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Osterbräuche in Österreich

Osterbräuche in Österreich    

Aspekte eines Brauchtums in sozio-kulturell - religiöser Perspektive    

Günther Dichatschek

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Osterbräuche in Österreich   
Aspekte eines Brauchtums in sozio-kulturell - religiöser Perspektive   
Teil I Beispielhaftes Brauchtum   
1 Godnküpfi   
2 Karfreitagsratschen als immaterielles Weltkulturerbe   
3 Grawirlacheier färben   
4 Oarradeln   
5 Eierpecken   
6 Gonesrennen   
7 Österlicher Reindling   
8 Palmweihe   
9 Schinken im Brotteig   
10 Osterfeuer   
11 Osterbrauch Fetzenverbrennen   
12 Kunstvolles Eierfärben   
13 Der Liebstattsonntag   
Teil II Zusammenfassung   
14 Osterbräuche: Von „Palmlatten“ bis Schokohasen   
15 Legenden um das Ei   
16 Der Osterhase   
17 Das Osterlamm   
18 Palmzweige und Osterstrauch   
19 Zahlreiche Traditionen   
20 „Palmeselprozessionen“ in Tirol   
21 Wurzeln der Osterspeisensegnung   
22 Ratschen statt Glockenläuten   
Teil III Brauchtum in Tirol   
23 Küchenkunst - Belohnung zur Osterzeit   
24 Den Palmesel pflanzen: Wer lange schläft, wird geneckt   
25 Aufgebrezelt - Mit Buschen und Stange zur Prozession   
26 Ratschendes UNESCO - Kulturerbe: Die Glocken bleiben stumm   
27 Süße Schlemmerei: Osterlamm und Osterzopf   
28 Osternester und kleine Geschenke   
29 Duell ums Ei: Pecken wie die Profis   
30 Feuer und Wasser am Karsamstag: Osterfeuer und Osterputz   
31 Barockes Erbe - Bunte Ostergräber   
32 Emmausgang   
Teil IV - Brauchtum Vorarlberg   
33 Osterbräuche: Gigalar ufhänga   
34 Fruchtbarkeit und Schutz   
35 Hähne wechseln in der Osternacht ihren Besitzer   
Teil V Brauchtum Steiermark   
36 Ratschen   
37 Weihfeuer tragen   
38 Weihfleisch   
39 Osterfeuer   
40 Osterkipferl   
Teil VI - Brauchtum Niederösterreich   
41 Osternest   
42 Eierpecken   
43 Karwoche - Brauchtum   
Teil VII Österliche Symbole - Evangelische Kirche   
44 Frühlingsfeste   
45 Osterfeuer   
Teil VIII Orthodoxes Brauchtum   
46 Besondere Bedeutung der Fastenzeit   
47 Bibelszene der Auferstehung Jesu   
48 Palmen und Licht als wichtige Symbole   
49 Beweglicher Ostertermin   
Teil IX Diskurs Karfreitag   
50 Karfreitag 2025   
Literaturverzeichnis   
Dokumentation   
Zum Autor   

Wenn wir 2025 Ostern feiern, sind Eierfärben und Osterfeuer wohl die geläufigsten Osterbräuche Österreichs. Doch es gibt viel mehr davon. Bräuche aus dem ganzen Land sollen zusammengefasst werden.Je nach Region unterscheiden sich die Osterbräuche Österreichs.

In langer Tradition ist ein großes Repertoire an schönem Brauchtum rund um das höchste Fest der Christen entstanden.

Ostersonntag fällt stets auf den Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem kalendarischen Frühlingsbeginn. 2025 ist das der 20. April.

Die Studie gliedert sich in neun Teile, die sich mit beispielhaftem Brauchtum, einer Zusammenfassung, Brauchtum in Tirol - Vorarlberg - Steiermark - Niederösterreich und kirchlich evangelischen und orthodoxen Überlegungen und einem Diskurs zum Karfreitag 2025 befassen.

Ausgangspunkt der Studie sind die Auseinandersetzung mit volkskundlichen, sozio-kulturellen - religiösen Teilbereichen.

Teil I Beispielhaftes Brauchtum    

1 Godnküpfi    

Im Mostviertel/ Niederösterreich bringen die Taufpaten ihren Schützlingen um die Osterfeiertage das Godnküpfi vorbei: Hefeteig, geflochten in Form eines Kipferls und mit einer Münze gespickt – so will es die Tradition.

In Bruck an der Leitha/ Stiermark füllt man eine fein abgestimmte Dinkel - Backmischung für köstliche Striezel in Handarbeit ab.

2 Karfreitagsratschen als immaterielles Weltkulturerbe    

Karfreitag und Karsamstag wird vielerorts geratscht, was das Zeug hält. Das geschieht, um das Schweigen der Kirchenglocken auszugleichen, die der Überlieferung nach Rom geflogen sind.

Dieser beliebte Osterbrauch Österreichs zählt übrigens mittlerweile zum immateriellen Weltkulturerbe.

Ennstaler Ratsche

Sehr handlich und besonders laut: Diese doppelte Ratsche aus solidem Ahornholz wird im Ennstal hergestellt.

3 Grawirlacheier färben    

Im Salzbauer Lungau färbt man die Eier auf ganz besondere Weise: Kerbelkraut, Krokus und Zwiebelschalen kommen auf ein Leintuch. Darauf wird ein gekochtes Ei gelegt, das Ganze fest eingewickelt und zugebunden.

Nach einigen Minuten in Farbe entstehen besonders schöne Muster.

Ostereier färben

In ihrem Buch stellt Christine Mittermayr unterschiedliche Methoden für die Farbherstellung aus natürlichen Zutaten vor und gibt Tipps, wie die Ostereier verziert werden können. Produktdetails Gewicht: 136 g Einband: Hardcover Erscheinungsdatum: 12.03.2020 Verlag: Servus

4 Oarradeln    

Wunderbar skurril mutet ein beliebter Osterbrauch Oberösterreichs an: Zu Ostern wird alles versteckt, was Räder hat. Ob Fahrrad, Scheibtruhe oder Moped – nichts ist sicher.

5 Eierpecken    

Eierpecken gehört zu jenen Osterbräuchen Österreichs, die Jung und Alt erfreuen. Erst werden Ostereier gesucht, danach in alter Wettkampfmanier gegeneinander geschlagen. Wessen Ei ganz bleibt, der gewinnt.

