit aus der methodistischen Kirche in Wien - Rudolfsheim - Fünfhaus am Sonntag, 20. September. Gestaltet vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) wird der TV - Gottesdienst ab 10 Uhr live in ORF III und den Regionalradios übertragen. Mitwirkende sind u.a. die lutherische Bischöfin Cornelia Richter, der römisch - katholische Erzbischof Josef Grünwidl, der Wiener armenisch - apostolische Bischof und Vorsitzende des ÖRKÖ Tiran Petrosyan, der methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs, der altkatholische Pfarrer Hannes Dämon, der reformierte Pfarrer Thomas Hennefeld sowie Pastorin Antje Klein.

Als Predigt - Grundlage zur Frage „Was ist der Mensch?“ dient das Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“ bzw. „Barmherzigen Vater“. Dieser bekannten Geschichte aus dem Lukasevangelium widmen sich nacheinander Bischof Petrosyan, Bischöfin Richter und Erzbischof Grünwidl. Dabei schlagen sie eine Brücke von der Bibel hin zur Schöpfungsverantwortung und Ökumene heute. Im Hinblick auf den Menschen als Teil der Schöpfung taucht auch die pointierte Frage auf, ob der Mensch die „Krone“ oder die „Dornenkrone“ der Schöpfung ist.

Musikalische Begleitung: Schüler/ innen und Lehrende des Diözesankonservatoriums der Erzdiözese Wien sowie die „CCM Band“ unter Gesamtleitung von Michal Kucharko.

„Was ist der Mensch? – Gottesdienst zur Schöpfungszeit“

So., 20.9.2026 um 10 Uhr

Live in ORF III und den Regionalradios

2 Organisation Evangelisches Bildungswerk Salzburg - Tirol    

2.1 Verwaltung    

Sekretariat

Franziska S. Valenta Rev., Bürozeiten: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag von 09:00 Uhr bis 18:00 Uhr, an Feiertagen geschlossen

Adresse

Evangelisches Bildungswerk Salzburg - Tirol

5020 Salzburg

Sinnhubstraße 10/1209

Tel 0699 18877870

E - mail info@ebw-salzburg.at

Homepage http://www.ebw-salzburg.at

2.2 Leitbild    

Evangelische Erwachsenenbildung lässt sich vom Evangelium motivieren, um interessierte Erwachsene zu eigenständiger Lebensgestaltung und Verantwortung für die Mitwelt zu ermutigen und zu befähigen. Dafür bietet sie Begegnungen und Orte an, wo Einzelne und Gruppen im gemeinsamen Lernen Orientierung suchen und Handlungsmöglichkeiten entdecken können.

Ebenso wird die finanzielle Förderung sowie Beratung und Information bei der Durchführung von Bildungsveranstaltungen angestrebt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Koordination der einzelnen Bildungsangebote und Veranstaltungen innerhalb der Diözese.

Das Evangelische Bildungswerk Salzburg - Tirol ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Bildungswerke in Österreich und in der Arbeitsgemeinschaft Salzburger Erwachsenenbildung.

Zertifiziert nach dem Qualitätssicherungsverfahren/ Qualitätsentwicklungsverfahren S- QS und Pro Cum Cert.

3 Veranstaltung Kitzbühel    

3.1 Veranstalter - Evangelisches Bildungswerk Salzburg - Tirol    

Ökumenische Schöpfungszeit - Die Alpen im Wandel der Zeit

Folgeveranstaltung 2025 - Einbeziehen von Erfahrungen/ Diaspora und "Projekt Offene Kirche" > https://www.netzwerkgegengewalt.org/wiki.cgi?Projekt__Offene__Kirche (12.9.2026)

Zeitrahmen September - Oktober 2026

Treffen "Walking and Talking" - Absage an fixe Termine - Dokumentation von Inhalten in der Evangelischen Erwachsenenbildung/ Netzwerkarbeit - Publikation/ Lehrgang Lern Wege 2026 - 2027

Die Treffen und Kontakte möchten sich auseinandersetzen mit dem ländlichen Raum, der Diaspora, dem Kulturraum Alpen und künftigen Veranstaltungen.

Ev. Pfarrgemeinde Kitzbühel

6370 Kitzbühel, Tirol

Ölberg 6,

Jugendraum/ "Offene Kirche" - Räume - Natur

Leitung Dr. Günther Dichatschek

Hans N. (Alpen, Offene Kirche)

Hans - G. K (Kontakte)

Peter Z. (Räume)

Herbert J. (Almen, Sagenwelt)

Sabine D. (Konvertierung Verlag)

Valentina R. (Autorenbetreuung Fromm Verlag)

"Offene Kirche" (Kontakte)

Mach mit - Einreichung

Wed, 16 Sep 2026 16:03:06 +0200 =======================================

Vielen Dank für die Infos zu ihrem Projekt.

Es wurden folgende Daten aufgenommen

Diözese Evangelische Kirche

Name der Ansprechperson: Dr. Günther Dichatschek MSc

E - Mail Adresse: dichatschek@kitz.net

Titel des Projekts: Die Alpen im Wandel der Zeit

Pfarre/ Ordensniederlassung/ Kirchliche Organisation/ Schule: Evangelisches Bildungswerk Salzburg -Tirol

Kategorie: Bildung

Kurzbeschreibung des Projekts: https://www.netzwerkgegengewalt.org/wiki.cgi?Schöpfungszeit

Weitere Informationen: Fortsetzung des Projekts von vorigem Jahr - "Offene Kirche "

Copyright - Angaben: Günther Dichatschek

Nutzungsbedingungen: Ich bestätige, dass ich die Rechte an den hochgeladenen Bildern besitze, und diese zur Nutzung auf der Website zur Verfügung stelle.

Datenschutz: Ich bestätige, dass meine Daten gemäß der DSGVO für interne Vorgänge gespeichert werden dürfen.

Mit freundlichen Grüßen

https://www.schoepfung.at/

3.2 Beratungsergebnisse    

Pfarrgemeinde - Pfarrblatt/ Pfarrbüro

Öffentlichkeitsarbeit

Jugendraum - Räume - Natur

Kooperation mit den Bereichen "Ehrenamt"/ Freiwilligenkoordination und "Lehrgang Lern Wege"

Inhalte - Teilnehmerorientierung/ Alpine Entwicklungen - Bereiche - Rundgespräche und Kontakte - Realität

Folgeveranstaltungen/ Vorschläge - angestrebt wird eine Verbindung mit "Lern Wege" (Lehrgang zur Erwachsenenbildung im evangelischen Kontext 2026 - 2027 > https://evang.at/kirche/bildung/aebw/#LernWege [11.8.2026] )







3.3 Bildung für Nachhaltige Entwicklung    

Das Rundgespräch und Kontakte ermutigen zu einer "Bildung für Nachhaltige Entwicklung" (BNE) in allen Bildungsbereichen im Kontext Politischer Bildung.

Angesprochen ist Evangelische Erwachsenenbildung.

Gefordert sind die Schul- und Religionspädagogik, Hochschuldidaktik und Erwachsenenpädagogik.

Literaturhinweis

Günther Dichatschek (2024): Grundwissen Tourismus. Aspekte eines Fachbereichs im Kontext Politischer Bildung, Akademikerverlag ISBN 978-3-639-63046-6

3.3.1 Pressearbeit    

Quelle

Salzburger Nachrichten

Montag 14. Juli 2025 10:44 Uhr

Leserbrief

Ein Plädoyer für Nachhaltigkeit

Eindrucksvoll haben die SN vom 12. Juli sich mit dem Tourismus auf Seite eins, "Foto - Berge", und sieben, "Feindbilder", beschäftigt. Ergänzend sollte man Aspekte einer Nachhaltigkeit beachten. "Nachhaltige Entwicklung" ist die Idee einer generationenübergreifenden Gerechtigkeit im Hinblick auf schwindende natürliche Ressourcen und eine abnehmende Fähigkeit von Ökosystemen, Emissionen aufzunehmen, sowie eine zunehmende Umweltzerstörung. Unsere Alpen sind zunehmend betroffen.

Das Konzept verpflichtet zur Sicherstellung, ein sicheres und autonomes Leben führen zu können. Auszugehen ist davon, die Lebensgrundlagen für alle heute und zukünftig zu sichern und bestenfalls wiederherzustellen.

Irreführend wäre, von einem genau zu definierenden Zustand "nachhaltiger Entwicklung" zu sprechen, zumal es kultur-, orts- und zeitabhängige unterschiedliche Gestaltungsräume gibt. Gründe sind die physischen und soziokulturellen Voraussetzungen in ihrer Unterschiedlichkeit wie Ökosysteme, Gesellschaften und kulturelle Identitäten.

Zu beachten sind der Wandel der Voraussetzungen im Laufe der Zeit durch natürliche und soziale Prozesse sowie ethische Vorstellungen wie Klimawandel, Demografie, soziopolitische Umbrüche und Gerechtigkeit.

