Netzwerk Gegen Gewalt - Ein Offenes WikiWeb - Jeder kann sich beteiligen!

Alpen - Entwicklung europäischer Kulturraum

Fachwissen 18    

Alpen - Europäischer Kulturraum - Entwicklungen    

Günther Dichatschek

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Fachwissen 18   
Alpen - Europäischer Kulturraum - Entwicklungen   
Vorbemerkung   
Teil I Agrarpolitik   
Einleitung   
1 Agrarpolitik in Österreich   
1.1 Sozioökonomische Rahmenbedingungen   
1.2 Phasen der Agrarpolitik   
1.3 Akteure und Veränderungen der Politikinhalte   
1.4 Reflexion   
2 Agrarindustrielle Bewirtschaftung und ihre Folgen   
2.1 Monokulturen   
2.2 Alpiner Raum   
3 Ernährungssicherung   
3.1 Herausforderung Hunger   
3.2 Ländliche Entwicklung   
3.3 Literaturverzeichnis Agrarpolitik   
3.4 Literaturverzeichnis Agrarbereiche/ Auswahl   
3. 5 Ländlicher Raum   
4 Ländliche Räume   
4.1 Politische Diskussion   
4.2 Österreich   
5 Dörfer und Kleinstädte im Wandel   
5.1 Gemeindezusammenlegungen   
5.2 Tourismus   
6 Ländliche Entwicklung in der EU- Agrarpolitik   
6.1 Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft   
6.2 EU - Rechtsrahmen   
6.3 Literaturhinweise Ländliche Räume   
Teil II Alpenraum   
Einleitung   
7 Besiedelung und Nutzung des alpinen Raumes   
7.1 Bäuerliche Kulturlandschaft   
7.2 Almwirtschaft   
7.3 Alpenraum als Rohstoffquellen   
7.4 Industrielle Revolution   
8 Massentourismus vs. Sanfter Tourismus   
8.3 Erschließung des alpinen Raumes   
8.4 Freizeitverhalten   
8.5 Alpine Vereine   
9 Alpenkonvention 1989   
9.1 Präambel   
9.2 14 Artikel   
9.3 Reflexion   
9.4 Zielsetzungen   
9.5 Aufgabenfelder einer Politische Bildung   
9.6 Literaturverzeichnis Alpenraum   
Teil III Alpinethik   
10 Bergsport   
11 Natur und Umwelt   
11.1 Alpentourismus   
11.2 Gletscherschigebiete   
11.3 Bergsport und Alpinstil   
11.3.1 Regeln am Berg   
11.3.2 Berg als Grenze   
11.3.3 Alpine Infrastruktur   
11 3.4 Neue Sportarten   
12 Bergführerwesen (incl. Wanderführer)   
Dokumentation   
Zum Autor   

Vorbemerkung    

Ein uralter Kulturraum, besiedelt von rund 14 Millionen Menschen, verändert sich durch Klimawandel und Tourismus (vgl. KASTLER 2018, 19)

Für die Politische Bildung bedeutet die Veränderung eines Kulturraumes eine Herausforderung, sich mit Aspekten und Entwicklungen der alpinen Region interdisziplinär auseinanderzusetzen.

Werbung, Ansichtskarten, Zeitschriften, Filme und Bildbände zeigen den Alpenraum als unberührte Landschaft, liebliche Almregion mit Hüttenromantik, Felsen und Gipfel im Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergang, schneebedeckte Pisten im Winter und eine eindrucksvolle Seilbahntechnik zur Erschließung der Bergwelt.

Die Menschen in der Alpenregion werden als gut gelaunt dargestellt und haben immer Zeit für die Gäste, die sich erholen und braungebrannt sind.

Bergwandern, Schipisten in das Tal und Training für viele Sportarten in der Berglandschaft ergänzen ein Bild, das durch Klimawandel und Tourismus gekennzeichnet ist.

Konkurrenz in der Darstellung von Urlaubsträumen gibt es nur in der Trias Sandstrand, Meer und Palmen.

Es gibt aber auch Ausschnitte, die mehr zeigen als Idylle und Informationen liefern, wie sich ein jahrtausendealter Kultur- und Lebensraum erhalten lässt (vgl. BÄTZING 2018).

Als eine der größten Bergketten der Welt erstreckt sich die alpine Landschaft über 1200 Kilometer von Nizza bis Wien. Die Region Tirol liegt in einem hohen Maß in einer alpinen Landschaft.

Kennzeichnend sind der Mont Blanc mit 4807 Metern als höchster Berg, ein Lebensraum von rund 14 Millionen Menschen und einem Anteil von acht Staaten an den Alpen mit Monaco, Frankreich, Italien, der Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Österreich und Slowenien.

Menschen haben im Laufe der Geschichte zur Lebenssicherung tiefgreifend die Landschaft ökologisch verändert und umgestaltet, kulturell beeinflusst und sozioökonomisch erschlossen.

Ausgangspunkt der Überlegungen ist die Auseinandersetzung mit der Fachliteratur und den konkreten Veränderungen in der Alpenregion vor Ort. Interdisziplinarität ist Kennzeichen einer thematischen Auseinandersetzung mit Kulturgeographie, Politischer Bildung und Kulturwissenschaften (vgl. HAID 2005/ 2008, BÄTZING 2015/ 2018, LUGER - REST 2018, MATHIEU 2018, DICHATSCHEK 2018).

Der Beitrag gliedert sich in drei Teilen mit der Agrarpolitik, dem Alpenraum und der Alpinethik. Der Kontext zur Politischen Bildung und einer Interkulturellen Kompetenz ist gegeben. Die Studie beschäftigt sich mit Nachhaltigkeit.

Teil I Agrarpolitik    

Einleitung    

Im Folgenden sollen Aspekte die Agrarpolitik unter Gesichtspunkten einer Politischen Bildung vorgestellt werden.

Der erste Aspekt Agrarpolitik in Österreich umfasst Rahmenbedingungen und Phasen, Akteure und Veränderungen der Politikinhalte seit dem EU - Beitritt. Eine persönliche Reflexion beleuchtet die österreichische Agrarpolitik.

Der zweite Aspekt in diesem Zusammenhang betrifft die Industrialisierung der Landwirtschaft mit Profitstreben und dem Rationalisierungsdruck landwirtschaftlicher Strukturen, die Boden, Luft und Wasser schädigen. Monokulturen und Pestizideinsatz führen, oft bzw. kaum beachtet, zum Rückgang der Artenvielfalt - insbesondere bei Insekten und Vögeln - und bilden Landschaften in Agrarwüsten. Mitunter fehlt es an Wissen um solche Auswirkungen in einer agrarindustriellen Nutzung.

Der Beitrag versucht ökologische Aspekte im Kontext mit Politischer Bildung zu darzustellen. Die Folgen einer Landschaftsverarmung und Industrialisierung erfordern ein Umdenken in der Agrarpolitik im Interesse der Menschen und Umwelt.

Der dritte Aspekt der Ernährungssicherung ergibt einen wesentlichen Teil einer funktionierenden Agrarpolitik. Es geht um die nationale und internationale Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung. Als Problem stellt sich in weiten Teilen der Welt der Hunger dar.

Wesentlich ergänzend sind die Aspekte der Entwicklung des ländlichen Raumes zu beachten.

Wesentlich ist die Auseinandersetzung mit der Fachliteratur (vgl. HOVORKA - HOPPICHLER 2006, WIRTSCHAFT HEUTE/ BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG 2006, CERMAN - EDER - EIGNER - KOMLOSY - LANDSTEINER 2011, STIFTUNG ENTWICKLUNG UND FRIEDEN - INSTITUT FÜR ENTWICKLUNG UND FRIEDEN 2013, für die Umsetzung in der Lehre DICHATSCHEK 2017, DOHRN 2018).

1 Agrarpolitik in Österreich    

Im Folgenden wird auf die sozioökonomischen Rahmenbedingungen, die Phasen der Agrarpolitik und die damit verbundenen Veränderungen der Politikinhalte sowie eine Reflexion zur Agrarpolitik eingegangen.

1.1 Sozioökonomische Rahmenbedingungen    

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einem massiven Technisierungs- und Mechanisierungsschub. Es folgten deutliche Veränderungen der sozioökonomischen Rahmenbedingungen (vgl. HOVORKA - HOPPICHLER 2006, 701).

Der Anstieg der Arbeitsproduktivität und die Unterstützung der Agrarpolitik durch einen Professionalisierungs- und Intensivierungsprozess führte von einer Unterversorgung zu einer Überschusssituation bei Nahrungsmitteln.

Gleichzeitig kam es zu einer Abwanderung bzw. Freisetzung von Arbeitskräften in der Landwirtschaft, zum Übergang von Haupterwerbs- zu Nebenerwerbsbetrieben.

In der Folge stiegen die Budgetkosten für die Förderung der Land- und Forstwirtschaft, der Verwertung der Überschüsse und der Agrarverwaltung.

Mit der Internationalisierung der Handelsvereinbarungen von GATT/ WTO in den neunziger Jahren und dem EU - Beitritt Österreichs 1995 veränderten sich die agrarpolitischen Rahmenbedingungen, es kam zu verstärkter Konkurrenz und einer Liberalisierung des Agrarmarktes.

Die Verarbeitungsindustrie befindet sich in einem Konzentrations- und Zentralisationsprozess. Der Lebensmittelhandel wird immer mehr konzentriert (vgl. Rewe Austria und Spar AG haben 2004 bereits einen Marktanteil von 71 Prozent).

Eine besondere Bedeutung hat die Berglandwirtschaft, in der 70 Prozent der kleinbetrieblichen Struktur als Bergland eingestuft sind. Ihr kommt die Sicherung des sensiblen Ökosystems und die Erhaltung und Gestaltung der Kulturlandschaft im alpinen Bereich zu.