6 Gonesrennen    

Fangenspielen für Erwachsene - Dieser Osterbrauch aus dem Lungau macht es möglich. Pärchen laufen Seite an Seite, während der Gones (Gänserich) versucht, sie auseinander zu bringen, um die Frau für sich zu gewinnen.

7 Österlicher Reindling    

Zur Osterjause reicht man in Kärnten traditionell den Reindling: ein mit Zucker, Zimt, Rosinen und Nüssen gefüllter Kuchen aus Germteig.

8 Palmweihe    

Die Palmweihe ist ein kirchlicher Osterbrauch, den man überall in Österreich begeht. Dabei werden am Palmsonntag Palmbuschen oder Palmkätzchen mit Weihwasser gesegnet.

Die bestickte Weihkorbdecke als Reinleinentuch gibt es im Salzkammergut. Dort wird die Weihkorbdecke genäht, fertig bestickt und mit einer Spitzenborte versehen und kommt auf den Ostertisch oder in die Kirche.

9 Schinken im Brotteig    

Schinken, knusprig im Brotteig gebacken, ist ein traditionelles Gericht, das in weiten Teilen Österreichs zu Ostern aufgetischt wird. Der saftige Schinken symbolisiert das Ende der Fastenzeit.

10 Osterfeuer    

In vielen Gemeinden Österreichs entzündet man jedes Jahr das traditionelle Osterfeuer.

Es symbolisiert die Sonne, vertreibt den Winter und soll Fruchtbarkeit und reiche Ernte bringen.

11 Osterbrauch Fetzenverbrennen    

In Ebensee/ Oberösterreich wird am Aschermittwoch der Fasching stilecht in Form einer Fetzenpuppe verbrannt. Das läutet die vierzigtägige Fastenzeit ein.

Das Räuchern in der Frühlingszeit gibt es schon, seit der Mensch das Feuer gebändigt hat.

12 Kunstvolles Eierfärben    

Osterbräuche in Österreich haben oftmals mit Eiern zu tun – so auch im burgenländischen Stinatz, das für seine Kratzkunst bekannt ist. Gefärbte Eier erhalten auf diese Weise ganz wunderbare Verzierungen.

Mit viel Liebe und Geschick werden im Traunviertel/ Oberösterreich und auch in Tirol ein großes und ein kleines Ei von Hand bemalt und zu einem außergewöhnlichen Drehei zusammengesetzt.

13 Der Liebstattsonntag    

Der Liebstatt - Sonntag in Gmunden/ Oberösterreich ist ein ganz besonderer Tag. Mitten in der Fastenzeit verteilen die Einheimischen in schönster Tracht handverzierte Lebkuchenherzen. 2024 feiern die Gmundner den Liebstattsonntag am 10. März.

Teil II Zusammenfassung    

14 Osterbräuche: Von „Palmlatten“ bis Schokohasen    

Vom Osterhasen über „Palmlatten“ bis zur beliebten „Halleluja - Jause“: Rund um Ostern hat sich im Laufe der Jahrhunderte eine Vielzahl an Bräuchen und Symbolen entwickelt, die – in teils veränderter Form – bis heute lebendig sind.

Zu den bekanntesten Symbolen zählen Hase, Osterlamm und Ei, doch auch Traditionen wie der Palmbuschen, das Ratschen und die beliebte Osterspeisensegnung prägen das Osterfest. Manche der Traditionen und Symbole reichen dabei weit in die Vergangenheit.

Eier sind und waren in vielen Kulturen ein wichtiges Symbol. Christen und Christinnen übernahmen das Zeichen und deuteten es auf die Auferstehung Christi hin.

So wie das Kücken die Schale durchbricht, verlässt Jesus lebendig das Felsengrab – so eine der vielen Auslegungen.

15 Legenden um das Ei    

Es ranken sich aber auch Legenden rund um das Ei. Eine berichtet von Maria Magdalena, die mit einem Ei einen Wachsoldaten bestochen haben soll, um zum Haus des Pilatus zu gelangen und am Prozess Jesu teilnehmen zu können.

Das Ei galt schon vor dem Christentum als Symbol des erwachenden Lebens.

In der Fastenzeit war der Verzehr tierischer Produkte untersagt – das Ei, einst als „flüssiges Fleisch“ betrachtet, wurde so zum ersehnten Ostergeschenk. Mancherorts diente es in dieser Zeit sogar als Zahlungsmittel.

16 Der Osterhase    

Wie der Osterhase zum Ei kam, bleibt unbekannt. Erstmals schriftlich erwähnt wurde er 1682. Eine Theorie lautet, der Hase sei eine missverstandene Umdeutung des Osterlamms. So heißt es etwa im Etymologischen Wörterbuch von Friedrich Kluge.

Eine andere Erklärung: Da Hasen mit offenen Augen zu schlafen scheinen, wurde er zum Sinnbild des auferstandenen Christus, der „nicht mehr entschlafen“ wird. Auch seine sprichwörtliche Fruchtbarkeit ließ ihn zum Symbol der Lebensfülle und Auferstehung werden.

Heute zählt der Schokoosterhase zum fixen Bestandteil von Osterkörben – traditionell wird er am Ostersonntag gemeinsam mit gefärbten Eiern versteckt und gesucht.

17 Das Osterlamm    

Im Gegensatz zum Hasen ist der christliche Bezug beim Osterlamm klar. Das Schaf gilt seit Jahrtausenden als Symbol des Lebens – es liefert Nahrung, Kleidung, Musikinstrumente und war lange ein wichtiges Opfertier.

In der biblischen Erzählung macht es der Prophet Jesaja zum Bild für den „leidenden Gottesknecht“, Johannes der Täufer bezeichnete Jesus als das „Lamm Gottes“.

Bis heute ist es üblich, gebackene Biskuitlämmer zur Speisensegnung in die Kirche zu bringen.

In den Briefen des Petrus und Paulus erscheint Christus als das „wahre Paschalamm“ – Ausdruck für Speise, Trank, Freiheit und Versöhnung mit Gott. Als Symbol der Auferstehung Christi wurde das Lamm auch zum Brauchtum des Ostergebäcks: Bis heute ist es üblich, gebackene Biskuitlämmer zur Speisenweihe in die Kirche zu bringen.