Die Umsetzung zu einer nachhaltigeren Gesellschaft ist ein wissensbasierter und ethisch orientierter Such-, Lern- und Erfahrungsprozess. Theorie und Praxis tragen durch bestimmte Wissensformen zu diesen Prozessen bei.

Dr. Günther Dichatschek MSc, 6370 Kitzbühel

3.3.2 Begründung Nachhaltige Begründung    

Der normativer Kern "Nachhaltiger Entwicklung" ist die Idee der inter- und intragenerationellen Gerechtigkeit im Hinblick schwindender natürlicher Ressourcen und einer abnehmender Fähigkeit von Ökosystemen, Emissionen aufzunehmen und einer zunehmenden Umweltzerstörung.

Das Konzept verpflichtet eine Sicherstellung, ein sicheres und autonomes Leben führen zu können. Auszugehen ist, die Lebensgrundlagen für alle heute und zukünftig zu sichern und bestenfalls wiederherzustellen.

Irreführend wäre, von einem genau zu definierenden Zustand "Nachhaltiger Entwicklung" zu sprechen, zumal es kultur - religiöse , ort- und zeitabhängige unterschiedliche Gestaltungsräume gibt.

Gründe sind die physischen und soziokulturellen Voraussetzungen in ihrer Unterschiedlichkeit (vgl. Ökosysteme, Gesellschaften und kulturell- religiöse Identitäten).

Zu beachten sind außerdem der Wandel der Voraussetzungen im Laufe der Zeit durch natürliche und soziale Prozesse sowie ethisch zu prüfende Vorstellungen (vgl. Klimawandel; Demographie, soziopolitische Umbrüche; Gerechtigkeit).




Die Transformation zu einer nachhaltigeren Gesellschaft ist ein wissensbasierter und ethisch orientierter Such-, Lern- und Erfahrungsprozess.

Die Wissenschaft trägt durch bestimmte Wissensformen zu diesen Prozessen bei.




3.3.3 Studienbrief Nachhaltige Entwicklung - Schöpfung    

Im Studienbrief Schöpfung geht man davon aus, dass der Erhalt der Vielfalt alles Lebendigen und der Natur als Lebens- und Wirtschaftsgrundlage für künftige Generationen mit dem kirchlichen Motiv der Bewahrung der Schöpfung korrespondiert.

Wenn der Mensch im Alten Testament aufgerufen wird, sich die Erde untertan zu machen, dann ist dies keine Legitimation zum Raubbau an der Natur oder ein Freibrief für Umweltkatastrophen, Klimaveränderung und Artensterben, sondern ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Mensch verantwortlich für die von Gott anvertraute Schöpfung ist.

Der Mensch ist verpflichtet, den Grundbestand der Schöpfung in seinem ganzen Reichtum zu wahren. Zwar darf der Mensch die Natur gestalten, ihre Ressourcen nutzen und sein Leben in ihr einrichten, aber er darf sie nicht missbrauchen, ihre Gaben vergeuden und Lebensräume zerstören. Das Lebendige soll leben können, nicht nur um der Nützlichkeit für den Menschen willen, sondern um der Fülle und um der Schönheit der Schöpfung wegen.

Dieser Studienbrief verdeutlicht, dass aber gerade in unserer Zeit der menschliche Eingriff in die Schöpfung, etwa durch grüne Gentechnologie oder Patentierung von Lebendigem ein Ausmaß erreicht hat, welcher nicht nur zu ökologischen und gesundheitlichen Risiken für heutige und zukünftige Generationen, sondern zu irreparablen Schäden und endgültiger Zerstörung von Pflanzen und Tieren führt und damit eine ökologische Verantwortung ganz im Sinne nachhaltiger Entwicklung notwendiger denn je erscheinen lässt.

3.4 Kolleg Gemeindedienst    




Teil II Grundwissen Alpen    

Aspekte und Entwicklungen eines europäischen Kulturraumes    

Einleitung    

Ein uralter Kulturraum, besiedelt von rund 14 Millionen Menschen, verändert sich durch Klimawandel und Tourismus (vgl. KASTLER 2018, 19)

Für die Politische Bildung bedeutet die Veränderung eines Kulturraumes eine Herausforderung, sich mit Aspekten und Entwicklungen der alpinen Region interdisziplinär auseinanderzusetzen (vgl. DICHATSCHEK 2018).

Werbung, Ansichtskarten, Zeitschriften, Filme und Bildbände zeigen den Alpenraum als unberührte Landschaft, liebliche Almregion mit Hüttenromantik, Felsen und Gipfel im Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergang, schneebedeckte Pisten im Winter und eine eindrucksvolle Seilbahntechnik zur Erschließung der Bergwelt.

Die Menschen in der Alpenregion werden als gut gelaunt dargestellt und haben immer Zeit für die Gäste, die sich erholen und braungebrannt sind.

Bergwandern, Schipisten in das Tal und Training für viele Sportarten in der Berglandschaft ergänzen ein Bild, das durch Klimawandel und Tourismus gekennzeichnet ist.

Konkurrenz in der Darstellung von Urlaubsträumen gibt es nur in der Trias Sandstrand, Meer und Palmen.

Es gibt aber auch Ausschnitte, die mehr zeigen als Idylle und Informationen liefern, wie sich ein jahrtausendealter Kultur- und Lebensraum erhalten lässt (vgl. BÄTZING 2018).

Als eine der größten Bergketten der Welt erstreckt sich die alpine Landschaft über 1200 Kilometer von Nizza bis Wien. Die Region Tirol liegt in einem hohen Maß in einer alpinen Landschaft.

Kennzeichnend sind der Mont Blanc mit 4807 Metern als höchster Berg, ein Lebensraum von rund 14 Millionen Menschen und einem Anteil von acht Staaten an den Alpen mit Monaco, Frankreich, Italien, der Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Österreich und Slowenien.

Menschen haben im Laufe der Geschichte zur Lebenssicherung tiefgreifend die Landschaft ökologisch verändert und umgestaltet, kulturell beeinflusst und sozioökonomisch erschlossen.

Ausgangspunkt der Überlegungen ist die Auseinandersetzung mit der Fachliteratur und den konkreten Veränderungen in der Alpenregion vor Ort. Interdisziplinarität ist Kennzeichen einer thematischen Auseinandersetzung mit Kulturgeographie, Volkskunde, Politischer Bildung und Kulturwissenschaften (vgl. HAID 2005/2008, BÄTZING 2015/2018, LUGER - REST 2018, MATHIEU 2018, DICHATSCHEK 2018).

Der Beitrag gliedert sich in fünf Themenbereiche. Alpine Erdgeschichte, Besiedelung und Nutzung, Massentourismus, Alpenkonvention und der Sagenwelt mit Mythen.

Die Studie beschäftigt sich auch mit Zukunftsfragen.

1 Alpine Erdgeschichte    

Der Alpenraum erzeugt in seiner geographischen Unterschiedlichkeit der Landschaften, Räume bzw. Regionen und kulturellen Vielfalt jene Sehnsüchte, die in der Werbung angesprochen und in der Nutzung von Freizeit, wirtschaftlicher Nutzung und persönlichem Lebensraum sich ergeben.

Bevor auf die kulturgeographischen Gegebenheiten näher eingegangen wird, sollen einleitend der Alpenraum erd- und siedlungsgeschichtlich betrachtet werden.

Die Alpen sind erdgeschichtlich ein junges Gebirge (vgl. BÄTZING 2018, 32-35). Entstanden sind sie durch das Zusammenprallen von Afrika und Europa vor etwa 25 Millionen Jahren.

  • Die Adriatische Platte - heute Teile Italiens, des Balkans, des Alpenraumes und der Adria - war noch ein Teil Afrikas und wurde in Jahrmillionen wie ein Keil in die europäische Südküste getrieben.
  • Durch den Zusammenprall falteten sich die Ränder der Afrikanischen und Europäischen Platte dort auf, wo heute die Alpen sich befinden. Die Gesteinsmassen türmten sich übereinander, sie wachsen heute noch.
  • Die Afrikanische Platte bewegt sich heute mit fünf Zentimeter pro Jahr nach Norden.
  • Die Alpen wachsen daher jedes Jahr um einige Millimeter.
  • Schnee, Wasser, Wind und Eis tragen die die Gebirgskette wieder ab und formen sie um.
2 Besiedelung und Nutzung des alpinen Raumes    

Durch die Besiedelung kam es zu kulturellen und wirtschaftlichen Veränderungen, die zum Zwecke der Lebensraumgestaltung und Lebenssicherung tiefgreifende ökologische und sozioökonomische Veränderungen und Umgestaltungen ergaben.

  • Rodungen und Bannwälder ergaben kleinräumige Siedlungen und Wirtschaftsräume mit bäuerlichen Familienstrukturen, die in Generationen dachten und planten (vgl. die Landwirtschaft im Alpenraum BÄTZING 2018, 140-145).
  • Heute wird ein solches Denken und Handeln gegen die Zerstörung wertvoller Lebensräume empfohlen.
  • Oft übersehen wird das Gewerbe und die Industrie, wobei der Übergang europaweit und im gesamten Alpenraum zur Dienstleistungsgesellschaft geht (vgl. BÄTZING 2018, 146-149).
2.1 Bäuerliche Kulturlandschaft    

Die Umwandlung in eine bäuerliche Kulturlandschaft hat neben einer sozioökonomischen Bedeutung für die Bergbauern eine biologische in der die Artenvielfalt der Pflanzen- und Tierwelt (vgl. HAID 2005, VIDEK o.J.).

