|
Bezirkskunde Kitzbühel
Aspekte einer Bezirkskunde Kitzbühel |  |
Regionalkunde im Kontext Politischer Bildung |  |
Günther Dichatschek
 | | Inhaltsverzeichnis dieser Seite | |
|
|
Einleitung |  |
In Fortsetzung einer Landeskunde in Politischer Bildung soll Regionalkunde mit einem Beitrag in ihrer Bedeutung beachtet werden. Politische Bildung setzt sich vermehrt für regionale Bildung und damit für eine Kenntnis und Möglichkeiten der eigenen Region ein.
Die Relevanz von Regionalisierungskonzepten der Bildung wird in verschiedenen sozialwissenschaftlichen Diskursen thematisiert, so im Zusammenhang mit der Globalisierung der Wirtschaft und der Herausbildung regionaler Netzwerke oder der Internationalisierung und Europäisierung der Politik.
Die Studie beschäftigt sich mit Fragen, die im Zusammenhang mit dem steuerungstheoretischen Diskurs gestellt sind. Aus den Veränderungen der Staatstätigkeit werden Merkmale und Funktionen regionaler Politik abgeleitet. Es ergeben sich Spannungsfelder, aber auch Grenzen von Regionalisierung.
Hilfreich erscheint die Behandlung der Thematik im Rahmen der Politischen Bildung in Form eines Konzepts einer Bildungskonzeption Regionaler Bildung.
1 Bezirk Kitzbühel |  |
IT - Hinweis
https://www.tirol.gv.at/fileadmin/bezirke-gemeinden/kitzbuehel/downloads/Zahlen_und_Fakten.pdf (14.3.2025)
Basisdaten
Bundesland Tirol
Verwaltungssitz Kitzbühel
Fläche 1.163,30 km² (31. Dezember 2019)
Einwohner 66.059 (1. Jänner 2024)
Bevölkerungsdichte 57 Einwohner/km²
Kfz - Kennzeichen KB
Bezirkskennzahl 704
Bezirkshauptmannschaft
Bezirkshauptmann Michael Berger
IT - Hinweis
https://tirol.gv.at/kitzbuehel (14.3.2025)
Der Bezirk Kitzbühel ist ein politischer Bezirk des österreichischen Bundeslandes Tirol.
Er umfasst das Brixental, das Leukental und das Pillerseetal, grenzt im Norden an Bayern (Landkreis Traunstein), im Westen an den Bezirk Kufstein und den Bezirk Schwaz und im Osten und Süden an den Bezirk Zell am See (Bundesland Salzburg).
Der Bezirk mit einer Fläche von 1.163,30 km² ist Teil der Euregio Inntal und der Europaregion Tirol – Südtirol – Trentino.
2 Zahlen und Fakten Bezirk Kitzbühel |  |
Bundesland Tirol - Bezirk Kitzbühel
Verwaltungssitz 6370 Kitzbühel
Bezirkshauptmann Dr. Michael Berger
Fläche 1.163,29 km²
Bevölkerung laut Volkszählung 2021 64.812
Wohnbevölkerung am 01.01.2024 66.059
davon ausl. Staatsbürger 13.542 (20,5 %)
Anzahl Gemeinden 20
Tourismusnächtigungen im Jahr 2023 6.049866
Kfz - Kennzeichen KB
Arbeitsmarktservice/ AMS
Wagnerstraße 17, 6370 Kitzbühel ............. 05356/62422
Arbeiterkammer Tirol - Geschäftsstelle Kitzbühel
Rennfeld 13, 6370 Kitzbühel
Kostenlose Servicenummer ....................... 0800/225522-3232
Bezirks - Feuerwehrkommando Kitzbühel
Kalsfeld 30, 6365 Kirchberg i. T. ................ 05357/35722
Bezirksforstinspektion Kitzbühel
Innsbrucker Str. 77, 6380 St. Johann . ...... 05356/62131-6490
Bezirkspolizeikommando Kitzbühel
Im Gries 9a, 6370 Kitzbühel ...................... 059133/7200-305
Bezirksgericht Kitzbühel
Wagnerstraße 17, 6370 Kitzbühel ............. 05/76014/346300
Bezirkshauptmannschaft Kitzbühel
Josef - Herold - Str. 10, 6370 Kitzbühel ......... 05356/62131-0
Bezirkskrankenhaus St. Johann i. T.
Bahnhofstraße 10, 6380 St. Johann. ......... 05352/606-0
Bezirkslandwirtschaftskammer
Innsbrucker Str. 77, 6380 St. Johann. ....... 05/9292/2300
Finanzamt Kitzbühel - Lienz
Im Gries 9, 6370 Kitzbühel ........................ 05/0233-233
Gesundheitsreferat der BH Kitzbühel
Josef - Herold - Str. 10, 6370 Kitzbühel ......... 05356/62131-6473
15.05.2019
Gesundheitszentrum Kitzbühel
Hornweg 28, 6370 Kitzbühel...................... 05356/601-0
Grundbuchsamt Kitzbühel
Wagnerstraße 17, 6370 Kitzbühel ............. 05/76014/3463
Kammer der gewerblichen Wirtschaft für Tirol
Josef - Herold - Str. 12, 6370 Kitzbühel ............... 0590905-3210
Kammer f. Arbeiter und Angestellte f. Tirol
Rennfeld 13, 6370 Kitzbühel
Kostenlose Servicenummer ....................... 0800/225522-3232
Kaserne St. Johann i. T. - Winterstellerkaserne
Wieshoferstr. 35, 6380 St. Johann i. T. ..... 050201/621310
Kaserne Hochfilzen - Truppenübungsplatz
6395 Hochfilzen ......................................... 050201/871310
ÖBB – Postbus GmbH.
St. Johanner Str. 18, 6370 Kitzbühel ......... 05356/62715
Zentrale Busauskunft ................................ 05/1717
ÖBB Telefonzentrale
Wien .......................................................... 01/93000
ÖBB Zugauskunft
Call Center ................................................ 05/1717
Österreichisches Rotes Kreuz, Ortsstelle Kitzbühel
Wagnerstraße 18, 6370 Kitzbühel ............. 05356/6910-0
Postamt Kitzbühel
Josef - Pirchl - Str. 11, 6370 Kitzbühel .......... 05/7767/76370
Polizeiinspektion Erpfendorf
Tel. ......................................................... 059133/7201
15.05.2019
Polizeiinspektion Fieberbrunn
Tel. ........................................................... 059133/7202
Polizeiinspektion Hopfgarten i. B.
Tel. ........................................................... 059133/7203
Polizeiinspektion Jochberg
Tel. ........................................................... 059133/7204
Polizeiinspektion Kirchberg i. T.
Tel. ........................................................... 059133/7205
Polizeiinspektion Kitzbühel
Tel. ........................................................... 059133/7200
Polizeiinspektion Kössen
Tel. ........................................................... 059133/7207
Polizeiinspektion St. Johann i. T.
Tel. ........................................................... 059133/7208
Polizeiinspektion Westendorf
Tel. ........................................................... 059133/7209
Standesamt u. Staatsbürgerschaftsverband Waidring
Tel: ........................................................... 05353/52020
Standesamt u. Staatsbürgerschaftsverband Westendorf
Tel. ........................................................... 05334/62030
Standesamt u. Staatsbürgerschaftsverband Fieberbrunn
zuständig für die Gemeinden: St. Ulrich am Pillersee,
St. Jakob am Pillersee, Hochfilzen, Fieberbrunn
Tel: ........................................................... 05354/562030
Standesamt u. Staatsbürgerschaftsverband Hopfgarten i. B.
zuständig für die Gemeinden: Itter und Hopfgarten .
Tel: ........................................................... 05335/22050
15.05.2019
Standesamt u. Staatsbürgerschaftsverband Kirchberg i. T.
zuständig für die Gemeinden: Brixen i. T., Kirchberg
Tel. ........................................................... 05357/22130
Standesamt u. Staatsbürgerschaftsverband Kitzbühel
zuständig für die Gemeinden: Aurach bei Kitzbühel,
Jochberg, Kitzbühel, Oberndorf, Reith bei Kitzbühel
Tel. ........................................................... 05356/621610
Standesamt u. Staatsbürgerschaftsverband Kössen
zuständig für die Gemeinden: Schwendt u. Kössen
Tel. .......................................................... 05375/62010
Standesamt u. Staatsbürgerschaftsverband St. Johann i. T.
zuständig für die Gemeinden: Going am Wilden Kaiser,
Kirchdorf i. T., St. Johann i. T.
Tel. ........................................................... 05352/6900-0
Straßenmeisterei St. Johann i. T.
D. - Wieshofer - Str. 67, 6380 St. Johann ...... 0512/508-8512
Tierkörpersammelstelle St. Johann i.T.
Winkl - Schattseite 120, 6380 St. Johann .... 05352/63443
Tiroler Bergwacht
Bezirksleiterin Simone Fuchs. ................... 0664/60255115
Österr. Gesundheitskrankenkasse - Außenstelle Kitzbühel
Achenweg 16, 6370 Kitzbühel ................... 05/9160/3812
Vermessungsamt Kufstein, Dienststelle Kitzbühel
Wagnerstr. 17, 6370 Kitzbühel .................. 05356/62228-0
Angabe der Telefonnummern ohne Gewähr !
4 Wirtschaft und Infrastruktur |  |
IT - Hinweis
https://www.wirtschaft-kitzbuehel.at/ (23.3.2025)
Die Wirtschaftsstruktur des Bezirks ist vor allem durch den Dienstleistungsbereich geprägt; hier dominiert vor allem der zweisaisonale Tourismus.
Bedeutende Tourismusgebiete sind Kitzbühel, St. Johann in Tirol, die Orte am Kaisergebirge, Kirchberg in Tirol, Hochfilzen und auch die Gemeinde Westendorf, die sich in den letzten Jahren zum Zentrum des Skigebiets Ski Welt Wilder Kaiser – Brixental entwickelt und besonders an Bedeutung gewonnen hat.
4.2 Industrie - Gewerbe |  |
Bedeutende Industrie- und Gewerbegebiete finden sich in den Gemeinden St. Johann, Oberndorf, Fieberbrunn, Kirchdorf, Kitzbühel und Brixen, wo es bis heute mehr als 150 Betriebe gibt. Die größten Produktionsbetriebe gehören zu den Bereichen Holzindustrie, Bauwesen und chemische Industrie.
IT - Hinweis
https://tirol.lko.at/blk-kitzbühel-2021+2400+3689457 (23.3.2025)
Änderung der EU - Bio - Richtlinien ab 2022, breite Information an die 450 Biobetriebe im Bez. Kitzbühel (ca. 1/3 der Betriebe), Direktvermarktung, Unterstützung von innovativen Betrieben in Einzelberatungen bis hin zu Konzepterarbeitung bei Selbstbedienungsläden.
Intensive Betreuung von bäuerlichen Betrieben zum Thema Tierwohl bzw. Rinderauslauf. Im Bezirk Kitzbühel gibt es nur noch Rinder-Kombinationsbetriebe?, also keinen Betrieb mehr, mit dauernder Anbindehaltung und fehlendem Auslauf.
Hofübergabeseminare und intensive Beratung in Zusammenarbeit mit Rechtsberatern, Notariaten und LQB (Lebensqualität Bauernhof).
Wolfs - Attacken im Brixental: drei Ereignisse am 26.06. Oberkar/ Ölbank/ Steinbergstein, 03.07. Rotwandalm und 24.07. Rosswildalm - massiver Aufklärungsbedarf, Betreuung der Geschädigten von persönlicher Betroffenheit bis hin zu Entschädigungsanträgen.
Vernetzungstreffen mit der BBK Zell am See und BLK Kitzbühel am 25.06.21 in Leogang. Den almenreichen Bezirk Kitzbühel trifft die Situation mit den Wolfs - Attacken sehr.
Hilfe und Unterstützung der bäuerlichen Betriebe bei den Corona - Ausgleichszahlungen (Umsatzersatz) und insbesondre aws -Investitionsförderung.
Hilfe und Beratung bei Investitionen (Schwerpunkt Tierwohl und Nachhaltigkeit), insbesondere durch steigende Baustoffpreise aber auch einmaligen Förderaktionen, wie der erstmaligen Elektrifizierung von Milchkuh - Almen in Kelchsau.
IT - Hinweis
https://de.wikipedia.org/wiki/St._Johann_in_Tirol (23.3.2025)
5.1 Bedeutung |  |
Neben der Stadt Kitzbühel – sowie den umgebenden Gemeinden –, in welcher der internationale Jetset verkehrt, hat sich heute die Marktgemeinde St. Johann in Tirol als wirtschaftliches Zentrum des Bezirkes etabliert. Durch steten Zuzug ist die Marktgemeinde seit 2007 die an Einwohnern reichste Gemeinde im Bezirk, durch ihre zentrale Lage in einem Talkessel des Leukentales am Zusammenfluss von drei Achen/ Flüssen gelegen hat St. Johann durch viele überregionale öffentliche Einrichtungen (Schulzentrum/ AHS - BHS , Heereseinrichtungen und Bezirkskrankenhaus) sowie durch ein breites Spektrum an Einzelhandels- und Gewerbebetrieben inzwischen eine wichtige Funktion im Bezirk inne.
5.2 Ortsteile |  |
Der Ort besteht aus dem zentralen Hauptort und den umliegenden Ortsteilen Almdorf, Apfeldorf, Bärnstetten, Berglehen, Fricking, Hinterkaiser, Mitterndorf, Niederhofen, Oberhofen, Reitham, Rettenbach, Scheffau, Sperten, Taxa, Weiberndorf, Weitau, Winkl - Schattseite und Winkl - Sonnseite
5.3 Nachbargemeinden |  |
Going am Wilden Kaiser
Kirchdorf in Tirol
St. Ulrich am Pillersee
Oberndorf in Tirol
Kitzbühel
Fieberbrunn
5.4 Geschichte |  |
Archäologische Funde aus ur- und frühgeschichtlicher Zeit gibt es in St. Johann nicht, doch ist im südlichen Bereich des Leukentales bei Kitzbühel und Jochberg bereits zur Urnenfelderzeit um 1300 bis 1100 vor Christus bronzezeitlicher Bergbau nachgewiesen, und ab dem 4. Jahrhundert vor Christus betrieben dort die keltischen Stämme der Ambisonten und Alaunen Kupferbergbau.
Durch das Leukental führte schon in der Bronzezeit ein Saumpfad als Verbindung vom Süden über den Felbertauern ins nördliche Alpenvorland, aber es ist im St. Johanner Talkessel noch keine Siedlung nachgewiesen. Ab dem 2. Jahrhundert vor Christus gehörte die Gegend zu den westlichen Ausläufern des keltischen Königreichs Noricum. Auf keltische Sprachwurzeln geht die Bezeichnung des Weilers Sperten zurück.
Im Jahr 15 vor Christus eroberten die Römer den Ostalpenraum, und das Gebiet gehörte nun zur römischen Provinz Noricum. Nach dem Untergang des weströmischen Reiches 476 kam die Region im Zuge der Völkerwanderung und durch die Sesshaftwerdung des germanischen Stammes der Bajuwaren im 6. und 7. Jahrhundert zum Herzogtum Bayern.
Die erste nachgewiesene Besiedlung des St. Johanner Talkessels erfolgte in dieser Zeit durch bajuwarische Bauern, die Wälder rodeten und das Land urbar machten. Daran erinnern heute noch die Flurnamen Fricking, Schwentling, Obing und Reitham. Das bayerische Adelsgeschlecht der Liuchinger, das auf einen Stammesführer namens Liucho zurückgeht und dem das Leukental seinen Namen verdankt, baute in den folgenden Jahrhunderten eine Grafschaft im Leukental auf. Der Gerichtssitz für diese Grafschaft war auf der Burg Leukenstein am Fuße des Niederkaisers. Sie wurde wohl durch einen Bergsturz im 13. Jahrhundert zerstört, weshalb ihr genauer Standort heute nicht mehr bekannt ist. Der Hofname Burgwies im Ortsteil Bärnstetten erinnert aber heute noch an die einstige Burg.