1.2 Phasen der Agrarpolitik    

In den fünfziger Jahren begann die Veränderung der Landwirtschaft mit dem Rückgang der Selbstversorgerwirtschaft und einer Umformung zu einem produktiven Zulieferer für die Agrarindustrie (vgl. HOVORKA - HOPPICHLER 2006, 702 - 704).

Im Zeichen des Wiederaufbaus und einer wirtschaftlichen Stabilisierung verließen mehr als ein Drittel der unselbständigen Beschäftigten den Agrarsektor.

Die erste Mechanisierungswelle und ein verbessertes Saatgut und gezielte Mineraldüngung bewirkten eine Verdoppelung der Arbeitsproduktivität. Unterstützt wurden diese Tendenzen durch einen Ausbau des Förderungsapparates.

Überschüsse erzeugten einen Angebotsdruck mit geringen Preiserhöhungen. Mittels einer Agrarstrukturpolitik förderte man die Schaffung entwicklungsfähiger Betriebe (vgl. die Politik des "Wachsens und Weichens"). Mit der Neuausrichtung der Leitideen der Agrarpolitik kamen technokratische Ideen auf, die Agrarökonomen vertraten.

Nach einer beschleunigten Strukturpolitik der ÖVP - Alleinregierung kam es unter Bruno Kreisky zu einer Neuorientierung der Agrar- und Förderpolitik in Form einer Differenzierung der Agrarförderung.

Eingeführt wurde ein Bergbauernsonderprogramm mit einer Direktförderung der Bergbauernbetriebe, womit dem Strukturwandel gegengesteuert wurde. Nunmehr kamen Förderungen nicht nur den Großbetrieben vorrangig zugute. Ergänzt wurde die Maßnahme durch Neuerungen in der Sozial- und Familienpolitik (vgl. etwa die Einführung des Mutter - Kind - Passes, der Schulfreifahrt und die Gratisschulbuch - Aktion).

Neben der Bauerntumideologie und dem technokratischen Ansatz kam es in den siebziger Jahren zu einer funktionalistischen Agrartheorie. Das Bergbauernsonderprogramm enthielt auch die Erhaltung der Kulturlandschaft, der Mindestbesiedelung und Aufrechterhaltung der Infrastruktur sowie der Produktionsreserve in Krisenzeiten.

In der großen Koalition ergaben sich neue Ideen und Ansätze. Im "Manifest für eine ökosoziale Agrarpolitik" in Österreich" 1988 wurde auf die ökologische Funktion hingewiesen. Angestrebt wurde zudem der Beitritt Österreichs zum EG - Binnenmarkt.

Ökosozial bedeutete eine Mischung von funktionalistischer Agrartheorie und Inhalten der Ökologiebewegung.

1.3 Akteure und Veränderungen der Politikinhalte    

Mit der industriellen Umsetzung des Agrarsektors in Form der zunehmenden Bedeutung der Agrar- und Lebensmittelindustrie, dem Bankensektor zur Finanzierung und den Managementzentralen der Raiffeisen - Genossenschaften und Landwirtschaftskammern bildete sich in der Folge ein Dreiecksverhältnis des Genossenschaftswesens (Finanzierung - Kreditwesen), der Kammern (Sozialpartnerschaft) und des Bauernbundes (politische Vertretung).

In der Agrarpolitik spielen auch die Sozialpartner eine Rolle. ÖGB und Arbeiterkammer bestimmen im Konsumentenschutz, der Umwelt-, Sozial- und Regionalpolitik mit. Vereinzelt haben Umweltverbände einen Einfluss.

In den achtziger Jahren ist mit den "Grünen" ein neuer Akteur in der Agrarpolitik aufgetreten. Damit wurde zunehmend die ökosoziale Agrarpolitik in den politischen Diskurs aufgenommen.

Die EU - Agrarreform 2003 mit ihrer Umsetzung 2005 ergab ein Betriebsprämiensystem, deren Basis der Durchschnitt der Direktzahlungen aus der Marktordnung der Jahre 2000 bis 2002 ist. Die Förderung wird von der tatsächlichen Produktion des Betriebes entkoppelt. Dadurch wird ein marktkonformes Verhalten erwartet.

Knapp 30 Prozent der Betriebe werden von Frauen geleitet. Frauen stellen ungefähr 53 Prozent aller Familienarbeitskräfte, aber nur rund 14 Prozent der Kammerräte_innen. Es zeigt sich, dass die Bedeutung von Frauen in den landwirtschaftlichen Interessensvertretungen gering vertreten und geschlechterbezogene Ungleichheiten vorhanden sind.

Mit dem EU - Beitritt 1995 wurden bereits im Vorfeld die Agrarpolitik und das Fördersystem an die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU angepasst. Vom WIFO wurde der Beitritt als schwierig eingestuft, wobei mit Preis- und Einkommenseinbußen zu rechnen ist, die Wettbewerbsfähigkeit erforderlich und Begleitmaßnahmen (Förderungen) benötigt werden.

Mit dem Vollzug des EU - Beitritts kam es zu einer Neuverteilung der Kompetenzen und Kosten des Fördersystems zwischen EU, Bund und Ländern.

Die Agrarpolitik beruht im Marktbereich auf den EU-Marktordnungen??, nationalen Quoten und Ausgleichszahlungen. Die Eckdaten wurden in den Beitrittsverhandlungen festgelegt, die Finanzierung kommt es aus dem EU-Budget??.

In der Agrarstrukturpolitik gibt es einen größeren nationalen Spielraum. Zum Tragen kommt das agrarische Umweltprogramm ÖPUL und die Ausgleichszulagen für benachteiligte Gebiete.

Die Abfederung der negativen Folgen durch Fördermaßnahmen gelang. Die Abhängigkeit der Einkommen hat von agrarpolitischen Maßnahmen zugenommen.

Festzustellen ist eine Intensivierung des Wettbewerbs und die Bedeutung der Globalisierung.

Entscheidend wird künftig die Frage sein, ob die Agrarpolitik in eine allgemeine Politik zu integrieren sein wird. Dies betrifft besonders den ländlichen Raum. Es bedarf eines Ausgleichs mit anderen gesellschaftlichen Gruppen.

1.4 Reflexion    

Die Bedeutung der Landwirtschaft ist in den europäischen Industrieländern gering. Dennoch erfährt der primäre Wirtschaftssektor eine intensive Unterstützung in Österreich und der EU in Form von Subventionen und wird von der Konkurrenz der Weltmärkte abgeschottet (vgl. WIRTSCHAFT HEUTE 2006, 174).

Die Agrarpolitik wird wesentlich von der "Gemeinsamen Agrarpolitik/ GAP" der EU bestimmt.

Diese greift massiv in Marktprozesse ein und ist mit einem teilweise planwirtschaftlich ausgestatteten Verwaltungsaufwand verbunden.

Die GAP beruht auf zwei Grundelementen. Marktordnungen garantieren den Erzeugern Abnahmepreise. Einfuhrabgaben (Abschöpfungen) schützen Landwirte vor der Konkurrenz der Weltmärkte.

Die verursachte Überproduktion wird auf EU - Kosten eingelagert oder auf dem Niveau der Weltmarktpreise entsprechend subventioniert und in der Folge exportiert. Die entstandenen Kosten werden aus dem "Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft/ EAGFL/ Abtl. Garantie" getragen, der vom EU - Budget finanziert wird.

Die "Gemeinsame Agrarpolitik/ GAP" ist der größte Ausgabenposten im EU - Budget (vgl. 2004 rund 45 Prozent des Gemeinschaftshaushaltes).

Im Rahmen der "Agenda 2000" für 2000-2006 beschlossenen Ausgaben entsprechen etwa dem jährlichen Sozialprodukt der Niederlande.

Volkswirtschaftlich bedeutet dies, dass die EU-Staaten?? die Landwirtschaft zusätzlich aus den nationalen Budgets subventionieren und außerdem tragen die Konsumenten erhebliche Lasten in Form von künstlich überhöhten Lebensmittelpreisen.

Außenwirtschaftlich bedeuten die Abschottung des europäischen Agrarmarktes und die subventionierten Exporte einen Widerspruch zu den von der Welthandelsorganisation (WTO) aufgestelltem Grundsatz des Freihandels. In den Entwicklungsländern entstehen von den EU - Exporten damit wirtschaftliche Schäden.

Argumente für die GAP sind das Ziel der Selbstversorgung mit Lebensmitteln. Allerdings ist auf die Überschüsse und die Abhängigkeit eines globalen Warenaustausches hinzuweisen, das Anrecht auf ein sicheres und angemessene Einkommen der Landwirte; allerdings ist dies nicht für jeden einsichtig, weil in anderen Wirtschaftszweigen der Strukturwandel Einkommens- und Beschäftigungsverschiebungen mit sich bringt, die offizielle Zielvorgabe der GAP die Begrenzung von Preisschwankungen der Lebensmittel; allerdings ist dies durch das überhöhte Preisniveau fragwürdig, die regionalpolitische Bedeutung der Landwirtschaft und ihre ökologische Funktion in der Erhaltung der Landschaft; allerdings bleibt die Frage offen, ob sich die beiden Ziele nicht mit weniger Eingriffen in die Marktwirtschaft erreichen lassen.

Ein Reformdruck ergibt sich aus der Agenda 2000 und dem Reformplan 2003 mit einer Umschichtung der Subventionierung von Preisstützungen zu einer direkten Einkommensbeihilfe. Eine Verringerung der Subventionierungshöhe ist damit nicht verbunden.

Festzustellen ist, dass die GAP ein Hindernis für die Integration der neuen EU - Mitglieder darstellt.

2 Agrarindustrielle Bewirtschaftung und ihre Folgen    

Susanne DOHRN (2018, 8-15) beklagt zurecht den Verlust der Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt, der von Menschenhand/Bauern geschaffen wurde, die das Land urbar machten und bearbeiteten. Als nach dem Zweiten Weltkrieg aus Bauern produzierende Landwirte wurden, änderte sich dies rasant.