Der alpine Raum stellt eines der Biodiversitätszentren Europas dar.

Obwohl der alpine Raum nur zwei Prozent der Fläche Europas bedeckt, beherbergt er rund 40 Prozent der europäischen Pflanzenwelt mit rund 400 Pflanzenarten (vgl. BÄTZING 2018, 62-65).

Von besonderer Bedeutung ist der Wald in den Alpen (vgl. geschlossene Waldflächen, Bannwald, Waldweide).

Ebenso gilt der alpine Raum als eine Zone für Wasserreserven (vgl. BÄTZING 2018, 58-61, 164-167).

In den Alpen gibt es mindestens 30 000 Tierarten.

Der Klimawandel setzt dieser Vielfalt besonders zu.

2.2 Almwirtschaft    

Der alpine Raum gilt als ideale Fläche für die Almwirtschaft (vgl. MAIR 2019, 5; Klimawandel wirkt sich auf Almen aus > https://tirol.orf.at/news/stories/2976847 [20.4.20019], "Dokumentation am Feiertag" Kuh, Schaf, Wolf & Klima > https://tirol.orf.at/tv/stories/3168228/ 13.8. 2022]).

Die unterschiedliche Nutzung von Nieder-, Mittel- und Hochalmen ist für die bergbäuerliche Bewirtschaftung wesentlich.

Ebenso bedeutend sind die unterschiedlichen Formen von Rinder-, Stier-, Pferde-, Schaf- und Ziegenalmen.

Wesentlich sind die Besitzverhältnisse wie Privat-, Genossenschafts-, Servituts- und Gemeindealmen.

Die Bauweisen unterscheiden Almhütten als Stein- und Holzbauten.

Für das Almpersonal ist "Kost" (Ernährung), Kleidung, Tracht, Entlohnung und Almleben wesentlich.

Die Almen gelten seit ihrer wirtschaftlichen Nutzung auch als Kulturraum (vgl. Feste, Lieder und Almsagen - Erholungsraum).

Die Universität Innsbruck erforscht im Projekt Stella hydrologische Verhältnisse im Tiroler Brixental im Almbereich (vgl. https://www.uibk.ac.at/geographie/stella/stella-executive-summary.pdf > Version 2/6.11.2017 [21.12.2018]).

Unterschiedliche Aspekte bei Nutzung ergeben aus dem Interessenskonflikt von Ökonomie und Ökologie.

2.3 Alpenraum als Rohstoffquellen    

Der alpine Raum war schon früh ein Gebiet für begehrte Rohstoffquellen, etwa Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Salz (vgl. BÄTZING 2015).

Die Bergbaugebiete wurden zu Handelsknotenpunkten und entwickelten sich in der Folge zu Märkten und Städten (vgl. BÄTZING 2018, 116-123).

Mit der zunehmenden Besiedelung kam es zu Entwicklungen von Wanderbewegungen notwendiger Arbeitskräfte und kulturell und religiöser Vielfalt (man denke an die Reformationszeit mit der Verbreitung des reformatorischen Glaubens durch Zuwanderung in den Bergbauregionen/ Beispiel Schwaz; vgl. BÄTZING 2018, 124-127).

Wirtschaftliche Konzentration und in der Folge damit verbunden politische Macht ergaben sich aus den Gewinnen der Nutzung der Bergbauproduktion.

2.4 Industrielle Revolution    

Mit Beginn der industriellen Revolution begannen die Städte das Land bzw. den alpinen Raum zu beherrschen.

Kleinbetriebe verloren an Bedeutung.

Es begann die Nutzung der große Alpentäler.

Das Auto, der Lastkraftwagen und die neuen Eisenbahnlinien, mit Tunnelbauten im Gebirge, gewannen in der Folge an Bedeutung und wurden zunehmend notwendig.

Heute führen die großen Transversalen von Nord nach Süd durch den Alpenraum und verursachen ökologische Probleme, deren Folgen den Lebensraum und die Lebensbedingungen der Bevölkerung belasten (vgl. die Verkehrserschließung des alpinen Raumes BÄTZING 2018, 132-139).

3 Massentourismus vs. Sanfter Tourismus    

3.1 Erschließung des alpinen Raumes    

Die Erschließung des alpinen Raumes war die Grundlage für einen Massentourismus, der zu Beginn des von vorigen Jahrhunderts sich entwickelte (vgl. BÄTZING 2018, 150-159).

In vielen Tälern war der Tourismus die Grundlage für eine Besiedelung und einen wirtschaftlichen Nutzen.

Alpine urbane Zentren und Tourismuszentren wurden bzw. werden in diesem Entwicklungsstadium intensiv genützt (vgl. BÄTZING 2018, 160-163).

Problembereiche gibt es, wenn der Tourismus in Gebiete vorstößt, die für keine Besiedelung geeignet sind.

Fragen treten bei der Gestaltung des Tourismus mit Millionen Gästen auf, wenn Erlebnislandschaften in einem sensiblen Raum verlangt und geplant werden.

Der Nutzen für einen Großteil der Bevölkerung ist fraglich (vgl. überdimensionale Infrastrukturen, hoher Strom- und Wasserverbrauch, hohe Müllkapazitäten, teure Baugründe, Verkehrschaos)

Gefordert sind Steuerungsmechanismen, um Raumordnungspläne und regionale Entwicklungen abstimmen zu können.

3.2 Freizeitverhalten    

In diesem Zusammenhang ist etwa das zunehmende Freizeitverhalten der Bevölkerung im alpinen Raum zu sehen (vgl. BÄTZING 2018, 24-27).

Der Drang, die alpine Landschaft zu genießen, bringt für das Wild - man denke allein in Tirol gibt es rund einen Bestand von 200 000 Tieren - in Unruhe, damit können die notwendigen Abschusszahlen jährlich nicht erfüllt werden.

Es bedarf funktionierender Steuerungsmachanismen zwischen der Jägerschaft und den Tourismusverbänden (vgl. https://tirol.orf.at/news/stories/2953841/ [18.12.2018]).

Im Wintertourismus steigt der Druck durch den Klimawandel.

Gebiete sollen erschlossen werden, die bis jetzt Rückzugsräume waren (vgl. Freizeitparks im Hochgebirge BÄTZING 2018, 194-205).

Heute bildet der alpine Raum das Ziel von rund 120 Millionen Gästen.

Zu beachten sind Bemühungen um einen Naturschutz als Erhaltung der Realität im alpinen Raum (vgl. BÄTZING 2018, 168-169).

Die Erhaltung und Förderung von Nationalparks mit Naturbeobachtungen, Vermehrung des biologischen Wissens und einer Erhaltung von geschützten Großräumen verdient vermehrt Beachtung.

3.3 Alpine Vereine    

Die nationalen und internationalen alpinen Vereine mit rund 2 Millionen Mitgliedern erhalten den größten Teil der Wege und Hütten unter immer mehr erschwerten Bedingungen.

Sie sind abhängig von Subventionen der öffentlichen Hand und eines freiwilligen Engagements ("Ehrenamtlichkeit").

Dies bedeutet die Basis für einen alpinen Tourismus, der einen sanften Tourismus bildet.

Zudem gilt das Engagement als ein der großen Gemeinwesen-Projekte?.

Zu beachten sind überlaufende Berghütten der Mitglieder, Gefahren im Hochgebirge werden oftmals unterschätzt.

- - -

Verband Alpiner Vereine Österreichs (VAVÖ)

Alpenverein Südtirol (AVS)

Alpine Association of Slovenia

Club 4000

Club Alpin francais

Club Alpino Italiano (CAI)

Deutscher Alpenverein (DAV)

Österreichischer Alpenverein (ÖAV)

Naturfreunde Deutschland

Naturfreunde Österreich

Naturfreunde Schweiz

Österreichischer Bergführerverband

Österreichischer Touristenclub

Schweizer Alpenclub

4 Alpenkonvention 1989    

Die völkerrechtlich verbindliche Konvention - geschlossen 1989 in Berchtesgaden von den Umweltministern von Deutschland, Frankreich, Italien, Slowenien, Liechtenstein, Österreich, der Schweiz und Europäischen Gemeinschaft - umfasst eine Präambel und 14 Artikel.

4.1 Präambel    

Die Präambel betont die Bedeutung der Alpen als großen zusammenhängenden Naturraum in Europa, die spezifische und vielfältige Natur, Kultur und Geschichte als ausgezeichneten Lebens-, Wirtschafts-, Kultur- und Erholungsraum im Herzen Europas, an dem zahlreiche Völker und Länder teilhaben.

Die Bedeutung für außeralpine Gebiete, unter anderem als Träger bedeutender Verkehrswege, wird anerkannt.