Ab 1166 scheinen die Grafen von Falkenstein als Inhaber der Grafschaft im Leukental auf. Dieses mächtige Adelsgeschlecht starb jedoch 1272 aus. Danach wird das Leukental vom bayerischen Herzog nicht mehr als Lehen vergeben und in der Folge von seinen Beamten verwaltet. So wird der Gerichtssitz 1297 von St. Johann in die Stadt Kitzbühel verlegt.
Bereits im 8. Jahrhundert (wahrscheinlich schon vor 738) errichteten Missionare in der Gegend von St. Johann eine Taufkirche, die Johannes dem Täufer geweiht war und von der sich der Name des Ortes ableitet. Urkundlich wird die Kirche St. Johannes aber erst 1150 genannt. Die erste Erwähnung von St. Johann als Pfarre bzw. Dorfgemeinschaft erfolgte in der Gründungsurkunde des Bistums Chiemsee 1216, der Weiler Apfeldorf wurde schon früher (um 1102–1104) in einer Traditionsnotiz des Klosters Scheyern als „Affoltrach in montanis videlicet in Liuchental“ – also ausdrücklich als „Apfeldorf im Leukental“ – genannt.
Im 12. und 13. Jahrhundert hatte ein weiteres mächtiges Adelsgeschlecht ausgedehnte Besitzungen in der Gegend von St. Johann. Die aus dem Oberpinzgau stammenden Herren von Velben besaßen eine Burg im Ortsteil Rettenbach. Die Hofnamen Oberbürg und Stallbürg erinnern noch heute daran. Von der „Forchtenstein“ genannten Burg der Velben sind noch deutlich sichtbare Geländespuren auf einem Hügel im Ortsteil Rettenbach erhalten. In unmittelbarer Nähe dazu gab es eine weitere Burg, Sperten genannt, die im Besitz der Pfalzgrafen von Ortenburg stand und an die heute noch der Hofname Unterbürg erinnert.
Mit der ersten bayerischen Landesteilung kam das Gebiet von 1255 bis 1340 zu Oberbayern, und auf Grund der Heirat der Gräfin Margarete von Tirol - Görz „Maultasch“ mit dem bayerischen Herzog Ludwig dem Brandenburger als Margarethes Witwengut von 1342 bis 1369 vorübergehend zur Grafschaft Tirol. 1392 mit der dritten bayerischen Landesteilung zu Bayern - Ingolstadt und ab 1447 zu Bayern - Landshut. Schließlich wird die Herrschaft Kitzbühel 1505 unter Kaiser Maximilian I. mit Tirol vereint.
1446 wurde die Pfarre St. Johann direkt den Chiemseer Bischöfen unterstellt. St. Johann war somit bis 1808 deren Pastoral- bzw. Sommerresidenz.
Durch die Eröffnung des Kupfer- und Silberbergbaues 1540 am Rerobichl bei Oberndorf, das damals zum Gemeindegebiet von St. Johann gehörte, erlangte der Ort großen Reichtum. Im 17. Jahrhundert war der Heilig - Geist - Schacht mit über 880 Metern der tiefste Schacht der Erde. Der Bergbau hielt noch bis in das 18. Jahrhundert an.
1621 wird St. Johann in Tirol Dekanatssitz. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden barocke Kulturdenkmäler geschaffen, denen der Ort den Beinamen „Barockes St. Johann“ verdankt.
1786 kam durch die josephinische Pfarrregulierung das Gebiet rechts der Fieberbrunner Ache (Winkl Sonnseite, Reitham, Mitterndorf, Oberhofen, Niederhofen, Stopfenau) von der Pfarre Kirchdorf zur Pfarre St. Johann.
In den napoleonischen Kriegen rückten auch die St. Johanner Schützen von 1796 bis 1805 unter ihren Hauptmännern Andreas Augustinus Feller und Josef Hager mehrmals zur Verteidigung des Landes aus. Durch den Frieden von Preßburg kommt Tirol 1805 zu Bayern, und die Tiroler Schützen beginnen 1809 einen Aufstand gegen die bayerische Herrschaft. Im selben Jahr errichtet der Tiroler Freiheitskämpfer Joseph Speckbacher sein Hauptquartier zur Verteidigung des Unterlandes im Gasthof zum Bären. Die St. Johanner Schützen kämpfen bei der Verteidigung des Passes Strub sowie unter Hauptmann Anton Georg Feller bei Kufstein. Im Mai 1809 rettet Dekan Matthias Wieshofer den Ort vor der Zerstörung durch bayerische und französische Truppen.
1875 wurde St. Johann durch den Bau der Giselabahn an das internationale Eisenbahnnetz angeschlossen. Es folgte ein wirtschaftlicher Aufschwung, und der Fremdenverkehr nahm seinen Anfang.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts geriet die Bezeichnung „St. Johann im Leukental“ immer mehr in Vergessenheit, und es bürgerte sich der heutige Name „St. Johann in Tirol“ ein.
Im Ersten Weltkrieg blieb St. Johann von jeglichen Kriegshandlungen verschont, doch waren 138 Gefallene zu beklagen. Ihnen zu Ehren wurde 1923 das Kriegerdenkmal am Hauptplatz errichtet.
1927 wurde der Weiler Oberndorf von St. Johann abgetrennt und zur eigenen Gemeinde.
Auch in St. Johann in Tirol forderten die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und der Zweite Weltkrieg Menschenleben, darunter 233 an den Fronten gefallene Soldaten sowie sechs Euthanasie - Opfer. Von August 1940 bis Juni 1941 bestand in St. Johann in Tirol eine Außenstelle des KZ Dachau. 20 politische Häftlinge waren für den Ausbau eines Bergbauernhofes zum SS - Erholungsheim abkommandiert. Während des Zweiten Weltkriegs blieb der Ort von Kriegshandlungen verschont, doch wurde der Bahnhof St. Johann in Tirol im Dezember 1944 bombardiert. Die Bomben verfehlten aber ihr Ziel und landeten in einem nahe gelegenen Feld. Zu Kriegsende im Mai 1945 waren mehrere wertvolle Kunstwerke des Kunsthistorischen Museums Wien (Breughel, Dürer, Raffael, Tizian, Velasquez, Rubens, Rembrandt) in einem Keller in St. Johann eingelagert.
1954 erhielt St. Johann in Tirol ein Gemeindewappen. Der grün – rot gespaltene Schild zeigt die Farben des alten Gerichtes der Grafschaft im Leukental. Das Steinbockhorn erinnert an das Wappen der Herren von Velben, der Bischofsstab an die Bischöfe von Chiemsee.
1956 wurde St. Johann in Tirol zur Marktgemeinde erhoben.
Ab den fünfziger Jahren nimmt die Wirtschaft in St. Johann vor allem in den Bereichen Tourismus, Industrie, Handel und Gewerbe einen großen Aufschwung. Seit den achtziger Jahren wurde jedoch das ständig steigende Verkehrsaufkommen zu einer immer größer werdenden Belastung für den gesamten Ort. Dank mehrerer Straßenbaumaßnahmen konnte der Durchzugsverkehr in den 1990er Jahren aus dem Ortskern umgeleitet und eine Fußgängerzone eingerichtet werden. Durch diese Maßnahmen erfuhr besonders der innere Ort eine große Steigerung seiner Attraktivität.
Als Standortgemeinde des Bezirkskrankenhauses entwickelte sich St. Johann zum Gesundheitszentrum der Region. Durch mehrere Baumaßnahmen zwischen 1991 und 2024 wurden die medizinischen Einrichtungen kontinuierlich erweitert.
Auch als Schulstandort mit über 3 000 Schülern und Bildungseinrichtungen wie Bundesgymnasium, Landwirtschaftlicher Landeslehranstalt/Fachschule, Pflegeschule und Tourismusschulen besitzt St. Johann in Tirol überregionale Bedeutung.
6 Kitzbühel – eine 750 Jahre junge Stadt |  |
IT - Hinweis
https://www.kitzbuehel.at/750/Geschichte (23.3.2025)
Kitzbühel ist die namensgebende Stadt des Bezirks inmitten der schönen Bergwelt der Kitzbüheler Alpen im Nordosten Tirols. Im Sommer idealer Ausgangspunkt für Spaziergänge, Wanderungen und Bergtouren liegt sie im Winter inmitten eines riesigen Skigebietes, das mit zahlreichen komfortablen Aufstiegshilfen erschlossen ist.
International bekannt ist die Stadt insbesondere als Austragungsort der Hahnenkammrennen, dem alljährlichen Saisonhöhepunkt des Alpinen Skiweltcups. Auf seine Gründung im Jahr 1271 und eine ebenso lange wie abwechslungsreiche Geschichte darf Kitzbühel mit einigem Stolz zurückblicken.
Die im Mittelalter angelegte Altstadt mit ihren spätgotischen Fassaden, gotische Kirchen und barocke Kunstwerke führen die mit dem Bergbau auf Silber und Kupfer verbundene wirtschaftliche und kulturelle Blüte in Früher Neuzeit und Barock eindrucksvoll vor Augen. Sie stehen für eine lange städtische Tradition und ein städtisches Bewusstsein, die in den Alpen kaum sonst wo anzutreffen sind und sehr wesentlich zum unverwechselbaren Charme des 750 Jahre jungen Kitzbühel beitragen.
6.1 Eine alte bayerische Grenzstadt |  |
Kitzbühels Lage an einem Hügel oberhalb des von Süd nach Nord verlaufenden Kitzbüheler Achentals lässt an längst vergangene Zeiten denken. Zeiten, in denen das flachere Umland unbewohnbares Überschwemmungsgebiet und Wehrhaftigkeit wichtigstes Anforderungsprofil war. Im Mittelalter bildete Kitzbühel mit seinem Umland den südöstlichsten Teil des Herzogtums Bayern, der im Osten, Süden und Westen von fremden Territorien umgeben war.
Diese aus bayerischer Sicht sehr exponierte Lage dürfte auch der Grund für die Stadterhebung durch Herzog Ludwig II. im Jahr 1271 sein. Kitzbühel wurde mit einer Stadtmauer versehen und zum festen Stützpunkt bayerischer Interessen. Die Politik der Bayernherzöge zeitigte einigen Erfolg. Kitzbühel wurde erst 1506 Teil von Tirol und Österreich, als der Habsburger Kaiser Maximilian bayerische Erbstreitigkeiten zu seinen Gunsten ausnutzen konnte.
6.2 Bergbauzentrum und kulturelle Blüte in Neuzeit und Barock |  |
Noch zur Zeit der bayerischen Herrschaft wurde im Spätmittelalter mit dem Bergbau jener Erwerbszweig erschlossen, dem Kitzbühel seine erste große Blüte verdanken sollte. Am Ende des 15. Jahrhunderts sind Schmelzhütten bezeugt, in denen die Erze weiterverarbeitet werden konnten.
Der wirklich große Boom setzt aber um das Jahr 1540 ein, als die Silber- und Kupfervorkommen des wenige Kilometer nördlich der Stadt gelegenen „Rerobichl“ entdeckt werden. In kürzester Zeit und teilweise ohne Genehmigung wurde eine Vielzahl von Schächten in den Boden getrieben, die Tiefen von bis zu 900 Metern erreichten und lange Zeit als die tiefsten der Welt galten. Der damit verbundene enorme finanzielle Aufwand ließ die Erträge freilich rasch abnehmen.
Der Höhepunkt der Bergbautätigkeit war bereits vor 1600 überschritten. Für die folgende Zeit blieb der Bergbau trotzdem Garant für das wirtschaftliche Wohlergehen der Stadt, dem etwas zeitversetzt eine geistig - kulturelle Blüte folgen sollte. Im Barock wurde Kitzbühel zum Kunstzentrum, das bis ins Salzburgische Pinzgau und Tiroler Inntal ausstrahlte.
6.3 Krise und Neubeginn im 19. Jahrhundert |  |
Mit dem Niedergang des Bergbaus und dem Erlahmen der barocken Bautätigkeit setzt seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert eine Epoche des wirtschaftlichen Niedergangs ein. Nach der Schließung des „Rerobichl“ im Jahre 1772 bleiben zwar die Bergbaue am Schattberg und Sinwell in unmittelbarer Nähe der Stadt bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts bestehen.
Ihre vergleichsweise bescheidenen Dimensionen und ihre zunehmende Unrentabilität führen Laufe des 19. Jahrhunderts im Verein mit den Problemen der traditionellen Landwirtschaft und dem Niedergang des althergebrachten Handwerks zu einer veritablen Krise. Kitzbühel wurde eine bescheidene Landgemeinde, in der nach Berichten von Zeitgenossen Armut keine Ausnahmeerscheinung darstellte. Ein gewisser Aufschwung setzt erst in den letzten beiden Jahrzehnten dieses Jahrhunderts ein, als Reisende die Schönheit der Landschaft um Kitzbühel entdeckten.
Mit dem 1875 durch den Einsatz des Kitzbüheler Bürgermeisters Josef Pirchl erreichten Anschluss an das österreichische Eisenbahnnetz wurde der Grundstein für die touristische Erschließung der Stadt gelegt. Zwei Jahre später erfolgte die Gründung der örtlichen Alpenvereins -Sektion, mit der die Kitzbüheler Bergwelt einem größeren Publikum zugänglich gemacht wurde.
Von größter Bedeutung für den Tourismus und damit den wirtschaftlichen (Wieder-) Aufstieg der Stadt sollte sich die Pionierarbeit von Franz Reisch erweisen, der als Begründer des Skisports in Kitzbühel gelten darf.
Auf seine Initiative gehen die ersten Wintersportaktivitäten in den neunziger Jahren des vorvergangenen Jahrhunderts zurück, die sehr bald Gäste aus dem In- und Ausland anlockten. Zur Sommerfrische gesellte sich der Wintersport: Das 1902 - 1903 erbaute Grandhotel, für lange Zeit erste Adresse der Stadt, öffnete wenige Jahre später auch winters seine Pforten.
In den 1920ern und 1930ern beherbergt Kitzbühel ein internationales, insbesondere englisches Publikum, dessen berühmtester Vertreter der englische Thronfolger und spätere Kurzzeitkönig Edward VIII ist. Diese erste Glanzzeit des internationalen Tourismus findet mit der Machtergreifung der in Kitzbühel überdurchschnittlich zahlreich vertretenen Nationalsozialisten und dem Zweiten Weltkrieg ein jähes Ende.
Der danach notwendige Neuanfang gewinnt mit dem Wirtschaftswunder der fünfziger Jahre eine enorme Dynamik, die sich auf sportlicher Ebene an den Erfolgen des Kitzbüheler „Skiwunderteams“ um den dreifachen Olympiasieger Toni Sailer (Christian Pravda, Anderl Molterer, Fritz Huber, Herbert Huber, Ernst Hinterseer und Hias Leitner - Hansi Hinterseer) im alpinen Schisport zeigt. Im Laufe der Zeit gewinnt für den Schisport auch der nordische Bereich mit Klaus Sulzenbacher und David Kreiner an Bedeutung.
Kitzbühel gewinnt seine Stellung als Tourismusmetropole zurück, als die sie bis heute bekannt ist.
6.5 Sportgeschichte Skisport |  |
Franz Reisch (Bürgermeister von Kitzbühel 1903 bis 1913) war einer der ersten, die sich in Tirol mit dem Skisport befasste.
Ich habe,(schreibt Franz Reisch) die ersten Versuche mit Schneeschuhen im Dezember 1892 gemacht. Es ging über Erwarten großartig, wenn auch manche Vorstellung über berichtete merkwürdige Kunststücke unerfüllt blieb.