18 Palmzweige und Osterstrauch    

Auch Pflanzen haben ihren festen Platz im Osterbrauchtum. An erster Stelle steht der Palmbuschen, der an den biblischen Einzug Jesu in Jerusalem erinnert. Als „Friedenskönig“ wurde er mit Palmzweigen begrüßt – im Judentum ein Zeichen der Huldigung und des Sieges. Auch am vergangenen Palmsonntag wurden Palmbuschen gesegnet, in manchen Gemeinden sogar von einem hölzernen Esel mit Christusfigur begleitet.

Statt echter Palmen- und Ölbaumzweige werden in Österreich in der Regel grünende und blühende Zweige anderer Bäume, etwa von Buchsbaum, Fichte, Wacholder und Weide, die bereits „Kätzchen“ tragen, verwendet.

Das Aussehen der Palmbuschen unterscheidet sich von Region zu Region. In einigen Gegenden werden die Zweige zu einem Strauß gebunden, in anderen befestigt man sie an Stöcken und Stangen. Mancherorts werden Äpfel und Orangen hineingeflochten, in anderen Regionen werden die Palmbuschen mit Brezeln, ausgeblasenen Eiern und bunten Bändern geschmückt.

19 Zahlreiche Traditionen    

In Oberkärnten sind die Palmbesen Tradition. Die Palmbuschen werden dort auf Haselgerten befestigt und wirken deshalb besonders groß. Die Lavanttaler Palmbuschen wiederum zeichnen sich durch einen besonders aufwendig geflochtenen Weidengriff aus. Bekannt ist in Kärnten vor allem auch das Palmstangentragen im Katschtal.

Eine Tiroler Spezialität sind auch „Palmlatten“: Die geschmückten Stangen können bis zu 35 Meter lang werden und müssen deshalb von bis zu 30 Personen getragen werden. In der Tiroler Ortschaft Imst gibt es gar einen Wettbewerb um die längste „Palmlatte“. Den Weltrekord hält laut Diözese Innsbruck die Gemeinde Vals mit einer Palmlatte von 45,55 Metern.

In ländlichen Gegenden ist es vielfach Brauch, den gesegneten Palmbuschen dreimal ums Haus zu tragen, um Schutz vor Blitzschlag, Feuer, Krankheit und Unglück zu erbitten, oder die gesegneten Palmzweige in der Hoffnung auf eine gute Ernte in den Acker zu stecken. Verbreitet ist auch der Brauch, einzelne Zweige zu Hause hinter dem Kreuz im „Herrgottswinkel“ oder an der Haustüre zu befestigen.

20 „Palmeselprozessionen“ in Tirol    

Eine Besonderheit stellt ein Osterbrauchtum am Palmsonntag in Thaur und Hall in Tirol dar. Hier finden die letzten „Palmeselprozessionen“ des Landes statt. Dabei wird ein fast lebensgroßer geschnitzter Esel mit einer Christusfigur durch den Ort gezogen. In Thaur befindet sich die Figur in Privatbesitz, in Hall kann man sie das ganze Jahr in der Pfarrkirche sehen.

Der Osterstrauch – meist aus Weidenkätzchen, Kirsch- oder Forsythienzweigen – hat keinen direkten biblischen Ursprung, symbolisiert aber das Aufblühen des Lebens. Früh ins Haus geholt, beginnen die Zweige zu Ostern zu blühen. Mit bunten, kunstvoll verzierten Eiern geschmückt, verkörpern sie Fruchtbarkeit und den Sieg des Frühlings über die Kälte.

21 Wurzeln der Osterspeisensegnung    

Die Wurzeln der Speisensegnung gehen bis in das siebente Jahrhundert zurück. Osterbrot, Schinken, Ostereier, Kren, Salz und Kräuter befinden sich traditionell in den Körben, die am Karsamstag in die Osternachtsliturgie mitgebracht und dort gesegnet werden, während der Inhalt oft seine Endbestimmung in der anschließenden Osterjause oder auch „Halleluja - Jause“ findet.

Besonders beliebt ist die Osterspeisensegnung („Fleischweihe“) in Kärnten und in der Steiermark, wo sie auch schon tagsüber am Karsamstag in Kirchen, Kapellen und auch an Bildstöcken und Wegkreuzen stattfindet.

Die Osterspeisensegnung wird als Abschluss der Fastenzeit gefeiert und erinnert an die Mähler, die Jesus gemeinsam mit anderen hielt.

22 Ratschen statt Glockenläuten    

Ein in Österreich weit verbreiteter Brauch ist das Ratschen. Ratschenkinder ziehen von Gründonnerstag bis Karsamstag durch den Ort und ersetzten so das Geläut der Glocken, die in dieser Zeit „nach Rom geflogen sind“. Je nach Region und Pfarrtradition gibt es dazu unterschiedliche Ratschersprüche.

„Wir ratschen, wir ratschen den Englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss. Kniet’s nieder, kniet’s nieder auf euere Knie, bet’s drei Vaterunser und ein Ave Marie“, lautet wohl der bekannteste Ratscherspruch. Die Ratschenkinder, oft Ministrantinnen und Ministranten, bekommen dafür Süßigkeiten oder etwas Taschengeld.

Besonders hoch hinaus geht es für die Ratschenden im Linzer Mariendom: Seit Jahren wird zur Osterzeit – am Karfreitag und am Karsamstag – vom Turm herab geratscht. 392 Stufen bis kurz vor die Turmeremitenstube müssen die Buben und Mädchen dafür erklimmen, ehe sie in 68 Meter Höhe ratschen. Je dreimal geht es laut der Diözese Linz am Karfreitag und am Karsamstag auf den Turm hinauf und wieder hinunter. Geratscht wird um 7.00, 12.00 und 19.00 Uhr.

IT - Hinweis

https://religion.orf.at/stories/3229728/ (20.4.2025).

Teil III Brauchtum in Tirol    

Wenn man in Tirol über den Palmesel lachen, lange Latten durchs Dorf schleppen und Bretzeln backen, kann das nur eines bedeuten: Es ist Osterzeit. Wir haben die wichtigsten Tiroler Osterbräuche gesammelt.

23 Küchenkunst - Belohnung zur Osterzeit    

Um innere Reinigung und eine Pause vom Überfluss geht es vielen in der Fastenzeit. Die 40 Tage ohne Fleisch, Alkohol oder Süßigkeiten beginnen mit einer Fastensuppe am Aschermittwoch. Vereine laden gerne zu solchen einfachen Gerichten, um Spenden zu sammeln.