2.1 Monokulturen    

Aus Wiesen und Weiden wurden Intensivgrünland, aus Ackerland industriell bewirtschaftete Monokulturen. Hecken und Feldraine wurden beseitigt, man legte jede Senke und und Mulde trocken. Monokulturen sind nun krankheitsanfälliger, daher setzte man Insektizide, Herbizide und Fungizide ein. Aus Pflanzenschutzmitteln entstanden hoch industriell erzeugte Chemieprodukte, verbunden mit Nebeneffekten wie der Vernichtung der Nahrungsgrundlage der körner- und insektenfressenden Tiere (vgl. zum Rückgang der Vogelpopulation http://orf.at/stories/2431089/2431088/ [23.3.2018]). Dazu kam noch die stinkende, medikamentenverseuchte Gülle, die die Landschaft in eine gigantische Latrine verwandelte.

"Statt dem Treiben Einhalt zu gebieten, fördert die Politik den ganzen Wahnsinn mit Subventionen für Biogas noch zusätzlich. So wird die Landwirtschaft zur Totengräberin der biologischen Vielfalt, eine Entwicklung, die inzwischen sogar die Bodenlebewesen erfasst" (DOHRN 2018, 11). Nitrat aus der Gülle verseucht das Grundwasser, in den Urinproben der Menschen finden sich Rückstände von Glyphosat, das sich zum Streitobjekt von Politik und Wissenschaft herausbildet.

Es gehört zum Widerspruch einer solchen Entwicklung, dass etwa Randstreifen von Autobahnen ein Hort der Biodiversität sind. Dort wo nicht gedüngt und gespritzt wird, vermehren sich Pflanzen und Tiere, die man auf Wiesen und Feldern vergebens sucht.

2.2 Alpiner Raum    

Eine Diskussion im alpinen Raum läuft, wie man diese Landschaft sinnvoll ökonomisch und ökologisch verwerten kann. Es geht um die Bewirtschaftung der Almen (Landwirtschaft/ Almwirtschaft), die Verwertung der produzierten Produkte (Tourismus)und eine Re - Naturierung durch Tiere, die vom Menschen vertrieben wurden (Ökologie/ man denke etwa an den Wolf, Luchs und die Wildkatze). Dass die Interessenslage komplex und verschieden ist, versteht sich von selbst.

Die Frage nach den Veränderungen wird aktualisiert, wenn es um Berichte um Millionenausgaben für schutzwürdige Vögel (etwa die Großtrappe), Fische (etwa den Fischotter), die Wildkatze, Biber, Fisch- und Seeadler geht.

Es geht also um die intensive Landwirtschaft, um eine agrarindustrielle Bewirtschaftung, wie es im vorgehenden Kapitel dargestellt wird. Es geht aber auch um ökologische Aspekte und Landschaftserhaltung, um die Umwelt und ihre lebenserhaltenden Funktionen.

Im Folgenden soll auf den letzten Aspekt der Ernährungssicherung als Grundlage der Nahrungsmittelversorgung eingegangen werden.

IT - Hinweis

https://topos.orf.at/truestories-macpherson100

3 Ernährungssicherung    

Die Agrarpreise erreichten 2011 neue Höchststände, die Zahl der Hungernden nahm ebenso zu. Das ökonomische Interesse an der Landwirtschaft steigt.

Anders ist die Entwicklung bei der Herausforderung von Hunger zu sehen.

3.1 Herausforderung Hunger    

Verantwortlich sind die globalen Produktionsengpässe zu machen.

In Jahrzehnten globaler Überschussproduktion gelang keine Reduzierung des Hungers in der Welt.

Entscheidend ist die schwierige Einkommenssituation von benachteiligten Gruppen, überwiegend in ländlichen Regionen.

Diskriminierungen und Governance - Probleme auf nationaler Ebene sowie politische und menschenrechtliche Probleme erklären den Fortbestand des Hungerproblems. "Gleichzeitig gibt es eine Reihe von Indikatoren, die andeuten, dass die Zeiten globaler Überschussproduktion vorbei sein könnten"(vgl. STIFTUNG ENTWICKLUNG UND FRIEDEN - INSTITUT FÜR ENTWICKLUNG UND FRIEDEN 2013, 285).

3.2 Ländliche Entwicklung    

Zu beachten ist ein zunehmendes Interesse an ländlicher Entwicklung.

Zu erkennen ist dies u.a. auch an der Welternährungskrise 2007/2008. Die Hungeraufstände 2008 erzeugten ein Problembewusstsein im politischen Denken.

Die hohen Agrarsubventionen der EU und der USA führten zu Auswirkungen auf die Agrarpreise in den Ländern des Südens und beeinflussten die Einkommenssituation vieler Bauernfamilien. Kritik an diesen Effekten führte dazu, dass die Subventionen letztlich zurückgegangen waren.

Die Finanzkrise 2008 brachte es mit sich, dass viel frei verfügbares Kapital den Agrarsektor beeinflusste. Dazu kam ein Investitionsschub bei der Nachfrage nach Land mit großflächigen Landkäufen (vgl. den Landnutzungswandel).

Das Hungerproblem wurde zudem auf dem G8-Gipfel?? in Italien 2008 mit neuen Finanzzusagen aktualisiert.

2009 beriet die FAO in Rom Schritte im Umgang mit der Welternährungskrise. Ein neues Koordinierungsgremium wurde geschaffen.

Bei der Nahrungsmittel - Sicherheit ergeben sich sechs Trends, die es darzustellen gilt.

1 Steigende Tendenz der Zahl der Hungernden seit Jahrzehnten,

2 langjährige Vernachlässigung ländlicher Räume,

3 vom Überschuss zur Knappheit,

4 Investitionen in Landwirtschaft und agrarische Rohstoffe bei steigenden Preisen,

5 Governance - Defizite auf nationaler Ebene und

6 Institutionenschwäche der globalen Governance.

Nationale und globale Aspekte gilt es vermehrt zu beachten und zu korrigieren, damit die Nahrungsmittelkette gewahrt bleibt.

Dazu gehört ohne Zweifel der Wassermangel auf der Welt. Immerhin ist die Hälfte der Weltbevölkerung davon betroffen.

Der UN - Weltwasserbericht 2018 verlangt ein nachhaltiges Wassermanagement > http://science.orf.at/stories/2901996 (19.3.2018)

3.3 Literaturverzeichnis Agrarpolitik    

Angeführt sind jene Titel, die für den Beitrag verwendet und /oder direkt zitiert werden.

Cerman M. - Eder F.X. - Eigner P. - Komlosy A. - Landsteiner E. (Hrsg.) (2011): Wirtschaft und Gesellschaft - Europa 1000 - 2000, VGS Studientexte Bd. 2, Innsbruck - Wien - Bozen

Bosshard A. - Schläpfer F. - Jenny M. - Vision Landwirtschaft (Hrsg.) (2011): Weißbuch Landwirtschaft Schweiz, Bern - Stuttgart - Wien

Dichatschek G. (2017): Didaktik der Politischen Bildung. Theorie, Praxis und Handlungsfelder der Fachdidaktik der Politischen Bildung, Saarbrücken

Dohrn S. (2018): Das Ende der Natur. Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 10193, Bonn

Heinrich - Böll - Stiftung/ Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland/ Le Monde Diplomatique (2019): Agrar - Atlas 2019. Daten und Fakten zur EU - Landwirtschaft, Berlin

Hovorka G. - Hoppichler J. (2006): Agrarpolitik, in: Dachs H. - Gerlich P. - Gottweis H. - Kramer H. - Lauber V. - Müller W.C. - Talos E. (Hrsg.): Politik in Österreich, Wien, 701 - 710

Landsteiner E. (2011): Landwirtschaft und Agrargesellschaft, in: Cerman M. - Eder F.X. - Eigner P. - Komlosy A. -Landsteiner E. (Hrsg.): Wirtschaft und Gesellschaft - Europa 1000-2000, VGS Studientexte Bd. 2, Innsbruck - Wien - Bozen, 178 - 210

Stiftung Entwicklung und Frieden - Institut für Entwicklung und Frieden (2013): Globale Trends. Frieden - Entwicklung - Umwelt, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 1366, Bonn: Ernährungssicherung - Landnutzungswandel - Konflikte, 285 - 312

Wirtschaft heute (2006): Agrarpolitik - Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Bd. 499, Bonn, 174 - 175

3.4 Literaturverzeichnis Agrarbereiche/ Auswahl    

Dabbert St.- Braun J. (2006): utb. Landwirtschaftliche Betriebslehre, Stuttgart

Kaul H.P. - Kautz T. - Leon J. (2022): utb. Ackerbau, Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, Stuttgart

William A.- Simianer H. (2017): utb. Tierzucht, Stuttgart

IT - Autorenbeiträge

Die IT - Beiträge dienen der Ergänzung der Thematik.

Netzwerk gegen Gewalt

http://www.netzwerkgegengewalt.org > Index:

Politische Bildung

Lehre an der Hochschule

Lernkulturen der Allgemeinen Erwachsenenbildung

Klimawandel und Klimaschutz

Weiterbildungsakademie Österreich

http://www.wba.or.at > Absolventen - Günther Dichatschek

3. 5 Ländlicher Raum    

Für die Politischen Bildung als Vergleich zur Großstadt bzw. urbanen Zentren stellt sich der Themenbereich mehrfach.

Vorrangig betrifft es

die Beziehung von Land und städtischem Großraum,

die Siedlungsstruktur,

unterschiedliche Infrastruktur in den Bereichen

Verkehr,

Daseinsversorgung,

Medizin,

Kultur und Bildung,

Landnutzungswandel,

Arbeitsmarkt und

letztlich der EU-Agrarpolitik??.

4 Ländliche Räume    

Ländliche Räume in ihrer Vielfalt werden oftmals nur als Natur- und Erholungsraum oder mit Defiziten wie Abwanderung junger Menschen, mangelhafter Infrastruktur und industrialisierter Landwirtschaft gesehen.