Stürze gab es bloß kopfüber, meistens in unfreiwilligem Salto, was den paar Freunden, denen ich das Zuschauen gönnte, abschreckend genug erschien. Ich betrachtete den Skilauf als den höchsten sportlichen Genuss, wenngleich ich, in der Meinung es gehöre dazu, auch stundenlange Straßenwanderungen auf Skiern machte. Ich übte bald ohne Stock und fuhr mit kleinen Buben hockepack über steile Lehnen (Berghänge) bergab.
Im März 1893 fasste ich die Idee, das 1998 m hohe Kitzbüheler Horn zu besteigen. Ich ging eines Tages mittags 12 Uhr hinauf, die Skier auf dem vereisten, meist 45 Grad geneigten alten Weg stets an den Füßen, die Nase den Skispitzen nahe, um das Zurückgleiten zu vermeiden. Nur einem Freunde (Josef Herold) gab ich geheimen Auftrag, mich suchen zu lassen, wenn ich bis 5 Uhr nicht zurückgekehrt sei. Ich war aber schon in drei Stunden oben und in einer Stunde herunten. Nie wieder habe ich in den langen Jahren (und ich war in einem Winter 26mal mit Skiern auf dem Horn) die prächtige Strecke Gipfel - Trattalpe (450 Meter Höhendifferenz) in der kurzen Zeit wie damals überwunden.
Das kam wohl daher, dass ich in Bögen nur als Übungsterrain - Kunststücke betrachtete. Einige ältere Herren fingen ein paar Wochen nach mir an, mit Skiern in dem Schnee zu trampeln, steckten aber nichts auf, während im Winter 1893/94 sich schon ein ganz respektabler Kreis Skikameraden um mich schloss, und uns jeden Nachmittag zusammenführte. Es wurde sehr viel auf schönes Fahren gehalten und jede auf unsere im Sonnenschein glänzenden Spuren hoch oben in den Berglehnen und ertrugen die drückenden Eisgallen am Zehenriemen, den hohen Eiskothurn (Schnee- und Eisansammlung) am Absatz und das fortwährende Herausrutschen aus unserer Meerrohrbindung. Lange ging es so in voller Freizügigkeit und wir hielten den Versuchen, einen Verein zu gründen und Wettläufe zu veranstalten, tapfer stand.
Dann fingen die englischen Gäste, die bisher nur Schlittschuh liefen und Schlittenpartien machten, an, bei uns Skilaufen zu lernen. Es kamen auch einzelne von München und Wien, militärische Skikurse wurden abgehalten und unsere Musterspuren gingen in dem Chaos der übrigen so auf, wie unser freies Sportleben in Vereins- und Verkehrspflichten.
IT - Hinweis
https://www.kitzbuehel.com/lifestyle/kultur/ (23.3.2025)
Kitzbühel ist nicht nur bekannt für das legendäre Hahnenkamm - Rennen im Winter und als Wanderparadies im Sommer, sondern auch für seine vielfältige und reichhaltige kulturelle Landschaft. Neben Sportler_innen kommen auch Kulturliebhabende in der Gamsstadt auf ihre Kosten.
Wechselnde Ausstellungen in einem der Kitzbüheler Museen, außergewöhnliche Kunst in den zahlreichen Galerien oder örtliche Trachten- und Musikvereine - alle tragen zur kulturellen Strahlkraft der legendärsten Sportstadt der Alpen bei. Hochkarätige Konzerthighlights wie Kitzbühel Klassik runden das kulturelle Programm ab.
Bildung in ihrer Bedeutung findet in der Stadt eine entsprechende Beachtung.
6.6.1 Museen |  |
Das Museum Kitzbühel - Sammlung Alfons Walde befindet sich in zwei der ältesten historischen Gebäuden der Stadt und eröffnet einen einmaligen Einblick in Geschichte und Kultur der Stadt und Region Kitzbühel. Ausgewählte Exponate sowie Film- und Toninstallationen führen vom bronzezeitlichen Bergbau um 1000 v. Chr. über die Stadtgeschichte bis zum Wintersport mit Toni Sailer und dem legendären „Kitzbüheler Skiwunderteam“ der fünziger Jahre. Der Schwerpunkt der permanenten Schausammlung des Museums liegt auf Alfons Walde. Im dritten Obergeschoß und Dachgeschoß wird das Werk des Kitzbüheler Malers mit 60 Gemälden sowie über 100 Grafiken, Zeichnungen, Fotografien und Druckgrafiken umfassend präsentiert.
Das Bauernhausmuseum widmet sich ganz dem Leben und Arbeiten der Bergbauern und Bauern in der Vergangenheit. Zu sehen sind u. a. eine funktionierende Getreidemühle von 1770, eine Webstube, eine Schuster- sowie eine Sattlerwerkstatt, landwirtschaftliche Großgeräte und Jochbergs erste Sportseilbahn. Wenn man auf der Sonnseite von Kitzbühel am Römerweg, unterhalb des Kitzbüheler Horns entlang wandert, kommt man zum Bauerhaus - Museum Hinteroberau. Umgeben von saftigen Wiesen und grünen Wäldern liegt langgestreckt der verwitterte typische salzburg - tirolerische Einhof mit seinen Nebengebäuden, wie Waschküche, Kapelle, Backofen, Bienenhütte und Tenne.
Eine Fülle von Einrichtungsgegenständen, Gerätschaften und Werkzeugen gibt es zu besichtigen.
6.6.2 Galerien |  |
Die Walentowski Galerien sind sowohl in Kitzbühel als auch in Jochberg vertreten und präsentieren hier ausgewählte Werke der klassischen Moderne, Pop Art sowie moderne Kunst national und international begehrter Künstler. Seit 2017 können Besucher_innen in der Kitzbüheler Vorderstadt Kunstwerke von Michel Friess, Peter Linnenbrink, Volker Kühn, Axel Crieger, Elvira Bach sowie Udo Lindenberg und Otto Walkes bewundern und erstehen. Seit Dezember 2018 empfängt das Team Kitzbühel auch in einer größeren Location, dem Kempinski Hotel Das Tirol in Jochberg, seine Gäste.
Die Galerie Zeitkunst Kitzbühel besteht bereits seit über 35 Jahren. Zusätzlich zur Ausstellungstätigkeit in Kitzbühel, bestanden Dependancen in Innsbruck 1986 – 1989 und Köln 1992 – 1996. Die Galerie vertritt neben zahlreichen österreichischen Künstler_innen auch jene aus Italien, Frankreich, England. Deutsche Künstler_innen, überwiegend aus dem Kölner Raum, bilden einen weiteren Schwerpunkt in der Ausstellungstätigkeit. Zu den derzeit vertretenden Künstler_innen zählen unter anderem Peter Raneburger, Eva - Maria Schaller, Thomas Palme sowie Mathias Bernhard und Georg Dienz.
Die Stadtgalerie Kitz Art in Kitzbühel wird seit 2003 vom "Kunst und Kulturverein Kitz Art Innovation" betrieben und hat sich seither zu einer bedeutenden Drehscheibe für zeitgenössische Kunst in Tirol entwickelt. Mit der Präsentation von arrivierten und aufstrebenden Künstler_innen ist es in den vergangenen Jahren gelungen, eine lebendige Plattform für sie zu etablieren. Die Galerie steht regionalen und internationalen Künstler_innen als Showroom zur Verfügung, in welcher die dortige Präsentation monatlich wechselt. Neben den hausinternen Aktivitäten werden für Künstler_innen, die wir vertreten, auch Ausstellungen in Kooperation mit internationalen Galerien und Beteiligungen an renommierten Kunstmessen organisiert.
Mit Standorten in Nürnberg, Deutschland und Kitzbühel, Österreich ist die Galerie Frank Fluegel spezialisiert auf den Kunsthandel mit hochwertigen Originalen der Pop Art, Street Art sowie zeitgenössischer Kunst. Mit internationalen Netzwerkpartnern in Paris, London, New York, Los Angeles und Singapur zählt die Galerie zu den wichtigsten Pop Art Galerien Europas. Der Schwerpunkt der Galerie liegt auf Originalgrafiken und Arbeiten auf Papier und Leinwand. Darüber hinaus werden auch Skulpturen namhafter Künstler_innen sowie Designobjekte von Maurizio Cattelan, Paul Smith oder Philippe Starck präsentiert. Im Angebot finden sich außerdem Werke von Andy Warhol, Tom Wesselmann, Keith Haring, Mr. Brainwash, BAMBI Street Artist, Roy Lichtenstein, Julian Opie, James Rosenquist, Alex Katz und Mel Ramos.
6.6.3 Musik |  |
Meisterkurse für Klavier und Orgel im Sommer in Verbindung von Orgel und Klavier, sowie Meisterkurs und Wettbewerb finden statt. Als Unterrichts- und Übeinstrumente stehen Orgeln von Egedacher, Metzler, Pirchner und Klais zur Verfügung. Zusätzlich wird Klavierunterricht sowie Technische Studien für OrganistInnen? am Klavier erteilt. Im Kurs integriert findet zum Abschluss ein Konzert für ausgewählte TeilnehmerInnen statt, bei dem vier Förderpreise im Andenken an Maria Hofer vergeben werden. Den TeilnehmerInnen bietet sich bei einer Wanderung die Möglichkeit, die wunderschöne Landschaft der Kitzbüheler Alpen kennenzulernen und zu genießen.
Dass Kitzbühel nicht nur eine Sporthochburg ist, sondern auch kulturell höchste Qualität bietet, unterstreichen die Kitzbüheler Sommerkonzerte des Vereins Kitzbüheler Musikfreunde Jahr für Jahr aufs Neue. Die Konzerte finden traditionell jeden Mittwoch im August statt. Bereits 1978 fand sich eine Hand voll musikbegeisterter Idealisten zusammen und gründeten den Verein Kitzbüheler Musikfreunde mit dem Ziel, Kammermusik auf Weltniveau in der Gamsstadt zu erschaffen. Mit den Kitzbüheler Sommerkonzerten ist ihnen das bestens gelungen.
An der Landesmusikschule Kitzbühel und Umgebung werden 2024 707 Hauptfachschüler_innen aus Jochberg, Aurach, Kitzbühel, Reith, Kirchberg und Aschau von 31 Lehrpersonen unterrichtet. Die Favoriten bei den Schüler_innen sind Klavier, gefolgt von Gitarre, Gesang und Stimme und musikalischer Früherziehung. Das baulich gelungene Konzept der 2014 eröffneten Musikschule überzeugen auch andere Gemeinden - Architektur und Konzept der Landesmusikschule Kitzbühel gelten als beispielgebend.
6.6.4 Bildungsmöglichkeiten |  |
Kitzbühel ist ein Ort für Kinder jedes Alters, weshalb die kleine Stadt auch bei Familien sehr beliebt ist. Da die meisten Eltern jedoch berufstätig sind, muss natürlich für die Betreuung der Kleinen gesorgt sein.
Hierfür steht ein Kindergarten zur Verfügung, der die Kitzbüheler Kids umsorgt, während die Eltern ihrem Beruf nachgehen.
Für Schulkinder steht außerdem ein Kinderhort bereit, der nicht nur einen Platz für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren bietet – die Erzieherinnen helfen bei der Erledigung der Hausaufgaben und gestalten gemeinsam mit den Schülern kreative Projekte, um soziale, musikalische und sportliche Fähigkeiten zu stärken. Die Betreuung wird hier sogar in den Schulferien angeboten.
Der Schülerhort Kitzbühel nimmt jedoch nur Kinder auf, die die Volkshochschule Kitzbühel (oder die der benachbarten Orte Aurach, Jochberg und Reith), die Mittelschule Kitzbühel oder Unterstufe des Bundesgymnasiums St. Johann besuchen.
Sobald die Kinder das Schulalter erreichen, stehen natürlich entsprechende Einrichtungen bereit, die sich um die Vermittlung von Wissen kümmern – darunter eine Volksschule und eine Mittelschule.
Für musikalisch begabte Schüler steht zusätzlich die Landesmusikschule Kitzbühel bereit.
Für die Weiterbildung nach der Pflichtschule oder als Vorbereitung auf die berufliche Zukunft, sind in Kitzbühel entsprechende berufsbildende Einrichtungen zu finden, darunter eine Bundeshandelsakademie, eine Bundeshandelsschule und die Tiroler Fachberufsschule für Handel und Büro – Kitzbühel.
Eine Universität oder Fachhochschule gibt es nicht. Dafür jedoch andere Möglichkeiten der Weiterbildung.
Die Volkshochschule Kitzbühel bietet auch für Anwohner der umgebenden Gebiete Angebote.
Das Wirtschaftsförderungsinstitut WIFI und Berufsförderungsinstitut bfi, die zahlreiche Kurse anbieten, die auf den Standort Kitzbühel zugeschnitten sind.
6.6.5 Persönlichkeit Joseph Traunsteiner |  |
IT - Hinweis
https://www.kitzbuehel.at/Unsere_Stadt/Persoenlichkeiten/Joseph_Traunsteiner (23.3.2025)
Joseph Traunsteiner erblickte am 18. Dezember 1798 in Kitzbühel als Sohn des Apothekers Michael Traunsteiner und der Elisabeth, geb. Pirchl das Licht der Welt. Der aus Schwaz stammende Vater wirkte nach einem zwischen den Jahren 1777 und 1782 gescheiterten ersten Versuch ab 1790/91 wieder als Apotheker in Kitzbühel. Seine Apotheke befand sich im Erdgeschoß des heutigen Hauses Hinterstadt 16. Von seinen insgesamt neuen Söhnen überlebten nur drei die Kindheit. Alle drei Söhne wollten den Beruf des Vaters ergreifen. Anton, 1792 geboren, verstarb aber bereits im Jahr 1814 in Innsbruck in Diensten des Stadtapothekers Franz Ignaz Winkler.
Auch der 1803 geborene Johann wandte sich der Pharmazie zu, starb jedoch als Magister pharmaciae bereits 1838 in Kitzbühel, vermutlich bei seinem Bruder Joseph in Diensten stehend.
Joseph zog nach einer zweijährigen Lehrzeit in Brixen in Südtirol und einer zweijährigen Gehilfenzeit bei seinem Vater im Herbst 1819 nach Wien zu einem einjährigen Studium an der Universität, wo er unter anderem Vorlesungen aus Botanik bei Joseph Franz Freiherrn von Jacquin hörte. 1820 bestand er das pharmazeutische Examen an der Medizinischen Fakultät der Wiener Universität. Nach der Rückkehr aus Wien war er die Hauptstütze seines Vaters und führte nach dessen Tod im Jahr 1828 die Apotheke erfolgreich weiter. Durch die Qualität der bei ihm erhältlichen Medikamente und durch seine den ärmeren Bevölkerungsschichten entgegenkommenden Preise, mit denen er seinen starken sozialen Sinn unter Beweis stellte, erwarb er sich als Apotheker einen guten Ruf.
Für die damalige Heilkunde waren, weil es eine pharmazeutische Industrie noch nicht gab, die Pflanzen mit ihren Heilwirkungen von größter unmittelbarer Bedeutung. Ein Apotheker mußte sich bei den Pflanzen auskennen. Joseph Traunsteiner hatte schon früh starkes Interesse für Botanik gezeigt und dieses Interesse wurde auch von seinem Brixener Lehrherrn gefördert, sodaß er schon als Lehrling über gute botanische Kenntnisse verfügte. Nach seinem Studium wurde er als einer der Ersten überhaupt auf diesem Gebiet - ein immer besserer Kenner der Pflanzenwelt im Leukental, im Brixental und im angrenzenden Pinzgau. Er kaufte sich Fachbücher, übte sich im Bestimmen und Präparieren von Pflanzen und bemühte sich, eine möglichst vollständige Sammlung der Gefäßpflanzen, also der Blütenpflanzen und Farne, seiner engeren Heimat anzulegen.