Ebenso wird der alpine Raum als Rückzugs- und Lebensraum für gefährdete Pflanzen- und Tierarten betont.

Festgehalten werden die Unterschiede der einzelnen Rechtsordnungen, der naturräumlichen Gegebenheiten und Besiedelungen,

der Land- und Forstwirtschaft und Entwicklung der Wirtschaft, der Verkehrsbelastung und die Art und Intensität der touristischen Nutzung.

Anerkannt wird die wachsende Beanspruchung des Alpenraumes, die Gefährdung ökologischer Funktionen und deren hoher Aufwand, verbunden mit beträchtlichen Kosten zur Behebung in der Regel nur in großen Zeiträumen.

Ausgedrückt wird die Überzeugung, dass wirtschaftliche Interessen mit den ökologischen Erfordernissen in Einklang gebracht werden müssen.

4.2 14 Artikel    

Artikel 1 umfasst den Anwendungsbereich.

Artikel 2 betrifft die allgemeinen Verpflichtungen wie die Achtung, Erhaltung und Förderung der Bevölkerung und Kultur, die Raumplanung, Luftreinhaltung, der Bodenschutz, Wasserhaushalt, Naturschutz und die Landschaftspflege, Berglandwirtschaft, der Bergwald, der Einklang von Tourismus und Freizeitaktivitäten, die Belastung von Verkehr, die Erzeugung von Energie und Abfallvermeidung.

Artikel 3 beschreibt die Forschungsaktivitäten und systematische Beobachtung der in Artikel 2 genannten Gebiete.

Artikel 4 dokumentiert die Zusammenarbeit im rechtlichen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und technischen Bereich.

Artikel 5 umfasst die Organisation der Konferenz der Vertragsparteien (Alpenkonferenz).

Artikel 6 umfasst den Aufgabenbereich der Alpenkonferenz.

Artikel 7 behandelt die Beschlussfassung in der Alpenkonferenz.

Artikel 8 bezieht sich auf die Bestimmungen des Artikel 7 mit den Aufgaben des Ständigen Ausschusses.

Artikel 9 bezieht sich auf das Sekretariat der Alpenkonferenz.

Artikel 10 betrifft Änderungen des Übereinkommens.

Artikel 11 bezieht sich auf Protokolle und ihre Änderung.

Artikel 12 regelt die Unterzeichnung und Ratifizierung des Übereinkommens.

Artikel 13 regelt eine Kündigung des Vertragswerkes.

Artikel 14 regelt die Notifikationen.

IT - Hinweis

Geltende Fassung 2021 > http://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10010876 (22.9.21)

5 Reflexion    

5.1 Zukunft des alpinen Raumes    

Für die Politische Bildung ist die Frage nach der Zukunft des alpinen Raumes eine wesentliche Fragestellung.

"Wenn die Entwicklung der Alpen so weitergeht wie bisher, dann werden die letzten noch erhaltenden Kulturlandschaften in absehbarer Zeit allmählich verschwinden und die Alpen werden ausschließlich aus verwaldeten und verstädterten Regionen bestehen" (BÄTZING 2018, 210).

5.2 Zielsetzungen    

Zielsetzungen wären in Anlehnung an HAID (2005) und BÄTZING (2018)

1 eine Aufwertung als dezentraler Lebens- und Wirtschaftsraum,

2 in Anbindung an eine Modernisierung Europas die Erhaltung des alpinen Raumes als Freiraums mit eigenständiger Entwicklung,

3 dies bedeutet die Nutzung der wertvollen Ressourcen (etwa regionstypischer Qualitätsprodukte/Viehwirtschaft, Acker- und Obstbau, Holz, Energienutzung),

4 einen Umbau des Tourismus zur Nutzung der Regionalwirtschaft (vgl. Alpintourismus/Bewertung und Wandel > http://m.bpb.de/apuz/25886/alpentourismus-bewertung-und-wandel?p=all [2.2.2019]),

5 schnelleres Internet mit dezentralen Arbeitsplätzen,

6 neue Kulturlandschaften mit Schutz des Lebensraumes. Dazu bedarf es einer spezifischen Infrastruktur und Stützung, Betreuung und Beratung von Gemeinwesenprojekten,

7 den Ausbau von schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen,

8 Versorgung mit Medizineinrichtungen und Krankenbetreuung,

9 Sozialbetreuung für Jugend und Senioren,

10 ausreichender Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr und einen tauglichen Verkehrsverbund,

11 ausreichende Verwaltungseinheiten,

12 Möglichkeiten von Arbeitsräumen,

13 Stützung und Förderung Berglandwirtschaft,

14 Schaffung von Freizeiträumen und

15 die vermehrte Beachtung der Bedeutung der Alpenkonvention zur Wahrung europäischer Interessen an den Alpen ist einzumahnen(vgl. Transitverkehr, Wassernutzung, Erholungsraum/Schutzräume - Naturschutz - Nationalparks).

5.3 Aufgabenfelder einer Politische Bildung    

Als Aufgabenfelder stellen sich

1 eine Agrarpolitik mit dem Aspekt der Erhaltung einer Berglandwirtschaft - ökonomisch, ökologisch, sozial und kulturell,

2 der Klimawandel und Klimaschutz als komplexes Anliegen einer Umweltpolitik und

3 der vermehrten Beachtung des sensiblen alpinen Raumes, im Rahmen globaler Überlegungen bzw. Globalen Lernens.

Ein Interessenskonflikt ergibt sich aus der Bipolarität von Ökonomie und Ökologie.

Politische Bildung zeigt die Kontroverse auf und sucht nach konsensualen Lösungswegen im Einzelfall.

Vermehrt sollte die Schönheit der alpinen Landschaft und ihre Einmaligkeit - schulisch und außerschulisch - im Kontext Politischer Bildung in

  • Projekten,
  • Exkursionen,
  • Erkundungen,
  • Bildmaterial und
  • praktischen Erfahrungen anschaulich demonstriert werden (vgl. als Impuls die Dissertation zur Kultur des Bergführerberufs [Schweiz]von HUNGERBÜHLER 2014).
Zunehmend sind zu beobachten die Folgen eines Klimawandels mit einer

1 Erwärmung im Hochgebirge (vgl. Ansteigen der Schneegrenze, Gletscherschmelze, geringere Wasserabflüsse, Permafrostschmelze, Unwetter- und Naturgefahren [Starkregen, Murenabgang und Steinlawinen] sowie zunehmender Dürreflächen),

2 Verschieben der Pflanzen- und Tierwelt sowie

3 Auftreten neuer Schädlinge.

5.4 IT - Hinweise    

Universität Innsbruck - "International Mountain Conference 2019"/8-12, 2019 > https://tirol.orf.at/stories/3011876/ (8.9.2019)

ORF.at - Klimawandel lässt Alpen rascher zerbröseln > https://salzburg.orf.at/stories/3014758/ (27.9.2019)

Literaturverzeichnis    

Angeführt sind jene Titel, die für den Beitrag verwendet und/oder direkt zitiert werden.

Alpenkonvention (2013): Nachhaltiger Tourismus in den Alpen, 4. Alpenzustandsbericht, Innsbruck

Bätzing W. (2015): Die Alpen - Geschichte und Zukunft einer europäischen Kulturlandschaft, München

Bätzing W. (2018): Die Alpen. Das Verschwinden einer Kulturlandschaft, Darmstadt

Dichatschek G. (2018): Didaktik der Politischen Bildung. Theorie, Praxis und Handlungsfelder der Fachdidaktik der Politischen Bildung, Saarbrücken

Haid H. (1986): Vom alten Leben. Vergehende Existenz-und Arbeitsformen im Alpenbereich, Rosenheim

Haid H. (2005): Neues Leben in den Alpen. Initiativen, Modelle und Projekte der Bio - Landwirtschaft, Wien - Köln -Weimar

Heinich - Böll - Stiftung/ Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland/ Le Monde Diplomatique (2019): Agrar - Atlas 2019. Daten und Fakten zur EU - Landwirtschaft, Berlin

Holzer A. (2026): Vom Bauern zum Skilehrer. Die ladinischen Dolomiten an der Schwelle zum Massentourismus, in: AV -Zeitung 3/ 26, 96 - 97

Hungerbühler A. (2014): Könige der Alpen. Zur Kultur des Bergführerberufs, Bielefeld

Kastler U. (2018): In den Alpen gibt es keine heile Welt, in: Salzburger Nachrichten, 13. Dezember 2018, 19

Luger K. - Rest Fr. (Hrsg.) (2018): Alpenreisen. Erlebnis, Raumtransformation, Imigation, Innsbruck - Wien - Bozen

Mair B. (2019): Zwischen Heimat und Erholung, in: Tiroler Tageszeitung, 15. 4.2019, 5

Mathieu J. (2015): Die Alpen. Raum - Kultur - Geschichte, Stuttgart

Pfeiffenberger A. (2019): Das Risiko auf dem Berg wird unterschätzt, in: Salzburger Nachrichten, 8. Jänner 2019, 1

Vitek E. (o.J.): Die Pflanzenwelt der österreichischen Alpen, Naturhistorisches Museum, Wien

Vock R. (2026): Erde und Menschen - einfach Politik. Ein Heft über Klimawandel und Artensterben, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn

IT - Autorenbeiträge    

Die Autorenbeiträge dienen der Ergänzung der Thematik.

