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Helmut Leitner / Über Gewalt

Diese Gedanken schließen an meine versuchte Definition von WasIstGewalt an.

Gewalt ist in Gemeinschaft nicht möglich. Wenn Gewalt angewendet werden soll, dann muss das Ziel der Gewalt zuerst aus der Gemeinschaft ausgegliedert werden. Die Schwarzen wurden als Nicht-Menschen betrachtet, um sie als Ware und als Sklaven behandeln zu können. Vor dem Holocaust war eine Brandmarkung der Juden als Volksfeinde und ihr Ausschluss aus der Gemeinschaft notwendig.

Gewalt ist nichts Unnatürliches. Das Durchsetzen der stärkeren Kraft in einem Nullsummenspiel von Materie und Energie ist ein physikalische Prinzip. Es erfordert keine Intelligenz, es denkt nicht die Zukunft mit. Das Geheimnis des Lebens ist die Transzendierung dieses Nullsummenspiels der Physik. In biologischen und sozialen Systemen werden Synergien produziert und verteilt, wobei alle gewinnen. Das erfordert Intelligenz, Lernfähigkeit und den Aufbau von stabilen gemeinschaftlichen Systemen, in denen die Zukunft einen Schatten wirft (momentane Vorteile aus Gewalt sind weniger attraktiv, wenn die Zukunft sichere Nachteile daraus bereit hält).

Ein Beispiel zur Synergie: Die Erfindung der "Arbeitsteilung" ist eine soziale Entwicklung, die durch Synergie mehr Produktivität und mehr Wohlstand bringt. Sie benötigt soziale Stabilität und eine Fülle anderer Entwicklungen (wie Geld), damit die Teilnehmer ihre Bedürfnisse befriedigen können. Dagegen ist in Zeiten ohne Stabilität (Kriegzeiten) der autarke Bauer im Vorteil, der alle lebenswichtigen Produkte selbst erzeugt.

Gewalt bekämpfen heißt Menschen im Aufbau von Gemeinschaft zu fördern und intelligente Problemlösungen zu suchen, die offensichtlich vorteilhafter sind, als einseitige Gewalt.

Soziale Systeme sind komplexe Systeme, in denen Einzelne auch wieder nach Macht und persönliche Vorteilen suchen und es schaffen, dies teilweise zu verschleiern. Soziale Systeme brauchen Transparenz, um nicht missbraucht zu werden.


Es ist merkwürdig, dass es im Bereich der Sexualität den Begriff Pornographie gibt, der gesellschaftlich nicht akzeptierte Darstellungen ausgrenzt, dass es jedoch einen analogen Begriff im Bereich der Gewalt und Gewaltdarstellungen nicht gibt. Ich möchte hierzu den Begriff der Sadographie einführen (siehe WasIstSadographie). Denn die Auseinandersetzung mit der Gewalt erfordert auch die sprachlichen Mittel für eine klare Bezeichnung und Ausgrenzung.

 
© die jeweiligen Autoren zuletzt geändert am March 24, 2003