Im Jahr 1828 kam in der Person des Dr. Anton Sauter ein junger Mediziner und kenntnisreicher Botaniker als Landgerichts- und Stadtarzt nach Kitzbühel. Die Freundschaft mit Sauter gab Traunsteiners Forschungseifer großen Auftrieb. Sauter machte das Kitzbüheler Gebiet durch Veröffentlichungen in der in Regensburg erscheinenden botanischen Zeitschrift „Flora" in Fachkreisen bekannt und verschwieg Traunsteiners Namen nicht. So suchten nun immer mehr Botaniker des In- und Auslandes Kontakte zu Traunsteiner. Als Dr. Sauter Kitzbühel 1830 aus beruflichen Gründen verließ - er blieb mit Traunsteiner weiterhin in Verbindung -, regte er seinen Freund Dr. Franz Unger, der Arzt in Stockerau war, an, die Stelle als Landgerichts und Stadtarzt in Kitzbühel zu übernehmen. Unger, von 1830 bis 1836 in Kitzbühel, war ein genialer Wissenschaftler mit weitgespannten botanischen und zoologischen Interessen. In enger Zusammenarbeit mit Traunsteiner und Sauter - man spricht vom Dreigestirn Sauter, Unger, Traunsteiner - schuf er ein in mehrfacher Hinsicht bahnbrechendes Werk, das 1836 in Wien unter dem Titel „Über den Einfluß des Bodens auf die Verteilung der Gewächse, nachgewiesen in der Vegetation des nordöstlichen Tirol" erschien. Ohne Traunsteiners und Sauters Unterstützung wäre dieses Werk nicht möglich gewesen. Unger zählte 1847 zu den Gründungsmitgliedern der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien.
Inzwischen vervollständigte Traunsteiner seine Kenntnisse. Er beschäftigte sich vor allem mit den Gefäßpflanzen und hatte da einige Lieblingsgattungen, so die Weiden, Seggen und Hungerblümchen. Die Systematik der Pflanzen interessierte ihn besonders, außerdem entwickelte er eine wahre Meisterschaft in deren Präparieren. Daher war er ein gesuchter Tauschpartner. Er lieferte wichtige Beiträge zu vielen damals im Aufbau begriffenen Herbarien und Tauschherbarien in Tirol und in Deutschland, nicht zuletzt für das Herbar des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum.
Traunsteiners eigenes Herbar umfasste über 6000 Arten Blütenpflanzen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum. Leider ist diese bedeutende Sammlung, die schließlich nach Vorarlberg gelangte, dort nach 1956 verschollen. Angeregt von Sauter und durch die Zeitschrift „Flora" wagte Traunsteiner auch eigene Veröffentlichungen. Neben Aufsätzen in der „Flora" ist vor allem seine „Monographie der Weiden von Tirol und Vorarlberg" zu erwähnen, die 1842 in der Zeitschrift des Ferdinandeums erschienen ist.
Er kam mit vielen an der Pflanzenkunde interessierten Persönlichkeiten in Kontakt. Besonders ehrenvoll für ihn war es, dass ein gekröntes Haupt, König Friedrich August II. von Sachsen, zweimal zu ihm nach Kitzbühel kam. Am 18. Juli 1841 führte Traunsteiner den Sachsenkönig auf den durch seinen Reichtum an seltenen Alpenpflanzen berühmten Geißstein. Wahrscheinlich im Jahr 1846 ließ sich der König von Traunsteiner auf das Kitzbüheler Horn führen, um dort Draba Traunsteineri Hoppe, Traunsteiners Hungerblümchen, sehen zu können.
Traunsteiners botanische Leistungen spiegeln sich unter anderem darin, daß einige Pflanzen durch ihren wissenschaftlichen Namen an ihn erinnern, wie ja auch die Pflanze, die das Motiv der heute herausgegebenen Postkarte ist. Als ihn die königliche bayerische botanische Gesellschaft zu Regensburg im Jahr 1831 zu ihrem korrespondierenden Mitglied ernannte, durfte er im Zeitalter des Staatskanzlers Metternich und des Wiener Polizeipräsidenten Sedlnitzky mit ihrer pathologischen Ausländerangst diese Auszeichnung erst nach vorher erwirkter allerhöchster Genehmigung im Jahr 1833 entgegennehmen. Übrigens hatte Joseph Traunsteiner auch großes Interesse an der Pflanzenzucht und eine besondere Liebe zu Gartenblumen. Neben anderen Blumen waren in seinem Garten etwa fünfzig Farbvarietäten von Georginen, also von Dahlien, zu bewundern.
Dass Joseph Traunsteiner, diese in Botanikerkreisen höchst geschätzte Persönlichkeit, auch im öffentlichen Bereich als Politiker, nämlich als stellvertretender Abgeordneter und als Abgeordneter zum Tiroler Landtag, als Bürgermeister der Stadt Kitzbühel in den Jahren 1843 bis 1846 und hernach als Magistratsrat, für Kitzbühel bedeutsame Leistungen erbrachte, soll nicht verschwiegen werden. Der Privatmann Joseph Traunsteiner heiratete erst als 46-jähriger 1845 eine sechzehn Jahre jüngere Frau, die durch einige Zeit seine Haushälterin gewesen war. Aus der Ehe mit Frau Barbara, geb. Pletzer aus Kirchdorf gingen drei Söhne und eine Tochter hervor. Vor allem der Sohn Johann, der dann in Kitzbühel als Rechtsanwalt wirkte, und dessen Tochter Maria traten auf botanischem Gebiet in die Fußstapfen Joseph Traunsteiners. Leider waren diesem nur mehr wenige Jahre an der Seite seiner heranwachsenden Kinder gegönnt. Er starb am 19. März 1850.
Wie der große Tiroler Botaniker Franz Freiherr von Hausmann berichtet, ehrte der bedeutende sächsische Botaniker Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbach Joseph Traunsteiner durch das Aufstellen einer neuen Gattung „Traunsteinera" für die bisherige Art „Orchis globosa Linné". Hofrat Dr. Reichenbach hatte Pflanzen dieser Gattung von Traunsteiner erhalten, der sie unter anderem am Geißstein gefunden hatte. Entgegen den Befürchtungen Hausmanns konnte sich die neue Knabenkraut-Gattung? bis heute behaupten.
In Kitzbühel erinnert der Name einer Straße indirekt an Joseph Traunsteiner.
7 Naturschutzgebiete im Bezirk |  |
IT - Hinweis
https://www.wilderkaiser.info/de/region/das-kaisergebirge.html (23.3.2025)
Kaisergebirge
Bezirke: Kitzbühel, Kufstein, Gemeinden: Kufstein, St. Johann in Tirol, Ebbs, Ellmau, Going am Wilden Kaiser, Kirchdorf in Tirol, Scheffau am Wilden Kaiser, Walchsee, Fläche: 92,6945 km²
Verordnung 21/1963 vom 29.04.1963, Fläche 102 km²
Neuverordnung 65/2013 vom 23.05.2013, Fläche 92,6945 km²
8.1 Der Almgeist und die Eierschalen |  |
In der Gegend von Ellmau am Wilden Kaiser war früher eine der größten Almen des Tiroler Unterlandes. An die Alm grenzte ein mythischer Wald, den man den Awald nannte. Auf der Awaldalm geisterte es aber auch. Der Geist arbeitete nur während der Nachtstunden „umeinander“. Am nächsten Morgen war dann einiges in der Hütte anders aufgestellt als am Abend des Vortages. Um den Geist wieder los zu werden, holte man den Rat eines Kapuziner Paters ein. Dieser meinte, man sollte die ganzen Hafelen, Schalen und Eierschalen zur Abwehr des Almgeistes auf den Herd legen. Danach vergingen die Jahre , ohne dass man den Rat des Paters umgesetzt hätte.
Endlich kam eine neugierige und mutige Sennerin auf die Awaldalm. Sie hatte keine Ängste vor einem Geist, sondern wollte den Dingen, die nicht ganz geheuer waren, auf den Grund gehen. Bald sollte sich eine Gelegenheit dazu ergeben. An einem Sonntag im Juli erreichte eine Gruppe von Männern und Frauen die Alm. Die Sennerin packte die Gelegenheit beim Schopf und kochte ihnen einen großen Topf voller Eier. Nach dem Essen sammelte sie die Eierschalen ein. Doch damit hatte sie noch nicht genug. Die Sennerin holte zusätzlich auch von den anderen Hütten die übriggebliebenen Eierschalen.
Danach legte sie die Eierschalen auf den Boden, auf die Bänke sowie auf den Herd. Sie war voller Erwartung, dass der Geist bestimmt auf eine Eierschale treten müsste. Nachher machte es sich die Sennerin im Schlafkasten der Nebenkammer gemütlich und wartete. Bald danach vernahm die Sennerin eine wehmütig klingende Stimme: “Ich bin schon alt und weiß den Awald neunmal Wiese und neunmal Wald, aber so viele „Hafelen“ und „Hiefelen“ wie heut, hab ich überhaupt noch nie gesehen!“ Danach suchte der Geist das Weite und ließ sich nie mehr auf der Awaldalm blicken.
8.2 Die wilden Fräulein von der Baumgartner Feldalm (Kitzbüheler Alpen) |  |
Es ist schon lange her, als auf der Baumgartner Feldalm eine Gruppe wilder Fräulein lebte. Die Alm gehörte einem reichen Bauern, der seine Kühe zu Sommerbeginn auf die Feldalm trieb. Damals war diese Alm reich an saftigen Gräsern und Kräutern. Die Kühe gaben doppelt so viel Milch als auf anderen Almen.
Etwas oberhalb der Alm lebten die wilden Freil (= Fräulein). Oft baten sie den Senner um Butter und Milch. Gerne erfüllte dieser ihre Wünsche, weil er dadurch für die Alm viel Segen bekam. Nachdem ein neuer Senner die Geschicke der Alm lenkte, war es aber mit dem übergroßen Segen vorbei.Die Almleute wurden übermütig, hart und gottlos. Sie lebten in Saus und Braus und spielten mit den Butterknollen Kegel.
Diesen übermütigen Frevel konnten die wilden Freil nicht ertragen und weinten viel über diese Zustände. Sie beklagten sich beim Senner, dass sie nun dem Hungertode ausgeliefert seien. Durch die Luft hörte man die Worte "Pero, Pero"
(= bergab) - wir sehen uns nimmermehr!" Seitdem wurden die Erträgnisse, die auf der Feldalm erwirtschaftet wurden, immer schlechter.
Quelle: Johann A. Heyl J. A. (Hrsg.) (1897): Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen, 67
9 Kirchen - Kapellen |  |
9.1 Die Evangelische Christuskirche |  |
http://www.evangkitzbuehel.info/ (23.3.2025)
Seit 1962 besitzt die Evangelische Pfarrgemeinde Kitzbühel die Christuskirche am Ölberg in unmittelbarer Nähe der Talstation der Kitzbüheler Hornbahnen. Die Kirche wurde nach Plänen vom Architekten Clemens Holzmeister erbaut.
Gottesdienst: Sonntag um 10:00 Uhr
Kontakt:
Evangelische Pfarrgemeinde A. und H.B. Kitzbühel
Ölberg 6
A-6370 Kitzbühel
E - Mail: PG.Kitzbuehel@evang.at
9.2 Die Katharinenkirche |  |
Ein Kleinod aus der Gründerzeit Kitzbühels ist die im Herzen der Stadt stehende Katharinenkirche. Zwischen 1360 und 1365 erbaut, setzt sie die in Tirol mit dem Chor der Pfarrkirche Hall begonnene hochgotische Entwicklung fort. Ihr "Markenzeichen" ist der hohe Turm mit Spitzhelm, der markanter Blickpunkt des Stadtkerns wurde.
Die Gotik hat sich hier fast vollständig bewahrt. Das gilt für Baudetails wie Strebepfeiler oder Maßwerkfenster ebenso wie für den Innenraum, der von einem Kreuzrippengewölbe überspannt wird.
9.3 Kapuzinerkirche - Franziskanerkirche |  |
IT - Hinweis
https://www.kitzbuehel.at/system/web/zusatzseite.aspx?menuonr=218979869&detailonr=167815527 (23.32.2025)
Am 8. Oktober 1702 weihte Weihbischof Johann Raymund Lamberg von Passau die neugebaute Kirche des Kapuzinerklosters Kitzbühel ein. An diesem Tag wurde auch das schon bezogene Kloster benediziert. Die zwei Tage vorher zusammengestellte Klostergemeinschaft bestand aus dem Guardian, sieben Patres, zwei Klerikern und drei Laienbrüdern.
Nach der Weihe der Kirche und der Segnung der Räume des Klosters fand im Refektorium das Festmahl statt, das Fürstbischof Kardinal Philipp von Lamberg bestritt. Am Nachmittag spendete Bischof Johann Raymund in Kitzbühel das Firmungssakrament. Ab dem 8. Dezember bestand im Kloster Klausur und wurde das damals sehr strenge Chorgebet eingehalten.
Die Gründungsgeschichte des Klosters ist voller Schwierigkeiten bis zum Konsens durch Staat und Kirche. Johann Raymund von Lamberg, Sohn des Grafen Raymund von Lamberg, Pfleger zu Laufen u. a., war 1683 in Meran in den Bettelorden der Kapuziner eingetreten und war im Orden mit dem Namen Rupert bezeichnet worden. Er feierte 1691 in Salzburg nach der Priesterweihe das erste heilige Messopfer. P. Rupert bewegte seinen Vater und den Vetter Graf Johann Philipp von Lamberg, bekannt als kaiserlicher Diplomat und seit 1689 Fürstbischof von Passau, in Kitzbühel ein Hospiz oder ein Klösterlein der Kapuziner zu stiften. Nach der Zusage der weltlichen Oberbehörde in Wien zögerte der Bischof von Chiemsee die Zustimmung hinaus. Erst im Herbst 1697 wurde der Konsens erteilt, schon drei Wochen später, am 15. November 1697 zogen zwei Patres und ein Bruder in das Lamberg´sche Haus neben der Katharinenkirche ein. Bis zur Fertigstellung der eigenen Kirche feierten die Kapuziner in dieser Kirche die Gottesdienste.
Die Hauptstifter für Kloster und Kirche waren die Eltern des Bischofs Johann Raymund (1662 - 1725), Graf Raymund (seit 1677 Reichsgraf), der noch vor der Fertigstellung des Klosterbaues gestorben ist, und Mechtild Klara von Lamberg. Kardinal von Lamberg stiftete etwa die Hälfte des notwendigen Beitrags für die Altarbilder, die der Hofmaler Jakob Christof Platzer schuf.
Für die Verwirklichung des Klosters hatten sich Rat und Bürgerschaft ausgesprochen, die im Lauf der Jahrhunderte sich wiederholt für die Aufrechterhaltung und sogar Erweiterung aussprachen. Das Kloster war bis zum Frühjahr 2002 von Kapuzinern belegt. Rechnet man die Jahre der Aufhebung durch die Nationalsozialisten (1940 - 1945) weg, dann ergeben sich exakt 300 Jahre Seelsorgsarbeit des beim Volk beliebten Ordens.
9.4 Pfarr- und Liebfrauenkirche |  |
Nur wenige Gehminuten nördlich des Stadtkerns stehen die beiden Kirchen auf einem Hügel inmitten eines der schönsten Bergfriedhöfe Tirols. Der Pfarrkirche St. Andreas sind seit dem Frühmittelalter mehrere Bauten vorausgegangen. Ihr heutiges gotisches Erscheinungsbild verdankt sie Stefan Krumenauer aus Salzburg, unter dessen Leitung sie im 15. Jahrhundert weitgehend neu erbaut wurde. Einzig der im Vergleich zum massigen Baukörper sehr bescheidene Turm wurde von der Romanik übernommen und später mit einer barocken Haube versehen.