Netzwerk gegen Gewalt

http://www.netzwerkgegengewalt.org

Politische Bildung

Globales Lernen

Agrarpolitik

Almen

6 Sagenwelt im alpinen mitteleuropäischen Raum    

Einleitung    

Der alpine Kulturraum ist geprägt von Almregionen. Neben ihrer Bedeutung für die Berglandwirtschaft, bieten die Almregionen auch Erholungsraum, die Erhaltung von Schutzräumen für die Siedlungsstruktur in den Alpen.

Für die Volkskunde weisen Sagen und Mythen auf eine rege literarisch - sprachliche Kultur hin.

6.1 Sagenwelt Österreich    

Für den europäischen Kulturkreis bilden bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die Kategorien Aussaat und Ernte, Geburt, Hochzeit und Tod die wichtigsten Interessendominanten der Agrarkultur.

Grundsätzlich lässt sich die Erzählüberlieferung und Motivik alpiner Provenienz in zwei Gruppen einteilen.

Zur ersten Gruppe gehören Erzählungen, die primär aus dem Denken und Leben der Alpenbewohner entstanden sind. Hierzu gehören die Sagen, wie die von der „Sennenpuppe“, vom „Wintersenn“, dem „Alperer“ und den „Saligen“.

Die zweite, wesentlich größere Gruppe umfasst Sagen, die das spezifische Milieu wiedergeben, deren Protagonisten jedoch nur modifizierte Gestalten aus Sagentypen allgemeiner Verbreitung sind. Das bedeutet, dass es sich um Motive und dramatis personae handelt, die oikotypisch sich dem Milieu der Almsagen anverwandelt haben. Hierzu gehören Sagen von der „Todesbotschaft“, vom „Aasgeschenk des Wilden Jägers“ u.a., die in den meisten Regionen Mitteleuropas verbreitet sind, weiters die Sagen von betrügerischen Hirten und Sennen , die nach dem Tod umgehen müssen (Wiedergänger), von Grenzfrevlern, die den Grenzstein zu ihren Gunsten versetzen. Sie sind überall dort verbreitet, wo fruchtbares Land knapp ist, so auch auf den Almen.

Quelle: L. Petzoldt, in: G. Hirschfelder u.a. (Hg.): Kulturen – Sprachen – Übergänge, Weimar 2000, 277 - 290

Anmerkung: Oikotyp=griech.Oikos, Haus, zum Haus gehörig. Allgemeiner bezeichnet man unterschiedliche regionale Züge in Erzählungen desselben Typs als Oikotypen. Ätiologisch = griech.aitia, die Ursache. Bezeichnet Erzählungen, die von der Entstehung eines Brauchs, eines Bauwerks u.ä. berichten und diese aus einem Ereignis der Vergangenheit ableiten (Erklärungs- oder Ursprungssagen).

6.1.1 Steiermark    

Das Kasmandl und der Steirerkäse

Die Grafenbergalm wurde von ein paar tüchtigen Sennerinnen mustergültig bewirtschaftet. Gab es länger keinen Regen, mussten sie zu einer Quelle absteigen, um Wasser zu holen.

Eines Tages war eine Sennerin bei der Quelle und bemerkte ein kleines, grau gekleidetes Männchen. Als sie auch noch das faltige Gesicht sah, wusste sie, dass es ein Kasmandl war. Sie schlich sich an, packte es und obwohl es sich mit Leibeskräften wehrte, trug sie es zur Almhütte hinauf. Als sie mit dem kleinen Mandl bei der Almhütte angekommen war, kamen die anderen Sennerinnen herbei. Da das Männchen so zierlich und liebenswert aussah, wollten es die Frauen unbedingt behalten und steckten es in eine leere Milchkanne.

Das Kasmandl aber flehte um seine Freiheit und sagte: "Wenn ihr mir meine Freiheit wiedergebt, beschenke ich euch. Ich zeige euch, wie man aus Milch einen besonderen Käse machen kann!" Die drei Sennerinnen waren von diesem Vorschlag begeistert und bald wussten sie, wie man den Steirerkäse machen kann. Das Kasmandl bekam seine Freiheit und lief davon. Doch eine der Sennerinnen meinte: "Wie wär´s, wenn wir das Mandl noch einmal einfangen, damit es uns noch ein anderes Geheimnis verrät?"

Sie liefen rasch zur Wasserquelle hinunter und erwischten gerade noch das Kasmandl, bevor es es verschwinden wollte. Sie hielten es fest und ließen es nicht mehr los. Da flehte das Kasmadl: "Bitte, lasst mich aus! Ich verrate euch dafür ein weiteres Geheimnis!" Die Sennerinnen waren einverstanden und gingen auf den Vorschlag ein. Jetzt erfuhren sie vom Kasmandl, wie man aus Buttermilch einen bröseligen Topfen (Schotten) machen kann. Damit waren die Frauen zufrieden und ließen das Mandl aus, das sicherlich noch einige Geheimnisse gewusst hätte.

Quelle: Sagen aus der Steiermark/ Hrsg. Peter Stelzl (2012), 112, Graz

Anmerkung: „Kasmandl - Sagen“ geben auf einer symbolischen Ebene Nachricht von Ängsten und Nöten sowie Wertvorstellungen der früheren bäuerlichen Gesellschaft. Als Verbindungsglieder zwischen kontrollierbarer Kultur und unberechenbarer Natur dienen sie dazu, plötzliche Unglücksfälle oder nicht vorhersehbare Ereignisse zu erklären. Das Kasmandl ist ein koboldartiger Dämon, der nach dem Abzug der Senner auf Almhütten haust. Oft tragen diese Dämonen die Züge von Sennern, die zu Lebzeiten schuldhaft Nahrung, Tiere und Geräte verkommen ließen. Damit müssen sie so lange auf den Almen ihr Unwesen treiben, bis sie durch bewusste oder unbewusste Hilfe die erhoffte Erlösung finden.

6.1.2 Vorarlberg    

Die schwarze Kuh

Ein Hirt hatte einmal im Herbst bei der Abfahrt von der Alpe Latonz eine schwarze Kuh vergessen. So blieb ihm nichts anderes übrig, als noch einmal auf die Alm zu gehen, um sie zu suchen. Er fand die Kuh richtig am "Stafel" liegen. Da aber bereits die Dämmerung einsetzte, stellte er dieselbe in die Alphütte. Er selbst legte sich dort auf die Pritsche, um oberhalb der Küche über Nacht zu schlafen.

Es mochte so um Mitternacht gewesen sein, als er durch einen großen Lärm aus seinem Schlummer geweckt wurde. Da sah er unter ihm im "Deihja - Gmach" (Deihsa, Sennhütte) einen Haufen fremder Leute, die eifrig mit Kochen, Sieden und Braten beschäftigt waren. Der Hirt schaute ihnen eine Weile zu, aber es war ihm ganz unheimlich zumute.

Auf einmal rief einer der Leute:"Los, du da oben auf der Pritsche, magst du kein Fleisch?" Der Hirt antwortete: "Ja, ich mag", und darauf musste er herab von seiner Lagerstätte, um mit den Unbekannten mitzuhalten. Das Fleisch war gut, aber auf einmal merkte der Hirt, dass seine schwarze Kuh im Stall draußen ein ungeheures Loch in ihrem Leibe hatte. Er dachte sich, "die Kerle haben das Fleisch meiner Kuh aus dem Leibe geschnitten, und bis es morgen wird, fressen sie dieselbe ganz auf". Trotzdem machte er wohlweislich vor den fremden Gästen seinem Ärger nicht Luft.

Nachgerade fingen die Leute an zu musizieren und zu tanzen, dass die Alphütte fast aus den Fugen geriet. Der Hirt schaute stillschweigend zu, bis ihn einer der Fremden fragte: "Willst du nicht unsere Musik lernen?" "Ja, gerne", sagte er, "besonders flöten. Da gab man ihm eine Flöte in die Hand mit der Weisung, nun tüchtig zu blasen. Er tat wie man ihm sagte. Und siehe da, er konnte die Flöte so zierlich und lieblich blasen, als ob er es jahrelang eingeübt hätte. Er selbst musste sich eingestehen: "Habe ich doch nie gewusst, dass ich ein so guter Musikus bin".

In seiner Freude über die so plötzlich errungene Kunstfertigkeit vergaß er im Stall draußen ganz und gar auf die schwarze Kuh.

Bei des Tages Grauen machten sich die Fremden alle auf den Weg. Der Hirt schaute ihnen noch nach. Doch danach sah er in der Dämmerung an der Tür der Alphütte eine Haut ausgespannt, die er fast als die seiner schwarzen Kuh zu erkennen vermeinte. Als es vollends Tag geworden war, konnte er die Kuhhaut an der Tür plötzlich nicht mehr entdecken. Der Hirt sah seine Kuh unversehrt in der Alphütte stehen. Die Flöte, die er die Nacht über so trefflich geblasen hatte, war ihm geblieben. Er machte sich mit der Flöte und der schwarzen Kuh auf den Rückweg ins Tal.