Gegen Ende der Fastenzeit steht am Gründonnerstag dann alles Grüne auf dem Speiseplan. Salat, junges Gemüse, Kräuter, kurz: alles, was im Frühling wieder zu sprießen beginnt, kommt auf den Tisch.

Zwei Tage darauf speist man dann wieder üppiger. Denn je nach Ortschaft darf am Abend des Karsamstags oder am Morgen des Ostersonntags endlich wieder nach Herzenslust zugegriffen werden. Osterschinken mit frischem Kren, Würste, Osterzöpfe und natürlich Ostereier schmecken dann umso besser.

Brennsuppe mit Graukäse und Kartoffeln ist in Teilen Tirols eine beliebte Fastenspeise.

24 Den Palmesel pflanzen: Wer lange schläft, wird geneckt    

Der Palmsonntag ist Auftakt zu den Feierlichkeiten rund um Ostern und Aufgeweckte genießen gleich in der Früh einen fröhlichen Brauch. Sie dürfen den, der als letzter aufwacht, „Palmesel“ nennen. Die Pflanzerei – wie man in Tirol sagt – ist aber meist gleich wieder vergessen, weil die Vorfreude auf die Prozession überwiegt.

Mit Palmbuschen geschmückte Latten ragen neben der Kirche in Kramsach in den Himmel.

Hoch in den Himmel ragen diesen Palmlatten in Kramsach.

25 Aufgebrezelt - Mit Buschen und Stange zur Prozession    

Mädchen tragen bei den Prozessionen traditionell einen Palmbuschen, Buben eine Palmlatte, die aus Ölzweigen und Palmkätzchen gebunden und mit bunten Bändern und süßen Bretzeln geschmückt sind. In Thaur wird ganz vorne der hölzerne Christus auf dem Esel über die Feldwege gezogen, in Imst wird ein Wettbewerb um die längste Palmlatte ausgetragen. Die Stangen können schon einmal 35 Meter lang werden und müssen deshalb von bis zu 30 Burschen getragen werden. Palmbuschen und -latten werden geweiht und danach sorgfältig aufbewahrt. Sie sollen Haus und Hof nämlich das ganze Jahr vor Blitzschlag und Feuer schützen.

26 Ratschendes UNESCO - Kulturerbe: Die Glocken bleiben stumm    

Wenn ihr in der Karwoche schon einmal in Tirol wart, dann habt ihr vielleicht Kinder mit hölzernen „Ratschen“ gesehen und euch über den knarrenden Lärm dieser Instrumente gewundert. Sie ersetzen die Kirchenglocken, die während der Messen am Gründonnerstag und Karfreitag nicht geläutet werden dürfen. Erst die Auferstehungsfeier am Karsamstag beendet die Ruhepause, dann werden auch das Feuer, das Taufwasser und heilige Öle geweiht. Seit 2015 darf sich der Lärmbrauch offiziell "immaterielles Kulturerbe" der UNESCO nennen.

Das Instrument "Ratschen" macht einen knarrenden Lärm.

Ratschen statt Glockenläuten heißt es in der Karwoche.

27 Süße Schlemmerei: Osterlamm und Osterzopf    

Ostern und Allerheiligen sind in Tirol die Daten, an denen die Paten – je nach Region Get und Goti, Teít und Touta oder God und Godn genannt – ihre Patenkinder beschenken. Oft gehört zu diesen Gaben auch ein Osterzopf aus Germteig oder ein Osterlamm aus Rührteig, die am Karsamstag gebacken werden und das Sonntagsfrühstück versüßen. Ihre Formen haben religiöse Bedeutung.

Osterlamm aus Rührteig wird mit Staubzucker serviert.

Ob Zopf oder Lamm, es geht um die Symbolik. Die Kinder freuen sich jedenfalls über die süßen Leckereien.

28 Osternester und kleine Geschenke    

Warum sind Ostereier eigentlich bunt? Eine Theorie von vielen: Der Grund liegt in der Haltbarkeit. All die Eier, die man in der Fastenzeit nicht essen durfte, wurden hartgekocht und – zeitlich gestaffelt – gefärbt. So wusste man, welche zuerst gegessen werden mussten. Künstlerische Freiheit beim Eierfärben hielt erst mit der Erfindung des Kühlschranks Einzug. Tiroler Familien sammeln sich um Herd und Küchentisch, tauchen Eier ins Farbbad oder bemalen sie mit Pinsel und Wasserfarbe. In der Nacht zum Ostersonntag werden die kleinen Kunstwerke dann in Haus und Garten für die Kinder versteckt – gemeinsam mit Süßigkeiten und kleinen Geschenken.

Auch in Tirol gilt. Was wäre Ostern ohne Eier? Beim Färben auf künstliche Färbemittel zu verzichten, ist gar nicht so schwer.

29 Duell ums Ei: Pecken wie die Profis    

Beim „Eierpecken“ werden im direkten Duell zwei Ostereier an der Spitze mit einem kurzen, festen Stoß aufeinandergeschlagen. Das kaputt gegangene Ei muss dem Sieger übergeben werden. Es gibt wahre Könner auf dem Gebiet, und wenn ihr eine Chance haben wollt, muss man die drei wichtigsten Grundregeln beachten.

Kleine Eier sind besser als große.

Spitze Eier sind besser als runde.

Auf die richtige Haltung kommt es an: Umfasst das Ei mit der Hand so, dass nur mehr die Spitze herausschaut.

Zwei Hände beim Eierpecken. Das rechte Ei ist dabei zerbrochen.

Lustiger Brauch, bei dem es nicht um die Wurst, aber ums Ei geht. Wer die bessere Technik und die robustere Schale hat, gewinnt das Eierduell.

30 Feuer und Wasser am Karsamstag: Osterfeuer und Osterputz    

Als Symbol für die Auferstehung Christi entzündet man in manchen Gegenden Tirols am Abend des Karsamstags große Osterfeuer. Eine Theorie ist, dass der Brauch auf die heidnischen Frühlingsfeuer zurückgeht.

Vor allem im Zillertal sind die Feuer aus Baum- und Strauchschnitt ein fixer Bestandteil des Osterfestes - solange es das Wetter zulässt. Bei Trockenheit sind die Feuer wegen der Brandgefahr verboten.

Profanere Zwecke verfolgt der Osterputz. Nach einem langen Winter wird das Haus von oben bis unten durchgeputzt, damit pünktlich zu Ostern alles in der Frühlingssonne blitzt.