Mit der Liebfrauenkirche verhält es sich genau gegenteilig. Zu einem sehr bescheidenen Baukörper gesellt sich ein viel zu groß dimensionierter Turm. Mit diesem hat es seine eigene Bewandtnis. Der Wohlstand der Kitzbüheler im 16. Jahrhundert verleitete zum Ankauf einer Kirchenglocke entsprechend repräsentativen Ausmaßes. Der alte romanische Kirchenturm war dafür zu klein. Also mußte ein neuerer, größerer Turm errichtet werden.
Von der gotischen Ausstattung hat sich weder in der Pfarr- noch in der Liebfrauenkirche viel erhalten. Das Innere beider Kirchen wird vom Barock Kitzbüheler Prägung dominiert. Sehenswert sind insbesondere der Hochaltar der Pfarr- sowie die Fresken der Liebfrauenkirche, die aus den Händen zweier Vertreter der heimischen Künstlerfamilie Faistenberger, Benedikt und seines Enkels Simon Benedikt, stammen.
Die beiden Kirchen prägen das Stadtbild wie kein anderer Bau. Sie sind das Wahrzeichen Kitzbühels und ganz besonders des anderen Kitzbühels, nämlich der historischen Stadt.
IT - Hinweis
https://www.kirchen-fuehrer.info/de/kirchen/detail.asp?id=40&tit=Die+Kirchen+von+Kitzbühel (5.4.025)
9.5 Brixentaler Kirchen |  |
IT - Hinweis
https://www.kirchen-fuehrer.info/de/kirchen/detail.asp?kat=Brixen im Thale: Kirchen (23.3.2025)
Über 200 Jahre sind vergangen, seit im Brixental so herrliche Gotteshäuser wie die „Dome“ von Hopfgarten (1758–1764) und Brixen (1790–1797) errichtet worden sind – beide unter dem Kitzbüheler Baumeister Andre Hueber (1726–1808).
Eingeweiht wurde der barocke Kirchenneubau der Urpfarre Brixen am 11. September 1797 vom Chiemseer Bischof Christoph Graf von Zeil und Trauchburg, als Pfarrer wirkte damals Sebastian Schlechter (1792–1803). Unter seinem Nachfolger Wolfgang Hechenberger (1803–1821) wurde sie im Jahr 1812 zur Dekanatskirche. Es war damals die Zeit der Aufklärung, des Josephinismus, der Französischen Revolution. Die Brixentaler reagierten auf die geistesgeschichtlichen Veränderungen jener Zeit zunächst eher kritisch konservativ, aber auch gläubig kreativ.
Dies verdeutlicht gerade dieser Kirchenbau und seine die Gnade Gottes preisende Innenausstattung, vor allem der charakteristische Malstil des Tirolers Joseph Schöpf (1745–1822) zu Ehren der in den Himmel aufgenommenen Mutter des Herrn als Bild der Ekklesia.
9.6 Kapellen/ Auswahl |  |
Schwedenkapelle beim Klausenbach
Kirchberg, Klausen
Die Kapelle beim Klausenbach - besser bekannt als "Schwedenkapelle" ist jedes Jahr das Ziel der "Antlassprozession". Über der Eingangstür des Kirchleins steht: "Bis hieher und nicht weiter kamen die schweden Reiter - 1643". Zwar bestand im Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) für unsere Gegend mehrmals ernste Gefahr eines Schwedeneinfalles, doch bis "hieher" kamen diese nie. Bewaffnete Reiter aus den Gemeinden Kirchberg, Brixen und Westendorf, so heiß es, seiden damals mit einem Priester, der das Allerheiligste trug, den Schweden entgegengeritten und hätten sie am Klausenbach zur Umkehr gezwungen. Daraufhin sei zum Dank für abgewendete Gefahr eine jährliche Reiterprozession zur Klausenkapelle gelobt worden.
Johann Nepomuk Kapelle
Kitzbühel
Barocker Zentralbau über ovalem Grundriss 1725/27 erbaut. Das Kuppelfresko "Glorie des hl. Johannes Nepomuk" schuf Simon Benedikt Faistenberger (1727).
Kapelle am Hahnenkamm
Die Kapelle ist dem heiligen Bernhard von Aosta, dem Patron der Alpenbewohner und Bergsteiger, gewidmet und wurde von Architekt Prof. Clemens Holzmeister 1961 errichtet.
In 1732 m Höhe, auf dem Weg von der Bergstation zur Ehrenbachhöhe, erbaute Arch. Prof. Cemens Holzmeister 1961 eine Kapelle, die dem hl. Bernhard von Aosta († 1081), dem Patron aller Alpenbewohner und Bergsteiger, geweiht ist. Auf einem von einer Steinmauer umfriedeten Platz erhebt sich dieser Bau von archaischer Schlichtheit, gekonnt in die Landschaft komponiert. Den einzigen Schmuck des einschiffigen Raumes bildet die von einem Lichterbaum flankierte Pietà. Josef Obermoser (Kirchberg) hat diese eigenwillig-eindrucksvolle pyramidale Gruppe aus einer hier gewachsenen Wettertanne geschnitzt.
Von Architekt Holzmeister stammt auch die am Kitzbüheler Sonnberg gelegene Evangelische Christuskirche (1962), deren markante Außengestaltung sich mit der stilvollen Ausstattung zu einer ausdrucksstarken Raumschöpfung verbindet.
Einsiedelei Kapelle
Kapelle am Kitzbüheler Horn
Bernhardkapelle Am Hahnenkamm
Auerkapelle Aurach
Die Auerkapelle wurde ca. 1700 als Holzkapelle erbaut. Die Auer - Bäuerin errichtete 1836 den Steinbau. Es befand sich bis 1938 eine Standguss - Madonna aus der Zeit um 1425 in der Kapelle. Als Sicherheitsgründen wurde sie in das Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck gebracht. Es befindet sich nun eine Kopie in der Kapelle.
Branderkapelle Aurach
Die durch einen Sturm verwüstete Branderkapelle wurde 1911 wieder erbaut.
Buchauerkapelle Aurach
Danielkapelle Aurach
Friedhofskapelle Aurach
Die offene Nischenkapelle entstand um das Jahr 1800 und befindet sich am Friedhof Aurach. Die spätbarocke Kapelle stellt die Kreuzigung dar, an der Giebelwand ist die Auferstehung Christi abgebildet. 1995 wurde diese restauriert.
Gebrakapelle
Die Gebrakapelle wurde 1843 erbaut und befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Tradeggalm.
Waldkapelle Aurach, Mariahilf - Kapelle
Die Waldkapelle erbaute Georg Pletzer (Branderbauer) im Jahre 1827. Diese befindet sich am Beginn des Wildparkweges.
Wimm - Kapelle
Die Kapelle auf der Wimm - Alm wurde 2005 erbaut.
Ebnerkapelle Kitzbühel
IT - Hinweise
https://www.google.at/search?q=Kapellen+Kitzbühel&sca_esv=2dda17efa8f35949&source=hp&ei=_P3wZ7XhCt-Txc8PluTMqA0&iflsig=ACkRmUkAAAAAZ_EMDEK9uB3fRWQO9yT_guZNaG2_FlYf&ved=0ahUKEwi1z4T8z8CMAxXfSfEDHRYyE9UQ4dUDCBA&uac (5.4.2025)
https://www.aurach-kitzbuehel.gv.at/Unser_Aurach/Unser_Ort/Kirche_und_Kapellen (5.4.2025)
10 Schlösser |  |
Im Folgenden werden Schlösser in ihrer Geschichte und Entwicklung im Bezirk besprochen.
IT - Hinweis
https://www.travelwriter.at/schloesser-burgen-kitzbuehel (23.3.2025)
10.1 Kitzbühel, Schloss Lebenberg |  |
Das Schloss und heute Hotel auf der gleichnamigen Anhöhe über Kitzbühel blickt auf eine lange Tradition als Herberge zurück. Bereits 1885 übernachteten hier die ersten Wintersportgäste.
Nachdem 1446 die Reichertsheimer von Wagrain die Burg erwarben, ließen sie auf halber Höhe des Hügels einen neuen Wohnturm errichten, der ab 1500 als Lebenberg bezeichnet wurde. Spätere Besitzer waren die Familie Vinsterwalder (1531–1545), Jänisch (bis 1551), Lang von Wellenburg (bis 1559) und Ungnad (bis 1601). 1693 erwarb Johann Philipp von Lamberg die benachbarten Herrschaften Lebenberg, Münichau und Kapsbrunn.
1885/88 hatte Hugo Anton Emil Graf von Lamberg im Schlösschen eine der ersten Fremdenpensionen Kitzbühels eröffnet. Er verpachtete einige Appartements an die ersten englischen Wintersportgäste. 1930 bis 1961 waren die Grafen Schlick die neuen Eigentümer, die es zuerst als Erholungsheim führten und ab 1950 als Hotelbetrieb. Heute ist das Viersternehotel Teil der Harisch Hotels. Die Laufzeit des Pachtvertrags beträgt zunächst zehn Jahre. 2006 wurde das Schlosshotel Lebenberg Namensgeber für die katholische nichtschlagende Mittelschulverbindung Lebenberg Kitzbühel.
10.2 Kitzbühel, Schloss Kaps |  |
Kaps (Schloss Kapsburg) war eine Ruine. Um 1500 bauten die Herren zu Kaps, daher der Name, ein Herrenhaus aus den Trümmern der ursprünglichen Burgruine. Mitte des 17. Jahrhunderts übernahm die Familie Lamberg die Herrschaft in Kitzbühel. Heute ist das Schloss Kaps ein kleiner Rest davon. Nach dem ersten Weltkrieg wurde das Schloss zu einem Hotel umfunktioniert. Mitte der fünfziger Jahre errichtete Karl Graf Lamberg im Schlosspark den ersten Golfplatz in Kitzbühel.
Als im Jahr 1975 sein Sohn, Max Graf Lamberg, das Schloss übernahm, gestaltete er den Golfplatz um, restaurierte das Schloss, installierte das Amphitheater und machte das gesamte Anwesen zu einem Ort der Idylle. Als Hotel wird es seit beinahe 50 Jahren nicht mehr geführt. Dafür finden seit einigen Jahren in der Schlosshalle, in der Kapelle sowie im Schlosspark mit Amphitheater öffentliche Veranstaltungen oder Hochzeiten statt.
10.3 Fieberbrunn, Ansitz Rosenegg |  |
Die erste schriftliche Erwähnung des Schlosses Rosenegg wurde im Jahre 1187 aufgezeichnet. Die Festung in Fieberbrunn in Österreich, heute ein 4 Sterne Hotel, geht ins Mittelalter zurück und besteht aus drei verbundenen Bauwerken und hohen Türmen, die sich in den Himmel emporheben.
Das Family Hotel Schloss Rosenegg hat so manchem Sturm standgehalten und ist durch eine bewegte Geschichte geformt worden. Die Schicksale und Geschichten der Bewohner zogen, nicht ohne ihre Spuren zu hinterlassen, an den Mauern vorbei. Berühmte Persönlichkeiten zählten zu den Gästen, wie die Landesfürstin Margarethe Maultasch, Nostradamus und Napoleon.
Von 1555 bis 1760 residierte das Geschlecht der Rosenberger in den mittelalterlichen Gemäuern. Baron Rosenberger, ein getreuer Freund von Nostradamus, pflegte regelmäßigen Schriftverkehr mit dem Gelehrten, Arzt und Astrologen.
10.4 Itter, Schloss Itter |  |
Die Erbauungszeit der Burg ist unbekannt. Sie war eine Grenzfeste des Hochstifts Regensburg zur Überwachung des Eingangs des Brixentals gegen das Erzstift Salzburg und könnte schon nach 900 entstanden sein (902 kam das Brixental an Regensburg), vielleicht aber auch erst später. 1380 wurde Itter vom Regensburger Domkapitel an Salzburg verkauft; die erste bekannte urkundliche Erwähnung stammt von 1241 (zusammen mit Dorf Itter und Pfalzgraf Rapoto II. von Ortenburg als Burgherren).
Im 14. Jahrhundert waren Gericht und Pflege Itter auf der Burg ansässig, Burg und Dorf wurden als Burgfrieden eingerichtet, was für die Bevölkerung neben Versorgung des Verwaltungssitzes mit Brennholz und Nahrungsmitteln auch Wegebau und Stellung militärischer Kontingente bedeutete.
1526 wurde die Burg in den Bauernaufständen von Pinzgauer Bauern zerstört, aber 1532 wiederaufgebaut. In den letzten Jahren des 16. Jahrhunderts beherbergte das Schloss ein kirchliches Gericht, das sich mit der Verfolgung von Hexen befasste. In den folgenden Jahrhunderten wechselte das Schloss mehrmals den Besitzer und gehörte ab 1782 Kaiser Josef II. 1805 wurde es von Napoleon Bonaparte übernommen, der es 1809 an König Maximilian I. von Bayern gab. Die bayerische Regierung überließ den inzwischen verfallenen Bau der Gemeinde Itter für einen symbolischen Baupfennig von 15 Gulden. Die Dorfbewohner nutzten die Ruine als Quelle für Baumaterial.
1878 kaufte Paul Spieß, ein Unternehmer aus München, das Areal für 3000 Gulden. Er ließ das heutige Schloss auf den Grundmauern erbauen. In der Folge wurde – erfolglos – eine Fremdenpension mit 50 Zimmern eingerichtet. 1884 erwarb die Pianistin Sophie Menter das Anwesen, Liszt und Tschaikowski waren beispielsweise hier zu Gast. 1902 ließ ein neuer Besitzer, Eugen Meyer, das Bauwerk im neugotischen Stil mit Anklängen an den Tudorstil umbauen. Unter diesen Eigentümern wurde der Bau mit elektrischem Licht und modernen Sanitäranlagen ausgestattet und zu einem Luxushotel der Belle Epoque umgestaltet. 1925 übernahm Franz Gruener das Schloss, um dort seine Kunstsammlung von Gemälden und Skulpturen auszustellen.
Während des Zweiten Weltkriegs pachtete die deutsche Regierung das Schloss Anfang 1940 für eine nicht näher bezeichnete staatliche Nutzung.
Akten vermerken, dass das Schloss am 7. September 1942 zu einer „Rauchentwöhnungsanstalt“ umgebaut werden sollte.
Am 7. Februar 1943 requirierte Oswald Pohl das Schloss für die SS. Von da an bis 1945 war in Itter ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau, unter anderem für prominente Häftlinge (Sonderhäftlinge). Hier interniert wurden unter anderen Albert Lebrun, ehemaliger Präsident der Französischen Republik Édouard Daladier und Paul Reynaud, beide frühere Premierminister Frankreichs, Francesco Saverio Nitti,ehemaliger Ministerpräsident Italiens, André François - Poncet, 1931 bis 1938 französischer Botschafter in Berlin, Marie - Agnès de Gaulle (verheiratet Madame Alfred Cailliau), Schwester von Charles de Gaulle, Michel Clemenceau, Sohn von Georges Clemenceau, Maurice Gamelin und Maxime Weygand, französische Generäle.
Im Sommer 1944 entwickelten die auf Schloss Itter zur Zwangsarbeit eingesetzten regulären KZ - Häftlinge für sich und die prominenten Häftlinge einen Fluchtplan in die Schweiz. Die Flucht scheiterte, weil sich die Prominenten weigerten, daran teilzunehmen.
10.5 Reith bei Kitzbühel, Schloss Münichau |  |
Die wechselvolle Geschichte des Schlosses Münichau und ihrer Besitzer beginnt im 15. Jahrhundert. Es ist die Welt vor 500 Jahren, die für uns heute kaum noch vorstellbar ist. Sie befand sich im Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit – schöpferisch, verwirrend und zerstörerisch. Die Gotik wird von der Renaissance abgelöst, und der Humanismus, die Wiederentdeckung der antiken Werte, breitet sich in Europa aus. Mit dem Humanismus gelangt auch die Astrologie nach Europa und passt sich dem christlichen Glauben an. Der Gruß durch Hutabnehmen wird immer häufiger, doch Löffel und Gabel benutzen bis ins 16. Jahrhundert nur die Vornehmen.