Quelle: Die Sagen Vorarlbergs, herausgegeben von Richard Beitl, Feldkirch 1950, 142

Anmerkung: In den Sagen ist Putz ein Name für Dämonen. Man versteht darunter ein kleines, verunstaltetes Geisterwesen, das sich durch undeutliche Geräusche offenbart. Jacob Grimm bezeichnet Pütze in seiner Deutschen Mythologie als eine "gesonderte Gesellschaft". Diese fasst er in "Wichte und Elbe" zusammen. Den Pützen wird in den Sagen Vorarlbergs meist ein gutmütiges Wesen zugeschrieben. Während des Sommers hausen sie im Inneren der Berge. In den Herbst- und Wintermonaten wohnen sie in verlassenen Alphütten. Über ihre Tagesarbeit ist wenig überliefert, doch ist ihnen etwas Übermenschliches beigemischt. Meistens können sie sich auch unsichtbar machen. Weiters besitzen sie einerseits die Kraft einem Menschen zu schaden, andererseits können sie einem in Not geratenen Menschen auch helfen. Die rund 2OO Jahre alte Sage, die in ähnlichen Fassungen heute noch im Montafon lebt, gehört in die Überlieferung vom schmausenden und danach abziehenden Nachtvolk.

6.1.3 Oberösterreich    

Der tote Schnee

Noch heute wird im Gebiet um den Dachstein von „verwunschenen“ oder „verschniebenen“ Almen erzählt. Die Namen dieser ehemaligen Almen heißen „Gosau - Gletscher“, „Karls - Eisfeld“ und „Der tote Schnee“.

Die zuletzt genannte Alm zeichnete sich durch gesunde Kräuter und fette Milch aus. Kaum irgendwo sah man so stattliches Weidevieh wie auf dieser Alm. Doch wegen der großen Arbeitsbelastung konnte die Brentlerin die Alm nicht mehr allein betreiben. Sie stellte daher mehrere arbeitsame junge Dirnen in den Dienst. Nun konnte man Unmengen von Schmalz, Butter, Käse und Schotten herstellen. Schließlich wusste die Brentlerin aber nicht mehr, wohin mit dem Ganzen? Es kam dazu, dass sie übermütig wurde.

Eines Tages wurde die Alm von einem schweren Unwetter, das sich über dem mächtigen Dachstein zusammenbraute, heimgesucht. Riesige Wassermassen ließen die Wildbäche anschwellen und über die Ufer treten. Mit unheimlicher Gewalt wurden große Bäume, Brücken und Stege mitgerissen. Am nächsten Tag erkundigten sich die Dirnen bei der Brentlerin, ob man nicht Holzknechte holen sollte, um die zerstörten Brücken wieder herstellen zu können? Doch sie wollte davon nichts wissen und meinte:“Ich pfeife auf die Holzknechte, denn wir bauen die neuen Brücken aus Butter und Käse“.

So wurden nun die Teile der Brücken und Stege aus dem besten Almkäse hergestellt und mit wertvoller Almbutter verleimt. Kaum waren die Dirnen mit der Arbeit fertig, kam für die Frevlerinnen die gerechte Strafe. Plötzlich versank die weitum bekannteste und beste Alm. Von der Hütte blieb nur mehr ein vereister Schneehaufen übrig. Seither ist der einst so fruchtbare Boden vergletschert. Sowohl die Brentlerin mit ihren Dirnen als auch das Almvieh erstarrten zu Eis.

Quelle: Sagen aus Oberösterreich/ Hrsg. L. Petzoldt, München 1993, 39

Anmerkung: Von „verschniebenen“ und „verwunschenen“ Almen ist im gesamten Alpenraum die Rede. Ob in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels mit dem Abschmelzen von Gletschern jene untergegangenen blühenden Almen, von denen diese Sagen zu berichten wissen, wieder ans Tageslicht kommen, bleibt vorerst dahingestellt. Erwiesen ist jedoch, dass die Alpen seit ihrem Bestehen von größeren und kleineren Eiszeiten heimgesucht wurden. So gab es zum Beispiel ab 1550 eine „Kleine Eiszeit“.

6.1.4 Salzburg    

Die Melkerlöcher

Auf der „Häuslalm“ im Kapruner Tal war ein Melker, der samt den Hütern nichts als prasste, spielte und fluchte. Eines Tages als der Melker gerade nach alter Tradition ein Vollmilchbad nahm, kam ein riesiger Teufel in die Almhütte und trug dem Melker das „Hosenrecken“ an. So heißt im Salzburger Pinzgau der ortsübliche Ringkampf. Dabei versuchen die jungen Burschen den Gegner aufzuheben und auf den Boden zu werfen.

Der Melker war nicht faul , stieg aus dem Bad und fing mit dem Teufel den Kampf an. Mit aller Wucht warf er den Gehörnten gegen die Wand, sodass er sich dabei sein linkes Horn abbrach. Es dauerte nicht lange, bis ein zweiter, viel kleinerer Höllenbewohner bei der Tür herein schaute. Der Melker machte mit ihm kurzen Prozess und tauchte ihn tief in den “Schargkast" (Mistbehälter)ein, sodass er vom Kuhmist ganz grün wurde.

Bald nachdem der Überwundene das Weite gesucht hatte, kam ein ganz kleines Teufelchen , das dem Melker als Gegner viel zu schwach erschien, um mit ihm das „Hosenrecken“ zu beginnen. Da geriet der Melker aber an den Falschen, denn dieser erfasste die Wanne samt dem Melker und fuhr damit auf und davon. Man sieht heute noch sieben „Melkerlöcher“ an den Felswänden der Leoganger Steinberge, durch die seine Fahrt zur Hölle ging. Am Birnhorn bei Saalfelden ist eines davon.

Quelle: Sagen aus Salzburg/ hrsg. L. Petzoldt, München, 1993, 169

Anmerkung: Der Teufel steht in vielen Sagen als große Straf- und Sanktionsfigur hinter allem, was verboten und tabuisiert ist und erzeugt somit bei Übertretungen ein schlechtes Gewissen.

6.1.5 Kärnten    

Der Teufel als Liebhaber

Es ist schon lange her, dass das Lesachtal eine einzige Alpe war. Diese wurde nur von einer Handvoll Hirten bewohnt. Mehrmals kam zur Tochter eines der Hirten ein fremder Mann mit einem grünen Rock und einem grünem Hut mit einer Spielhahnfeder darauf. Der Fremde hatte es auf die Tochter eines Hirten abgesehen. Ihr erzählte er immer wieder vom Heiraten. Einmal kam der Jägersmann gar mitten in der Nacht zu ihr. Er versuchte mit allen Mitteln das gute Kind auf die abiche Seite (verkehrte, schlechte Seite) zu bringen. Da bemerkte das Mädchen erst, dass der fremde Jägersmann einen hohlen Rücken ohne Rückgrat hatte.

Dies ging dem Mädchen so durch den Kopf, dass sie am nächsten Tag den Pfarrer von St. Daniel im Gailtal aufsuchte, um ihm die ganze schaurige Geschichte zu erzählen. Der Pfarrer erkannte gleich, dass es sich beim fremden Mann um das „Ganggerle“ handeln musste! Darauf erklärte er dem um Rat bittenden Mädchen: „Man kann nicht sagen, dass der Teufel hinterlistig ist, sondern er ist einfach dumm. Sollte er aber wieder zu dir kommen, so gibst du dich besonders freundlich. Frage ihn einfach, wovor er sich am meisten fürchtet? Die Hirtentochter bewahrte diesen Rat für sich.

Beim nächsten Besuch befragte sie nun den Teufel, wovor er sich am meisten fürchtet? Wie vom Blitz getroffen erwiderte er:“Hobrat (arabratum), Widertot und Speik sind gut fürs „Alpenreiten“. Einen Tag später begab sich das Mädchen wieder zum Pfarrer. Dieser weihte die Kräuter und band sie dem gläubigen Mädchen um den Hals. In der folgenden Nacht erschien der Teufel unter einem furchtbaren Lärm beim Mädchen. Doch plötzlich ergriff er unter Feuer und Flammen die Flucht. Seitdem ist es bei den Bauern im Lesachtal üblich, alle Jahre einen Buschen Alpenkräuter in der Kirche weihen zu lassen. Die Kräuter Hobrat, Widertot und Speik bilden dabei drei wichtige Bestandteile.

Quelle: Sagen aus Kärnten/ Hrsg. L. Petzoldt, München 1993, 47

Anmerkung: Fraglos ist der Teufel eine der häufigsten und wichtigsten Figuren der Volksüberlieferung. In Sagen aus Kärnten und Tirol tritt der Teufel auch als Liebhaber auf.