Schön aber nicht ungefährlich. In manchen Regionen werden am Karsamstag Osterfeuer entzündet.

31 Barockes Erbe - Bunte Ostergräber    

Die Menschen in Tirol haben eindeutig einen Hang zum Ausschmücken. Der Brauch stammt aus dem 17. Jahrhundert und sollte dem Kirchenvolk - welches oft nicht lesen und schreiben konnte - den Tod und die Auferstehung Christi veranschaulichen. Geschmückt werden die Gräber meist mit bunten, mit Wasser gefüllten und beleuchteten Glaskugeln.

In Breitenwang, Lienz, Nauders oder Patsch werden traditionell Heilige Gräber aufgebaut, bestehend aus Kulissen, Vorhängen und Figuren. In anderen Orten sind die Tücher zum Verhängen des Altars mit Szenen aus der Passion bemalt und wieder andere stellen Fastenkrippen auf, eine österliche Variante der Weihnachtskrippe. Besonders hübsch ist die mechanische Krippe in Telfs - Moritzen, die in das Heilige Grab integriert ist.

Bunte Glaskugeln schmücken den Altar der Wallfahrtskirche Mariathal.

Bunte Glaskugeln sind typisch für die Tiroler Ostergräber. Hier in der Wallfahrtsbasilika Mariathal.

32 Emmausgang    

Was wäre nach dem vielen guten Essen am Wochenende besser als Bewegung an der frischen Luft. Wie gut, dass man in Tirol sogar dafür einen eigenen Brauch hat, den Emmausgang am Morgen des Ostermontags.

Er erinnert an den Weg der Jünger nach Emmaus, auf dem sich ihnen Jesus nach der Auferstehung unerkannt anschloss. Mitunter wird dabei gebetet und gesungen, viele genießen aber einfach einen ausgedehnten Spaziergang in der Frühlingssonne.

IT - Hinweis

https://www.tirol.at/aktivitaeten/brauchtum-traditionen/osterbraeuche (20.4.2025)

Teil IV - Brauchtum Vorarlberg    

33 Osterbräuche: Gigalar ufhänga    

Gigalar ufhänga ist ein Jahrhunderte alter Brauch, der noch heute in Au und Schoppernau in Vorarlberg gepflegt wird. Von der Kirche bis zum Haus junger Mädchen streuten 18-jährige Burschen früher in der Nacht zum Ostersonntag eine Spur aus Eierschalen. Heute nehmen sie Sägemehl.

Hähne sind in der Nacht auf Ostersonntag eine gefragte Beute. Sie haben eine tragende Rolle bei dem Brauch, der „Hühner aufhängen“ bedeutet. Dabei wurden die Hähne in der Vergangenheit in einen Käfig gepackt und in Schoppernau beim Haus der Mädchen, in Au bei den Kirchen aufhängt, erzählt man.

Wenn es jedoch zu viele volljährige Mädchen und zu wenig Hähne im Ort gab, gab man sich auch mit Hennen oder gefrorenen Geflügelteilen zufrieden.

34 Fruchtbarkeit und Schutz    

Zusätzlich wird nachts Sägemehl vor den Häusern der Mädchen gestreut. Je mehr Sägemehl, desto größer die Wertschätzung für das Mädchen. Der tiefere Sinn des Brauches ist, dass die jungen Frauen nicht vom rechten Weg abkommen sollen.

Gleichzeitig soll es symbolisieren, dass die Mädchen durch die Buben beschützt werden.

35 Hähne wechseln in der Osternacht ihren Besitzer    

Eier und Hahn sind Fruchtbarkeitssymbole. Heute streuen die jungen Männer Sägemehlspuren. Weil das Streuen Mitte der 1990 Jahre in Abladen ausgeartet ist, wurde der Brauch verboten. Heute stecken die Bürgermeister von Au und Schoppernau den Rahmen im Vorfeld mit den jungen Männern ab.

Am nächsten Morgen muss das Sägemehl zusammengekehrt werden

Und auch das war Teil des Brauchtums: Mit 18 durften die jungen Frauen in Au und Schoppernau früher am Ostersonntag erstmals mit der Spitzkappe, der Kopfbedeckung der Frauen, und dem Schalk, einem kurzen Jäckchen, zur Sonntagsmesse gehen. Sie schritten durch das Hauptportal - nicht mehr durch den Seiteneingang.

IT - Hinweis

https://vorarlberg.orf.at/v2/tv/stories/2977185/ (20.4.2025)

Teil V Brauchtum Steiermark    

Vom Osterhasenkirtag bis zur Fleischweihe, vom Ratschen bis zum Osterfeuer in der Steiermark bietet die Osterzeit viele Veranstaltungen, bei denen Groß und Klein die Osterbräuche hautnah erleben können.

Am Palmsonntag, der letzte Sonntag der Fastenzeit und der Sonntag vor Ostern, beginnt die Karwoche, und es wird des Einzugs Jesu Christi in Jerusalem gedacht. Zum Zeichen seines Königtums jubelte das Volk ihm zu und streute Palmzweige. So feiert man mit Palmbuschen die Palmweihe und ziehen anschließend in die Kirche ein. Die geweihten Zweige werden mit nach Hause genommen und sollen dort Haus und Heim schützen.

36 Ratschen    

„Wir ratschen, wir ratschen zum englischen Gruaß, damit die Leut wissen, wann man beten muaß. Fallt´s nieder! Fallt´s nieder auf Eure Knia! Bet´s drei Vaterunser, drei Ave Maria!“

Von Gründonnerstag bis zur Osternacht gehen Kinder mit sogenannten „Ratschen“ (ein laut knatterndes Holzinstrument) von Tür zur Tür und singen ein Ratschenlied. Diese Ratschen ersetzen in dieser Zeit das Glockengeläut, denn die Glocken „sind nach Rom geflogen und kommen erst zu Ostern wieder zurück“.

37 Weihfeuer tragen    

Am Karsamstag bringen Kinder das „Weihfeuer“ (es wird schon am frühen Morgen vom Priester gesegnet) in Form von glimmenden Baumschwämmen von Haus zu Haus. Das Weihfeuer gilt als Segenszeichen und das „hineinräuchern“ in die Häuser soll Glück bringen und das Haus und die Menschen, die darin leben schützen.

38 Weihfleisch    

Die Fleischweihe hat ihren Ursprung im 7. Jahrhundert und bildet den feierlichen Abschluss der Fastenzeit.