4.1 Politische Diskussion    

Das Gefälle von Stadt und Land setzte vor Jahrzehnten mit einer politischen Diskussion in Richtung gleichwertiger Lebensverhältnisse und damit Lebenschancen ein.

Übersehen wird, dass es den Gegensatz so gar nicht mehr gibt. Den ländlichen Raum gibt es auch nicht pauschal, vielmehr eine Vielzahl von ländlichen Räumen mit Unterschieden in gesellschaftlichen, sozialen und und wirtschaftlichen Merkmalen (vgl. KÜPPER 2016).

Durch den demographischen Wandel leben mehr Menschen in ländlichen Räumen als in den wenigen Großstädten in Österreich. Beträchtlich ist die ökonomische Wertschöpfung durch die Kleinindustrie, Landwirtschaft, das Gewerbe und den Tourismus geworden.

Probleme und Herausforderungen bilden regionale Tendenzen der Abwanderung junger Leute, eine starke Alterung in den Orten und das Verschwinden von Einrichtungen der Daseinsversorgung.

Der Gestaltungsraum für kreative Ideen, Rückkehrangebote angesichts sinkender Lebensqualität und steigender Wohnkosten in manchen urbanen Zentren bewirken eine neue Attraktivität besonders für junge Familien.

4.2 Österreich    

In Österreich erfordern die alpinen Regionen neue Entwicklungsprogramme, ebenso sind Regionalprogramme in Großräumen um urbane Zentren wie Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck vermehrt notwendig.

Hier ergibt sich in den sog. "Speckgürteln" - Räume bis ca. 30 - 60 Autominuten Entfernung von urbanen Zentren - eine Sondersituation, eine soziale Trennung zwischen den wirklich Ortsansässigen, den Pendlern bzw. Zuzüglern und unterschiedliche Lebensprobleme beider Gruppen. Die Problematik in Tourismuszentren stellt sich in der zunehmenden Zweitwohnungsnutzung und Zuwanderung aus dem EU - Raum.

IT - Hinweis

Probewohnen gegen Landflucht > https://steiermark.orf.at/stories/3059371/ ( 27.7.20)

5 Dörfer und Kleinstädte im Wandel    

In ländlichen Räumen sind Dörfer und Kleinstädte die wichtigsten Siedlungstypen (vgl. BORN 1977).

In Mitteleuropa ist für ein Dorf von einer Bevölkerungszahl von rund 1000 bis 1500 Personen auszugehen.

5.1 Gemeindezusammenlegungen    

Gemeindezusammenlegungen mit Dörfern ergeben größere Verwaltungseinheiten.

Agrarisch geprägte Strukturen kennzeichnen den dörflichen Charakter.

Durch die veränderte Arbeitsmarktsituation ist Mobilität der Arbeitskräfte mit Pendlertum von den Dörfern zu den wachsenden Städten vorhanden.

5.2 Tourismus    

Landschaftlich attraktive Gegenden werden durch den Tourismus zunehmend beeinflusst.

Traditionelle Lebensverhältnisse verändern sich durch Zuzug in Verbindung mit Modernisierungsprozessen und einem Strukturwandel in der Landwirtshaft.

Kleinstädte bzw. Marktgemeinden bilden regionale Zentren für die Bevölkerung als Versorgungszentren, Verwaltungseinheiten, Orte des kulturellen Austauschs und der Bildung.

Typisch und bedeutsam ist der lokale Charakter.

Historisch sind bauliche Bestände kennzeichnend.

Erweiterte Funktionen für das Umland werden zumeist wahrgenommen.

Auszugehen ist künftig in Kleinstädten von einer Weiterentwicklung in Funktionen, Siedlungsformen und Konkurrenz durch die neuen Techniken.

6 Ländliche Entwicklung in der EU- Agrarpolitik    

Eine Politik zur Entwicklung ländlicher Räume der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union/ GAP verfolgt Agrarstruktur, umweltpolitische und regionalpolitische Ziele (vgl. WEINGARTEN 2020, 46-47).

6.1 Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft    

Ländliche Räume in modernen Gesellschaften und Volkswirtschaften besitzen eine Vielzahl von Funktionen. Das folgende Beispiel von sieben Bedeutungen zeigt die Wichtigkeit der Funktionen.

Produktion von Nahrungsmitteln > Bodennutzung

Siedlungs- und Wohnungsfunktion > Flächennutzung

Standorte für Verkehrsprojekte > Verkehrsflächen

Wirtschaftsunternehmen > Flächennutzung

Tourismus und Erholungsfunktion > Landschaftsbild

Waldflächen > Speicher- und Regulationsfunktion

Entsorgungsfunktion > Weiterverwertung

6.2 EU - Rechtsrahmen    

Bereits 1957 in den Römischen Verträgen/ EWG einigte man sich auf eine "Gemeinsame Agrarpolitik" (GAP), die 1962 in Kraft trat.

Die erste Säule war die Markt- und Einkommenspolitik im Agrarsektor.

Die zweite Säule umfasst ist die "Politik zur Entwicklung ländlicher Räume", die über Jahrzehnte durch unterschiedliche politischen Ebenen in Verflechtungen sich entwickelte.

Rechtlicher Rahmen für die zweite Säule bildet die EU - Verordnung Nr. 1305/ 2013 über die Förderung der ländlichen Entwicklung durch den "Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes/ ELER".

Ziele im Artikel 4 der ELER - Verordnung sind

a) die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft,

b) Gewährleistung nachhaltiger Bewirtschaftung und Klimaschutz sowie

c) die Erreichung einer ausgewogenen räumlichen Entwicklung der ländlichen Wirtschaft und der ländlichen Gemeinschaften.

Für die Funktionsperiode 2014 - 2020 stellt die EU 96 Mrd. Euro aus dem EU - Agrarhaushalt zur Verfügung.

6.3 Literaturhinweise Ländliche Räume    

Angeführt sind jene Titel, die für den Beitrag verwendet und/ oder direkt zitiert werden.

Born M. (1977): Geographie der ländlichen Siedlungen, Bd.1, Genese der Siedlungsformen in Mitteleuropa, Stuttgart

Bundeszentrale für politische Bildung: Informationen zur politischen Bildung/ izpb 343 2/ 2020, Ländliche Räume, Bonn

Bundeszentrale für politische Bildung: Aus Politik und Zeitgeschichte, Land und Ländlichkeit, Nr. 46-47/2006, Bonn

Dichatschek G. (2017a): Didaktik der Politischen Bildung. Theorie, Praxis und Handlungsfelder der Fachdidaktik der Politischen Bildung, Saarbrücken

Dichatschek G. (2027b): Erwachsenen- Weiterbildung. Beitrag zu Theorie und Praxis von Fort- bzw. Weiterbildung, Saarbrücken

Küpper P. (2016): Abgrenzung und Typisierung ländlicher Räume (Thünen Working Paper 68), Braunschweig

Steinführer A. (2020): Dörfer und Kleinstädte im Wandel, in: Informationen zur politischen Bildung/ izpb 343/2020, Ländliche Räume, Bonn, 8-15

Weingarten P. (2020): Ländliche Entwicklung: die zweite Säule der EU - Agrarpolitik , in: Informationen zur politischen Bildung/ izpb 343/2020, Ländliche Räume, Bonn, 46-49

Teil II Alpenraum    

Einleitung    

Ein uralter Kulturraum, besiedelt von rund 14 Millionen Menschen, verändert sich durch Klimawandel und Tourismus (vgl. KASTLER 2018, 19)

Für die Politische Bildung bedeutet die Veränderung eines Kulturraumes eine Herausforderung, sich mit Aspekten und Entwicklungen der alpinen Region interdisziplinär auseinanderzusetzen (vgl. DICHATSCHEK 2018).

Werbung, Ansichtskarten, Zeitschriften, Filme und Bildbände zeigen den Alpenraum als unberührte Landschaft, liebliche Almregion mit Hüttenromantik, Felsen und Gipfel im Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergang, schneebedeckte Pisten im Winter und eine eindrucksvolle Seilbahntechnik zur Erschließung der Bergwelt.

Die Menschen in der Alpenregion werden als gut gelaunt dargestellt und haben immer Zeit für die Gäste, die sich erholen und braungebrannt sind.

Bergwandern, Schipisten in das Tal und Training für viele Sportarten in der Berglandschaft ergänzen ein Bild, das durch Klimawandel und Tourismus gekennzeichnet ist.

Konkurrenz in der Darstellung von Urlaubsträumen gibt es nur in der Trias Sandstrand, Meer und Palmen.

Es gibt aber auch Ausschnitte, die mehr zeigen als Idylle und Informationen liefern, wie sich ein jahrtausendealter Kultur- und Lebensraum erhalten lässt (vgl. BÄTZING 2018).

Als eine der größten Bergketten der Welt erstreckt sich die alpine Landschaft über 1200 Kilometer von Nizza bis Wien. Die Region Tirol liegt in einem hohen Maß in einer alpinen Landschaft.

Kennzeichnend sind der Mont Blanc mit 4807 Metern als höchster Berg, ein Lebensraum von rund 14 Millionen Menschen und einem Anteil von acht Staaten an den Alpen mit Monaco, Frankreich, Italien, der Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Österreich und Slowenien.

Menschen haben im Laufe der Geschichte zur Lebenssicherung tiefgreifend die Landschaft ökologisch verändert und umgestaltet, kulturell beeinflusst und sozioökonomisch erschlossen.

Ausgangspunkt der Überlegungen ist die Auseinandersetzung mit der Fachliteratur und den konkreten Veränderungen in der Alpenregion vor Ort. Interdisziplinarität ist Kennzeichen einer thematischen Auseinandersetzung mit Kulturgeographie, Volkskunde, Politischer Bildung und Kulturwissenschaften (vgl. HAID 2005/2008, BÄTZING 2015/2018, LUGER - REST 2018, MATHIEU 2018, DICHATSCHEK 2018).