6.1.6 Niederösterreich    

Eine Kröte melkt eine Kuh

In Luden im südöstlichen Waldviertel erzählte einmal ein alter Bauer namens Schmid dem Ziering, der damals Wirt war, folgende Geschichte: In Fratting (gehört heute zu Tschechien) im benachbarten Deutsch-Mähren? beschwerte sich eine Bäuerin beim Halter: „Meine Kuh gibt seit vier Wochen zu wenig Milch. Entweder spielt da eine Hexe mit und diese zapft Milch von meiner Kuh ab oder du bist ein Spitzbub und holst dir von meiner Kuh die Milch!“ Der Halter wies jeden Verdacht energisch von sich. Er erklärte der Bäuerin: „Ich werde auf deine Kuh besonders achtgeben. Mir ist aber bereits aufgefallen, dass deine Kuh auf dem Heimweg immer neben einer Mauer halt macht und dort längere Zeit herum steht.

Am nächsten Tag ging die Kuh, wie sonst auch, dem anderen Vieh voraus. Im Bereich der Mauer blieb die sie aber wieder stehen. Der Halter ging zur Kuh und erblickte eine große Kröte, die an einer Zitze der Kuh saugte. Er reagierte schnell und versetzte der Kröte mit seinem Stock zwei Schläge. Darauf ließ sie von der Zitze los, sodass sie auf den Boden fiel. Kurz darauf setzte sich der Viehtrieb wieder in Bewegung. Bald darauf erreichte der Halter mit dem Vieh das Dorf. Die Leute erzählten ihm, dass man gerade ein altes Weiblein, das schon seit längerem der Hexerei bezichtigt wurde, halb erschlagen in ihrer Kammer aufgefunden habe. Für den Halter war damit das Rätsel gelöst, denn er wusste nun, wer die Kröte war. Der Bäuerin verriet er aber nichts. Erst Jahre später, als schon längst niemand mehr an die Geschichte dachte, machte die Frau des Halters diese wieder publik.

Quelle: Sagen aus Niederösterreich/ Hrsg. L. Petzoldt, München 1993, 197

Anmerkung; Die Hexen sind als große Kröten in die Kuhställe gegangen und haben, wenn die Kühe am Boden gelegen sind, aus dem Euter der Kühe die Milch ausgesoffen. Kröten und Frösche sind oft ehemalige Menschen, die wegen begangener Sünden verwünscht wurden. Meist können sie aber mit Hilfe der Menschen wieder erlöst werden. Andererseits sind sie aber auch mit dem Bösen verknüpft.

6.1.7 Tirol    

Der Almgeist und die Eierschalen

In der Gegend von Ellmau am Wilden Kaiser war früher eine der größten Almen des Tiroler Unterlandes. An die Alm grenzte ein mythischer Wald, den man den Awald nannte. Auf der Awaldalm geisterte es aber auch. Der Geist arbeitete nur während der Nachtstunden „umeinander“. Am nächsten Morgen war dann einiges in der Hütte anders aufgestellt als am Abend des Vortages. Um den Geist wieder los zu werden, holte man den Rat eines Kapuziner Paters ein. Dieser meinte, man sollte die ganzen Hafelen, Schalen und Eierschalen zur Abwehr des Almgeistes auf den Herd legen. Danach vergingen die Jahre , ohne dass man den Rat des Paters umgesetzt hätte.

Endlich kam eine neugierige und mutige Sennerin auf die Awaldalm. Sie hatte keine Ängste vor einem Geist, sondern wollte den Dingen, die nicht ganz geheuer waren, auf den Grund gehen. Bald sollte sich eine Gelegenheit dazu ergeben. An einem Sonntag im Juli erreichte eine Gruppe von Männern und Frauen die Alm. Die Sennerin packte die Gelegenheit beim Schopf und kochte ihnen einen großen Topf vollk Eier. Nach dem Essen sammelte sie die Eierschalen ein. Doch damit hatte sie noch nicht genug. Die Sennerin holte zusätzlich auch von den anderen Hütten die übriggebliebenen Eierschalen.

Danach legte sie die Eierschalen auf den Boden, auf die Bänke sowie auf den Herd. Sie war voller Erwartung, dass der Geist bestimmt auf eine Eierschale treten müsste. Nachher machte es sich die Sennerin im Schlafkasten der Nebenkammer gemütlich und wartete. Bald danach vernahm die Sennerin eine wehmütig klingende Stimme: “Ich bin schon alt und weiß den Awald neunmal Wiese und neunmal Wald, aber so viele „Hafelen“ und „Hiefelen“ wie heut, hab ich überhaupt noch nie gesehen!“ Danach suchte der Geist das Weite und ließ sich nie mehr auf der Awaldalm blicken.

Quelle: Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol/ Hrsg. Johann A. Heyl, Brixen 1897, 67

Die wilden Fräulein von der Baumgartner Feldalm (Kitzbüheler Alpen)

Es ist schon lange her, als auf der Baumgartner Feldalm eine Gruppe wilder Fräulein lebte. Die Alm gehörte einem reichen Bauern, der seine Kühe zu Sommerbeginn auf die Feldalm trieb. Damals war diese Alm reich an saftigen Gräsern und Kräutern. Die Kühe gaben doppelt so viel Milch als auf anderen Almen.

Etwas oberhalb der Alm lebten die wilden Freil (=Fräulein). Oft baten sie den Senner um Butter und Milch. Gerne erfüllte dieser ihre Wünsche, weil er dadurch für die Alm viel Segen bekam. Nachdem ein neuer Senner die Geschicke der Alm lenkte, war es aber mit dem übergroßen Segen vorbei. Die Almleute wurden übermütig, hart und gottlos. Sie lebten in Saus und Braus und spielten mit den Butterknollen Kegel.

Diesen übermütigen Frevel konnten die wilden Freil nicht ertragen und weinten viel über diese Zustände. Sie beklagten sich beim Senner, dass sie nun dem Hungertode ausgeliefert seien. Durch die Luft hörte man die Worte "Pero, Pero (= bergab) - wir sehen uns nimmermehr!" Seitdem wurden die Erträgnisse, die auf der Feldalm erwirtschaftet wurden, immer schlechter.

6.2 Sagenwelt Südtirol    

Der "Kuinzen"

Im „Thole“ (Tal) - so heißt in der Gegend von Bruneck das Ahrntal – erzählt man folgende Geschichte: „Endern“ Gebirge, auf Zillertaler Boden, lag eine Almhütte, welche die „Kuinzenhütte“ genannt wurde. Die Alma (Almleute) haben mit der Gottesgabe öfters Schindluder getrieben. Einer der Knechte schnitzte eine hölzerne Puppe, die den Almputz darstellen sollte. Nachher setzten sie der Puppe einen Hut auf und nannten sie den „Kuinzen“.

Sie strichen ihm mit einem Löffel Mus ein. Da er sich noch immer nicht rührte, versuchten die Alma dem „Kuinzen“ Schnaps einzugeben. Auf einmal ist der kohlrabenschwarze Putz aber lebendig geworden. Er hat alles wie ein Mensch zu sich genommen. Die Alma fürchteten sich immer mehr vor dem Putz. In ihrer Not fiel ihnen ein Kapuziner Pater ein. Sie befragten den Pater, wie sie den Putz wieder loswerden könnten. Der Pater verlangte von ihnen, dass sie ein schwarzes Stierkalb sieben Jahre lang mit Milch aufziehen und zügeln müssten.

Als die Zeit um war, sind sie dann mit dem schwarzen Stier an der Spitze gegen Alm gefahren. Dieser ist dabei auch in die „Rachhütten“, hinein gekommen. Es ist dies der erste Stall im Sondergrund. Dabei hatte der Stier plötzlich angefangen ganz wild zu brüllen. Als der Stier dann zur „Kuinzenhütte“ gekommen ist, da hat er den Lotter (Mann) mit voller Wucht niedergestoßen und getötet.

Erzähler: Johann Kottersteeger, vulgo Waldner, 75 Jahre, Senner; Ort: Prettau/ Ahrntal

Quelle: Sagen aus Südtirol/ Hrsg. von M. Direder - Mai und L. Petzoldt, München 1993, 112

6.3 Sagenwelt Bayern    

Der Unnütz

Zwischen Achenkirch und Steinberg am Rofan (Grenzgebiet Tirol - Bayern) gibt ein schroffer und kahler Bergrücken den Blick sowohl ins bayerische obere Isartal frei als auch zum in Tirol liegenden Achensee. Vor langer Zeit war dies aber ganz anders. Damals bestand der größte Teil des Berges aus grasreichen Almböden mit vielen gesunden Kräutern und bunten Blumen.

Dort lag die ertragreichste Alm des ganzen Grenzgebietes. Das Almvieh konnte ohne abzustürzen auf seinen Hängen grasen. Die Kühe wurden ob der guten Futter - Situation dreimal am Tage gemolken. Dicke Käselaibe und feine Almbutter füllten die Speicher. Dadurch wurden die Almleute immer reicher. Sie errichteten in einer Senke sogar eine Kegelbahn. Die Butter benutzten sie zur Herstellung der Kegel. Aus den aromatischen Käselaiben formten sie die Kugeln.