Gesegnet werden Schinken, Geselchtes, Eier, Brot, Kren und oft auch Salz. Diese Andacht findet am Karsamstag am frühen Abend statt und danach gibt es bei jedem zu Hause das „Weihfleischessen“, bei welchem im Familienkreis das Geweihte verspeist wird.

Natürlich gibt es auch für Gäste ein "Weihfleisch", natürlich von regionalen Lieferanten gemeinsamen mit anderen Produkten aus der Region.

39 Osterfeuer    

Das Osterfeuer wird immer am Karsamstag entzündet, und man trifft sich gesellig zu Bier bzw. Glühwein. Bei Osterfeuern handelt es sich um möglichst hoch aufgetürmte Holzstöße aus Baum- und Strauchschnitt. Die Holzstöße werden auf Feldern so errichtet, dass sie weithin sichtbar sind.

Der Brauch ist vor allem in ländlichen Gegenden üblich.

40 Osterkipferl    

In der Karwoche bzw. am Osterwochenende bekommen die Kinder nach einem alten Brauch das große Osterkipferl vom Göd oder der Godl (Taufpate/ in). Das begehrte Geschenk ist aus Weißmehl und hat eine vom Doppelmalz verliehene knackige Rinde, in die man herzhaft hineinbeißen kann. Hergestellt wird es unter anderem von den örtlichen Bäckereien.

IT - Hinweis

https://www.dorfhotel-fasching.at/natur-kultur/fischbach/ostern/ (20.4.2025)

Teil VI - Brauchtum Niederösterreich    

Vom Eierpecken, „In die Grean gehen“ und Palmbuschen binden.

Wie bei jedem anderen großen Fest gibt es auch rund um Ostern einige Bräuche und Traditionen, ohne die es einfach nicht dasselbe wäre. Gezeigt wird, was in Niederösterreich zu Ostern am Programm steht. In der Wohnung, im Garten, im Park – die traditionelle Osternestsuche gehört ebenso zum Osterfest wie das Ostereierfärben.

41 Osternest    

Jedes Jahr werden unzählige Eier versteckt – ob hartgekocht oder aus Schokolade. Doch warum dreht sich zu Ostern alles ums Ei? Nach christlichem Brauch wird vor Ostern 40 Tage lang gefastet. Zu den verbotenen Lebensmitteln in dieser Zeit gehörten früher alle tierischen Produkte – also neben Fleisch auch Milch, Butter und Eier. Da ist kaum verwunderlich, dass die Freude über Eier zum Ende der Fastenzeit groß war.

Und warum suchen wir sie im Freien? Angeblich ist diese Tradition heidnischen Ursprungs. Als Zeichen der Fruchtbarkeit und um die Frühlingsgöttin Ostara zu ehren, wurden Eier an Familie und Freunde verschenkt.

Doch die Kirche hat dies unter strenge Strafe gestellt. Woraufhin sie nicht mehr persönlich übergeben, sondern auf Feldern versteckt wurden. Und so suchen wir auch noch heute.

42 Eierpecken    

Das traditionelle „Eierpecken“ (umgangssprachlich für „zusammenstoßen“) wird hierzulande in vielen Familien auch als Wettbewerb ausgetragen.

Ein/ e Spiele/in fängt an und schlägt mit der Spitze seines Eis auf die seines/ ihrer Gegenspielers/ in, mit der Absicht, dessen Schale zu zerbrechen. Siege/ in ist, wessen Ei zum Schluss als einziges noch unversehrt bleibt.

Unser Wettkampf - Tipp: Das gegnerische Ei in einem möglichst schrägen Winkel treffen, damit sich die Kräfte nicht symmetrisch verteilen.

43 Karwoche - Brauchtum    

Der Palmsonntag kennzeichnet den Beginn der Karwoche (also den letzten Sonntag vor dem Ostersonntag). Gefeiert wird der Einzug Jesu in die Stadt Jerusalem, dessen Anhänger ihn bejubelten und ihm zu Ehren Palmzweige auf dem Boden ausbreiteten. Die heute traditionell bunt geschmückten Palmbuschen, die zur Prozession mitgebracht werden, sind zu einem wesentlichen Symbol des Palmsonntags geworden und werden je nach Region aus unterschiedlichen Materialien gebunden – meist Palmkätzchen, Buchs und Wacholderzweige. Die geweihten Zweige sollen die Häuser und ihre Bewohner/innen vor Unwetter und Hagel schützen und für reichen Ertrag sorgen.

Angelehnt an den biblischen Gang der Jünger nach Emmaus wird im Weinviertel das „In die Grean gehen“ noch bis heute von den heimischen Winzer:innen gelebt, die für ihre Lesehelfer:innen in ihren Kellergassen Speis und Trank zur Verfügung gestellt haben, sobald am Karsamstag die Osterratschen verklungen sind. Heutzutage versteht sich der Brauch als Begrüßung des Frühlings – dabei wird sich mit einer Heurigenjause gestärkt, der frische Wein verkostet und das frühlingshafte Erwachen der Natur gefeiert.

Neben dem traditionellen Osterschinken kommt im Motstviertel nämlich der „Godnknüpfi“, ein kunstvoll geflochtener Hefeteig in Form eines Kipferls, auf den Tisch. Mit einer Münze geschmückt und von den „Godn“ – umgangssprachlich für Taufpat/ innen – überreicht.

IT - Hinweis

https://www.niederoesterreich.at/osterbrauchtum (20.4.2025)

Teil VII Österliche Symbole - Evangelische Kirche    

Schon in heidnischen Frühlingsfesten spielte der Hase als Symbol der Fruchtbarkeit und des neuen Lebens nach einem kalten Winter eine Rolle. Dann wurde er zu einem Symbol für Passion und Ostern.

Was haben Hase, Eier und Feuer mit der Auferstehung zu tun? Der Osterhase gehört zu Ostern wie das Amen zum Gebet. Aber das war nicht immer so. In der Bibel ist nämlich vom Osterhasen genauso wenig die Rede wie von Ostereiern oder Osterfeuer.

44 Frühlingsfeste    

Schon in heidnischen Frühlingsfesten spielte der Hase als Symbol der Fruchtbarkeit und des neuen Lebens nach einem kalten Winter eine Rolle. Das Christentum integrierte den Hasen in das eigene Osterfest, deutete das Tier aber auf Jesus – sein Leiden, Sterben und die Auferstehung – hin: Weil der Hase kurze Vorderbeine und lange Hinterläufe hat, läuft er nämlich schneller bergauf als bergab. Also selbst wenn ein Hase in Bedrängnis ist, selbst auf der Flucht, nimmt er den scheinbar schwereren, steinigen Weg.