In Spanien wird die Herrschaft der Mauren gebrochen, dafür stürmen vom Osten her die Türken auf das christliche Abendland ein. Christoph Kolumbus, der 1492 Amerika entdecken wird, kommt 1451 zur Welt. Friedrich der III., Herzog von Steiermark und Kärnten, wird ein Jahr später zum Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ gekrönt. Er und sein Sohn Maximilian I., der 1493 als „der letzte Ritter“ auf dem deutschen Kaiserthron folgt, legen trotz gelegentlicher Rückschläge das Fundament für die Habsburger Großmacht.
In jener Zeit lebte zu Kitzbühel in Tirol Wilhelm von Münichawe als herzoglich - bayrischer Amtspfleger und Landrichter (1437-1481), der das vollständige Wappensiegel, den Mönch (Mittelhochdeutsch: Münich) mit Schild und Helm - Wappen der Münichauer in der Mitte des 15. Jahrhunderts visier führen durfte. Wilhelm oder sein Vetter, Hans Münichauer der Jüngere, sollen jene Lehnsherren gewesen sein, die das Schloss Münichau in seiner heutigen Form als Ansitz erbaut haben. Hans Münichauer war damals Stadt- und Landrichter von Rattenberg (1450 -1477). Er nannte sich Hans Münichauer von Münichau und ihm gehörten nachweislich um Kitzbühel große Ländereien. Die Originalurkunde, die das Schloss erstmals erwähnt, ist leider verschollen. In alten Schriftstücken ist nur von der Schlosskapelle die Rede, die 1469 eingeweiht wurde. (Ein Jahr zuvor starb Johannes Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen, gegossenen Lettern.)
Die Münichauer waren immer schon Amtsleute der Bamberger Bischöfe. Sie zählten zu dem niederen bayrischen Landadel. Damals gehörte Kitzbühel zu Bayern. Die ältesten Aufzeichnungen berichten 1271 davon, dass ein Otto von Münichawe und seine Ehefrau Elsbetha, ihre Kinder sowie Mathilde, Tochter des Ritters von Chufstein, mit der Kirche von Bamberg einen Erbvertrag schlossen. Die Urkunden der Münichauer wiesen schon im 14. Jahrhundert den Mönch im Amtssiegel auf, aber noch ohne Schild und Visier. Den Mönch führten damals auch andre bayrische Adelsgeschlechter in ihrem Wappen. Das bekannteste Beispiel dafür ist das Mönchlein der Stadt München – das „Münchner Kindl“.
Anfang des 15. Jahrhunderts sitzen einige Münichauer als Landrichter zu Hohenaschau in Bayern oder als Lehnherren des Pfalzgrafen und Herzogs Stefan von Bayern. Ein Münichauer brachte es sogar zum Gesandten des Herzogs Ludwig von Bayern am Hof des Herzogs Siegmund von Österreich.
Mehr erfahren die Geschichtsforscher von Gilg von Münichau, der in den alten Urkunden als erster „Ritter von Münichau“ und „Doktor der Rechte“ ausgewiesen wird. Vermutlich war er der Sohn von Hans Münichauer, dem Rattenberger Richter und Münichauer Schlossherrn.
Der gelehrte Ritter Gilg muss ein abenteuerlicher Bursche gewesen sein. Er pilgerte 1483 nach Jerusalem und ging keinem Raufhändel aus dem Weg. Gerne prügelte er sich mit Bauernburschen und seinem Gesinde. Angeblich soll er im Schloss auch eine Folterkammer eingerichtet haben. Gilg von Münichau war von 1488 bis 1494 Amtspfleger zu Kitzbühel. Zwei Jahre später belehnte ihn der Dekan zu Bamberg mit dem Schloss Münichau, das in alten Urkunden als „mit Zwinger und Mauerumbfangen“ beschrieben wird.
Die Kitzbüheler Schlösser waren ursprünglich der Sitz eines kleinen Landadels, der sich nicht leicht tat seine Stellung gegenüber dem Kitzbüheler Bürgertum und gegenüber den Bauern zu behaupten“, berichtet heute der Innsbrucker Stadtarchivar Dr. Klaus Kogler. „Um aber ihre gehobene und gesonderte Stellung offenbar zu machen, bedurfte es eines Wohnsitzes, der sich deutlich vom Bürger- und Bauernhaus unterschied.“ So sind die Kitzbühler Edelsitze, darunter das Schloss Münichau, Ausdruck einer sich vom Leben der Bürger und Bauern abhebenden Lebensart.
Das Land in der Mitte Europas, das man auch Deutschland nennt, zerfällt inzwischen in machtlose Territorien, ‚Fürstentümer und Freie Städte. Überall regiert die Kirche hinein. Papst Innozenz VIII. leitet im Jahre 1484 mit der „Hexenbulle“ dem wohl schlimmsten Erlass in der Kirchengeschichte, die Ketzer- und Hexenverfolgung ein. Schon vorher hatte es gerade im deutschsprachigen Raum mit Billigung der Kirche schlimme Ausschreitungen gegen Andersdenkende gegeben. Mit der Bulle trefflich ausgerüstet, beginnen die Inquisitoren ihr Henkerswerk, insbesondere in den Diözesen Mainz, Köln, Trier und Salzburg. Wer den kirchlichen Hexenmeistern auffiel, hatte sein Leben schon verwirkt.
Trotz aller Missstände wie auch dem Ablasshandel, steht das religiöse Leben in hoher Blüte. Neben dem „finsteren Mittelalter“, weht der frische Wind der Renaissance. Wissenschaft, Technik und Künste entfalten sich wie nie zuvor. Per Henlein baut die erste Taschenuhr, das „Nürnberger Ei“. Die erste ständige Postverbindung zwischen Wien und Brüssel wird aufgenommen und der Silbergulden in Deutschland und Österreich als Zahlungsmittel eingeführt. Auch die Päpste fördern mit Macht Wissenschaften und Künste, obwohl das Papsttum, damals ein politischer Machtfaktor ersten Ranges, am Vorabend der Reformation allmählich schamlos verweltlicht. Papst Julius II. (1503-1513) nimmt Michelangelo und Raffael in seine Dienste und gibt den Bau der Peterskirche in Rom in Auftrag. Die sixtinische Kapelle ist das künstlerische Prunkstück dieser Zeit.
Ritter Gilg von Münichau indessen blieb auch Anfang des 16. Jahrhunderts Schlossherr von Münichau, obwohl er 1507 nach Wasserburg am Inn verzogen war. Ein Jahr zuvor hatte er noch von Kaiser Maximilian I. das „Gejaid zwischen Selbis- und Klausenbach bei Kitzbühel sowie den Schwarzsee“ als Lehen erhalten. Im Jahre 1515 soll Gilg Oberrichter zu Landshut gewesen und kurz danach gestorben sein. Der unternehmungslustige Ritter war dreimal verheiratet. Seine dritte Frau übergab nach dem Tod ihres Mannes das Schloss ihrem Schwiegersohn Onophrius von Freiberg, der mit ihrer Stieftochter Helene verheiratet war. Helene war wohl die interessanteste Münichauerin.
In ihre Zeit fällt auch die Reformation Martin Luthers. Während der Glaubenskämpfe waren die Habsburger zur Mächtigsten Dynastie Europas aufgestiegen – im Reich Kaiser Karl V. (1519-1596) „ging die Sonne nicht unter“.
Die Lehren des großen Reformators hatten gerade in Tirol zahlreiche Anhänger gefunden. Aber auch die radikale Bewegung der Wiedertäufer, einer protestantischen Sekte, die unter dem Sozialrevolutionär und Bauernführer Thomas Münzer gegen die Kindertaufe war. Sie hatte unter den Knappen der umliegenden Silber- und Kupferminen eine respektable Anhängerschaft. Auch Helene von Freiberg, die letzte Münichauerin, trat zum Glauben der Wiedertäufer über. Sie beherbergte 1529 – damals belagerten erstmals die Türken Wien – im Schloss Münichau Sektenanhänger, die von der Obrigkeit verfolgt wurden. Sechsundsechzig von ihnen wurden in Kitzbühel hingerichtet. Als Helene selbst um ihr Leben fürchten musste, flüchtete sie 1530 auf das Schloss ihres Mannes nach Aschau. Was weiter geschah, berichtet der Tiroler Geschichtsforscher Hofrat Dr. Eder nach alten Aufzeichnungen.
Vierzig Reiter mit Geschütz und den Landfahnen der Gerichte Kling und Wasserburg zogen unter Hauptmann Peter Gall am ersten Sonntage des Jahres 1530 vor Schloss Aschau und verlangten von Onophrius von Freiberg die Auslieferung seiner vom Glauben abgefallenen Frau; sie war jedoch bereits aus dem Schlosse entwichen. Herzog Wilhelm schrieb nun anfangs Februar des Jahres 1530 an die tirolerische Regierung, die nötigen Maßnahmen zu treffen, um die Sektiererin, die ihren Mann in Aschau verlassen habe und auf ihr Schloss Münichau geflohen sei, daselbst gefangen zu nehmen. Die tirolische Regierung, die in jener Zeit ihre Haupttätigkeit der Aufspürung der Wiedertäufer zuwandte, deren sie in den Jahren 1528 und 1529 zu Kitzbühel allein 66 hinrichten und verbrennen ließ, säumte nicht und schickte am 12. Februar eigens den Untermarschall Erasmus Offenhauser – Untermarschall war damals der stolzklingende Titel für einen ganz gewöhnlichen Polizeibüttel – an den Stadt- und Landrichter in Kitzbühel mit dem Auftrag, Schloss Münichau zu besetzen und die „Freibergerin“ zu verhaften. Die Nachforschungen in Münichau waren allerdings vergeblich, doch erfuhr man, dass die Übeltäterin nach Eppan in Südtirol geflohen sein; infolgedessen wurde der Pfleger zu Altenburg, Karl Fuchs zu Hocheppan, mit ihrer Aufspürung und Gefangenahme betraut. Inzwischen war diese Sache auch dem König Ferdinand mitgeteilt worden, welcher in einem Schreiben aus Prag vom 03. April 1530 die Güter der Freibergerin in Tirol nach den bestehenden Verordnungen gegen Sektierer als der Krone verfallen erklärte und die tirolische Regierung mit der Einziehung der Güter zu seinen Händen beauftragte. Infolgedessen erließ die Regierung am 19. April 1530 ein offenes Mandat an Onophrius von Freiberg, an seine flüchtige Frau, an alle Verwandten, Gläubiger und alle, die Ansprache oder Forderung an die Sektiererin hätten, mit dem Auftrag, sich am 20. Juni 1530 bei der Regierung in Innsbruck einzufinden. Außerdem wurde der Richter von Kitzbühel beauftragt, alle Güter der Flüchtigen zu inventarisieren. Doch zum endgültigen Verluste des Schlosses sollte es nicht kommen: die Söhne der Helene von Freiberg und andere der Familie nahestehende Verwandte, darunter auch Kardinal Bernhard von Cles von Trient, baten den König um Rücknahme der Konfiskation; dieser ließ sich durch ihre Bitten erweichen und beauftragte die tirolische Regierung mit Schreiben vom 18. Juni 1530 aus Augsburg, das Schloss Münichau samt allen zugehörigen Gütern den Söhnen der noch immer flüchtigen Helene von Freiberg wieder erfolgen und zustellen zu lassen und „gnedigcklich zu schencken“. Die eigentliche Beurkundung dieses Gnadenaktes oder wie es hieß „Donation und Entschlagbrief um Münichau“ stellte König Ferdinand am 1. Juli desselben Jahres aus. Zwei Jahre später wurde Helen von Freiberg begnadigt, jedoch verhalten, ihren Irrglauben öffentlich zu widerrufen. Dazu war sie allerdings nicht zu bewegen; im Oktober 1534 wurde ihr der öffentliche Widerruf erlassen; sie erklärte dann endlich vor dem Delegaten der tirolischen Regierung zu Innsbruck, von ihrem Irrglauben abzustehen. Nun durfte sie wieder nach Aschau, um dortselbst bei ihrem Manne die letzten Tage ihres Lebens zu beschließen …“
Helene, die letzte Münichauerin, vererbte Schloss Münichau ihren Söhnen Pankratz und Christoph Georg von Freiberg. Die Erben der streitbaren Münichauerin zeigten am Schloss freilich wenig Interesse. Ausgenommen zur Jagd, hielten sie sich dort kaum auf. Schließlich verkauften sie den Familienbesitz am 08. Juli 1538 an den Ritter Mathäus Lang, Rat der Königlichen Majestät und Regent zu Innsbruck, und dessen Brüder für 7500 rheinische Gulden.
Die Langs waren ein angesehenes Adelsgeschlecht weit über Kitzbühel hinaus. Deren Vetter, Mathäus Lang von Wellenberg, war einer der bedeutendsten Männer im Kreis um Kaiser Maximilian I. Als Sohn eines verarmten Augsburger Patriziers um 1468 geboren, studierte er an den Universitäten in Ingolstadt, Tübingen und Wien. Der tüchtige Studiosus machte schließlich in Wien eine glänzende Karriere als Diplomat und Finanzberater Kaiser Maximilians. Schließlich wurde er Bischof, Kardinal (1512) und vier Jahre später Erzbischof von Salzburg. Dort residierte er bis zu seinem Tode im Jahre 1540.
Kurz vor seinem Ende besuchte er das Schloss Münichau und weihte die Schlosskapelle neu.
Als das Geschlecht der Langs ausstarb, fiel das Schloss mit seinen Ländereien gleich an sieben Erben. Von ihnen zeigte lediglich der Fürst-bischöflich - salzburgische Rat Siegmund von Lamberg an Münichau Interesse. Er trug den Titel Siegmund Freiherr zu Ortenegg und Otterstein. 1579 zog Siegmund in die älteste Stadt Österreichs ob der Enns (Laureacum). Zehn Jahre später wurde er Landeshauptmann zu Linz und Landmarschall von Niederösterreich.
Die uralte Adelsfamilie der Lambergs hieß früher „Rittersberg“. Als ein Spross des Adelsgeschlechts am Bein lahm geworden war und von den Kitzbühlern den Spitznamen „der Lahme“ bekommen hatte, nannten sie sich später derer von Lamberg. Einer der damaligen Lehnsträger von Münichau, Freiherr Georg Siegmund von Lamberg (1568-1632), war der Stifter des zweiten Hauses Lamberg und Geheimer Rat bei Kaiser Rudolf II.
Er heiratete 1607 Johanna della Scala aus dem fürstlichen Geschlecht der Scaliger von Verona. Ihr Familienwappen zeigt eine Leiter mit springenden Hunden im roten Feld. Nach dem Tod ihres Mannes wurde die ehemalige Fürstentochter der Veroneser Schlossherrin zu Münichau. Ihre Söhne wurden 1636 von Kaiser Ferdinand III. bei seiner Krönung in Regensburg in den Reichsgrafenstand erhoben und erhielten das Recht, ihr Wappen mit dem der della Scala zu vereinen: Zwei aufrechtstehende, silberne Windhunde mit goldenen Halsbändern, die eine goldene Leiter mit vier Sprossen halten. Die jungen Reichsgrafen hatten Höheres im Sinn als in Kitzbühel zu bleiben und verkauften am 23. August 1652 das Schloss Münichau an Johann Raymund Reichsgraf von Lamberg für 13.900 Gulden.
Während der Ansitz durch die Generationen der Lamberger weitergegeben wurde, bewohnten das Schloss meist nur noch Verwalter und Gesinde. Obwohl das Land Tirol verhältnismäßig wenig unter den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges zu leiden hatte, kam 1643 eine kleine Schar schwedischer Reiter bis kurz vor Münichau. Die Lanzenreiter der Schweden wurden schließlich in Sichtweite vom Schloss, zwischen Kitzbühel und Kirchberg, von den Kaiserlichen zurückgeworfen. In der „Schwedenkapelle“ am Klausenbach steht auf einer Tafel der Spruch: „Bis hierher und nicht weiter – kamen die schwedischen Reiter.“ Ein älteres Bild in der Kapelle zeigt am Bach schwedische Lanzenreiter, die Reitern in bäuerlicher Tracht gegenüberstehen. Unter dem Bauernhaufen fällt ein Priester im Ornat auf, der in der linken Hand das Kruzifix hält und in der rechten einen Säbel.