Als die Sonne bereits etwas tiefer stand , beschäftigte sich eine lustige Gesellschaft wieder einmal mit dem Kegelscheiben. Währenddessen braute sich langsam ein Gewitter zusammen. Immer mehr schwarze Wolken türmten sich auf und verdunkelten die Gegend. Plötzlich entlud sich unter heftigem Donnern und Blitzen ein schweres Unwetter. Die Wassermassen schwemmten den kostbaren Almboden hinweg und verwandelten kleine Bäche in reißende Wildbäche. Anstelle der Alm ragte nur mehr ein unfruchtbarer, kahler Berg in den Himmel.

Quelle: Günther Kapfhammer: Bayerische Sagen, Düsseldorf - Köln, 1971, 39

Anmerkung: Die nachlassende Fruchtbarkeit der Almböden sowie der sinkende Futterwert der Almgräser wurde früher als Strafe des Himmels angesehen.

6.4 Sagenwelt Schweiz    

Eine der scheinbar genuin dieser Landschaft zugehörigen Sage ist die vom Grenzverlauf, deren bekannteste Version, der Grenzstreit zwischen den Kantonen Uri und Glarus in der Schweiz, bei den Brüdern Grimm zu finden ist (nach Wyss).

Es ist eine ätiologische Sage, die eine strittige Grenzziehung auf die Weise festlegt, dass, wie es im Sagentext heißt, „Zur Tag- und Nachtgleiche (….) von jedem Teil (Ort) frühmorgens, sobald der Hahn krähte, ein rüstiger, kundiger Felsgänger ausgemacht werden und jedweder nach dem jenseitigen Gebiet zulaufen solle und da, wo sich die beiden Männer begegneten, die Grenzscheide festgesetzt bleiben“ solle.

Beide Parteien versuchen das Schicksal zu manipulieren, indem sie nach einem Hahn suchen, der möglichst früh krähe. Die Urner geben ihm – im Gegensatz zu den Glarnern – nur wenig zu essen und trinken und der schmachtende Hahn kräht zuerst, so dass der Urner Läufer einen groß en Vorsprung hat. Als der Glarner zu spät auf ihn stößt, bittet er den Urner, ihm noch ein Stück des Weidelandes zuzugestehen. Schließlich lässt sich der Urner erweichen und sagt: „So viel will ich dir noch gewähren als du, mich an deinem Hals tragend, bergan läufst.“ Der Glarner Senn läuft nun mit dem Urner auf dem Rücken bergan bis er tot zusammenbricht: „Und noch heutigentags wird das Grenzbächlein gezeigt, bis zu welchem der einsinkende Glarner den siegreichen Urner getragen habe.“

Anmerkung: Ohne auf die Geschichte dieser Sage näher einzugehen, sie reicht bis in die Antike zurück und ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie Sagenstoffe wandern und sich in dem Milieu festsetzen, dem ihre inhaltliche und logische Struktur am besten entspricht.

Die Klaridensage (Schächental im Kanton Uri/ Zentralschweiz)

Vor langer Zeit bestand eine große Fläche des Clariden, einem über 3200 Meter hohen Gebirgsstock im Kanton Uri, aus fetten Alpweiden. Damals lebte ein Senn auf der Claridenalp, der eine leichtfertige Dirn namens Kathry bei sich aufnahm. Die Kühe wurden dreimal am Tag gemolken. Für den Senn und seine Dirn war die beste Kost gerade gut genug. Damit sich die Dirn rund um die Alphütte nicht dreckig machte, pflasterte der Senn mit vielen Käselaiben den Vorplatz sowie den Weg von der Sennhütte zum Käsgaden (Käsespeicher). Die Zwischenräume verfugte er fein säuberlich mit Almbutter. Sobald die Käselaibe verschmutzt waren, wischte er diese mit frisch gemolkener Milch wieder sauber. Die Füße von Senner und Dirn sollten dadurch immer sauber bleiben. Beide verbrachten den Almsommer in Saus und Braus.

Für ein paar Wochen blieb auch die Mutter des Senners auf der Alp. Während für sie zuhause Schmalhans Küchenmeister war, wollte sie auf der Alp ihren ausgehungerten Magen mit Süffi verwöhnen. Aber ihr undankbarer Sohn hatte sich für die Mutter eine besondere Speise ausgedacht. Er vermischte die Milchspeisen mit Pferdeharn. Die Mutter fühlte sich von ihrem eigenen Sohn schwer geschädigt und verließ unter heftigem Fluchen die Alp. Während des Abstieges von der Alp ins Tal verwünschte sie ihren undankbaren Sohn und erbat sich von Gott eine gerechte Bestrafung ihres gottlosen Sohnes.

Bald braute sich über dem Gebirgsstock des mächtigen Clariden ein noch nie dagewesenes Unwetter zusammen. Die Begleitmusik dazu lieferte ein extrem lautes Donnern und Krachen. Plötzlich fing der Boden der Alp zu beben an. Innerhalb weniger Minuten stürzten vom Clariden riesige Fels- und Eisbrocken auf die Alp. Gleichzeitig taten sich im Alpboden große Spalten auf, in denen sowohl die gealpten Tiere als auch der Senner mit seiner Dirn versanken. Gegen Abend fing es plötzlich zu schneien an. Der heftige Schneefall hielt zwei Tage lang an. Dadurch verwandelte sich der einst fruchtbare Boden der Alp in eine riesige Schnee- und Eisfläche. Damit war es mit der grasreichen Claridenalp endgültig vorbei.

Quelle: Müller Josef: Sagen aus dem Kanton Uri, Basel, 1. – 3. Bd. (Neudruck 1969)

Anmerkung: In der Klaridensage tritt das Motiv des Speisen - Vergeudens zutage. Das im christlichen Bereich so wesentliche Moment der Vergebung einer Sünde ist dieser Sagengruppe fremd. Deshalb ist der Kern dieser Sage tiefer und breiter verwurzelt. Auffallend ist, dass der früher verbreitete Glaube vorherrschte, wonach die Almweiden einst viel ertragreicher gewesen seien.

Literaturhinweis

Herbert Jenewein (2002): "Wandern zu Sagen und Mythen im Wilden Kaiser", Tyrolia Verlag, Innsbruck

Herbert Jenewein (2022): "Volkskundliche Aspekte. Kulturwissenschaftlich - volkskundliche Beiträge aus Tirol", Akademiker Verlag

Herbert Jenewein: Almsagen in den Regionen Tirol, Südtirol, Vorarlberg, Salzburg, Kärnten, Oberösterreich, Steiermark, Bayern und die Schweiz, in: Fachzeitschrift Der Alm- und Bergbauer 1 - 2/ 2020 und 1 - 2/ 2021

Dokumentation zur Ausbildung    











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Zum Autor    

APS - Lehramt (VS - HS - PL 1970, 1975, 1976), zertifizierter Schülerberater (1975) und Schulentwicklungsberater (1999), Mitglied der Lehramtsprüfungskommission für die APS beim Landesschulrat für Tirol (1993-2002)

Absolvent Höhere Bundeslehranstalt für alpenländische Landwirtschaft Ursprung - Klessheim/ Reifeprüfung, Maturantenlehrgang der Lehrerbildungsanstalt Innsbruck/ Reifeprüfung - Studium Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/ Doktorat (1985), 1. Lehrgang Ökumene - Kardinal König Akademie/ Wien/ Zertifizierung (2006); 10. Universitätslehrgang Politische Bildung/ Universität Salzburg - Klagenfurt/ MSc (2008), Weiterbildungsakademie Österreich/ Wien/ Diplome (2010), 6. Universitätslehrgang Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg/ Diplom (2012), 4. Interner Lehrgang Hochschuldidaktik/ Universität Salzburg/ Zertifizierung (2016) - Fernstudium Grundkurs Erwachsenenbildung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium, Comenius - Institut Münster/ Zertifizierung (2018), Fernstudium Nachhaltige Entwicklung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium, Comenius - Institut Münster/ Zertifizierung (2020), Onlinekurs Grundkurs - Aufbaukurs/ Theologie für Ehrenamtliche - Kolleg für Gemeindedienst/ Bodelschwingh - Studienstiftung Marburg/ Zertifizierung (2025)

Lehrbeauftragter Institut für Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft/ Universität Wien/ Berufspädagogik - Vorberufliche Bildung VO - SE (1990-2011), Fachbereich Geschichte/ Universität Salzburg/ Lehramt Geschichte - Sozialkunde - Politische Bildung - SE Didaktik der Politischen Bildung (2026-2017)

Mitglied der Bildungskommission der Evangelischen Kirche Österreich (2000-2011), stv. Leiter des Evangelischen Bildungswerks Tirol (2004 - 2009, 2017 - 2019), Mitarbeit ab 2024 im Evangelischen Bildungswerk Salzburg - Tirol

Kursleiter der VHSn Salzburg Zell/ See, Saalfelden und Stadt Salzburg/ "Freude an Bildung" - Politische Bildung (2012 - 2018)

MAIL dichatschek (AT) kitz.net

 
© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 26. September 2026