7 Besiedelung und Nutzung des alpinen Raumes    

Durch die Besiedelung kam es zu kulturellen und wirtschaftlichen Veränderungen, die zum Zwecke der Lebensraumgestaltung und Lebenssicherung tiefgreifende ökologische und sozioökonomische Veränderungen und Umgestaltungen ergaben.

Rodungen und Bannwälder ergaben kleinräumige Siedlungen und Wirtschaftsräume mit bäuerlichen Familienstrukturen, die in Generationen dachten und planten (vgl. die Landwirtschaft im Alpenraum BÄTZING 2018, 140-145).

Heute wird ein solches Denken und Handeln gegen die Zerstörung wertvoller Lebensräume empfohlen.

Oft übersehen wird das Gewerbe und die Industrie, wobei der Übergang europaweit und im gesamten Alpenraum zur Dienstleistungsgesellschaft geht (vgl. BÄTZING 2018, 146-149).

7.1 Bäuerliche Kulturlandschaft    

Die Umwandlung in eine bäuerliche Kulturlandschaft hat neben einer sozioökonomischen Bedeutung für die Bergbauern eine biologische in der die Artenvielfalt der Pflanzen- und Tierwelt (vgl. HAID 2005, VIDEK o.J.).

Der alpine Raum stellt eines der Biodiversitätszentren Europas dar.

Obwohl der alpine Raum nur zwei Prozent der Fläche Europas bedeckt, beherbergt er rund 40 Prozent der europäischen Pflanzenwelt mit rund 400 Pflanzenarten (vgl. BÄTZING 2018, 62-65).

Von besonderer Bedeutung ist der Wald in den Alpen (vgl. geschlossene Waldflächen, Bannwald, Waldweide).

Ebenso gilt der alpine Raum als eine Zone für Wasserreserven (vgl. BÄTZING 2018, 58-61, 164-167).

In den Alpen gibt es mindestens 30 000 Tierarten.

Der Klimawandel setzt dieser Vielfalt besonders zu.

7.2 Almwirtschaft    

Der alpine Raum gilt als ideale Fläche für die Almwirtschaft (vgl. MAIR 2019, 5; Klimawandel wirkt sich auf Almen aus > https://tirol.orf.at/news/stories/2976847 [20.4.20019], "Dokumentation am Feiertag" Kuh, Schaf, Wolf & Klima > https://tirol.orf.at/tv/stories/3168228/ 13.8. 2022]).

Die unterschiedliche Nutzung von Nieder-, Mittel- und Hochalmen ist für die bergbäuerliche Bewirtschaftung wesentlich.

Ebenso bedeutend sind die unterschiedlichen Formen von Rinder-, Stier-, Pferde-, Schaf- und Ziegenalmen.

Wesentlich sind die Besitzverhältnisse wie Privat-, Genossenschafts-, Servituts- und Gemeindealmen.

Die Bauweisen unterscheiden Almhütten als Stein- und Holzbauten.

Für das Almpersonal ist "Kost" (Ernährung), Kleidung, Tracht, Entlohnung und Almleben wesentlich.

Die Almen gelten seit ihrer wirtschaftlichen Nutzung auch als Kulturraum (vgl. Feste, Lieder und Almsagen - Erholungsraum).

Die Universität Innsbruck erforscht im Projekt Stella hydrologische Verhältnisse im Tiroler Brixental im Almbereich (vgl. https://www.uibk.ac.at/geographie/stella/stella-executive-summary.pdf > Version 2/6.11.2017 [21.12.2018]).

Unterschiedliche Aspekte bei Nutzung ergeben aus dem Interessenskonflikt von Ökonomie und Ökologie.

7.3 Alpenraum als Rohstoffquellen    

Der alpine Raum war schon früh ein Gebiet für begehrte Rohstoffquellen, etwa Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Salz (vgl. BÄTZING 2015).

Die Bergbaugebiete wurden zu Handelsknotenpunkten und entwickelten sich in der Folge zu Märkten und Städten (vgl. BÄTZING 2018, 116-123).

Mit der zunehmenden Besiedelung kam es zu Entwicklungen von Wanderbewegungen notwendiger Arbeitskräfte und kulturell und religiöser Vielfalt (man denke an die Reformationszeit mit der Verbreitung des reformatorischen Glaubens durch Zuwanderung in den Bergbauregionen/ Beispiel Schwaz; vgl. BÄTZING 2018, 124-127).

Wirtschaftliche Konzentration und in der Folge damit verbunden politische Macht ergaben sich aus den Gewinnen der Nutzung der Bergbauproduktion.

7.4 Industrielle Revolution    

Mit Beginn der industriellen Revolution begannen die Städte das Land bzw. den alpinen Raum zu beherrschen.

Kleinbetriebe verloren an Bedeutung.

Es begann die Nutzung der große Alpentäler.

Das Auto, der Lastkraftwagen und die neuen Eisenbahnlinien, mit Tunnelbauten im Gebirge, gewannen in der Folge an Bedeutung und wurden zunehmend notwendig.

Heute führen die großen Transversalen von Nord nach Süd durch den Alpenraum und verursachen ökologische Probleme, deren Folgen den Lebensraum und die Lebensbedingungen der Bevölkerung belasten (vgl. die Verkehrserschließung des alpinen Raumes BÄTZING 2018, 132-139).

8 Massentourismus vs. Sanfter Tourismus    

8.3 Erschließung des alpinen Raumes    

Die Erschließung des alpinen Raumes war die Grundlage für einen Massentourismus, der zu Beginn des von vorigen Jahrhunderts sich entwickelte (vgl. BÄTZING 2018, 150-159).

In vielen Tälern war der Tourismus die Grundlage für eine Besiedelung und einen wirtschaftlichen Nutzen.

Alpine urbane Zentren und Tourismuszentren wurden bzw. werden in diesem Entwicklungsstadium intensiv genützt (vgl. BÄTZING 2018, 160-163).

Problembereiche gibt es, wenn der Tourismus in Gebiete vorstößt, die für keine Besiedelung geeignet sind.

Fragen treten bei der Gestaltung des Tourismus mit Millionen Gästen auf, wenn Erlebnislandschaften in einem sensiblen Raum verlangt und geplant werden.

Der Nutzen für einen Großteil der Bevölkerung ist fraglich (vgl. überdimensionale Infrastrukturen, hoher Strom- und Wasserverbrauch, hohe Müllkapazitäten, teure Baugründe, Verkehrschaos)

Gefordert sind Steuerungsmechanismen, um Raumordnungspläne und regionale Entwicklungen abstimmen zu können.

8.4 Freizeitverhalten    

In diesem Zusammenhang ist etwa das zunehmende Freizeitverhalten der Bevölkerung im alpinen Raum zu sehen (vgl. BÄTZING 2018, 24-27).

Der Drang, die alpine Landschaft zu genießen, bringt für das Wild - man denke allein in Tirol gibt es rund einen Bestand von 200 000 Tieren - in Unruhe, damit können die notwendigen Abschusszahlen jährlich nicht erfüllt werden.

Es bedarf funktionierender Steuerungsmachanismen zwischen der Jägerschaft und den Tourismusverbänden (vgl. https://tirol.orf.at/news/stories/2953841/ [18.12.2018]).

Im Wintertourismus steigt der Druck durch den Klimawandel.

Gebiete sollen erschlossen werden, die bis jetzt Rückzugsräume waren (vgl. Freizeitparks im Hochgebirge BÄTZING 2018, 194-205).

Heute bildet der alpine Raum das Ziel von rund 120 Millionen Gästen.

Zu beachten sind Bemühungen um einen Naturschutz als Erhaltung der Realität im alpinen Raum (vgl. BÄTZING 2018, 168-169).

Die Erhaltung und Förderung von Nationalparks mit Naturbeobachtungen, Vermehrung des biologischen Wissens und einer Erhaltung von geschützten Großräumen verdient vermehrt Beachtung.

8.5 Alpine Vereine    

Die nationalen und internationalen alpinen Vereine mit rund zwei Millionen Mitgliedern erhalten den größten Teil der Wege und Hütten unter immer mehr erschwerten Bedingungen.

Sie sind abhängig von Subventionen der öffentlichen Hand und eines freiwilligen Engagements ("Ehrenamtlichkeit").

Dies bedeutet die Basis für einen alpinen Tourismus, der einen sanften Tourismus bildet.

Zudem gilt das Engagement als ein der großen Gemeinwesen - Projekte.

Zu beachten sind überlaufende Berghütten der Mitglieder, Gefahren im Hochgebirge werden oftmals unterschätzt.

Verband Alpiner Vereine Österreichs (VAVÖ)

Alpenverein Südtirol (AVS)

Alpine Association of Slovenia

Club 4000

Club Alpin francais

Club Alpino Italiano (CAI)

Deutscher Alpenverein (DAV)

Österreichischer Alpenverein (ÖAV)

Naturfreunde Deutschland

Naturfreunde Österreich

Naturfreunde Schweiz

Österreichischer Bergführerverband

Österreichischer Touristenclub

Schweizer Alpenclub

9 Alpenkonvention 1989    

Die völkerrechtlich verbindliche Konvention - geschlossen 1989 in Berchtesgaden von den Umweltministern von Deutschland, Frankreich, Italien, Slowenien, Liechtenstein, Österreich, der Schweiz und Europäischen Gemeinschaft - umfasst eine Präambel und 14 Artikel.

9.1 Präambel    

Die Präambel betont die Bedeutung der Alpen als großen zusammenhängenden Naturraum in Europa, die spezifische und vielfältige Natur, Kultur und Geschichte als ausgezeichneten Lebens-, Wirtschafts-, Kultur- und Erholungsraum im Herzen Europas, an dem zahlreiche Völker und Länder teilhaben.