Kitzbühel nahm in jener Zeit in der Tiroler Kunstwelt eine hervorragende Stellung ein und behielt sie bis etwa ins Jahr 1800. Die Silber- und Kupferbergwerke sowie die großen Bauernhöfe um Kitzbühel machten das Bürgertum reich. Nirgendwo sonst in Tirol konzentrierten sich so viele Baumeister, Maler, Bildhauer, Kunstschmiede und Ofenbauer wie im Kitzbühler Regierungsbezirk.
Dabei machten sich vor allem die künstlerischen Einflüsse aus Salzburg und Bayern bemerkbar. Renaissance, Früh-, Hoch- und Spätbarock erlebten hier eine Blütezeit. Die Malereien, Skulpturen und Hochaltäre der Kitzbühler Künstler, die damals aus allerlei handwerklichen Berufen kamen, sind heute sowohl in den Kirchen um Kitzbühel, als auch in Salzburg, München und Altötting zu bewundern.
Inzwischen war Johann Philipp von Lamberg, ein Enkel von Georg Siegmund und dessen italienischer Frau Johanna della Scala, Fürstbischof von Passau geworden. Er überredete 1696 Johann Raymund den Älteren, die Erbgüter durch einen Scheinkauf an ihn zu übertragen. Dafür wollte er Raymunds Sohn, einen Kapuzinerpater, die Bischofswürde verleihen. Mit diesem anrüchigen Handel sind alle gräflichen Herrschaftsgüter, darunter Münichau, an die fürstliche Linie des Hauses Lamberg gefallen. Der Kardinal starb 1712 in der Abtei St. Emmeran zu Regensburg. Seine Güter vermachte er seinem gleichnamigen Neffen. Graf Johann Philipp d. Jüngere, Freiherr zu Ortenegg und Ottenstein, Herr der Herrschaft Steyr und Kitzbühel, war Oberstlandjägermeister in Tirol, Kaiserlicher Kämmerer und Hofkammerrat zu Passau.
Ihre Glanzzeit erlebten die Lambergs im 18. Jahrhundert, als Kardinal Graf Leopold Matthias von Lamberg 1707 in den Reichsfürstenstand erhoben worden war. Sein Taufpate Kaiser Leopold (1658-1705) machte das Haus Österreich-Ungarn? zu einer europäischen Großmacht und schlug die Türken entscheidend am Kahlenberg vor den Toren Wiens.
Nach dem Tod des Grafen Johann Philipp d. Jüngeren, fiel das Schloss Münichau 1735 an Johann Ferdinand Reichsgraf von Lamberg. Sein Neffe, Johann Friedrich Joseph, Reichsfürst von Lamberg, beerbte ihn. Er war der Sohn des Fürsten Franz Anton uns der Ludowika Prinzessin von Hohenzollern-Hechingen?. Das Anwesen, von der Herrschaft nur selten bewohnt, verfiel immer mehr, da „immerdar etwas zu reparieren vorfallet“, so in einem Schreiben aus dem Jahre 1780.
Am 4. Mai 1799 belehnte Kaiser Franz II., ein Enkel Maria Theresias, Carl Eugen Reichsfürst von Lamberg mit der Herrschaft von Kitzbühel. Wie viele Vorbesitzer kehrte auch er nur zu Jagdzeiten im Schloss Münichau ein. Als der Reichsfürst 1831 in Linz starb, erbte sein Sohn Gustav Joachim von Lamberg den Fürstentitel und die Kitzbühler Ländereien. Nach dessen Tod im Jahre 1862 erlosch der Fürstentitel des Hauses Lamberg. Grund: Seine Kinder entstammten einer nichtstandesgemäßen Ehe. Fürst Gustav Joachim war mit einer Bürgerlichen Katharina Hradek, verheiratet gewesen. Sie hatten acht Kinder.
Sein Erbe, Carl Graf von Lamberg, ließ zumindest das Dach des Schlosses mit neuen Schindeln decken und bewahrte somit das ehemals stolze Jagdschloss vor dem totalen Verfall. Doch das war nur ein Aufschub. Den Todesstoß erhielt das Schloss im Sommer 1914, knapp drei Wochen nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgerpaares in Sarajewo und wenige Tage vor Beginn des Ersten Weltkrieges. An diesem 15. Juli zog ein schweres Nachtgewitter vom Wilden Kaiser her nach Kitzbühel. Um zehn Uhr abends schlug ein Blitz in das benachbarte Wirtshaus ein, wo heute der Gasthof Münichau steht. Der Holzbau fing sofort Feuer und griff auf das Schindeldach des linken, runden Schlossturms über. Schnell stand das ganze Schlossdach in Flammen. Am nächsten Morgen war der ehemalige Edelsitz nur noch eine rauchende Ruine.
Der damalige Besitzer des Schlosses Max Cajetenfref von Lamberg, war gleich zu Kriegsbeginn an die Front geschickt worden. Er ahnte nicht, dass inzwischen eine Schar Bauarbeiter mit Spitzenhacke und Schaufel das Schlossgemäuer demolierte. Sie brauchten das Gestein zum Wiederaufbau für das abgebrannte Wirtshaus nebenan.
Obwohl Denkmalschützer in der Tiroler Presse und sogar in Wien gegen die barbarische Demontage Sturm liefen, fiel auch noch die Schlosshofmauer der Spitzhacke zum Opfer. Angesichts der schrecklichen Kriegsereignisse, hatten die Leute andere Sorgen, zumal die Tiroler vor ihrer Haustür gegen die Italiener kämpften.
Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb 1921 der k. und k. Hofrat a. D. Oskar Lobmeyr von Hohenleithen die Ruine für achtzig Kronen.
Doch das Aussehen von heute verdankt das Schloss Münichau ihren neuen Besitzern. Die Brüder Josef, Hanns und Ernst Harisch aus einer angesehenen Kitzbühler Hoteliersfamilie, bauten 1957 den ehemaligen Edelsitz nach alten Plänen zu einem erstklassigen und überaus gemütlichen Hotel aus.
Ihnen gelang das seltene Kunststück, das fünfhundert Jahre alte Baudenkmal ohne Stilbruch mit viel Geschmack und Liebe zum Detail in eine moderne Nobelherberge umzufunktionieren. Davon, und wie inzwischen Hanns und Rosemarie Harisch das Schloss mit neuen Leben erfüllen, kann sich heute jeder Gast selbst überzeugen.
Räumliche Zusammenhänge spielen in der Regel in der Erwachsenenpädagogik und Weiterbildung eine unbedeutende Rolle. Allerdings ist eine räumlich - differenzierte Sichtweise wesentlich, gilt es doch komplexe und mitunter widersprüchliche Aspekte zu beachten.
So wie die Gesellschaft ländliche Räume wahrnimmt, so wird auch das Bild von einer Lern- und Wissensvermittlung transportiert.
- Ländliche Räume werden mit Rückständigkeit und geringer Bildung bzw. Ausbildung verbunden.
- Hinzu kommt eine Abwanderung, in unserem Fall durch die Wahl von Ausbildungsstätten. In der Folge entsteht ein "Brain drain" und damit für die Lebens- und berufliche Laufbahn ungünstige Zukunftschancen.
Gegensätzlich werden Ursprünge von Bildung in der Regionalität gesehen.
- Kleinschulen werden als Vermittlungsorte von sozialer Kompetenz wahrgenommen, ökologisches Lernen findet im ländlichen Raum statt.
- Wertevermittlung verläuft in scheinbarer Homogenität und Harmonie, Überschaubarkeit und Individualität wird als gegeben bezeichnet.
- Persönliche Kommunikation kann in kleinen Räumlichkeiten leichter stattfinden.
IT - Hinweis
http://www.netzwerkgegengewalt.org/wiki.cgi?Erwachsenenbildung__im__ländlichen_Raum (23.3.2025)
11.1 Bildungsvermittlung |  |
Formen der Bildungsvermittlung sind zu beachten, insbesondere auf Grund der vorherrschenden Infrastrukturen durch die Erwachsenenpädagogik mit ihren Institutionen.
Nicht - staatliche Bildungsträger verstehen sich als Institutionen im quartären Bildungsbereich, die organisatorisch nicht dem Staat unterstehen, von ihm aber gefördert werden.
- Formal findet Lernen in Bildungs- bzw. Ausbildungseinrichtungen statt, wird nach Lernzielen und Lernzeiten strukturiert und führt zu einem anerkannten Zeugnis/ Zertifikat.
- Non - formale Bildung bedeutet ein Lernen außerhalb allgemeiner und beruflicher Bildung, das zu keinem formalen Bildungsabschluss führt. In der Verantwortung stehen zivilgesellschaftliche Gruppen, Vereine und Organisationen mit Freiwilligkeitscharakter.
- Informell findet Bildung durch Personen bzw. Institutionen statt, die nicht als Bildungsträger sich bezeichnen, geringer bewertet werden und wo Bildungsvermittlung vermischt mit anderen Aktivitäten entsteht(vgl. etwa Sportvereine, Familie, Arbeitsplatz und Freizeitangebote).
Das Kapitel hat als Konzeption die regionale Bildung im Selbstverständnis von Erwachsenen- bzw. Weiterbildung. Bildung wird hier als Lern- und Vermittlungsprozess gesehen, geprägt von einer Vielzahl von Akteuren. Erwachsenenbildnerinnen und Erwachsenenbildner verstehen sich in ihrer Unterschiedlichkeit als Träger einer Bildung (Erwachsenenpädagogik) nach Abschluss der Erstausbildung in Schule und Beruf.
Ihre Professionalität ist durch ihr Berufswissen und vermehrte Anstrengungen zur Kompetenzerweiterung gegeben (vgl. die Bemühungen des Bundesinstituts für Erwachsenenbildung mit Lehrangeboten, der Weiterbildungsakademie Österreich im Erfassen von Kompetenzen und Weiterbildungsangeboten sowie Universitätslehrgängen und Vollzeitstudiengängen an Universitäten).
Voraussetzungen für die Konstruktion einer Bildungslandschaft sind potentielle Akteure, institutionelle Träger bzw. Vereine, Kooperationsmöglichkeiten und notwendigerweise ein Milieu, das bildungsfreundlich und innovativ ist sowie ein klares Aufgabengebiet.
Das Modell "Regionales Lernen" umfasst regionale Identität, Gestaltungskompetenz und Partizipation (Mitbestimmung und Mitverantwortung).
- Dies bedarf erwachsenenpädagogischer Impulse. Lernprozesse im ländlichen Bereich sind in der Regel generationsübergreifend, auch von Jung zu Alt.
- Dies betrifft auch den Zusammenhalt von sozialen Gruppen wie verschiedene Bildungsschichten, Wohndauer, Einkommenssituationen, Ansehen und Migrationshintergrund.
11.2 Bildungsträger |  |
Bildungsträger vermitteln in ihrem Rollenverständnis Wissen und Können zur Gestaltung lokaler und regionaler kultureller, sozialer, ökonomischer und ökologischer sowie wertorientierender Ansätze.
Fragestellungen für ein solches Konzept sind
- die Entstehung und Strukturierung einer regionalen Bildungslandschaft,
- die Träger non - formaler und informeller Lernformen in ihrem Selbstverständnis,
- die Präsentation einzelner Projekte bzw. Vorhaben und
- die Bewusstmachung von Erfolgen bzw. Defiziten.
- Herausforderungen müssen klar bezeichnet werden.
Als Herausforderung gilt die Rolle von Bildung im ländlichen Raum. Anzubieten wäre eine entsprechende Lernumgebung und Lernsituationen, die die Region selbst bietet.
Dazu wird das Konzept des "Regionalen Lernens" vorgestellt.
Ziel ist das Angebot zur Teilhabe an der Gestaltung des eigenen Umfeldes.
Partizipation ist mit der Ausbildung und Umsetzung der regionalen Identität verbunden.
Dieser Kontext ist ein Merkmal des "Regionalen Lernens".
Lernen im ländlichen Raum umfasst inhaltliche, didaktische und situativ - handlungsorientierte Elemente.
- Lernen über ländliche Räume umfasst die räumlichen Gegebenheiten und das alltägliche Handeln. Im Vordergrund stehen das subjektive Erkennen und Verständnis regionaler Eigenheiten und die Verständigung über Problembereiche und Herausforderungen. Inhalte könnten etwa die Abwanderung aus dem ländlichen Raum, die Auswirkungen und ökonomische sowie ökologische Verluste sein.
- Lernen für den ländlichen Raum umfasst die Förderung des Lebensraumes , also Wechselwirkungen erkennen, zu bewerten, antizipierend und reflektiert zu denken. Wissen (Kognition) und Gefühle (Empathie)sollen ein konkretes Handeln ergeben. Dies ist die Voraussetzung für ein künftiges regionales Engagement.
- Lernen in und von ländlichen Räumen umfasst Lernumgebungen mit Lerngegenständen, die eine originale Begegnung ermöglichen. Diese sind Räume und Zeiten für persönliche Erlebnisse, praktische Auseinandersetzungen, Ausprobieren für Ideen und Pläne in Verbindung mit Reflexionen. Ländliche Räume bieten viele Möglichkeiten. Lokal-regionale Phänomene ergeben Verknüpfungen mit überregionalen Entwicklungen und globalem Denken (etwa Verkehrsprobleme, Gewerbegebiete, Handel, Bildungsinstitutionen/ Angebote und Tourismus).
- Handlungsorientiertes Lernen umfasst neben den Originalbegegnungen ganzheitliches Lernen (Lernen mit allen Sinnen),
Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit der Lernenden, planvolles und zielgerichtetes Lernen, Orientierung an den Erfahrungen, Interessen und Neigungen der Teilnehmenden im Kontext mit aktuellen und zukünftigen Handlungssituationen, Öffnung der Bildungssituation für ein Lernen in realen Problemsituationen ("komplexe Realität"), Förderung der Partizipation durch Dokumentation der Ergebnisse, Reflexion von Zielen und Handlungsabläufen und Konsequenzen in Verbindung mit deren Bewertung.
Regionales Lernen kennzeichnet die enge Verbindung von Lehrenden und Lernenden bereits im Vorfeld in Form von Zielsetzung, Planung, Vorbereitung, Durchführung, Nachbereitung und Transfer. Die gemeinsamen Erfahrungen bedeuten in der Folge Veränderungen bzw. Bestätigungen in der Wertorientierung.
In der Erziehungswissenschaft wurde Ende der achtziger Jahre der von der Umwelterziehung geprägte Ansatz der Förderung regionaler Identität forciert. Das hier dargestellte Konzept des Regionalen Lernens wird als Aufgabe von Erwachsenenpädagogik verstanden.
Als Element einer Politischen Bildung vermag es einen Beitrag zu regionaler Identität, Persönlichkeitsbildung und Gestaltung in einer pluralen Gesellschaft leisten.
Angesprochen ist eine Bildung des Erwerbs von Gestaltungskompetenz.
Lerntheoretische Grundlage ist das situative Lernen. Sozialpsychologisch bezieht das Konzept sich auf die personale Identität.
Erst die Verbindung von regionaler Identität und Gestaltungskompetenz befähigt zu einer angestrebten Partizipation.
Einflussfaktoren sind neben der Handlungsorientierung die Altersgruppe mit dem Einfluss auf die Wirksamkeit bei Heranwachsenden, die sich in Merkmalsveränderungen nach dem Lernvorhaben zeigt. Erwachsene besitzen eine relativ hohe Resistenz gegenüber Interventionen von außen (vgl. KRAMPE 2007, 221-244).