Genauso hat es Jesus getan. Jesus hätte sich seiner Verhaftung, Folter und Tod entziehen können, aber er ging den schweren Weg ans Kreuz. Um Gottes Willen zu erfüllen und schließlich aufzuerstehen. Im Wissen, dass der leichte Weg nicht immer der richtige ist.

So wurde Meister Lampe also zu einem Symbol für Passion und Ostern. Dass der Hase am Ostermorgen Eier versteckt, dürfte eher ein jüngerer Brauch sein. Erstmals dokumentiert wurde er im Deutschland des 17. Jahrhunderts. Ein Arzt schilderte den Brauch in seiner Doktorarbeit, warnte aber zugleich vor übermäßigem Verzehr von Eiern.

Ein Ei hatte übrigens auch Jesus beim letzten Abendmahl gegessen. Das Abendmahl fand am Abend vor dem Passahfest statt, darum aßen die Jünger die üblichen Speisen, die Juden bis heute zu diesem sogenannten Sedermahl zu sich nehmen. Dazu gehört ein hartgekochtes Ei.

Im Christentum wurde das Ei auf Grund seiner Beschaffenheit dann bald zum Symbol für die Auferstehung. Von außen wirkt es kalt und tot – wie ein Grabstein, doch im Inneren entsteht neues Leben. Das Eierpecken erinnert wiederum an das Aufbrechen von Jesu Grab.

45 Osterfeuer    

Und schließlich das Osterfeuer: Im Christentum steht das Feuer für Licht, für Wärme und für die Anwesenheit Gottes. Es steht für den Sieg über die Angst, die Dunkelheit und den Tod. Und genau das bedeutet Ostern: das Vertrauen darauf, dass selbst die größte Dunkelheit vom Licht besiegt werden kann.

IT - Hinweis

https://evang.at/hase-und-ostern/ (20.4.2025)

Teil VIII Orthodoxes Brauchtum    

Die (griechisch) orthodoxe Kirche feiert Ostern in diesem Jahr am Sonntag, dem 20. April. Welche Traditionen und Bräuche in dieser Gemeinde rund um Ostern gepflegt werden und welche besondere Rolle der Karsamstag spielt, erzählt Ioannis Nikolitsis, Erzpriester des Ökumenischen Patriarchats im Interview.

Wie in allen christlichen Kirchen ist das Osterfest auch in der griechisch - orthodoxen Tradition das wichtigste Fest des Kirchenjahres. Begleitet wird es von zahlreichen Bräuchen und Traditionen, die an zentrale Stationen im Leben Jesu, seine Auferstehung und seine Botschaft erinnern sollen.

Zu ihnen zählt etwa die im christlichen Glauben wichtige Erzählung von Jesu „Abstieg ins Reich des Todes“, so Nikolitsis, Gemeindevorsteher der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit und der Kirche des Heiligen Georgs in Wien: „Am Morgen des Karsamstags feiern wir dieses Ereignis“, das aber nicht mit dem Tod endet: „In der Morgenmesse, unmittelbar nach dem Evangelium, schlagen die Gläubigen symbolisch auf die Sitze als Zeichen des Sieges des Lebens über den Tod.“

46 Besondere Bedeutung der Fastenzeit    

Zu den am häufigsten praktizierten Traditionen rund um Ostern zählt innerhalb der griechisch - orthodoxen Kirche die Fastenzeit, die sieben Wochen vor Ostern beginnt. Wie Nikolitsis erzählt, soll sie gemeinsam mit der „geistigen Disziplin des innigen Gebets“ Gläubige darauf vorbereiten, „Christus, das Licht der Auferstehung, zu empfangen“.

Ioannis Nikolitsis ist Erzpriester des Ökumenischen Patriarchats Nikolitsis: „Die Enthaltsamkeit von Lebensmitteln wie Fleisch, Milch, Eiern, in der strengen Fastenregel sogar von Öl, symbolisiert, dass Gott die Quelle des Lebens und der guten Dinge ist und sie zur Verfügung stellt. Bei der Ernährung werden tierische Lebensmittel gemieden und Hülsenfrüchte, Gemüse und Meeresfrüchte bevorzugt.“

47 Bibelszene der Auferstehung Jesu    

Wie Nikolitsis erzählt, stellen in vielen Regionen Griechenlands Frauen anlässlich des Lazarus - Samstags, der eine Woche vor dem Palmsonntag begangen wird, zudem die Lazarakia her: „eine Art süßes Gebäck aus Teig mit Zimt, Zucker und Nelken“.

Ihre Form – ein menschlicher Körper in Leinentücher eingewickelt – erinnert an die biblische Erzählung der Auferweckung des Lazarus durch Jesus und damit daran, dass „alle Menschen mit der Erde verbunden sind, sowohl im Leben als auch im Tod“, so Nikolitsis: „Der süße Geschmack erinnert an die Ewigkeit“ und daran, dass der Tod nicht das Ende ist. Vor allem in ländlichen Gebieten Griechenlands wird Nikolitsis zufolge der Lazarus - Sabbat auf besondere Weise gefeiert.

48 Palmen und Licht als wichtige Symbole    

Wie der Erzpriester erzählt, sind die in der (griechisch) orthodoxen Tradition in der Osterzeit am häufigsten verwendeten Symbole Palmen. Sie symbolisieren „den Sieg über den Tod und die Ewigkeit“, Blumen im Allgemeinen stehen, so Nikolitsis, für „die Wiedergeburt der Natur im Frühling und das Leben selbst“. Besondere Bedeutung hat zudem das Licht, das für „die Wärme des Glaubens und die Auferstehung Christi“ steht.

Licht ist eines der zentralen Symbole zu Ostern, auch in der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit in Wien. Wie Nikolitsis im Gespräch mit religion.ORF.at erzählt, ist seine liebste Tradition zu Ostern der Moment, „wenn in der Nacht zum Karsamstag der Bischof den Gläubigen das Licht schenkt“ und in der Liturgie alle gemeinsam den Hymnus singen: „Christus ist auferstanden von den Toten, er hat den Tod überwunden und das Leben gegeben zum Gedächtnis.“

49 Beweglicher Ostertermin    

Die (griechisch) orthodoxe Kirche berechnet, wie viele andere orthodoxe Kirchen, den Termin der Osterfeier nach einem der ältesten Solarkalender, dem Julianischen Kalender, benannt nach Julius Cäsar. Zudem muss das Datum des orthodoxen Osterfestes nach dem jüdischen Pessachfest liegen, das durch den Vollmond bestimmt wird, und in diesem Jahr am Abend des 12. April begonnen hat.