Die Bedeutung für außeralpine Gebiete, unter anderem als Träger bedeutender Verkehrswege, wird anerkannt.

Ebenso wird der alpine Raum als Rückzugs- und Lebensraum für gefährdete Pflanzen- und Tierarten betont.

Festgehalten werden die Unterschiede der einzelnen Rechtsordnungen, der naturräumlichen Gegebenheiten und Besiedelungen,

der Land- und Forstwirtschaft und Entwicklung der Wirtschaft, der Verkehrsbelastung und die Art und Intensität der touristischen Nutzung.

Anerkannt wird die wachsende Beanspruchung des Alpenraumes, die Gefährdung ökologischer Funktionen und deren hoher Aufwand, verbunden mit beträchtlichen Kosten zur Behebung in der Regel nur in großen Zeiträumen.

Ausgedrückt wird die Überzeugung, dass wirtschaftliche Interessen mit den ökologischen Erfordernissen in Einklang gebracht werden müssen.

9.2 14 Artikel    

Artikel 1 umfasst den Anwendungsbereich.

Artikel 2 betrifft die allgemeinen Verpflichtungen wie die Achtung, Erhaltung und Förderung der Bevölkerung und Kultur, die Raumplanung, Luftreinhaltung, der Bodenschutz, Wasserhaushalt, Naturschutz und die Landschaftspflege, Berglandwirtschaft, der Bergwald, der Einklang von Tourismus und Freizeitaktivitäten, die Belastung von Verkehr, die Erzeugung von Energie und Abfallvermeidung.

Artikel 3 beschreibt die Forschungsaktivitäten und systematische Beobachtung der in Artikel 2 genannten Gebiete.

Artikel 4 dokumentiert die Zusammenarbeit im rechtlichen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und technischen Bereich.

Artikel 5 umfasst die Organisation der Konferenz der Vertragsparteien (Alpenkonferenz).

Artikel 6 umfasst den Aufgabenbereich der Alpenkonferenz.

Artikel 7 behandelt die Beschlussfassung in der Alpenkonferenz.

Artikel 8 bezieht sich auf die Bestimmungen des Artikel 7 mit den Aufgaben des Ständigen Ausschusses.

Artikel 9 bezieht sich auf das Sekretariat der Alpenkonferenz.

Artikel 10 betrifft Änderungen des Übereinkommens.

Artikel 11 bezieht sich auf Protokolle und ihre Änderung.

Artikel 12 regelt die Unterzeichnung und Ratifizierung des Übereinkommens.

Artikel 13 regelt eine Kündigung des Vertragswerkes.

Artikel 14 regelt die Notifikationen.

IT - Hinweis

Geltende Fassung 2021 > http://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10010876 (22.9.21)

9.3 Reflexion    

Für die Politische Bildung ist die Frage nach der Zukunft des alpinen Raumes eine wesentliche Fragestellung.

"Wenn die Entwicklung der Alpen so weitergeht wie bisher, dann werden die letzten noch erhaltenden Kulturlandschaften in absehbarer Zeit allmählich verschwinden und die Alpen werden ausschließlich aus verwaldeten und verstädterten Regionen bestehen" (BÄTZING 2018, 210).

9.4 Zielsetzungen    

Zielsetzungen wären in Anlehnung an HAID (2005) und BÄTZING (2018)

1 eine Aufwertung als dezentraler Lebens- und Wirtschaftsraum,

2 in Anbindung an eine Modernisierung Europas die Erhaltung des alpinen Raumes als Freiraums mit eigenständiger Entwicklung,

3 dies bedeutet die Nutzung der wertvollen Ressourcen (etwa regionstypischer Qualitätsprodukte/Viehwirtschaft, Acker- und Obstbau, Holz, Energienutzung),

4 einen Umbau des Tourismus zur Nutzung der Regionalwirtschaft (vgl. Alpintourismus/Bewertung und Wandel > http://m.bpb.de/apuz/25886/alpentourismus-bewertung-und-wandel?p=all [2.2.2019]),

5 schnelleres Internet mit dezentralen Arbeitsplätzen,

6 neue Kulturlandschaften mit Schutz des Lebensraumes. Dazu bedarf es einer spezifischen Infrastruktur und Stützung, Betreuung und Beratung von Gemeinwesenprojekten,

7 den Ausbau von schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen,

8 Versorgung mit Medizineinrichtungen und Krankenbetreuung,

9 Sozialbetreuung für Jugend und Senioren,

10 ausreichender Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr und einen tauglichen Verkehrsverbund,

11 ausreichende Verwaltungseinheiten,

12 Möglichkeiten von Arbeitsräumen,

13 Stützung und Förderung Berglandwirtschaft,

14 Schaffung von Freizeiträumen und

15 die vermehrte Beachtung der Bedeutung der Alpenkonvention zur Wahrung europäischer Interessen an den Alpen ist einzumahnen(vgl. Transitverkehr, Wassernutzung, Erholungsraum/Schutzräume - Naturschutz - Nationalparks).

9.5 Aufgabenfelder einer Politische Bildung    

Als Aufgabenfelder stellen sich

1 eine Agrarpolitik mit dem Aspekt der Erhaltung einer Berglandwirtschaft - ökonomisch, ökologisch, sozial und kulturell,

2 der Klimawandel und Klimaschutz als komplexes Anliegen einer Umweltpolitik und

3 der vermehrten Beachtung des sensiblen alpinen Raumes, im Rahmen globaler Überlegungen bzw. Globalen Lernens.

Ein Interessenskonflikt ergibt sich aus der Bipolarität von Ökonomie und Ökologie.

Politische Bildung zeigt die Kontroverse auf und sucht nach konsensualen Lösungswegen im Einzelfall.

Vermehrt sollte die Schönheit der alpinen Landschaft und ihre Einmaligkeit - schulisch und außerschulisch - im Kontext Politischer Bildung in

Projekten,

Exkursionen,

Erkundungen,

Bildmaterial und

praktischen Erfahrungen anschaulich demonstriert werden (vgl. als Impuls die Dissertation zur Kultur des Bergführerberufs [Schweiz]von HUNGERBÜHLER 2014).

Zunehmend sind zu beobachten die Folgen eines Klimawandels mit einer

1 Erwärmung im Hochgebirge (vgl. Ansteigen der Schneegrenze, Gletscherschmelze, geringere Wasserabflüsse, Permafrostschmelze, Unwetter- und Naturgefahren [Starkregen, Murenabgang und Steinlawinen] sowie zunehmender Dürreflächen),

2 Verschieben der Pflanzen- und Tierwelt sowie

3 Auftreten neuer Schädlinge.

IT - Hinweise

Universität Innsbruck - "International Mountain Conference 2019"/8-12, 2019 > https://tirol.orf.at/stories/3011876/ (8.9.2019)

ORF.at - Klimawandel lässt Alpen rascher zerbröseln > https://salzburg.orf.at/stories/3014758/ (27.9.2019)

9.6 Literaturverzeichnis Alpenraum    

Angeführt sind jene Titel, die für den Beitrag verwendet und/ oder direkt zitiert werden.

Alpenkonvention (2013): Nachhaltiger Tourismus in den Alpen, 4. Alpenzustandsbericht, Innsbruck

Bätzing W. (2015): Die Alpen - Geschichte und Zukunft einer europäischen Kulturlandschaft, München

Bätzing W. (2018): Die Alpen. Das Verschwinden einer Kulturlandschaft, Darmstadt

Dichatschek G. (2018): Didaktik der Politischen Bildung. Theorie, Praxis und Handlungsfelder der Fachdidaktik der Politischen Bildung, Saarbrücken

Haid H. (1986): Vom alten Leben. Vergehende Existenz-und Arbeitsformen im Alpenbereich, Rosenheim

Haid H. (2005): Neues Leben in den Alpen. Initiativen, Modelle und Projekte der Bio - Landwirtschaft, Wien - Köln - Weimar

Heinrich - Böll - Stiftung / Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland/ Le Monde Diplomatique (2019): Agrar - Atlas 2019. Daten und Fakten zur EU - Landwirtschaft, Berlin

Hungerbühler A. (2014): Könige der Alpen. Zur Kultur des Bergführerberufs, Bielefeld

Kastler U. (2018): In den Alpen gibt es keine heile Welt, in: Salzburger Nachrichten, 13. Dezember 2018, 19

Luger K. - Rest Fr. (Hrsg.) (2018): Alpenreisen. Erlebnis, Raumtransformation, Imigation, Innsbruck - Wien - Bozen

Mair B. (2019): Zwischen Heimat und Erholung, in: Tiroler Tageszeitung, 15. 4.2019, 5

Mathieu J. (2015): Die Alpen. Raum - Kultur - Geschichte, Stuttgart

Pfeiffenberger A. (2019): Das Risiko auf dem Berg wird unterschätzt, in: Salzburger Nachrichten, 8. Jänner 2019, 1

Vitek E. (o.J.): Die Pflanzenwelt der österreichischen Alpen, Naturhistorisches Museum, Wien

Teil III Alpinethik    

10 Bergsport    

Im gesamten Bereich des Bergsportes sind es Prinzipien, die das menschliche Verhalten regeln.

Der ethische Grundgedanke setzt auf ein Verhalten, das

• den Wert des menschlichen Lebens schützt,

• andere Menschen durch das eigene Verhalten nicht gefährdet,

• Hilfe leistet und

• mit der Natur sorgsam umgeht.

Es fördert das Verständnis für einen natur- und umweltverträglichen Bergsport, den Vorrang von öffentlichen Verkehrsmitteln bei alpinen Aktivitäten und freier Zugang zur Bergwelt als Grundlage des Berg- und Naturerlebnisses.

Menschen jedes Alters sollen im alpinen Raum willkommen sein und entsprechend ihrem Leistungsvermögen tätig sein können. Der Sport soll von allen Gruppen verantwortungsbewusst ausgeübt werden.