Auch die persönlichen Voraussetzungen spielen eine Rolle. Bereits im Vorfeld können Merkmalsveränderungen die Konzeption unterstützen, womit außerschulisches Lernen in der Region einen Beitrag zu leisten imstande ist. Wesentlich ist der Beitrag engagierter Personen/ Gruppen, die zu fördern sind. Eine dauerhafte Beteiligung ist anzustreben. Als didaktisches Element erweist sich eine Binnendifferenzierung als individuelle Förderung der Lernenden.
Originale Begegnungen in Form von Erkundungen, Teilnehmerbefragungen, aktiver Selbstaneignung und alltäglichem Erkenntnisgewinn weisen auf eine didaktische Gestaltung von Lernprozessen hin. Außerschulisches Lernen zeigt sich in Lehrveranstaltungen der Erwachsenen- bzw. Weiterbildung, auf die in der Folge einzugehen ist.
Eine Umsetzung in die Praxis - also die Wirksamkeit Regionalen Lernens - sollte in verschiedenen Aktionsformen wie Projekte, Zukunftswerkstätten, Lernen an Stationen und Experimenten verwendet werden. Gruppenarbeit und kooperatives Lernen bieten sich als Sozialform an.
Zu beachten wären auch erwachsenenpädagogische Impulse mit Themen der Politischen Bildung(vgl. beispielhaft die IT - Autorenbeiträge http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Lehrgang Politische Bildung in der Erwachsenenbildung, Interkulturelle Kompetenz und Vorberufliche Bildung in Österreich).
Wiederholtes und dauerhaftes Lernen erzeugt stärkere Effekte als einmalige und kurzfristige Lernvorhaben. Langzeitprojekte bzw. Kurse/ Lehrgänge sollten daher realisiert werden. Grundlage solcher Vorhaben bildet in der Erwachsenenpädagogik das Vorwissen mit Kenntnissen, Erfahrungen und Ideen bzw. Visionen.
Lernvorhaben bedürfen nach Beendigung aus Gründen der Reflexion Dokumentationsformen, etwa in der Lokalpresse, in Netzwerken und Präsentationen sowie in außerschulischen Bildungsinstitutionen. Eine Koordinierung in Form einer Projektgruppe empfiehlt sich.
Eine Anbindung von Institutionen hochschulmäßiger bzw. universitärer Bildung sollte angestrebt werden (vgl. das Beispiel Vorarlberg mit Lehrgängen an der Verwaltungsakademie in Lochau als zentralem Ort von Bildungsveranstaltungen; Kooperationen mit Instituten).
EU - Bildungs- und Förderprogramme wie der EUROPÄISCHE SOZIALFONDS/ ESF ergänzen Vorhaben regionaler Entwicklung.
11.4 Bildungskonzeption Regionales Lernen |  |
 | | | Bildungskonzept - Übersicht | |
| Formales, non - formales Lernen | | Lebensbegleitendes Lernen |
Regionale Identität Wahrnehmen der Region | Partizipation in der Region Kognition - Emotion - Motivation | Gestaltungskompetenz Antizipation - Vernetzung - Nachhaltigkeit |
| | Gestaltung der Region | |
|
|
11.5 Bereiche innovativer Bildungsnutzung |  |
Die nachfolgenden Beispiele innovativer Nutzung erwachsenenpädagogischer Vorhaben des Autors sind Beiträge zur Diskussion regionaler Bildungsmaßnahmen im ländlichen Raum.
Anliegen sind die Verbesserung der Politischen Bildung und Ökonomischen Grundbildung, Ehrenamtlichkeit bzw. Freiwilligkeit und Netzbasiertes Lernen (mit Überlegungen zum "Blended Learning").
Will man Ehrenamtlichkeit bzw. Freiwilligkeit in ihrem Wirkungskreis erhöhen, sollte man die Organisationsstruktur neu ausrichten. Es bedarf eines Freiwilligenmanagements in der Erwachsenenbildung, damit es zu gesellschaftlichen Aktivitäten kommen kann. Ziel ist eine lebendige Zivilgesellschaft mit Motivation und Engagement.
Der Workshop "Ehrenamt - Freiwilligenarbeit/ Freiwilligenkoordination" der Arbeitsgemeinschaft Ehrenamt des Rings Österreichischer Bildungswerke (22.-23. April 2013/ Wien) zeigt an, dass in Fortsetzung des "Internationalen Jahres der Freiwilligen" (2001) und des Workshop - Diskurses anlässlich des Festaktes "40 Jahre Konferenz der Erwachsenenbildung Österreich - 5 Jahre Weiterbildungsakademie"/ Strobl (2012) zur Freiwilligkeit bzw. "Ehrenamtlichkeit" die Diskussion um Strukturen und Rahmenbedingungen für eine Förderung des freiwilligen Engagements weiterhin zu führen ist.
Es bestehen gewisse Förderstrukturen, etwa Fortbildungen, Tagungen, Workshops und Publikationen, trotzdem ist die Thematik noch nicht im Mainstream angekommen. Zivilgesellschaftliches Engagement als Ausdruck von Freiwilligkeit/ Ehrenamtlichkeit ist wenig verbreitet.
Zwar spricht das Zahlenmaterial von Engagement - man denke an Freiwillige Feuerwehren, Musikkapellen, Sportvereine, Büchereien, Kulturvereine und soziale Hilfsorganisationen - aber im Bereich der Erwachsenenbildung als Organisationen und Systeme mit erwachsenenpädagogischem Auftrag fehlen Interessierte. Insbesondere im ländlichen Raum gibt es Nachwuchsprobleme in einem wichtigen Lern- und Handlungsfeld, das es auszubauen gilt.
Als Grundlage für Fördermaßnahmen gilt ein Freiwilligenmanagement mit entsprechenden Rahmenbedingungen, Gewinn von Fachlichkeit und Möglichkeiten der Mitgestaltung und Mitbestimmung (Partizipation).
Freiwilligenmanagement ist Planung, Organisation, Koordination, Evaluation und Vernetzung von freiwilligem Engagement. In der Erwachsenenbildung - bei der Tagung ging es um diese Organisationsform - findet dies auf Grund des staatlichen Vereinsgesetzes und einer gesamtösterreichischen erwachsenenpädagogischen Vernetzung statt.
Ziel ist eine nach der schulischen und beruflichen Erstausbildung notwendige Förderung von Wissen, Fertigkeiten, Haltungen, Erfahrungen und Kompetenzen. Für ehrenamtlich Engagierte bietet sich die Chance, ihren Eigeninteressen nachzugehen, sich weiter zu qualifizieren, Sinn und Wert in einem Engagement zu finden, Interessierte kennen zu lernen und sich einbringen zu können.
Damit ergeben sich Anforderungen an Ehrenamtliche bzw. Freiwillige wie eine Abgrenzung zur Tätigkeit Haupt- und Nebenamtlicher, der Kooperation zwischen Haupt-und Ehrenamtlichen, Unterstützungssystemen, Qualifizierungsangeboten und einer Anerkennungs- und Wertschätzungskultur.
All dies ist ausbaufähig. Anzustreben ist eine zeitgemäße Struktur mit Präsenz und Mitarbeit in einer Organisation der Erwachsenenbildung,
einem Freiwilligenmanagement, einer Mitarbeiterfortbildung und Weiterbildung, einer Öffentlichkeitsarbeit und entsprechenden gesamtgesellschaftlichen Positionierung.
In der Regel fehlt eine Ausrichtung von Zielvoraussetzungen und Zielen dieses Engagements. In diesem Zusammenhang erkennt man einen Strukturwandel des "Ehrenamtes" im Sinne einer Gemeinwohlorientierung. Leitbilder (mit Ergänzungen), Förderung von Rahmenbedingungen, Qualitätskriterien und Aufgabengebiete zeigen an, dass freiwilliges Engagement weder umsonst noch kostenlos ist.
Engagement - Förderung bedarf klarer Strukturierung und ist als Prozess - und keinesfalls als starres System - zu verstehen. Ein solcher Prozess beginnt mit einer Bedarfseinschätzung, Aufgabenentwicklung, Gewinnung von Interessierten, Gesprächen, Phasen der Ausbildung bzw. Einarbeitung und Begleitung. Evaluation und eine Anerkennungskultur vervollständigen ein Freiwilligen - Engagement.
Anzustreben ist ein System von Förderung und Aufstiegsmöglichkeiten sowie Persönlichkeitsentwicklung. Ergänzende Elemente sind Anregungen, Austausch und Bewertung. Nationale und EU - Netzwerkbildungen vervollständigen das Engagement.
Unabhängig von der Notwendigkeit zeigen sich Grenzen im Zeitbudget und in einer Ausbildung, besonders für verantwortungsvolle Tätigkeiten. Die Notwendigkeit und Bedeutung einer internen und externen Anerkennung für freiwillige Tätigkeiten wird deutlich, geht es doch um öffentliche Bildungstätigkeit in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext.
Kompliziert ist die Aus-, Fort und ggf. Weiterbildung, weil im Regelfall nur kurzfristige Aktivitäten angenommen werden und finanziell Schwierigkeiten stoßen. Für die Erwachsenenbildung mit den Möglichkeiten an der "Weiterbildungsakademie Österreich" erscheint eine entsprechende personal- und Finanzausstattung überlegenswert.
Regional werden auch kostengünstige Lehrgänge angeboten, wie das Beispiel Tirol es zeigt. Die sollte für eine interne Ausbildung Freiwilliger nützlich und anerkannt werden. Eine Anerkennung freiwilliger Tätigkeit im Bildungsbereich erkennt man auch an externem Engagement in kultureller und gesamtgesellschaftlicher Beteiligung. Diese Form einer öffentlichen Aktivität gilt als ideale Form von zivilgesellschaftlichem Engagement. Öffentlichkeitsarbeit dokumentiert zudem Engagement.
Ein umfassendes Handlungsfeld mit Lernmöglichkeiten ("Lernfeld") bietet persönliche Entwicklung, den Erwerb von Fachkompetenz und eine Einübung in öffentlichem Engagement an. Freiwilligenengagement stärkt Erwachsenenbildung im regionalen Raum, die Zivilgesellschaft und kann Interessierten als Vorbild für ein künftiges Engagement dienen.
Bildung konzentriert sich zunehmend durch allgemein bildende bzw. berufsbildende Schulen und hochschulmäßige bzw. universitäre Bildungseinrichtungen sowie außeruniversitäre Institutionen auf den städtischen Raum.
Zugleich ist Bildung ein Faktor für Chancengleichheit und damit Entwicklungsprozesse, gerade für den ländlichen Raum.
Mit dem Entstehen von Wohnräumen außerhalb urbaner Zentren und Kleinstädten sind Bildungsentwicklungen gefordert, die Angebote erfordern, die vermehrt Beachtung verdienen.
Zunehmend sind digitale Bildungsangebote anzubieten bzw. zu benutzen im Kontext von Netzwerken. Regionale Netzwerke können/ sollten als eine Bildungseinrichtung hilfreich sein.
Fachliteratur |  |
Benz A. - Fürst D. - Kilper H.- Rehfeld D. (1999): Regionalisierung: Theorie – Praxis – Perspektiven, Opladen
Hye Fr. - H. (1990): Die Marktgemeinde St. Johann in Tirol, das Gemeindebuch. Band I und II: Natur und Mensch in Geschichte und Gegenwart, Hutterdruck St. Johann, St. Johann
Hofinger H. (2007): Marktgemeinde St. Johann in Tirol, St. Johann in Tirol
Jenewein H. (2002): Wandern zu Sagen und Mythen im Wilden Kaiser, Tyrolia Verlag, Innsbruck
Kitzbühel Autorenkollektiv (Hrsg. Jeffrey Iacobucci Kitzbühel) (o.J.): Durch vier Jahreszeiten, Ritzerdruck Kitzbühel
Mitterer M. (2018): Kitzbühel - Bildband, Freytag & Berndt, Wien
Pipal C. (2021): Zu Gast in Kitzbühel - Sehnsuchtsorte, Originalrezepte und Geheimtipps, Callwey Verlag, München
Pitscheider A. (2024): Hakenkreuz am Hahnenkamm: Kitzbühel in der NS - Zeit (Studien zu Geschichte und Politik), Studienverlag, Innsbruck
Prieler K. (2021): Literaturstadt Kitzbühel - Im Schatten von Tourismus und Sport, Wagner Verlag, Innsbruck
Stadtgemeinde Kitzbühel (Hrsg.) (1967 - 1967 - 1968 - 1970 - 1971 - 2023): Stadtbuch Kitzbühel - Bd. I: Raum und Mensch. Bd. II: Vorgeschichte und Bergbau. Bd. III: Baugeschichte, Kunstgeschichte, Theatergeschichte, Schlösser. Bd. IV: Von der Vergangenheit bis zur Gegenwart. Bd. V: Beiträge zur Entwicklung Kitzbühels im 20. Jahrhundert, Eigenverlag der Stadtgemeinde Kitzbühel, Innsbruck - Kufstein
Dokumentation |  |
Zum Autor |  |
APS - Lehrer/ Lehramt für Volks- und Hauptschule (D, GS, GW) sowie Polytechnischer Lehrgang (D, SWZ, Bk); zertifizierter Schüler- und Schulentwicklungsberater; Lehrbeauftragter am Pädagogischen Institut des Landes Tirol/ Berufsorientierung bzw. Mitglied der Lehramtsprüfungskommission für APS - Lehrer/ Landesschulrat für Tirol (1994 - 2003)
Lehrbeauftragter am Institut für Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft/ Universität Wien/ Aus- und Weiterbildung/ Vorberufliche Bildung (1990/ 1991- 2010/2011); Lehrbeauftragter am Sprachförderzentrum des Stadtschulrates Wien/Interkulturelle Kommunikation (2012); Lehrbeauftragter am Fachbereich für Geschichte/ Universität Salzburg/ Lehramt "Geschichte - Sozialkunde - Politische Bildung/ "Didaktik der Politischen Bildung" (2015/ 2016, 2017)
Mitglied der Bildungskommission der Evangelischen Kirche in Österreich A. und H.B. (2000 - 2011), stv. Leiter des Evangelischen Bildungswerks in Tirol (2004 - 2009, 2017 - 2019)
Kursleiter an den VHSn Zell/ See, Saalfelden und Stadt Salzburg - "Freude an Bildung" (2012-2019) und VHS Tirol "Der Wandel der Alpen" -
Politische Bildung (2025)
Absolvent des Instituts für Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/ Doktorat (1985), des 10. Universitätslehrganges Politische Bildung/ Universität Salzburg - Klagenfurt/ Master (2008), des 6. Universitätslehrganges Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg/ Diplom (2012) - des 6. Lehrganges Interkulturelles Konfliktmanagement/ Bundesministerium für Inneres - Österreichischer Integrationsfonds/ Zertifizierung (2010), der Weiterbildungsakademie Österreich/ Diplome (2010), des 1. Lehrganges Ökumene/ Kardinal König - Akademie Wien/ Zertifizierung (2006) - der Personalentwicklung für Mitarbeiter der Universitäten Wien/ Bildungsmanagement/ Zertifizierungen (2008 - 2010) und Salzburg/ 4. Lehrgang für Hochschuldidaktik/ Zertifizierung (2015/2016) - des Online - Kurses "Digitale Werkzeuge für Erwachsenenbildner_innen"/ TU Graz - CONEDU - Werde Digital.at - Bundesministerium für Bildung/ Zertifizierung (2017), des Fernstudiums Erwachsenenbildung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium - Comenius Institut Münster/ Zertifizierung (2018), des Fernstudiums Nachhaltige Entwicklung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium - Comenius Institut Münster/ Zertifizierung (2020)
Aufnahme in die Liste der Sachverständigen für den NQR/ Koordinierungsstelle für dem NQR, Wien (2016)
MAIL dichatschek (AT) kitz.net
|