Andere Kirchen, wie etwa die römisch - katholische Kirche, orientieren sich seit 1582 am Gregorianischen Kalender. Zuletzt hatten Ost- und Westkirchen Ostern im Jahr 2017 an einem gemeinsamen Termin, das nächste Mal wird das erst 2036 der Fall sein.

In Österreich gehören rund 35 000 Gläubige der griechisch - orthodoxen Kirche an. Neben der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit und der Kirche des Heiligen Georgs in Wien gibt es weitere Gemeinden in Linz, Salzburg, Innsbruck, Kufstein, Bregenz und Graz.

https://religion.orf.at/stories/3229676/ (20.4.2025)

Teil IX Diskurs Karfreitag    

50 Karfreitag 2025    

Der Karfreitag ist seit 2019 für evangelische, methodistische und altkatholische Christen kein Feiertag mehr - es sei denn, man macht ihn zum "persönlichen Feiertag". Dann hat man einen Anspruch auf Urlaub an diesem Tag, so er drei Monate davor beim Arbeitgeber angemeldet wurde. Einen zusätzlichen Urlaubstag gibt es dafür allerdings nicht.

Diese Regel wurde eingeführt, nachdem der Europäische Gerichtshof die unterschiedliche Behandlung der Konfessionen am Karfreitag für unzulässig erklärt hatte. Ginge es nach der Evangelischen Kirche, bestünde die Lösung nicht darin, den Feiertag zu streichen, sondern ihn allen Religionen zugänglich zu machen.

Der Karfreitag sei auch insofern von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung, als er an die Verletzlichkeit und Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens erinnere. Angesichts der vielen aktuellen Krisen brauche es einen Tag, wo diese Zerbrechlichkeit des Lebens nicht verdrängt werde.

In sozio - kultureller und ökumenischer Verbundenheit wäre ein runder Tisch mit Vertretern der Politik, Kultur, Sozialpartnerschaft und Kirchen eine Möglichkeit, einen Bereich kulturell – religiöser europäischer Tradition gesamtgesellschaftlich einer Diskussion und möglichen Lösung zuzuführen.

Literaturverzeichnis    

Czeike F. (1992): Ostern in Wien, in: Wienmagazin 4/1992, 17

Grün A. (2022): Die Ostergeschichte, Freiburg

Gugitz G. (1949) : Das Jahr und seine Feste im Volksbrauch Österreichs, Wien, 151 – 153 (Palmesel), 158 - 160 (Gründonnerstag), 174 -176) (Heiliges Grab und seine Verehrung), 187 -189 (Der Osterhase und sein Ei)

Mais G. : Altwiener Ostereier - Verse, in: Wiener Geschichtsblätter 1961/16 , 247 - 249

Middelbeck – Varwick A. - Lademann - Priemer G. – Schmelz B . - Braunmüller B. – Braunmüller I. – Pohlmmeyer M.- Stolz Chr. (2019): Ostern – Ursprünge und Bräuche, Usedom

Wittmann P. (Hrsg.) (2024): Das kleine Buch der Osterbräuche, Ostfildern

Dokumentation    




Zum Autor    

APS - Lehrer/ Lehramt für Volks- und Hauptschule (D, GS, GW) sowie Polytechnischer Lehrgang (D, SWZ, Bk); zertifizierter Schüler- und Schulentwicklungsberater; Lehrbeauftragter am Pädagogischen Institut des Landes Tirol/ Berufsorientierung bzw. Mitglied der Lehramtsprüfungskommission für APS - Lehrer/ Landesschulrat für Tirol (1994 - 2003)

Lehrbeauftragter am Institut für Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft/ Universität Wien/ Aus- und Weiterbildung/ Vorberufliche Bildung (1990/ 1991- 2010/2011); Lehrbeauftragter am Sprachförderzentrum des Stadtschulrates Wien/Interkulturelle Kommunikation (2012); Lehrbeauftragter am Fachbereich für Geschichte/ Universität Salzburg/ Lehramt "Geschichte - Sozialkunde - Politische Bildung/ "Didaktik der Politischen Bildung" (2015/ 2016, 2017)

Mitglied der Bildungskommission der Evangelischen Kirche in Österreich A. und H.B. (2000 - 2011), stv. Leiter des Evangelischen Bildungswerks in Tirol (2004 - 2009, 2017 - 2019)

Kursleiter an den VHSn Zell/ See, Saalfelden und Stadt Salzburg - "Freude an Bildung" (2012-2019) und VHS Tirol "Der Wandel der Alpen" - Politische Bildung (2025)

Absolvent des Instituts für Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/ Doktorat (1985), des 10. Universitätslehrganges Politische Bildung/ Universität Salzburg - Klagenfurt/ Master (2008), des 6. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg/ Diplom (2012) - des 6. Lehrganges Interkulturelles Konfliktmanagement/ Bundesministerium für Inneres - Österreichischer Integrationsfonds/ Zertifizierung (2010), der Weiterbildungsakademie Österreich/ Diplome (2010), des 1. Lehrganges Ökumene/ Kardinal König - Akademie Wien/ Zertifizierung (2006) - der Personalentwicklung für Mitarbeiter der Universitäten Wien/ Bildungsmanagement/ Zertifizierungen (2008 - 2010) und Salzburg/ 4. Lehrgang für Hochschuldidaktik/ Zertifizierung (2015/2016) - des Online - Kurses "Digitale Werkzeuge für Erwachsenenbildner_innen"/ TU Graz - CONEDU - Werde Digital.at - Bundesministerium für Bildung/ Zertifizierung (2017), des Fernstudiums Erwachsenenbildung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium - Comenius Institut Münster/ Zertifizierung (2018), des Fernstudiums Nachhaltige Entwicklung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium - Comenius Institut Münster/ Zertifizierung (2020)

Aufnahme in die Liste der Sachverständigen für den NQR/ Koordinierungsstelle für dem NQR, Wien (2016)

MAIL dichatschek (AT) kitz.net

 
© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 23. April 2025