Aus – und Weiterbildung soll auf breiter Ebene erfolgen und an die einzelnen Zielgruppen speziell angepasst werden.

11 Natur und Umwelt    

11.1 Alpentourismus    

Derzeit sind keine genauen ethischen Richtlinien vorhanden.

Ein Ansatz ist die protestantische (puritanische) Ethik, die den Tourismus ab- und verurteilt. Genießen und Vergnügen gelten als negative Handlung, weder ernsthaft noch leistungsbezogen (vgl. Henning 1997, Antitourismus. Zur Geschichte des Antitourismus, 31-41).

Zahlen: 11 - 13 Mio Alpenbewohner

180 000 Quadratkilometer

120 Millionen Gäste

500 Millionen Nächtigungen

5 Millionen Gästebetten

• Nur 7 % der österreichischen Landschaft sind unerschlossen und naturbelassen.

• 3/5 der alpinen Freiräume sind von großtechnischen Erschließungen nicht geschützt.

• 2/3 der alpinen Freiräume befinden sich in höchsten Gebirgsregionen.

• 40 % der alpinen Höhenstufen werden in irgendeiner Art erschlossen oder genutzt.

IT - Hinweis

https://www.wwf.at/de/wo-liegen-die-letzten-naturbelassenen-landschaftsraeume/ (bereits abgelaufen)

Es bleiben also nur allgemeine ethische Richtlinien.

Der globale Ethikkodex bezeichnet ethischen Tourismus als eine Art des Tourismus, der Rücksicht auf die Kultur und Gepflogenheit des Reiseortes genommen hat.

Schwerpunkte sind Toleranz, Gleichberechtigung und Respekt.

• Gegenseitiges tolerieren

• Recht der Menschen auf Tourismus

• Verständnis der Menschen zwischen den Völkern verbessern

• Grundrechte der Beschäftigten garantieren

• Bewegungsfreiheit gemäß nationalem Recht garantieren

Das gastgebende Land soll durch neue Arbeitsplätze vom sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung profitieren.

Derzeit haben nur zwölf Staaten die Aufnahme in die "Ethical Traveller - Liste " geschafft: Tuvalu, Mikronesien, Dominica, Kap Verde, Mongolei, Tonga, Uruguay, Grenada, Samoa und Panama

IT - Hinweis

https://de.wikipedia.org/wiki/Ethischer_Tourismus (16.6.2024)

Ausführung eines naturnahen Tourismus: BMFWFJ

  • Erhalt beschränkter Ressourcen , sowenig Abfall wie möglich produzieren
  • Förderung von Natur- und Ökotourismus
  • Beschränkung touristischer Aktivitäten durch Anpassung der Infrastruktur in sensiblen Schutzgebieten
  • Zeitliche Staffelung der Touristenströme durch Lenkungsmodelle
IT - Hinweis

https://www.bmnt.gv.at/tourismus/tourismuspolitische-themen/nachhaltige-entwicklung/ethik-im-tourismus.html (16.6.2024)

Die Diskussion bewegt sich hier zwischen kultureller Bereicherung und Identitätsstärkung der Region auf der einen Seite bzw. Entfremdung/ Überfremdung auf der anderen Seite.

Der Alpintourismus kann durch seine Auswüchse die einheimischen Bewohner zum Abwandern zwingen bzw. ihnen ein alpines Disneyland zum Leben biete, falls sie sich das überhaupt leisten können > https://utopia.de/orte-tourismus-zerstoert-28777/ (16.6.2024)

Es stellt sich die Frage, ob Sölden, Venedig oder Barcelona, wer möchte dort noch im Zentrum leben? In manchen Bereichen wird die Ethik zweitrangig, wenn der Umsatz stimmt (siehe Ischgl).

11.2 Gletscherschigebiete    

Der Rückgang der Gletscher schreitet unaufhörlich voran und hat beängstigende Ausmaße angenommen. Der geringe Sommerschneefall und die herbstlichen Schönwetterperioden tragen zu einer vermehrten Eisschmelze und damit zur Schrumpfung der Gletscher bei. Sogenannte Sommerschigebiete können teilweise im Sommer nicht mehr betrieben werden und bieten oftmals ein fürchterliches Bild.

Ethische Grundsätze werde der Gewinnmaximierung geopfert, Ökologie und Sicherheit sind dann oft nur zweitrangig (Unglück Kaprun).

Die schwerpunktmäßige Ausrichtung auf den Gletscherschilauf wirft für kommende Generationen ethische Fragen auf

• Ist es richtig, diese Gebiete ohne Rücksicht auf Verluste zu erschließen (Pitztal, neue Trasse)?

• Werden die erwirtschafteten Mittel in die Zukunft des jeweiligen Tales investiert?

• Wird eine vernünftige Nachnutzung angedacht, falls diese überhaupt möglich ist?

• Welche touristischen Leitbilder werden für die Zeit danach formuliert und wird eine Struktur für diese Nachnutzung aufgebaut ("Sanfter Tourismus" als Gegenpol zu harten Tourismus)?

• Welche Nachhaltigkeit strebt man an?

• Werden die einzelnen Anlagen bei unmöglicher Weiterverwendung abgebaut und das Gebiet renaturiert?

• Hat der Gesetzgeber vorgesorgt und werden die Erbauer gezwungen, Kapital nachweislich für die Renaturierung bereitzulegen, anderenfalls keine Baugenehmigung erteilt wird (Wie baut man die riesigen Anlagen auf 3400 m ab?)?

Der klassische Hochgebirgstourismus kennt dieses Problem bereits, Mondlandschaften statt glitzerndem Firn, Steinschlaghölle statt Eistouren, wegbrechende Bergflanken und Wände.

Bergführer stellen sich schon seit Jahren um, da die Saisonen für Hochtouren zu kurz sind und das Spektrum an Angeboten in andere Themengebiete erweitert wurde.

Wir müssen diese Dinge jetzt aussprechen, trotz des aggressiven Wiederstandes der Tourismusindustrie und ihrer politischen Helfer.

Kommende Generationen werden damit leben müssen und wir können uns dann nicht ausreden und sagen: "Das haben wir nicht gewusst.“ Wir konnten es artikulieren- ohne Angst vor Repressionen- weil wir in einem freien Land leben.

Es ist eine Pflicht im Sinne der Ethik, diese Punkte aufzuzeigen, um auch später, wenn die Tourismuskarawane weitergezogen ist, das Leben in diesen Regionen lebenswert zu erhalten.

11.3 Bergsport und Alpinstil    

Generell setzt offensichtlich der Leistungsalpinismus auf Selbstregulation und moralische Werte.

Genaue Prinzipien, die das menschliche Verhalten am Berg regeln, sind eher freiwillig, sollten sich aber mit den anfänglich genannten ethischen und moralischen Grundsätzen übereinstimmen.

Erste Hilfe leisten bei Unfällen ist ethisch gut und richtig, einen Verunfallten im Stich lassen ist immer inhuman.

• Auslösen alpiner Gefahren wie Steinschlag, Lawinen vermeiden

• Faires Verhalten gegenüber anderen Bergsteigern

• Was darf man, was darf man nicht

11.3.1 Regeln am Berg    

Die Regeln am Berg sind allerdings nicht festgeschrieben, sie erfolgen in der Regel freiwillig.

Das Verhalten in Notsituationen muss zumutbar sein (Rechtsprechung)

Im Spitzenalpinismus herrscht Anarchie. Es gibt 3 Arten von Extremalpinismus:

1. Kommerzieller 8000er Alpinismus +7 Summit - Alpinismus kaum erste Hilfe, Doping, Bergung nur in der eigenen Gruppe

2. Versportelter Spitzenalpinismus, Sponsorenabhängig - Rekordabhängig - Beweisabhängig ( Foto, GPS, Zeuge) Akteure kontrollieren sich selbst, eigene Ethikregeln sind dann Charaktersache.

3. Echter Spitzenalpinismus abseits des Mainstreams ( Südpol solo, K2 Winter ). Eigene Regulatorien und Regeln am Berg. Externe Ethikregeln nehmen die Freiheit am Berg (Messner).

Und so verlieren sich die Bergsportler in selbstauferlegten Regeln. Bohrhaken, ja oder nein, 8000er mit oder ohne Sauerstoff, was zählt? Es ist auch nicht wichtig, da es nur für einen kleinen Kreis von Interesse ist und bestenfalls die alpine Szene interessiert.

Die selbst auferlegten Regeln hemmen allerdings die Weiterentwicklung des Bergsportes, ändern aber nichts an der moralischen Verpflichtung, meinen Partnern bzw. anderen Menschen in Not beizustehen, egal wo ich mich gerade befinde.

11.3.2 Berg als Grenze    

Die Sportethikerin Claudia Pawlenka bringt es auf den Punkt.

Im Bergsport brauche es keine "künstliche Regelwillkür", die Grenzen setze, sondern der Berg selbst sei die Grenze oder die naturgegebene Physis des Alpinisten und ein informelles Regelwerk.

Die Frage bleibt, ob ein informelles Regelwerk allein noch taugt < https://www.nzz.ch/gesellschaft/lebensart/outdoor/ethik-und-moral-am-berg-1.18523583

"Der Kampfsport kennt Konkurrenten und Rivalen, aber der Alpinist konkurriert nur mit einem – und das ist er selbst" (Viktor Frankl).

Was passiert, wenn das Bergsteigen zu einer reinen Form der sportlichen Leistung ohne Ethik wird?

IT - Hinweis

https://www.dolomitenstadt.at/story/sisyphos-am-berg/ (16.6.2024)

Hier ist der Bergsteiger selbst gefordert, indem er den Sinn seines Handelns nicht in der Steigerung seines Bekanntheitsgrades sieht sondern wächst "auf dem Sockel der Pyramide aller Erfahrungen und Werte, die wir unterwegs gewonnen haben"( Walter Bonatti).

11.3.3 Alpine Infrastruktur    

Hier hat der Schweizer Alpenclub/ SAC einige Regeln formuliert.

Hütten

• Alle Zielgruppen sind auf den Hütten willkommen

• Hütten werden nach ökonomischen und ökologischen Kriterien geführt

• Schwerpunkte auf Unterhalt und Sanierung

• Keine Neubauten in unerschlossenen Gebieten

• AV erwirbt und erhält schützenswerte Gebiete (vgl. Großglockner )

Wege

Der Bau und Erhalt und die einheitliche Markierung von Wegen erfolgt durch die alpinen Vereine und tw. durch die Tourismusverbände.

Aufstiegshilfen

Diese sind unverzichtbar für den Erfolg des alpinen Tourismus. Ethische Richtlinien ökologischer Natur können vereinzelt wahrgenommen werden aber oft ökonomischen Interessen unterstellt.

Einzig Umweltzonen und Nationalparks sind einigermaßen geschützt, können aber mittels einfacher Gesetze in Bauvorhaben einbezogen werden.

Ausbildung

Alpinausbildner, ob professionell oder als Amateure sind immer Meinungsbildner und Multiplikatoren. Sie bieten ihr Können, ihr Wissen, ihre Erfahrungen aber auch alpine ethische Grundsätze an, die dann vielfach übernommen werden sollten. Fehler in diesem Bereich können verheerende Folgen nach sich ziehen. In Zeiten der Ich AG sollten Alpinlehrende das Gemeinsame vor das Einzelkämpfertum stellen.

11 3.4 Neue Sportarten    

Trendsportarten wie Hallenklettern, diverse Eiskletterarten, Freesoloclimbing etc. sind durch Ethikregeln überhaupt nicht erfasst und verfügen über ein eigenes seltsam anmutendes Regelwerk, dass nur für die Teilnehmenden von Interesse ist.

Die Teilnehmenden nehmen beim Wettkampfklettern extrem ab, da in geringes Körpergewicht das Klettern erleichtert. Der Risikofaktor einer Essstörung ist dadurch gegeben.

Der erlaubte BMI beträgt bei Frauen 18, bei Männern 18.5. Allerdings werden die kranken Athleten von der IFSC (International Federation of Climbing) nicht disqualifiziert, falls sie den BMI unterschreiten. Den Sponsoren ist das nicht wichtig. Hauptsache ist die erwünschte Leistung ohne Rücksicht auf Verluste. Die Wettkampfkletterer sind nicht bereit, eine entsprechende Regelung zu akzeptieren. Die Gesundheit begeisterter Menschen wird aus trivialen Gewinngründen auf das Spiel gesetzt.

  • Beim Schispringen gibt es die gleichen Probleme, bis der BMI auf 21 festgelegt wurde. Die Attraktivität dieser Schisportart blieb trotzdem erhalten.
  • Beim Hobbyklettern gibt es überhaupt keine Regulatorien, mit fatalen Auswirkungen auf die Gesundheit.
  • Das Auftreten neuer Sportarten stellt den alpinen Raum vor neue Herausforderungen.
  • Das respektieren von Grenzen soll Natur und Umwelt schützen. Jeder Einzelne soll ein Verhalten an den Tag legen, das ethischen Grundsätzen von Naturverträglichkeit und Respekt vor der Umwelt zeigt.
  • 700 000 Schitourengeher sind alleine im Winter in Österreich unterwegs > https://www.land-oberoesterreich.gv.at/Mediendateien/LK/PKHiegelsberger1132019Internet.pdf (16.6.2024)
  • Mountainbike - Mountainbikezahlen sind überholt, 2015 waren es 600 000, mit der E - Bikewelle hat sich alles verändert. Hier geht es um ein Miteinander von naturbegeisterten Menschen, die sich gegenseitig aufeinander Rücksicht nehmen sollen. Ethik regelt auch hier das menschliche Verhalten und lässt jedem seinen Platz in der Natur.
  • Wildwasserfahren - Hier geht es um eine rasante Sportart, die auf Grund ihrer Dynamik eher wenigen Sportlern vorbehalten ist. Das Befahren von Wildbächen erfolgt soll naturverträglich erfolgen, da es sich um sensible Ökobereiche handelt.
  • Rafting - Rafting ist eine sehr in Mode gekommene Sportart, die gewerblich intensiv vermarktet wird. Der vorsichtige Umgang mit der Natur nach ethischen Grundsätzen (ich konnte keine finden) ist nicht wirklich gewährleistet und wenn, dann ist er freiwillig. Die gemeinsame Raftingtour als integrationsfördernde Aktivität ist nicht zu unterschätzen. Das gemeinsame Erlebnis im Wildwasser, der Zusammenhalt, die Verantwortung, das Erlebnis Natur lassen Klassen – und Kulturunterschiede kurzzeitig verschwinden. Vom ethischen Standpunkt aus ist das gegenseitige füreinander da sein, die moralischen Grundsätze der Verantwortung füreinander und auch das gemeinsame Abenteuer jene Dinge, die das Gemeinsame über das Trennende stellen.
12 Bergführerwesen (incl. Wanderführer)    

Der Ehrenkodex des Österreichischen Bergführerverbandes legt fest.

Der Bergführer trägt unabhängig von seiner Stellung die Verantwortung für alle seine Entscheidungen und muss jedes Projekt, das ihm entweder zu riskant oder ethisch fragwürdig erscheint, ablehnen.

Er lehrt seinen Gäste, sich den Umständen entsprechend verantwortungsbewusst zu verhalten und entwickelt ihre Fähigkeit zur Selbstkontrolle und Eigenverantwortung.

Übertragen auf Alpinlehrende heißt das, dass man eigene ethische Grundsätze haben muss, um in diesem gefährlichen Bereich ausbilden zu können, und dass man dem Gruppendruck der Auszubildenden standhalten muss. Ausbildungskurse und Trainingskurse alpiner Organisationen

Hier gibt es ein breit gefächertes Ausbildungsprogramm, das vom Kind bis zum Senior, alle Altersgruppen erreicht.

Hauptamtliche und Ehrenamtliche werden ebenso ausgebildet wie Anfänger und Fortgeschrittene.

Laut Wikipedia sieht der Alpenverein die Erziehung zum Umweltbewusstsein als anthropologisch - ethische Aufgabe (Zeitschrift des D- und ÖAV).

Im Wettkampfsport werden unter ethischen Kategorien

• keine sexuellen Übergriffe

• "Cool and clean" Schweizer Alpenclub SAC zitiert.

Die "Internationale Vereinigung der nationalen Alpinverbände" (UIAA) versucht unter Ethik die Frage der Bohrhaken zu klären (wann, wo, ob überhaupt, wie viele, wer ? ).

Der UIAA ist es wichtiger, "den alpinistischen Geist und die Tradition zu bewahren“, was immer das bedeutet.

Zum Schluss ist noch die Weltdopingagentur (WADA) mit dem Wettkampfsport verlinkt, da müssen noch praktische und ethische Regeln erdacht werden. Doping im Amateursport ist ja im Gegensatz zum Profisport nicht sonderlich bekannt, aber doch ein nicht zu unterschätzender Faktor. An der Praxis sollte man langsam arbeiten, vom ethischen Standpunkt aus muss endlich Klartext gesprochen werden und Doping kategorisch abgelehnt werden.

Ein Appell an den „ alpinistischen Geist“ und die „Tradition“ ist auch hier zu wenig.

Wenn man sieht, welches Engagement gerade die Vereine auf den Gebieten von

Sport

• Ausbildung

• Wettkampf und

• Umwelt

IT - Hinweis

https://www.nzz.ch/gesellschaft/lebensart/outdoor/ethik-und-moral-am-berg-1.18523583 (16.6.2024)

Dokumentation    











Zum Autor    

APS - Lehramt (VS - HS - PL 1970, 1975, 1976), zertifizierter Schülerberater (1975) und Schulentwicklungsberater (1999), Mitglied der Lehramtsprüfungskommission für die APS beim Landesschulrat für Tirol (1993-2002)

Absolvent Höhere Bundeslehranstalt für alpenländische Landwirtschaft Ursprung - Klessheim/ Reifeprüfung, Maturantenlehrgang der Lehrerbildungsanstalt Innsbruck/ Reifeprüfung - Studium Erziehungswissenschaft/ Universität Innsbruck/ Doktorat (1985), 1. Lehrgang Ökumene - Kardinal König Akademie/ Wien/ Zertifizierung (2006); 10. Universitätslehrgang Politische Bildung/ Universität Salzburg - Klagenfurt/ MSc (2008), Weiterbildungsakademie Österreich/ Wien/ Diplome (2010), 6. Universitätslehrgang Interkulturelle Kompetenz/ Universität Salzburg/ Diplom (2012), 4. Interner Lehrgang Hochschuldidaktik/ Universität Salzburg/ Zertifizierung (2016) - Fernstudium Grundkurs Erwachsenenbildung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium, Comenius - Institut Münster/ Zertifizierung (2018), Fernstudium Nachhaltige Entwicklung/ Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium, Comenius - Institut Münster/ Zertifizierung (2020)

Lehrbeauftragter Institut für Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft/ Universität Wien/ Berufspädagogik - Vorberufliche Bildung VO - SE (1990-2011), Fachbereich Geschichte/ Universität Salzburg/ Lehramt Geschichte - Sozialkunde - Politische Bildung - SE Didaktik der Politischen Bildung (2026-2017)

Mitglied der Bildungskommission der Evangelischen Kirche Österreich (2000-2011), stv. Leiter des Evangelischen Bildungswerks Tirol (2004 - 2009, 2017 - 2019) - Kursleiter der VHSn Salzburg Zell/ See, Saalfelden und Stadt Salzburg/ "Freude an Bildung" - Politische Bildung (2012 - 2019)

MAIL dichatschek (AT) kitz.net

 
© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am 2. November 2025